Mein Mal, das hört sich irgendwie falsch an, schmerzte noch, aber nicht mehr so stark, wie während der Zeremonie. Ich erhob mich langsam und versuchte dabei möglichst würdevoll auszusehen. "Willkommen im Kreise der Todesser, Ginny Weasley", begrüßte mich Voldemort. "Willkommen im Kreise der Todesser, Ginny Weasley", wiederholten alle im Raum anwesenden. Daraufhin stand Draco auf und kam auf mich zu, er hielt mir seinen rechten Arm hin und führte mich zu meinem Platz an der langen Tafel. Natürlich war dieser Platz direkt neben seinem. Als zukünftiges Ehepaar gehört es sich in der Öffentlichkeit auch so aufzutreten. Nur bei dem Gedanken daran, ab jetzt immer neben diesem Schleimbeutel essen zu müssen, wurde mir schon übel.

Doch dies war gerade mein geringstes Problem, das Mal auf meinem Unterarm machte mir mehr zu schaffen. Die sich windenden Schlangen zogen fast magisch meinen Blick auf sich und dass die Haut um das Mal noch gerötet war, machte es nicht gerade besser. Nur mit viel Mühe würgte ich ein bisschen was von dem Essen runter, dass erstaunlich gut schmeckte, wahrscheinlich von Hauselfen gekocht. Zum Glück war Hermine nicht hier, die würde einen riesen Aufstand wegen Hauselfenrechten machen und sich damit noch mehr Probleme einhandeln.

"Du bist zwar nun offiziell ein Todesser, aber dir fehlt es noch an dem nötigen Wissen, deswegen wirst du die restlichen Ferien jeden Tag mit verschiedenen Todessern trainieren, damit du zum Schulanfang weißt, was es heißt ein Todesser zu sein. Draco wird dir beibringen, wie man als Reinblüter und speziell als Todesser in der Öffentlichkeit auftritt, besonders viel Wert wird er darauf legen, was es heißt eine Malfoy zu sein," bei dem Gedanken, dass er mit eine Malfoy mich meint lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken runter, ich will nicht den Rest meines Lebens bei, oder besser gesagt mit diesem Idioten leben, "Bellatrix wird dir diverse Flüche und andere nützliche Zauber beibringen, die nicht auf dem Lehrplan stehen. Zusätzlich lässt es sich sicher arrangieren, dass du hin und wieder einen Muggel oder ein Schlammblut zum Foltern bekommst. Vielleicht gibt es auch mal ein Halbblut, an dem du das Duellieren üben kannst."

Ich sollte wirklich jemanden Foltern und das noch in den Ferien, ich bekam keine Luft mehr, meine Kehle schnürte sich nur bei dem Gedanken zu. Als ich nichts sagte, boxte mich Malfoy unauffällig in die Seite und nickte mir bedeutend zu. Kurz starrte ich ihn ahnungslos an, dann realisierte ich, was er mir sagen wollte, man bedankt sich bei dem Dunklen Lord, wenn er Gnade walten lässt und vor allem, wenn er einem etwas zukommen lässt. "Danke, mein Lord", sagte ich und neigte leicht meinen Kopf.

Der Rest des Essens verlief ruhig. Danach geleitete mich Draco wieder nach oben in sein Zimmer. "Du musst hier schlafen, da gerade alle Gästezimmer belegt sind, aber es sollte die ja nicht allzu sehr stören, bei deinem Verlobten zu schlafen", sagte er sarkastisch. Er verließ das Zimmer durch die Tür gegenüber vom Bad und ließ mich in seinem Zimmer alleine. Ich bemerkte einen Stapel Klamotten auf dem Himmelbett, der vorhin noch nicht dort lag. Nach einer kurzen Betrachtung stellte ich fest, dass dies mein Schlafanzug war. Für etwas, dass ein Todesser ausgesucht hat, entsprach der Schlafanzug erstaunlich gut meinem Geschmack, ein einfaches grünes Top und schwarze Shorts. Da ich nicht wusste, wie lange Malfoy zum Umziehen brauchte und somit in diesem Raum blieb, beeilte ich mich extra mit dem Anziehen des Schlafanzugs. Danach ging ins Bad um Zähne zu putzen, als ich wieder in sein Zimmer zurückkehrte lehnte er gegen der Bettpfosten, er sah fast so aus als würde er auf mich warten, wäre da nicht der schelmische Gesichtsausdruck. Jedenfalls verließ er das Zimmer sogleich wieder und ging nun selbst ins Bad.

Während der Eisprinz im bad war stand ich unschlüssig in dessen Zimmer und betrachtete dieses genauer. Die Bilder, die hier hingen, waren keine Portraits, wie ich sie im Rest des Hauses gesehen hatte, sondern beeindruckende Landschafts- und Tierbilder. Über seinem Schreibtisch fand ich einige persönliche Bilder, unter anderem eins aus seinem zweiten Jahr, als er in die Quidditchmannschaft aufgenommen wurde, eins aus dem fünften Jahr, wo er das Vertrauensschüler- und Inquisitionskommandoabzeichen trug und eins, wo er mit Theodore und Blaise vor irgendeiner Küste stand. "Und, gefallen sie dir?", schlagartig drehte ich mich um und blickte direkt in die stahlgrauen Augen von Draco Malfoy, der nur wenige Zentimeter von mir entfernt stand. Ich habe gar nicht gemerkt, dass er aus dem Bad gekommen ist, oder dass er sich mir genähert hat. Langsam wanderten meine Augen zu der muskulösen, unbedeckten Brust, ich wusste gar nicht, dass Malfoy so trainiert war, aber Harry hatte als Sucher auch eine muskulösen Körper. Über Harry nachzudenken schmerzte zu sehr, besonders in der Anwesenheit von Malfoy, meinem Verlobten, als ließ ich den Gedanken fallen und widmete mich wieder dem Hier und Jetzt "Ehrlich gesagt finde ich sie teilweise etwas sehr selbstverliebt", antwortete ich ihm und ging an ihm vorbei zum Bett und legte mich in dieses.

Er folgte mir eine kurze Zeit später und legte sich auf die andere Seite des glücklicherweise sehr großen Bettes. Wir lagen ein Weile schweigend da, penibel darauf bedacht den jeweils anderen nicht zu berühren. Da ich nun endlich mal ein bisschen Zeit für mich hatte, begann ich die Ereignisse des Tages Revue passieren zu lassen. Als ich mal etwas genauer nachdachte, fiel mir sofort auf, dass Malfoy heute sehr Malfoy-untypisch gehandelt hat, er hat mir GEHOLFEN. Er hat mir vor der Zeremonie Tipps gegeben und mich mehrmals darauf hingewiesen, was ich zu tun hatte, ohne ihn, wäre ich wahrscheinlich heute schon mehrmals bestraft worden. Aber wieso hat er mir geholfen? Tat ich ihm leid? Kann er überhaupt sowas wie Mitgefühl empfinden? Hilft er mir nur, weil ich offiziell seine Verlobte bin und so ein Verhalten von ihm erwartet wird? Ich kam auf keine eindeutige, logische Lösung, aber da er mir schon einmal geholfen hat, wird er mir vielleicht wieder helfen. Ein Versuch war es jedenfalls wert.

"Was wird von mir erwartet?", fragte ich den neben mir liegenden Malfoy vorsichtig. Er drehte sich zu mir um und betrachtete mich kurz, bevor er mir antwortete: "Zu aller erst ist es wichtig, dass du lernst wie ein Malfoy in der Öffentlichkeit aufzutreten, denn du kannst darauf wetten, dass der Dunkle Lord unsere Verlobung schon sehr bald öffentlich machen wird und den Teil mit der Zwangsverlobung wird er weglassen. Wir müssen uns eine gute Story überlegen, warum du dich in mich verliebt hast und warum du, die Freundin des großen Potter nun ein Todesser bist. Wenn das geschafft ist, sind wir wahrscheinlich schon wieder in Hogwarts, dort darfst du auf keinen Fall mit deinen kleinen Freunden über die Geschehnisse hier reden. Außerdem bist du dort unter Beobachtung, deswegen wirst du bis dahin lernen müssen, wie du die Wahrheit und deine wahren Gefühle verstecken kannst und du musst dort WIRKLICH ein Todesser sein. Wahrscheinlich wirst du dann langsam in die Tätigkeiten der Todesser eingeführt und bekommst deine ersten kleineren Aufträge. Bis es soweit ist, musst du natürlich noch einige Zaubersprüche und Flüche lernen. Das sind so ungefähr die kurzfristigen Erwartungen an dich."

Nach dieser ausführlichen Erklärungen musst ich erstmal schlucken. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, was mit Flüchen und Tätigkeiten der Todesser gemeint war. Schon jetzt fürchtete ich mich vor dem Moment, wo ich das erste Mal jemanden foltern, oder gar umbringen muss. Auch auf die Rückkehr nach Hogwarts freute ich mich nicht wirklich, alle meine Freunde, würden dann denken, dass ich wirklich ein Todesser bin und dass ich Draco Malfoy LIEBE. Wenn das die kurzfristigen Erwartungen waren, wollte ich gar nicht wissen, was die langfristigen Erwartungen waren, trotzdem fragte ich Malfoy, welcher mir diese sofort erläuterte.

"Naja, in naher Zukunft wird erstmal unsere Hochzeit stattfinden. Wahrscheinlich wird man von dir verlangen, dass du beim Sieg des Dunklen Lords einen deiner Freunde umbringen musst, um deine Loyalität zu beweisen. Irgendwann wirst du dann einen hochrangigen Job annehmen und meine Kinder zur Welt bringen. Natürlich wirst du weiterhin dem Dunklen Lord dienen. Aber konzentrieren wir uns lieber auf morgen, wo ich dir was über die Geschichte der Malfoys und deren Traditionen erzählen werde. Außerdem werde ich der Malfoy Manor zeigen. Wenn dann noch genug Zeit ist wird Bellatrix damit anfangen, dir ein paar Zauber beizubringen, die du nicht in Hogwarts lernst."

Ich lag noch eine Weile wach da und dachte über meine bevorstehende Zukunft nach, bis ich endlich einschlief.