Der Salon lag im Halbdunkeln, die einzige Lichtquelle war ein Feuer, das im Kamin prasselte. Der Dunkle Lord saß am Kopfende des langen Tisches und blickte mit ausdruckslosem Gesicht auf seine Todesser. Rabastan saß neben seiner Schwägerin Bellatrix und den Malfoys. Ihm gegenüber waren Yaxley und Dolohow. Severus Snape saß rechts von Voldemort. Alle sahen gespannt zum Lord und warteten. Ihre Versammlung war noch nicht eröffnet worden, da noch einige Stühle unbesetzt waren.
„Wie es den Anschein hat, verspäten sich einige unserer Freunde", bemerkte der Dunkle Lord leicht verärgert und ungeduldig. Er tippte langsam mit seinen langen, dürren Fingern auf den Tisch.
Wie auf das Stichwort wurde die Tür zum Salon aufgestoßen. Alle Köpfe wandten sich in Richtung zweier Personen, die schnell hereintraten und sich verbeugten. Sie trugen lange schwarze Umhänge und ihre Gesichter waren von Kapuzen verborgen.
Eine Frau zog sich die Kapuze vom Kopf und sah demütig zu Boden.
„Verzeiht unsere Verspätung, My Lord", sagte sie leise.
„Ich hoffe, ihr habt eine gute Erklärung dafür", sagte Voldemort streng. „Setz dich."
Die Frau nickte und nahm auf dem freien Platz neben Yaxley Platz.
„My Lord, ich habe sehr gute Nachrichten", begann sie. „Ich darf vermelden, dass die Übernahme des Ministeriums sehr gut vorankommt." Sie tauschte einen kurzen Blick mit Yaxley, der zustimmend nickte. „Desweiteren kann ich berichten, dass wir dabei sind, den Tagespropheten in unsere Gewalt zu bringen."
Alle Todesser am Tisch regten sich. Leises Getuschel war zu vernehmen. Der Dunkle Lord nickte anerkennungsvoll.
„Wir haben es geschafft, den Chefredakteur mit einem Imperius-Fluch zu belegen", schloss die Frau. „Es wird nicht lange dauern, bis wir vollen Einfluss auf die Veröffentlichungen der Zeitung haben."
„Eine äußerst erfreuliche Neuigkeit", sagte Voldemort und sein Mund verzog sich zu einem Lächeln. „Eure Verspätung sei euch verziehen. Ja, meine lieben Freunde, es wird nicht mehr lange dauern."
Er sah in die Runde und alle warteten gespannt auf die Ankündigungen, die der Lord machen würde. Ihre Versammlung dauerte eine halbe Stunde. Der Dunkle Lord vergab neue Aufträge an seine Todesser. Er befahl Alecto und Amycus Carrow als Lehrer nach Hogwarts und eröffnete ihnen, dass Snape Dumbledores Stellung als Schulleiter von Hogwarts einnehmen würde. Desweiteren erklärte Voldemort, dass er vorhatte, seinen Namen mit einem Zauberspruch zu belegen, sodass die Mitglieder des Ordens des Phönix, die den Namen frei aussprachen, besser aufgespürt werden konnten.
„Wenn die Übernahme des Ministeriums abgeschlossen ist, werden sich Macnair und Rookwood um unseren Freund Scrimgeour kümmern. Ihr werdet so viele Informationen wie möglich von ihm erzwingen, bestenfalls den Aufenthaltsort des Potter-Jungen", sagte Voldemort, worauf die beiden Angesprochenen nickten.
„Ja, My Lord."
„Für alle anderen gilt weiterhin. Der Potter-Junge gehört mir. Ich will, dass ihr ihn zu mir bringt. Ihr werdet ihn nicht anrühren, diese Ehre gebührt mir. Was seine Freunde anbelangt … Die Ordensmitglieder könnt ihr töten, die beiden Kinder werdet ihr unversehrt lassen, bestenfalls hierher bringen. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Ein zustimmendes Raunen ging um den Tisch.
„Unser Zusammentreffen ist hiermit beendet. Geht jetzt", sagte der Dunkle Lord hart und erhob sich. Er trat vor den Kamin, in dem sich die orangen Flammen knisternd durch die Holzscheite fraßen.
Seine Todesser taten wie geheißen und verließen den Salon. Rabastan schloss sich ihnen an und wollte mit Bellatrix hinausgehen, doch Voldemort hielt ihn zurück.
„Du nicht, Rabastan."
Rabastan hielt inne und wandte sich langsam um. Bellatrix wirkte für einen Moment entgeistert, warum der Lord nur Rabastan, nicht aber auch sie zu sich rief, ihr blieb jedoch nichts andere übrig, als mit ihrer Schwester widerwillig hinauszugehen.
„Schließ die Tür."
Rabastan wartete, bis der letzte Todesser den Raum verlassen hatte, dann schloss er mit einem Schwung seines Zauberstabes die Türen. Der Dunkle Lord stand mit dem Rücken zu ihm am Feuer und schien tief in Gedanken versunken.
„My Lord …", fragte Rabastan vorsichtig. „Ihr … wolltet mich sprechen?"
„Ja, in der Tat, Rabastan, das wollte ich."
Voldemort wandte sich vom Kamin ab und schritt auf Rabastan zu. Er blieb direkt vor ihm stehen. Die beiden Männer waren auf Augenhöhe. Rabastan sah für einen Moment in die schlitzartigen Pupillen und ein kalter Schauer durchfuhr ihn. Instinktiv löste er sich von allen Gedanken und machte seinen Geist von allem frei. Der Lord musterte ihn eindringlich, dann wandte er sich ab und schritt langsam um ihn herum.
„Rabastan, wie mir zu Ohren kam, ist dein Bruder in der vergangenen Nacht verstorben?"
Kein Bedauern, kein Mitleid lag in der Stimme des Lords.
„Ja, My Lord. Rodolphus hat die Folgen des Absturzes nicht überlebt. Er erlag seinen Verletzungen", antwortete Rabastan und er musste sich zusammennehmen, dass seine Stimme nicht zitterte. Ein Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet. Das Bild seines leblosen Bruders blitzte vor seinem geistigen Auge auf.
„Ein Jammer. Ich bedauere den Verlust deines Bruders. Er war einer meiner besten und ergebensten Diener. Die Lestranges haben mir in der Vergangenheit immer gute Dienste erwiesen."
„Ja, My Lord", sagte Rabastan.
„Der Grund, warum ich dich hierherbestellt habe, ist der, dass ich deine Dienste in Anspruch nehmen muss, Rabastan. Und weil ich weiß, dass du niemals vor einer Aufgabe, die ich dir stelle, zurückschrecken würdest."
„Natürlich, was immer Ihr verlangt."
Voldemort verschränkte die Arme auf dem Rücken. „Die letzte Nacht und mein erneutes Scheitern, den Potter-Jungen zu bekommen, haben mir vor Augen geführt, dass ich Fehler in der Vergangenheit begangen habe. Ich habe Harry Potter unterschätzt. Doch dies wird mir kein weiteres Mal passieren."
Rabastan verstand nicht. „Was meinen Sie, My Lord?", fragte er erstaunt.
„Ich habe meine Aufmerksamkeit zu sehr auf den Potter-Jungen konzentriert. Das war ein verheerender Trugschluss. Dabei habe ich übersehen, dass der Junge nicht allein handelt. Sein Überleben hing immer davon ab, dass er es sehr gut versteht, andere vorzuschieben und andere für sich arbeiten zu lassen. Ohne die Hilfe seiner Freunde und anderer wäre mir der Sieg längst vergönnt gewesen. Ich war blind."
Der Dunkle Lord schritt zum Fenster und sah kurz hinaus auf den Garten des Malfoyschen Anwesens, dann wandte er sich direkt an Rabastan.
„Die letzte Nacht hat mir etwas Entscheidendes gezeigt. Ich werde Harry Potter nur vernichten können, wenn ich die vernichte, die ihm am nächsten stehen. Seine Freunde."
„Meinen Sie damit den Weasley-Jungen, My Lord?", fragte Rabastan, der aus Dracos Erzählungen erfahren hatte, dass Harry Potter und ein Abkömmling der Familie Weasley eng verbandelt waren.
„In der Tat, ich spreche aber noch von einer weiteren Person. Harry Potter nennt auch ein Schlammblut seine engste Vertraute. Ihr Name lautet Hermine Granger. Geboren in eine Muggelfamilie, doch wie man sich sagt, eine äußerst begabte Hexe. Sie ist der Verstand des glorreichen Trios und wahrscheinlich die größte Schwachstelle des Jungen."
„Ich … ich begreife immer noch nicht, My Lord", musste Rabastan zugeben, der nicht verstand, worauf das Gespräch hinauslaufen sollte.
„Das Ministerium steht kurz vor seiner Übernahme, dank der hervorragenden Arbeit die Yaxley geleistet hat", fuhr Voldemort fort. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zaubererwelt mir gehört. Der Weasley-Junge wird durch seinen Blutstatus geschützt werden. Seine Familie ist ein unliebsamer Dorn im Auge, aber nicht greifbar. Sie sind Blutsverräter, aber Reinblüter, nichtsdestotrotz. Das schwache Glied in der Kette ist das Granger-Mädchen."
Draußen war ein schwaches Donnergrollen zu hören. Ein Gewitter zog heran.
„Ich habe einen besonderen Auftrag für dich, Rabastan", sagte der Dunkle Lord. „Du wirst dich dieser Aufgabe voll und ganz widmen. Was wir in diesem Raum besprechen, wird niemals nach draußen gelangen. Du wirst mit niemandem darüber sprechen, nicht einmal mit deiner Familie."
„Natürlich, wenn Ihr das wünscht …" Rabastan sah den Lord entgeistert an. „Was soll ich tun?"
Ein verschlagenes Grinsen zierte die dünnen Lippen des Lords. „Du wirst eine entscheidende Rolle in der Vernichtung von Harry Potter spielen." Er lachte leise auf. „Du, Rabastan Lestrange, wirst Harry Potter dort verwunden, wo er am verbundbarsten ist: bei seinen Freunden."
„Soll ich seine Freunde … töten?"
„Nein. Das wäre einfältig. Und viel zu offensichtlich. Kannst du dir nichts vorstellen, was ich von dir verlangen könnte?"
Rabastan war von der Frage des Lords vor den Kopf gestoßen. „Ich … nein, verzeiht …", stammelte er.
„Rabastan, Rabastan", seufzte der Lord. „Ich hätte eigentlich vermutet, dass du … Aber nun gut. Ich werde dir sagen, was dein Auftrag sein wird. Wie mir zu Ohren gekommen ist, besitzt du Charme und eine außergewöhnliche Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Diese Fähigkeiten werden dir bei dem, was ich dir auftrage, mit Sicherheit gute Dienste erweisen."
Voldemort legte den Kopf ein wenig zur Seite und sah Rabastan eindringlich an. „Stell dir vor, ein junges, unschuldiges, naives Mädchen, verliebt, umschmeichelt, wie Wachs in den Händen eines Mannes …"
„My Lord …" Rabastan konnte nicht glauben, was er hörte. „Ich soll …"
„Ja, ganz genau, Rabastan. Deine Aufgabe ist es, dich dem Granger-Mädchen anzunähern, sie zu umgarnen, ihr schöne Augen zu machen, sie für dich zu gewinnen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Harry Potters engste Vertraute, dem Feind verfallen. Dieser Vertrauensbruch wird Unfrieden zwischen ihnen stiften. Ich möchte, dass du den Kontakt zu ihr nutzt, um Informationen über die Pläne unserer Feinde zu bekommen."
„My Lord, verzeiht mir, aber …", wandte Rabastan zögerlich ein. „Glaubt ihr, das Mädchen wird mir vertrauen? Der Ruf, der mit dem Namen meiner Familie verbunden ist, eilt mir voraus. Es ist bekannt, dass die Lestranges zu Eurem innersten Kreis zählen. Wenn ausgerechnet ich mich ihr annähere, wird sie das misstrauisch machen. Sie wird sich mir niemals hingeben. Wenn sie und Potter wirklich eine so enge Beziehung zueinander haben, wie Ihr sagt, dann …"
„Sie ist ein junges, unerfahrenes Mädchen. Es wird ein leichtes werden, sie zu verwirren. Sie wird dir verfallen, Rabastan. Sie wird der erbärmlichen, menschlichen Emotion anheimfallen, die Dumbledore so hochgeschätzt hat: der Liebe. Es ist so vorhersehbar", sagte der Lord abschätzig. „Sie macht die Menschen blind, einfältig, vertrauensselig, unvorsichtig und führt sie schließlich in ihr Verderben."
„Was soll ich tun?", fragte Rabastan erneut. Sein Herz klopfte laut gegen seinen Brustkorb. „Was verlangt Ihr von mir?"
„Dein Auftrag steht: Verführe Hermine Granger und ebne mir so den Weg auf den Potter-Jungen", sagte Voldemort.
Der Dunkle Lord verließ das Haus der Malfoys noch in derselben Nacht. Rabastan begab sich daraufhin nachdenklich auf sein Zimmer. Als er die spärlich beleuchtete Eingangshalle durchquerte und den Fuß auf die unterste Stufe der großen Treppe gesetzt hatte, rief ihn eine Stimme zurück. Es war seine Schwägerin Narcissa. Sie trug bereits einen Morgenmantel und hatte ihr langes, weißblondes Haar zu einem Zopf geflochten. Sie kam aus Richtung des Esszimmers und hatte eine Tasse mit einer dampfenden Flüssigkeit in der Hand.
„Rabastan", sagte sie. Sie wirkte müde, erschöpft und mitgenommen. Der Tod ihres Schwagers hatte sie tief getroffen. Rabastan wusste, dass sie Rodolphus nahegestanden hatte. Vielleicht sogar näher, als seine eigene Frau, schoss es Rabastan durch den Kopf, aber er schob den Gedanken beiseite.
„Narcissa, was machst du hier?", fragte er.
„Ich … habe einfach keinen Schlaf gefunden nach der …", raunte sie leise. Ihre Stimme war schwach. „Ich habe mir Tee geholt."
Rabastan nickte.
„Ist die Versammlung zu Ende?", fragte sie und es klang beinahe hoffnungsvoll. „Er hat dich doch noch dabehalten, oder? Was …?"
„Ja. Der Dunkle Lord hat das Haus verlassen."
Sie nickte, sagte aber nichts. Rabastan ahnte, dass sie von dieser Nachricht mehr als angetan war. Die Malfoys standen nicht mehr hoch in der Gunst des Lords. Sie begehrten nicht auf, aber es behagte ihnen nicht, dass ihr Haus als Quartier genutzt wurde. Nicht nur der Lord hielt sich oft hier auf, auch dutzende Todesser gingen regelmäßig ein und aus. Lucius war dieser Tage oft genug Opfer von Spott und Häme und seit einigen Wochen war er noch dazu zauberstablos. Der Lord hatte ihm vor allen Todessern seinen Zauberstab abgenommen. Eine schlimmere Demütigung und einen tieferen Fall hätte es nicht für ihn geben können. Und darunter litt seine gesamte Familie.
„Warst du noch bei ihm? Habt ihr etwas besprochen?", fragte Narcissa.
„Ja. Ich hatte noch eine Unterredung mit dem Lord", erklärte Rabastan. „Wegen Rodolphus", fügte er hinzu, bevor Narcissa näher nachfragen konnte. „Wo ist Bellatrix?"
„Ich glaube, sie ist bereits oben", sagte Narcissa betrübt. „Sie … hat sich sehr zurückgezogen und ist … sehr in sich gekehrt. Sie hat noch mehr Hass und Verachtung für unsere Nichte übrig, als zuvor schon. Ich weiß, dass du wütend auf sie bist, aber … Es ist ihr nicht egal."
Rabastan schnaubte. Er wollte nicht an Bellatrix denken. Die Hand, die er auf das Treppengeländer gelegt hatte, krallte sich in das Holz. Er spürte, dass er immer noch wütend auf die Frau seines Bruders war.
„Hör auf, Narcissa. Dazu bedarf es keiner weiteren Worte. Das wäre nur verschwendete Zeit. Ich werde schlafen gehen", sagte er entschieden. Er wollte jetzt seine Ruhe.
„Ja. Gute Nacht, Rabastan."
„Gute Nacht."
Rabastan war erleichtert, als er dem Gespräch entfliehen konnte und die Tür seines Zimmers hinter sich geschlossen hatte. Er schwang seinen Zauberstab und ein paar Kerzen erhellten sich, die auf einem antiken Schreibtisch standen. Er legte seinen schwarzen Todesserumhang über eine Stuhllehne und setzte sich an den Tisch. Einige Bücher, die er aus der Bibliothek des Anwesens mitgenommen hatte, lagen offen vor ihm. Das Licht der Kerzen flackerte und warf lange Schatten.
Er stützte seine Ellbogen auf dem Tisch ab und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Die Worte des Lords hallten noch in seinen Gedanken wider.
„Verführe Hermine Granger und ebne mir so den Weg auf den Potter-Jungen."
Rabastan erinnerte sich, dass der Dunkle Lord ihm in der Vergangenheit bereits den ein oder anderen Auftrag erteilt hatte, der ihn an seine Grenzen gebracht hatte. Nie hatte er den Dunklen Lord und seine Absichten dabei in Frage gestellt. Er hatte alles ohne zu hinterfragen, ausgeführt. Er war niemals in die Situation gekommen, vor einem Auftrag zurückzuschrecken. Er hatte sich immer willig zur Verfügung gestellt, egal, was von ihm verlangt wurde, da sein einziges Ziel, der einzige Sinn seines Dasein darin bestand, nach der Gunst des Lords zu streben und ihm zu dienen.
Er fand sich in einer für ihn unbekannten Lage wieder und das beunruhigte ihn.
Sein Meister verlangte Dinge von ihm, die er nicht so einfach bewältigen konnte, die er sich außerstande sah, zu bewältigen. Die Anweisungen des Lords waren klar gewesen: Er sollte nicht Geringeres tun, als einem jungen Mädchen, einem Schlammblut, eine Beziehung vorzugaukeln und so ihre Gutgläubigkeit auszunutzen. Aber warum, fragte er sich? Was hatte es für einen Sinn, sich ihr zu nähern? Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, die Kinder zu stellen, das Mädchen zu entführen und ihre Pläne unter Folter zu erfahren. Er verstand die Intention des Lords nicht. Der Gedanke, einem Schlammblut nahezukommen, widerte ihn an. Es stand gegen alles, was er kannte und was er lebte.
Er wusste, dass die Entscheidungen und Taten des Dunklen Lords oftmals selbst für seine treuesten Todesser nicht ersichtlich wurden, aber in diesem Fall …
Er ließ sich die Worte des Lords noch einmal durch den Kopf gehen, versuchte zu verstehen, was er mit seinem Plan verfolgen könnte. Er sah ein, dass es Zwietracht zwischen den Kindern sähen konnte, sollte das Mädchen eine emotionale Beziehung mit dem Feind eingehen und dass es Harry Potter ins Verderben führen konnte, aber war es wirklich nötig, das Mädchen zu verführen? Wie sollte er überhaupt Kontakt mit ihr aufnehmen? Sie würde sich niemals mit ihm einlassen, das stand fest. Wenn sie wirklich so aufgeweckt war, wie alle erzählten und wenn sie wirklich eine so innige Freundschaft mit Harry Potter hatte, dann würde sie vermutlich eher in den Tod gehen, als sich mit einem Todesser einzulassen.
Nach dem Tod seines Bruders war Rabastan zudem nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Die vergangene Nacht hatte ihn geschwächt und er fühlte sich innerlich leer und zerrissen. Wie sollte er in seinem Zustand den Auftrag des Lords zu dessen Zufriedenheit ausführen? Zum ersten Mal hatte er Angst zu versagen, die gestellte Aufgabe nicht bewältigen zu können.
Die Kerzen waren fast zur Gänze heruntergebrannt, als Rabastan zu Bett ging.
Der neue Auftrag, der ihm erteilt worden war, beschäftigte ihn bis in die frühen Morgenstunden. Erst als die ersten Lichtstrahlen über den Horizont kamen, fand er schließlich seinen Schlaf. In seinen Gedanken hatte sich ein Name festgefressen: Hermine Granger.
