Chapter 8

Als Draco geendet hatte, war es erschreckend still im Raum, bis Debonair wutentbrannt auf den Blonden losging und ihn hart am Kragen packte. „Du kleine, miese Kröte! Wie kannst du es wagen, dich Harrys Freund zu nennen?! Du..."

Harry ging dazwischen und löste die verkrampfte Hand Debonairs von dem Stoff. „Sei still! Hast du nicht zugehört? Die Gefühle sind nicht gespielt!"

„Aber sie waren es! Wie naiv bist du eigen..." Der brünette Junge verstummte unter Harrys mörderischem Blick. Mit vor der Brust verschränkten Armen zog er sich zurück und setzte sich wieder auf sein Bett. „Mach doch was du willst, aber heul mir am Ende nicht die Ohren voll, wenn der", er deutete mit dem Kinn auf Draco, „dich irgendwann fallen lässt und hintergeht.", grummelte er.

„Mag sein, dass sie anfangs nur gespielt waren, aber da waren wir auch noch nicht zusammen. Außerdem hatte er zu der Zeit nie explizit gesagt, dass er in mich verliebt wäre." Harry wandte sich an Draco, der noch immer mit gesenktem Kopf auf dem Bett saß und auf seine Hände starrte. Er hockte sich vor ihn auf den Boden, um ihm in die Augen sehen zu können, und nahm dessen Hände in seine, um ihre Finger miteinander zu verschränken. „Das, was vor unserer Beziehung war, ist völlig unwichtig."

Draco lächelte erleichtert. „Du bist auch nicht böse deswegen oder..." Er verstummte, weil Harry ihm sanft einen Finger an die Lippen legte und ihn dann liebevoll küsste. Es war nur ein kurzer, keuscher Kuss, doch ihn ihm lagen so viele Gefühle.

Der Werwolf lehnte seine Stirn an Dracos und blickte ihm so aus nächster Nähe in die Augen. „Ich liebe dich.", hauchte er vollkommen ernst, doch dann löste er sich ein Stück von ihm und ein leichtes Grinsen legte sich auf seine Lippen. „Abgesehen davon ist es doch ein wahnsinnig großes Kompliment, wenn sich jemand, der einen eigentlich hasst, in dich verliebt, oder nicht?", fragte er in die Runde, wobei er seinen blonden Freund aber nicht eine Sekunde aus den Augen ließ.

Einen Moment lang war es still, dann aber begann Hermine zu lachen. Nach und nach fielen die anderen mit ein, nur Lucius blieb still. Er beobachtete seinen Sohn, der Potter noch immer so nah war und schnaubte missbilligend, was Harrys Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.

„Ich nehme an, Sie sind nicht damit einverstanden, dass Ihr Sohn mit einem halbblütigen Werwolf zusammen ist?", wollte er wissen, obwohl er die Antwort schon kannte.

Lucius reckte arrogant das Kinn. „Natürlich bin ich damit nicht einverstanden. Immerhin ist es unter seiner Würde, mit jemandem wie Ihnen intim zu werden. Außerdem ist er der letzte Nachkomme der Malfoy-Familie. Es ist seine Pflicht, eine reinblütige Hexe zu ehelichen und einen Erben zu produzieren."

Harry verzog das Gesicht. „Produzieren.", wiederholte er skeptisch. „Das klingt so nach Fließbandarbeit." Er schüttelte den Kopf. „Dann wollen Sie also nicht, dass Ihr Sohn sich selbst jemanden aussuchen kann?"

„Selbstverständlich kann er das.", widersprach der blonde Mann.

„Solange es innerhalb der von Ihnen gezogenen Einschränkungen liegt.", konkretisierte der Werwolf mit erhobenen Augenbrauen.

„Korrekt. Alles andere wäre eine Schande für die Familie." Lucius bedachte ihn mit einem durchdringenden Blick.

Der Werwolf nickte. „Verstehe. Dann würde Draco also Schande über die Familie bringen, wenn er mit dem Jungen-der-lebt zusammen wäre, der nebenbei bemerkt auch noch die letzte Hürde vor dem Fall des Dunklen Lords ist?" Er grinste.

„Sie sind ein Halbblut und ein Werwolf noch dazu. Aber was meinen Sie damit, dass Sie die Hürde wären?"

„Damit meint er", ertönte plötzlich die Stimme des Dunklen Lords von der Tür, was alle bis auf Harry erschrocken zusammenfahren ließ, „dass er unter dem Schutz jedes einzelnen Todessers steht und jeder von euch ihn mit seinem Leben zu schützen hat!"

Lucius erhob sich eilig von der Matratze und ging ehrfürchtig auf die Knie. „Mylord." Etwas langsamer folgten ihm Hermine und Remus. Harry blieb vor Draco hocken, weil er dessen Hände nicht loslassen wollte. Aus diesem Grund senkte er einfach respektvoll den Kopf.

„Ich verstehe nicht ganz, Mylord.", meldete sich Lucius leise zu Wort.

Der Dunkle Lord blickte ihn kurz nachdenklich an. „Harry Potter ist der letzte meiner Horkruxe.", erklärte er schlicht, weswegen Lucius zischend nach Luft schnappte. Der blonde Mann hatte nicht gewusst, dass der Dunkle Lord über Horkuxe verfügt hatte. Und wenn Potter der letzte war, dann musste man ihn mit allen Mitteln schützen.

Harry grinste leicht. Obwohl es in der Prophezeiung hieß, dass sie nur durch die Hand des jeweils anderen sterben konnten, würde er jetzt wohl in Watte gepackt werden. Wenn er so darüber nachdachte, konnte nur er selbst durch den Dunklen Lord sterben. Denn selbst wenn Harry versuchen würde, den Todesfluch auf ihn zu sprechen, würde er selbst ihn immer noch am Leben erhalten, weil er ein Horkrux war.

Er runzelte die Stirn. Konnte ein Horkrux versuchen, seinen Meister zu vernichten? Unwillkürlich musste er schmunzeln, wenn er daran dachte, wie das Tagebuch Tom Riddles mit wild flatternden Seiten auf den Dunklen Lord zu hüpfte, um ihn zu erschlagen. Dass er sich auch immer alles bildlich vorstellen musste...

„Was ist so lustig?", erkundigte sich Draco flüsternd, der bemerkt hatte, wie sich ein Grinsen auf die Lippen seines Freundes geschlichen hatte.

Harry schüttelte den Kopf und ließ sich neben ihn auf das Bett nieder, wobei seinen Kopf in dessen Schoß und einen Arm über dessen Schenkel legte. „Ich habe mir nur gerade etwas vorgestellt. Ist im Nachhinein nicht so witzig." Er grummelte wohlig, als Draco begann, über seine Seite zu streicheln.

„Mylord, wenn Ihr mir die Frage gestattet.", ergriff Hermine das Wort und wartete das leichte Nicken des Dunklen Lords ab, bevor sie fortfuhr: „Was tut Ihr hier? - Ich meine, Calantha erklärte uns, dass nur Elternteile den Weg in die Schule kennen."

Der Dunkle Lord schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. Er stand weiterhin mitten im Türrahmen, sodass er die einzigen Lichtquellen – die Fackeln auf dem Gang – im Rücken hatte. Sein Gesicht lag wie üblich um Schatten. „Billius Beacon ist einer meiner Männer. Natürlich kenne ich den Weg hierher.", erklärte er ungeduldig. „Aber was habt ihr hier zu suchen? Ihr solltet doch bei..." Er machte eine Geste zu Calantha hinüber.

Sie erhob sich von ihrem Platz. „Wenn ich darf, würde ich das gern erklären."

Der Dunkle Lord musterte sie kurz und nickte dann gebieterisch.

„Wie Sie wissen, arbeitet mein Mann beim Ministerium. Es war zur Zeit leicht, sie zu verstecken, weil er erst sehr spät heimkam und sehr früh wieder ging. Aber heute kam er früher zurück, obwohl er keine zwei Stunden vorher Bescheid gegeben hatte, dass er wohl die Nacht durch machen würde. Sie hatten keine Zeit mehr, sich zu verstecken. So hat er sie entdeckt.", erzählte sie mit fester Stimme. Sie ahnte, dass der Dunkle Lord in ihren Gedanken überprüfte, ob sie die Wahrheit sagte.

Nach einiger Zeit, in der niemand etwas gesagt hatte, ergriff er schließlich wieder das Wort. „Also hast du dich gegen deinen Mann gewandt und meinen Leuten die Flucht ermöglicht." Er warf einen Blick zu Debonair. „Und deinen Sohn hast du ebenfalls mitgenommen."

„Ich bin von allein mitgekommen.", warf Debonair ein, zog dann aber ein wenig den Kopf ein, weil ihm dann erst einfiel, dass er den Dunklen Lord ohne Erlaubnis angesprochen hatte. Dass er mitgekommen war, um an Harrys Seite kämpfen und so ein wenig auf ihn aufpassen zu können, wollte er eigentlich noch erklärend anhängen, doch nun traute er sich nicht mehr. Es war das eine, völlig im Affekt den Dunklen Lord anzusprechen, eine andere, es vorsätzlich zu tun.

Andere würden das wohl als Angst bezeichnen. Er hingegen neigte dazu, es schlicht und einfach eine riesige Portion Respekt zu nennen.

Unter dem stechenden Blick des Dunklen Lords schrumpfte Debonair noch ein paar Zentimeter mehr, bevor er schließlich eine Entschuldigung murmelte.

Zufrieden wandte er sich wieder an dessen Mutter. „Ihr habt mir einen großen Dienst erwiesen.", stellte er ruhig fest.

Calantha lächelte etwas unbeholfen und warf einen Blick zu Remus. „Mylord, darf ich darum bitten, in Eure Gefolgschaft aufgenommen zu werden?"

Erstaunt starrte die anderen sie an.

„Warum?", fragte der Dunkle Lord lauernd.

Sie lächelte geheimnisvoll. „Ich möchte zu meinen Wurzeln zurückkehren.", antwortete sie kryptisch. „Offiziell sind meine Eltern Brianna und Blaise Fraud. Doch meine Mutter hat mir auf ihrem Sterbebett gestanden, dass ich aus einer Affäre entstanden bin. - Einer Affäre mit Abraxas Malfoy."

„Was?" Lucius und Draco waren empört aufgesprungen, wobei Harry fast von dem Bett gekullert wäre. „Willst du behaupten, dass du meine Halbschwester bist?", wollte Lucius mit drohender Stimme wissen. Für ihn war es völlig unmöglich, dass sein Vater eine Affäre gehabt haben und dann auch noch so unvorsichtig gewesen sein soll, ein Kind zu zeugen. Wäre das jemals heraus gekommen, hätte das einen Skandal allererster Güte in der reinblütigen Gesellschaft gegeben. Abraxas hätte so etwas niemals getan.

Doch Calantha blickte ihm direkt entgegen. „Wir können gerne einen Test machen lassen, um es zu bestätigen.", schlug sie vor, obwohl sie sicher war, dass Lucius nicht darauf eingehen würde. Ein Test würde bedeuten, mit dieser Angelegenheit zu einer Medihexe zu gehen, was damit gleichkam, den Skandal öffentlich zu machen. Sie grinste lieblich, als dem blonden Mann das klar wurde und mit einem Grummeln zurück auf das Bett sank.

Draco starrte die Frau noch immer an, als hätte sie gerade verkündet, dass sie ein Wesen von einem anderen Planeten wäre und hergekommen sei, um die magische Welt der Muggelwelt zu öffnen. Erst, als Harry seine Hand ergriff, wandte er den Blick ab und ließ sich neben seinem Freund nieder.

Lucius massierte sich mit geschlossenen Augen die Nasenwurzel. „Das sind ja ganz tolle Aussichten. Zwei Skandale auf einem Haufen. Das wird das Ende der Malfoys sein.", murmelte er grimmig. Dann wandte er sich an seinen Sohn. „Den zweiten könntest du noch abwenden, wenn du dich von diesem", er machte eine unwirsche Geste zu Harry, „Werwolf lösen würdest!"

Besagter Werwolf schnaubte abfällig, sagte aber nichts. Stattdessen drückte er aufbauend Dracos Hand und streichelte mit dem Daumen über die weiche Haut.

„Nicht dergleichen werde ich tun, Dad.", verkündete Draco schließlich entschlossen und blickte seinen Vater unnachgiebig an. „Ich bin volljährig und kann für mich selbst entscheiden, was ich will. - Und was ich will, ist Harry.", fügte er mit einem sanften Blick zu seinem schwarzhaarigen Freund hinzu, der ihm ein liebevolles Lächeln schenkte.

Lucius schloss resigniert die Augen. „Das bedeutet dann wohl das Ende unserer Familie." Er atmete noch einmal tief durch, bevor er Harry mit einem mörderischen Blick bedachte. „Und schon wieder ist Potter verantwortlich!", schnarrte er.

Der Dunkle Lord musste unwillkürlich grinsen, doch er unterdrückte es schnell wieder, bevor er sich an Calantha wandte. „Dann wirst du also bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit das Dunkle Mal empfangen."

Debonair hob unsicher die Hand. „Ich – würde ebenfalls gerne..."

„Ich nehme keine unausgebildeten Zauberer in meine Reihen.", unterbrach ihn der Dunkle Lord herrisch.

„Aber..." Debonairs Blick wanderte zu Harry.

„Potter und Granger sind die berühmten Ausnahmen."

Sie verbrachten die nächsten Nächte in der Schule. Der Dunkle Lord hatte dafür gesorgt, dass der Schulleiter informiert worden war.

Harry und Draco teilten sich ein Bett, was von genau zwei Personen nicht gerne gesehen wurde. Die meiste Zeit waren die beiden zusammen und nur Hermine und Remus leisteten ihnen manchmal Gesellschaft. Hermine öfter als Remus, weil dieser immer häufiger bei Calantha zu finden war. Sie saßen dann dicht beisammen, Remus' Hand auf ihrer, während sie schüchterne Blick austauschten.

Debonair saß anfangs abseits, bis Harry ihn mit einem leichten Augenrollen zu ihrer kleinen Gruppe zog und ihm nahe legte, dass er sich doch nicht so anstellen solle. Draco war davon zwar nicht sonderlich begeistert, weswegen er so dicht es ging zu seinem Freund rutschte und gut sichtbar seine Hand hielt oder ihm hin und wieder besitzergreifende Küsse aufdrückte, doch er beschwerte sich seinem Freund zuliebe nicht.

Einzig Lucius zog es vor, allein in seiner Ecke zu sitzen und dem Freund seines Sohnes feindselige Blicke zuzuwerfen.

Der Dunkle Lord hatte sich noch am selben Tag wieder auf den Weg gemacht. Wohin, wusste keiner der Anwesenden genau. Aber wahrscheinlich suchte er einen Weg, um seine fehlenden Gefolgsleute zu befreien.

Einmal kam sogar Billius Beacon zu ihnen. Der Mann sah noch immer genauso grimmig aus wie beim letzten Mal, als sie ihn getroffen hatten. Nachdem er sich darüber beschwert hatte, was für ein Wirbel Potter nun wieder angerichtet hatte, versicherte er ihnen, dass ihre Anwesenheit in der Schule geheim bleiben würde. Sie würden zwar normal am Unterricht teilnehmen, aber keiner der anderen Schüler wäre in der Lage, diese Neuigkeit außerhalb der Schule zu verbreiten.

Doch es sollte nicht mehr dazu kommen.

Am Abend vor dem ersten Schultag, erhielten sie die Nachricht, dass Askaban zerstört worden war und die dort inhaftierten Todesser geflüchtet waren. Die Dementoren hatten ihren Posten verlassen und terrorisierten nun die größten Städte Großbritanniens mit ihrer Anwesenheit. Die Winkelgasse wurde halb zerlegt. Nur wenige Geschäfte und Gringotts blieben unbeschädigt. Zudem wurden gegen Mitternacht alle Todesser nach Hogsmeade gerufen.

„Träum weiter, Potter!", fauchte Draco aufgebracht. „Ich werde ganz bestimmt NICHT hierbleiben und nichts tun, während du dich in den Kampf stürzt! Soweit kommt es noch!" Trotzig verschränkte er die Arme vor der Brust und funkelte seinen Freund unnachgiebig an.

Der Dunkle Lord erschien und warf einen kurzen Blick in den Raum. „Potter, Granger, ihr bleibt hier. Lupin, du kommst mit.", entschied er, weswegen Draco seinen Freund mit einem zufriedenen Grinsen ansah. „Ich kann keine Kinder auf dem Schlachtfeld gebrauchen."

Doch Harry hatte nicht vor, zurückzubleiben. „Dann könnt Ihr ja froh sein, dass ich keines mehr bin.", erwiderte er ruhig und schnappte sich einen der Umhänge, um ihn sich überzuwerfen.

„Du bist mein letzter Schutz, Potter! Du wirst ganz bestimmt nicht in den Kampf geschickt!", zischte der Dunkle Lord entschieden.

Harry schnaubte. „Ihr seid der einzige, der mich töten kann. Außerdem kann ich sehr gut auf mich alleine aufpassen." Er blickte dem Mann vor sich in die Augen, entschlossen, sich nicht zu fügen. Dabei fiel ihm auf, dass die Augen des Dunklen Lords nicht mehr gänzlich von diesem stechenden Rot waren. Nur der äußere Ring der Iris besaß seine ursprüngliche Farbe noch, während der Bereich um die Pupille herum von einem erstaunlichen, dunklen Blau war. Hatte Tom Riddle nicht blaue Augen gehabt?

„Du willst dich also meinem Befehl widersetzen?", wollte der Dunkle Lord drohend wissen.

„Wenn Ihr mir nicht einen solchen Befehl geben würdet, MÜSSTE ich mich nicht widersetzen."

Nach einem weiteren kurzen Blickduell lenkte der Dunkle Lord schließlich ein. „Ich habe keine Zeit, um mich mit einem Werwolf zu streiten. Komm mit, wenn du es unbedingt willst. Aber wenn du getötet oder gefangen genommen wirst, wirst du dir wünschen, dass ich dich dein Leben lang ununterbrochen dem Cruciatus unterwerfen würde." Er wandte sich ab und disapparierte.

Über Harrys Lippen flog ein kleines triumphierendes Grinsen, bevor er sich an seinen Freund wandte. Draco hatte die Augen wütend verengt und die Arme vor der Brust verschränkt. „Wieso kannst du nicht einfach hierbleiben, Potter?"

„Weil ich Dumbledore für das bezahlen lassen will, was er mir angetan hat.", knurrte Harry und legte seinem blonden Freund eine Hand an die Wange. „Ich schwöre dir, dass ich bald wieder da bin." Diesen Schwur besiegelte er mit einem kurzen, aber intensiven Kuss.

„Pass auf dich auf, okay?" Hermine blickte ihn besorgt an. Es kostete sie einiges an Überwindung, ihn gehen zu lassen. Sie drehte unruhig ihren Zauberstab in ihren Händen und trat von einem Bein auf das andere.

Harry lächelte. „Keine Sorge. Ich passe auf mich auf." Er umarmte seine Freundin kurz, bevor er ihr noch einmal beruhigend über die brauen Locken strich.

„Komm bloß in einem Stück wieder!", knurrte Debonair, warf Draco einen kurzen Blick zu und warf sich dem schwarzhaarigen Werwolf dann an den Hals. Das Gesicht in dessen Halsbeuge versteckt, murmelte er nur für den Werwolf hörbar: „Ich liebe dich." Dann löste er sich ein wenig von ihm und drückte ihm noch schnell einen Kuss auf die Lippen, bevor er sich abwandte.

Harry hatte erstaunt die Augenbrauen gehoben. Dann strich er seinem blonden Freund, der das eben entsetzt mitangesehen hatte, noch einmal sanft über die Seiten und schenkte ihm ein liebevolles Lächeln, bevor er sich endgültig umdrehte und zusammen mit Remus den Raum verließ.

Die drei Zurückgelassenen beteten, dass sie ihren Freund lebend wiedersehen würden.

Harry erschien mit Remus zusammen in der Nähe von Hogsmeade neben einer alten Hütte. Es war nicht die Heulende Hütte, sondern mehr eine Ruine, bei der nur noch drei Wände standen. Die rechte Seite des kleinen Häuschen war komplett eingefallen. Der Dunkle Lord stand an der Spitze seiner Gefolgschaft und hob die Hand zum Zeichen für Ruhe. Sofort verstummten auch die letzten Gespräche.

„Der Plan sieht folgendermaßen aus", begann er mit lauter Stimme zu erklären. „Eine Gruppe wird Hogwarts direkt angreifen, um die Auroren, die dort stationiert sind, abzulenken, während die andere Gruppe ein weiteres Mal durch das Verschwindekabinett in die Schule eindringt."

Harry hob die Augenbrauen. Wie hatte der Dunkle Lord es geschafft, dieses riesige, schwarz-magische Teil hierher zu bringen? Es ließ sich ganz bestimmt nicht einfach schrumpfen und schweben lassen fiel auch weg.

„Außerdem", fuhr der Dunkle Lord fort, „wird jeder von euch Harry Potter mit seinem Leben schützen."

Die Todesser fuhren zu ihm herum und starrten ihn einen Moment lang verwirrt an, bevor erste leise Proteste ausgestoßen wurden. Greyback gesellte sich zu ihm. „Wie tief bist du ihm in den Hintern gekrochen, hm?"

„Wenn irgendjemand zulässt, dass Harry Potter getötet oder entführt wird, wird von mir persönlich zu Tode gefoltert. Habt ihr das verstanden?", zischte der Dunkle Lord bedrohlich, worauf alle schnell nickten und „Verstanden, Mylord" murmelten.

„Potter wird mit mir zusammen durch das Verschwindekabinett gehen. Lucius! Du führt die Gruppe an, die Hogwarts von außen angreift!"

Der blonde Mann verneigte sich. „Sehr wohl, Mylord."

Es wurden noch schnell die zwei Gruppen eingeteilt, bevor der Dunkle Lord das Zeichen zum Angriff gab. Lucius' Gruppe stürmte los. Greyback und die meisten anderen Werwölfe waren ebenfalls darunter, ebenso wie viele Vampire.

Harry war froh, dass Remus mit ihm zusammen Hogwarts von innen angreifen würden. Sie mussten nur darauf warten, dass der Angriff der anderen Gruppe erste Erfolge brachte. Die Auroren und Lehrer sollten nach draußen gelockt werden, damit sie dann von zwei Seiten attackiert werden konnten. Der Dunkle Lord hatte diesen Zeitpunkt zum Angreifen gewählt, weil so noch keine Schüler in der Schule waren, die den Lehrern und Auroren hätten helfen können. Der Hogwarts-Express würde erst am folgenden Abend eintreffen. Außerdem hatten sich die feindlichen Reihen noch nicht vollständig wieder erholt, während die Reihen des Dunklen Lords durch die Zerstörung Askabans so voll wie nie zuvor waren. Zudem hatten sie nun auch noch Dementoren auf ihrer Seite. Sie würden leicht abzuwehren sein, aber sie konnten einen gewissen Vorsprung erarbeiten und vielleicht doch einen oder anderen Kämpfer erwischen, der den Patronus-Zauber nicht richtig beherrschte.

Sie warteten etwa eine Stunde, bis das Dunkle Mal über den Ländereien von Hogwarts aufleuchtete. Das war das Zeichen!

Schnell liefen sie durch das Verschwindekabinett und kamen wie erwartet im Raum der Wünsche wieder heraus. Sie verließen ihn schnell und eilten die leeren Gänge entlang. Wenn sie an Fenstern vorbeikamen schallten die Geräusche der draußen tobenden Schlacht herein. Doch bevor sie die Hälfte des Weges hinter sich gebracht hatten, hörte Harry ein paar flüsternde Stimmen, die von einem Gang vor ihnen kamen. Er wollte gerade eine Warnung brüllen, als sie auch schon von hinten angegriffen wurden. Die Auroren hatten sie in eine Falle gelockt und attackierten sie nun von zwei Seiten. Die Todesser kamen weder vor noch zurück.

Bunte Flüche flogen durch die Luft und wurden von unsichtbaren Schutzschilden reflektiert. Harry musste mehrere Zauber abwehren, bevor er selbst die Gelegenheit zum Angriff bekam. Beim letzten Mal hatten sie gelernt, dass er ein gefährlicher Gegner war, und versuchten nun, ihn auszuschalten, bevor er sich ein weiteres Mal in einen Wolf verwandeln konnte.

Ein Fluch traf ihn an der linken Schulter, die mit einem grässlichen Krachen aus dem Gelenk sprang. Harry biss die Zähne zusammen, wich einen weiteren Fluch aus, parierte den Angriff eines anderen Aurors und sprach schnell den Gegenzauber auf seine Schulter, die nun mit einem knackenden Geräusch in ihre ursprüngliche Position gedrängt wurde. Länger konnte er sich nicht der Verletzung widmen. Das Gelenk tat noch immer fürchterlich weh und jede Bewegung des Arm schickte starke Schmerzen durch seine Nerven, doch er konnte darauf keine Rücksicht nehmen.

Grimmig blockierte er einen roten Zauber und schickte einen anderen zurück. Doch er hatte keine Zeit nachzusehen, ob er auch getroffen hatte, denn schon stürmten neue Angreifer auf ihn zu. Er versuchte, sich nicht von der Gruppe trennen zu lassen, was offensichtlich die Absicht der Auroren war, doch sie machten es ihm ganz schön schwer. Wann immer er sich den Todessern wieder zu nähern versuchte, zwangen ihn mehrere Flüche gleichzeitig in die andere Richtung.

Seine Ohren begannen zu schmerzen aufgrund der vielen lauten Geräusche und seine Nase nahm eigentlich nur noch den Geruch von Blut, Schweiß und Angst wahr. Seine Schulter pochte schmerzhaft im Rhythmus seines Herzschlages, ebenso wie die vielen kleineren Schrammen und Schnittwunden, die er inzwischen erlitten hatte. Er spürte, wie seine Hose an einigen Stellen feucht an seinem Bein klebte und als er sich mit der linken Hand mühsam den Schweiß von der Stirn wischte, haftete Blut an den Fingern.

Instinktiv blockte er den nächsten Fluch, doch als er einen Schritt zurück machte, stolperte er beinahe über einen am Boden liegenden Körper. Die Sekunde, die er benötigte, um sein Gleichgewicht zurückzuerlangen, nutzten seine Gegner, um sich weiter zwischen ihn und die Todesser zu drapieren. Ein Zauber warf ihn nach vorne, weg von seinen Verbündeten. Fluchend kämpfte er sich wieder auf Füße und warf blind einen Fluch hinter sich. Mit einem reißenden Geräusch traf er sein Ziel und als er sich umdrehte, sah er einen Auroren blutüberströmt zusammenbrechen. Schräg über seine Brust verliefen drei parallele Schnitte, die so tief waren, dass das Weiß ihrer Rippen zu sehen war.

Flink sprang Harry über den Mann hinweg, rammte einem anderen den Ellenbogen gegen die Kehle, der – völlig überrascht von diesen Aktion – röchelnd in die Knie ging, und griff nach den Haaren einer Frau, die gerade einen Fluch auf Remus abfeuern wollte. Er nutzte den Schwung, den er noch hatte, wirbelte sie herum und warf sie gegen die Steinwand. Sie konnte sich zwar mit den Händen abfangen, dennoch brach sie sich bei dieser Aktion ein Handgelenk.

Remus lächelte seinem Welpen dankbar zu. Auch er blutete bereits aus mehreren Wunden, doch sie waren zum Glück nicht tief oder groß genug, um gefährlich sein zu können. Sie waren einfach nur lästig.

Dann mussten sie auch schon wieder auf den Kampf konzentrieren. Harry wich einem Zauber aus, warf den Angreifer mit einem Fluch um und machte die Hexe mit dem gebrochenen Handgelenk endgültig kampfunfähig, indem er ihr das andere auch noch brach. Stöhnend ließ sie ihren Zauberstab fallen und taumelte zur Seite, um in Deckung zu gehen.

Mit dem linken Arm blockte Harry den Schlag eines Aurors, wobei er sich auf die Lippen beißen musste, um nicht zu schreien, als der Schmerz in seiner Schulter erneut aufbrüllte. Er drehte sich schnell und trat dem Mann die Beine weg, weswegen er keuchend zu Boden ging. Dann machte er einen Satz zurück, damit sein Gegner nicht seine Füße in Reichweite hatte, wobei er einem weiteren Fluch auswich, und schickte ihn mit einem recht harmlosen Zauber ins Land der Träume, das er erst wieder verlassen würde, wenn Harry selbst den Gegenzauber sprechen würde.

Ein Fluch warf ihn gegen die Wand, wo sein Kopf schmerzhafte Bekanntschaft mit den Steinen machte, sodass ihm kurz statt Auroren Sterne vor den Augen hin und her wuselten und sein Hirn unangenehm in seinem Schädel umher schwappte. An seinem Nacken fühlte er den warmen Fluss von Blut. Obwohl ihm ein wenig schwindlig war und ihm immer wieder ein wenig schwarz vor Augen wurde, warf er weiterhin mit Zaubern um sich, in der Hoffnung, nur die Gegner zu treffen. Aber die Gefahr, erwischt zu werden, wenn er nichts tat, war einfach zu groß.

Als er wieder halbwegs klar denken und sehen konnte, benutzte er wieder schwerere Zauber, die er eben vermieden hatte, um keinen Todesser ernsthaft zu verletzen. Er schaltete zwei weitere Auroren aus und wollte sich gerade den nächsten vornehmen, als dieser auch schon getroffen zu Boden ging. Keuchend bemerkte er, dass sie den Angriff überstanden hatten. Die meisten Auroren lagen bewusstlos in den Gängen oder waren so schwer verletzt, dass sie keinen Widerstand mehr leisten konnten.

Harry warf einen Blick hinter sich. Der Dunkle Lord stand an der Spitze der Todesser, den Zauberstab noch immer erhoben, und blickte ihn aus verengten Augen an. „Kannst du weiterkämpfen?"

„Wenn mich einer von dieser Platzwunde befreien könnte, dann ja.", knurrte er und wischte sich das klebrige Blut aus dem Nacken.

Remus trat zu ihm und strich vorsichtig die Haare zur Seite, um sich die Wunde ansehen zu können. „Es sieht zum Glück schlimmer aus, als es ist.", informierte er seinen Welpen und heilte die Wunde mit zwei schnellen Zaubern. „Besser?"

Harry warf ihm über die Schulter hinweg ein Lächeln zu. „Viel besser, danke." Er verschwieg absichtlich die starken Schmerzen in dem Gelenk, denn er wusste, dass dafür zwei Zauber nicht reichen würden. Da wären Tränke fällig und bis die Schmerzen weg waren und er den Arm wieder normal benutzen konnte, würde es fünf Tage dauern.

Die Gruppe war geschrumpft. Etwa die Hälfte der Todesser musste in den Gängen zurückgelassen werden, weil sie zu schwer verletzt waren, um sie mitnehmen zu können.

Von draußen hörten sie noch immer die Kampfgeräusche.

„Von wo haben die auf einmal so viele Auroren?", fragte sich Harry und blickte zu seinem Leitwolf in der Hoffnung, dass dieser ihm eine Antwort geben konnte.

Remus blickte grimmig geradeaus. „Sie haben Unterstützung aus anderen Ländern geholt. Ich habe schon ein paar Franzosen und Spanier gehört. Ich glaube, Deutsche waren auch dabei, aber so genau kann ich das nicht sagen."

„Verflucht!"

Der Dunkle Lord schritt unentwegt weiter. „Es ist zu spät, um umzukehren. Würden wir uns jetzt zurückziehen, würde der Widerstand beim nächsten Mal noch größer sein, weil sie dann mehr Zeit gehabt hätten, noch mehr Verstärkung zu holen.", erklärte er und deutete Remus, ein paar Meter vorauszugehen, um überprüfen zu können, ob sie wieder in eine Falle liefen.

Harry fragte sich, wie sein Leitwolf noch etwas genaues riechen oder hören konnte. In seiner Nase war noch immer von dieser Mischung aus Blut und Schweiß verklebt und seine Ohren klingelten ebenfalls noch etwas.

Sie kamen unbehelligt voran. Offenbar hatte nur an dieser Stelle eine feindliche Truppe gewartet. Doch Harry hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Vielleicht lag das auch nur an der leichten Gehirnerschütterung, die er mit Sicherheit von dem Zusammenprall mit der Wand davongetragen hatte, aber sein Magen zog sich mit jedem Meter, den sie Richtung Eingangshalle hinter sich brachten, immer mehr zusammen, bis ihm regelrecht schlecht wurde. „Irgendetwas stimmt hier nicht.", murmelte er und blickte sich unbehaglich um. Die Gänge waren leer und Remus schien keine Gefahr zu wittern, dennoch brüllten seine Instinkte auf. Seine Hand machte sich scheinbar selbständig und griff nach Remus, um ihn hinter sich zu ziehen. Gerade rechtzeitig, denn dort, wo der Werwolf eben noch gestanden hatte, schoss nun ein blauer Fluch durch die Luft.

„Scheiße!" Der Dunkle Lord brüllte den Befehl zum Angriff, als sich ihnen erneut eine Gruppe von Auroren in den Weg stellte. Sie strömten aus der Großen Halle und den Nebengängen und ergossen sich in die Eingangshalle. Harry war nicht in der Lage zu schätzen, wie viele es waren. Er hatte noch nie so viele Auroren auf einem Haufen gesehen und befürchtete, dass sie den Kampf verlieren würden.

Doch ehe der nächste Fluch abgefeuert werden konnte, dröhnten von draußen fremde Geräusche herein. Man hörte Auroren in wilder Panik Flüche schreien, die scheinbar nicht viel ausrichteten.

Der Dunkle Lord grinste. „Trolle und Riesen...", erklärte er und wartete einen Moment. Ein ohrenbetäubendes Brüllen erschallte und durch die Fenster sahen sie das Aufflackern einer riesigen Feuersäule. „Und Drachen..."

Harry hielt sich die Ohren zu. Obwohl er nicht gehört hatte, was der Dunkle Lord gesagt hatte, wusste er, was das Feuer zu bedeuten hatte. Er hatte schon einmal gegen einen Drachen kämpfen müssen. Wie – bei Merlins Bart – hatte er nur Drachen auftreiben können? Und wie stellte er sicher, dass sie nur die Auroren angriffen?

Das Brüllen der Drachen wurde plötzlich so leise und dumpf, dass Harry überrascht die Hände von den Ohren nahm und sich verwirrt umblickte. Remus nickte ihm lächelnd zu und deutete vage auf seinen Zauberstab. Er hatte einen Zauber gesprochen! Dankbar lächelte Harry zurück und richtete seine volle Aufmerksamkeit wieder an die Auroren, deren Reihen sich in dem Moment teilten, um Platz für Albus Dumbledore zu machen, der sich an die Spitze setzte.

Harry biss sich auf die Innenseiten der Wangen, um ruhig zu bleiben, doch in seiner Kehle kämpfte sich ein Knurren nach draußen, während sich seine rechte Hand um seinen Zauberstab herum verkrampfte.

Der alte Mann lächelte siegesgewiss und blickte den Dunklen Lord fast tadelnd an. „Ich wusste, dass du noch einen Angriff starten würdest, bevor die Schüler zurückkehren. Und mit der Zerstörung Askabans hast du meinen Verdacht bestätigt. - Es sieht dir gar nicht ähnlich, solche Fehler zu begehen, Tom."

Der Dunkle Lord antwortete nicht auf diese Provokation. Stattdessen zuckte kurz sein Stab, doch Dumbledore wehrte den Fluch ab. Nun aber stürzten sich die Todesser in den Kampf. Harry war das nur recht. Er hasste es zu Reden, wenn er den Schulleiter doch am liebsten Zerreißen würde.

Wütend wischte er zwei Zauber beiseite, die auf seinen Kopf gezielt waren, und setzte die Kleidung der Auroren in Brand. Es waren schwarz-magische Flammen, die nicht einfach mit einem Zauber gelöscht werden konnten. Unter Schmerzen schreiend rannten die Opfer herum, bis sie schließlich zusammenbrachen und leblos liegen blieben. Am Ende des Kampfes würden von ihnen nur verkohlte Kadaver übrig bleiben.

Erneut blockte Harry einen Zauber, der – wie er erstaunt feststellte – von Tonks gekommen war. Er hatte zwar nicht viel mit ihr zu tun gehabt, doch er mochte sie irgendwie. Deswegen würde er versuchen, sie nur kampfunfähig zu machen, ohne ihr ernsthafte Verletzungen zuzufügen. Sie war eine gute Kämpferin, das musste er ihr lassen. Dennoch schaffte er es nach ein paar Versuchen, sie mit einem leichten Zauber in die Bewusstlosigkeit zu schicken, die für die nächsten Stunden anhalten würde.

Ein Stück entfernt sah Harry, wie der Dunkle Lord sich mit Dumbledore duellierte. Ihre Zauber waren meist kaum zu sehen, weswegen sie schwer zu blocken sein mussten.

Er drehte sich um und ein bunter Fluch verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Fluchend schickte er dem Absenden den Stupor entgegen und direkt danach noch einen anderen. Beide wurden geblockt und mit anderen Zaubern beantwortet. Einem wich Harry aus, der anderen prallte an seinem Schutzschild ab. Hinter sich hörte er jemanden zusammenbrechen, doch er hatte keine Zeit nachzusehen, um wen es sich handelte.

Von der Seite griff ein Auror nach seinem rechten Handgelenk, doch Harry stieß mit dem linken Handballen zu. Blut spritzte aus der Nase des Mannes, der automatisch mit beiden Händen versuchte, den Blutfluss zu stoppen. Diesen Moment nutzte der junge Werwolf, um ihm den Zauberstab abzunehmen und ihm beide Handgelenke zu brechen, damit er niemandem mehr schaden konnte.

Von hinten traf ihn ein Zauber an der Seite unterhalb der Rippen, wo mit einem reißenden Geräuschen sowohl Kleidung als auch Haut aufplatzte. Stöhnend legte Harry eine Hand an die Wunde, während er sich umdrehte und dem Angreifer mit einem Fluch das Genick brach. Harry versuchte einen Heil-Zauber auf die Verletzung zu sprechen, doch sie schloss sich nicht, sondern schien sich – im Gegenteil – noch ein Stück weiter auszudehnen. Fluchend brach er den Versuch ab und kämpfte sich an den Rand des Schlachtfeldes, was gar nicht so einfach war. Sobald ein Auror ihn entdeckte, wurde er mit Zaubern eingedeckt, die er nur mit Mühe abblocken konnte.

Doch schließlich hatte er eine ruhigere Ecke gefunden. Nur ein verletzter Auror saß dort an die Wand gelehnt und presste ein zusammengeknülltes Hemd gegen eine böse aussehende Schnittwunde, die quer über seinem Bauch verlief. Der Mann hob den Kopf, als er Harry hörte, und grinste schief. „War nicht vorsichtig genug...", krächzte er mit einem starken spanischen Akzent und hob kurz den Stoff an einer Stelle an, um die Wunde zu zeigen.

Der Werwolf sah sofort, dass der Mann nicht mehr lange leben würde. Er verlor zu schnell zu viel Blut. „Ich denke nicht, dass Sie noch die Möglichkeit haben werden, aus diesem Fehler zu lernen.", antwortete Harry vorsichtig und lehnte sich ihn an die Wand, eine Hand noch immer auf der Wunde.

„Das denke ich auch." Es herrschte kurz Stille, die nur von dem Kampflärm und dem angestrengtem Atem der beiden Verletzten unterbrochen wurde. „Alonso", stellte er sich leise vor und grinste zu Harry empor.

„Harry."

Alonso lachte hustend, wobei er ein wenig Blut spuckte. „Ich weiß, für wen du dich ausgibst. Aber wer..." Er brach hustend ab und wischte sich mit der Hand das Blut von den Lippen. „Mierda!"

Mit einem gequälten Lächeln ging Harry in die Knie und richtete seinen Zauberstab auf den verletzten Bauch des Mannes. Dieser zuckte zuerst zurück, entspannte sich dann aber schnell, immerhin würde er so oder so sterben. Doch Harry murmelte ein paar Heil-Zauber, die tatsächlich ein wenig halfen. Die Blutung wurde weniger, bis sie schließlich gänzlich erstarb.

Erstaunt und unglaublich dankbar blickte Alonso den Werwolf an. „Warum hilfst du mir?"

Harry grinste schief. „Nur, weil ich die Seiten gewechselt habe, heißt das nicht, dass ich kaltblütig jemanden sterben lasse. Der einzige, den ich wirklich tot sehen will, ist Dumbledore.", erklärte er. „Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen sagt. Ich bin Harry Potter und wenn der alte Sack sich auf den Kopf stellt. Meine Identität kann er mir nicht nehmen."

Alonsos braune Augen weiteten sich überrascht. „Aber wenn du...! Wie kann dann...?" Er hustete wieder.

„Sprechen Sie nicht so viel. Warten Sie hier auf Hilfe.", empfahl Harry und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Seine eigene Wunde schmerzte immer noch entsetzlich und er spürte, dass der Blutverlust sich langsam bemerkbar machte. „Den anderen Harry zu erklären, würde jetzt zu lange dauern, aber wenn Sie durchhalten und nach dem Kampf noch einmal zu mir kommen, dann kann ich Ihnen die ganze Geschichte gerne erzählen." Er schloss die Augen und lehnte den Kopf gegen die Wand, um zu warten, bis sich der Schwindel gelegt hatte. Hinzu kamen nun auch noch Kopfschmerzen und seine linke Schulter pochte noch immer schmerzhaft. Sein ganzer Körper war von kleineren Schrammen und Schnitten übersät, die sich nun scheinbar zusammentaten, um ihn zu ärgern.

„Hast du es schon mit einem Heil-Zauber versucht?", wollte Alonso schließlich wissen.

Harry nickte. „Aber der hat das verdammte Ding nur vergrößert.", knurrte er und presste die Hand fester auf die Wunde.

„Dann weiß ich, welcher Fluch das war." Der Mann lehnte sich stöhnend ein Stück vor und richtete seinen Zauberstab auf Harry. Der nahm zögerlich die Hand von der Verletzung und blickte den Spanier prüfend an.

Der murmelte eine lange Formel. Ein rotes Licht sprühte aus der Spitze des Stabes und bedeckte die Wunde. Etwa zwanzig Sekunden später war an dieser Stelle nur noch heile Haut zu sehen und die Schmerzen dort waren verschwunden.

„Gegen den Blutverlust kann ich leider nichts machen.", gab Alonso leise zu und sank wieder gegen die Wand. Sein Atem kam schneller. Die Heilung war für ihn doch sehr anstrengend gewesen.

Harry blickte ihn erstaunt an. „Ich danke Ihnen."

Alonso grinste schief. „Sorge dafür, dass dieser Kampf schnell zuende geht, wenn du mir danken willst."

Stöhnend rappelte der Werwolf sich auf, wobei er sich einen Moment lang den Kopf hielt, als ihm plötzlich schwindlig wurde. „Ich versuche es.", versprach er, nickte dem verletzten Spanier noch einmal respektvoll zu und verließ ihre kleine ruhige Ecke.

Der Kampf war unermüdlich weitergegangen. Die beiden Seiten hatten sich inzwischen derartig vermischt, dass Harry kaum noch zwischen Feind und Verbündeten unterschieden konnte.

Er blockte einen verirrten Fluch ab, der eigentlich für einen der Auroren bestimmt gewesen war, warf dem Todesser ein „Pass doch auf!" entgegen und rammte einem Angreifer, der sich ihm von hinten genähert hatte, den Ellenbogen ins Gesicht. Als er dem nächsten Zauber auswich, stieß er mit dem Fuß gegen einen leblosen Körper. Harry warf nur einen schnellen Blick hinunter und stellte erschrocken fest, dass es Greyback war. Die aufgeschlitzte Kehle des älteren Werwolfs verriet ihm, dass er tot war.

Es blieb keine Zeit, sich groß über diesen Verlust Gedanken zu machen, denn die Auroren griffen ohne Rücksicht weiter an. Er blockte einen Fluch, feuerte einen ab, duckte sich unter einem violetten Zauber hinweg und fand sich plötzlich Minerva McGonagall gegenüber.

Sie blickte ihn aus verengten Augen an, den Zauberstab schützend vor sich.

Harry erwiderte den Blick, machte aber keinerlei Anstalten anzugreifen. Im Gegenteil: Er senkte seinen Stab ein wenig, um ihr zu zeigen, dass er keine Bedrohung für sie war. Gegen seine Hauslehrerin hatte er niemals einen Groll gehegt. Sie hatte ihm so oft geholfen und über Regelbrüche hinweg gesehen, dass er nicht bereit war, sie zu verletzten, nur weil sie Dumbledore Glauben schenkte.

Die ältere Frau hob erstaunt die Augenbrauen und starrte ihm ein paar Sekunden lang prüfend in die Augen, bevor alle Anspannung aus ihrem Körper wich und sie mit einem völlig fassungslosen Gesichtsausdruck nach hinten taumelte.

Harry machte einen Satz nach vorne, um sie zu stützten, damit sie nicht über einen am Boden liegenden Körper stolperte. „Setzen Sie sich lieber, Professor. Sie sehen nicht gut aus.", riet er ihr mit einem schiefen Lächeln, bevor er sich schnell umdrehte und zwei Angreifer außer Gefecht setzte, die offensichtlich zu Minervas Rettung eilen wollten.

Die Frau betrachtete die beiden Männer. „Sind sie tot?"

Kopfschütteln wandte Harry sich ihr wieder zu. „Nein. Nur bewusstlos." Er wischte sich Schweiß und Blut von der Stirn.

„Albus meinte, Sie wären ein Todesser, der sich nur für Harry Potter ausgibt."

Der Werwolf warf ihr einen kurzen Blick zu. „Und was denken Sie, Professor?" Sich umdrehend blockte er einen Fluch und sah erstaunt zu, wie sein Angreifer von Bellatrix Lestrange ausgeschaltet wurde. Die Frau war ihm noch immer unheimlich und das wahnsinnige Lächeln, das sie im Moment auf den dunkel geschminkten Lippen trug, verbesserte seinen Eindruck nicht wirklich. Zudem nahm er es ihr immer noch extrem übel, dass Sirius durch ihre Hand gestorben war. Aber inzwischen wusste er, dass so etwas nun einmal passieren konnte. Er hatte auch schon Menschen getötet, die er von früher gekannt hatte. Außerdem war Sirius auch ein wenig zu leichtfertig gewesen.

Mit einem Kopfschütteln zwang er sich zurück in das aktuelle Kampfgeschehen.

Minerva sah ihn aufmerksam an. „Sie sind wirklich Harry Potter.", antwortete sie auf seine Frage. „Seit dem letzten Angriff habe ich mich ein wenig informiert. Sie sagten, dass der Mister Potter, der die letzten Monate in Hogwarts gewesen war, ein Klon sei. Das würde zumindest erklären, warum er keine Erinnerungen mehr hat."

„Gar keine?" Harry hob die Augenbrauen, hatte Draco ihnen doch erzählt, dass der kleine Potter scheinbar ein paar Erinnerungen besaß.

Ein weiterer Fluch wurde geblockt.

Die Frau seufzte. „Nur oberflächliche. Das, was er wusste, wusste fast jeder von ihm – Ihnen... Was auch immer..." Sie zuckte mit dem Zauberstab und reflektierte so den Angriff eines Auroren, der auf Harry gezielt hatte. „Ich weiß noch nicht, was Sie dazu gebracht hat, sich demjenigen anzuschließen, der Ihre Eltern auf dem Gewissen hat, aber das werden Sie mir erklären, sobald hier alles vorbei ist."

Über Harrys Lippen flog ein grimmiges Lächeln. „Es wird für mich erst vorbei sein, wenn Dumbledore tot ist."

Minerva verzog das Gesicht. „Er mag vielleicht einige Fehler gemacht haben, aber müssen Sie ihm deswegen gleich den Tod wünschen? Er ist immer noch ein Mensch." Sie wusste, dass Dumbledore gelogen hatte, was Harry anging. Und offensichtlich hatte der Schulleiter den Jungen im Stich gelassen, als dieser seine Hilfe gebraucht hätte. Aber es musste noch mehr vorgefallen sein, wenn dieser sonst so friedliche Junge so rachsüchtig wurde.

Harry schnaubte. „Wie gesagt, wenn alles vorbei ist, erkläre ich Ihnen gerne, was passiert ist. Aber ich schwöre, dass mir nicht einmal meine Eltern den Seitenwechsel verdenken würden. Und was Dumbledores Tod angeht: Nur so kann ich sicher sein, dass es wirklich vorbei ist.", erklärte er, während er zwei weitere Flüche abwehrte. Danach taumelte er gegen die Wand, weil ihm schwarz vor Augen wurde. Der Blutverlust meldete sich aber auch in den ungünstigsten Momenten.

Plötzlich ging ein Ruck durch seinen Körper, sein Zauberstab flog ihm aus der Hand und er hob den Kopf. Dumbledore hatte den Dunklen Lord offensichtlich in dem Kampf abhängen können und stand nun keine fünf Meter von ihm entfernt, den Zauberstab auf die Brust des Werwolfs gerichtet. Ein triumphierendes Lächeln lag auf den alten Lippen. „Habe ich dich endlich."

„Albus!" Minerva hob die Hände und trat einen Schritt vor. „Was hast du vor?"

Der Schulleiter blickte mitfühlend zu ihr. „Du weißt, dass ich keine andere Wahl habe, als ihn zu töten."

„Muss das wirklich sein? Sind nicht schon genug Morde begangen worden?"

Harry wandte den Blick nicht von dem alten Mann ab und versuchte herauszufinden, wie er an seinen Zauberstab kommen konnte, um sich verteidigen und im Idealfall auch seinen Gegner zu töten. Doch Dumbledore ließ ihm keine Gelegenheit dazu. Die hellblauen Augen nahmen jede seine Bewegungen wahr.

„Sieh ihn dir doch an, Albus! Er ist noch ein halbes Kind!", beschwor sie ihn in der Hoffnung, das Leben ihres Schülers retten zu können, ohne den Schulleiter wissen zu lassen, dass sie wusste, dass er der echte Harry war. Denn sie wollte nicht wissen, was er tun würde, wenn er es herausfand.

„Er macht zu viel Ärger, Minerva. Warum setzt du dich eigentlich so für ihn ein? Er ist ein Todesser." Er machte eine unwirsche Geste in Harrys Richtung, worauf er wie von unsichtbaren Seilen umwickelt gegen die Wand gedrückt wurde, sodass er sich kaum noch bewegen konnte.

Dennoch umspielte ein leichtes Lächeln Harrys Lippen. „Bist du schon so feige, dass du dich an einem Siebzehnjährigen vergreifen musst?", höhnte er und zerrte an seinen unsichtbaren Fesseln.

„Albus, ich bitte dich! Liefern wir ihn doch einfach dem Ministerium aus.", bat Minerva den Schulleiter und machte Anstalten, sich zwischen den Werwolf und ihren Vorgesetzten zu stellen.

Dumbledore schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, Minerva. Das kann ich nicht." Damit belegte er sie mit dem Impedimenta. Bewegungsunfähig fiel sie zu Boden. Ohne weiter auf sie zu achten, wandte er sich wieder an Harry und zog die unsichtbaren Seile um ihn noch fester.

Harry biss die Zähne zusammen, als seine Schulter sich erneut brüllend meldete. Außerdem wurden seine Rippen eingedrückt, was ihm das Atmen erschwerte, und die Blutzufuhr zu dem Rest seines Körper wurde mehr oder weniger abgeschnürt. Bunte Punkte erschienen vor seinen Augen.

„Du hast länger überlebt, als ich es wollte.", stellte Dumbledore mit schief gelegtem Kopf fest, als würde er eines seiner merkwürdigen Instrumente begutachten, die oben in seinem Büro standen.

„Wie kannst du überhaupt denken, entscheiden zu können, wie und wann ich zu leben habe?", wollte Harry keuchend wissen. Wut peitschte durch seinen Körper und ersetzte ein wenig das eigentlich dringend benötigte, aber abgeschnürte Blut.

„Oh", machte Dumbledore, „aber ich kann das entscheiden. Immerhin gehörst du mir."

Harry blinzelte. „Ich... was?"

„Ich habe dich erschaffen. Du bist meine Kreation. Ohne mich, wärst du nicht hier.", erklärte er, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Dass du das nicht verstehen kannst, ist nur klar. Ich hatte mich eh gewundert, dass du dazu in der Lage zu sein scheinst, eigenständig zu denken."

Harry hörte, was der Mann sagte, doch so ganz wollte und konnte er den Sinn nicht verstehen.

„Du bist nicht auf natürlichem Weg zur Welt gekommen. Du bist kein Wesen wie die anderen. Du besitzt keine Rechte und deine Pflicht ist es, mir, deinem Erschaffer, zu dienen."

Der Mann hatte den Verstand verloren. Ganz eindeutig!, dachte Harry fassungslos und kniff die Augen zusammen, um seine Sicht wieder zu klären.

„Ich habe dir nur eine einzige Aufgabe gegeben und dafür hattest du siebzehn Jahre Zeit. Aber selbst DAS hast du nicht hinbekommen und hast dich schließlich sogar von mir abgewandt." Dumbledores Blick wurde unheimlich. „Da du mir nicht mehr dienst, habe ich auch jedes Recht dazu, deine Existenz zu beenden."

Harry riss die Augen auf. Er wusste, dass nun der Todesfluch folgen würde und er konnte nichts dagegen tun. Hoffentlich hatte die Prophezeiung Recht und er konnte nur durch die Hand des Dunklen Lords sterben. Und so, wie es aussah, würde er das gleich herausfinden.

Dumbledore richtete seinen Zauberstab entschlossen auf den Werwolf. „Avada Kedavra!" Ein grüner Blitz schoss aus der Spitze.

Traurig senkte Harry den Kopf. Er spürte die Macht des Fluches, lange bevor er auch nur in seiner Nähe war. Das würde er nicht überleben.

„Harry!" Remus' Stimme erschallte und Harry riss den Kopf hoch, nur um zu sehen, wie sein Leitwolf sich vor ihn warf und den grünen Blitz mit seinem Körper abfing. Er drang in dessen Brust ein und warf den Werwolf zu Boden, wo er leblos liegen blieb.

Der Lärm der Schlacht um sie herum drang plötzlich nicht mehr zu Harry durch. Er starrte auf den Mann, der ihm das Leben gerettet hatte.

Der Mann, der ihm in den letzten Monaten beigestanden und ihm sogar auf die dunkle Seite gefolgt war.

Der Mann, der ihm bei jedem Vollmond zur Seite gestanden und ihm geholfen hatte, mit seinem neuen Wesen zurecht zu kommen.

Der Mann, der bereit gewesen war, sein ganzes Leben hinter sich zu lassen, um seinem Welpen ein eigenes zu ermöglichen.

Der Mann, der ihm in der letzten Zeit ein Vater gewesen war.

Tränen traten in Harrys Augen. Er wollte nicht glauben, dass Remus wirklich... Er konnte es nicht einmal denken. Fassungslos blickte er auf den reglosen Körper, doch tief in sich wusste er, dass sein Leitwolf nicht mehr am Leben war. Die tiefe Verbundenheit, die er sonst mit ihm gehabt hatte, war verschwunden. Remus' Wesen hatte seinen Körper verlassen.

Als diese Erkenntnis in Harrys Bewusstsein sickerte, krampfte sich alles in ihm zusammen. Sein Körper fühlte sich an, als würden seine Organe nicht mehr genug Platz haben und nun nach draußen drängen. Sein Hals war zugeschnürt und er bekam keine Luft mehr. Schmerzhaft schrien seine Lungen nach Sauerstoff, doch seine Muskeln hatten sich derartig verkrampft, dass einatmen nicht möglich war.

Doch ein Gefühl, das von den tiefsten Tiefen seines Herzens aufstieg und schließlich brüllend nach draußen preschte, zwang seinen Körper zum Atmen, zwang seinen Körper zur Bewegung, obwohl die unsichtbaren Seile ihn noch immer fest umfassten. Doch sie rissen unter der Veränderung, die Harrys Körper schüttelte. Hasserfüllte grüne Augen starrten den Schulleiter an, während sich der Rest von Harry in den riesigen Wolf verwandelte und wütend die Zähne fletschte.

Der Werwolf war nicht mehr in der Lage dazu, rational zu denken. Der Hass trieb ihn an, die Rachsucht ließ ihn alle Schmerzen und Verletzungen vergessen, während er sich auf den alten Schulleiter stürzte, der ihn überrascht ansah, bevor Harry seine langen Zähne in dessen Kehle versenke und mit einem Ruck das Fleisch heraus riss. Blut sprudelte aus der riesigen Wunde und lief über Harrys Lefzen, während Dumbledore noch einmal röchelnd nach Luft zu schnappen versuchte und dann verblutete oder an seinem eigenen Blut erstickte. Dem Wolf war gleich, welches davon zutraf. Er leckte sich die Lefzen und schmeckte die metallische Flüssigkeit. Er überzeugte sich noch einmal davon, dass sein Feind wirklich tot war. Doch um ganz sicherzugehen, nahm er dessen Genick zwischen die Kiefer und biss mit aller Kraft zu. Unter dem Druck gaben Haut, Sehnen und Blutgefäße nach und schließlich auch die Knochen, sodass der Kopf mit einem dumpfen Schlag zu Boden fiel und ein Stück davonrollte.

Einen Moment lang blickte der Wolf dem abgetrennten Körperteil noch nach, bevor er sich erschöpft abwandte und mit hängendem Kopf zu Remus trottete. Sein Leitwolf lag auf der Seite, die hellbraunen Augen weit aufgerissen, doch sie waren dumpf und leer. Seine Kleidung war zerrissen und an einigen Stellen blutgetränkt. Doch ob es seines oder das seiner Gegner war, spielte nun keine Rolle mehr.

Harry spürte seine eigenen Verletzungen nicht. Er hörte den Lärm der Schlacht um ihn herum nicht, die Schreie der kämpfenden Männer und Frauen, das Sirren der Zauber und Flüche, das Stöhnen und Röcheln der Verletzten und Sterbenden. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf den Leichnam seines Leitwolfes gerichtet. Sanft stupste er den Werwolf mit der Nase an, doch es geschah mehr aus Verzweiflung als aus der Hoffnung heraus, dass der Mann dadurch erwachen würde. Mit einem erstickten Winseln kuschelte Harry sich an den Toten, unfähig, ihn zurückzulassen.

Er bemerkte nicht, wie der Kampf um ihn herum weiterging.

Er bemerkte nicht, wie Minerva sich von dem Lähmungsfluch erholte und sich langsam aufrappelte.

Er bemerkte nicht, wie die Frau neben ihm in die Knie ging und ihm nach kurzem Zögern eine Hand auf den Rücken legte.

Alles, was er bemerkte, war, dass die Wärme aus Remus' Körper wich, der Geruch seines Leitwolfes sich langsam veränderte.

Sein eigener Körper war merkwürdig taub. Er spürte keine Schmerzen, aber auch keine Trauer oder Wut. Nichts... Nur eine Leere. Als hätte Remus' Tod ihm die Fähigkeit genommen, zu fühlen.

„Harry?"

Langsam hob er den Kopf ein wenig, nicht genug, um den Körperkontakt zu Remus zu verlieren, aber genug, um denjenigen, der ihn angesprochen hatte, anzusehen.

„Sie sollten von hier verschwinden."

Harry schüttelte langsam den Kopf. Er konnte nicht weg. Er konnte Remus nicht allein lassen. So legte er seinen Kopf wieder auf die Schulter seines Leitwolfes und schmiegte sich enger an den kälter werdenden Körper.

„Nein!" Die Harry-Kopie, die sich durch die Masse gedrängt hatte, starrte entsetzt auf den kopflosen Leichnam des Schulleiters, bevor sein Blick zu dem schwarzen Wolf wanderte, dessen Schnauze blutverschmiert war und der neben einem toten Mann lag. Neben dem Tier kniete Professor McGonagall, eine Hand in dem dichten Fell der Schultern.

Doch sie erhob sich, sobald sie den schwarzhaarigen Jungen entdeckte.

„Er hat..." Er warf noch einen kurzen Blick zu dem, was von Dumbledore übrig war, doch er wandte sich schnell wieder ab. Dieser Anblick war mehr, als ein Fünfzehnjähriger verkraften konnte. „Er... Professor Dumbledore..." Kopfschüttelnd taumelte er ein paar Schritte zur Seite, bevor er sich mit grimmiger Entschlossenheit fing und seinen Zauberstab auf den schwarzen Wolf richtete.

„Mister Potter, ich bitte Sie...", richtete Minerva das Wort an ihn, wobei sie beruhigend beide Hände hob.

Harry hob teilnahmslos den Kopf und blickte seinem jüngeren Ich müde entgegen.

„Er hat den Professor umgebracht." Die Harry-Kopie biss die Zähne zusammen, der Stab in seiner Hand zitterte. Rote Funken stoben aus der Spitze.

Der Wolf knurrte, wobei er leicht die Zähne fletschte. Er hatte eigentlich nicht vor, dem Jungen etwas zu tun, wusste er doch, dass er selbst in seiner Situation nicht anders handeln würde. Doch er würde sich bestimmt nicht tatenlos verfluchen lassen, denn dann wäre Remus umsonst gestorben.

„Mister Potter, ich bitte Sie! Senken Sie Ihren Stab!", versuchte Minerva ihn zu beruhigen. Sie wusste, dass es kein gutes Ende nehmen würde, wenn auch noch diese beiden aufeinander losgehen würden, zumal der Junge keine Chance gegen einen ausgewachsenen Werwolf hatte, der gerade seinen Leitwolf verloren hatte. „Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie ihn angreifen."

Grüne Augen richteten sich auf die ältere Frau. „Aber er hat den Professor getötet. Er ist ein Mörder und ein Todesser!", widersprach er und zuckte erschrocken zusammen, als Harry ihn wütend anbellte.

„Ich finde es auch nicht gut, dass er ihn getötet hat. Aber er hat sich nur verteidigt." Als sie sah, dass der Junge noch immer keine Anstalten machte, den Stab zu senken, griff sie zu anderen Mitteln. „Sie wissen so gut wie ich, dass Sie keine Chance gegen ihn haben. Wollen Sie wirklich Ihr Leben wegwerfen? Denn eins kann ich Ihnen sagen: Wenn Sie ihn", sie deutete auf den schwarzen Wolf, der sich langsam erhoben hatte, um sich im Notfall sofort wehren zu können, „angreifen, macht er kurzen Prozess mit Ihnen und niemand hier wäre in der Lage, ihn aufzuhalten." Etwas ruhiger fuhr sie fort. „Werfen Sie Ihr Leben nicht weg."

Der Junge biss sich auf die Lippe und warf einen unruhigen Blick zu Harry. Er hatte gehört, dass Werwölfe sich nicht unter Kontrolle hatten und wahllos jeden anfielen, wenn sie in ihrer Wolfsform waren. Doch dieser hier stand ganz ruhig über dem Leichnam des Mannes und sah ihn einfach nur aufmerksam an. „Glauben Sie ihm? Dass ich sein Klon bin, meine ich."

Harry ahnte, dass der Junge nun keine Bedrohung mehr darstellen würde. So ließ er sich einfach wieder dicht an Remus geschmiegt nieder und winselte leise. Dass Minerva auf die Frage hin nickte, bemerkte er nicht.

Als hätte ihn plötzlich die Energie verlassen, ließ der Junge seinen Arm fallen, in dem der Stab lag. Auch er hatte sich in den letzten Tagen schlau gemacht und ein paar Muggelbücher gewälzt, um herauszufinden, was ein Klon war. Nun wurde ihm gesagt, dass er selbst nur eine Kopie eines anderen war. Professor Dumbledore hatte es doch vehement geleugnet! Kopfschüttelnd wurde ihm klar, dass auch er angelogen worden war. Doch der alte Mann musste gute Gründe für sein Handeln gehabt haben. „Es ändert nichts.", meinte er schließlich und blickte seine Hauslehrerin entschlossen an. „Er hat mich erschaffen, um Voldemort zu vernichten. Und genau das werde ich..." Mit einem überraschten Ausdruck im Gesicht verstummte er und fiel zu Boden.

Hinter ihm stand der Dunkle Lord, den Zauberstab erhoben. Er sah ziemlich angeschlagen aus, hatte zahlreiche Wunden und Blut lief ihm über das Gesicht und die Arme. Doch nun, das er die Harry Potter-Kopie aus dem Weg geräumt hatte, schlich sich ein zufriedenes Lächeln auf seine schmalen Lippen. Dann richtete er seinen Stab in die Luft. „Morsmordre!" Ein unheimliches Licht schoss aus der Spitze, das an der Decke der Großen Halle – Harry bemerkt erst jetzt, dass sie sich darin befanden – das Dunkle Mal formte. Unheilvoll schwebte es unter dem verzauberten Gebälk, das den sich langsam aufhellenden Nachthimmel zeigte.

Die Todesser, die das Zeichen bemerkten, brachen in Jubelschreie aus, denn sie wussten, dass die beiden Hauptgegner dieser Schlacht gefallen sein mussten, während die Auroren etwas verunsichert zurückwichen. Niemals hätten sie damit gerechnet, dass Albus Dumbledore und Harry Potter getötet werden konnten. Der Schulleiter schien immer so vorausschauend und mächtig gewesen zu sein und der Junge-der-lebt war eine Legende für sich.

Einer der Auroren knirschte mit den Zähnen, bevor er widerwillig den Befehl zum Rückzug gab. Er hatte gesehen, dass sie eindeutig in der Unterzahl waren, dabei waren die Todesser draußen und die Trolle, Riesen und der Drache noch gar nicht mitgezählt. Sie mussten den Todessern Hogwarts vorerst überlassen, wenn sie eine Chance haben wollten. So zogen sich die Auroren langsam zurück, wobei einige es nicht weit schafften. Kaum verließen sie das Schloss durch das große Portal, sahen sie sich den Trollen und Riesen gegenüber und ihre Zahl wurde nochmals reduziert.

Triumphierend stand der Dunkle Lord in der Großen Halle, dort, wo normalerweise Dumbledore zu Beginn jedes neuen Schuljahres die neuen Schüler willkommen hieß und seine übliche Rede hielt. Er breitete die Arme aus und beobachtete amüsiert, wie die Auroren sich durch seine Anhänger kämpften. Als alle seine Gegner verschwunden waren, ergriff er das Wort. „Endlich ist es vollbracht! Albus Dumbledore ist tot!", verkündete er feierlich.

Erneut jubelten die Todesser, doch Harry winselte nur leise. Ihm war ganz und gar nicht nach Feiern. Am liebsten würde er seinen Leitwolf nehmen und verschwinden. Diese ganzen Kämpfe hatten ihm zwar seine Rache beschert, aber er hatte auch Remus verloren. Ob es anders gelaufen wäre, wenn er nicht mitgekommen wäre? Wäre er dann noch am Leben?

Diese und andere ähnliche Gedanken gingen dem Wolf durch den Kopf und mit jedem wuchs das schlechte Gewissen in ihm weiter an. Unbewusst hatte er die Ohren eng angelegt, die Rute zwischen die Hinterläufe gezogen und sich selbst so klein wie möglich gemacht, ohne sich von seinem Leitwolf zu lösen. Er hörte dem Dunklen Lord überhaupt nicht zu und fuhr erschrocken zusammen, als dieser ihn plötzlich ansprach.

„Potter, du solltest zurückkehren."

Harry ignorierte ihn.

„Potter, es macht keinen Sinn, hierzubleiben. Deine Freunde warten auf dich."

Er schnaubte leicht. Seine Freunde warteten auch auf Remus, verdammt noch mal! Mit Schrecken dachte er an Calantha. Die Frau würde am Boden zerstört sein, immerhin hatte sie ihren Mann verlassen, weil sie bei Remus bleiben wollte.

Winselnd machte Harry sich noch kleiner. Er hatte nicht nur Remus' Leben auf dem Gewissen, sondern auch ihres!

Plötzlich bemerkte er, wie sich Remus Körper langsam von ihm weg bewegte. Erschrocken hob er den Kopf. Der Dunkle Lord hatte den Zauberstab auf den Leichnam gerichtet und ließ ihn nun hinter sich her schweben.

Harry reagierte instinktiv. Er sprang grollend auf und knurrte den Dunklen Lord mit gefletschten Zähnen aggressiv an. An sich wusste er ja, dass er nicht ewig hierbleiben konnte, doch er wollte nicht, dass ihm Remus weggenommen wurde.

Ein paar Todesser, die in der Nähe standen und die Situation beobachteten, zückten in weiser Voraussicht ihre Zauberstäbe. Sie trauten dem Werwolf durchaus zu, dass er ihren Anführer angriff, und das wollten sie verhindern. Doch der Dunkle Lord gab ihnen zu verstehen, dass er die Lage im Griff hatte. Die rot-blauen Augen fixierten den Wolf aufmerksam, während er den Leichnam von Remus zu denen der anderen gefallenen Todesser schweben ließ.

Doch kaum war sein Leitwolf etwa zwei Wolfslängen von ihm entfernt, machte Harry einen gewaltigen Satz in Richtung des Dunklen Lords. Der aber hatte mit dieser Reaktion gerechnet und schleuderte dem Tier einen Schock-Zauber entgegen, dicht gefolgt von dem Rückverwandlungszauber, der Harry, obwohl er sich gegen die Wirkung wehrte, ihn in seine menschliche Gestalt zurückdrängte.

Bewegungslos lag der Werwolf am Boden, die Augen geweitet. Nur langsam wurde ihm bewusst, dass der Schock-Zauber aufgehoben worden war, und dementsprechend zögerlich richtete er sich auf. Sein Blick war starr auf seinen Leitwolf gerichtet, doch außer einer unglaublichen Leere empfand er nichts. Er wusste, dass es falsch war. Er musste etwas fühlen beim Anblick des leblosen Körpers. Doch da war nichts. Nicht einmal seine Verletzungen taten ihm weh.

Der Dunkle Lord bemerkte, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmte. Er schickte seine Todesser weg mit dem Auftrag, das Schloss nach Verletzten oder Toten zu durchsuchen. Dann erst ging er zu ihm. „Potter, du solltest wirklich zurückkehren."

Doch Harry schüttelte nur den Kopf. Es erfüllte ihn mit Angst und Entsetzten, wenn er daran dachte, Remus zurückzulassen. Als er spürte, wie der Dunkle Lord ihm eine Hand auf die Schulter legen wollte, wich er zurück. Er würde sich nicht von seinem Leitwolf trennen lassen.

Seufzend trat der Dunkle Lord einen Schritt zurück. Wenn er den Jungen jetzt gegen seinen Willen hier wegschaffte, würde das nur im Chaos enden. So rief er den Todesser zu sich, der an der Flügeltür Wache gestanden hatte, zu sich und berührte das Dunkle Mal auf dessen Unterarm. Danach gab er ihm noch eine Anweisung und schickte ihn wieder weg.

Währenddessen war Harry zu dem Leichnam getreten und strich diesem nun sanft durch die graumelierten hellbraunen Haare. Kurz führte er seine Hand zu dessen Gesicht, um dem Werwolf sehr vorsichtig die leeren Augen zu schließen. „Es tut mir so leid, Remus...", flüsterte er. Immer wieder wiederholte er diesen kleinen Satz und so fand ihn schließlich auch Hermine, die von dem Dunklen Lord gerufen worden war.

Sie schlug sich die Hände vor den Mund, als sie den älteren Werwolf tot dort liegen sah, neben dem sein völlig abwesender Welpe saß. „Es tut mir so leid...", hörte sie ihn leise sagen und musste kurz den Blick abwenden, um die Tränen zu unterdrücken, was allerdings kläglich scheiterte. Sie schluckte schwer und überbrückte die letzten Meter zwischen ihnen. Neben ihrem Freund kniete sie sich auf den Boden und legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter, doch er schien sie gar nicht wahrzunehmen. „Harry..."

Ein Ruck ging durch seinen Körper, bevor er den Kopf drehte und sie ängstlich anblickte. Seine Hand griff nach ihrer und er schien nicht gewillt, sie noch einmal loszulassen. „Mine..." Seine Stimme war leise und erstickt, als würde er weinen, ohne Tränen zu vergießen.

Sie hob einen Mundwinkel in dem Versuch, beruhigend zu lächeln. Wortlos legte sie ihre Arme um ihn und drückte ihn an sich. Mit einer Hand strich sie ihm zärtlich durch die Haare, die andere lag in seiner, die beinahe krampfhaft festgehalten wurde, als wollte er verhindern, dass sie ihn verließ. Trotz ihrer Trauer um Remus verstand sie, was gerade in ihrem Freund vorging. Er hatte schon wieder jemanden verloren, den er geliebt hatte. Und so, wie er sich benahm, war Remus vor seinen Augen gestorben, um seinen Welpen zu schützen.

„Keine Angst.", versicherte sie ihm und legte ihre nasse Wange an seinen Kopf. „Ich lass dich nicht allein." Sie wiederholte diesen Schwur unzählige Male, doch Harry schüttelte nur immer wieder den Kopf, als könnte er ihr nicht glauben. Trotzdem verstummte sie nicht. Unaufhörlich strich sie ihm durch die Haare oder über den Rücken, während Tränen über ihre Wangen liefen.

Nach einer Weile schob sie ihn sanft ein wenig von sich, um ihn ansehen zu können. Ihr Blick suchte seinen und hielt ihn fest. „Wir sollten zurück. Draco ist halb panisch vor Angst um dich." Dass sie kommentarlos vom Dunklen Lord zum Schlachtfeld beordert worden war, hatte das nur noch schlimmer gemacht.

Harry schüttelte wieder den Kopf. „Nicht ohne..." Er warf einen Blick zu Remus, bevor er damit fortfuhr, seinem toten Leitwolf durch die Haare zu streichen. „Es tut mir so leid..." Er lächelte traurig. „...Dad..."

Hermine schluchzte auf. Doch sie versuchte, sich wieder fangen. „Harry, bitte. Komm mit.", flehte sie erstickt. „Wir werden ihn angemessen bestatten, aber..."

„Ich will ihn nicht allein lassen.", widersprach er.

„Das ist er doch aber nicht." Sie legte eine Hand an seine Wange und zwang ihn, sie anzusehen. „Du weißt so gut wie ich, dass Remus nicht mehr hier ist. Und dort, wo er jetzt ist, wird er niemals allein sein...", schluchzend brach sie ab und kniff die Augen zu, aus denen immer mehr Tränen quollen.

Harry legte den Kopf schief, als würde er über ihre Worte nachdenken. Sie wunderte sich, dass er noch immer keine einzige Träne vergossen hatte. Doch auf der anderen Seite stand er bestimmt noch unter Schock.

Er wandte sich von ihr ab, ohne ihre Hand loszulassen, und beugte sich über den Leichnam. Mit den Fingern ordnete er Remus' Haare ein wenig und fuhr dann kurz über dessen leblosen Körper. Die Wunden des toten Werwolfs schlossen sich, die Blutspuren verschwanden, die Kleidung richtete und reparierte sich. Er sah nun wieder so aus wie zu dem Zeitpunkt, als sie zusammen aus der Schule disappariert waren, als hätte die Schlacht ihn überhaupt nicht berührt. Dann drückte Harry ihm noch einen Kuss auf die Stirn. „Ich hab dich lieb, Dad."

Er ließ es zu, dass Hermine ihn sanft auf die Füße zog, wobei er die Hand seines Leitwolfes so lange wie möglich festhielt. Als er sie dann aber loslassen musste, fiel sie mit erschreckender Endgültigkeit zu Boden. Nun flossen endlich die ersten Tränen über seine Wangen und er biss sich auf die Lippen, um keinen Laut von sich zu geben.

Hermine legte ihm den freien Arm um die Schultern und dirigierte ihn sanft zur Flügeltür, wobei Harry den Blick keinen Moment lang von Remus nahm, obwohl seine Sicht immer mehr verschwamm. Als sie die Halle schließlich verließen und der Leichnam aus seinem Blickfeld verschwand, schluchzte Harry herzzerreißend auf und wäre zu Boden gegangen, wenn Hermine ihn nicht gehalten hätte. Seine Beine schienen sein Gewicht nicht länger halten zu können, weswegen sie ihn so schnell es ging zurück zur Schule brachte. Mit Dumbledores Tod hatte langsam der Apparierschutz um Hogwarts an Kraft verloren, sodass sie nun mit ein wenig Konzentration hindurch gelangen konnten.