Hallihallo!

Da bin ich wieder! Ich hatte ja versprochen, dass diese Woche ein neues Kapitel kommt und tadaa! *stolz ist* Hier ist es!

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und denkt an mich, wenn ihr fertig seid... *hüstel* Damit meine ich natürlich in Form von Kommentaren, Kritiken, Lob, etc... ^-^

Viel Spaß!


Kapitel 3

Grinsend blickte Hermine ihren besten Freund an, der noch immer wie zur Salzsäule erstarrt auf die Eingangstür stierte, durch die vor wenigen Momenten Draco und seine Eltern verschwunden waren. Seine Wangen und Ohren waren inzwischen dunkelrot vor Verlegenheit.

Das Mädchen wedelte mit einer Hand vor seinen Augen herum, um seine Aufmerksamkeit in das Hier und Jetzt zurückzubringen und schließlich hatte sie auch Erfolg. Grüne Augen fokussierten sich auf sie. „Was ist?" Harry erschrak über seine Stimme, die eine Oktave höher war als sonst.

„Er hat dich geküsst." Ihr Grinsen wurde breiter, als der junge Werwolf noch röter wurde. „Draco-Pureblood-Malfoy hat dich geküsst, Phelan!"

„Stell dir vor: Das hab ich bemerkt!", knurrte er verlegen und bleckte unbewusst die Zähne.

Remus hob die Augenbrauen und legte dem Mädchen eine Hand auf die Schulter. „Lass ihn, Hermine. So kurz vor Vollmond ist sein Wolf überaus reizbar."

Erschrocken zuckte Harry zurück. „Tut mir leid…"

„Du kannst nicht dafür, Harry. Ich sollte mir angewöhnen, dich weniger zu ärgern." Sie grinste schief und zuckte unbestimmt mit den Schultern. Es würde schwierig werden, da sie ihren besten Freund gerne spielerisch aufzog. Aber nun würde sie auf seinen inneren Wolf aufpassen müssen.

Aufmerksam betrachtete Remus die Szene. „Du solltest in den nächsten Tagen vorsichtig sein, Hermine. Ich bezweifle zwar stark, dass Harry die Kontrolle verlieren könnte, aber es könnten Worte fallen, die sein Wolf nicht so schnell verzeihen kann."

Sie nickte leichte. „In Ordnung. Ich werde aufpassen.", versprach sie und bedachte Harry mit einem beruhigenden Blick.

Remus warf seinem Welpen einen kurzen Blick zu. „Greyback hat sich übrigens für das Wochenende angekündigt. Er will über Vollmond bleiben und helfen."

„Das wussten wir doch schon.", grummelte Harry und wandte sich ab, um ein wenig nach draußen zu gehen. Das Gebäude war von einem herrlichen Garten umgeben. Ein Stück weiter lagen ein kleiner See und ein Wald. Diese gehörten zwar nicht mehr offiziell zum Grund der Malfoys, doch da es weit und breit ein anderes Anwesen gab und sonst niemand in dieses Gebiet kam, gehörte es quasi zum Anwesen dazu. Und in eben jenem Wald würden sich Harry, Remus und Fenrir aufhalten, wenn es Vollmond wurde.

Hermine und Remus tauschten einen kurzen Blick, bevor sie dem jüngeren Werwolf seinen Freiraum ließen. Sie wussten, dass er nun etwas Zeit brauchte, um nachzudenken und das kleine Erlebnis zu verdauen. Das Mädchen schnaubte. Da hatte sich Draco auch einen tollen Zeitpunkt ausgesucht. Harry würde die nächsten vier Monate über den Kuss nachdenken und alle in seiner Umgebung damit wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben, während sich der Übeltäter in Hogwarts versteckte. Auf der anderen Seite war das wahrscheinlich das Beste, was der Slytherin hätte machen können. So hatte er selbst den nächsten Schritt gemacht, ließ Harry aber durch seine Abreise keine Gelegenheit, sich vor Schreck von ihm zu distanzieren. So hatte der junge Werwolf genug Zeit, um alles in Ruhe zu verarbeiten und darüber nachzudenken.

Sie selbst zog sich in die hauseigene Bibliothek zurück und stöberte nach interessanten Büchern, die sie noch nicht gelesen hatte. Sie hatten in den letzten Wochen hier kaum Zeit dafür gefunden, was sie nun nachholen wollte. Lucius würden ihnen schon Bescheid geben, sobald es Zeit wurde, aufzubrechen. Zudem würden sie heute eh nur erfahren, wie ihre Stundenpläne aussahen und sie würden den anderen Schülern vorgestellt werden. Und genau davor hatte sie am meisten Angst. Sie war ein Schlammblut inmitten von Nachwuchstodessern. Sie hoffte nur, dass der Dunkle Lord zumindest ein wenig ein wachsames Auge auf seine Rekruten hatte.


Harry spazierte an gepflegten Blumenbeeten und freilaufenden Pfauen vorbei. Die frische Luft tat ihm gut und der Geruch von Gras und Blüten entspannte ihn. Nachdenklich berührte er seine Lippen mit den Fingerspitzen. Das Gefühl von Dracos Lippen auf seinen hatte sich – erstaunlich gut angefühlt.

Er konnte noch nicht recht glauben, dass sie nun für vier Monate getrennt sein würden. Und dass eine neue Schule auf ihn wartete, mit neuen Schülern und Lehrern. Eine Schule, in der er wahrscheinlich ein Außenseiter sein würde. Der Junge-der-der-Feind-des-Dunklen-Lords-gewesen-war, ein Werwolf und ein gezeichneter Todesser. Super Voraussetzungen!

Mit einem Schnauben blickte Harry an den gepflegten Beeten vorbei zum See, der sich einige hundert Meter entfernt abzeichnete. Der angrenzende Wald war dicht und würde bald drei Werwölfe beherbergen. Ob die Muggel wussten, dass sie sich besser von hier fernhalten sollten? Und was passierte, wenn sich doch einer dorthin verirrte?

Ein weißer Pfau tippelte an ihm vorbei, den langen Schwanz hinter sich herziehend. Er warf dem Schwarzhaarigen einen kurzen prüfenden Blick zu, bevor er sich umwandte und wieder zwischen den Beeten verschwand.

Es war ihm immer noch ein Rätsel, warum Lucius diese Tiere hielt. Gut, sie sahen irgendwie toll aus, aber zu mehr waren sie nicht zu gebrauchen. Sie konnten keine Briefe tragen, hielten nicht Wache und standen sowieso meist nur im Weg rum. Und wenn Harry eines nicht leiden konnte, dann waren es Tiere, die nur zu Dekozwecken angeschafft wurden. Lucius beschäftigte sich ja nicht einmal mit ihnen, wie man es mit normalen Haustieren tat.

Versteh einer diese reichen Reinblüter!

Etwa zehn Minuten später ließ er sich an einem Baum am Seeufer nieder und lehnte sich gegen den Stamm. Die Knie hatte er an den Körper gezogen, die Arme darum geschlossen und das Kinn darauf gelegt. Er genoss die Stille, die nur von dem sanften Plätschern des Wassers und dem leisen Rascheln der Blätter begleitet wurde. Seine Gedanken ordneten sich wie von selbst in dieser Ruhe, sodass sich seine innere Anspannung löste. Wenn es nach ihm ginge, würde er die ganze Zeit über hier draußen sein. Oder war das nur der Drang des Wolfes in ihm? Im Nachhinein betrachtet bemerkte er, dass der Zwang nach draußen zu gehen, in den letzten Tagen stetig gewachsen war. In den Räumen des Manor fühlte er sich immer eingeengter, obwohl sie mehr als groß genug waren. Ob es Remus genauso ging?

„Harry? Alles in Ordnung?", ertönte da auch schon die Stimme seines Leitwolfes. Remus kniete sich neben ihm nieder und blickte ihn besorgt an.

„Ja", antwortete Harry langsam, „ja, alles okay." Er sah zu dem Werwolf auf. „Sag mal, ist es normal, dass ich mich in den Räumen irgendwie…"

„Eingeengt fühle?", vollendete Remus die Frage mit einem Lächeln. „Ja, das ist normal. Werwölfe hassen es, drinnen zu sein. Je näher der Vollmond rückt, desto intensiver wird das Gefühl. – Aber keine Angst, du gewöhnst dich daran."

Harry wusste nicht, ob er beruhigt sein sollte oder nicht. „Eine Frage hab noch: Wie sieht es eigentlich aus, wenn Vollmond mitten in der Woche ist? Werde ich dann trotzdem zum Unterricht gehen können?"

Remus seufzte und fuhr sich einmal durch die Haare. „Nein, ich glaube nicht, dass du an diesen Tagen zum Unterricht kannst. Aber das wird kein Problem sein. Der Schulleiter weiß, dass du ein Werwolf bist. Alle Werwölfe an dieser Schule sind für diese Tage vom Unterricht befreit." Er lächelte aufbauend. „Und da du Hermine an deiner Seite hast, wirst du auch keine Probleme damit haben, den versäumten Schulstoff nachzuholen.", meinte er spielerisch, was Harry nun doch ein Lächeln auf die Lippen zauberte.


Am Nachmittag flohten sie schließlich zusammen mit Remus und Narzissa zu ihrer neuen Schule. Doch da Harry noch nie sonderlich bewandert in dieser Art des Reisens war, stolperte er aus dem Kamin und landete ziemlich unelegant auf dem Steinboden der Vorhalle. Die Schüler, die vor ihm durch den Kamin gekommen waren, kicherten belustigt und fingen an zu tuscheln.

Verlegen richtete er sich auf, klopfte sich die Asche von der Robe und biss die Zähne so fest aufeinander, dass die Kiefer knackten. Das hatte er ja ganz toll hinbekommen! Wie war das mit dem ersten Eindruck? Die Schüler hier würden ihn wohl ewig als den in Erinnerung behalten, der nicht flohen konnte.

Direkt nach ihm stiegen Hermine, Narzissa und Remus aus den grünen Flammen. Hermine bemerkte sofort, dass etwas geschehen war, und sie konnte sich auch schon denken, was es war. Harry war noch nie aufrecht aus einem Kamin gekommen.

Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Mach dir nichts draus."

„Du hast gut reden.", grummelte er. „Wir müssen ja nur das nächste Jahr hier zur Schule gehen."

Hermine grinste. „Stimmt, aber die meisten hier wurden wohl kaum von dem Dunklen Lord persönlich hierher geschickt."

„Stimmt, aber die meisten hier auch nicht sechs Jahre lang erbittert gegen ihn gekämpft, oder?", entgegnete er und nahm ihr damit den Wind aus den Segeln.

Narzissa und Remus führten die beiden zum Büro des Schulleiters. Das Gebäude war wesentlich kleiner als Hogwarts, erinnerte mehr an Malfoy Manor. Die Wände waren in angenehmen Farben gestrichen und in regelmäßigen Abständen hingen Bilder. Es waren überwiegend Landschaften und alte Herrenhäuser, dazwischen waren nur wenige Porträts auszumachen.

„Wie viele Schüler gehen eigentlich in diese Schule?", wollte Hermine wissen und blickte sich neugierig um.

Narzissa seufzte. „Nicht sehr viele… Etwa siebzig." Sie blieben vor einer dunklen Holztür stehen, an der ein silbernes Schild mit der Aufschrift „Bilius Beacon – Schulleiter" befestigt war. Die blonde Frau wandte sich mit ernstem Gesicht an die Jugendlichen. „Halten Sie sich zurück. Mister Beacon ist leicht reizbar.", warnte sie und blickte den beiden einmal kurz in die Augen, bevor sie anklopfte. Eine tiefe Stimme rief sie herein.

Hinter einem großen dunklen Schreibtisch, auf dem etliche Pergamente und Federn herumlagen, saß ein braunhaariger Mann und sah seinen Besuchern aus blauen Augen entgegen. „Misses Malfoy! Schön Sie zu sehen. Und Sie haben unsere neuen Schüler mitgebracht…" Er erhob sich und schritt um den Tisch herum, um direkt vor Hermine und Harry stehenzubleiben und sie prüfend zu mustern. „Sieh an, sieh an…", meinte er mit einer merkwürdigen Singsang-Stimme, „Harry Potter gibt sich die Ehre." Sein Blick verweilte einen Moment lang an Harry Stirn, bevor seine Augen zu Hermine wanderten. Eine Augenbraue hob sich. „Und Hermine Granger… Eine – Muggelgeborene. Fühlen Sie sich geehrt! So etwas wie Sie gibt es eigentlich auf meiner Schule nicht. Ich hoffe für Sie, dass Sie zurechtkommen werden."

Harry biss auf die Innenseite seiner Wangen, um nicht laut zu werden. Er hasste es, wenn man jemanden nur aufgrund seiner Abstammung beurteilt. „Bei allem Respekt, aber sie ist eine der schlausten Hexen, die je auf Hogwarts zur Schule gegangen sind.", widersprach er in einer angemessenen Lautstärke. Sofort richtete sich der Blick der blauen Augen wieder auf ihn.

„Nun, man kann nicht unbedingt sagen, dass Hogwarts ein sonderlich hohes Niveau hat, nicht wahr?", schnarrte er, bevor er gegen die Kante des Tisches lehnte. „Sie werden in die siebte Klasse kommen. Kommen Sie mit!", befahl er und wandte sich noch einmal an Narzissa, wobei er Remus einen abschätzigen Blick zuwarf. „Ich würde mich freuen, wenn ich mal wieder etwas mit Ihrem Mann zusammen trinken könnte."

„Ich werde es ihm ausrichten.", nickte Narzissa und schenkte den beiden Jugendlichen ein aufbauendes Lächeln. „Wir warten unten in der Vorhalle auf euch." Sie strich dem schwarzhaarigen Werwolf noch einmal sanft durch die Haare, bevor sie sich der Tür zuwandte. Remus sah aus, als würde er seinen Welpen am liebsten gar nicht gehen lassen. Dann aber gab er sich einen Ruck und vergrub noch einmal seine Nase in dem dunklen Schopf. „Es wird nicht lange dauern." Seine Augen blickten bittend zu Hermine.

Das Mädchen grinste, hatte sie doch verstanden, dass sie auf den kleinen Werwolf aufpassen solle.

Der Schulleiter verdrehte die Augen. „Wenn Sie mir dann folgen würden…" Er verließ sein Büro ohne darauf zu achten, ob die neuen Schüler ihm folgten. Harry und Hermine beeilten sich, zu ihm aufzuschließen. Der Weg führte sie durch einige Gänge, vorbei an etlichen Räumen, bis sie schließlich vor einem Raum stehen blieben, in dem bereits einige Schüler versammelt waren und quasselnd an und auf den Tischen saßen.

„Guten Morgen! Ich hoffe, Sie hatten angenehme Ferien!" Mit diesen Worten, die wesentlich freundlicher ausgesprochen wurden als alles, was die beiden vorher von ihm gehört hatten, betrat Beacon den Raum und augenblicklich setzten sich die Schüler ordentlich hin und schwiegen. „Ich möchte Ihnen zwei neue Mitschüler vorstellen, die von Mister Malfoy hierhergeschickt wurden." Er winkte die beiden herein. Sofort wurde zu tuscheln begonnen, während Harry und Hermine an die Stirnseite des Raumes gingen, sodass sie vor der Klasse standen. „Das sind Harry Potter und Hermine Granger."

Das Getuschel wurde lauter und Beacon unternehm nichts dagegen. Aus der hintersten Reihe schallte ein hämisches Lachen nach vorne. Es kam von einem breitschultrigen Typen mit halblangen blonden Haaren und einem fiesen Lächeln. „Soso, Potter und Granger! Ein Schlammblut und ein Halbblut… Die zwei Aushängeschilder der falschen Seite… Was hat euch denn hierher verschlagen? – Nein, sagt nichts! Euer Herrchen hat euch hierher geschickt, um zu spionieren, oder?"

Auf diese Worte brachen die meisten Schüler in lautes Lachen aus. Offensichtlich war die Vorstellung von Harry und Hermine mit Hundehalsbändern und Dumbledore als Leinenhalter überaus witzig. Harry verdrehte die Augen. „Ja, überaus witzig, ich weiß."

Der Typ erhob sich drohend und durchbohrte den Werwolf mit einem mörderischen Blick. „Sieh an: Der Schoßhund gibt Laut."

Tief in seiner Kehle kämpfte sich ein böses Knurren nach oben. Außerdem hätte Harry schwören können, dass sich seine Nackenhaare sträubten. Sein ganzer Körper spannte sich an, während sich der Wolf an die Oberfläche zu kämpfen versuchte, um seinem Herausforderer ordentlich ans Bein pinkeln zu können… Im übertragenen Sinne, natürlich.

„Mister Batter! Setzen Sie sich wieder und seien Sie ruhig! Es ist nicht klug, einen Werwolf kurz vor Vollmond zu provozieren. Ich dachte eigentlich, dass Sie das wissen.", fauchte Beacon aufgebracht und funkelte den Schüler unnachgiebig an, der sich auch zähneknirschend wieder auf seinen Stuhl plumpsen ließ, aber nicht, ohne Harry noch einen extrem angepissten Blick zuzuwerfen, der versprach, dass er weitermachen würde, sobald es wieder ungefährlich war.

In dem Moment betrat ein hochgewachsener, dunkelhäutiger Mann den Raum. Er hob fragend die Augenbraue aufgrund der gespannten Atmosphäre.

„Professor Sullen, das sind Harry Potter und Hermine Granger, Ihre beiden neuen Schüler.", stellte Beacon sie vor. „Außerdem möchte ich Sie bitten, Mister Batter zu lehren, was es heißt, einen Werwolf kurz vor Vollmond zu provozieren. Er scheint es noch nicht ganz begriffen zu haben."

Das leise Kichern eines Jungen erstarb schnell unter Batters mörderischem Blick, während Beacon den Raum verließ. Professor Sullen stellte sich vor die Klasse und deutete den beiden ehemaligen Hogwarts-Schülern, dass sie sich einen Platz suchen sollten. Leider waren die einzigen freien Plätze nicht nebeneinander, sodass sich die beiden widerstrebend trennten. Harry nahm neben dem Jungen Platz, der kurz gekichert hatte, als Batter zurechtgestutzt worden war. Die hellbraunen Haare fielen ihm lässig ins Gesicht, während sie hinten kürzer geschnitten waren. Mit einem freundlichen Lächeln beugte er sich zu Harry, damit er nicht so laut sprechen musste. „Hi, ich bin Debonair, Debonair Just. Freut mich."

„Mister Just, bitte…", ermahnte der Professor freundlich, worauf der Junge grinsend verstummte und seinem neuen Nachbarn frech zuzwinkerte.

„Für unsere beiden neuen Mitschüler werde ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Tenebrous Sullen. Ich bin Ihr Klassenlehrer und Ihr Ansprechpartner und Ihr Lehrer für die Dunklen Künste. Da Sie beide von Hogwarts kommen, nehme ich nicht an, dass Sie bereits Erfahrung in diesem Fach besitzen, oder?"

Harry und Hermine tauschten einen kurzen Blick, bevor beide den Kopf schüttelten. „Nein, Sir. Wir haben leider keine Erfahrung in den Dunklen Künsten.", antwortete Hermine brav.

„Schleimer…", grummelte Batter hinten leise.

Sullen lächelte. „Das macht nichts. Ich bin sicher, Sie beide werden sich schnell zurechtfinden." Er legte seine Tasche auf das Pult und griff hinein, um einen Stapel kleiner Pergamente herauszuholen. „Hier sind Ihre Stundenpläne für dieses Jahr.", informierte er die Klasse und reichte ihn an eine Schülerin in der ersten Reihe, damit diese die Blätter weiterreichte, nachdem sie sich selbst einen Bogen genommen hatte.

Harry nahm sein Exemplar vom Stapel, bevor er ihn weiterreichte, und studierte ihn neugierig. Im Grunde sah er nicht viel anders aus, als der aus Hogwarts. Er fragte sich, wie der Unterricht wohl aussehen würde. Besonders auf Zaubertränke war gespannt.

„Mister Potter, Miss Granger? Bleiben Sie bitte noch einen Moment. Der Rest kann gehen. Ich sehe Sie dann morgen in aller Frische!" Kaum hatte Sullen diese Worte ausgesprochen, sprangen die meisten Schüler auf und eilten eifrig quatschend hinaus. Debonair schenkte Harry ein Lächeln und ein „bis morgen", bevor auch er den Raum verließ.

„Wie Sie sehen, sind bei Ihnen noch nicht alle Fächer eingetragen, sondern nur die Pflichtfächer. Es gibt zudem noch einige Wahlfächer, die Sie belegen können."

Die Pflichtfächer schienen demnach Dunkle Künste, Geschichte der Zauberei, Magische Wesen, Kräuterkunde, Zaubertränke, Verwandlung und Alte Runen zu sein. Beim letzteren fluchte Harry innerlich. Er hatte Alte Runen in Hogwarts nicht belegt und hatte keine Ahnung davon.

„Die Wahlfächer sind bei Ihnen auf der Rückseite aufgelistet. Es wäre schön, wenn Sie sich heute schon entscheiden würden, doch morgen würde auch noch gehen. – Falls Sie Fragen haben, nur raus damit.", ermunterte Sullen die beiden.

Harry und Hermine drehten ihre Pergamente um und lasen sich die möglichen Pflichtfächer durch. Dem jungen Werwolf fiel bereits ein Fach ins Auge, aber er würde sich erst noch nach dem Inhalt erkundigen, bevor er sich entscheiden würde. „Ähm… Was beinhaltet das Fach ‚Magische Kampfkünste'?"

Sullen grinste, als hätte er diese Frage erwartet. „Dieses Fach erfreut sich großer Beliebtheit, auch wenn nicht viele die Veranlagungen dafür besitzen. Doch ich bin ziemlich sicher, dass es genau das Richtige für Sie wäre. – In diesem Fach lernen Sie beispielsweise mit dem Schwert umzugehen oder Bogenschießen. Das allein ist aber noch nichts Magisches. Sie lernen dort, wie Sie diese Künste mit der Magie verbinden. Außerdem sind Zaubererduelle ein wichtiger Bestandteil dieses Fachs.", erklärte er geduldig.

„Klingt auf jeden Fall sehr interessant.", gab Harry mit leuchtenden Augen zu. Er kämpfte zwar nicht sonderlich gern, aber das Gefühl eines Schwertes in seiner Hand oder die Freude über ein gewonnenes Duell war einfach klasse. „Ich denke, dass ich dieses Fach und Zauberkunst wähle."

Sullen nahm seine Entscheidung nickend entgegen. „Und Sie, Miss Granger?"

Hermine blickte noch einen Moment nachdenklich auf die Liste, bevor sie den Kopf hob. „Ich weiß zwar nicht, ob ich dafür geeignet bin, aber ich würde es auch gerne versuchen mit den Kampfkünsten. Und sonst nehm ich Arithmantik, Zauberkunst und Astronomie."

„Oh", wunderte sich Sullen mit erhobenen Augenbrauen, „kein Wahrsagen? Dann hätten Sie alles voll."

„Um Gottes willen, nein! Nie wieder! Ich bin auch ohne Wahrsagen ganz zufrieden."

Harry grinste aufgrund ihrer heftigen Reaktion. Wusste er doch noch, was damals zwischen ihr und Trelawney vorgefallen war. „Übertreib es aber nicht wieder… Du weißt doch noch, was im dritten Jahr los war, oder?"

Die Antwort war ein böser Blick, sodass er grinsend verstummte. „Keine Sorge, ich übernehme mich schon nicht!"

Sullen nickte ihnen zu. „In Ordnung, dann können Sie mir gleich Ihre Stundenpläne kurz übergeben, damit ich Ihre Wahlfächer eintragen kann." Er zog seinen Zauberstab aus der Innentasche seiner Robe und tippte kurz auf die Pergamente, wo sich sofort die gewählten Wahlfächer in den Stundenplan einreihten.

„Dann könnt ihr jetzt gehen. Wir sehen uns morgen. – Mister Potter, Miss Granger." Er verabschiedete sich mit einem Nicken von seinen Schülern, die ihre Bögen wieder entgegen genommen hatten und nun ruhig den Raum verließen.

Während sie durch die Gänge liefen, verglichen sie ihre Pläne miteinander. Sie hatten alle Fächer gemeinsam, abgesehen von denen, die Harry nicht gewählt hatte. Am Mittwoch musste sie eine Doppelstunde länger bleiben und am Freitag würde sie nach Sonnenuntergang noch einmal in die Schule kommen für den Astronomie-Unterricht.

Den Weg zurück zur Vorhalle zu finden, war nicht schwer. Sie folgten einfach den anderen Schülern, die aus ihren Räumen gestürmt kamen. Ein paar jüngere Schüler rannten laut lachend an ihnen vorbei. Ein Mädchen mit schwarzen Zöpfen stolperte hinterher. „Hey, jetzt wartet doch mal!" Fast hätte sie Harry über den Haufen gerannt, wenn dieser nicht schnell aus dem Weg gegangen wäre. „Man, Carish! Nun beeil dich!", rief ihre Freundin von der nächsten Ecke aus.

Lächelnd beobachteten die beiden ehemaligen Gryffindors das Geplänkel. Als sie in den Gang einbogen, der zur Vorhalle führte, blieben sie erschrocken stehen, denn vor ihnen standen zwei Typen, darunter Batter, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte und ein boshaftes Grinsen auf den Lippen trug. „Welch eine Überraschung euch hier zu treffen."

Harry hob eine Augenbraue. „Ja, welch eine Überraschung. Immerhin gehen wir auf dieselbe Schule und sind sogar in derselben Klasse. Da ist man natürlich überrascht, wenn man sich über den Weg läuft.", meinte er trocken und spürte, wie sich sein Wolf erneut in seinem Inneren regte. Er wusste jetzt schon, dass es ein Problem geben würde mit diesem Batter. Sein Wolf konnte ihn auf den Tod nicht ausstehen und so kurz vor Vollmond war es schwer, ihn zu kontrollieren.

Batter zog grimmig die Augenbrauen zusammen und ballte die Faust, während er mit der anderen seinen Zauberstab zog. Doch er hatte keine Gelegenheit mehr, ihn einzusetzen, da sich eine kräftige Hand um sein Handgelenk schloss und Batter so an jeder Bewegung hinderte.

„Wage es, Hand an meinen Welpen zu legen, und du erlebst, was es heißt, einem wütenden Werwolf gegenüberzustehen.", knurrte Remus aggressiv, doch Batter riss sich los und fauchte ihn an.

„Werwolf gegen Vampir, wer wohl gewinnt?", fragte er böse.

Remus stieß ein heiseres Lachen aus. „Das fragst du noch? Gegen dich kleinen Pimpf brauch ich nicht mal den Vollmond!"

Bevor die Situation ausarten konnte, schritt Narzissa ein. Batter senkte den Kopf und gab seine Angriffshaltung auf. Offenbar hatte er vor der blonden Frau einigermaßen Respekt, was kein Wunder war. Immerhin war die Familie Malfoy sehr hoch angesehen unter den reinblütigen Familien. „Finger weg von Mister Potter und Miss Granger, Batter! Sie stehen unter dem Schutz meiner Familie!" Ihre Stimme war kalt und drohend, der Blick der grauen Augen einschüchternd.

Batter schluckte und neigte kurz den Kopf.

„Sollte mir zu Ohren kommen, dass Sie sich nicht entsprechend verhalten, werde ich ein ernstes Wort mit Ihren Eltern reden. Ich weiß, dass sie alles andere als angetan wären.", führte Narzissa weiter aus. Mit jedem Wort schien Batter kleiner zu werden, doch der Ausdruck in seinen Augen war weiterhin rebellisch. Harry wusste sicher, dass dieser Typ weiterhin Probleme machen wird. Er wird nur darauf achten, dass es niemand mitbekommt, der ihn in Schwierigkeiten bringen könnte.

Zähneknirschend wandte Batter sich ab und verschwand nach einer knappen Verabschiedung durch einen der Kamine. Narzissa blickte ihm kopfschüttelnd nach. „Dieser Junge bedeutet Ärger, ihr beiden.", prophezeite sie nachdenklich.

„Damit werden wir fertig.", meinte Harry grinsend und dachte an die Zeiten, in denen er dem Dunklen Lord gestrotzt hatte. Da würde doch so ein kleiner Siebtklässler kein Problem darstellen.

„Daran zweifle ich nicht.", grinste Narzissa und deutete auf den Kamin zu ihrer Rechten. „Lasst uns zurückkehren."

Remus blickte seinen Welpen besorgt an, doch der zuversichtliche Ausdruck in dessen Gesicht beruhigte ihn. Eigentlich wusste er sehr genau, dass der Jüngere gut auf sich selbst aufpassen konnte, doch der Wolf in ihm ignorierte diese Tatsache gekonnt.


Früh am nächsten Morgen saßen Harry und Hermine zusammen mit den anderen aus ihrer Klasse in dem Unterrichtsraum für Dunkle Künste. Debonair neben ihm unterhielt sich leise mit ihnen, während sich das brünette Mädchen vor ihnen hin und wieder mal einmischte. Sie hatte sich als Prudence Lowkey vorgestellt. Ihr Geruch verriet dem Schwarzhaarigen, dass sie ebenfalls ein Werwolf war.

„Ich hoffe, Lash hat euch gestern nicht zu sehr belästigt.", meinte Debonair dann mit einem Seitenblick zu besagtem Mitschüler.

Harry runzelte die Stirn, während Hermine sofort wusste, wer gemeint war. „Du meinst Batter? Naja, er hat sich uns noch mal in den Weg gestellt, zusammen mit dem da." Sie deutete auf einen kräftigen, blonden Jungen, der neben Batter saß und stumpf auf die Tischplatte starrte.

„Das ist Zany Dense. Ein Vollidiot wie er im Buche steht. Da er selber nicht sonderlich gut denken kann, hängt er sich an Batter in der Hoffnung, dass er ein paar flüchtende Gehirnzellen von ihm abfangen kann. ", erklärte Debonair und strich sich eine hellbraune Strähne aus den Augen. Man hörte ganz genau, dass er Zany Dense nicht sonderlich gut leiden konnte.

Prudence warf ihren Pferdeschwanz über die Schulter. „Geht ihnen einfach aus dem Weg. Gebt ihnen keine Gelegenheit, euch allein zu erwischen. Solange immer einer von uns oder ein Lehrer in der Nähe ist, kann er nichts machen."

Hermine nickte zustimmend, doch Harry schüttelte lächelnd den Kopf. „Guter Vorschlag, lässt sich aber leider nicht lückenlos durchführen." Er zuckte mit den Schultern. „Zum Glück können wir auf uns aufpassen."

Prudence schüttelte leicht den Kopf, als wäre diese Bemerkung überflüssig gewesen, doch sie entgegnete nichts, sondern holte nur Feder und Pergament hervor. Daneben stellte sie ihr Tintenfässchen.

„Brauchen wir eigentlich Bücher?", wollte Harry dann wissen, als er selbst seine Utensilien herausholte und sich der fehlenden Bücher bewusst wurde.

Hermine holte erschrocken Luft, doch Debonair konnte sie beruhigen. „Keine Sorge! Die Bücher bekommen wir immer am Anfang von der Schule geliehen, bis wir alle eigene haben. Außerdem brauchen wir auch nicht in allen Fächern welche." Nachdenklich starrte er in die Luft. „Wir haben für Geschichte, Alte Runen, Arithmantik und Astronomie welche."

Verwirrt runzelte Hermine die Stirn. „Und was ist mit Zaubertränke? Wir hatten dafür immer ein Buch."

„Wart ihr denn alle gut darin?", wollte der Junge wissen.

„Die wenigsten."

„Da siehst du, warum wir hier keine haben. Bücher machen nur faul, weil da vieles schon drinsteht. Wir hier schreiben alles Nötige selbst auf, weswegen es einfacher im Gedächtnis bleibt.", erklärte Prudence, während sie in einem kleinen Handspiegel ihre Frisur prüfte. Ihre langen braunen Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Nur ihr Pony und zwei dünne Strähnen fielen offen herab.

Harry schnaubte. Ja klar! Als wenn es nur an den Büchern gelegen hatte, dass die Schüler in Zaubertränke nichts gelernt hatten! Das hatte wohl eher etwas mit ihrem Lehrer zu tun, der nicht wirklich richtig unterrichtet hatte! Aber er sprach diese Worte nicht aus. Er wusste, dass das nur dazu führen würde, dass er seine Aussage genauer erklären müsste und dazu hatte er im Moment keine Lust. Abgesehen davon, dass er dazu auch keine Zeit mehr hatte, denn in diesem Moment rauschte Mann Mitte dreißig herein und stolperte zuallererst über eine Tasche, die halb im Weg gelegen hatte und zu einem schüchtern aussehenden Mädchen mit knapp schulterlangen dunkelblonden Haaren gehörte. „Entschuldigen Sie bitte, Sir.", murmelte sie verlegen und zog sofort ihre Tasche unter ihren Tisch.

Der Mann grinste und kratzte sich im Nacken. „Macht doch nichts, Miss Mignon. Ist ja alles noch ganz.", versicherte er ihr mit zittriger, fast unsicherer Stimme, und setzte seinen Weg zum Lehrerpult fort. Dort legte er seine Tasche ab, die jedoch umfiel und kopfüber herunterfiel, wobei Unmengen an loser Pergamente und ein paar Bücher auf dem Boden landeten. „Oh, Verzeihung."

Harry beobachtete amüsiert, wie der Mann ungeschickt alles wieder einsammelte. Dann richtete er seinen Blick endlich auf seine Klasse. „Ah, man hat schon gesagt, dass es hier zwei Neuankömmlinge gibt. Mein Name ist Yarn Oul. Ich bin Ihr Geschichtslehrer.", stellte er sich vor.

Ein merkwürdiger Geruch stieg Harry in die Nase und stirnrunzelnd überlegte er, was er zu bedeuten hatte. Aber offenbar hatte Professor Oul die Verwirrung gesehen, denn er erklärte, dass er ein Vampir sei. „Und Sie sind ein Werwolf, wie ich feststelle. Ihre erste Verwandlung am Wochenende?", erkundigte er sich, worauf Harry leicht nickte.

Lash schnaubte abfällig. „Auch das noch… Ein Frischling!"

„Deine Wandlung ist auch noch nicht so lange her, Batter!", verteidigte Debonair seinen neuen Freund.

„Trotzdem war ich von Geburt an ein Vampir, Just!"

Ob es so klug war zu sagen, dass Harry eigentlich ein Mischling zwischen Vampir, Veela und Mensch war und sein Leben durch den Biss gerettet wurde? Wohl kaum… Das würde nur wieder unerwünschte Aufmerksamkeit auf ihn lenken. Also schwieg er innerlich grinsend.

Oul hob die Hände. „Beruhigen Sie sich, bitte!"

„Es ist keine Schande, von einem Werwolf gebissen zu werden, Batter!", fauchte der Brünette und drehte seinen Oberkörper nach hinten, um Lash ansehen zu können, der wieder abfällig schnaubte. „Und ob das eine Schande ist! Das heißt nämlich nur, dass man zu schwach oder zu blöd war, sich zu verteidigen!"

„Ruhe, bitte!" Doch Ouls dünne, unsichere Stimme drang nicht zu den Schülern durch.

„Schwach war ich allerdings, du Hornhochse! Ich lag im Sterben!", bellte Harry und knurrte. Schlagartig war es ruhig in der Klasse, weil jeder ihn geschockt oder überrascht anstarrte.

Debonair blinzelte. „Warum das?"

„Weil ich von Geburt an kein Mensch war! Ich war eine Mischung zwischen Vampir und Veela!"

„Das kann gar nicht sein. So etwas überlebt die Wandlung nicht.", protestierte Zany Dense und sah stolz aus, dass er diesen Gedanken ganz allein gefasst hatte.

Harry verdrehte die Augen. „Was meinst du wohl, warum ich im Sterben lag?", fragte er genervt nach. Und er hatte so gehofft, dass Crabbe und Goyle die unterste Stufe der Intelligenz darstellten. Doch anscheinend hatte er jemanden gefunden, der es schaffte, sogar noch weiter unten zu sein.

„Jungs!", erschallte Prudence's kräftige Stimme, was ihre Aufmerksamkeit auf sie zog. „Seid endlich still! Der Unterricht hat bereits angefangen."

Professor Oul lächelte sie dankend an. „Wir werden uns jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres mit…" Er erzählte, was die Siebtklässler in nächster Zeit erwartete, und forderte sie dann auf, ihr Buch aufzuschlagen. Da Hermine und Harry keine besaßen und Oul auch keine Schulbücher mitgebracht hatte, sollten sie bei anderen mit reinschauen. Debonair grinste breit und rückte sofort zu Harry, während Hermine und Prudence sich zusammenschlossen.

Während sie an ihrer Aufgabe arbeiteten, bemerkte Harry, dass Debonair ihn immer wieder so merkwürdig aus den Augenwinkeln heraus ansah. Doch er dachte sich, dass es nichts Besonderes war. Immerhin war er neu hier und seine Mitschüler mussten ihn erst kennenlernen. Aber scheinbar hatte sein Nachbar das Kennenlernen übersprungen und gleich beschlossen, sein Freund sein zu wollen.

Als nächstes hatte sie Dunkle Künste. „Sagt mal, haben wir immer hier Unterricht?", wollte Hermine wissen.

Debonair runzelte nachdenklich die Stirn. „Wo sollten wir sonst Unterricht haben? Die einzigen Fächer, die wir nicht hier haben, sind die Wahlfächer."

„Aber hier kann man doch gar nicht brauen!", protestierte sie.

Doch der Junge schüttelte nur den Kopf, zog seinen Zauberstab und wedelte ein wenig damit, so dass bunte Funken aus der Spitze stoben. „Zauberer?"

„Du meinst, hier wird immer umgebaut?"

„Umgezaubert!", verbesserte er grinsend und steckte den Stab wieder weg. „Aber ich denke, jetzt werden wir nicht umbauen müssen. Wir haben zwar jetzt Dunkle Künste, aber da ihr beide das noch nie hattet, wird wohl erst mal Theorie rankommen." Er kicherte leise. „Keine Sorge, es ist nicht sonderlich schwer. Jedenfalls nicht schwerer als andere Zauber auch, denk ich."

„Habt ihr eigentlich eine Quidditch-Mannschaft?", wollte Harry dann wissen. Er vermisste es, auf seinem Besen dem Schnatz hinterherzujagen. Doch Prudence mischte sich ein und schüttelte den Kopf. „Nein, das wäre unfair. Vampir und Werwölfe haben viel bessere Reflexe und Sinne als Menschen, also wären diese gnadenlos benachteiligt. Deswegen gibt es keine Mannschaft."

„Du kannst aber fliegen gehen. Wir haben hier extra einen kleinen Platz dafür als Ausgleich für eine fehlende Mannschaft. Hast du gespielt auf Hogwarts?" Debonair blickte ihn neugierig an.

„Ich war Sucher.", antwortete Harry mit einem Nicken.

„Seit der ersten Klasse!" Hermine grinste. Sie liebte es, für Harry anzugeben, auch wenn er das nicht so lustig fand. Aber er würde ihr deswegen nicht böse sein, das wusste sie. Er würde niemals selbst damit prahlen, aber er hörte es gern, wenn er dafür Komplimente bekam. Immerhin war das etwas, war er wirklich konnte.

„Ist das gut?", fragte Debonair verwirrt. Er ging von klein auf auf diese Schule, daher wusste er nicht, wie es in anderen Schulen lief.

„Sehr gut sogar. Es war das erste Mal seit einhundert Jahren, dass ein Erstklässler in die Mannschaft kam.", erklärte sie kurz, wobei man deutlich heraushören konnte, wie stolz sie auf ihren besten Freund war. „Er fliegt, als wenn er auf dem Besen geboren wurde."

„Mine…", murmelte Harry verlegen und senkte den Kopf, um sich hinter seinen Haarsträhnen zu verstecken.

Die Tür ging auf und Professor Sullen betrat den Raum, worauf sich die Schüler alle auf ihre Plätze setzten. Doch der dunkelhäutige Mann schüttelte den Kopf. „Stehen Sie auf! Wir räumen um!"

Erfreut erhoben sich die Schüler wieder und wichen an die Wände, damit der Mann ungestört zaubern konnte. Dieser schwang einmal kurz seinen Zauberstab, worauf sich die Tische und Stühle winzig klein schrumpften und in einer Ecke stapelten. „Wir werden heute ein paar Zauber üben."

Es wurden wichtige Zauber der vergangenen Schuljahre wiederholt. Hermine hatte ärgerlicherweise ein paar Probleme mit den Zaubern, doch Harry brauchte meist nur ein oder zwei Versuche, um sie richtig auszuführen. Professor Sullen hatte auch eine Erklärung dafür. „Werwölfe sind Geschöpfe der Dunklen Magie. Also wäre es ziemlich verwunderlich, wenn ein Werwolf diese Zauber nicht ausführen könnte. Sie, Miss Granger, können sich von Ihrem Freund helfen lassen."

Der Junge, der direkt vor Harry saß im Unterricht, war zwar ein Werwolf, aber er war so unsicher beim Ausführen der Zauber, dass das Ergebnis stark zu wünschen übrig ließ. „Mister Craven? Vielleicht es besser, wenn Sie sich ebenfalls von Mister Potter helfen lassen. Oder fragen Sie Miss Lowkey, ob sie Ihnen hilft."

Der junge Werwolf nickte eingeschüchtert und schlich zu Harry, wobei er den ehemaligen Gryffindor von unten herauf fragend ansah. Wäre er in seiner Wolfsform, würde er sich wohl mit eingezogenem Schwanz nähern. Dieser spürte sofort, dass der andere in der Rangordnung der Wölfe sehr weit unten war, vielleicht der sogar der Unterste, der Omega. Harrys Wolf wollte den Rothaarigen unbedingt auf seinen Platz verweisen, sodass ihm ein Knurren in der Kehle hochstieg.

Craven schien das zu spüren, denn er drehte sofort ab und wandte sich unsicher an Prudence, die ihm aber einen vernichtenden Blick zuwarf. Schließlich nahm sich Chary Mignon seiner an. Sie war zwar kein Ass in den Dunklen Künsten, aber die meisten Zauber beherrschte sie.

Debonair blickte Harry fragend an. „Was war das denn?" Er wusste, dass es gerade etwas geschehen war, doch so ganz konnte er nicht sagen, was.

Harry biss die Zähne zusammen. Es ärgerte ihn ungemein, dass sein Wolf den anderen so behandelte. Doch er wusste auch, dass er daran nichts ändern konnte. Craven musste sich von selbst im Rang hocharbeiten. Kein Wolf würde ihn respektieren, wenn ein anderer ihm beim Aufstieg half. „Werwolf-Geschichte.", meinte er wortkarg.

Sullen hatte die kleine Szene beobachtet. Er hatte Timorous Craven extra zu Harry geschickt, um zu sehen, wie dieser auf ihn reagierte. Was er gesehen hatte, zeigte ihm, dass der junge Werwolf trotz seiner Unerfahrenheit im Rang der Werwölfe sehr weit oben stand. Der Blick der grünen Augen und die leicht hochgezogene Oberlippe hatten ihm gezeigt, dass er den anderen anknurren wollte. Also hatte er die Annäherung des anderen als Beleidigung empfunden. Hätte er sich bedroht gefühlt, wäre Harry leicht zurückgewichen, statt stehenzubleiben.


In der nachfolgenden Mittagspause folgten Harry und Hermine ihren Klassenkameraden in den Speisesaal. Dort stand jeder Klasse ein eigener Tisch zur Verfügung, an dem sie sich niederließen. Harry achtete darauf, dass der Abstand zu Lash und seinem Kumpel so groß wie möglich war.

Auf ihren Plätzen lagen Karten, auf denen die verschiedenen Speisen aufgelistet waren. Nach kurzem Umherblicken bemerkte Harry, dass es hier offensichtlich genauso funktionierte, wie damals auf dem Weihnachtsball in Hogwarts. Man tippte einfach mit dem Zauberstab an, was man haben wollte, und es erschien vor einem. Er suchte sich ein Fleischgericht heraus und etwas zu trinken.

Während er aß, blickte er sich neugierig um. Ihr Tisch lag genau im Zentrum. Um sie herum ordneten sich die der anderen Klassen. Er bemerkte, dass viele Schüler ihm verstohlene Blicke zuwarfen, als könnten sie ihren Augen nicht trauen. Mit einem genervten Seufzen entschloss Harry sich, diese Blicke zu ignorieren. War er sie doch schon aus Hogwarts gewöhnt.

Hermine warf ihm ein kleines Grinsen zu. Wieder schien sie genau zu wissen, was gerade in seinem Kopf vor sich ging. Aber das war kein Wunder, denn sie kannte ihn gut genug. Außerdem hatte er mit ihr bereits darüber gesprochen, wie es sein würde, wie alle Schüler ihn anstarren würden und sich fragten, ob das wirklich Harry Potter in ihrer kleinen Schule war.

Debonair mümmelte gesittet und unterhielt sich nebenbei mit ihnen, wobei er stets darauf achtete, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Hermine war über so viele gute Manieren begeistert. Ron damals hatte sein halbes Mittagessen während des Sprechens über den Tisch verteilt, was überaus appetitlich gewesen war...

Apropos Ron... Er hatte nichts mehr von seinem besten Freund gehört, seit sie sich damals in der Winkelgasse hatten treffen wollen. Ob es ihm wohl gut ging? Gern würde er ihn wiedersehen, doch er wusste, dass das vorläufig unmöglich war.

Was wohl gerade in Hogwarts geschah? Hatte man sein Verschwinden bereits bemerkt und wie hatte Dumbledore das wohl erklärt? Was hatte man zu Hermines Verschwinden gesagt? Vielleicht würde ein Brief von Draco diese Fragen beantworten. Eigentlich müsste heute Vormittag eine Eule in Malfoy Manor eingegangen sein.

Harry schreckte auf, als Debonair seinen Namen rief. „Was ist?", wollte er wissen.

Lachend klopfte der Junge ihm auf die Schulter. „Meine Güte, du warst aber ganz tief in Gedanken versunken. Worüber hast du denn so angestrengt nachgedacht?" Neugierig blickte er den Werwolf an. Als Harry zögernd den Kopf senkte, hob Debonair abwehrend die Hände. „Schon gut. Du brauchst es nicht zu sagen, wenn du nicht willst. Ich hab mich nur gefragt, ob dir dein Essen nicht schmeckt. - Du isst nichts.", erklärte er mit einem Nicken zu Harrys Teller, der noch immer gut gefüllt war.

„Ist sich wohl zu fein für unser Essen!", höhnte Lash und lachte. Sein dummer Kumpel gab ein Grunzen von sich.

Harry ignorierte die beiden und begann mit dem Essen. Sein Wolf war hungrig wie er nun bemerkte. Das Frühstück im Manor hatte nicht allzu lange gehalten. Aber das war kein Wunder. In vier Tagen war Vollmond und sein Wolf wurde von Stunde zu Stunde unruhiger. Sein Appetit stieg mit jedem Tag. Ob es hier Extra-Mahlzeiten für die Werwölfe gab? Dieser Gedanke ließ ihn grinsen. Er stellte sich vor, wie er, Prudence und Timorous essend im Unterricht saßen. Jeder eine saftige Keule in der Hand, wobei sein innerer Wolf dem anderen Jungen das Fleisch nicht wirklich gönnte.

Knurrend gab sein Magen seine Zustimmung zu dieser Vorstellung. Obwohl er noch immer Nahrung zu sich nahm, verlangte sein Bauch immer mehr. Er hoffte nur, dass dieses Essen bis zum Unterrichtsende vorhalten würde.


Als nächstes hatten sie Zaubertränke. Dafür wurde der Klassenraum wieder umgebaut, sobald ihre Lehrerin eingetroffen war. Es war eine junge Frau mit kurzen roten Haaren. Harry zog die Nase kraus, denn diese sagte ihm, dass auch sie ein Werwolf war. Doch ihre natürliche Autorität flößte sowohl ihm als auch seinem Wolf Respekt ein. Mit einem Schlenker ihres Stabes erschienen Kessel auf ihren Tischen und an der Stirnseite des Raumes erschien ein großes Regal mit allerlei Zutaten.

„Guten Tag! Wir werden uns heute..." Übergangslos ging sie zu einem Rezept für einen Zaubertrank über. Sie erarbeitete es mit ihren Schülern zusammen, indem sie sie überlegen ließ, welche Zutaten aus welchem Grund, in welcher Menge und in welcher Zusammensetzung die gewünschte Wirkung erzielen könnte.

Erstaunt stellte Harry fest, dass es sogar verschiedene Möglichkeiten gab, einen Trank zu brauen. Je nach Zutaten waren sie dann stärker oder schwächer. Oder ihre Wirkung trat früher oder später ein. Immer veränderte sich der Geschmack, mal zum Schlimmeren, mal zum Besseren. Und er erfuhr sogar, dass bestimmte Zutaten wie Obst oder Beeren die Wirkung aufheben konnten, weswegen viele Tränke einen nicht sonderlich einladenden Geschmack hatten. Zum ersten Mal wurde erklärt, warum welche Zutat in einen Trank gehörte. Aufmerksam schrieb er mit und achtete darauf, nichts zu verpassen oder falsch aufzunehmen.

„Miss Granger? So heißen Sie doch, nicht wahr?", fragte die Lehrerin das Mädchen. „Wen hatten Sie in Zaubertränke, wenn ich fragen darf."

Hermine senkte kurz den Kopf. „Professor Severus Snape."

„Ohje..." Die Frau massierte kurz ihre Nasenwurzel. „Da haben wir bei Ihnen und Mister Potter einiges an Nachholbedarf." Sie warf ihren neuen Schülern einen kurzen Blick zu. „Ich möchte Sie bitten, zuhause nachzuholen, was wir hier gemacht haben. Ich bin mir bewusst, dass es eine Zeit dauern wird, aber ich bin auch sicher, dass Sie beide Hilfe hier finden werden.", schloss sie mit einem Lächeln zu Debonair und Prudence, wobei letztere noch ein wenig skeptisch dreinblickte.

Sie war noch nicht ganz sicher, was sie von Potter und Granger halten sollte, die beide alles andere als reinblütig waren. Granger war sogar ein Schlammblut. Aber sie war intelligent, das merkte man sofort, und wissbegierig noch dazu. Und die Tatsache, dass ihr linker Unterarm extrem empfindlich war und sie einmal sogar einen weißen Verband unter ihrem Ärmel erspäht hatte, sagte ihr, dass der Dunkle Lord entweder ihre Intelligenz zu schätzen wusste, obwohl sie ein Schlammblut war, oder dass sie einfach nur gezeichnet worden war, damit sie nicht mehr der anderen Seite dienlich sein konnte.

Debonair lehnte sich zu Harry. „Du kannst dir meine Aufzeichnungen leihen, wenn du möchtest. Wir könnten sie auch gemeinsam durchgehen.", schlug er lächelnd vor, was Harry dankend annahm. Vielleicht würde er so endlich verstehen, was er tat, wenn er Zutaten zusammenmixte.

Die Professorin nickte wohlwollend. Harry und Hermine hatten ihren Namen während der Stunde aufgeschnappt: Anger Philter.

Nachdem sie die Theorie endlich hinter sich gebracht hatten, was fast die ganze Doppelstunde gedauert hatte, durften sie mit dem Brauen des Trankes beginnen. Dazu würden sie noch eine ganze Doppelstunde Zeit haben. Harry fand dieses Fach zum ersten Mal in seinem Leben interessant und es störte ihn überhaupt nicht, dass sie es zwei Doppelstunden hintereinander hatten, was bei dieser Vorgehensweise durchaus Sinn machte. In der ersten kam die Theorie, in der direkt darauf folgenden die Praxis. Wenn Snape das jemals so gemacht hatte, hätten viel weniger Schüler ihre Kessel in die Luft gejagt.

Dass sie das vorher so gründlich durchgegangen waren, half dem Werwolf dabei zu erkennen, welche Zutaten er brauchte, wie er sie zubereiten musste und welche auf keinen Fall hinein gehörten. In diesem Trank konnten zum Beispiel Phönixtränen genau die gegenteilige Wirkung haben, da sie im Zusammenspiel mit den anderen Zutaten stark toxisch zu wirken begannen.

So hatte er zum ersten Mal keine Probleme beim Brauen eines Trankes und war am Ende sogar durchaus zufrieden mit seinem Ergebnis. Professor Philter nickte ihm anerkennend zu, als er seine Probe bei ihr abgab und die etwas dicke Flüssigkeit in der Phiole sowohl die richtige Konsistenz als auch die richtige Farbe hatte.

Er war lächerlich stolz auf sich, als er sich wieder setzte und seinen Kessel reinigte. Am Ende der Stunde lagen von allen Schülern Proben bei ihr und sie ließ mit einem Wink ihres Stabes die Brauutensilien verschwinden. Harry packte seine Aufzeichnungen ein, zusammen mit Feder, Pergament und Tinte, die er für seine Notizen gebraucht hatte.

„Ich gebe Ihnen keine Hausaufgabe, sondern bitte Sie darum – in Ihrem eigenen Interesse – Ihre Notizen und Mitschriften zu Hause noch einmal durchzugehen. Es könnte sein, dass ich Sie nächstes Mal ein wenig abfrage bezüglich unseres heutiges Themas." Sie zwinkerte den Schülern frech grinsend zu, bevor die Proben in ihrer Tasche verstaute und das Klassenzimmer verließ. Die Schüler packten ebenfalls ihre Sachen und stürmten hinaus, froh darüber, dass der erste richtige Schultag vorbei war.

Debonair stellte sich Harry in den Weg und grinste ihn an. „Ich kann dir meine Zaubertrank-Aufzeichnungen vorbeibringen, wenn du möchtest."

Harry grinste schief. „Ich weiß nicht, ob das erlaubt ist. Da muss ich erst Mister Malfoy fragen, ob du willkommen bist."

Sofort weiteten sich Debonairs Augen erstaunt. „Du wohnst bei den Malfoys? Wow!" Ehrfurcht spiegelte sich in den braunen Augen wider. Offenbar war der Ruf der Malfoys hier noch besser als er gedacht hatte.

„Wie gesagt, ich frag einfach mal, aber da er diese Schule selbst ausgesucht hat, denke ich nicht, dass er einen Schüler von hier ablehnen würde. - Vielleicht hast du ja einen guten Einfluss auf uns?", fügte er grinsend hinzu.

Debonair gluckste und warf Hermine einen fragenden Blick zu. „Lebst du auch auf Malfoy Manor? Ach, blöde Frage. Du bist immerhin ein... naja, du weißt schon."

Harry hob die Augenbrauen. Es wunderte ihn, dass er offensichtlich zögerte, das Wort „Schlammblut" auszusprechen, obwohl er hier doch sicherlich ein übliches Wort war.

Hermine schnaubte. „Natürlich wohne ich dort. Ich lass Harry doch nicht allein da."

Debonair biss sich auf die Lippen, bevor er zögerlich eine Frage stellte. „Ich weiß, das geht mich eigentlich nichts an, aber ich würde gern wissen, ob ihr beide zusammen seid."

„Wie kommst du denn darauf?" Harry blinzelte verwirrt. Das hatte seit der vierten Klasse niemand mehr angenommen. Und damals war es nur dieser blöden Kimmkorn-Ziege zu verdanken gewesen, da sie nur Blödsinn in dem Tagespropheten hatte abdrucken lassen.

„Es gab da ein paar Gerüchte in der Zeitung.", antwortete der Brünette verlegen.

Hermine grinste und schüttelte den Kopf. „Du darfst nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Schon gar nicht, wenn es Harry betrifft."

„Also stimmt es nicht. Das habe ich mir schon fast gedacht.", murmelte er und sah dabei merkwürdig zufrieden aus.

Hermine zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen. Irgendetwas war hier im Busch. Sie wusste nur noch nicht, was genau es war. Sie konnte den Finger nicht darauf legen. Aber das würde sich sicher bald ändern.

Sie liefen noch zusammen in die Vorhalle, wo Debonair anbot, als letzter zu flohen, als er Lash abwartend am anderen Ende der Halle ausmachte. Harry stieg als erster in die grünen Flammen, nachdem er seinem neuen Freund versichert hatte, dass er Lucius Malfoy bei der ersten Gelegenheit um Erlaubnis für den Besuch fragen würde.

Und wie erwartet, stolperte er mehr schlecht als recht aus dem Kamin in Malfoy Manor. Hustend richtete er sich auf und erschrak, weil Narzissa direkt vor ihm stand, ein Blatt Pergament in den Händen haltend. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war Schock pur. Harry wurde blass und ahnte fürchterliches. Hatte Dumbledore herausgefunden, dass er hier war und hielt nun Draco als Geisel? Oder war dem blonden Slytherin sogar bereits etwas zugestoßen? „Was ist geschehen?"

Hermine stieg hinter ihm aus den Flammen und erstarrte mitten im Schritt aufgrund des Anblicks, der sich ihr bot.

Wortlos überreichte Narzissa ihm den Brief. Er war in Dracos ordentlicher Handschrift geschrieben.

Mutter, Vater,

ich habe Neuigkeiten. Potter hatte in den Sommerferien offensichtlich einen Unfall gehabt, unfähiger Gryffindor! Er soll einen falsch gebrauten Trank zu sich genommen haben, wobei er sich um ein paar Jahre verjüngt hat und einen Großteil seines Gedächtnisses verloren haben soll. Weasley lässt ihn keinen Moment aus den Augen. Das geht einem vielleicht auf die Nerven.

Granger ist in den Sommerferien verschwunden. Niemand weiß bescheid, wo sie ist. Aber ein Schlammblut wie sie vermisst eh keiner. Abgesehen von Potter vielleicht. Aber da der sein Gedächtnis verloren hat, bin ich mir selbst da nicht so sicher.

Ansonsten geht es mir gut. Blaise lässt schöne Grüße ausrichten und er freut sich darauf, Weihnachten wie üblich bei uns zu verbringen.

Ich vermisse euch!

Eurer Sohn

Draco

„Was...?" Harry starrte auf die geschriebenen Zeilen und obwohl er jedes Wort lesen konnte, verstand er doch nicht, was darin geschrieben stand. „Was soll das heißen? Ich bin doch gar nicht in Hogwarts! Draco hat sie doch nicht mehr alle!"

Narzissa seufzte. „Ich fürchte doch. Sieh her!" Sie nahm den heutigen Tagespropheten zur Hand und hielt ihn dem jungen Werwolf entgegen. Verwirrt nahm dieser die Zeitung und schlug gewohnheitsmäßig die Titelseite auf. Dort stand es in großen Lettern geschrieben:

Der Junge-der-lebt verliert Gedächtnis!

Darunter war ein Artikel, in dem geschrieben stand, dass Harry Potter deutlich jünger nach Hogwarts zurückgekehrt war und Gedächtnislücken hatte. Offenbar war Harry Potter nun wieder vierzehn Jahre alt und erinnerte sich an kaum etwas aus seinem Leben. Aus diesem Grund wich ihm Ronald Weasley nicht von der Seite. Der Verlust von Hermine Granger erschwerte die Situation noch. Niemand wusste, was mit Harry Potters bester Freundin geschehen war. Ronald hatte ausgesagt, dass sich das Mädchen nur einmal in den Ferien gemeldet hatte und sich in der Winkelgasse mit ihm hatte treffen wollen. Doch sie war nicht erschienen. Es wurde gemunkelt, dass das arme Mädchen dort von Todessern abgefangen und verschleppt worden war.

Daneben war ein Bild von einem jüngeren Harry Potter, der mit einem etwas verwirrten und leicht unsicheren Blick in der großen Halle saß. Neben ihm Ronald Weasley, der wie ein Schießhund aufpasste, dass niemand seinem Freund zu nahe kam. Seamus und Dean saßen auf Harrys anderer Seite, doch sie wirken irgendwie skeptisch, während Ginny munter auf ihn einzureden schien. Ihr Mund bewegte sich ununterbrochen, während sie mit den Händen wild gestikulierte. Doch da selbst magische Bilder keinen Ton wiedergeben konnten, war es eine stumme Szene.

Der junge Werwolf konnte nicht glauben, was er sah. Er starrte auf das Bild, als könnte er es durch pure Willenskraft dazu zwingen, eine Erklärung abzugeben. Doch es zeigte störrisch weiter diese Szene. „Wie kann das sein? Ich meine, ich bin doch hier! Wie kann ich hier und gleichzeitig..." Er verstummte. „Kann das Vielsafttrank sein?", wollte er wissen und betete, dass ihm die Antwort besser gefallen würde. Doch zu seiner Enttäuschung schüttelten sowohl Hermine als auch Narzissa die Köpfe.

„Das würde nicht funktionieren. Es kann sich niemand in einen anderen verwandeln und sich dann in dieser Gestalt auch noch verjüngen.", erklärte Hermine. Auch sie starrte ununterbrochen auf den Zeitungsartikel. Ihre grauen Zellen versuchten angestrengt eine plausible Lösung zu finden.

Remus betrat den Raum und nahm seinen Welpen wortlos in die Arme. Er konnte deutlich die Beunruhigung und Angst erkennen, die den Jüngeren in ihren Klauen hielt, und versuchte ihm wortlos Trost zu spenden. Eine Hand strich ihm unablässig über den Rücken und die schmalen Schultern, wodurch er deutlich das leichte Beben spürte, das Harrys Körper durchlief.

„Aber wie es dann möglich?" Harry biss grummelnd die Zähne zusammen und löste sich leicht von seinem Leitwolf. Ein Blick zu Hermine sagte ihm, dass sie eine Idee hatte, aber zögerte, diese auch auszusprechen. „Mine? Spuck's aus!"

Unbehaglich hüpfte sie von einem Bein auf das anderen und drehte ihre Finger in den Händen. „Naja, also... Ich bin mir natürlich alles andere als sicher. Ich weiß nicht einmal, ob es wirklich so funktionieren würde..."

„Hör auf zu plappern und sag's endlich!", fauchte der Schwarzhaarige ungeduldig, wobei er seine rüden Worte sofort wieder bereute. Dabei sie wusste doch, wie sehr er es hasste, wenn man ihm etwas vorenthielt.

Hermine atmete einmal tief durch, als wenn sie den zusätzlichen Sauerstoff dringend benötigte. „Du bist doch ein Klon, nicht wahr?"

„Danke, dass du mich daran erinnerst, Mine. Wirklich, sehr nett!", grummelte Harry und warf ihr einen bösen Blick zu.

„Sei still und hör zu! - Also, wenn du ein Klon bist, dann kann doch der Harry in Hogwarts auch einer sein, oder?"

Stille.

Dröhnende Stille.

„Das heißt, dass Dumbledore sich seinen Helden einfach noch einmal erschaffen hat?" Narzissa hatte sich als erste wieder gefangen und warf dem jungen Werwolf einen schnellen, besorgten Blick zu.

Harry blinzelte. Er wollte nicht glauben, dass sein ehemaliger Schulleiter sich einfach noch einen Harry Potter erschaffen hatte, nachdem er selbst als der erste einfach verschwunden und – so wird Dumbledore hoffentlich denken – bereits tot war. War er so leicht zu ersetzen? Konnte man so leicht eine Kopie von ihm machen und niemand bemerkte etwas?

Hermines Hand legte sich auf seine Schulter. „Dumbledore ist ein verfluchter Drecksack, wenn er denkt, er könnte dich einfach kopieren. Nichts und niemand kann dich ersetzen, hörst du? Und wenn andere den Unterschied zwischen dir und einer neunmal verfluchten Kopie nicht erkennen, dann haben sie es nicht verdient, Freunde genannt zu werden!" Die Heftigkeit ihrer Worte überraschte alle. Sie funkelte ihren besten Freund mit Tränen in den Augen an, während sie gleichzeitig furchtbar wütend war.

Wütend auf Dumbledore, der Harry einfach benutzt und weggeworfen hatte, um sich dann einfach einen weiteren zu züchten.

Wütend auf Ronald, der nicht bemerkte, dass der Junge neben ihm nur eine billige Kopie seines besten Freundes war.

Wütend auf Ginny, die doch immer behauptet hatte, in den Schwarzhaarigen verliebt zu sein, und jetzt einfach glaubte, dass diese Kopie der echte Harry war.

Wütend auf die Presse, die diese ganze Sache so breit treten und daraus ihren Profit ziehen musste, nur um seinen Ruf noch weiter niederzumachen.

Wütend auf die Hogwarts-Schüler, die diese Geschichte so bereitwillig zu glauben schienen.

Und wütend auf sich selbst, weil sie nichts dagegen unternehmen konnte.

Mit einem schwachen Lächeln schlang Harry die Arme um seine Freundin. „Danke...", wisperte er in ihren braunen Schopf. Er war so froh, dass er sie hatte. Er wüsste gar nicht, was er ohne sie machen sollte. Eigentlich wollte er auch gar nicht darüber nachdenken.

Dann spürte er, wie sich auch noch Narzissas Arm um seine Schultern legte, sodass sie alle vier in einem Knäuel zusammenstanden. Harry stiegen Tränen in die Augen. So musste man sich fühlen, wenn man im Kreise seiner Familie war. Hätte er eine Rute gehabt, würde er nun freudig wedeln.

Bei diesem Gedanken runzelte er die Stirn. Er musste dringend aufhören, sich selbst als halben Wolf zu sehen. Er hatte noch nicht einmal seine erste Verwandlung hinter sich, verdammt noch mal!

Sanft befreite er sich schließlich aus dem Knäuel. „Ist okay, Leute! Dank euch... wirklich!" Unauffällig wischte er sich mit dem Ärmel über die Augen.

„Vergiss diese Vollidioten einfach, Phelan! Sie sind es nicht wert, dass du wegen denen betrübt bist." Hermine grinste ihn schief an.

Remus und Narzissa nickten zustimmend, während Remus' Hand noch immer sanft im Nacken seines Welpen lag und leicht durch die Haare strich. „Du hast uns. Meinst du, das kann dir erst einmal ausreichen?"

Harry grinste amüsiert. „Ihr seid alles, was ich brauche..."

„Fast, zumindest, nicht war?", unterbrach Hermine ihn kichernd. „Immerhin fehlt hier einer in der kleinen Runde."

Knallrot wandte Harry den Kopf ab und versuchte, sich hinter seinen Haarsträhnen zu verstecken, was leider nicht sonderlich gut funktionierte. Doch die anderen hatte das natürlich gesehen und lachten leise.

„Ich weiß nicht, was daran so lustig ist...", ertönte plötzlich die leicht genervte Stimme von Lucius Malfoy, was dazu führte, dass die kleine Gruppe erschrocken zusammenzuckte.

Harry fragte sich langsam, wozu diese verbesserten Werwolfsinne gut sind, wenn er nicht einmal hören konnte, wie jemand den Raum betrat, in dem er sich aufhielt.

„Der Dunkle Lord ist nicht begeistert über die Tatsache, dass SIE noch immer in Hogwarts herumspazieren!", meinte er zu dem jungen Werwolf, der verwirrt die Augenbrauen hob.

„Ich spaziere NICHT in Hogwarts herum! Ich habe keine Ahnung, wie jemand, der wie eine geschrumpfte Version von mir aussieht, in Hogwarts zu suchen hat. Keine Ahnung, wie der Typ das macht!", verteidigte er sich vehement. „Aber offensichtlich versucht Dumbledore sich so seinen Goldjungen zu erhalten."

Lucius nickte. „Offensichtlich..."

Lächelnd ging Narzissa zu ihrem Mann und legte ihm eine Hand auf den Arm. „Und Miss Granger hat eine – wie ich finde – durchaus nachvollziehbare Erklärung für das alles." Ermutigend nickte sie dem Mädchen zu, doch sie zögerte dennoch, ihre Theorie erneut auszusprechen. Es ihrem Freund, Narzissa und Remus zu offenbaren war etwas ganz anderes, als es vor Lucius auszuspucken, dessen Meinung von ihr eh unterirdisch war.

„Miss Granger?" Lucius' Stimme war leise und fast drohend, als würde er nicht wollen, dass sie irgendetwas sagte.

„Ähm..." Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen scharrte Hermine mit einem Fuß auf dem Boden. „Also..." Sie presste kurz die Kiefer aufeinander und zwirbelte eine Haarsträhne. „Ich hab mir gedacht, dass der Harry in Hogwarts vielleicht ein Klon ist.", ratterte sie herunter und wartete dann grimmig dreinblickend auf eine Reaktion.

Der blonde Mann verschränkte die Arme vor der Brust und hob skeptisch eine Augenbraue. „Meinen Sie nicht, dass das etwas zu weit her geholt ist? Nur, weil er", er deutete mit einer vagen Geste auf Harry, „künstlich erschaffen wurde, heißt das nicht, dass der Alte das noch einmal machen könnte. Abgesehen davon ist Potter dort bereits vierzehn. Nicht einmal mit Alterungstränken kann man jemanden so schnell altern lassen." Mit einem Kopfschütteln verwarf er die Idee des Mädchens und wandte sich ab. „Ich muss weg. Der Dunkle Lord ruft mich zu einer Lagebesprechung." Er warf Harry noch einen finsteren Blick zu, als hätte der junge Werwolf schuld an diesem Schlamassel, bevor er sich von seiner Frau mit einem Kuss auf die Wange verabschiedete und aus dem Raum rauschte.

„Wie ich sehe, ist er wie immer überaus gut gelaunt." Harry blickte ihm einen Moment lang mit erhobener Augenbraue nach, bevor er mit den Schultern zuckte. Remus und Hermine kicherten leise über seine trockene Aussage, während Narzissa nur lächelnd den Kopf schüttelte.

Dann besann sich die blonde Frau. „So, ihr beiden! Wie war es denn in der Schule?", wollte sie neugierig wissen, während sie Harry den Brief und die Zeitung aus der Hand nahm und sie vorsichtig auf einen kleinen Tisch legte.

Remus schnappte sich die Hand seines Welpen und zog ihn zu den Sitzgelegenheiten, wo dieser sich in einen Sessel setzte. „Naja, abgesehen von diesem einen Typen war es eigentlich ganz okay..." Er verstummte, als ihm wieder einfiel, was er Lucius eigentlich hatte fragen wollen. Ob er Narzissa danach fragen konnte?

„Der Unterricht ist so anders als in Hogwarts!", schwärmte Hermine und legte die Hände begeistert wie zu einem Gebet zusammen. „Allein Zaubertränke ist so viel besser!"

Harry grinste. „Ja, sogar ich hab verstanden, was gemacht wurde." Er warf seiner Freundin einen frechen Blick zu. „Und das muss schon was heißen!"

„Allerdings!", stimmte sie lachend zu und handelte sich dadurch einen spielerischen Hieb gegen den Arm ein. „Hey! Das hast du selbst gesagt! Also schlag mich gefälligst nicht, nur weil ich dir zustimme." Sie hielt sich den schmerzenden Bauch, bis sie sich wieder etwas beruhigt hatte. Ihr Lachanfall war ihr ein wenig unangenehm, allerdings sah man ihre verlegene Röte nicht, da sich ihre Wangen aufgrund des Lachens bereits gerötet hatten.

Harry schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich weiß ja, dass ich eine Niete in Zaubertränke bin. Aber du musst auch zugeben, dass das nicht allein nur an mir lag." Dass er damit auf ihren ehemaligen Tränkemeister anspielte, wusste jeder. Schön, er war auch nicht sonderlich fleißig gewesen, aber so, wie Snape ihn behandelt hatte, war das auch kein Wunder gewesen. Selbst wenn er eine tadellose Arbeit abgegeben und eine fehlerfreie Prüfung geschrieben hätte, hätte Snape doch immer irgendetwas gefunden, was er hätte bemängeln können.

„Das stimmt auch wieder. Professor Snape war ziemlich – ähm", sie suchte kurz nach einem Wort, das sowohl passte, aber nicht beleidigend war, „schwierig."

„Milde ausgedrückt...", meinte Harry verschnupft und räusperte sich leise. „Aber – ähm... wie hieß sie nochmal?" Bevor Hermine ihm allerdings antworten konnte, war ihm der gesuchte Name wieder eingefallen. „Ich weiß schon: Philter! Die ist klasse! - Außerdem ist sie auch ein Werwolf."

„Professor Philter, Harry!", verbesserte Hermine resigniert. Sie wusste, dass ihr Freund den Titel außerhalb des Unterrichts nie verwendete, was ihrer Meinung nach mangelnden Respekt gegenüber dieser Person ausdrückte. Aber so hatte er ja schon immer von seinen Lehrern gesprochen. Er und alle seiner Freunde aus Gryffindor...

Harry machte eine wegwerfende Handbewegung und warf Remus einen amüsierten Blick zu. „Jaja, Mine."

„Du mich auch!", fauchte sie gespielt verärgert und verschränkte kurz die Arme vor der Brust, bevor sie schmunzelnd den Kopf schüttelte und ihren Freund gegen die Schulter boxte. „Du bist doof!"

„Wie oft willst du mir das noch sagen?" Augenverdrehend strich er sich eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn und lehnte sich an seinen Leitwolf.

Das Mädchen schüttelte wieder den Kopf und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Lass uns ein wenig den Unterrichtsstoff von heute durchgehen. Du wolltest mir doch in Dunkle Künste helfen."

Remus hob verwundert die Augenbrauen. „Ist er darin so gut?"

„Allerdings!", nickte sie. „Er ist ein Naturtalent! Aber Professor Sullen meinte, es läge daran, dass er ein Werwolf sei. Dadurch, dass er ein Wesen der Dunklen Magie ist, lägen ihm die Dunklen Zauber quasi im Blut."

„Das stimmt." Narzissa lächelte. „Es hätte mich überrascht, wenn du Probleme damit gehabt hättest."


Obwohl Harry seiner Freundin gerade die Zauber vorführte, die sie heute in Dunkle Künste geübt hatten, schweiften seine Gedanken nach Hogwarts, wo sein jüngerer Klon herumlief und seine Freunde um sich scharrte. Der aller Wahrscheinlichkeit nach von Dumbledore kontrolliert und auf den Kampf gegen den Dunklen Lord vorbereitet wurde. Und wenn der Typ dieselben Gene besaß wie er selbst, dann hatte er Alte nur noch drei Jahre Zeit, bis auch seinem zweiten Goldjungen sein Erbe zum Verhängnis werden würde.

Was Draco wohl gerade tat? Zu gerne wäre er dabei gewesen, als er den falschen Potter zum ersten Mal gesehen hatte. Die Mimik wäre bestimmt unbezahlbar gewesen. Bestimmt machte der Slytherin gerade Hausaufgaben. Er würde in seiner schwarz-grünen Robe in der Bibliothek sitzen und in betreffenden Büchern nachschlagen. Vielleicht würde Zabini bei ihm sein oder ein anderer der Slytherins.

Plötzlich machte er sich Sorgen darum, dass er vielleicht sein Interesse an Harry verlieren könnte. Genug hübsche Mädchen oder gutaussehende Jungen gab es schließlich in Hogwarts.

Mit einem Kopfschütteln zwang er sich, diese Gedanken zurückzudrängen. Er hatte keinen Sinn, sich jetzt darüber zu sorgen.

„Harry? Würdest du deine Aufmerksamkeit bitte wieder auf die Zauber richten?", drang Hermines mahnende Stimme zu ihm durch, weswegen er sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrierte. Sein Zauberstab vibrierte ihn seiner Hand, als würde er ungeduldig auf den nächsten Zauber warten.

„Entschuldige, Mine." Er grinste schief und begann den nächsten Zauber zu erklären, den seine Freundin lernen wollte, doch sie lächelte nachsichtig.

„Du denkst an Draco, hm? Und an die Harry-Kopie." Eigentlich waren es mehr Feststellungen, da sie ziemlich genau wusste, an was er gedacht hatte. „Mach dir keine Sorgen. Draco wird sich nicht von dir abwenden."

Er spürte, wie er rot wurde. War das so offensichtlich?

„Du solltest vielleicht deine Gedanken nicht laut aussprechen, wenn andere sie nicht erfahren sollen, Phelan.", informierte sie amüsiert und beobachtete lächelnd, wie Harry noch röter wurde. Meine Güte, Draco musste ihm ganz schön im Kopf herumspuken!

„Hab ich das wirklich laut gesagt?", fiepte Harry verlegen.

Kichernd wickelte sie sich eine Strähne ihres Haares um den Finger und nickte. „Allerdings. - Draco muss dich ganz schön beschäftigen..."

„Er ist inzwischen ein guter Freund und ich vermisse ihn irgendwie.", murmelte Harry leise und drehte verlegen seinen Stab zwischen den Fingern.

„Und mit dem Kuss hat das nichts zu tun?" Neckend grinste sie ihn an und lächelte sanft, als er verlegen den Kopf senkte.

„Lass uns mit den Zaubern weitermachen.", meinte er dann schließlich und führte den nächsten dunklen Zauber vor, damit Hermine die Bewegungen nachahmen konnte. Doch vor seinem inneren Augen sah er noch einmal, wie Draco ihn zum Abschied – vor den Augen aller – geküsst hatte.

Es dauerte ein paar Minuten, bis Hermine den Dreh raus hatte. Aber selbst dann schien sie Probleme bei der Ausführung zu haben, obwohl sie alles richtig machte. Frustriert schnaubte sie und starrte ihren Zauberstab finster an, als könnte sie ihn so dazu bringen, endlich richtig zu arbeiten. „Hmpf, dunkle Künste ist wohl offensichtlich nicht mein Fach. Super! Kaum hat das Schuljahr angefangen, habe ich schon eine schlechte Note in der Tasche!"

Harry gluckste. „Soll ich dich am Wochenende beißen? Dann hast du damit bestimmt keine Probleme mehr." Dieser Vorschlag war natürlich alles andere als ernst gemeint. Ein Leben als Werwolf war trotz allem ziemlich schwierig.

„Das würdest du tun?" Hoffnungsvoll blickte sie ihn an, was ihn derart schockierte, dass ihm sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich. Augenblicklich lachte sie los und wuschelte ihm durch die Haare. „Guck nicht so schockiert! Hast du wirklich geglaubt, dass ich das ernst meine? Meine Güte, nicht einmal für meine Noten würde ich das auf mich nehmen. - Obwohl ein Leben als Werwolf auf der dunklen Seite bestimmt nicht so schwer ist, wie es unter Dumbledore wäre."

Harry knurrte und warf ihr einen bösen Blick zu. „Bei dir kann man nie wissen, was du alles für gute Noten tun würdest."

„Für was hältst du mich?", fauchte sie aufgebracht.

Der junge Werwolf hob vielsagend eine Augenbraue, worauf Hermine verlegen den Kopf senkte. „Okay, du hast ja irgendwie Recht. Ehrlich gesagt, hab ich mir schon überlegt, wie es wäre, ebenfalls ein Werwolf zu sein."

„Warum das?"

Sie legte ihren Zauberstab auf den Tisch und klemmte sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Naja, es ist doch so, dass ich eigentlich nicht hierher gehöre. Ich fühle mich einfach fehl am Platz. Wäre ich ein Werwolf, würde ich zu dir und Remus gehören."

„Du bist nicht fehl am Platz, Mine!"

„Ich werde hier doch nur geduldet, weil ich deine beste Freundin bin und der Dunkle Lord mich gekennzeichnet hat!" Sie wusste, dass sie wehleidig klang, aber es war doch nun mal die Wahrheit. Die Malfoys wollten sie nicht hier haben, weil sie muggelstämmig war, der Dunkle Lord duldete sie nur, weil er so noch eine Geisel mehr in seiner Gewalt hatte und mit ihr auch Harry im Notfall unter Kontrolle halten konnte. Also waren die einzigen, die sich freiwillig in ihrer Gegenwart aufhielten, Harry und Remus. Selbst Draco sprach nur mit ihr, weil sie Harrys beste Freundin war, und er ihm nicht unnötig wehtun wollte.

Doch Harry schüttelte vehement den Kopf und hielt sie an den Schultern fest. „Hör mal, Mine. Mag sein, dass Lucius und der Dunkle Lord dich nur wegen mir dulden, aber Narzissa hat dich inzwischen ganz gern. Sogar Draco mag dich, auch wenn er eher nach Gryffindor wechseln würde, als das zuzugeben." Seine Stimme war durchdringend und fest, sein Blick bohrte sich in ihren, als könnte er sie nur dadurch überzeugen.

Einen Moment lang blickte Hermine ihn an, dann senkte sie den Kopf. „Ich weiß. Tut mir leid, dass ich gerade so durchgedreht bin." Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen. „Ist schon gut. - Trotzdem würde ich mich als Werwolf wahrscheinlich besser fühlen.", grinste sie schief und wich einem Klaps aus, den Harry ihr verpassen wollte. „Schon gut! Schon gut!"


Gegen Abend klopfte es an Harrys Zimmertür und Narzissa kam lächelnd heran, nachdem der junge Werwolf sein Ok gegeben hatte. „Hey, Kleiner. Wie geht es dir?"

Harry saß an seinem Schreibtisch und ging seine Aufzeichnungen vom Zaubertränke-Unterricht noch einmal durch. Doch nun schob er die Pergamente zur Seite und drehte sich zu der blonden Frau um. „Mir geht's gut, danke. - Was möchtest du von mir?"

Lächelnd kam Narzissa näher und ließ sich auf einem Sessel nieder. In ihren schlanken Händen hielt sie einen versiegelten Umschlag. „Lucius ist soeben von der Versammlung zurückgekommen. Der Dunkle Lord hat beschlossen, dass wir uns erst einmal ruhig verhalten sollen, bis er etwas anderes anordnet. - Mach dir keine Sorgen, Harry. Er weiß, du nichts mit dem Doppelgänger zu tun hast."

Erleichtert atmete Harry auf. Er hatte schon befürchtet, er würde damit in Verbindung gebracht werden. „Das ist gut..." Während er sich auf seinem Stuhl zurücklehnte, schloss er kurz die Augen und strich sich mit beiden Händen durch die Haare, wodurch er sie so durcheinander brachte, dass man denken könnte, ein Wirbelsturm hätte auf seinem Kopf gewütet.

„Außerdem habe ich zusammen mit Dracos Brief an uns noch einen erhalten. Er ist an seinen Cousin adressiert, der hier wohnt." Sie zwinkerte ihm lächelnd zu und hielt ihm den Umschlag hin, der noch immer versiegelt war. „Ich hatte ihn in der ganzen Aufregung vorhin völlig vergessen."

Zögerlich streckte Harry die Hand nach dem Brief aus und nahm ihn an sich. „Danke." Er musterte das Siegel und drehte den Umschlag ein paar Mal in seinen Händen. Dass Narzissa lächelnd den Raum verließ, bemerkte er zunächst gar nicht. Erst, als die Tür sanft ins Schloss fiel, blickte er auf. Ein lautloser Seufzer glitt über seine Lippen, bevor sich wieder an das Pergament wandte und nur sehr zögerlich das Siegel brach. Er konnte sich nicht allzu viel von diesem Brief erwarten, denn immerhin musste Draco damit rechnen, dass seine Post überwacht wird. Dann stellte er sich die Frage, was er sich überhaupt erhoffte. Seinem wie wild klopfenden Herzen nach zu urteilen, erhoffte er sich ein paar persönliche Worte.

Mit zitternden Händen öffnete er den Umschlag und zog ein gefaltetes Blatt Pergament heraus. Er atmete noch einmal tief durch, bevor er die geschriebenen Zeilen las:

Hallo, Phelan!

Harry lächelte aufgrund dieser Anrede. Sonst verwendete immer nur Hermine diesen Spitznamen für ihn. Es wäre aber auch zu offensichtlich, wenn der Blonde 'Harry' geschrieben hätte.

Ich hoffe, es geht dir gut. Mach dir keine Sorgen wegen dem, was geschrieben steht.

Draco ging also davon aus, dass man Harry über den Zeitungsartikel informiert hatte. Dass er sich Gedanken darum machte, wie der Werwolf das aufgenommen hatte, rührte ihn irgendwie.

Hier geht es wie immer drunter und drüber. Gryffindor ist ein einziger chaotischer Haufen und jeder von ihnen geht mir auf die Nerven.

Es hätte auch verdächtigt gewirkt, wenn er sich nicht über dieses Haus aufgeregt hätte, dachte Harry schmunzelnd und schüttelte leicht den Kopf.

Trotzdem wäre es schön, wenn du in meiner Nähe wärst. Dann könnte ich besser auf dich aufpassen. So, wie ich dich kenne, hast du bestimmt schon wieder in irgendwelche Schwierigkeiten gebracht oder stehst kurz davor.

Naja, wenn man die kleine Auseinandersetzung mit Lash Batter als Schwierigkeit zählt, dann hatte Draco sogar gar nicht so Unrecht.

Ich vermisse dich, kleiner Cousin. Aber wir sehen uns ja zu Weihnachten! Ich freue mich darauf!

Liebe Grüße

Draco

P.S. Du kannst deine Briefe an mich zusammen mit den Briefen meiner Eltern schicken.

Harry starrte auf das Pergament und bekam das freudige Grinsen gar nicht weg. Er wusste ganz genau, was die Worte bedeuteten, und das jagte ihm einen angenehmen Schauer über den Rücken. Die Hände, die das Pergament hielten, zitterten ein wenig und das Herz schlug ihm bis zum Hals. Noch einmal las er die Zeilen, danach noch einmal und noch einmal.

Dann bemerkte er, wie ein dümmliches Grinsen seine Lippen verzog. Die Worte des Slytherin hatten ihn in Hochstimmung versetzt. Angestrengt versuchte er, diesen eindeutigen Gesichtsausdruck durch einen weniger auffälligen zu ersetzen, doch das war schwieriger als gedacht.

„Wie ich sehe, hast du einen Brief von Draco bekommen.", ertönte Hermines amüsierte Stimme an der Tür und er schreckte auf. Dabei zerknitterte er das Pergament leicht.

„Mine! Erschrecke mich doch nicht so! Außerdem sollte man anklopfen, bevor man das Zimmer eines anderen betritt, oder?", fauchte er verlegen und legte den Brief auf seinen Schreibtisch, wo er es unbewusst glatt strich.

Das Mädchen grinste. „Ich habe angeklopft. Du hast nicht reagiert. Da habe ich mir gedacht, dass du entweder eingeschlafen bist oder mal wieder total in Gedanken versunken bist. - Wie ich sehe, war letzteres der Fall.", schloss sie und ließ sich auf seinem Bett nieder. „Ich nehme nicht an, dass du mir erzählen möchtest, was er geschrieben hat, oder?"

Harry schnaubte. „Vergiss es! Du musst nicht alles wissen."

„Das habe ich mir gedacht.", kicherte sie und rieb die Handflächen aneinander, als wäre ihr kalt. „Das Abendessen wird in etwa zwanzig Minuten serviert."

„Danke für die Info... Aber sie war ziemlich überflüssig. Immerhin gibt es das Abendessen jeden Tag um dieselbe Zeit." In seiner Stimme klang ein unterdrücktes Lachen mit, aber er stand auf, streckte sich und zupfte seine Kleidung zurecht. Er wusste, dass Lucius Malfoy es nicht leiden konnte, wenn er mit schlecht sitzender Kleidung am Tisch saß. In dem Punkt waren sich Vater und Sohn sehr ähnlich. Wobei es beide eigentlich auch nicht leider konnten, wenn er generell schlampige Sachen trug. Aus diesem Grund war Narzissa auch letzte Woche in der Winkelgasse gewesen. Sie hatte seine Maße genommen und hatte ein paar neue Kleidungsstücke für ihn besorgt. Es war ihm ziemlich unangenehm gewesen, sie alles zahlen zu lassen, aber da er an sein Konto nicht mehr herankam, ohne gleich der ganzen Welt verraten zu müssen, dass er noch am Leben war, hatte er es erst einmal hinnehmen müssen. Außerdem hatte Draco ihm versichert, dass es überhaupt kein Problem darstellte, da das Malfoy-Vermögen so riesig groß war, dass sie diese Ausgaben nicht einmal wirklich bemerkten.

„Ich finde nicht, dass es überflüssig war. Du hättest da noch Stunden sitzen können, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht.", belehrte sie ihn grinsend.

Er seufzte und wandte den Blick ab, was Hermine als Zustimmung aufnahm. Ein paar Minuten später gingen sie dann gemeinsam hinunter in den Speisesaal und setzten sich an die lange Tafel, die nur an einem Ende gedeckt war. Fünf Gedecke. Lucius' und Narzissas Plätze an der einen Seite, Remus', Harrys und Hermines Plätze gegenüber von ihnen. Der ältere Werwolf betrat nur kurze Zeit später den Raum und ließ sich neben seinem Welpen nieder.

Remus verkniff sich die Frage nach Harrys Befinden, denn sein glückliches Lächeln sagte mehr als viele Worte. „Schön, dass es dir so gut geht, Welpe."

„Was ein persönlicher Brief von seinem Verehrer nicht alles erreichen kann, nicht wahr?", neckte Hermine lächelnd. Anfangs war sie zwar sehr skeptisch gewesen, was Draco betraf, doch inzwischen fand sie seine Bemühungen um ihren besten Freund einfach nur noch niedlich. Ihrer Meinung nach passten die beiden wirklich gut zusammen. Langeweile würde bei ihnen bestimmt so schnell nicht aufkommen.

Schließlich setzten sich noch Narzissa und Lucius dazu und ein paar Hauselfen trugen das Abendmahl auf. Remus und Harry bekamen eine Extraportion Fleisch wie immer. Dazu bekam der Jüngere noch die ein oder andere Kalorienbombe, damit er seinen erhöhten Verbrauch decken konnte und zusätzlich noch ein wenig an Gewicht zulegte, da er noch immer nicht sein Idealgewicht besaß.

Das Essen verlief ohne große Gespräche, was Harry und Hermine ein wenig unangenehm fanden. Waren sie es doch gewohnt, munter drauflos zu plappern. Besonders während des Essens waren immer die lustigsten Geschichten ausgetauscht worden. In Hogwarts war das Abendessen immer am lautesten gewesen. Die Geschehnisse des Tages, Anekdoten aus dem Unterricht oder Beschwerden über Hausaufgaben und Lehrer waren diskutiert worden.

Doch hier blieb es ruhig. Die beiden Jugendlichen tauschten nur hin und wieder vielsagende Blicke, was sie grinsen ließen.

Erst, als das Geschirr abgeräumt war und Lucius den Raum verlassen hatte, begannen die Gespräche. „Harry, magst du uns berichten, was Draco dir geschrieben hat?"

Unter den neugierigen und halb amüsierten Blicken der anderen, lief Harry wieder einmal rot an und senkte den Blick auf seine Hände, die in seinem Schoß verschränkt waren.

„Er wollte es ja nicht einmal mir sagen.", meinte Hermine grinsend. „Also muss es schon etwas seeeehr Persönliches sein."

Narzissa und Remus hoben die Augenbrauen und lächelten amüsiert. „Soso..."

„Nichts 'soso'!" brummte Harry. „Er hat mir geschrieben, dass ich ihm antworten kann, solange ich es so aussehen lasse, als wäre ich sein Cousin."

Glucksend schüttelte die blonde Frau den Kopf. „Das kann doch aber nicht alles gewesen sein, oder? Das hätte er nicht in einem extra Umschlag herschicken müssen." Sie amüsierte sich königlich über die Verlegenheit des jungen Werwolfs.

„Man, jetzt lasst mich doch mal damit in Ruhe!", knurrte er schließlich und schenkte jedem einen finsteren Blick.

„In Ordnung, in Ordnung, Harry." Remus lachte und klopfte seinem Welpen beruhigend auf das Bein. „Du hast ja Recht. Man sollte sich nicht über so etwas amüsieren. - Ich freue mich aber für dich."

Harry seufzte und rieb sich die Augen. „Wenn ihr mich entschuldigen würdet; ich bin müde." Etwas ungelenk stand er auf und verließ den Raum, um in sein Zimmer zu gehen. Doch ging nicht wie gesagt ins Bett, sondern setzte sich an seinen Schreibtisch, um ein paar Zeilen an Draco zu schreiben. Es dauerte eine Weile, weil er nicht die Worte benutzen konnte, die er im Kopf hatte. Er musste es anders formulieren, unauffälliger.

Am Ende war er nicht wirklich zufrieden mit dem, was er geschrieben hatte. Doch anders bekam er es nicht hin und er hoffte, dass Draco das verstehen würde.

Nun schob er das Pergament in einen Umschlag und versiegelte ihn. Nun musste er ihn nur noch Narzissa übergeben, damit sie ihn zusammen mit ihrem Schreiben an ihren Sohn schicken konnte.

Hedwig meldete sich protestierend zu Wort, als wüsste sie, dass sie so schnell keine Briefe mehr überbringen würde. Die weiß gefiederten Flügel waren halb ausgebreitet und die bernsteinfarbenen Augen starrten ihn halb empört, als enttäuscht an. Sie saß auf ihrer Stange, die man extra in seinem Zimmer angebracht hatte, nachdem seine Eule ihn hier gefunden hatte.

„Tut mir leid, Hedwig, aber du bist einfach zu auffällig. Jeder weiß, dass du zu mir gehörst." Mit einem traurigen Lächeln strich er seiner beleidigten Eule über das Gefieder. „Du bist einfach viel zu schön.", schmeichelte er in der Hoffnung, sie dadurch wieder für sich zu gewinnen. Wie erwartet, fiepte sie leise und schmiegte ihren kleinen Kopf an seine Handfläche. Lächelnd streichelte er Hedwig noch eine Weile, bevor er ihr einen kleinen Kuss auf das Köpfchen gab und ins Bad ging, um sich für die Nacht fertig zu machen.


Als Harry am nächsten erwachte, fiel ihm wieder ein, dass er ja Lucius um die Erlaubnis bitten wollte, Debonair einen Besuch hier zu erlauben. Hoffentlich war der Mann beim Frühstück anwesend.

Doch leider hatte er in dieser Hinsicht kein Glück. Narzissa richtete aus, dass ihr Mann bereits unterwegs war und wahrscheinlich erst spät heimkehren würde. Harry biss sich auf die Lippen und senkte enttäuscht den Kopf. Dann würde er wohl bis morgen warten müssen.

„Wolltest du etwas von meinen Mann, Harry?", wollte Narzissa wissen und blickte den jungen Werwolf neugierig an.

Harry zuckte leicht mit den Schultern. „Ich wollte nur um die Erlaubnis, einen Klassenkameraden hierher einladen zu dürfen. Er wollte uns dabei helfen, den Stoff in Dunkle Künste und den anderen Fächer aufzuarbeiten."

Die blonde Frau legte den Kopf schief und goss sich ein wenig Tee in ihre Tasse. „Wie ist denn sein Name?"

„Debonair Just."

Narzissa lächelte. „Ich hätte mir denken können, dass du dich mit diesem jungen Mann verstehen würdest. Und ich kann dir – auch im Namen meines Mannes – sagen, dass Mister Just hier immer willkommen ist."

„Vielen Dank!" Harry war erleichtert, dass seine Frage so schnell geklärt werden konnte.

„Dank ist nicht nötig, Harry. Die Familie Just sind zwar keine Anhänger des Dunklen Lords, aber sie ist alt und reinblütig.", erklärte sie und zwinkerte ihm zu.

Nach dem Frühstück packten Harry und Hermine ihre Taschen und flohten zur Schule. In der ersten Stunde stand Alte Runen auf dem Plan, was in Harry in leichte Übelkeit auslöste. Er hatte keine Ahnung von Runen und würde ganz bestimmt nicht die letzten sieben Jahre bis zu den Abschlussprüfungen nachholen können.

Auf dem Weg zu ihrem Klassenraum kamen sie an Lash Batter vorbei, der mit verschränkten Armen an einer Wand lehnte und sie böse angrinste. „Na, Potter! Wie fühlt man sich, wenn man einfach ersetzt wurde?", höhnte er und spielte damit auf den Zeitungsartikel an, den Harry gestern gelesen hatte. Doch in dem Moment ertönte von hinter ihnen Debonairs Stimme. „Hey! Harry! Guten Morgen!"

Lash verengte verärgert die Augen und wandte sich ab. Offensichtlich hatte er kein Publikum gewollt.

Der brünette Junge holte sie ein und grinste sie fröhlich an. „Wie ich sehe, komme ich gerade richtig.", meinte er mit einem Nicken zu Lash, der soeben um die nächste Ecke bog und aus ihrem Blick verschwand. „Der Typ hatte bestimmt nichts Gutes im Sinn." Er verstummte kurz und runzelte die Stirn. „Obwohl – eigentlich hat er nie etwas Gutes im Sinn." Das Stirnrunzeln wurde noch intensiver. „Wenn ich es mir recht überlege, hat er eigentlich nie was im Sinn, weil man dafür ja bekanntlich zumindest ein gewisses Maß an Intelligenz benötigt."

Harry lachte, während Hermine nur grinsend den Kopf schüttelte. Zusammen mit Debonair machten sie sich auf den Weg zu ihrem Klassenzimmer. Dort setzten sie sich auf ihre Plätze, wobei Hermine versehentlich ein Mädchen mit der Schulter streifte, das ihre langen schwarzen Haare zu zwei Zöpfen gebunden hielt, die ihr ein sehr junges Aussehen verliehen. Doch am auffälligsten waren ihre roten Augen. Harry erinnerte sich daran, dass sie Noir Vain hieß.

Das Mädchen warf Hermine einen überheblichen Blick zu und rümpfte die Nase. „Pass auf, wo du hintrampelst, Schlammblut!" Sie klopfte ihre Robe ab, als hätte sie Schmutz daran.

Hermine murmelte eine Entschuldigung und stellte ihre Tasche auf ihrem Tisch ab, der genau vor dem von Noir stand. Die verzückten Seufzer vereinzelter Jungen verwirrte sie. Sie fand nicht, dass Vain so hübsch war, dass jeder Kerl gleich in Verzückung geraten musste. Während sie ihre Pergamente und Federn auspackte, warf sie einen prüfenden Blick zu dem Mädchen und bemerkte, dass ihre Ausstrahlung derer von Fleur damals sehr ähnlich war. Das war zumindest eine Erklärung. Offensichtlich besaß Vain Veela unter ihren Vorfahren.

Kurz darauf betrat eine junge, dunkelhaarige Frau den Raum. Hermine schätzte sie nicht älter als fünfundzwanzig. Anmutig glitt sie zum Lehrerpult und stellte ihre Tasche darauf ab. Als sie sich mit einer fließenden Bewegung ein paar Haare aus den Augen strich, blitzten spitze Ohren durch die Strähnen.

Eine Elfe!

Hermine konnte nicht glauben, dass sie tatsächlich von einer Elfe unterrichtet werden würden. Die wenigstens dieser Wesen ließen sich überhaupt in ihrer Welt blicken, da die meisten es den Menschen noch immer nicht verziehen hatten, dass sie ihre Vorfahren vor vielen tausend Jahren versklavt und magisch an sich gebunden hatten, wodurch die heutigen Hauselfen entstanden waren. In dieser langen Zeitspanne hatten die versklavten Wesen durch die Bannung ihrer magischen Fähigkeiten ihre Anmut und Schönheit verloren, sodass nur noch Demut übrig geblieben war. Ausgerechnet auf dieser Schule einer Elfe zu begegnen, wäre das Letzte gewesen, was Hermine eingefallen wäre. Reinblütige Familien waren doch so fürchterlich stolz auf ihre Sammlung von Hauselfen und die wenigsten behandelten die Wesen anständig.

„Guten Morgen, meine Lieben!" Die Stimme der Elfe war wunderschön. Glockenhell und glasklar. „Mein Name ist Indicia Tiwaz!", stellte sie sich vor. „Harry Potter, wurdet Ihr schon einmal in den alten Runen unterrichtet?"

Harry blinzelte einmal und schüttelte dann hektisch den Kopf. „Leider nein."

Die Elfe lächelte strahlend und drehte ihre Hand. „Das macht gar nichts. Es ist einfacher, als es aussieht.", versicherte sie und wandte sich an Hermine. „Was ist mit Euch, Hermine Granger?"

„Ich hatte bereits Alte Runen seit der ersten Klasse.", informierte sie.

„Und ich gehe davon aus, dass Ihr sehr gut darin ward." Tiwaz machte eine elegante Handbewegung, worauf auf der Tafel einige Runen erschienen. „Ich werde nun ganz kurz die wichtigsten Runen der vergangenen Jahre wiederholen, damit Harry Potter in der Lage ist, dem Unterricht zu folgen."

Aus der hintersten Reihe hörte Harry ein verächtliches Schnauben.

„Lash Batter, haltet Euch bitte zurück. Harry Potter kann nichts dafür, dass dieses Fach in seiner alten Schule kein Pflichtfach war.", ermahnte sie mit fester, doch freundlicher Stimme. Ihre dunklen Augen unter den elegant geschwungenen Augenbrauen blickten durchdringend und wissend.

In der nächsten Stunde lernte Harry die Bedeutungen verschiedener Runen, die er alle fleißig mitschrieb. Doch innerlich wusste er, dass es noch eine ganze Weile dauern konnte, bis er den Dreh raus haben würde. Es war wie eine fremde Sprache zu lernen und darin war er alles andere als gut gewesen, schon in der Muggelschule nicht. Aber Hermine würde ihm bestimmt helfen, wenn er sie darum bat.

Die Elfe gab ihn als Hausaufgabe eine Übersetzung auf. Mittels Zaubers vervielfältigte sie einen kleinen Text in Runenschrift und verteilte ihn unter den Schülern. Harry besah sich die Zeichen und runzelte die Stirn. Sie hatten in der heutigen Stunden zwar einige Runen durchgenommen, dennoch bestand dieser Text aus so vielen Zeichen, die er nicht kannte, dass er definitiv Hermines Hilfe benötigen würde. Und ein Runenbuch dazu.

Die Elfe verließ nach einem Abschiedsgruß ebenso elegant und anmutig den Raum, wie sie hereingekommen war.

Debonair beugte sich zu Harry. „Und? Hast du fragen können, ob ich dich besuchen darf?", wollte er neugierig wissen.

Grinsend nickte der junge Werwolf. „Jupp... Hab ich. Und Mrs Malfoy sagt, dass du willkommen bist."

„Super!", freute sich der brünette Junge. „Wie wäre es dann mit dem Wochenende der nächsten Woche? Ich bringe alle meine Unterlagen mit, dann können wir sie gemeinsam durchgehen." Seine Begeisterung war schon fast ansteckend, sodass Harry einfach nur mit einem dicken Grinsen auf den Lippen nicken konnte. Er war sehr erleichtert darüber, dass er zumindest einen Mitschüler hatte, der ihn, statt ihn zu meiden, kennenlernen wollte.

Ihre Unterhaltung wurde abrupt beendet, als ihr Lehrer für Verwandlung den Raum betrat. Harry hob die Augenbrauen und eine böse Vorahnung beschlich ihn. Mit diesem Mann würde er bestimmt nicht gut klarkommen.

Ihr Lehrer war etwa vierundvierzig Jahre alt. Seine obere Schädeldecke besaß keine Behaarung mehr, ansonsten fielen ihm die dunklen, leicht gewellt Strähnen fast bis auf die Schultern. Sein grausam aussehendes Gesicht war von Falten gezeichnet.

Er schlürfte zum Pult und schleuderte seine Tasche darauf, während er in derselben Bewegung seinen Zauberstab zog. Er bellte undeutlich einen Zauber, worauf sich Timorous' Tisch in ein Schwein verwandelte. Der Junge quiekte erschrocken und wich so plötzlich zurück, dass er mit seinem Stuhl nach hinten umgefallen wäre, wenn Harry nicht reflexartig seinen Fall abgefangen hätte.

Timorous stammelte ein Dankeschön und brachte wieder Abstand zwischen sich und dem höher gestellten Werwolf. Prudence neben ihm seufzte genervt.

Der Professor erklärte in äußerst knappen Worten, was die Schüler nun zu tun hatten, und wies sie, den soeben gezeigten Zauber selbst auszuführen. Auf Debonairs Bitte hin, die Worte doch noch einmal zu wiederholen, wurde der Mann unleidlich.

„Hört das nächste Mal gefälligst besser zu!" Nur sehr, sehr widerwillig wiederholte er die Worte, doch das war auch schon alles an Hilfestellung, die er leistete. Die Schüler mussten selbst überlegen, welche Bewegungen nötig waren, um den Zauber richtig auszuführen. So dauerte es eine ganze Weile, bevor der Erste den Zauber ausführen konnte. Und das war ausgerechnet Lash Batter.

„Wenigstens einer von euch, elendes Pack!", murmelte der Mann schlecht gelaunt und nickte dem Schüler grimmig zu, der überheblich grinsend an seinem Platz saß. „Bild' dir bloß nichts drauf ein, Batter! Du bist nur der erste der Unfähigen!"

Harry seufzte lautlos und entschloss sich, so viele Verwandlungszauber Zuhause zu üben wie möglich. Mit etwas Glück würde er dann einen Zauber bereits beherrschen, bevor er im Unterricht geübt werden würde. So würde er sich Beleidigungen von dieser unfreundlichen Kröte ersparen, so hoffte er zumindest. Und so, wie Hermine dreinblickte, hatte sie genau dieselben Gedanken.

Dieser Unterricht zog sich so endlos lang wie eines von Fred und Georges Langziehohren. Und ununterbrochen fluchte der Mann oder murmelte Beleidigungen, sodass Harry sich fragte, warum der Typ überhaupt unterrichtete, wenn er es doch offensichtlich so gar nicht leiden konnte. Abgesehen davon konnte er nicht einen Moment lang ruhig bleiben. Die ganze Zeit über tigerte er in der Raum herum und besah jeden Schüler mit einem bösen Blick.

Als das Signal zum Ende der Stunde ertönte, atmete Harry erleichtert auf und packte seine Sachen zusammen. Mit Hermine und Debonair ging er hinunter in den Speisesaal zum Mittagessen. Heute standen mehr Fleischgerichte auf der Karte als gestern.

„Es ist bald Vollmond. Deswegen ist die Auswahl an Fleisch größer als sonst. Du hast doch bestimmt auch einen größeren Appetit auf Fleisch, nicht wahr?", erklärte Just ungefragt, worauf Harry nachdenklich nickte. Ihm persönlich war das gar nicht aufgefallen, doch nun, wo der andere Junge es angesprochen hatte, musste er zustimmen.

Nach dem Mittagessen stand Magische Wesen auf dem Stundenplan, worauf Harry ziemlich gespannt war. Ob dieser Unterricht denselben Inhalt hatte wie in Hogwarts Pflege magischer Geschöpfe?

Als sie wieder in ihrer Klasse waren und ihre Lehrerin den Raum betrat, war er sich sicher, dass zumindest der Professor wesentlich besser sein würde als der Typ für Verwandlung. Es war eine junge, etwa zwanzig Jahre alte Frau mit langen blonden Haaren und einem bezaubernden Gesicht. Sie stellte sich als Fey Critter vor und gab zudem bekannt, dass sie eine Veela sei.

Das erklärte zumindest die verklärten Gesichter der männlichen Schüler in diesem Raum. Nun ja, einiger zumindest. Harry konnte zwar nicht abstreiten, dass die Frau überaus bezaubernd war, dennoch reagierte er bei ihr nicht mit demselben hirnlosen Getue, wie er es damals bei der Quidditch-Weltmeisterschaft getan hatte. Dieses Mal ließ ihn die Veela recht kalt. Auch Debonair neben ihm wirkte nicht so verzückt wie Timorous, Zany und Lash.

Professor Critter erklärte den beiden ehemaligen Hogwarts-Schülern, dass sie in diesem Unterricht viel über Elfen, Werwölfe, Vampire und andere magische, menschenähnliche Wesen lernen würden. Aber auch nicht-menschliche Wesen standen auf dem Plan, allerdings würden diese nur beiläufig behandelt werden, da es in der magischen Welt mehr als genug Bücher über eben jene Kreaturen zu kaufen gäbe. Während es über die anderen nur wenige mit korrektem Inhalt gab. Die Veela ließ einige Buchempfehlungen auf der Tafel erscheinen, die aber keine Pflichtlektüre waren. Harry erkannte unter ihnen das Buch über Werwölfe, das er bereits Zuhause hatte. Den Rest würde er sich nach Möglichkeit ebenfalls besorgen.

In dieser Stunde gingen sie noch einmal die wichtigsten Fakten über Werwölfe durch, da dies die letzte Stunde vor den Vollmondnächten sein würde. Doch alles davon hatte Harry bereits in dem Buch gelesen.

Dennoch verging dieser Unterricht erstaunlich schnell und er war überrascht, als das Signal zum Stundenende erklang. Er konnte nun nach Hause flohen, während Hermine noch Arithmantik haben würde. Doch sie brachte ihn noch zur Vorhalle, damit er nicht unterwegs allein Batter in die Arme lief, was unweigerlich zu einer Handgreiflichkeit führen würde, dessen war sie sich sicher.


Zweieinhalb Stunden später saßen Harry und Hermine in ihrem Zimmer und saßen an ihren Hausaufgaben, wobei sie begeistert von ihrer Arithmantik-Professorin sprach. Eine überaus intelligente Frau, die ein wahnsinnig ausgeprägtes Gefühl für Zahlen hatte. Ihr Name war Holly Cipher.

„Hermine, ist ja toll, dass du sie so klasse findest, aber würdest du mir bitte bei der Übersetzung helfen? Du weißt doch, dass ich davon keine Ahnung habe.", unterbrach er ihre begeisterte Litanei und tippte mit seiner Feder auf das Pergament mit den ihm unbekannten Schriftzeichen.

Das Mädchen zuckte schuldbewusst zusammen und grinste verlegen. „Oh, tut mir leid. Natürlich helfe ich dir." Sie griff nach ihrem eigenen Runenbuch und blätterte ein wenig darin herum, bevor sie ihm die aufgeschlagene Seite hinhielt. „Hier stehen viele wichtige Runen. Aber ich empfehle dir, das ganze Buch durchzuarbeiten. Es gibt auch noch eine Fortsetzung davon. Die solltest du dir auch noch vornehmen.", ratterte sie herunter.

Harry verkniff sich eine Bemerkung und richtete seinen Blick in das Buch. Er zog es zu sich und versuchte sich weiter an der Übersetzung. Für den Text brauchte er fast den ganzen Abend und das, obwohl Hermine ihm unter die Arme griff. Als er den letzten Satz beendet hatte, lehnte er sich erschöpft zurück und rieb sich müde die Augen, die von der Anstrengung, stundenlang auf den Text gestarrt zu haben, leicht brannten. „Merlin, ich werde nie ein Fan von Runen werden.", schwor er mit einem Gähnen und streckte seine steifen Arme. Mit einer Hand massierte er seinen schmerzenden Nacken, was ihm aber nicht wirklich Linderung verschaffte.

„Ich frage mich, was gerade in Hogwarts los ist.", meinte er schließlich nachdenklich und warf einen Blick zu seiner Freundin, die sich über ein Buch gebeugt hatte und nun langsam den Kopf hob, um ihn anzusehen. Bedächtig klappte sie es zu, wobei sie einen Finger zwischen die Seiten klemmte.

„Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das wissen will.", gab sie leise zu und wandte den Blick nach draußen, wo langsam die Sonne unterging. Mit Wehmut dachte sie an die Zeit zurück, in der sie selbst noch auf diese alte Schule gegangen waren. Sie dachte an alle ihre Freunde, die sie dort zurücklassen mussten: Ron, Ginny, Seamus, Dean, Lavender, Luna und die anderen, und sie fragte sich, ob sie sie jemals wiedersehen würden.

„Tut mir leid." Harrys leise Stimme riss sie aus ihren trüben Gedanken. „Ich wollte dich nicht traurig machen." Er hatte deutlich sehen können, wie ihre Stimmung umgeschlagen war.

Sie lächelte ihn an und schüttelte den Kopf. „Ich weiß. Macht nichts." Dann richtete sie ihren Blick auf das beschriebene Pergament, das vor ihrem Freund lag. „Darf ich mir deine Übersetzung ansehen?"

„Ich bitte darum. Aber sei nicht enttäuscht, wenn sie extrem schlecht geworden ist." Er grinste und reichte ihr seine Hausarbeit. Während sie las, schnappte er sich das Buch über Verwandlungen, das sie vorher in der Hand gehabt hatte. Er stopfte ein Stück Pergament zwischen die Seiten, die sie zuletzt gelesen hatte, und blätterte darin herum. Die Zauber, die ihm interessant oder wichtig erschienen, sah er sich genauer an, den Rest überflog er nur.

„Hm...", machte Hermine schließlich und legte das Pergament auf ihren Oberschenkeln ab. „Gibst du mir deine Feder? Dann kann die Stellen markieren, die noch verbesserungswürdig sind."

Harry lachte. „Also alle?"

Hermine stimmte mit ein. „Nicht ganz. Für deine erste Übersetzung ist sie gar nicht so schlecht geworden, aber ich bezweifle ehrlich, dass du jemals Bestnoten in diesem Fach bekommen wirst."

„Solange ich durchkomme, reicht mir das völlig.", meinte er ehrlich und reichte ihr seine Feder und das Tintenfässchen. Kurz beobachtete er noch, wie Hermine einen Satz nach dem nächsten markierte und ein paar Bemerkungen dazuschrieb, bevor er sich wieder an das Buch wandte. Schließlich fand er sogar den Zauber, den sie heute im Unterricht versucht hatten. Als er sich die Durchführung ansah, wurde ihm klar, warum der Spruch bei ihm nicht hatte funktionieren wollen.

Er zog seinen Stab und versuchte sich noch einmal an dem Zauber. Sich genau an die Anweisungen des Buches haltend, murmelte er die nötigen Worte und schwang seinen Stab genauso, wie es beschrieben wurde. Zufrieden beobachtete er, wie sich seine Kommode in ein Schwein verwandelte.

Hermine zuckte erschrocken zurück und verschüttete dabei ein wenig Tinte. „Harry, verdammt! Warne mich das nächste Mal vor, bevor du ein Schwein auf mich los lässt!" Sie schwang beiläufig ihren Stab, um die Flecken verschwinden zu lassen.

„Entschuldige..." Kichernd machte er seinen Zauber rückgängig, sodass kurz darauf wieder seine Kommode an Ort und Stelle stand. „Aber dieser Typ war ja mal echt unter aller Sau! Selbst Snape war ein besserer Lehrer! Obwohl – so viel besser war er auch nicht. Hast du eigentlich erfahren, wie der Typ heißt?"

Hermine strich das Pergament auf ihrem Schoß glatt und nickte. „Ich habe Debonair in Arithmantik danach gefragt. Der Mann heißt Paddock Stern."

„Hm... Der hätte sich ja wenigstens vorstellen können, oder? Ich meine, wie denkt der denn, sollen wir ihn ansprechen, wenn wir seinen Namen nicht kennen? 'Hey, Sie da' oder Professor 'Wie-auch-immer'?", regte er sich auf und schnaubte. „Ich kann den Typen nicht leiden."

„Wirklich? Also, ich hätte gedacht, dass du sehr gern hast!", entgegnete sie sarkastisch und blickte nach unten auf die Übersetzung. „Ich mag ihn auch nicht." Diese Offenbarung war etwas Besonderes, da sie sonst nie Kritik an einem Lehrer übte.

Harry lächelte. „Siehst du? Kritik an einem Lehrer tut nicht weh, oder?", witzelte er und musste einem Kissen ausweichen, dass auf ihn zugeflogen kam. Zum Glück war Hermines Talent im Zielen mit Federteilen relativ begrenzt, weswegen sie ihn trotz seines geringen Spielraumes verfehlte, sodass das Kissen mit einem dumpfen Laut gegen die Wand prallte und auf den Boden fiel. „Kissenschlacht?" Grinsend hob er es auf und holte damit aus.

Hermine warf Feder, Pergament und Tinte auf das Nachtschränkchen und ging hinter seinem Bett in Deckung. „Wehe dir, Harry! Du weißt genau, dass ich nicht gut werfen kann!"

Lachend sprang er auf das Bett und schleuderte ihr das Kissen ins Gesicht. „Dein Glück, dass man dafür nicht gut werfen muss!" Als sie nach dem Geschoss griff, das sie getroffen hatte, schnappte er sich das letzte, das noch auf dem Bett lag. Damit gingen sie dann in den Angriff über und prügelten aufeinander ein, dass die Federn nur so flogen.

Erst nach etwa einer halben Stunde endete diese Schlacht, weil die Kissen kaum noch Federn besaßen. Dafür sah das Bett und der Boden darum herum aus, als hätte man hier viele weiße Vögel gerupft.

Keuchend und nach Luft schnappend sank Harry auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an das Bett. „Ich bin wohl doch noch nicht wieder ganz fit. Früher hat mich das nicht so ausgelaugt.", bemerkte er und presste sich eine Hand in die Seite, wo ein stechender Schmerz pochte. Seitenstechen war etwas, das man ruhig nicht hätte erfinden brauchen, befand er im Stillen und schloss kurz erschöpft die Augen.

„Du bist schon bald wieder auf dem Damm, Phelan, keine Sorge. Futtern tust du ja genug.", grinste sie. „Nur Ron isst noch mehr als du. Vorausgesetzt, du bist beim Essen nicht in Gedanken bei Draco.", grinste sie und beobachtete amüsiert, wie er noch etwas mehr Farbe bekam. „Ich werde mich mal wieder an deine Übersetzung setzen, damit sie noch mal abschreiben kannst. Immerhin müssen wir sie bis morgen gemacht haben."

Harry sackte zusammen und rutschte theatralisch zu Boden. „Erinnere mich nicht daran, Mine!" Mit einer ausladenden Bewegung warf er sich einen Arm über die Augen und stieß ein übertriebenes Seufzen aus. „Sklaventreiberin!"

Mit einem Kopfschütteln wandte sich Hermine an seine Hausaufgaben und fuhr damit fort, Fehler zu suchen und Verbesserungen anzumerken, während der junge Werwolf sich mühsam aufrappelte und sich wieder das Verwandlungsbuch schnappte. Er entwickelte sich ja schon zu einem richtigen Streber, bemerkte er still und grinste.

tbc...


So, das war's für diese Woche...

Ich hoffe, ihr könnt euch ein wenig mit der neuen Schule anfreunden. Ich hab ewig dafür gebraucht, mir die ganzen Namen auszudenken (wobei ich wirklich ausnahmslos für alle Schüler der Schule Namen habe... Selbst für die, die wahrscheinlich niemals vorkommen werden -.-')

Und keine Sorge, der erste Vollmond für Harrylein kommt bald ;) Nur Geduld! ^-^

LG Silberschwinge