Rabastan und die Malfoys saßen gemeinsam am Frühstückstisch, nur Bellatrix fehlte. Rabastan war nicht traurig darüber. Seit dem Tod seines Bruders war Rabastan nicht gut auf seine Schwägerin zu sprechen und zwischen ihnen herrschte eisige Kälte. Sie gingen betont höflich miteinander um, aber meist war Rabastan einfach nur froh, wenn er ihr nicht über den Weg laufen musste.

Er selbst wäre dem gemeinsamen Essen am liebsten ebenfalls ferngeblieben, wollte aber Narcissa und Lucius Angebot nicht ausschlagen. Immerhin lebten sie momentan zusammen unter einem Dach und es wäre ihm nicht wohl dabei gewesen, sich so sehr von seiner Familie zu distanzieren und damit ausgerechnet die beiden Menschen, mit denen er noch normalen Umgang pflegen konnte, zu sehr vor den Kopf zu stoßen.

Narcissa meinte es gut und Rabastan wusste auch, dass sie es tat, weil sie sich Sorgen um ihn machte. Sie wollte zumindest das Mögliche tun, um ihre Familie zusammenzuhalten. Wer konnte es ihr verübeln? Rodolphus' Tod hatte sie erschüttert und seit Draco nach Hogwarts abgereist war, war die Sorge um ihre Familie nur größer geworden.

Rabastan musste allerdings zugeben, dass ihm weder Kaffee noch Toast sonderlich gut schmeckten, seit er den Auftrag vom Dunklen Lord bekommen hatte. Der Gedanke an Hermine Granger und sein Auftrag hinterließen einen bitteren Geschmack in seinem Mund.

„Du bist so nachdenklich, Rabastan. Was ist los mit dir?", fragte Narcissa sanft.

Rabastan, der in einen Artikel im Tagespropheten vertieft gewesen war, wurde aus seinen Gedanken gerissen. Er legte die Zeitung auf Seite drei aufgeschlagen beiseite. Das Gesicht eines Mädchens sah sie an. Es war das größte Bild links oben auf der Seite. Der Titel des Artikels lautete: „Viele Muggelstämmige immer noch unregistriert - Ministerium schreibt Fahndung aus".

„Es ist nichts."

„Hermine Granger … von der man weiß, dass sie mit Harry Potter zusammen unterwegs ist", las Narcissa die Bildunterschrift. „Ich habe sie schon mal gesehen. In der Winkelgasse. Da war sie mit Harry Potter und einem anderen Jungen zusammen."

„Wirklich?"

„Ja."

„Draco hat erzählt, dass sie mit Harry Potter und einem Weasley-Jungen in der Schule immer zusammen war. Sie war wohl auch die Beste in ihrem Jahrgang … in jeder Prüfung", sagte Lucius mit einem leichten Anflug von Ärger in der Stimme, und nahm einen Schluck seines Kaffees.

Seit seinem Auftrag hatte sich Rabastan bereits etwas mit Hermine beschäftigt und auch er wusste von ihren überragenden Fähigkeiten. Sie war ganz offensichtlich ein Bücherwurm und wie man sagte, eine begabte Hexe. Rabastan konnte verstehen, warum Lucius ungehalten darüber war. Eine Muggelstämmige war in allen Prüfungen besser als die Kinder aus reinblütigen Familien.

„Ja, das hat er erwähnt", meinte Rabastan und nahm einen Bissen von seinem Toast, nur damit dieser nicht unberührt auf seinem Teller liegen blieb.

„Sie scheint dich ja sehr zu interessieren", stellte Narcissa fest. „Seit du mit dem Lord nach der Versammlung gesprochen hast. Wie kommt das? Liegt es an dem, was ihr besprochen habt?"

„Ach, es ist nichts", wehrte Rabastan ab. Er schlug die Zeitung zu, um nur das Foto nicht mehr ansehen zu müssen. Er hatte immer noch keine Idee, wie er seinen Auftrag erfüllen sollte. Er konnte nicht ahnen, dass ihm schon bald der Zufall zu Hilfe eilen sollte.


„Da ist er. Rodolphus Lestrange", sagte Harry und tippte auf den Namen, der unter Bellatrix Lestrange auf dem Stammbaum der Blacks stand. „Das ist ihr Mann."

„Und Rabastan, hast du gesagt, ist …"

„Rodolphus' Bruder, also der Schwager von Bellatrix. Der ist da natürlich nicht drauf, weil er ja nicht direkt mit den Blacks in Verbindung steht", sagte Harry nachdenklich.

„Ich frag mich echt, was der Kerl auf der Hochzeit wollte", meinte Ron säuerlich. Seit der Feier, auf der ein bekannter Todesser mit Hermine getanzt hatte, war er merklich verstimmt und wütend. „Wenn ich den nochmal erwische, wie er sich Hermine nähert …" Er ballte die Hände zu Fäusten.

„Hoffen wir, dass wir ihm nicht wieder über den Weg laufen. Ich jedenfalls kann auf solche Begegnungen wie in dem Café gut und gerne verzichten", sagte Harry ernst. „Gehen wir zurück zu Hermine."

Hermine saß im Esszimmer am Tisch und brütete über ihren Aufzeichnungen über das Ministerium.

„Stehen die Typen eigentlich immer noch da draußen?", fragte Harry missmutig.

Es verging kein Tag, an dem nicht mindestens zwei Männer in schwarzen Umhängen vor dem Grimmauld Platz warteten. Todesser, ohne Zweifel. Sie lungerten auf der anderen Straßenseite herum und achteten auf jede Bewegung, immer in der Hoffnung darauf, die Bewohner des unsichtbaren Hauses zu erwischen.

Hermine nickte. „Als ich das letzte Mal draußen war, hätten die mich beinahe gesehen. Der Tarnumhang ist verrutscht und ich bin fast von der obersten Treppenstufe heruntergefallen. Das war echt knapp."

„Wir müssen vorsichtig sein", sagte Harry. „Irgendwie habe ich das dumme Gefühl, dass die genau wissen, dass wir hier drin sind. Genauso wie die anderen beiden wussten, dass wir in diesem Café saßen. Ich frage mich, wie …"

„Ich hab mir schon den Kopf darüber zerbrochen", sagte Hermine und sah von den Notizen auf. „Aber ich … komme nicht darauf. Die Spur kann es nicht sein, denn Harry hat sie mit seinem Geburtstag verloren. Es kann nur irgendein Zauber sein."

„Hast du schon mal dran gedacht, dass … vielleicht …" Ron musterte Hermine eindringlich.

„Was?!"

„Naja, dass dieser … Lestrange dich auf der Hochzeit mit irgendeinem Zauber belegt hat?"

„Ach so, nein, das kann nicht sein."

Auf Rons skeptischem Blick hin fügte sie hinzu: „Ich hab natürlich daran gedacht, deshalb hab ich gleich nach unserer Ankunft hier einen Zauber angewandt, um das zu überprüfen. Aber es ist nichts. Und außerdem hätte ich das gemerkt, wenn er mich verhext hätte. Er hat nichts gemacht. Er hat … wirklich nur mit mir getanzt."

Ron wirkte nicht zufrieden mit dieser Erklärung, aber sagte nichts mehr.


Wenn Hermine an ihr Vorhaben dachte, wurde ihr fast schlecht. Wenn Todesser keine Probleme damit hatten, sie in einer Menschenmenge an einem beliebigen Ort irgendwo in London ausfindig zu machen und sofort wussten, dass sich die drei Freunde am Grimmauld Platz versteckt hielten, was würde wohl passieren, wenn sie ins Zaubereiministerium einbrachen? Nachdem Voldemorts Handlanger die Kontrolle übernommen hatten, würde es dort von Todessern und anderen nur so wimmeln.

Manchmal fragte sich Hermine, ob sie nicht völlig verrückt waren. Aber sie mussten wohl oder übel in den sauren Apfel beißen, wenn sie an das Medaillon kommen wollten.

Lupins Nachrichten von vor einigen Tagen ließen ebenfalls nichts Gutes verheißen. Harry war der meistgesuchte Mensch in der Zaubererwelt, auf den ein hohes Kopfgeld ausgesetzt war, und Hermine war mit Namen und Bild im Tagespropheten, weil sie sich nicht in der Registrierungskommission für Muggelgeborene gemeldet hatte. Die Ausgabe der Zeitung lag noch offen vor ihr auf dem Tisch. Ihr Bild sah sie von der Seite drei an, wo alle Personen aufgelistet waren.

Sie fühlte sich schlecht, als wäre sie etwas Schmutziges. Die Linie der neuen Politik hätte nicht deutlicher sein können. Muggelstämmige waren nur Abschaum, der es nicht wert war, einen Zauberstab tragen zu dürfen. Das machte Hermine wütend.

Der Plan, den sie in den letzten Tagen ausgeheckt hatten, grenzte an ein Himmelfahrtskommando. Mit Hilfe von Vielsafttrank wollten sie sich in drei Angestellte des Ministeriums verwandeln, um so unbemerkt nach dem Horkrux suchen zu können. Sie betete inständig, dass sie Dolores Umbridge schnell finden würden.

„Wie sieht's aus?", fragte Harry und deutete auf die Aufzeichnungen.

Hermine atmete geräuschvoll aus. „Man kann sagen, dass wir völlig wahnsinnig sind und … Ja."

„Wir müssen es durchziehen", sagte Harry entschieden. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben uns so intensiv vorbereitet und ganz ehrlich, so ein Vorhaben kann man eigentlich nicht wirklich planen. Wir müssen halt irgendwie … Wir müssen es irgendwie hinkriegen."

„Was, wenn wir Umbridge nicht finden?", fragte Ron. „Habt ihr daran schon mal gedacht? Wir haben ja nur eine Stunde."

„Sollte das wirklich der Fall sein, dann … dann müssen wir da raus", sagte Hermine. „Aber hoffen wir mal, dass wir sie gleich ausfindig machen können. Ihr Büro ist im ersten Stock, so viel wissen wir sicher."

„Kopfzerbrechen bringt nichts. Wir ziehen das durch. Wir müssen es schaffen."


Es war seltsam, in Mafalda Hopfkirchs Körper zu stecken und Hermine verfluchte jetzt schon innerlich ihren Plan, dabei waren sie noch nicht einmal im Ministerium.

Mafalda war ein gutes Stück kleiner als Hermine und weiblicher gebaut, dazu trug sie Stöckelschuhe mit hohem Absatz, auf denen zu laufen, sich als schwierig erwies.

Als Hermine in ihre Kleidung geschlüpft war und sich ihre Frisur gerichtet hatte, fing sie einen kleinen, schmächtigen Zauberer ab und drängte ihm eine Kotzpastille auf. Während er abgelenkt war, riss sie ihm vorsichtig ein paar Haare aus, sodass Ron seine Gestalt annehmen konnte. Wenig später stand Ron in seiner neuen Erscheinung vor ihr. Harry tauchte kurz darauf als großgewachsener, bärtiger, bedrohlich wirkender Mann auf.

„OK, haben wir alles?", fragte Hermine mit Mafaldas Stimme, die sehr fremd in ihren Ohren klang.

Die beiden Jungs nickten und zusammen steuerten sie auf den Eingang des Ministeriums zu.

Sie spülten sich in den Toiletten hinunter und erschienen auf der anderen Seite im Atrium. In der Masse an Hexen und Zauberern, die geschäftig mit ihren Aktentaschen zu den Aufzügen eilten, fielen sie nicht auf. Ein paar Leute lächelten Hermine freundlich zu; offenbar kannten sie Mafalda. In Harrys Anwesenheit senkten viele ihre Blicke und eilten möglichst schnell vorüber.

„Umbridges Büro ist im 1. Stock", raunte Harry den anderen zu. „Wir müssen …" Doch Harry konnte nicht weitersprechen, denn in diesem Moment näherte sich ihnen ein Mann in einem edlen Umhang, der mit Gold bestickt war. Er war groß und hatte ein grobschlächtiges Gesicht. Er wirkte herrisch und ignorierte die Menschen, die ihm einen guten Morgen wünschten. Sobald er sich näherte, zerstreute sich die Menge, um ihm Platz zu machen. Hermine hörte heraus, dass der Mann wohl Yaxley hieß.

Yaxley nickte Albert Runcorn höflich zu, dann steuerte er auf Ron zu.

„Cattermole!", sagte Yaxley bedrohlich.

Ron zuckte zusammen. Hermine schluckte.

„In meinem Büro regnet es immer noch."

„Das … ist … nicht so gut, oder?", stammelte Ron, was Yaxley jedoch nur erzürnte.

„Finden Sie das lustig?!", fragte er angriffslustig.

„Nein, nein!"

„Zugegeben bin ich überrascht, Sie nicht unten in den Verhandlungsräumen bei Ihrer Frau zu sehen, wie Sie ihr das Händchen halten." Er trat dicht vor Ron. „An Ihrer Stelle würde ich die Sache mit meinem Büro sofort erledigen", sagte Yaxley. „Wenn der Blutstatus meiner Frau zweifelhaft wäre - nicht, dass meine Frau jemals mit so einem Dreckstück verwechselt werden könnte - und der Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung etwas erledigt haben wollte, dann würde ich dieser Sache umgehend meine volle Aufmerksamkeit widmen."

Ron wimmerte ein Ja.

„Wenn mein Büro nicht in einer Stunde in Ordnung ist, wird der Blutstatus ihrer Frau noch zweifelhafter sein."

Yaxley eilte mit wehendem Umhang davon.

„Verdammter Mist, was sollen wir machen?", raunte Harry den anderen zu.

„Wie soll ich denn den Regen stoppen?", fragte Ron panisch. „Und meine Frau - ich meine, Cattermoles Frau - ist irgendwo da unten …"

„Wir müssen Umbridge finden. Wir haben nicht viel Zeit!", drängte Hermine und die drei Freunde stiegen in den Aufzug.

Ron stieg im zweiten Stock widerwillig aus und Harry und Hermine fuhren weiter. Leichte Panik überkam sie. Niemand von ihnen hatte auch nur irgendwie in Betracht gezogen, dass sie gezwungen sein würden, sich zu trennen. Ein naiver Gedanke.

Der Aufzug hielt im ersten Stock und die Türen glitten auf. Die Frauenstimme über ihnen verkündete: „Erster Stock, Zaubereiminister und Assistenzkräfte."

Ein paar Personen standen da und unterhielten sich. Harry wollte schon etwas zu Hermine sagen, aber er brach ab. Eine kleine, untersetzte Frau mit einer Samtschleife auf dem Kopf, die ein Klemmbrett an ihre Brust gedrückt hielt, wandte sich ihnen zu.

„Ah, Mafalda!", sagte Dolores Umbridge mit zuckersüßer Stimme. „Travers hat sie geschickt, oder?"

Hermine bejahte leise. Während Umbridge irgendetwas vor sich hinfaselte, tauschte sie einen panischen Blick mit Harry. Zu ihrem Entsetzen stieg Umbridge in den Aufzug.

„Guten Morgen, Albert, steigen Sie nicht aus?"

„Doch, natürlich", sagte Harry. Er verließ den Aufzug und musste hilflos zusehen, wie Hermine mit Umbridge davonfuhr.


Hermine schritt steif neben Umbridge und Yaxley her und wagte es kaum zu atmen. Das Klemmbrett, das ihr Umbridge in die Hand gedrückt hatte, hielt sie so fest vor ihre Brust, als wäre es ein lebensrettender Anker.

Ihr Körper war verkrampft und angespannt und ein paar Mal wäre sie beinahe mit Mafaldas hohen Schuhen umgeknickt. Freilich war es auch nicht hilfreich, dass Yaxley, der die ganze Zeit neben Umbridge gegangen war, um mit ihr den Ablauf der Anhörungen zu besprechen, irgendwann Hermine in ein Gespräch verwickelte. Er kam ihr für ihren Geschmack deutlich zu nahe und am liebsten hätte sie den größtmöglichen Abstand zwischen sich und den Todesser gebracht, aber notgedrungen musste sie es ertragen. Alles andere hätte zu viel Aufsehen erregt. Er musterte sie ohnehin schon oft mit einem seltsamen Blick, so als wäre er misstrauisch.

Umbridge ging voraus und Yaxley trat nah an Hermine heran. Sie schluckte und ignorierte die Gänsehaut, die über ihren Körper lief.

„Du gehst mir seit einer Woche aus dem Weg. Was ist los mit dir?", fragte er im Flüsterton, sodass Umbridge es nicht hören konnte. Diese summte fröhlich vor sich hin, wahrscheinlich in Vorfreude auf die Anhörung, sodass sie nichts bemerkte.

„Tatsächlich?", sagte Hermine nur und lächelte gezwungen. Ihre Stimme war eine Oktave höher gerutscht. „Ich … hatte eben viel zu tun."

„So, so", kommentierte Yaxley sarkastisch. „Viel zu tun, ja?"

„Ähm … können wir das nicht … ich meine … nachher besprechen?" Hermine deutete auf Umbridge. „Nicht, dass …"

„Die alte Kröte", knurrte Yaxley leise. „Also gut", sagte er ungeduldig. „Ich will nicht länger warten. Nach der Anhörung in deinem Büro." Er fasste sie auf eine Weise am Arm, die Hermine eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Glücklicherweise würde ihr das Vergnügen, mit Yaxley was auch immer in ihrem Büro zu besprechen, erspart bleiben. Was dieses etwas sein sollte, wollte sie sich gar nicht bildlich vorstellen.

Sie fragte sich, wie es Harry und Ron erging. Und wie um alles in der Welt sie an das Medaillon kommen sollte, dass Umbridge um den Hals hing.


Hermine hatte Glück, dass sie hinter Yaxley und Umbridge saß und diese ihre ganze Aufmerksamkeit auf die arme Frau richteten, die vor ihnen auf dem Kettenstuhl saß, sodass niemandem auffiel, wie nervös Mafalda Hopfkirch war. Sie trommelte mit den Fingern leise auf ihrem Klemmbrett, wippte mit dem Fuß und blickte ständig auf die Uhr. Die Minuten ihrer wertvollen Stunde strichen dahin und sie hatte immer noch keinen Weg gefunden, Umbridge das Medaillon abzunehmen. Es baumelte von ihrem Hals, wenn sie sich nach vorne beugte und am liebsten hätte Hermine es einfach abgerissen und wäre hinausgestürmt. Mit einem Todesser, der nur wenige Meter von ihr entfernt saß, hielt sie sich jedoch zurück. Sie hatten gerade noch eine Viertelstunde und wenn ihr nicht bald etwas einfiel, musste sie sich entschuldigen und hinausgehen. Sie hoffte inständig, Harry und Ron mögen es irgendwie schaffen, zu ihr zu kommen und ihr zu helfen.

Über ihren Köpfen lauerte eine ganze Herde Dementoren, nur eine silberne Katze, Umbridges Patronus, schützte sie vor der eisigen Kälte.

Hermine war schon im Begriff, sich zu erheben und sich leise hinauszuschleichen, als sie hinter sich eine Stimme vernahm. Es war Harry. Er war direkt hinter ihr unter dem Tarnumhang verborgen.

Hermine erschrak fürchterlich und holte pfeifend Luft. Glücklicherweise bemerkten Yaxley und Umbridge nichts. Umbridge befragte gerade Mrs. Cattermole, die jetzt anfing, zu schluchzen. Als sie sich über das Pult nach vorne beugte, baumelte das Medaillon von ihrer Brust. Hermine spürte, wie sich Harry neben ihr verkrampfte.

„Das … das ist hübsch, Dolores", sagte sie schnell.

„Was? Oh ja, ein altes Familienerbstück. Das „S" steht für Selwyn. Ich bin mit den Selwyns verwandt …", schwadronierte Umbridge voller Stolz. Es war natürlich eine Lüge.

Harry ließ plötzlich alle Vorsicht fallen und schockte Umbridge. Sie brach auf ihrem Pult zusammen und die Papiere flogen wild durcheinander auf den Boden. Yaxley zog blitzschnell seinen Zauberstab, aber weil er Harry unter dem Tarnumhang nicht sehen konnte, hatte dieser Gelegenheit, den Todesser ebenfalls zu schocken. Yaxley brach zu einem reglosen Bündel am Boden zusammen.

Eine Welle von Kälte erfasste sie, als Umbridges Patronus verschwand und die Dementoren aus allen Richtungen auf sie zugekrochen kamen. Ihr Atem gefror in der Luft und eine seltsame Düsternis breitete sich in Hermines Innerem aus. Nur der Gedanke an das Medaillon hielt sie bei Verstand. Sie riss es Umbridge vom Hals, während Harry sich um Mrs. Cattermole kümmerte und einen Patronus heraufbeschwor, um sie vor den herannahenden Dementoren zu schützen.

„Harry, wie kommen wir hier raus?!", fragte Hermine. Harry nahm den Horkrux und stopfte ihn eilig in seine Tasche.

„Patroni!", wies er sie an.

Hermine brauchte mehrere Versuche, bis sich ihr silbern leuchtender Otter zu Harrys Hirsch gesellte.

Sie rannten. Das Atrium war voller Menschen und Zauberer gingen von Kamin zu Kamin und verriegelten sie. Sie stießen mit Ron zusammen. Harry brachte Runcorns ganze Autorität auf, um die Zauberer zu stoppen. Ihnen blieben vielleicht Minuten, bis sie sich zurückverwandelten. Sie saßen in der Falle.

„Harry, wir müssen …"

„Versiegelt den Ausgang! VERSIEGELN!", bellte Yaxley, der hinter ihnen aus einem Fahrstuhl stürmte.

Harry, Ron und Hermine stürmten in die Kamine und tauchten Sekunden später auf der anderen Seite in den Toilettenkabinen wieder auf, Yaxley dicht auf den Fersen.

„NICHTS WIE WEG!"

Sie packten sich an den Händen und wirbelten auf der Stelle. Sie wurden in einen Strudel aus Farben gezogen. Hermine spürte, wie Harrys Finger aus ihrer Hand glitten. Etwas riss an ihr. Da war die Tür zum Grimmauld Platz, doch etwas stimmte nicht.


„Hermine? Hermine!" Harry sah sich verzweifelt um, aber Hermine war nirgends zu sehen. Sie waren auf einer Waldlichtung irgendwo im Nirgendwo gelandet. Ron stöhnte vor Schmerz auf und Harry drückte verzweifelt seine Jacke auf die blutende Wunde. Er schrie nach Hermine.


Da war Yaxley, der sie gepackt hielt. Sie versuchte, sich loszureißen, ihren Zauberstab zu ziehen, aber sie war nicht stark genug. Sie musste weg. Sie durften nicht zum Grimmauld Platz. Sie wollte sie an einen anderen Ort apparieren, aber plötzlich wurde sie ruckartig von den anderen fortgerissen.

Sie brach krachend durch eine Tür und landete auf hölzernen Dielen. Mittlerweile war sie wieder sie selbst geworden. Sie versuchte, sich schweratmend aufzurichten, aber etwas riss sie zu Boden.

Mit Entsetzen blickte sie einem wütenden Yaxley ins Gesicht, der sich über ihr aufgebaut hat. Harry und Ron waren nicht da und Hermine hatte den Todesser in den Schutzzauber des Grimmauld Platzes mit hineingenommen.