Sich auf eine Aktivität für den heutigen Tag zu finden war schwieriger als gedacht. Wir wollten nicht, dass uns jemand zusammen sah, weil wir nicht wussten, wie wir die derzeitige Situation erklären sollten ohne zu sagen, dass wir gezwungen wurden. Besonders unsere Freunde wollten wir nicht anlügen, aber die Wahrheit konnten wir ihnen auch nicht sagen. Nun hatten wir beide als Reinblüter recht wenig Erfahrung mit der Muggelwelt, er noch weniger als ich, da er von seinen Eltern von jeglichen Muggeln ferngehalten wurden. Trotzdem entschieden wir uns dafür, Muggellondon ein bisschen zu erkunden und zu versuchen nicht unter den anderen Muggeln aufzufallen.
So standen wir nun mehr oder weniger als Muggel gekleidet in der Schlange für das London Eye.
"Ich kann nicht fassen, dass die Muggel so lange für dieses riesige Ding anstehen. Das muss ja echt phänomenal sein", lästerte Draco.
"Im Reiseführer steht, dass das Ding Riesenrad heißt und eines der berühmtesten Wahrzeichen von London ist", erklärte ich ihm.
"Riesenrad? Die Muggel sind ja wirklich kreativ wenn es um Namen geht. Ist das Teil überhaupt sicher, so ganz ohne Magie?"
"Ich hoffe mal, aber es fahren so viele Leute täglich mit diesem Ding, da wird es schon recht stabil sein."
"Kann ich ihnen helfen Sie scheinen etwas hilfslos zu sein?", fragte uns ein Muggelpärchen, die ungefähr in unserem Alter sein müssten.
Ich warf Draco einen warnenden Blick zu, der schon seinen Mund für eine abschätzige Bemerkung geöffnet hatte und antwortete stattdessen: "Gerne, wir kennen uns hier nicht wirklich aus." "Das macht doch nichts, ich komme aus London und war schon ein paar mal auf dem London Eye, aber heute will ich es meiner Verlobten zeigen", erläuterte der Muggel, "Wie Sie schon sagten, das London Eye ist eines der berühmtesten Wahrzeichen von London und wenn man ganz oben ist, kann man ganz London überblicken." "Wie lange dauert denn eine Rundfahrt", fragte ich den Muggel und Draco fügte noch hinzu: "Ist das denn wirklich sicher?" Der Muggel lachte, antwortete aber gewissenhaft: "Natürlich ist das sicher, sehen Sie nur mal, wie viele Leute mit dem Riesenrad fahren. Wenn nur eine Kleinigkeit passieren würde, müssten die sofort dicht machen. Und eine Rundfahrt dauert ca. 15 Minuten."
Langsam aber sicher näherten wir uns der Kasse. Dort hatten wir ein bisschen mit dem Geld zu kämpfen und waren wieder auf das Muggelpaar angewiesen. Kurz danach betraten wir eine dieser Kabinen und die Fahrt begann. Der Ausblick war wirklich genial. Es war zwar nicht mir fliegen vergleichbar, aber dafür, dass die Erbauer keine Magie zu Verfügung haben, kann sich ihr Bauwerk wirklich sehen lassen. Draco schien sich sogar für die anderen Sehenswürdigkeiten zu interessieren, denn er hörte gespannt den Ausführungen des Muggels zu.
Nachdem wir wieder unbeschadet am Boden ankamen, schlenderten wir ein bisschen durch die Straßen Londons. Nach kurzer Zeit sahen wir ein paar Doppeldeckerbusse ohne Verdeck mit der Aufschritt "London Sightseeing".
"Das ist doch Ideal wenn wir ein bisschen mehr über London erfahren wollen", sagte Draco. "Ja, das müssen wir auf jeden Fall machen!", antwortete ich ihm. Die Tour dauerte eine Stunde und man sah wirklich viel und der Guide erklärte auch zu jedem wichtigem Punkt einige interessante Fakten. "Wow, ich hätte echt nicht gedacht, dass die Muggel so viel zu bieten haben", sagte Draco erstaunt. "Ich war zwar nie abgeneigt gegenüber Muggeln aber damit hab ich wirklich nicht gerechnet. Wir müssen auf jeden Fall nochmal hierher kommen, um die Sehenswürdigkeiten genauer anzuschauen", erklärte ich ihm.
"Wenn du willst und wir die Zeit dazu finden, können wir gerne nochmal nach London kommen. Aber ich würde gerne noch wissen, was das mit dem Kino, hieß es glaub ich, soll."
"Lass es uns herausfinden."
Kurze Zeit später standen wir vor einem Kino und versuchten uns für einen Film zu entscheiden, was schwieriger war als gedacht, wir kannten schließlich keinen der Filme. Wir nicht einmal was ein Film genau war. Schließlich entschieden wir uns für "Lola rennt", einfach weil dies die nächste Vorführung war. Beim Beobachten der anderen Gäste fiel uns auf, dass die meisten sich komische kleine weiße Bällchen in Papiertüten kauften. Also gingen wir zu einem der Kioske um uns auch diese Bällchen und etwas zu drinken zu kaufen. "Kannst du das Reden übernehmen? Ich glaub ich komm nicht so gut mit Muggeln zurecht", fragte mich Draco flüsternd und etwas nervös. Innerlich lachte ich, Draco Malfoy nervös, wegen ein paar Muggeln. Aber ganz geheuer war mir auch nicht, nur ein kleiner Fehler reichte um ungewollte Aufmerksamkeit zu erregen. Ich lauschte nun gespannt, was das Paar direkt vor uns bestellte. "Hallo, was möchten Sie denn kaufen?", fragte mich der Verkäufer, nachdem das Paar gegangen war. "Ähm, einmal ein mittleres Popcorn", ich versuchte es genauso zu sagen, wie der Mann vor mir und anscheinend gelang es mir, denn der Verkäufer schaute mich nicht total verdutzt an, "und zwei Cola", die beiden vor uns haben genau dasselbe bestellt und ich vertraute nun einfach auf deren Geschmack.
Nachdem auch das erledigt war, betraten wir den Kinosaal und fanden auch recht schnell unsere Plätze, diese waren zu unserem Entsetzen ein Partnersitz. "Warum haben wir keine schicke Armlehne zwischen unseren Sitzen?", zischte mir Draco zu. "Ich hab doch keine Ahnung, ich hab das auf jeden Fall nicht bestellt", setze ich ihm entgegen. Er beugte sich zu mir runter und flüsterte mir verschwörerisch zu: "Anscheinend wirken wir schon jetzt wie ein unzertrennliches Liebespärchen." "Dann muss ich immerhin nicht mehr all zu viel für Hogwarts üben." Kurz nachdem wir uns hingesetzt hatten, startete schon der Film. Aber Moment mal irgendwie war das gar nicht der Film, das waren ganz kurze Abschnitte, die versuchten uns dazu zu überreden etwas bestimmtes zu kaufen. Obwohl der Inhalt dieser kurzen Filmchen sehr dumm war, waren wir doch fasziniert davon, was die Muggel so alles auf die Beine stellen. Ich hörte sogar echte Bewunderung in seiner Stimme, als Draco flüsterte: "Wow, wie haben die Muggel das nur ohne Zauberei hingekriegt, ich dachte die haben keine bewegten Bilder." "Ich auch, aber anscheinend haben wir in den letzten Jahren irgendwas verpasst." Nach den Filmen die versuchten uns zum Kauf von Produkten zu überreden, kamen Filme, die uns zum wiederholten Kinobesuch überreden wollten. Nach einer halben Stunde fing endlich der Film an.
Einige Zeit später traten wir wieder aus dem Kino. Mittlerweile war es schon dunkel und auch um einiges kühler, was nach der Hitze des Tages echt angenehm war. Draco beschloss mich noch zum Essen auszuführen und auf dem Weg zu einem Restaurant diskutierten wir über den Film. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Technik echt super war und der Film uns auch sehr gut unterhalten hatte, wir aber keine hatten, worum es da eigentlich ging.
Draco führte mich zu einem kleinen Restaurant, dass nicht so exklusiv war, dass man in Abendkleidung kommen muss, aber trotzdem sehr teuer wirkte. "Ich geh hier ab und zu mit meinen Freunden hin, wenn wir mal keine Lust auf dieses Streng vorgegebene Reinblütergetue haben", erläuterte er mir. "Sowas, aus deinem Mund?!", fragte ich ihn erstaunt, während wir uns an einen Tisch setzten.
"Du darfst das jetzt nicht falsch verstehen. Ich bin stolz auf meine Herkunft und mein Blut. Meistens bin ich auch gerne auf den Veranstaltungen zu denen wir gehen müssen, wie irgendwelchen Treffen im Ministerium oder Hauspartys bei einer anderen Reinblüterfamilie. Doch manchmal wird mir das ganze Vorgegaukel einer glücklichen Gesellschaft ohne irgendwelche Probleme zu viel. Dann gehen wir lieber hier hin, als in die exklusiven Restaurants, in die uns unsere Eltern schleppen. Hier muss man zum Beispiel keinen Anzug tragen und hier kennt uns niemand, sodass wir nicht ständig aufpassen müssen, wie wir nach außen musste mir zwar nie Gedanken um Geld machen und hab fast immer bekommen, was ich wollte, aber ich hatte nie wirklich Kindheitsmomente."
Ich hörte ihm gespannt zu, doch bevor ich ihm antworten konnte, kam schon die Bedienung und wir bestellten unser Essen. Danach begann ich reden: "Meine Kindheit sah ganz anders aus. Wir waren nie auf solchen förmlichen Veranstaltungen und wir sind auch nie Essen gegangen. Meine Mutter hat immer für uns gekocht und sie kann wirklich gut kochen."
"Was habt ihr dann den ganzen Tag gemacht, wenn ihr euch nicht auf die Veranstaltungen vorbereiten musstet?"
"Ich hab viel mit meinen Brüdern gespielt. Bill und Charlie sind zwar schon ne Weile weg, weil sie schon nach Hogwarts gegangen sind, als ich noch sehr jung war. Aber vor allem mit Fred, George und Ron hab ich sehr viel gemacht. Fred und George haben ja nur Unsinn im Kopf und das hat ein bisschen auf mich abgeprägt. Wir hatten echt viel Spaß. Vor allem in den Sommerferien, wenn dann meine Brüder aus Hogwarts wieder kamen und auch Bill und Charlie uns manchmal besuchten, war es sehr lustig. Dann haben wir oft "Quidditch" in unserem Apfelgarten gespielt oder waren an einem Badesee in der Nähe. Abends haben wir dann alle zusammen im Garten gegessen. Und dann kam ich nach Hogwarts. Ab dann wurden die Sommerferien noch lustiger, weil sehr oft Harry oder Hermine zu uns kamen."
"Das klingt wirklich toll, aber so ganz anders, als ich das kenne. Eine Frage, du musst auch nicht antworten: Bist du noch mit Potter zusammen?"
Ich schwieg kurz, meine Herz schmerzte, als ich an unseren letzten Kuss dachte und als er mir sagte, dass ich nicht mitkommen dürfte, wenn er den Auftrag von Dumbledore ausführen würde und dass er mir nicht einmal gesagt hatte, was er genau machen würde. Doch ich entschloss mich ihm zu antworten, ich musste ihn ja schließlich heiraten und große Geheimnisse würden da nicht weiterhelfen. Also begann ich mit brüchiger Stimme zu sprechen: "Nein...wir haben kurz vor der Hochzeit Schluss gemacht. Er wollte keine feste Bindung während der Reise haben."
"Also war seine Abreise geplant? Weißt du was er macht? Du musst es mir nicht sagen, ich will nur wissen ob du es weißt."
"Es war geplant, dass er in den Sommerferien weggehen würde, aber so früh wollte er nicht gehen. Und ich weiß nicht was er macht, was sein Ziel ist oder wo er gerade ist. Er wollte mich schützen und außerdem hat Dumbledore ihm gesagt, dass er es niemanden außer Ron und Hermine erzählen sollte."
Er nickte, sagte aber nichts dazu. Wir schwiegen kurz und schon kam die Bedienung mit unserem Essen. Er hatte ein Rindersteak mit Gemüse und Nudeln bestellt, ich hatte mich für ein Seebarschfilet mit Tomatenreis entschieden. Das Essen war echt vorzüglich. Wir redeten den Rest der Zeit nur über belangloses Zeug, vor allem über Quidditch oder Sachen, die in Hogwarts passiert sind. Und ich gab es nur ungern zu, aber ich hatte wirklich Spaß mit Draco.
Nach dem Essen verließen wir das Restaurant und apperierten in einer Seitengasse zurück zum Manor. Doch vor den Toren hielt er mich kurz zurück: "Ich weiß, du willst nicht mit mir zusammen sein und mich schon gar nicht heiraten, aber lass und doch bitte das beste daraus machen." Ich schaute ihm direkt in die sturmgrauen Augen, sein Gesichtsausdruck war wie immer ausdruckslos, man konnte wirklich nicht sagen, was er gerade empfand oder dachte. Er konnte seine Maske wirklich gut aufrechterhalten, aber seine Augen, konnte er nicht kontrollieren. Seine Augen strahlten eine Wärme aus, die ich von ihm nicht kannte, doch diese Wärme beruhigte mich ungemein. Ich stimmte ihm zu, wir sollten wirklich das beste daraus machen und bis jetzt kamen wir echt ganz gut miteinander klar, er war der einzige, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er auf meiner Seite war. Ob er das nun tat, weil er mich wirklich unterstützen wollte oder, weil es von ihm als mein Verlobter verlangt wurde, wusste ich nicht, aber das würde ich noch herausfinden.
"Die nächsten beiden Tage werden nicht einfach", fuhr er fort, "Deine Familie wird kommen und sicherlich eine Erklärung erwarten, auch meine Verwandten werden da sein und wir werden Reden halten müssen und uns... küssen. Ich will dich nicht das erste Mal küssen, während irgendwelche Leute zuschauen." Er trat auf mich zu, legte seine rechte Hand auf meine Wange und beugte sich langsam zu mir runter. Kurz bevor er meine Lippen berührte, hielt er kurz inne um zu warten ob ich mich wehrte. Doch ich war unfähig mich zu bewegen und hatte auch nicht vor mich zu wehren, ich wollte auch nicht den ersten Kuss haben, wenn seine Mutter neben stand und uns erklärte, wann wir was machen müssen. Er überwand den Abstand und presste seine Lippen auf meine. Sie waren wärmer als gedacht und der Kuss war auch echt schön, aber ich fühlte kein Kribbeln im Bauch und kein Verlangen nach mehr, wie bei Harry. Recht schnell löste er sich wieder von mir und sprach weiter: "Ich hab noch ne Kleinigkeit für dich." Er griff in seine Jackentasche und holte ein kleines schwarzes Kästchen raus. Ich öffnete es und sah einen kleinen goldenen Ring mit einem Rubin, der von kleinen Smaragden umgeben war. "Ginny Weasley, eigentlich wäre jetzt der Moment, dir einen Heiratsantrag zu machen, aber das wäre in unserer Situation ein bisschen merkwürdig. Aber ich hoffe, du kannst den Verlobungsring trotzdem annehmen und ihn mit Würde tragen", er nahm den Ring aus der Schachtel und schob ihn vorsichtig über meinen Ringfinger. Er passte perfekt und war wunderschönen. Die Kombination aus rot und grüne spiegelte uns gut wieder und war wirklich besonders. "Danke", hauchte ich.
