Danke an melanie576 für den Favorite und flomaxhug für das Following. :)
Yaxley starrte Hermine böse an und ein gehässiges Grinsen schlich sich auf seine groben Züge.
„Was haben wir denn hier?!", fragte er.
Hermine lag auf dem Boden und sah nur hilflos und wie versteinert zu dem Todesser auf. Ihr Zauberstab lag nutzlos einige Meter von ihr entfernt, genau wie ihre Tasche, die Teile ihres Inhalts auf dem Boden verteilt hatte. Ihr Herz klopfte wie wild und Panik überkam sie. Harry und Ron waren nicht mehr bei ihr und sie hatte Yaxley mit zum Grimmauld Platz genommen. Sie dankte dem Himmel, dass sie Harry den Horkrux gegeben hatte.
Mittlerweile war Hermine wieder vollständig sie selbst geworden und Mafaldas Kleidung saß unpassend an ihrem Körper.
Verzweifelt kroch sie rückwärts von Yaxley weg, der mit langsamen Schritten auf sie zukam ohne den Blick von ihr zu nehmen.
„Hermine Granger, schau an", höhnte er. „Und ich nehme an, die zwei, die du weggeschickt hast, waren deine Freunde. Harry Potter, habe ich Recht?!"
Sie hatte nicht mal daran gedacht, nach ihrem Zauberstab zu greifen, sie drehte sich nur blitzschnell auf den Bauch, stemmte sich vom Boden hoch und wollte den Flur hinuntersprinten. Sie kam nicht weit. Ein schweres Gewicht stürzte sich auf sie und drückte sie zu Boden.
„Ihr glaubt wohl, ihr könnt mich zum Narren halten?!", fauchte Yaxley an ihr Ohr. „Du bleibst schön hier!"
Sie hatte keine Chance gegen seine Kraft. Sie spürte sein Knie in ihrem Rücken und seine Hände, die mit eisernem Griff ihre Handgelenke packten. Sie war völlig wehrlos unter ihm. Verzweifelt versuchte sie, sich zu wehren, wand sich hin und her, aber als er sie grob an den Haaren packte und riss, gab sie sofort jeden Widerstand auf. Tränen stiegen ihr in die Augen und sie begann zu schluchzen.
Ein paar Augenblicke später wurden ihre Hände hinter ihrem Rücken gefesselt. Sie musste mit dem Gesicht nach unten auf dem schmutzigen Dielenboden liegen bleiben.
„Tja, ich würde sagen, euer Plan ist nach hinten losgegangen", stellte Yaxley fest und obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste Hermine genau, dass er spöttisch grinste und triumphierend auf sie heruntersah.
Sie hörte seine Schritte am Boden. „Das ist also das Black-Haus. Bislang war es für uns nicht zugänglich, aber dank dir, wird sich das jetzt ändern. Du hast mich in den Fidelius-Zauber des Hauses hineingenommen."
Warum funktionierte der Abwehrzauber nicht, den Moody gegen Snape eingerichtet hatte, schoss es Hermine durch den Kopf. Als hätte Yaxley ihre Gedanken gelesen, sagte er:
„Snape hat gesagt, es gäbe hier irgendeine Schutzvorrichtung, aber offenbar wirkt sie bei mir nicht. Das ist gut zu wissen. Wollen doch mal sehen …"
Er packte Hermine an ihren Fesseln, riss sie hoch und zwang sie, mit ihm ins Esszimmer zu gehen. Sie wurde unsanft auf einen Stuhl gesetzt. In diesem Moment erschien Kreacher aus der Küche.
„Kreacher, verschwinde! Der Schutzzauber des Hauses ist gebrochen!", schrie sie, noch ehe Yaxley etwas tun konnte. Der Elf sah nur erschrocken von ihr zu dem Todesser, dann löste er sich in Luft auf.
„Du kleine Schlange!", fluchte Yaxley. Er hatte seinen Zauberstab gezogen und wollte den Elf an der Flucht hindern. Als sein Vorhaben von Hermine vereitelt wurde, wirbelte er herum und schlug ihr mit der flachen Hand kräftig ins Gesicht.
„Was fällt dir ein?!", schimpfte er aufgebracht. Hermine hatte Tränen in den Augen und ihre Wange pochte vor Schmerz. Sie schmeckte Blut in ihrem Mund.
Er stützte sich mit den Händen links und rechts an der Stuhllehne ab und zwang sie, ihn anzusehen. Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Glaub mir, du hast ein verdammtes, unverschämtes Glück. Der Dunkle Lord hat uns die Anweisung gegeben, dir nicht wehzutun. Kannst du dir das vorstellen? Du solltest ihm glatt dankbar sein. Keine Ahnung, was er mit dir vorhat, aber …" Er lachte gehässig. „Alles, was er mit dir anstellen wird, kann nur schlimmer sein, als das, was ich mit dir getan hätte."
Im nächsten Moment spürte Hermine einen Schmerz, dann versank alles um sie herum in Dunkelheit.
Sie erwachte wieder mit dem Gesicht nach unten, aber diesmal nicht auf staubigen Holzdielen, sondern auf sauberen, steinernen Fliesen und einem weichen Teppich. Sie hatte immer noch den Geschmack von Blut in ihrem Mund. Sie fühlte sich schwindelig und benommen und es dauerte, bis die Umgebung um sie herum klare Konturen annahm.
Unweit von ihr stand jemand. Sie erkannte ein paar schwarze Stiefel und den Saum eines Kleides. Jemand drehte sie mit dem Fuß um und sie starrte in das Gesicht einer Frau mit langen schwarzen Haaren und dunklen, bösartigen Augen.
Hermines Gesicht nahm einen erschreckten Ausdruck an, als sie Bellatrix Lestrange erkannte. Sie konnte nichts tun oder sagen, als bereits ein stechender Schmerz durch ihren Körper fuhr und sie schrie.
Sie schrie aus Leibeskräften. Sie wusste nicht, wie lange ihr Martyrium anhielt, es mussten Stunden sein. Immer wieder wurde sie gefragt, wo sich Harry Potter aufhielt. Und immer, wenn sie keine Antwort darauf gab, folgte die Strafe sofort.
Irgendwann war ihr Widerstand gebrochen und sie wollte nur, dass es endete. Sie hörte gedämpfte Stimmen, sah verschwommene Gestalten über sich, dann glitt sie in die willkommene Finsternis.
Hermine schlief lange und als sie das zweite Mal erwachte, saß sie in einem kalten, düsteren Kerkerverlies. Hinter einer vergitterten Tür führte eine Treppe nach oben. Jemand hatte ihr daneben ein Tablett mit einem Teller Suppe und einem Stück Brot hingestellt. Hermine wollte nichts essen. Sie verkroch sich in eine Ecke und weinte.
Ein paar Tage später wusste sie, dass sie im Anwesen der Familie Malfoy war und über ihr offenbar das Wohnzimmer war. Oft hörte sie gedämpfte Schritte und hörte wie jemand über ihr sprach und sie erkannte die Stimmen von Lucius und Narcissa Malfoy. Auch Bellatrix Lestrange war da und jedes Mal, wenn sie im Salon war, überkam Hermine die fürchterliche Angst vor neuer Folter.
Sie weinte unentwegt und saß nur zusammengekauert an eine Wand gedrückt mit dem Kopf auf ihre Knie gestützt. Sie vermisste Harry und Ron und hoffte von ganzem Herzen, dass sie wohlbehalten und in Sicherheit waren. Sie verlor jegliches Zeitgefühl. Sie wusste nicht, wie lange sie schon hier war. Durch einen schmalen Spalt in der Wand fiel etwas Tageslicht herein und sie sah zumindest, wann es Tag und wann es Nacht war.
Nach ein paar Tagen Hunger rührte sie vorsichtig das Essen an, das man ihr hinstellte. Es war wenig und schmeckte fad und meist war sie danach hungriger als zuvor. Sie begriff sofort, was man damit erreichen wollte, sie auszuhungern. Hermine sollte gefügiger gemacht werden, damit sie williger war, Informationen preiszugeben. Den Gefallen würde sie niemandem tun.
Bellatrix folterte sie ein zweites Mal. Abermals wollte man Harry Potters Aufenthaltsort wissen, doch Hermine erzählte nichts. Diesmal bröckelte ihr Widerstand deutlich schneller und durch ihren geschwächten Zustand ertrug sie die Schmerzen schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Ihre Eingeweide brannten und sie hustete Blut. Ihre Knochen schmerzten unerträglich. Sie wünschte sich nur, dass alles enden möge, dass die Qualen vorbeigehen würden.
Sie hörte erregte Stimmen, aber konnte die Worte nicht verstehen. Ein fremder Mann, den sie nicht kannte, ein lautstarkes Wortgefecht, dann wurde sie in das Kerkerverlies zurückgeworfen. Sie blieb auf dem harten Boden liegen und konnte sich nicht mehr rühren. Sie wusste nicht, wie oft sie alles noch über sich ergehen lassen konnte, bis das letzte bisschen Leben aus ihrem Körper gewichen war. Zitternd versuchte sie sich hochzustemmen, aber sie schaffte es nicht mehr aufzustehen. Sie musste auf dem kalten Stein mit dem Gesicht nach unten liegen bleiben.
Sie hörte, wie über ihr im Salon gestritten wurde, aber die Worte drangen nur wie durch einen Schleier zu ihr durch. So sehr sie sich auch bemühte, irgendetwas zu verstehen, ihr Bewusstsein glitt dahin und sie wurde von Nebel umschlossen. Die Erinnerung an Harry und Ron war das letzte, an was sie dachte, bevor sie sanft von der Dunkelheit umfasst wurde.
Sie erwachte auf weichem Untergrund. Für einen kurzen Moment dachte sie schon, sie wäre aus diesem schrecklichen Alptraum aufgewacht und liege wieder auf dem alten Sofa am Grimmauld Platz, doch als sie den Kopf hob und die Gitterstäbe sah, wusste sie, dass ihre Hoffnung umsonst war.
Sie fühlte sich besser und ausgeschlafen, die Schmerzen hatten nachgelassen. Jemand hatte ihr eine Decke untergelegt.
Verwirrt rappelt sie sich auf. Ihre Gliedmaßen fühlten sich wund an und jeder Atemzug war von einem leichten Stechen in der Brust begleitet, doch im Großen und Ganzen ging es ihr besser. Das einzige, das schmerzte, war ihr Magen - vor Hunger. Offensichtlich hatte ihr jemand geholfen und sie fragte sich, wer.
Nahe der Tür stand wie jeden Tag ein Tablett mit Essen, doch diesmal war es keine fade Suppe und trockenes Brot, sondern Rührei und Porridge.
So sehr sie dagegen ankämpfte, sie konnte sich nicht zurückhalten und stürzte sich begierig auf das Essen. Mit einem vollen Magen ging es ihr besser und sie konnte wieder klar denken. Sie blickte kurz die Treppe nach oben, aber sah niemanden. Vom Salon drangen keine Stimmen zu ihr, also war wohl niemand da, mutmaßte sie. Sie rüttelte am Gitter, aber natürlich bewegte es sich kein Stück. Wahrscheinlich war es mit Magie verschlossen.
Entmutigt lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und rutschte nach unten auf den Boden. Erneut stiegen Tränen in ihre Augen.
Sie vermisste ihre Freunde, vermisste Harry und Ron, ihre Eltern, die Weasleys, alle Menschen, die ihr etwas bedeuteten. So stark, dass es wehtat.
Warum nur? Warum hatte sie sich auf den aberwitzigen Plan mit dem Ministerium eingelassen? Hätte es keinen anderen Weg geben können? Warum hatte nicht sie, Hermine, die immer die Stimme der Vernunft war, Harry davon abgehalten? Warum war sie so dumm gewesen? Sie hasste sich selbst dafür und ganz besonders, dass sie jetzt in dieser Lage war.
Sie wusste mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie diesen Ort nicht mehr verlassen würde. Man würde sie weiter foltern und quälen und irgendwann würde sie ihr Ende finden, ob sie Harry verriet oder nicht spielte keine Rolle. Die einzige Frage war, wie lange es wohl dauern würde.
Sie würde Harry und Ron und all ihre Freunde nie wieder sehen. Ihre Familie würde sich nicht mal an sie erinnern.
Hermine fühlte sich klein, hilflos und ausgeliefert.
Sie sah auf die Wolldecke, die man ihr untergelegt hatte, und eine Frage schlich sich in ihre Gedanken.
Wer hatte ihr geholfen?
