Panik hatte Hermine ergriffen und sie durchwühlte aufgeregt ihre verzauberte Tasche. Für einen kurzen Moment schien ihre schlimmste Befürchtung wahr zu werden und ihr Atem stockte, doch dann schloss sich ihre Hand um das Gesuchte und sie seufzte erleichtert, als sie den feinen Stoff unter ihren Fingern fühlte. Der Tarnumhang war noch da, die Todesser hatten ihn nicht gefunden und beschlagnahmt. Merlin sei Dank.

Erschöpft sank sie auf ihrem Bett nieder, schloss die Augen und atmete erstmal tief durch.

Glücklicherweise hatte sie den Tarnumhang in ein Seitenfach gesteckt, wo er nicht leicht zu finden war. Als die Todesser ihre Tasche durchsucht hatten, mussten sie ihn übersehen haben. Nicht auszudenken, was wäre, wenn er denen in die Hände gefallen wäre.

Der Tarnumhang war ein wertvoller und seltener magischer Gegenstand und mit Sicherheit würde er sofort Begehrlichkeiten wecken. Wer wollte nicht gerne solch einen Tarnumhang besitzen? Vielleicht hätte man ihn einfach für viel Geld unter die Leute gebracht. Hermine mochte sich so etwas gar nicht vorstellen. Der Umhang gehörte Harry und sie wusste, dass es ihn der Verlust sehr treffen würde.

Sie war einfach nur heilfroh, dass er noch in ihrer Tasche war. Sie ließ das samtene Material nachdenklich durch ihre Finger gleiten, dann faltete sie ihn möglichst klein zusammen und verstaute ihn dort, wo sie ihn bislang versteckt hatte. Sie legte sogar noch andere Dinge obenauf, nur damit ihn niemand finden würde. Und damit sie selbst nicht mehr daran dachte, ihn vielleicht zu benutzen, um vom Malfoy-Anwesen zu fliehen.

Der Gedanke hatte sich verständlicherweise in ihren Kopf geschlichen, aber sie hatte ihn schnell beiseitegeschoben. Ein solcher Plan war zum jetzigen Zeitpunkt viel zu riskant und wenn sie erwischt wurde, dann war der Tarnumhang Geschichte.

Sie schüttelte energisch den Kopf und versuchte, sich wieder ihrem Buch zu widmen.


Hermine beendete das Märchen von den drei Brüdern und legte das Buch nachdenklich beiseite. Die Geschichte hatte ihr zwar gefallen, aber sie wusste nicht recht, was sie davon halten sollte. Drei Zauberern, die dem Tod entgegengetreten waren und drei sagenhafte Gegenstände bekommen hatten. Gegenstände, die zwei von ihnen zum Verhängnis geworden waren.

Die Moral der Geschichte war halbwegs einleuchtend, auch wenn Hermine sie für eine Kindergeschichte sehr ernst fand. Aber gut, dachte sie, einige Muggelmärchen waren ebenfalls sehr ernst und man konnte darüber streiten, ob sie kindgerecht waren.

Sie entschloss sich, die Geschichte ein zweites Mal zu lesen und blätterte deshalb auf den Anfang zurück. Gerade als ihr Blick über die Überschrift glitt, fiel ihr etwas auf, das sie zuvor nicht bemerkt hatte. Zwischen den Verzierungen am oberen Seitenrand befand sich ein seltsames Symbol, das sie nicht kannte. Es war sehr klein - wahrscheinlich hatte sie es deshalb bislang nicht gesehen - und sah im ersten Moment wie ein Auge aus, als sie jedoch genauer hinsah, erkannte sie die Form.

Es war ein Dreieck, in das ein Kreis und ein senkrechter Strich eingeschlossen waren. Sie überlegte kurz, aber konnte sich nicht erinnern, das Zeichen jemals in einem Runentext gesehen zu haben. Ein Blick in ihre Silbentabelle bestätigte ihre Vermutung. Auch das Wörterbuch enthielt das Zeichen nicht. Es war also offenbar keine Rune. Aber was war es dann?

Sie blätterte die anderen Seiten durch, um zu sehen, ob es noch an anderer Stelle zu finden war, aber wurde enttäuscht. Das Zeichen befand sich nur auf der Seite über dem Märchen mit den drei Brüdern.

Hermine schmunzelte. Sie drehte das Buch, hielt es in anderer Position gegen das Licht und fuhr mit dem Finger über das Zeichen. Es fühlte sich so an, als hätte jemand es mit einer Feder hineingezeichnet. Hatte womöglich Dumbledore es hinterlassen? Aber wozu?

Hatte er Hermine das Buch aus diesem Grund vererbt? Dass sie auf das Zeichen stoßen sollte?

Das würde dem Schulleiter ähnlich sehen. Leider musste sie zugeben, dass Dumbledore ihre Fähigkeiten diesmal überschätzt hatte. Sie hatte das merkwürdige Symbol, das wie ein Auge aussah, noch nie zuvor gesehen und hatte keine Idee, was es zu bedeuten hatte oder was sich Dumbledore dabei gedacht haben könnte.

Sie seufzte laut, legte das Buch beiseite und ließ sich auf ihr Bett zurückfallen.

Als es klopfte, setzte sie sich auf und wandte sich Richtung Tür.

Rabastan Lestrange trat herein. Er hatte zwei dampfende Tassen auf einem Tablett dabei.

„Ich hoffe, ich störe Sie nicht", sagte er und lächelte sie verschmitzt an.

„Nein, nein", meinte Hermine schnell. „Ich hab nur … gelesen."

„Sehr schön, dann möchte ich jetzt wissen, wie Sie es fanden. Trinken Sie indischen Tee?"

„Ich hab ihn noch nie probiert", sagte Hermine verlegen und nahm eine Tasse entgegen. Der Tee roch herrlich nach Gewürzen.

„Hab mir ein Bekannter empfohlen, der mit einer Inderin verheiratet ist", erklärte Rabastan und goss Milch in die Tassen. „Zucker?"

Sie nickte und nahm einen Teelöffel Zucker in ihr Getränk. Schweigend rührte sie und nahm einen kleinen Schluck. Sie sah auf ihre Tasse in ihren Händen und wich Rabastans Blick aus.

„Wie geht es Ihnen heute, Hermine?" Sie sah verwundert auf.

Er hatte zum ersten Mal ihren Vornamen benutzt. Es klang ein bisschen eigentümlich, aber auch irgendwie gut. Es hatte etwas Persönliches an sich.

„Ganz gut, glaube ich."

Er nahm einen Schluck seines Tees. „Ich bin ganz gespannt, wie Sie unsere Märchen fanden. Haben Sie sie gelesen?"

„Ja, habe ich. Ich bin vorhin gerade fertig geworden."

„Und? Was sagen Sie?"

Hermine stellte ihre Tasse auf das Tablett und zog das Buch heran. „Das Märchen von den drei Brüdern hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Es ist ungewöhnlich, aber richtig gut. Fast ein bisschen ernst für ein Kindermärchen."

„Ja, das stimmt wohl", meinte Rabastan zustimmend.

„Was glauben Sie bedeutet das Märchen?", fragte Hermine. „Also, es ist natürlich metaphorisch zu verstehen …"

Er nickte. „Ich denke, die Botschaft des Märchens ist eindeutig", sagte Rabastan. „Mit dem Tod spielt man nicht. Man kann ihn nicht austricksen, er holt einen trotzdem am Ende. Daran kann auch Magie nichts ändern."

Hermine grinste. Wenn Rabastan wüsste, was er gerade gesagt hatte. Es war fast Ironie, dass ein Todesser das gesagt hatte, wo doch ihr Anführer seit Jahrzehnten alles getan hatte, um dem Tod zu entkommen. Mithilfe von Magie.

„Die drei Brüder waren mit Sicherheit sehr begabte Zauberer, aber noch viel größer als ihre magischen Kräfte waren ihre Arroganz und ihr Hochmut. Nur der dritte Bruder hat seinen Kopf gebraucht", sagte Rabastan. „Aber auch er musste sterben, die Endlichkeit seines Lebens akzeptieren."

„Ein bisschen philosophisch für Kinder, meinen Sie nicht?", sagte Hermine lachend.

„Ja, natürlich. Kindern erzählt man, dass sie den Kopf unten halten sollen und keinen Ärger suchen sollen. Immer still sein Ding machen, dann hast du keine Probleme."

„Genau wie in den Muggelmärchen", fügte Hermine hinzu. „Da steht das gleiche drin. Immer schön nach den Regeln leben, die die Gesellschaft für einen vorgesehen hat. Tugendhaftigkeit, Stillsein und darauf warten, bis der Prinz auf dem Ross vorbeikommt."

Rabastan musste lachen.

„Ich meine das ernst!", verteidigte sich Hermine. „In Muggelmärchen geht es immer nur um irgendwelche Prinzessinnen oder arme kleine Mädchen, die am Ende ihren Traummann bekommen sollen."

„Ja, ja, ich hab ja schon gemerkt, dass Sie nicht viel von gesellschaftlichen Konventionen halten", sagte Rabastan amüsiert.

„Wenn man immer nur nach den gesellschaftlichen Konventionen lebt, kann es keinen Fortschritt geben! Ich meine, dann dürften Frauen bis heute noch keiner Arbeit nachgehen!", sagte Hermine, doch dann wurde sie plötzlich kleinlaut. „Sehen Sie mich bitte nicht so mitleidig an", sagte sie auf Rabastans Blick hin. Er lachte.

„Das erinnert mich an die 70er, als alle bei uns gegen ihre Eltern rebelliert haben. Bloß nicht wie die eigenen Eltern werden."

„Bei uns? Heißt das … in der reinblütigen Gesellschaft?"

„Ja. In der reinblütigen Gesellschaft gab es klare Regeln. Frauen wurden verheiratet und waren das Aushängeschild ihres Mannes. Ihre einzige Aufgabe war der Familie ein gutes Ansehen zu verschaffen und keine Schande zu bereiten. Damals haben die ersten aufbegehrt. Sie wollten sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie sie zu leben hatten. Der Erfolg war zugegeben mäßig, aber … immerhin."

„Waren Sie auch ein Rebell?"

„Ich fürchte, das verschieben wir auf ein anderes Mal, ich sage nur so viel: Meine Familie war mit meinem Lebensstil nicht zufrieden. Ich bin nicht verheiratet, das will in unseren Kreisen etwas heißen. Aber zurück zu Beedle dem Barden und den drei Brüdern."

Es fühlte sich gut an, zu lachen. Wie lange war es her, dass Hermine Grund zum Lachen gehabt hatte? Sie vergaß für einen Moment völlig, in wessen Gegenwart sie so ausgelassen lachte. Es gefiel ihr, wenn Rabastan lachte. Es machte ihn weniger bedrohlich und einschüchternd.

„Jetzt mal Spaß beiseite über die Stellung der Frau in Märchen", meinte Rabastan. „Wie fanden Sie es wirklich? Und wie würden Sie es interpretieren?"

„Wie gesagt, sehr gut. Der Runentext ist sprachlich sehr schön. Ich musste manchmal das Wörterbuch benutzen, deshalb hat es etwas länger gebraucht, aber der Lesegenuss ist wirklich hoch. Und naja, ich denke das Märchen soll zeigen, dass auch Magie ihre Grenzen hat und dass man nicht alles mit Magie richten kann. Unabhängig vom Tod. Und dass es sogar böse enden kann, wenn man diese Grenzen nicht akzeptieren kann. Im Großen und Ganzen schließe ich mich dem an, was Sie gesagt haben."

„Weise Worte." Rabastan leerte seine Tasse und sie verfielen erneut in Schweigen. Hermine sah nachdenklich auf ihren Tee hinab und überlegte. Der Todesser hatte gesagt, dass ihre Gespräche auf Gegenseitigkeit beruhen sollten und dass es darauf ankam, was Hermine aus den Dingen, die er ihr sagte, machte. Sie dachte an das Zeichen zurück, dass sie nicht verstanden hatte und überlegte, ob es einen Versuch wert war, Lestrange danach zu fragen.

„Ähm, Mr. Lestrange?", fragte Hermine, aber der Todesser verzog das Gesicht.

„Bitte lassen wir doch die Förmlichkeiten", sagte Rabastan entschieden. „Nennen Sie mich Rabastan. Sonst machen Sie mich noch älter als ich ohnehin bin."

„OK … Rabastan. Sie haben doch gesagt, ich darf Sie auch Dinge fragen."

Er nickte. „Mir ist beim Lesen etwas aufgefallen und ich … konnte damit nichts anfangen." Er horchte auf.

„Etwas, das für Ihren Verstand unergründlich war? Das fällt mir schwer zu glauben."

Hermine stellte ihre Tasse beiseite und schlug das Buch am Anfang der Geschichte mit den drei Brüdern auf. Sie zeigte ihm die Seite.

„Kennen Sie das Zeichen hier?"

Sie deutete mit dem Finger auf das Symbol. Rabastan musste das Buch nah an sein Gesicht halten, damit er das dreieckige Auge erkennen konnte. Er runzelte nachdenklich die Stirn.

„Ist das eine Rune?", fragte er. „Mir wäre nämlich keine bekannt, die so aussieht."

„Genau, das ist es", sagte Hermine. „Ich habe es in meiner Silbentabelle nicht gefunden, also denke ich, dass es keine Rune ist. Es muss irgendein Symbol sein. Kennen Sie es?"

„Hm …" Der Todesser betrachtete das Zeichen schweigend und legte den Kopf schief. „Es kommt mir irgendwie … bekannt vor. Ich denke, dass ich es schon mal gesehen habe, aber ich weiß leider nicht mehr, wo."

„Sie kennen es?"

„Ich bin mir sehr sicher, aber ich kann es Ihnen im Moment nicht sagen. Es will mir partout einfallen, wo ich es schon mal gesehen habe."

Enttäuschung machte sich in Hermine breit. Sie hatte wirklich darauf gehofft, Lestrange könne ihr weiterhelfen.

„Tut mir leid, ich müsste selbst jemanden fragen", meinte der Todesser. „Würden Sie mir das Buch für ein paar Tage überlassen?"

Hermine starrte ihn ungläubig an. Mit dieser Frage hatte sie nicht gerechnet. „Ähm, ich …"

„Ich wüsste jemanden, der es bestimmt kennt. Ich sehe ihn sogar demnächst, dann kann ich ihn fragen."

„Ähm, ich weiß nicht, ich …"

Rabastan schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und legte sanft seine Hand auf ihre. Sie zuckte innerlich zusammen auf seine Berührung, doch schon nach einem kurzen Moment fiel alle Anspannung von ihr ab. Rabastans Haut war weicher als sie erwartet hatte und seine Hand war warm. Seine Wärme schien auf sie überzugehen und ein wohliges Gefühl erfasste sie.

„Sie bekommen Ihr Buch danach sicher zurück. Vertrauen Sie mir", raunte Rabastan mit tiefer, samtiger Stimme.

Hermine sah ihn an und nickte. „OK", sagte sie leise. Sie zweifelte keine Sekunde daran, dass er sein Wort halten würde.


Rabastan betrat den Tropfenden Kessel am frühen Abend. Noch waren nicht viele Gäste da. Er fand Antonin Dolohow in einer Nische an einem runden Tisch sitzen, Pfeife rauchend und ein Glas Feuerwhiskey vor sich. Er prostete Rabastan zu, als dieser sich ihm gegenüber auf dem Stuhl niederließ.

„Lestrange, lange nicht gesehen", sagte Dolohow. „Wie stehen die Dinge? Wie ich hörte, habt ihr einen besonderen Gast im Malfoy-Haus."

„Es läuft alles gut", versicherte Rabastan ihm.

Dolohow nickte. Rabastan spürte den Unmut seines Gegenübers. Offenbar hatte Dolohow nicht vergessen, dass er wegen Hermine Granger und ihren Freunden eine schwere Bestrafung durch den Dunklen Lord hatte ertragen müssen. Wahrscheinlich hätte er nur zu gern Vergeltung geübt.

„So, so", meinte Dolohow. „Warum wolltest du mich so früh treffen? Die anderen werden erst in einer halben Stunde hier sein."

Rabastan hatte sich mit ein paar anderen Todessern zu einem Abend zum Kartenspielen verabredet. Er hatte Antonin Dolohow allerdings früher einbestellt, damit sie ungestört über das Buch und das Symbol sprechen konnten. Er wollte nicht zu viel Aufsehen um die Sache erregen.

„Du musst mir versprechen, dass das unter uns bleibt."

„So geheimnisvoll, Rabastan."

„Bitte."

„Also gut, du hast mein Wort."

Rabastan holte das alte ledergebundene Buch von Dumbledore aus seiner Tasche und legte es vor den anderen Todesser auf den Tisch. Dolohow zog die Augenbrauen zusammen.

„Was ist das denn?", fragte er.

„Die Märchen von Beedle dem Barden", erklärte Rabastan. „Die Ausgabe von 1901, noch original in Runen."

„Nicht schlecht", meinte Dolohow verwundert. „Müsste ein paar hundert Galleonen wert sein, so gut wie es erhalten ist. Woher hast du das?"

„Es gehört Hermine Granger. Davor hat es niemand geringerem als Albus Dumbledore gehört. Er hat es ihr vermacht."

„Der alte Mann war seniler als ich dachte. Eigentlich hatte ich mal eine hohe Meinung von ihm, aber jetzt …"

„Ich verstehe auch nicht ganz, was das soll, aber gut … Was ich dich eigentlich fragen wollte …" Rabastan schlug die Seite mit dem merkwürdigen Symbol auf und schob sie Dolohow hin. Dieser sah ihn entgeistert an.

„Rabastan, ich beherrsche drei Fremdsprachen, aber ich hatte nie Runen. Ich kann das nicht lesen."

„Du sollst nicht den Text lesen. Da, über der Überschrift ist so ein Zeichen."

Dolohow setzte seine Lesebrille auf und studierte die Seite eingehender. Rabastan deutete mit dem Finger auf das Dreieck. „Ich kenn dieses Zeichen irgendwoher, aber ich weiß es einfach nicht mehr. Es kommt mir sehr bekannt vor. Ich hatte gehofft, du weißt es und könntest es mir sagen."

Dolohow legte mit einem Lächeln seine Brille zur Seite. „Natürlich kenne ich dieses Zeichen. Ich habe es in Durmstrang selbst gesehen, es ist dort in die Wände eingraviert. In Osteuropa kennt es jeder. Es ist das Symbol von Grindelwald."

„Bitte was?" Rabastan glaubte, sich verhört zu haben.

„Ich erkenne es sofort. Es ist das Zeichen von Grindelwald."

Rabastan blickte verwundert auf das Buch. Damit hatte er nicht gerechnet, aber das erklärte zumindest, warum ihm das Zeichen so bekannt vorgekommen war. Grindelwald war eine Legende, die nur durch den Dunklen Lord vom Thron des mächtigsten schwarzen Magiers gestoßen worden war.

„Das ist seltsam, was hat das Zeichen von Grindelwald in einem Kinderbuch zu suchen?"

„Hat Dumbledore das da reingezeichnet?", fragte Dolohow.

„Sieht so aus, ja. Nachdem es in seinem Besitz war … Ich frage mich auch, warum es nur auf dieser Seite ist. Bei den Überschriften zu den anderen Geschichten hat er es nicht dazu gemalt, nur bei dem Märchen mit den drei Brüdern."

„Ach das, ja. Das kenne ich", sagte Dolohow. „Und es ist nur da?"

„Das Zeichen ist nur einmal im ganzen Buch, auf dieser Seite. Was könnte das Zeichen von Grindelwald mit dieser Geschichte zu tun haben? Und warum sollte Dumbledore …"

Dolohow schüttelte den Kopf. „Das weiß ich leider nicht." Er legte seine Pfeife beiseite. „Was ich aber weiß, ist, dass du Rita Kimmkorn lesen solltest."

„Du willst mir nicht ernsthaft erzählen, dass du diesen Müll von dieser schrecklichen Frau gelesen hast?", fragte Rabastan ungläubig. Er hatte im Tagespropheten erfahren, dass sie eine Biografie über Dumbledore veröffentlicht hatte und den Ausschnitt daraus gelesen.

„Man mag von ihr und ihren Methoden halten, was man will, Lestrange, aber … Sie hat was sehr interessantes über Dumbledore und Grindelwald geschrieben. Vielleicht findest du ja dort Antworten auf die Fragen, die du suchst."

Obwohl Dolohow ihm weitergeholfen hatte, war Rabastan noch ratloser als zuvor.