Die Luft roch salzig und nach Meer. Eine leichte Brise wehte über den Strand und das Wasser schlug in kleinen Wellen gegen die Felsen.

„Wir müssen irgendetwas tun, Harry, irgendwas!", drängte Ron. „Wir müssen sie unbedingt finden! Wer weiß, was die mit ihr angestellt haben!"

„Ich weiß, Ron, ich weiß", sagte Harry niedergeschlagen. „Aber was … sollen wir tun? Wir wissen nicht, wo sie ist. Wie sollen wir sie finden?"

„Ich hab keine Ahnung, aber irgendwas müssen wir doch tun!" Ron klang fast flehend.

Harry sagte nichts. Er konnte nichts sagen. Er stimmte Ron von ganzem Herzen zu und er hätte nichts lieber getan, als sich sofort auf die Suche nach Hermine zu machen, aber die Hilflosigkeit schien ihn wie zu lähmen.

Er sah auf das Meer hinaus und ballte die Hände zu Fäusten. Er spürte ein leichtes Pochen an seiner Brust und wusste, dass es der Horkrux war. Als hätte die Natur Harrys Emotionen erahnt, verstärkte sich der Wind und die Wellen schlugen stärker ans Ufer. Am Himmel türmten sich dunkle Wolkenberge auf. Ein Gewitter stand kurz bevor.

Von Ferne rief Fleur sie herein.

„Gehen wir, Harry", sagte Ron.

Sie schritten über den Strand auf ein kleines Haus zu, in dessen Wände Muscheln eingelassen waren. Neben der Verandatür hing ein Windspiel, das in der Meeresbrise leise klingelte.

Fleur und Bill erwarteten sie im Esszimmer, wo sie bereits Geschirr auf den Tisch gestellt hatten.

„Das Essen ist bald fertig", sagte Fleur, schwang ihren Zauberstab und brachte die Soße zum Köcheln.

Bill nahm gegenüber von Harry und Ron Platz und musterte die beiden argwöhnisch, wie sie leise miteinander redeten. Als Fleur die dampfenden Töpfe auf den Tisch stellte, sahen sie beide auf. Fleur setzte sich neben Bill und sie taten sich auf. An der Tischkante neben Harry lag ein alter Tagesprophet.

„Irgendwas von Hermine?", fragte er hoffnungsvoll.

Bill verneinte mit einem Kopfschütteln. „Die Zeitung ist schon ein paar Tage alt. Wir haben leider kein Abo mehr und ich komme nur selten an einen Propheten ran."

„Verstehe."

„Harry, ich werte es als positiv, dass wir nichts von ihr hören", sagte Bill ernst. „Wenn etwas passiert wäre oder wenn sie in Askaban sitzen würde, hätte der Prophet etwas darüber gebracht. Aber nachdem man nichts an die Öffentlichkeit lässt, wird sie irgendwo sein. Und Harry", Bill sah ihn eindringlich an. „Ich bin mir sicher, dass es ihr gut geht."

Ron stocherte lustlos in seinem Essen herum und schnaubte leise.

„Erzähl doch noch mal, was passiert ist, nachdem ihr aus dem Ministerium rausappariert seid", sagte Bill.

„Dieser Todesser namens Yaxley muss sich an Hermine festgeklammert haben, während wir schon appariert sind", erklärte Harry. „Wir sind zuerst zum Grimmauld Platz, aber dann hat uns Hermine weitergeschickt und Ron und ich sind in diesem Wald gelandet. Hermine war aber nicht da."

„Yaxley und Hermine müssen am Grimmauld Platz gelandet sein", mutmaßte Bill.

„Dann ´at er sie mit Sischerheit ins Ministerium zurückgebracht", sagte Fleur. „Um sie su befragen."

„Ja, das denke ich ja auch, aber … Zwei Wochen ohne ein Lebenszeichen von ihr? Ich habe Angst, dass …"

„Harry, an sowas denken wir nicht. Wenn das passiert wäre, hätte man es in allen Medien gebracht. Demoralisierender für den Widerstand könnte es nicht mehr werden. Die Todesser hätten das mit Sicherheit ausgenutzt", sagte Bill streng. „Wir können Hermine nur vertrauen. Sie wird es schaffen, bis wir sie finden."

Harry nickte nur stumm.

„Ihr wollt uns immer noch nicht sagen, was ihr im Ministerium gemacht habt, oder? Du weißt, Harry, dass ich niemals … aber dennoch, das war eine ziemlich dumme Idee. Euch so willentlich einer derartigen Gefahr auszusetzen."

„Das wissen wir, Bill", sagte Harry ernst und sein Herz zog sich für einen Moment zusammen. „Aber wir hatten keine andere Wahl. Wir mussten es tun."

„Aber warum, Harry? Wir verstehen es nicht. Wenn Dumbledore euch eine Aufgabe hinterlassen hat, dann könnten wir euch helfen!"

„Tut mir Leid, Bill", sagte Harry. „Wir können euch nichts sagen. Dumbledore wollte, dass nur wir drei Bescheid wissen."

„Das ist doch Wahnsinn, Harry!"

„Das wissen wir und es tut uns Leid. Wir müssen Hermine finden und unsere Aufgabe allein lösen."

„I'r 'bt doch über'aupt keine Idee, wie es weiterge'en soll", wandte Fleur ein. „Es wärre nischt gut …"


Nach ihrer Flucht aus dem Ministerium, mit nichts weiter als dem Horkrux und ohne Hermine, hatten Harry und Ron nicht gewusst, wie es weitergehen sollte. Krank vor Sorge um ihre beste Freundin, aber völlig mittellos war ihnen nichts anderes übrig geblieben, als ihre Mission für den Moment zu unterbrechen. Nachdem eine Rückkehr in den Fuchsbau zu gefährlich war, hatte Ron vorgeschlagen, Bill und Fleur aufzusuchen, um dort einige Zeit unterzukommen. Es war nicht die beste Lösung, aber ihnen blieb keine Wahl.

Ron war beim Apparieren verletzt worden und sie hatten nicht mal mehr ihre Tasche, in der Hermine vorsorglich Diptam verstaut hatte. Inzwischen war die Wunde glücklicherweise verheilt und nur noch als rosa Fleck auf Rons Oberarm erkennbar.

Harry hatte sich auf seinem Bett niedergelassen und sah gedankenverloren auf das Medaillon in seiner Hand. Die unheimliche Präsenz, die von der Kette ausging, war deutlich zu spüren. Harry empfand Abscheu gegenüber dem kleinen Anhänger mit dem „S" auf der schwarzen Oberfläche und am liebsten hätte er ihn hier und jetzt zerschlagen. Das Ding glühte in seiner Hand.

„Hast du irgendeine Ahnung, wie wir es … kaputt kriegen?", fragte Ron vorsichtig. Sie zerbrachen sich seit zwei Wochen den Kopf darüber, wie sie den Horkrux zerstören sollten.

„Nein", musste Harry ehrlich zugeben und in diesen Momenten wurde ihnen so schmerzlich wie nie vor Augen geführt, dass Hermine nicht bei ihnen war. Sie hätte sofort irgendeine Lösung gewusst, hätte Vorschläge gemacht oder einen Plan ausgearbeitet. Ohne sie fühlte sich Harry verloren und hilflos. Die Aufgabe, die sieben Horkruxe zu zerstören, kam ihm plötzlich unüberwindbar vor.

Hermine, wo bist du nur?


Hermine blickte Rabastan an. Er stand immer noch vor ihr und sein Vorschlag stand im Raum. Sie überlegte fieberhaft. Ihr blieb keine andere Möglichkeit, als sich darauf einzulassen. Sie musste sich auf ihre Fähigkeiten verlassen. Rabastan hatte gesagt, der Nutzen von ihrer Vereinbarung würde davon abhängen, was Hermine daraus machte. Das hieß, sie musste das Beste aus ihrer Situation machen. Vielleicht konnte sie das, was Rabastan ihr erzählen würde, irgendwie dazu brauchen, von diesem Ort zu fliehen.

„Was sagen Sie dazu?", fragte Rabastan.

„OK. Das klingt fair. Sie erzählen mir was und ich erzähle was."

Er nickte. „Was halten Sie davon, wenn wir sogleich beginnen?" Er nahm das Buch ein zweites Mal und ließ sich auf dem Bett nieder. „Haben Sie schon alles gelesen?"

„Nein, erst die erste Geschichte", antwortete Hermine. „Ich wollte als nächstes das Märchen mit den drei Brüdern lesen."

„Ja, eine schöne Geschichte", meinte Rabastan. „Bei uns liest man das allen Kindern vor. Aber nachdem Sie bei Muggeln aufgewachsen sind, nehme ich an, kennen Sie unsere Märchen nicht."

„Das ist richtig, ja", musste Hermine zugeben. „Ich wollte meine Wissenslücke füllen."

„Ich bin positiv überrascht, dass Sie sie im Original, also in Runen, lesen. Es gibt neure Übersetzungen, aber die sind nicht so gut."

„Ich …" Sie errötete ein wenig. „Ich hab noch nicht angefangen."

„Ich könnte Ihnen die Geschichte erzählen, aber … nein. Lesen Sie sie erst. Wir können uns beim nächsten Mal darüber unterhalten." Er schlug das Buch zu und legte es wieder zu ihrer Silbentabelle.

„Ich bin allerdings überrascht, dass Sie so ein Buch bei sich haben. Sie schwänzen die Schule, stürzen sich in gefährliche Abenteuer und haben ein Märchenbuch dabei? Wie könnte Ihnen das bei dem, was auch immer Sie vorhaben, behilflich sein?"

„Das weiß ich selbst leider nicht", sagte Hermine. „Ich hoffe, ich finde es bald heraus."

„Verstehe", sagte Rabastan, aber überzeugt von ihrer Erklärung war er offensichtlich nicht. „Dieses Buch sieht sehr alt aus. Ich dachte vorne die Jahreszahl 1901 gelesen zu haben. Diese Ausgabe ist … sehr wertvoll, es gibt nicht mehr viele Exemplare aus dieser Zeit. Woher haben Sie die?"

„Sollten Sie … denn das nicht eigentlich bereits wissen? Ich meine … nachdem Sie das Ministerium übernommen haben?"

Er musterte sie entgeistert, doch dann hellte sich seine Miene auf. „Ah, verstehe. Ja, Yaxley hat etwas erwähnt, dass Scrimgeour Ihnen das Testament von Dumbledore eröffnet hat. Ist es wahr, dass Dumbledore Ihnen etwas vererbt hat?"

„Ja. Er hat mir das Märchenbuch vererbt."

Ein ungläubiger Ausdruck trat auf Rabastans Gesicht. „Ernsthaft? Dumbledore hat Ihnen sein Märchenbuch vererbt?"

„Ja."

„Zu welchem Zweck? Wie sollte Ihnen das weiterhelfen?"

Diese Frage hatte sich Hermine oft gestellt, seit sie das Buch zum ersten Mal in Händen gehalten hatte.

„Ich weiß es nicht", sagte sie ehrlich. „Ich hoffe, es herauszufinden, wenn ich es lese."

Rabastan nickte. „Lesen Sie zuerst, dann reden wir weiter."

„Wo … Wo ist eigentlich … mein Zauberstab?", fragte Hermine zögerlich. „Haben Sie …"

„Ich bewahre ihn sicher auf", sagte Rabastan. „Machen Sie sich aber keine Hoffnung, so schnell werden Sie ihn nicht wiedersehen."

Hermine schmunzelte und atmete tief durch. Sie schlang ihre Arme um ihren Körper und wich Rabastans intensivem Blick aus.

„Geht es Ihnen nicht gut?", fragte Rabastan. „Sie sehen ein bisschen blass aus."

„Ist schon OK. Ich sitze ja hier bloß bis in alle Ewigkeit fest", sagte Hermine sarkastisch.

„Vermissen Sie ihre Freunde?", wollte Rabastan wissen.

Hermine nickte und sah zu Boden, sodass der Todesser nicht sehen konnte, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Ja, sie vermisste ihre Freunde. Unsäglich. Die Sorgen und Ungewissheit trieben sie halb in den Wahnsinn.

„Kommen Sie", bat Rabastan höflich und deutete auf den Platz neben ihm auf dem Bett.

Hermine zögerte, aber dann folgte sie seiner Aufforderung und setzte sich neben ihn. Sie schluckte ihre Tränen hinunter und riss sich zusammen.

„Erzählen Sie mir was über sich", sagte Rabastan. „Dass Sie Alte Runen hatten, weiß ich ja jetzt schon. Was haben Sie noch für Schulfächer gehabt?"

„Ich hatte Arithmantik und Pflege magischer Geschöpfe", sagte Hermine.

„Arithmantik hatte ich auch", erklärte Rabastan. „Für magische Tiere habe ich mich allerdings nie interessiert. Was wollen Sie nach der Schule beruflich machen? Oder anders gesagt, was wollten Sie machen, bevor Sie sich entschieden haben, die Schule zu schmeißen."

„Naja", meinte Hermine schmunzelnd. „Wenn ich Ihnen das sage, werden Sie mich wahrscheinlich auslachen."

„Wieso?"

Hermine errötete. „Ich wollte etwas richtig Sinnvolles tun, z.B. mich für die Recht von anderen einsetzen, also … Hauselfen, Werwölfe, eben alle, die von Zauberern diskriminiert werden."

Rabastan lachte tatsächlich. „Tut mir Leid, das ist nicht abwertend gemeint, aber … Sie sollten Ihre Fähigkeiten wirklich für sinnvollere Dinge einsetzen."

„Zum Beispiel für mich selbst, denn … wie man hört zählen jetzt ja Schlammblüter ebenso wenig wie Hauselfen." Es war ihr herausgerutscht. Eigentlich hatte sie sich diese schnippische Antwort nur gedacht. Sie biss sich verlegen auf die Lippen und hoffte, der Todesser würde ihr das Gesagte nicht übel nehmen.

Lestrange sagte nichts darauf. Ihre Blicke kreuzten sich für einen Moment.

„Ich hätte eigentlich gedacht", sagte Rabastan dann. „Dass Sie eher die Auroren-Laufbahn anstreben. Der Kampf, den Sie uns im Ministerium geliefert haben, war beeindruckend für eine Schülerin. Oder vielleicht … wäre ja Heilerin der passende Beruf."

Hermine musste grinsen. Es war der richtige Moment, ein paar Grenzen auszuprobieren.

„Eine Gruppe von Schülern hat die Todesser ganz schön vorgeführt."

„Da kann ich nicht mal widersprechen", meinte Rabastan und gab sich geschlagen. „Allerdings … eine gewisse Portion Glück hatten Sie schon."

„Ich würde gerne etwas fragen", sagte Hermine. „Es hat aber nichts mit Ihnen zu tun."

„Nur zu."

„Mit was für einem Zauber hat mich … ähm … Ihr Kollege … Dolohow eigentlich verhext?"

Erkenntnis trat auf Rabastans Gesicht. „Ich erinnere mich", sagte er. „Ja. Der Zauber ist Dolohows Spezialität. Er hat ihn selbst entwickelt. Sie hatten sehr viel Glück, dass Sie ihn vorher zum Schweigen gebracht haben, denn wenn er die Formel laut ausgesprochen hätte, wären Sie heute nicht mehr hier."

Hermines Augen weiteten sich und sie sah den Todesser erschrocken an. „Der Zauber zerfetzt das Innenleben, wenn Sie verstehen, was ich meine."

Sie schluckte.

„Dolohow ist im Übrigen nicht gerade gut auf Sie zu sprechen … nach Ihrem Zusammentreffen in dem Café."

„Er … und … und dieser Rowle wollten uns töten!", sagte Hermine entrüstet. „Was hätten wir tun sollen? Wir haben ihnen nichts getan! Wir sind einfach gegangen und …"

„Schon gut, Sie müssen sich nicht rechtfertigen", sagte Rabastan und hob beschwichtigend die Hände. „Der Dunkle Lord war von Dolohows und Rowles Versagen nicht angetan und hat die beiden bestraft. Kommen Sie ihnen nicht in die Quere."

Beinahe wäre es Hermine herausgerutscht, dass sie das wusste. Harry hatte es in einer seiner Visionen am Grimmauld Platz gesehen. Sie war allerdings so umsichtig, dies gegenüber Lestrange nicht zu erwähnen. „Darauf bin ich nicht ohnehin … nicht scharf."

Sie verfielen in Schweigen, während Hermine überlegte, was sie sagen sollte. Sie fand es sehr einfach, mit Rabastan Lestrange zu reden, und irgendwie keimte Interesse in ihr auf, mehr über ihn zu erfahren. Gleichzeitig kam es ihr absurd vor. Immerhin standen sie auf unterschiedlichen Seiten und er sah in ihr nur ein wertloses Schlammblut. Und früher oder später war ihre Plauderei zu Ende, denn dann war es an Hermine wichtige Dinge preiszugeben.

„Was haben Sie nach der Schule gemacht?", fragte sie.

„Ich habe einige Jahre im Ministerium gearbeitet, aber hauptsächlich habe ich das Familiengeschäft geführt. Die Lestranges besitzen Immobilien und Ländereien. Wir haben oft Geschäfte ins Ausland unternommen. Ich weiß, langweilig."

„Das habe ich nicht gesagt …"

Rabastan schüttelte den Kopf. „Ich habe es … nicht gemocht. Mein Bruder war etwas enthusiastischer, was die Familienaufgaben anbelangte, aber …"

Vor lauter Aufregung hatte Hermine vergessen, dass Rabastan Lestrange ja einen Bruder hatte. Da er der Mann von Bellatrix war, hätte er eigentlich auch hier im Malfoy-Haus sein müssen. Sie konnte sich allerdings nicht erinnern, noch jemanden gesehen zu haben.

„Ihr Bruder ist Rodolphus, richtig? Ist Ihr … Bruder auch hier?", wollte sie wissen.

Rabastan antwortete nicht gleich und Hermine spürte sofort, dass sie etwas Falsches gefragt hatte. „Ähm, alles in Ordnung? Ich hab doch nichts …"

„Nein, es ist schon gut", sagte Rabastan schnell. „Mein Bruder ist nicht hier. Er ist tot."

Hermine war von der Härte und Nüchternheit, mit der Rabastan vom Tod seines Bruders erzählte, völlig vor den Kopf gestoßen. „Das … das tut mir sehr leid. Was ist passiert?"

Lestrange atmete tief durch. „Rodolphus starb im Kampf mit den sieben Potters. Unsere Nichte hat ihn verletzt und er … hat sich nicht mehr erholt."

Irgendetwas dämmerte in Hermines Gedächtnis. Tonks hatte davon gesprochen, dass Bellatrix auf sie losgegangen war und … dass sie Rodolphus verletzt hatten. Dann war es also auch auf der anderen Seite zu Verlusten gekommen.

„Tut mir wirklich sehr leid", sagte Hermine ehrlich.

Rabastan nickte anerkennend.

„Ihr Bruder … war doch … mit Bellatrix verheiratet, oder?"

„Ja, in der Tat." Hermine entging nicht der Unmut, der in Rabastans Stimme lag.

„Sind Sie auch verheiratet?", fragte sie vorsichtig.

„Nein. Das Glück der Ehe ist mir immer erspart geblieben."

In diesem Moment klopfte ein Hauself an die Zimmertür und brachte Hermine ein Tablett mit Abendessen.

„Dann will ich Sie mal nicht weiter stören", sagte Rabastan und erhob sich. „Essen Sie in Ruhe." Er deutete auf das Märchenbuch. „Lesen Sie, dann können wir beim nächsten Mal weitersprechen. Es interessiert mich, wie sie unsere Märchen finden. Es war eine sehr anregende Unterhaltung. Ich würde mir wünschen, Sie bald fortsetzen zu können." Er schenkte ihr ein nettes Lächeln, dann ließ er sie allein zurück.


Der Schein des Feuers war das einzige, das den Salon erhellte. Der Dunkle Lord ging langsam vor Rabastan auf und ab. Er hatte seine Hände hinter dem Rücken verschränkt.

„Was hast du zu berichten, Rabastan?", fragte Voldemort.

„Ich … habe allmählich Zugang zu dem Mädchen gefunden", sagte Rabastan. „Sie scheint sich mir gegenüber ein wenig zu öffnen."

„Hat sie bereits relevante Informationen preisgegeben?"

„Nein, My Lord", musste Rabastan zugeben. „Ich fürchte, es wird noch dauern, bis sie mir so vertraut. Ich … bin aber zuversichtlich."

Voldemort trat nah an Rabastan heran und sah ihm direkt in die Augen. „Rabastan, du kennst deinen Auftrag. Der Potter-Junge entzieht sich mir weiterhin. Ich brauche das Mädchen und es ist an dir …" Er sprach nicht weiter, aber Rabastan verstand es dennoch. Der Lord wurde ungeduldig und verlangte nach Fortschritten.

„Verzeiht mir, aber … Eine Beziehung zu dem Mädchen aufzubauen, wird seine Zeit dauern."

„Das weiß ich wohl", sagte Voldemort ernst. „Ich habe Vertrauen in deine Fähigkeiten, Rabastan, deshalb habe ich dich für diese Aufgabe ausgewählt. Aber denke daran … Die Zeit drängt."

„Ja … My Lord."

„Ich verlasse mich auf dich. Wage es nicht, mich zu enttäuschen."