Kapitel 5 – 1993 Part I

April 1993

Albus Dumbledore war es zwar gelungen, den Frieden an der Schule für eine Weile zu bewahren, doch als im Frühjahr auch noch Miss Granger und Miss Clearwater das gleiche Schicksal ereilte, brach Panik in Hogwarts aus. Severus Snape transportierte die beiden versteinerten Mädchen zusammen mit Professor Flitwick und Professor McGonagall in den Krankenflügel. Erst vor wenigen Wochen hatte er Miss Granger in Madame Pomfreys Reich aufgesucht und unter Androhung härtester Strafen zu vernehmen versucht. Ihre Geschichten von einem missglückten Verwandlungszauber waren genauso absurd wie die Katzenhaare in ihrem Gesicht und der buschige Schwanz gewesen. Ein kurzer Blick in sein Vorratsregal hatte damals sofort bewiesen, dass ihr Anblick eine angemessene Bestrafung für Diebstahl und illegale Experimente war. Als ob Zweitklässler ein so hochkomplexes Gebräu wie Vielsafttrank herzustellen vermochten!

Doch die heutige Situation sah ganz anders aus. Snape betrachtete nachdenklich die reglosen Umrisse, die mittlerweile ein Drittel des Krankenflügels belegten. Professor Sprout und er konnten es zwar schaffen, aus den Alraunen den Gegentrank zu gewinnen, aber so lange sie den Täter nicht aufspürten, befanden sich alle Bewohner von Hogwarts in Gefahr.


Mai 1993

Professor Flitwick ließ sich mit einer Wucht in einen Stuhl fallen, die bei einem Menschen seiner Gestalt verblüffte. Dann schüttelte er mehrmals den Kopf.

„Was ist los?", fragte Madame Hooch irritiert.

Ihr Kollege sprang auf und setzte sich wieder.

„Nun reden Sie schon, Filius", forderte Professor Sprout ungeduldig.

„Professor Dumbledore wurde seines Amtes enthoben und Hagrid nach Azkaban gebracht!"

Die Anwesenden im Lehrerzimmer schienen gleichzeitig in ihrer jeweiligen Tätigkeit zu erstarren.

„Das ist unmöglich!", fand Professor Sprout als Erste ihre Worte wieder. „Dumbledore kann nicht einfach gefeuert werden. Und was soll Hagrid in Azkaban? Lächerlich!"

„Sehe ich genauso", bestätigte Professor Vektra. „Niemand hat die Macht, jemanden wie Dumbledore aus heiterem Himmel seines Amtes zu entheben. Der Schulrat muss mehrheitlich gegen ihn stimmen und das Ministerium eine Suspendierung befürworten."

„Und genau das ist geschehen", erklärte Professor Flitwick. „Der ganze Schulrat war plötzlich gegen ihn."

„Imperius-Fluch", sagte Madame Hooch und ließ einen Nimbus 2000 auf den Tisch krachen.

„Das ist auch meine Überlegung", stimmte Flitwick zu.

„Und wieso bringt man Hagrid nach Azkaban?", begehrte Professor Sprout zu wissen.

„Wegen der Versteinerungen. Man hält ihn für den Schuldigen", erwiderte ihr Kollege betreten.

„Noch nie in meinem Leben habe ich einen solchen Schwachsinn gehört!", donnerte Professor Sprout. „Offensichtlich sind einigen Leuten Flubberwürmer ins Gehirn gekrochen!"

Snape erwachte langsam aus seiner Erstarrung. Dumbledore des Amtes enthoben? Das war ein Schlag. Alles, was Dumbledore in den vergangenen Jahren an dieser Schule aufgebaut hatte, konnte dadurch zerstört werden. „Minerva McGonagall muss umgehend informiert werden", sagte er und stand auf.

„Sie weiß schon Bescheid, sie wurde vorhin von einigen Ministeriumsmitarbeitern in Dumbledores Büro zitiert, die dort eine Durchsuchung durchführen."


Snape eilte die Stufen zum Schulleiterbüro empor. Doch außer Professor McGonagall befand sich niemand im Raum. Sie deutete mit einem Nicken des Kopfes auf einen Stuhl, ohne seinen Gruß zu erwidern. „Was wollen Sie?"

Er verbarg seine Überraschung über ihren Ton. „Filius Flitwick informierte uns gerade. Wo ist Albus?"

Sie zuckte die Schultern.

Snape schüttelte ungläubig den Kopf. „Und die Ministeriumsmitarbeiter?"

„Weg. Ich weiß nicht, was sie hier zu finden hofften. Sie sind gerade mit leeren Händen gegangen."

Sie wirkt in ihren Grundfesten erschüttert, dachte Snape und plötzliche Sympathie für seine Kollegin erfasste ihn.

Minerva McGongall straffte ihre Schultern. „Ohne Professor Dumbledore ist Hogwarts noch angreifbarer. Wir müssen baldmöglichst entscheiden, ob wir den Schulbetrieb weiterführen oder die Schule bis auf Weiteres schließen. Die Sicherheit der Schüler hat höchste Priorität."

Er nickte.

Sie durchbohrte ihn mit ihrem Blick. „Warum sind Sie hier, Severus? Sahen Sie sich bereits auf Professor Dumbledores Stuhl?"

Snape war zu konsterniert, um gleich zu antworten. Er zwang sich mit erheblicher Anstrengung zur Ruhe. „Was soll das heißen?"

Minerva McGonagall betrachtete ihn feindselig. „Dem Ministerium liegt ein Antrag des Schulrats vor, Sie als Nachfolger einzusetzen. Ich soll das Amt bis dahin kommissarisch übernehmen."

„Wie bitte?" Es gelang ihm nicht mehr, seine kühle Fassade aufrechtzuerhalten. Es bestand für ihn kein Zweifel, dass Lucius dahintersteckte, doch was hatte Malfoy vor?

„Stehen Sie wenigstens dazu", sagte sie bitter.


Die Enttäuschung über das Verhalten seiner Kollegin und die Wut über Malfoys Ränke machten ihn für einen Augenblick sprachlos. Wie sollte die Schule geschützt werden, wenn ausgerechnet Professor McGonagall, die er immer als rigoros, aber fair eingeschätzt hatte, so anklagend reagierte? Snape wurde klar, dass Albus Dumbledores Gegenwart schon jetzt fehlte und wie sehr dieser immer dazu beigetragen hatte, Dinge ins richtige Licht rückten und Hogwarts und seinen Bewohnern Sicherheit und Stabilität zu verleihen.

„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen", sagte er kühl. „Ich besitze keine Ambitionen auf das Schulleiteramt."

Sie setzte sich auf Dumbledores Stuhl und betrachtete ihn eine Weile nachdenklich. Dann schüttelte sie einmal kurz den Kopf, als wolle sie mit dieser Bewegung ungebetene Gedanken verjagen. „Entschuldigen Sie, Severus. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Wir müssen jetzt zusammenarbeiten."

„An mir soll es nicht liegen", sagte er steif. „Aber Sie urteilen aufgrund meiner Vergangenheit und meiner … Freundschaft zu Lucius Malfoy."

„Nein", unterbrach sie sofort. „Ich weiß, dass Sie den Kontakt zu Mr. Malfoy auf Dumbledores Wunsch pflegen."

Snape glaubte, sich verhört zu haben.

„Es ist in erster Linie Ihr ambivalentes Verhalten, was mir Sorge bereitet", fuhr sie fort. „Sie überschreiten Ihre Kompetenzen, zumindest was Gryffindor anbelangt."

Er wollte etwas erwidern, doch Minerva McGonagall ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. „Warum verbringen Sie so viel Zeit damit, Harry Potter zu verfolgen? Wieso erhält er Strafarbeiten, während Schüler Ihres Hauses in gleichen Situationen ungestraft ausgehen? Wollen Sie sich durch ihn an seinem Vater rächen?"

Snape setzte erneut zu einer Entgegnung an, doch sie hob sie eine Hand. „Mir ist klar, dass Ihre Schulzeit mit James kein Vergnügen war. Aber Harry kann nichts für die Fehler seines Vaters, er durfte ihn nicht einmal kennenlernen."

Nun schwieg er freiwillig. Das Gespräch nahm eine Richtung, die ihm gar nicht gefiel.

„Also?" Professor McGonagall verschränkte die Arme. „Warum verfolgen Sie so unermüdlich den Schüler meines Hauses, der Ihren früheren schwarzmagischen Meister besiegte? Und streiten Sie Potters Überwachung gar nicht erst ab!"

„Sie werfen mir meine Vergangenheit vor? Jetzt? Nachdem Sie so viele Jahre mit mir zusammenarbeiten?" Seine Stimme klang leise vor Enttäuschung und unterdrücktem Zorn über ihr Misstrauen. „Ich bin Ihnen keinerlei Rechenschaft schuldig, Minerva. Abgesehen davon würden Sie mir angesichts … dieser Vergangenheit ohnehin keinen Glauben schenken." Snape kam sich in diesem Moment wieder wie der trotzige und selbstzerstörerische Schüler vor, der er früher gewesen war. „Mehr habe ich dazu nicht zu sagen."

Sie sah ihn einen Moment abwägend an. „Wie Sie wünschen."


Juni 1993

Als im Laufe der Wochen keine weiteren Attacken mehr erfolgten, lockerte sich die gedrückte Atmosphäre an der Schule langsam wieder auf. Immer häufiger hörte man nun die Meinung, dass dem allgemeingefährlichen Wildhüter bald der Prozess gemacht werden sollte. Snape hatte erhebliche Zweifel an Hagrids Schuld. Wie alle anderen wartete er darauf, was die Versteinerten berichten würden, sobald man sie aus diesem Zustand befreit hatte.

Professor Sprouts Alraunen waren bereits geerntet und es konnte sich nur noch um Stunden handeln, bis das Gegenmittel fertig war. Er warf einen prüfenden Blick in den Kessel, in dem der Trank langsam die gewünschte Färbung annahm. Er musste leicht gekühlt bleiben, bis sich die Zutaten entfalteten. Während er umrührte, ertönte auf dem Gang Professor McGonagalls magisch verstärkte Stimme. Öffentliche Durchsagen waren ungewöhnlich. Snape eilte hinaus, von einer unguten Vorahnung erfüllt.

Professor McGonagalls Bericht ließ keinen Zweifel am Ernst der Lage. Ein Mädchen war verschwunden und die Schließung von Hogwarts schien nun die einzig vernünftige Konsequenz zu sein. Doch zuerst mussten sie sämtliche Anstrengungen unternehmen, um Ginevra Weasley zu finden. Nachdem sie Lockhart losgeworden waren, begannen die Lehrer in mehreren Gruppen mit Hilfe der Geister eine ausgedehnte systematische Suchaktion im Schloss und in der Umgebung. Snape durchkämmte mit Filch jeden Winkel im Kerker und in der ersten Etage. Danach half er Filius Flitwick, weitere Gebäude auf dem Gelände abzusuchen.

Plötzlich verspürte er ein leichtes Brennen an seinem Handgelenk. Snape starrte sein Uhrarmband einen Moment an. Da ihm durch die jüngsten Vorkommnisse kaum noch Zeit geblieben war, Potter zu überwachen, hatte Dumbledore das Porträt der fetten Dame mit einem Signalzauber belegt. Das Uhrarmband war das Gegenstück: Sobald Potter unerlaubt während der Sperrzeiten den Gemeinschaftsraum verließ, alarmierte es ihn. Erst letzte Nacht hatte ihn das Signal aus dem Schlaf gerissen. Es war ihm gelungen, dem Jungen durch das halbe Gebäude zu folgen, da sämtliche Türen neuerdings dank der verschärften Sicherheitsvorkehrungen auf menschliche Wärme reagierten und für etwa zehn Minuten durch einen leichten Schimmer anzeigten, ob jemand hindurchgegangen war. Aber außerhalb des Schlosses hatten sich Potters Spuren verloren. Und nun begab sich der unverschämte Bengel trotz sämtlicher Verbote und angedrohter Strafen erneut auf einen Streifzug? Schüler verschwanden und versteinerten, hielt er sich für unangreifbar? Sah niemand der anderen Lehrer die Notwendigkeit, dem Jungen ein paar Regeln einzubleuen, schon allein zur eigenen Sicherheit? Wieso blieb diese Aufgabe immer an ihm kleben?


Snape informierte Flitwick und stürmte zum Gryffindorturm, während er im Geiste weitere Bestrafungen für Potter durchging.

Achtung, Achtung, Sevi kommt! Er sieht verbissen aus, der Tränkemeister – schnell weg, sonst beißt er" – erklang Peeves Stimme aus einer dunklen Ecke und der Schild Cunos des Missmutigen donnerte auf den Steinboden.

Snape hielt sich nicht mit dem Poltergeist auf, sondern hoffte, den Gryffindorbereich noch rechtzeitig zu erreichen, um zu sehen, welcher Eingang kürzlich benutzt worden war. Doch er hatte Pech: Gleich zwei Türen in entgegengesetzer Richtung leuchteten, als er den Zauberspruch murmelte. Er entschied sich für den linken Eingang und arbeitete sich Tür für Tür vor. Doch es war nicht Potter, auf den er zwei Gänge weiter traf, sondern Professor McGonagall. Snape fluchte leise, bevor er die Besenkammer am Ende des Korridors betrat, in der sie auf einer Leiter balancierte.

Sie sah erwartungsvoll zu ihm hinunter. „Hatten Sie Erfolg?"

Er schüttelte den Kopf. „Nein."

„Hier oben bin ich jetzt auch durch. Hagrid und Professor Sprout suchen bereits im Verbotenen Wald weiter." Professor McGonagall klang erschöpft.

„Es gibt ein weiteres Problem. Potter wandert im Schloss umher."

Sie warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Das wagt er nicht!"

„Offensichtlich doch. Wann und wo haben Sie ihn das letzte Mal gesehen?"

„Heute Nachmittag auf dem Weg zum Krankenflügel, er wollte Miss Granger besuchen, zusammen mit Mr. Weasley. Ich gab ihnen meine Erlaubnis." Sie stieg von der Leiter, zog eine Klemme aus ihrem Haar und steckte eine widerspenstige Haarsträhne mit einer energischen Handbewegung an ihrem Dutt fest. „Kurz danach verhängten wir die Ausgangssperre und mir wurde von den Vertrauensschülern bestätigt, dass alle Schüler in den Gemeinschaftsraum zurückgekehrt sind."

„Beschlagnahmen Sie endlich Potters Tarnumhang, dann hören seine unerlaubten Wanderungen von selbst auf", forderte Snape.

„Überlassen Sie Harry mir und kümmern Sie sich um Ihre Schüler", entgegnete Professor McGonagall gebieterisch.


Es hatte keinen Sinn, weiter nach Potter zu suchen, zu viel Zeit war während des Gesprächs mit Minerva verstrichen. Er musste zurück zu den anderen, um sie bei der Suche nach dem Mädchen zu unterstützen. Potter konnte es sich selbst zuschreiben, wenn er ebenfalls entführt wurde. In diesem Moment hätte es Snape begrüßt, nie wieder ins Gesicht von Lilys Sohn blicken zu müssen.

Eine reichliche Stunde später hatten sie mit Unterstützung einiger Zentauren und anderer Waldbewohner auch den Wald erfolglos nach Ginevra Weasley durchkämmt. Sie waren gerade auf dem Weg zurück ins Schloss, als Professor McGonagalls Patronus vor ihnen erschien und verkündete, dass das Miss Weasley wohlbehalten gefunden und der Angreifer unschädlich gemacht sei. Flitwick und Hagrid brachen in Freudengeschrei aus und Snape rannte zum wiederholten Male an diesem Tag die Treppen nach oben.

Als er die Tür zum Schulleiterbüro hinter sich schloss, unterdrückte er einen überraschten Ausruf. Albus Dumbledore trat vom Denkarium zurück und schmunzelte.

„Da bin ich wieder."

Snapes Augenlider zuckten einmal kurz. „Ich bin froh darüber." Er hörte mit wachsendem Unglauben zu, als ihn Albus Dumbledore über den aktuellen Stand ins Bild setzte.


„Nur jemand, der Parsel beherrscht, konnte in die Kammer gelangen und den Basilisken verstehen", schloss Dumbledore seinen Bericht nachdenklich. „Harry sagte mir, dass er im Laufe des Schuljahres immer wieder eine bedrohliche Stimme hörte, aber Angst hatte, den Verstand zu verlieren. Deshalb schwieg er."

Snape runzelte die Stirn. Dem Unbehagen, das ihn während des Berichts über Potters neuerliche Heldentaten immer mehr ergriffen hatte, würde er später nachgehen. Momentan beschäftigte ihn vor allem eine Frage: „Wie konnte der Dunkle Lord durch ein Tagebuch in Hogwarts eindringen?"

„Ich hoffe, dass uns Miss Weasley mehr Aufschluss über das Tagebuch geben wird. Es könnte uns einen Schlüssel zu Tom Riddles jetziger Existenz liefern." Dumbledore sah aus dem Fenster und wirkte für einen Moment weit entrückt. Dann klatschte er unversehens in die Hände. „Doch heute gibt es erst einmal Grund zum Feiern. Kommen Sie!"

Snape, der an die unvorhersehbaren Schrullen seines Vorgesetzten gewöhnt war, folgte ihm langsam in die Große Halle. Aus allen Richtungen strömten Schüler zusammen, einige verschlafen, andere aufgeregt.


Sein Blick wanderte zum Gryffindortisch, während er sich noch einmal Dumbledores Bericht durch den Kopf gehen ließ. Snapes Unbehagen verstärkte sich bei Potters Anblick wieder. Zweimal war es dem Dunklen Lord bereits gelungen, in Hogwarts einzudringen. Aber weder vor einem Jahr noch heute hatte er Potter vor seinem Zugriff schützen können. Dennoch hatte das Kind bereits drei direkte Konfrontationen mit dem schwarzmagischen Zauberer aus eigener Kraft unbeschadet überlebt. Verfügte Potter doch über Magie, die weit über die Fähigkeiten seiner Altersgruppe hinausging, obwohl er nur ein so durchschnittlicher Schüler war? Und wenn ja, wie würde sie sich im Laufe der Zeit manifestieren? War Potter nicht schon jetzt ein Sicherheitsrisiko für die ganze Schule, allein durch den Fakt, dass es der Dunkle Lord auf ihn abgesehen hatte? Was wäre, wenn auch er dunkle Magie in sich trug, die…

Das Krachen der Eingangstür riss ihn aus seinen Grübeleien. Ohrenbetäubendes Johlen ertönte, als der Umriss von Hagrid erschien und Miss Grangers aufgeregtes Schnattern drang bis zum Lehrertisch vor. Sie schien wie alle anderen, die versteinert gewesen waren, keine Schäden davongetragen zu haben.

„Ich bin so froh, dass der Schrecken ein Ende hat", seufzte Professor McGonagall neben ihm. „Ein Basilisk in Hogwarts, das muss man sich mal vorstellen!"

„Laut Dumbledore wird die Kammer morgen genauer untersucht. Sie schicken eine Spezialeinheit vom Ministerium", sagte Snape.

„Gut. Und falls Sie es noch nicht wissen, Severus: Lucius Malfoy wurde vorhin wegen Bedrohung und Erpressung der anderen Schulinspektoren abgesetzt."

Das war für Snape eine neue, aber höchst willkommene Nachricht. Es würde seinen Alltag um einiges erleichtern, wenn Lucius nicht mehr in der Schule umherschwirrte und seine Nase in alles steckte.


Minerva McGonagall erwiderte das kurze Aufblitzen seiner Augen ihrerseits mit einem Lächeln. Doch plötzlich verdüsterte sich ihr Gesicht, als würde eine Wolke ihren Schatten darauf werfen. „Nach diesen Vorfällen muss ich erfahren, warum Sie Ihr Augenmerk so intensiv auf Harry Potter richten. Ich hatte mir Professor Dumbledores Unterstützung in dieser Hinsicht erhofft, doch er legte mir nahe, Sie gewähren zu lassen. Warum?"

In Snapes Gesicht zuckte kein Muskel, während er ihrem unerbittlich fordernden Blick standhielt.

„Harry ist in meinem Haus! Ich trage die Fürsorgepflicht für ihn!", fuhr sie fort und ihr Zorn und ihre Empörung waren unüberhörbar. Snape wusste, dass er genauso reagieren würde, falls sich einer der anderen Lehrer in die Belange von Slytherin einmischte.

„Es ist eine Sache zwischen Dumbledore und mir", entgegnete er leise.

„Soll das heißen, dass Sie Harry auf Geheiß von Albus im Blick behalten?", beharrte sie. „Aber warum machen Sie ihm gleichzeitig das Leben schwer?"

„Tue ich das?" Snape sah genervt zu Dumbledore hinüber. Der Schulleiter zwinkerte ihm zu, als hätte er trotz der Entfernung jedes Wort mitgehört.

Snape zog die Schüssel heran, die am nächsten stand und begann, langsam seinen Teller aufzufüllen. Schweigen war im Umgang mit seinen Kollegen oft das wirksamste Mittel, vor allem, wenn sie ihn nervten. Aber offensichtlich war seine Kollegin in unnachgiebiger Kampfstimmung. Er spürte ihre forschenden Blicke auf sich, während er aß.

Schließlich legte er das Besteck zur Seite und wappnete sich für die nächsten Fragen.

Doch Minerva musterte ihn mit einem undefinierbaren Ausdruck auf ihrem Gesicht und ihre nächsten Worte waren so leise, dass er unwillkürlich den Kopf neigte, um sie zu verstehen: „Nicht nur James, auch Lily, nicht wahr?"