Ich hab jetzt zum Glück wieder etwas Luft und habe über die Weihnachtsferien einiges schreiben können. Wie ich weiter uploaden kann, weiß ich noch nicht. Bei mir ist schon ziemlich der Abistress losgegangen.


Hermine tauchte nahe eines Waldes wieder auf. In einiger Entfernung waren die Lichter eines kleinen Dorfes in der Dunkelheit zu erkennen. Sie stand offenbar am Rande eines Feldes. Der Boden war mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Der Himmel war sternenklar.

Das Licht verließ ihren Körper und schwebte voraus, bis ein einfaches Gebäude, eine Scheune oder ein alter Stall in der Dunkelheit auftauchten. Es blieb für einen Moment in der Luft stehen, bis Hermine aufgeschlossen hatte, dann löste es sich langsam auf.

Hermine verstand zuerst nicht, warum das Licht sie hierhergeführt hatte, doch dann spürte sie Magie. Jemand hatte Schutzzauber um die alte Scheune gelegt. Und sie war mitten in das magische Schild getreten.

Dor Tor der Scheune wurde langsam geöffnet und das Licht eines Zauberstabes erhellte die Dunkelheit. Eine Person trat heraus.

„Harry!"

„Hermine! Wie…" Sie schnitt Harry das Wort ab, weil sie ihm wild um den Hals gefallen war und ihn stürmisch umarmte.

„Ich bin so froh, dich zu sehen!", sagte Hermine. Sie hatte Tränen in den Augen.

„Ich auch. Ich auch", sagte Harry und erwiderte die Umarmung. „Aber Moment mal…"

Harry löste sich von ihr und hielt ihr seinen Zauberstab entgegen. „Woher weiß ich, dass du wirklich Hermine bist?"

Hermine war von der Frage völlig überrumpelt. Sie freute sich so sehr über das Wiedersehen mit Harry, dass sie nicht einen Moment an so etwas gedacht hatte. Aber Harry hatte Recht. Er musste sichergehen, dass sie keine Betrügerin war. Sie überlegte kurz, dann fiel ihr ein, was Lupin Harry im Fuchsbau gefragt hatte, nach der Schlacht der sieben Potters über Surrey.

„Als du das erste Mal in Lupins Klassenzimmer warst in unserem dritten Schuljahr, da saß ein Grindeloh in einem Aquarium in der Ecke. Lupin hat dich das auch im Fuchsbau gefragt, nachdem wir dort angekommen sind."

Harry sah sie eindringlich an. Er ließ seinen Zauberstab sinken.

„Du bist es wirklich, Hermine."

„Ja."

Die beiden Freunde umarmten sich ein zweites Mal.

„Du hast mir so gefehlt", sagte Harry. „Geht es dir gut? Wo warst du die ganze Zeit? Ich hatte solche Angst um dich."

„Es geht mir gut", versicherte Hermine. „Es geht mir gut."

„Wie hast du mich gefunden?", fragte Harry verwirrt.

Hermine griff in ihre Tasche und holte den Deluminator heraus. „Damit."

„Woher hast du den?!", fragte Harry entsetzt. „Der gehörte doch…"

„Ich weiß, Harry, ich weiß. Rabastan Lestrange hat ihn mir geschenkt."

„Dann hast du es gehört, oder?"

Hermine nickte, doch im nächsten Moment fing sie auch schon zu weinen an.

Harry nahm sie tröstend in den Arm. Sie gingen nach drinnen in die Scheune, wo Harry sich ein spärliches Lager aufgeschlagen hatte. Er erneuerte die Schutzzauber um das Gebäude, dann ließ er sich neben Hermine auf einer Decke nieder.

„Hermine, ich…"

„Was ist passiert, Harry? Wie konnte sowas…" Sie brach ab. Sie wagte es nicht, die schmerzliche Tatsache auszusprechen. „Was ist passiert, nachdem wir aus dem Ministerium appariert sind?"

„Ron und ich sind zu Bill und Fleur. Die beiden wohnen in einem Haus an der Küste und wir konnten erstmal dort unterkommen. Wir hatten nichts mehr außer dem verdammten Horkrux. Irgendwann sind wir losgezogen, um dich zu suchen und nach irgendeinem Weg zu suchen, das Ding zu zerstören."

Harry seufzte erschöpft. Er wirkte traurig.

„Es ging zuerst mal los, dass wir von einer Truppe Greifern aufgegriffen wurden. Und ab da wussten wir dann auch wie uns die Todesser in dem Café und am Grimmauld Platz finden konnten."

Hermine nickte. Rabastan hatte ihr davon erzählt.

„Ron und ich haben diskutiert und ich habe dabei den Namen von Du-weißt-schon- wem benutzt. Auf dem Namen liegt ein… Tabu oder so ähnlich, jedenfalls wenn man ihn ausspricht, hat man entweder Greifer oder Todesser am Hals. Wir konnten zum Glück knapp entkommen."

„Seid ihr verletzt worden?!"

„Nein", sagte Harry. „Wir hatten wahnsinniges Glück. Aber dann… kam etwas anderes."

„Was? Was ist passiert, Harry?"

„Je länger wir unterwegs waren, desto öfter haben Ron und ich uns gestritten. Jeder von uns hatte abwechselnd den Horkrux um den Hals und… wenn Ron ihn trug, dann war es besonders schlimm. Ich konnte mich zusammennehmen, aber er…" Harry schluckte. „Es wurde immer schlimmer. Er hat mir vorgeworfen, dass ich keinen Plan hätte. Dass wir uns umsonst in dieser Gefahr begeben hätten, weil wir ohnehin keine Möglichkeit hätten, die Horkruxe allein zu zerstören. Er hat mir die Schuld gegeben, dass du verschwunden bist. Und er hat mir vorgeworfen, ich würde nur untätig rumsitzen und nichts unternehmen, nicht nach dir suchen, gar nichts. Irgendwann haben wir uns so heftig gestritten, dass er gegangen ist. Er wollte auf eigene Faust nach dir suchen. Ich konnte ihn nicht aufhalten. Ich habe seitdem den Horkrux nicht mehr angerührt. Er muss irgendwie den Todessern in die Arme gelaufen sein. Ich habe es zufällig aus der Zeitung erfahren."

„Es war eine Gruppe Greifer, Harry."

„Woher weißt du das?", fragte Harry.

„Rabastan hat es mir erzählt", erklärte Hermine. „Ron muss ihnen in die Arme gelaufen sein. Es muss zu einem Kampf gekommen sein und dann…"

„Rabastan?", hakte Harry ungläubig nach. „Etwa Lestrange? Dieser Todesser, der mit dir auf der Hochzeit getanzt hat?"

Hermine nickte.

„Was hast du mit ihm zu tun, Hermine? Hat er dir etwas getan?!"

„Nein, Harry, er hat mir nichts getan."

„Was ist mit dir passiert, nachdem wir getrennt wurden? Hat dich Yaxley mit sich genommen oder…?"

„Ja. Er hat sich an mich geklammert und ich habe versucht, ihn mit einem Fluch abzuschütteln, aber… Ich konnte euch noch weiterschicken, aber Yaxley und ich sind am Grimmauld Platz gelandet."

Harry stöhnte auf. „Ich wusste es!"

„Der Fidelius- Zauber wurde gebrochen, ebenso der Zauber der gegen Snape eingerichtet worden war. Yaxley hat mich gefangen genommen und mich zum Haus der Malfoys gebracht."

„In das Haus der Malfoys?!"

„Ja. Der… Du-weit-schon-wer benutzt es irgendwie als Basis, als Standort. Ich war dort wochenlang gefangen. Am Anfang…" Ein Kloß bildete sich in Hermines Hals, als sie sich an die ersten Tage in dem Anwesen zurückdachte. „Bellatrix hat mich gefoltert. Sie wollte wissen, wo du bist. Ich habe gesagt, ich weiß es nicht. Dann musste ich in die Kerker."

Harry ballte die Hände vor Wut zu Fäusten.

„Rabastan Lestrange… Er war die ganze Zeit sehr nett zu mir, Harry. Er hat mir ein richtiges Zimmer gegeben und er kam immer zu mir und wir haben geredet. Über alles Mögliche. Er hat mich vor Bellatrix beschützt. Er hat sie von mir ferngehalten, weil sie mich foltern wollte, bis ich sage, wo du bist."

„Wieso, was hatte er davon?"

„Wir haben eine Art… Vertrag gemacht, Harry. Ich sollte ihm etwas von mir erzählen, dafür hat er mir etwas von sich erzählt. Natürlich sollte es darauf hinauslaufen, dass ich ihm früher oder später von unseren Plänen erzähle, aber… zum Glück kam es so weit nicht mehr. Wir haben uns nur über unser Leben unterhalten."

„Hast du ihm irgendwas gesagt, was wir vorhaben, Hermine?"

„Leider doch, ein bisschen was musste ich ihm erzählen", gab Hermine schweren Herzens zu. „Ich habe es so formuliert, dass er nicht viel damit anfangen kann. Ich habe ihm gesagt, dass wir etwas suchen und dass Regulus deswegen verschwunden ist. Damit konnte ich ihn beschäftigen."

„Hermine…"

„Es tut mir Leid, Harry. Ich habe sonst nichts gesagt, nur das…"

„Ist schon gut. Das ist nicht wichtig, Hermine. Hauptsache dir geht es gut und dieser Todesser hat dir nichts getan."

„Rabastan hat mir nichts getan, Harry. Er war immer total nett zu mir. Er hat sich wirklich für mich interessiert. Wir haben uns… das hört sich jetzt vermutlich seltsam an, aber… Wir haben uns wirklich gut verstanden und er ist…"

„Hermine!", mahnte Harry. „Lestrange ist einer seiner treuesten Anhänger! Und er war mit dafür verantwortlich, dass Neville keine Eltern mehr hat! Wie kannst du ihn so verteidigen?! Er war nur nett zu dir, weil er wollte, dass du mich verrätst!"

„Ja, ich weiß", sagte Hermine leise, auch wenn sie Harrys Worte nicht glauben wollte. Sie wusste zwar, dass Rabastan Informationen von ihr haben wollte und sie deshalb so viel Zeit miteinander verbracht hatten, aber sie hatte mehr als das in ihm gesehen. Sein Interesse an ihr und ihrer Geschichte war nicht nur gespielt gewesen, davon war sie überzeugt.

„Was haben Ron und du gemacht, bevor ihr euch getrennt habt? Wie wolltet ihr mich denn finden? Und was ist mit dem Horkrux? Da seid ihr wirklich nicht weitergekommen?"

Harry verneinte mit einem Kopfschütteln. „Du willst wissen, was wir gemacht haben? Ron und ich haben was ziemlich Dummes gemacht, was verdammt Dummes, aber es hat uns doch irgendwie einen Schritt weitergebracht, wenn auch keinen großen, weil wir uns danach ja nur noch gestritten haben."

Hermine starrte ihn entgeistert an.

„Wir sind nochmal zum Grimmauld Platz zurück."

„Was?!"

„Wir hatten ja das Medaillon, aber keiner wusste, wie wir es zerstören konnten. Also mussten wir uns was einfallen lassen. Am Grimmauld Platz hängt doch ein Portrait von Phineas Nigellus Black. Du hast es ja abgenommen, als wir kurzfristig dort eingezogen sind, damit er uns nicht an Snape in Hogwarts verraten kann. Ron und ich sind in das Haus eingebrochen und haben das Bild befragt."

„Und? Habt ihr was rausbekommen?"

„Das kann man wohl sagen", sagte Harry. „Er hat zwar nicht mitbekommen, was mit dir passiert ist, nur dass Todesser vom Ministerium das Haus auf den Kopf gestellt haben. Wir wissen jetzt aber endlich, warum Dumbledore mir das Schwert von Gryffindor vererbt hat."

Hermine sah ihn gespannt an.

„Phineas hat uns erzählt, dass er Dumbledore dabei beobachtet hat, wie er den Ring damit gespalten hat."

Hermines Augen weiteten sich. „Natürlich!" Bei ihr war der Groschen gefallen.

„Ich habe mit dem Schwert den Basilisken in der Kammer des Schreckens erstochen. Das Schwert ist koboldgearbeitet, es nimmt nur auf, was es stärkt, Hermine. Es ist mit Basiliskengift getränkt. Und Basiliskengift kann Horkruxe zerstören."

„Ja, das habe ich dem Buch von Dumbledore gelesen", sagte Hermine. Sie hatte sofort begriffen. „Dann ist es klar, warum Dumbledore es dir vererbt hat. Aber er hätte doch wissen müssen, dass das Ministerium das nicht zulassen würde. Wo ist das Schwert jetzt?"

„Es war in Hogwarts, in Snapes Büro", erklärte Harry. „Ginny und Neville haben versucht, es zu stehlen. Sie haben ziemlich Ärger bekommen deswegen."

„Oh nein." Hermine schlug sich vor Schreck die Hand vor den Mund.

„Sie haben es nicht geschafft. Snape hat sie erwischt, aber… die Strafe muss… vergleichsweise milde ausgefallen sein. Zum Glück. Das Merkwürdigste aber war, Phineas hat erzählt, dass Snape eine Kopie des Schwertes angefertigt hat und diese Kopie hat er ins Verlies der Familie Lestrange geschickt."

„Snape soll das gemacht haben?"

„Ja. Ich versteh das auch nicht", sagte Harry. „Leider weiß ich nicht, wo das echte Schwert ist."

„Verstehe."

Hermine wärmte ihre Hände an der magischen Flamme, die zwischen ihnen loderte.

„Hast du den Deluminator von Lestrange bekommen?", wollte Harry wissen.

„Ja. Er hat ihn mir geschenkt. Ich war nach der Nachricht von… Rons Tod ziemlich am Boden und er hat sich sehr gut um mich gekümmert. Ich durfte sogar mal nach draußen. Er hat ihn mir gegeben, weil er dachte, er könne mich damit aufmuntern."

„Das Ding hat dich zu mir geführt? Wie?"

„Ich hatte ein Licht darin eingeschlossen und… in dem Moment, in dem es mir am schlechtesten ging, hat mir das Licht den Weg zu dir gewiesen. Es ist irgendwie in mich hinein und dann wusste ich, wohin ich apparieren sollte. Ich denke, deswegen hat Dumbledore ihn uns vererbt. Weil er vorhergesehen hat, dass wir durch irgendetwas getrennt werden könnten. Er wollte, dass der Deluminator uns hilft, wieder zueinander zu finden."

„Wie bist du geflohen, Hermine?"

„Das war… eine Anhäufung von lauter Zufällen. Ich war immer in dem Zimmer eingesperrt, darauf hat Rabastan immer geachtet. Aber heute Abend muss er es irgendwie vergessen haben. Die Tür war offen und ich konnte raus. Dann bin ich in Rabastans Zimmer und habe meinen Zauberstab geholt. Rabastan hatte ihn bei sich, er hat ihn nicht kaputt gemacht. Er und Narcissa Malfoy waren heute Abend nicht im Haus und ihr Mann, Lucius Malfoy hat schon geschlafen. So bin ich rausgekommen."

„Hast du eigentlich deine Tasche noch? Mit unseren Sachen? Mein Tarnumhang?", fragte Harry hoffnungsvoll. Seine Miene hellte sich auf, als Hermine lächelnd nickte.

„Ja. Es ist alles noch da", sagte sie und deutete auf ihre verzauberte Handtasche. „Die Tasche wurde durchsucht, aber… Die Todesser haben nichts finden können. Deinen Tarnumhang habe ich so gut versteckt, dass sie ihn nicht gefunden haben."

„Da fällt mir ein Stein vom Herzen", sagte Harry sichtlich erleichtert.

„Harry, ich muss dir etwas erzählen, etwas Wichtiges. Auch ich hab nämlich etwas rausgefunden, obwohl ich immer in diesem Zimmer festsaß. Rabastan war nicht nur aus Eigennutz so nett zu mir, er hat mir tatsächlich geholfen."

Sie griff in ihre Tasche und holte die Märchen von Beedle dem Barden heraus und schlug sie bei der Geschichte der drei Brüder auf. „Als ich im Malfoy Haus gefangen war, hatte ich endlich Zeit, das Buch zu lesen, das mir Dumbledore vererbt hat. Und ich bin auf etwas sehr Interessantes gestoßen."

Sie zeigte Harry das dreieckige Symbol. „Dumbledore hat das da reingezeichnet."

„Moment mal, das ist doch das Zeichen von Grindelwald!", sagte Harry. Hermine blickte ihn überrascht an.

„Du kennst das Zeichen schon?"

„Ja. Xenophilius Lovegood hatte bei der Hochzeit von Bill und Fleur eine Kette um den Hals mit einem Anhänger in dieser Form. Krum hat das gesehen und er war total wütend, weil er Leute kannte, die durch Grindelwald Angehörige verloren haben. Lovegood weiß mit Sicherheit nicht, was das Zeichen bedeutet."

Hermine sah nachdenklich drein. „Rabastan hat es für mich herausgefunden. Die Todesser haben es auch sofort als Grindelwalds Zeichen erkannt. Ich habe mich gefragt, warum Dumbledore das Zeichen da reingezeichnet hat. Rabastan hat mir auch darauf eine Antwort gegeben."

Sie holte Rita Kimmkorns Buch aus ihrer Tasche.

„Was ist das denn? Woher hast du das?", fragte Harry.

„Ich gebe zu, dass ich die Malfoys bestohlen habe. Es gehört Narcissa Malfoy. Rabastan hat es sich von ihr geliehen, um es selbst zu lesen und er hat mir erzählt, was Rita zu dem Thema geschrieben hat. Ich werde es selbst noch lesen, deshalb jetzt nur eine kurze Zusammenfassung: Dumbledore und Grindelwald waren in ihrer Jugend befreundet und beide haben einen Plan entwickelt, wie sie die Herrschaft über die Muggel erreichen konnten. Beide haben dieses Zeichen irgendwie benutzt."

„Was? Das kann nicht sein, Hermine! Rita Kimmkorn ist eine Lügnerin! Denkt doch mal daran, was sie über uns damals geschrieben hat!"

„Ich weiß, Harry, aber in diesem Punkt hat sie wohl leider Recht. Rabastan und die Malfoys haben spekuliert, woher Rita Kimmkorn diese Informationen hatte und sie sind sich einig, dass jemand, der Dumbledore sehr nahe stand, geplaudert haben muss. Harry?"

„Bathilda Bagshot", sagte Harry ernst. „Das hat Muriel auf der Hochzeit gesagt. Sie lebt in Godric´s Hollow, genauso wie die Dumbledores früher."

Hermine biss sich auf die Lippen. „Harry, das ist ein Hinweis!"

„Das hilft uns nicht weiter, die Horkruxe zu zerstören. Und es hilft uns auch nicht weiter, die anderen Horkruxe zu finden."

„Das vielleicht nicht, aber Harry, Dumbledore kannte Bathilda Bagshot! Vielleicht kann sie ein bisschen Licht in dieses Dunkel bringen! Dumbledore hat dieses Symbol nicht umsonst in dieses Buch reingezeichnet und es mir dann vererbt. Er wollte, dass wir auf diese Spur kommen."

„Ja, das stimmt schon…", sagte Harry widerwillig. „Weißt du, ich will ja schon seit längerer Zeit endlich mal zu meinem Geburtsort und wo das alles passiert ist. Aber… Du-weißt-schon-wer wird damit rechnen, Hermine. Was, wenn eine Falle dort auf uns wartet?"

„Dann werden wir uns mit Vielsafttrank tarnen, Harry", sagte Hermine. „Aber wir sollten diesem Hinweis wirklich nachgehen."

„Gut, also gut. Aber dann werden wir auch Xenophilius Lovegood aufsuchen. Dann soll er uns erklären, was das Zeichen zu bedeuten hat."

„OK", sagte Hermine zustimmend. Sie legte seine Hand auf die seine. „Wir machen das für Ron. Damit das nicht umsonst war. Wir müssen jetzt stark sein und für ihn und für alle anderen, die auf uns zählen, weitermachen."

Harry ließ sich zu einem Lächeln hinreißen. „Ja."


Sie blieben noch lange auf und sprachen über alles, was seit ihrer Trennung vorgefallen war. Harry erzählte, dass Ted Tonks, der Mann von Andromeda, gestorben war, und dass Dean Thomas auf der Flucht war. Außerdem waren er und Ron an einigen Orten Dementoren begegnet, die sich mit ihren Nestern in dichten Nebelschwaden über die Dörfer und Städte der Muggel gelegt hatten.

Am Horizont war bereits ein heller Lichtstreifen zu erkennen, als Harry und Hermine sich endlich schlafen legen wollten. Harry erhob sich von ihrer Decke und prüfte noch einmal die Schutzzauber um die Scheune, als er sich plötzlich haltsuchend an die Wand lehnte.

Er geriet ins Taumeln. Gewaltiger Zorn hatte ihn erfasst und seine Narbe schmerzte so stark, dass die Umgebung vor seinen Augen verschwamm. Voldemort war wütend, so wütend wie er ihn noch nie erlebt hatte. Harry presste sich seine Hände auf seine Stirn. Eine Flut von Bildern strömte auf ihn ein.

„Harry, alles OK?! Was ist?!", fragte Hermine hilflos und stützte ihren Freund.

„Hermine, er ist verdammt wütend. Und ich glaube, es ist, weil du geflohen bist. Irgendjemand wird gefoltert."

„Nein…" Schreckliche Angst ergriff Hermine.


„Du hast mich enttäuscht, Rabastan!", sagte der Dunkle Lord ruhig, aber mit giftigem Ton in der Stimme, dass es Rabastan das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Er lag auf allen Vieren zu Füßen des Dunklen Lord und atmete schwer. Er hatte den metallischen Geschmack von Blut in seinem Mund.

„CRUCIO!"

Er schrie auf, als eine erneute Welle von Schmerz durch seinen Körper fuhr. Seine Muskeln verkrampften und er brach mit zittrigen Gliedern zusammen. Er bekam kaum Luft, der Schweiß lief seine Stirn hinab.

„Du hast versagt! Du hast das Schlammblut entkommen lassen!"

Der Dunkle Lord schwang seinen Zauberstab und Rabastan wurde hochgerissen und gegen eine Wand gedrückt.

„Die Gelegenheit war bestens und du hast sie nicht genutzt", sagte der Lord wütend. „Du hattest Wochen und hast sie untätig verstreichen lassen. Ich bin meinem Ziel den Potter- Jungen zu töten keinen Schritt näher gekommen. Und nun hast du das Mädchen entkommen lassen! Einer meiner besten und treuesten Anhänger hat mich über die Maßen enttäuscht."

Er hielt Rabastan seinen Zauberstab an die Kehle, riss schwang er ihn blitzschnell und Rabastan wurde durch die Luft geschleudert. Er landete mit lautem Krachen mit dem Gesicht voraus in dem großen Spiegel, der über dem Kamin im Salon des Malfoy- Anwesen hing.

Das Glas zerbrach klirrend und die Scherben verteilten sich über den ganzen Boden. Rabastan fiel hart auf den Steinboden und prellte sich die Schulter. Die Scherben hatten sein Gesicht zerschnitten und Blut tropfte aus den Wunden.

„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Rabastan?!" Der Dunkle Lord kam mit langsamen Schritten bedrohlich auf ihn zu. Rabastan stemmte sich mit letzter Kraft nach oben.

„My Lord, bitte… das Mädchen hat mir gesagt, dass die Kinder nach einem…. Weg suchen, Euch zu vernichten. Sie suchen etwas."

Ein erneuter Folterfluch traf ihn und Rabastan schrie vor Schmerz auf. Er hustete Blut auf den Teppich. „Sie wissen, was mit Regulus passiert ist! Sie sagte, dass Regulus dasselbe gesucht hat!"

Der Dunkle Lord, der seinen Zauberstab für einen weiteren Angriff erhoben hatte, hielt inne und sah nachdenklich auf Rabastan hinunter. „Regulus sagst du?"

„Ja, My Lord, bitte glaubt mir…" Erschöpft brach Rabastan zusammen. Er hatte nicht mal mehr genug Kraft, um seine geistige Barriere aufrechtzuerhalten.

Der Lord strich sich mit seiner Hand nachdenklich über sein Kinn. Er ließ seinen Zauberstab sinken und wandte sich von Rabastan ab.

„Bitte, My Lord, glaubt mir. Ich sage dir Wahrheit", presste Rabastan mühevoll hervor. Er versuchte aufzustehen, aber schaffte es nicht mehr. Jeder Muskel seines Körpers schmerzte und seine Eingeweide schienen in Flammen zu stehen.

„Ich sehe die Wahrheit aus deinem unwürdigen Geist zu mir aufblicken. Und ich sehe auch, dass du es geschafft hast, das Vertrauen des Mädchens für dich zu gewinnen. Zumindest in einem scheinst du noch zu etwas nütze zu sein. Doch wie ich sehe, hat sie dir den Kopf verhext und nicht umgekehrt. Deine Bindung zu dem Schlammblut… "

„Nein, das ist… nicht wahr… Ich habe ihr etwas vorgespielt…", flehte Rabastan.

„Schweig!"

„My Lord, gebt mir noch eine Chance. Was kann ich tun, um meinen Fehler zu bereinigen?", fragte Rabastan.

Der Lord schien zu überlegen, dann sagte er ernst: „Deinen Fehler bereinigen? Rabastan, war es nicht immer dein oberstes Ziel, mir zu dienen?"

„Natürlich, My Lord, immer, wie könnt ihr…"

„Wie ich Zweifeln kann?" Er drehte sich mit wehendem Umhang um. „Ich habe mein Vertrauen in dich gesetzt, Rabastan. Diesen Auftrag hätte ich sonst niemandem gegeben. Und ausgerechnet du enttäuscht über die Maßen. Statt das zu tun, was du tun solltest, hindern dich nun deine emotionalen Verstrickungen mit diesem Schlammblut, meinem Befehl zu folgen. Ich werde dir sagen, was du tun wirst."

Entsetzt sah Rabastan zum Dunklen Lord auf. „Du wirst hierbleiben und das Haus nicht verlassen, hast du das verstanden?! Du wirst nichts mehr tun, Rabastan! Und jetzt geh mir aus den Augen! Aber schicke vorher noch deinen Schwager zu mir. Auch mit ihm habe ich noch ein Wort zu reden. GEH!"

Mit einem weiteren Schlenker seines Zauberstabes wurde Rabastan Richtung Tür geschleudert. Mühselig schleppte er sich schließlich aus dem Salon. Er zog eine Blutspur hinter sich her.

Die beiden Malfoys hatten ihn erwartet. Narcissa eilte sofort zu ihm und half ihm. Rabastans und Lucius´ Blicke kreuzten sich für einen Moment. Rabastan deutete ihm mit einem Nicken, dass er an der Reihe war, dem Dunklen Lord Rechenschaft darüber abzulegen, warum er ein Schlammblut hatte entkommen lassen. Sein Schwager hatte sofort verstanden und betrat den Salon. Wenig später konnte man gedämpfte Schreie vernehmen.


Angestrengt riss sich Harry in die Wirklichkeit zurück.

„Er… Du-weißt- schon- wer… er foltert Rabastan Lestrange und Lucius Malfoy, weil du entkommen bist, Hermine."

„Nein…" Der Schreck fuhr durch Hermine. Rabastan bekam jetzt die Folgen ihrer Flucht zu spüren. Er wurde gefoltert, musste Schmerzen ertragen. „Hast du gesehen, was mit ihm ist?", fragte sie vorsichtig. Warum machte sie sich Sorgen um ihn? Sie hatte die gemeinsame Zeit mit ihm sehr genossen und hatte eine gewisse Zuneigung für ihn entwickelt. Der Gedanke, dass er eine Bestrafung zu ertragen hatte, schmerzte sie.

„Er ist verletzt. Du-weißt-schon-wer hat ihn… ziemlich zugerichtet", sagte Harry schwer atmend.

„Nein, das wollte ich nicht", raunte Hermine gedankenverloren.

„Wieso kümmert dich das, Hermine? Er ist ein Todesser! Wer weiß, ob er nicht vielleicht für Mad-Eyes verantwortlich ist! Du musst dich nicht schlecht fühlen, weil du entkommen bist! Die haben dich gefangen gehalten!"

„Ich weiß, Harry, tut mir Leid. Es ist nur… Er war die ganze Zeit für mich da, hat sich um mich gekümmert, als es mir schlecht ging. Und wir haben uns wirklich gut verstanden. Ich will nicht, dass er leidet wegen mir."

„Hermine… Er ist ein Todesser!", entgegnete Harry entgeistert.

„Ich weiß, ich weiß." Und genau aus diesem Grund plagten Hermine Gewissensbisse, aber sie konnte sich nicht gegen die Gefühle der Sympathie, die sie für Rabastan Lestrange empfand, wehren. Sie hoffte, es möge ihm gut gehen.

Harry schüttelte den Kopf und atmete tief durch. „Gehen wir schlafen. Wir haben viel vor."


Rabastan schleppte sich unter Schmerzen die Treppe nach oben zu seinem Zimmer. Narcissa half ihm so gut es ging.

„Geh runter zu deinem Mann, ich komme schon zurecht", sagte Rabastan und löste sich von ihr.

„Nein, ich helfe dir schnell, das ist doch kein Problem…"

„Nein, Lucius braucht deine Hilfe dringender als ich."

Nur widerwillig ließ sie sich überzeugen, ihn allein zu lassen. Rabastan schloss seine Tür hinter sich und taumelte ins Bad. Er brauchte mehr als eine halbe Stunde, bis er alle Glassplitter aus seiner Haut entfernt und alle seine Wunden versorgt hatte. Danach nahm er eine Dusche, um sich das restliche Blut abzuwaschen.

Der Dunkle Lord hatte ihm so übel mitgespielt wie noch nie zuvor. Er war bereits ein paar Mal wegen einem misslungenen Auftrag bestraft worden, aber niemals so heftig wie heute Abend. Abgesehen von den Schnitten im Gesicht, die er sich beim Sturz in den Spiegel zugezogen hatte, hatte er noch mehrere gebrochene Rippen und zahlreiche Schürfwunden und Prellungen von den Folterflüchen. Zum Glück reichten seine Kenntnisse in Heilkunde, um sich selbst zu versorgen. Er hätte es nicht gewollt, wenn ihn ein Heiler so gesehen hätte.

Er schloss die Augen, während das heiße Wasser auf ihn niederprasselte.

Er hatte versagt. Er hatte den Lord mehr als enttäuscht. Das war unverzeihlich. So viele Wochen hatte er ungenutzt verstreichen lassen. Er und Hermine hatten über jede Menge Dinge gesprochen, vieles davon unwichtiger Stuss und er hatte es nicht geschafft, das Wesentliche von ihr zu bekommen.

Es war die schlimmste Schmach und Schande, die er als Todesser jemals erfahren hatte. Und noch nie zuvor hatte er den Lord so wütend gesehen.

Sein einziger Erfolg war, dass er das Mädchen emotional an sich gebunden hatte. Aber er hatte seinen Erfolg nicht nutzen können. Und vor allem, zu welchem Preis hatte er diesen Erfolg errungen? Er selbst sah Hermine nicht mehr nur als Mittel zum Zweck, nicht mehr nur als wertloses Schlammblut. Er sah sie als Mensch, als junges Mädchen. Er hatte Einblick in ihr Wesen, ihren Charakter und ihr Leben genommen, vielleicht kannte er sie besser als die meisten ihrer Freunde, und er hatte feststellen müssen, wie sehr er sich mit ihr verbunden fühlte. Sie hatte ihm nach dem Gefängnis zurück ins Leben geholfen und ihm völlig neue Sichtweisen auf bestimmte Dinge eröffnet.

Er hatte ihr mehr über sich und seine Geschichte preisgegeben als jeder anderen Person, als jeder anderen Frau, der er bisher in seinem Leben begegnet war. Er konnte sich nicht erklären, warum er so dachte, denn es widersprach allem, mit dem er seit seiner Kindheit aufgewachsen war und für was er als Todesser kämpfte, aber er wusste, dass Hermine Granger etwas Besonderes war.

Er war in einem Konflikt. Er war ein Todesser und hatte den Befehlen des Lords Folge zu leisten. Er hatte einen Auftrag bekommen, den er nicht zu voller Zufriedenheit erfüllt hatte. Es war das Recht des Dunklen Lord, ihn dafür zu bestrafen. Er hatte die Bestrafung verdient. Er hatte Schande auf sich und die Familie Lestrange gebracht, an was ihn seine Schwägerin bestimmt bald erinnern würde, und noch dazu hatte er Lucius und Narcissa mit hineingezogen, zwei Unbeteiligte, die mit seinem Auftrag nichts zu tun hatten.

Er musste dafür sorgen, dass er seine Fehler wieder gutmachte. Er durfte den Lord kein zweites Mal enttäuschen. Er musste den Hinweisen, die er hatte, nachgehen und dem Dunklen Lord dann die Informationen liefern, die er finden würde. Dann wäre seine Stellung in der Gunst des Lords wiederhergestellt.

Es gab nur einen Haken. Wenn er dem Lord sein Wissen weitergab, dann war Hermine in Gefahr. Dann war es nicht mehr weit, bis jemand sie folterte und tötete.

Und das wollte er auf jeden Fall verhindern.