Danke an dani asmar und Vivien Lestrange! :)
Vivien Lestrange: Ja, natürlich mach ich weiter! Auch mit nicht so vielen Reviews. :) Das ist wohl leider bei deutschen Fanfictions so. Ja, ich finde auch, dass es zu den Lestranges viel zu wenig gibt. Ich mag die sehr gern, deshalb schreibe ich über sie. :)
Sie brachen bereits am nächsten Tag auf. Nun, da sie ihre Tasche mit ihren Habseligkeiten und dem Zelt zurückhatten, gestaltete sich ihre Reise um einiges leichter.
Sie blieben nie lange an einem Ort und sorgten stets peinlich genau dafür, dass die Schutzzauber immer gut um sie herum aufgebaut waren.
Sie sprachen nicht über Ron. Es war kein Beschluss gewesen, sondern mehr ein stilles Übereinkommen, dass sie nicht über ihren getöteten Freund reden wollten. Beide wussten, dass im Moment nicht die Zeit der Trauer war. Sie hatten eine Mission zu erfüllen und beide nahmen sich vor, ihre Anstrengungen, die Horkruxe zu finden und Voldemort endgültig zu vernichten, zu verdoppeln. Das waren sie Ron und allen anderen namenlosen Opfern von Voldemorts Terrorherrschaft schuldig.
Hermine verschwieg, dass sie mit ihren Gedanken oft bei Rabastan Lestrange war. Es tat ihr Leid, dass er so schlimm gefoltert worden war, nur weil sie entkommen war, und insgeheim hoffte sie, es möge ihm gut gehen und er würde sie nicht hassen, für das, was sie getan und ihm damit eingebrockt hatte.
Immer wenn ihre Gedanken zu dem Todesser abdrifteten, vergrub sich Hermine in „Leben und Lügen des Albus Dumbledore". Es dauerte nicht lange, bis sie das Kapitel über Dumbledore und Grindelwald erreichte hatte. Sie gab es Harry zu lesen, der es allerdings angewidert ablehnte, auch nur daran zu denken, Dumbledore könnte irgendwann einmal nicht der Mann gewesen sein, den er kannte.
„Du weißt welchen Müll Rita geschrieben hat!", verteidigte er sich und Hermine erwiderte nichts darauf. Sie verstand Harry sehr gut. Auch ihr fiel es schwer, sich einzugestehen, dass Dumbledore eine dunkle Vergangenheit haben sollte. Als sie Ritas Buch las, stieß sie auch auf einen Brief, den Dumbledore an seinen Freund Grindelwald geschrieben hatte, in dem er seine Absichten, über die Muggel zu herrschen, rechtfertigte. In Dumbledores Unterschrift fand sie erneut das dreieckige Auge. Das Symbol schien sie zu verfolgen, aber das bekräftigte nochmal ihre Ansicht, dass sie diesem Hinweis unbedingt nachgehen mussten. Ihre Hoffnung lag bei Bathilda Bagshot, dass sie endlich Licht ins Dunkel bringen konnte.
„Rabastan, wach auf."
Eine sanfte Stimme drang aus weiter Ferne zu ihm durch und Rabastan schlug langsam die Augen auf. Er fühlte sich, als hätte ihn eine Herde Hippogreife überrannt.
Narcissa hatte sich über ihn gebeugt.
„Rabastan? Geht es dir gut?", fragte sie leise.
Er brachte ein Nicken zustande. Ihm tat alles weh. Hände untersuchten seinen Oberkörper und sein Gesicht und halfen ihm, sich aufzurichten. Er atmete tief durch und stützte sich auf die Ellbogen.
„Wie fühlst du dich?"
„Als hätte mich… der Fahrende Ritter gestreift", sagte Rabastan heiser.
Er schaffte es, sich mit ihrer Hilfe aufzusetzen. Er rutschte an die Bettkante und fuhr sich mit den Händen erschöpft durch die Haare.
„Lass mich mal sehen", sagte Narcissa und untersuchte seinen Oberkörper und sein Gesicht.
„Hast du dich selbst geheilt oder war das ein Heiler?", wollte sie wissen.
„Ich hab es selbst gemacht", sagte er.
Er ließ sie widerwillig gewähren. Als ihre Hände über seinen Brustkorb strichen, zuckte er zusammen und stöhnte schmerzvoll auf.
„Au!"
„Deine Rippen waren vermutlich gebrochen. Hast du das selbst geheilt? Vielleicht sollte sich das doch noch mal ein Heiler ansehen."
„Ja, ja. Ich gehe nachher. Wie geht's Lucius? Was hat der Dunkle Lord mit ihm gemacht?"
Er sah Tränen in ihren Augen aufblitzen. Sie riss sich aber zusammen und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Sie wandte sich kurz ab und suchte ihm saubere Kleidung zusammen.
„Der Dunkle Lord ist sehr wütend, Rabastan. Lucius war ja in der letzten Nacht hier, aber weil er schon wieder etwas zu viel getrunken hatte und geschlafen hat, hat er nicht bemerkt, dass Hermine Granger entkommen konnte."
„Verdammt. Geht's ihm gut? Ist er schlimm verletzt?"
„Es geht schon. Ich hab mich um ihn gekümmert", sagte sie knapp. Rabastan merkte, dass sie nicht weiter darüber sprechen wollte.
Mühsam erhob er sich vom Bett und zog sich an.
„Wie konnte das passieren?", fragte er, während er sich seinen Umhang anzog.
„Ich weiß es nicht, wir haben nur gesehen, dass ihre Zimmertür offenstand. Ich nehme an, dass du vergessen hast, sie zu verriegeln."
Rabastan hatte plötzlich das Gefühl, sein Magen wäre eine Etage tiefer gesunken. Er war so mit Regulus beschäftigt gewesen, dass er diese essentielle Sicherheitsvorkehrung vergessen haben musste. Und Hermine hatte die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt.
Er schritt zielstrebig zu seinem Schreibtisch und durchsuchte die Schubladen. „Sie hat ihren Zauberstab mitgenommen. Klar, sonst wäre sie ja nicht durch das Tor gekommen. Moment mal…"
Irgendetwas fehlte. „Sie hat dein Buch mitgenommen, Narcissa. Leben und Lügen des Albus Dumbledore"."
„Warum sollte sie das Buch mitnehmen wollen?"
„Naja, ich habe ihr ja Passagen daraus erzählt", sagte Rabastan, der mehr und mehr das Gefühl verspürte, sich selbst ohrfeigen zu wollen. „Wahrscheinlich will sie den Rest auch noch lesen."
Eine bedrückende Stille entstand.
„Es tut mir Leid", sagte Narcissa.
„Wofür? Es ist alles meine Schuld. Ich hab nur mit ihr herumgespielt, ich habe irgendwann meinen Auftrag aus den Augen verloren. Ich hab irgendwie schon das getan, was ich tun sollte, aber… Ich weiß nicht. Bitte fühle dich für nichts verantwortlich. Das ist meine Suppe, die ich jetzt auslöffeln muss, OK? Ich krieg das wieder hin."
„Rabastan, was hast du denn jetzt vor? Willst du sie etwa zurückbringen?"
Insgeheim hätte Rabastan auf diese Frage gerne mit ja geantwortet, doch er wusste, dass er darauf keine Energie verschwenden durfte. Hermine zurückzuholen wäre nur Zeitverschwendung. Ein solches Vorhaben konnte Wochen dauern, Zeit, die er nicht hatte.
Das wichtigste war jetzt, dass er den neuen Hinweisen um Regulus nachforschte.
„Nein, das wäre falsch", sagte er entschieden. „Ich werde erstmal alles, was wir gefunden haben, sichten und dann… Tja, ich hoffe, dass ich dort irgendwie was Nützliches finde."
„Ich wünsche dir Glück, Rabastan. Ich schicke einen Heiler zu dir."
Er bedankte sich und sie ließ ihn allein.
Sie hatten keinen Vielsafttrank mehr, deshalb mussten sie sich anders magisch tarnen. Hermine nahm die Veränderungen an ihrem Aussehen vor. Sie verzauberten ihre Haare und ihre Kleidung und beschlossen, unter dem Tarnumhang zu apparieren.
Nachdem der Verdacht im Raum stand, dass Voldemort erwartete, Harry würde nach Godric´s Hollow gehen, bestand auch die Gefahr, dass dort irgendeine Falle auf sie wartete. Sie mussten deshalb äußerste Vorsicht walten lassen.
Hermine beunruhigte eines besonders in diesen Tagen. Harry empfing wieder Visionen von Voldemort. Wäre das nicht schon schlimm genug, beschäftigte sich Harry auch noch die ganze Zeit damit.
„Gregorovitsch", murmelte er manchmal vor sich hin.
Sie hatten sich bereits erschlossen, dass Gregorovitsch ein osteuropäischer Zauberstabmacher war und Voldemort hatte ihn aufgesucht, um etwas von ihm zu erfahren. Es waren nur Erinnerungsfetzen, aber zumindest waren sie eindeutig. Ein junger Mann hatte Gregorovitsch vor vielen Jahren etwas gestohlen und Voldemort war darüber äußerst wütend. Harrys Narbe kribbelte schmerzhaft. Hermine riet ihm, sich auf ihr Vorhaben zu konzentrieren und nicht zu sehr in Voldemorts Geist abzudriften.
Unsichtbar und im Schutz der Dunkelheit erschienen sie etwas abseits des kleinen Dorfes zwischen einer Gruppe von Bäumen.
Der Winter war eingebrochen und Godric´s Hollow war von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Ein paar Schneeflocken rieselten auf sie nieder. Ihre Schuhe sanken im Schnee ein, als sie sich vorsichtig den Häusern näherten.
Niemand war zu sehen, nur Licht brannte in den Fenstern. Sie sahen sich um, aber entdeckten keinen Menschen, sodass sie zögerlich den Tarnumhang abnahmen.
„Wo willst du zuerst hingehen?", fragte Hermine im Flüsterton.
„Ich möchte alles sehen", sagte Harry. „Gehen wir zuerst auf den Friedhof."
Sie mussten nicht lange suchen, um das Grab von Lily und James Potter zu finden. Harry blickte stumm auf den Grabstein hinab. Hermine konnte nur erahnen, was in ihm vorging und wie schwer es für ihn sein musste. Zum ersten Mal war er an den Ort gegangen, an dem er geboren wurde, an dem seine Eltern gestorben waren.
Sie mussten nichts sagen; die Freunde verstanden sich ohne Worte. Hermine legte einen Arm um Harrys Schulter, um ihm zu zeigen, dass sie für ihn da war. Er nickte ihr dankend zu. Bevor sie gingen, schwangen sie beide ihren Zauberstab und ließen ein Blumengesteck mit Weihnachtsschmuck auf dem Grab erscheinen.
Sie verließen den Friedhof, als Hermines Blick zufällig auf ein Grab fiel. Sie hielt inne und runzelte nachdenklich die Stirn.
„Warte mal, Harry."
Sie ging vor der Grabplatte in die Hocke und wischte den Schnee beiseite. Sie hatte sich nicht getäuscht. Auf dem Grab war das Zeichen von Grindelwald abgebildet.
„Das ist doch das Zeichen, das du mir gezeigt hast und das Lovegood um den Hals hatte", sagte Harry.
„Ja. Das hat mir Dumbledore hinterlassen", sagte Hermine. „Ignotus Peverell", las sie laut von dem Grabstein vor. „Kennst du zufällig jemanden mit diesem Namen?"
„Nie gehört", musste Harry zugeben.
„Das sollten wir uns merken", meinte Hermine. „Das muss irgendeine Bedeutung haben!"
„Gehen wir weiter."
Sie zogen sich erneut den Tarnumhang über und gingen zu der Stelle, an der das Haus der Potters gestanden hatte, doch beide begleitete das untrügliche Gefühl, das sie nicht allein waren. Jemand beobachtete sie.
Tatsächlich stellten sich seine Verletzungen als gravierender heraus, als er zuerst gedacht hatte. Die Heilerin stellte leichte innere Blutungen fest und bei Rabastans nicht fachkundigen Heilversuchen waren versehentlich zwei Rippen falsch zusammengewachsen. Sie verabreichte ihm ein Glas voll Skele- Wachs und heilte seine Wunde mit einem Zauber. Er bedankte sich bei ihr und sie riet ihm für das nächste Mal, gleich zu ihr zu kommen.
Nachdem es ihm besser ging, widmete sich Rabastan nun endlich den Büchern, die er vom Grimmauld Platz mitgebracht hatte.
Zuerst las er Regulus´ Tagebuch, um seine Gedankengänge in den Monaten vor seinem Verschwinden nachvollziehen zu können. Es brachte ihn nicht weiter, was die Suche der Kinder anbelangte, aber eröffnete ihm einen guten Einblick in Regulus´ Gefühlswelt.
Der junge Sprössling der Black- Familie hatte monatelang vorgegeben ein treuer Anhänger des Dunklen Lords zu sein, nur um insgeheim unter all dem zu leiden. Rabastan war entsetzt und bald konnte er nicht weiterlesen. Er hatte eigentlich nur Verachtung für alle übrig, die den Dunklen Lord verrieten, aber er kam nicht umhin, auch Mitleid für Regulus zu empfinden. Er hatte gelitten. Und war mit seinem Leiden allein geblieben. Niemand hatte sein Leiden gesehen oder gehört, außer einem Hauselfen.
Bei dieser Gelegenheit fiel Rabastan wieder ein, was Hermine gesagt hatte. Dass sie sich für die Recht von Hauselfen einsetzen wollte.
Vielleicht war das zu hoch gegriffen, aber wenn es eines gab, dass Rabastan aus dieser Sache mitnahm, dann war es, dass es zumindest ab und an wichtig war, auch denen zuzuhören, die man nicht als ebenbürtig empfand.
Er legte das Tagebuch beiseite und zog das erste dicke Buch über schwarze Magie heran. Regulus hatte viele Eselohren in die Seiten gemacht, um Seiten zu markieren, oder hatte Zettel mit zusammenhanglosen Notizen zwischen die Seiten hinterlassen, die Rabastan nicht weiterbrachten. Nichts ergab einen Sinn.
Erst im Lexikon der verbotenen Künste, in dessen Mitte er ein Lesezeichen geklemmt hatte, wurde Rabastan endlich fündig. Regulus hatte den entsprechenden Abschnitt sogar mit Tinte umkreist.
„Horkrux?", las Rabastan erstaunt. Er hatte das Wort noch nie gehört und wusste auch nicht, welche Art von Magie sich dahinter verbarg.
Die Erklärung war für ein so dickes, ausführliches Lexikon äußerst spärlich, aber zumindest klar.
„Ein Horkrux ist ein Gegenstand, in den ein Zauberer einen Teil seiner Seele überträgt", las er laut vor. „Sollte der Anwender zu Tode kommen, besteht die Möglichkeit des Weiterlebens."
Es war als setze sich vor seinen Augen ein Puzzle zusammen. Es waren zwei Sätze, aber Rabastan begriff plötzlich so viele Zusammenhänge, wie noch nie zuvor.
Der Dunkle Lord hatte einen oder mehrere Horkruxe geschaffen und das war der Grund, warum er den Todesfluch überlebt hatte, der auf ihn zurückgeprallt war. Das war endlich die Erklärung für alles.
Und die Kinder versuchten nun, im Auftrag von Dumbledore, den oder die Horkruxe zu zerstören.
Rabastan war völlig umgeworfen von seiner Entdeckung.
Den Rest der kurzen Erklärung überflog er nur noch. Das Lexikon sprach davon, dass man seine Seele spalten musste, was sehr gefährlich war, aber das war Rabastan nicht wichtig. Er wusste alles, was er brauchte.
Seine Gedanken rasten. Immer mehr Zusammenhänge wurden ihm klar. Das Amulett, dass die Kinder Umbridge gestohlen hatten, war keine bloße Halskette und mit Sicherheit hatte es nichts mit der Familie Selwyn zu tun, wie Umbridge behauptet hatte. Es war ein Horkrux gewesen. Und noch etwas fiel Rabastan ein. Der Dunkle Lord hatte Ende der 70er Jahre Lucius und Bellatrix jeweils einen Gegenstand anvertraut. Narcissa hatte ihm erzählt, dass es ein verzaubertes Buch gewesen war, mit dem man die Kammer des Schreckens öffnen konnte. Das Buch war von dem Potter- Jungen zerstört worden, worüber der Dunkle Lord mehr als ungehalten war. Was, wenn das Buch ein Horkrux gewesen war?
Dann war das, was im Familienverlies der Lestranges verborgen lag, ebenfalls ein Horkrux. Rabastan hatte es nicht gesehen, weil Bellatrix es dorthin gebracht hatte, aber er konnte darauf wetten, dass es besagter Gegenstand war.
Das war ein heißes Eisen, das er angefasst hatte. Für Regulus war es zu heiß gewesen, denn er hatte dabei sein Leben gelassen. Er musste ab jetzt noch mehr Vorsicht walten lassen. Er durfte andere nicht unbedarft in sein Wissen einweihen und vor allem nicht, durfte der Dunkle Lord wissen, was er herausgefunden hatte. Der Lord hatte keinen seiner Todesser je an solch einem Wissen teilhaben lassen, sondern hatte immer nur kryptisch davon gesprochen, dass er mehr als jeder andere getan hätte, um den Tod zu überwinden. Rabastan kannte jetzt die Antwort auf dieses Rätsel und er wollte nicht herausfinden, was der Lord davon halten würde.
Er durchsuchte die anderen Bücher ein zweites Mal, aber wurde über die Horkruxe nicht fündig. Offenbar war das Thema selbst in der schwarzen Magie nicht allgegenwärtig. Er beschloss, das Lexikon, in dem er den Hinweis auf die Horkruxe gelesen hatte, besser nicht herumliegen zu lassen. Er musste sicherstellen, dass niemand, erst recht nicht Bellatrix, ebenfalls hinter das Geheimnis kam. Schweren Herzens entzündete er das Buch und warf es in den Kamin. Während es glomm und sich die Flammen knisternd durch die Seiten fraßen, setzte sich Rabastan zurück an seinen Schreibtisch.
Das letzte Buch, das Regulus unter seinem Bett aufbewahrt hatte, war ihm wohlbekannt. Es war die Genealogie der Zauberei, in der Originalausgabe. Die weitverbreitete Ausgabe war deutlich dünner, weil viele Dinge herausgenommen worden waren.
Während er gedankenverloren, die Seiten von Genealogie der Zauberei durchblätterte, überlegte Rabastan, was er mit seinem neuen Wissen anfangen sollte. Die Kinder waren augenscheinlich hinter Horkruxen her. Es war naheliegend, dass sie nach einem Weg suchten, sie zu zerstören, denn dies war der einzige Weg den Dunklen Lord aufzuhalten und zu vernichten. Wie weit sie dabei bereits gekommen waren oder wie viele Horkruxe es überhaupt geben mochte, stand in den Sternen.
Rabastan war bei seiner Suche einen großen Schritt weitergekommen, Regulus sei Dank, doch die neugewonnen Erkenntnisse brachten weitere Fragen mit sich.
Er wollte gerade entscheiden, ob und wann er den Dunklen Lord einweihen sollte, da wurde seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gezogen. Er stutzte und blätterte ein paar Seiten zurück. Zuerst dachte er, er hätte es sich nur eingebildet und es wäre eine Sinnestäuschung gewesen. Er dachte, er hätte Grindelwalds Symbol auf einer Seite wiedererkannt.
Verärgert über sich selbst schüttelte er den Kopf. Hatte er bereits eine solche Obsession entwickelt, dass er das dreieckige Zeichen schon überall sah? Er wollte es schon auf seine stressige Situation im Moment schieben, als er auf eine Seite mit Familienwappen stieß.
Die Seite zeigte alle Wappen und Embleme aller reinblütigen Familien, die seit Jahrhunderten in Großbritannien lebten. Viele der Familien kannte Rabastan nicht, da sie bereits vor sehr langer Zeit in der männlichen Linie ausgestorben waren. Eine davon zog sein Interesse besonders auf sich.
„Peverell…", sagte er laut vor sich hin.
Er hatte den Namen noch nie gehört und der Name der Familie war einer der ersten gewesen, die in England verschwunden waren. Er hätte sich vermutlich nicht weiter um sie gekümmert, wenn ihr Wappen nicht das seltsame Zeichen von Grindelwald enthalten hätte.
„Bei Merlins Bart!"
Es gab keinen Zweifel. Das Dreieck, das wie ein Auge aussah, prangte in der Mitte des Familienwappens der Peverells. Rabastan und Hermine hatten richtig vermutet. Grindelwald hatte das Zeichen tatsächlich irgendwo entlehnt und es nicht selbst kreiert. Nur warum ausgerechnet von dem Wappen einer reinblütigen Familie, die es schon lang nicht mehr gab? Besonders originell war dies zweifellos nicht.
Er suchte weiter nach dem Namen, aber es gab keine weiteren Anmerkungen dazu. Er war gezwungen, entweder jemanden zu fragen, der sich mit Genealogie der reinblütigen Familien sehr gut auskannte- wobei ihm spontan niemand einfallen mochte- oder weitere Literatur zurate ziehen. Rabastan seufzte entnervt auf. Leicht machte man es ihm nicht.
Nach einer mehr oder weniger fruchtlosen Suche in der Bibliothek der Malfoys, beschloss Rabastan doch den Versuch zu wagen, seine Verwandten nach den Peverells zu fragen. Er zweifelte zwar daran, dass sie ihm weiterhelfen konnten, aber er musste zumindest alle Möglichkeiten ausschöpfen.
Er fand Narcissa, Lucius und zu seiner großen Überraschung auch Bellatrix und Nott im Salon vor.
„Sieh mal einer an, Rabastan", zischte Bellatrix bedrohlich. „Wir haben zu reden!"
„Ich verabschiede mich dann", sagte Nott und erhob sich. „Danke für den Tee, Narcissa."
„Komm gut nach Hause", wünschte Narcissa und erhob sich, um ihren Gast nach draußen zu begleiten.
„Ich finde allein raus, lass nur. Eine schöne Weihnachtszeit."
Nott schritt hinaus. Bellatrix wollte gerade etwas sagen, als Rabastan sie mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte. „Wir reden später darüber."
Er eilte Nott hinterher, der bereits die Eingangshalle durchquerte und zur Haustür ging.
„Nott, warte mal!"
„Lestrange? Was gibt es?"
„Ähm… Ich brauche mal deine Hilfe. Gehen wir ein Stück."
Rabastan begleitete Nott die Einfahrt entlang Richtung Tor.
„Du sagtest, du brauchst meine Hilfe. Um was geht es?"
„Ich hab…" Rabastan überlegte, wie er sein Anliegen am besten formulieren sollte, damit er nicht zu viel preisgab. „Du kennst dich doch mit Sicherheit mit alten reinblütigen Familien aus?"
„Das kann ich von mir behaupten. Wieso?"
„Ich habe in einem Buch den Namen einer solchen Familie gelesen und er war mir nicht bekannt. Ich habe leider nicht viel über sie finden können, deshalb frage ich."
„Um welche Familie geht es?", wollte Nott wissen.
„Sie verschwanden als erste in Großbritannien in der männlichen Linie. Sie heißen Peverell."
Notts Miene hellte sich auf. „Die Peverells?"
„Kennst du sie?", fragte Rabastan hoffnungsvoll.
„Ich habe schon mal von ihnen gehört", erklärte Nott. „Es ist nicht mehr viel über sie bekannt, weil sie eben so früh verschwunden sind. Wieso interessiert dich das?"
„Ach, ich wollte wissen, ob Verwandtschaft zwischen uns und ihnen besteht", log er. „Ich habe mich gefragt, ob… ihre Familie vielleicht im Zusammenhang mit irgendetwas Bekanntem steht. Sind sie für eine Entdeckung oder irgendeine Erfindung bekannt?"
„Nicht dass mir etwas Derartiges geläufig wäre, ich bin mir aber relativ sicher, dass es drei Brüder waren. Ob sie allerdings irgendetwas Bedeutendes geleistet haben, da fragst du mich zu viel."
Rabastan hielt inne. „Du sagst, es waren drei Brüder?"
„Ja. Ich bin mir sehr sicher, dass eine von ihnen Antioch hieß, aber mehr weiß ich leider wirklich nicht. Wie kommt es, dass du dich für diese Familie so sehr interessierst?"
„Ach, es ist nur… Ich habe zufällig mal wieder die… Genealogie der Zauberei aufgeschlagen und… Ich habe mich gefragt, ob die Peverells noch Nachkommen haben und wie sie mit unseren Familien verwandt sind."
„Oh, wenn dich das interessiert, dann solltest du im Ministerium im Familienregister nachsehen. Da sind alle Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden verzeichnet. Außerdem gibt es ziemlich viele Stammbäume. Da müsstest du die Peverells auf jeden Fall finden."
„Das Register im Ministerium? Das ist eine Idee", sagte Rabastan. „Hab vielen Dank, du hast mir echt weitergeholfen. Drei Brüder…" Rabastan machte unmittelbar kehrt und eilte zum Haus zurück.
„Bitte gern", sagte Nott, der dem anderen Todesser fragend hinterher sah, doch Rabastan hörte es nicht mehr.
Als er zurück ins Haus kam, wollte er sogleich auf sein Zimmer gehen und dann bald einen Termin im Ministerium zu vereinbaren, seine Schwägerin kam ihm allerdings zuvor. Sie fing ihn in der Eingangshalle ab und zielte mit ihrem Zauberstab auf ihn.
„Was fällt dir eigentlich ein?!", giftete Bellatrix angriffslustig. „Du hast das Schlammblut entkommen lassen!"
„Ja, offensichtlich", sagte Rabastan genervt. Er wollte sich an ihr vorbeidrängen, um die Treppe nach oben zu gehen, da stellte sie sich ihm in den Weg.
„Wag es ja nicht, einfach so wegzulaufen! Wir haben zu reden!", zischte sie bedrohlich.
„Was willst du von mir hören, Bellatrix?", fragte Rabastan. „Ja, sie ist weg. Ich habe einen Fehler gemacht."
„Der Dunkle Lord ist wütend, Rabastan. Wütend auf dich und auf mich! Du hast Schande über unsere Familie gebracht! Wir waren seine ergebensten Anhänger, in die der Lord das größte Vertrauen gesetzt hat, und du hast es kaputt gemacht! Du bist genau wie Lucius! Sein Versagen hat schon den Zorn auf unsere Familie gebracht! Und jetzt du! Was fällt dir ein?! Du hast ein Schlammblut entkommen lassen! Du hättest die Wahrheit aus ihr herausbekommen können! Aber du hast dich nur dumm angestellt!"
Ihre Stimme zitterte vor Wut. Der Gedanke, ihren geliebten Herren enttäuscht zu haben, versetzte sie in Rage. Sie hatte Tränen in den Augen, weil der Lord schlecht von ihr und ihrer Familie dachte. Rabastan verstand nicht, warum er plötzlich so abgestoßen von ihr und ihrem Fanatismus war. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er genauso gedacht. Er hatte den Lord uneingeschränkt verteidigt und allein der Gedanke, er könne den Lord enttäuschen oder versagen, hatte ihn zu noch größerer Treue und Ergebenheit angetrieben. In Bellatrix´ Fall war es jedoch noch etwas anderes.
Rabastan hatte nie darüber gesprochen und er hatte es tunlichst vermieden, seine Gedanken gegenüber seinem Bruder zu erwähnen, aber es war ersichtlich, dass Bellatrix mehr für ihren Lord empfand, als nur grenzenlose Treue. Rodolphus hatte sie nie solche Gefühle zuteilwerden lassen. Ihr Ehemann hatte immer an zweiter Stelle gestanden. Für Bellatrix gab es nur einen Mann, den sie bedingungslos liebte und für den sie alles getan hätte, selbst in den Tod zu gehen. Er konnte verstehen, dass sie verletzt und aggressiv war.
„Bella", sagte Rabastan ruhig. „Das Mädchen hätte ihre Freunde niemals verraten. Du hättest mit Folter nichts erreicht. Außerdem hat der Dunkle Lord… Er hat gesagt, ich soll mich um sie kümmern. Ich habe auch etwas erreicht."
„So, tatsächlich?!", fragte sie ungläubig. „Davon sieht man nur nicht viel!"
„Bella, es wird schon", sagte Rabastan, nur weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Er hatte keine Lust und keine Kraft, sich mit seiner Schwägerin herumzustreiten. Er wollte lieber endlich seinen neuen Hinweisen nachgehen. Er drängte sie mit sanfter Gewalt zur Seite.
„Rabastan! Sie wird mir nicht so einfach davonkommen! Wenn ich sie erwische, dann…"
„Der Dunkle Lord hat angeordnet, dass ihr nichts passieren darf. Daran hast auch du dich zu halten. Hermine Granger ist meine Sache."
Sie rauschte wütend davon. Rabastan blieb auf der Treppe stehen und sah ihr nach. Sie wirkt so hilf- und orientierungslos, dass es fast beängstigend war. Er hatte sie noch nie so haltlos gesehen. Dass der Dunkle Lord sich von ihr abwandte und verärgert war, erschütterte sie offenbar tief.
Aber Rabastan konnte es nachfühlen. Auch er war innerlich erschüttert. Wenn auch auf andere Weise.
„Sie wollten meine Stelle schon lange streichen", sagte die alte Archivarin, eine kleine, dickliche Frau, die in einen roten Umhang gekleidet war. „Und ich wollte schon vor Jahren in Rente gehen. Es freut mich, dass doch noch mal jemand meine Dienste in Anspruch nehmen muss."
„Haben Sie vielen Dank und verzeihen Sie die Mühen", sagte Rabastan, während er der alten Frau in die Mysteriumsabteilung folgte.
Er merkte sofort, dass sie nur aus Angst so respektvoll und höflich mit ihm umging. Der Ruf der Familie Lestrange eilte seinen Mitgliedern voraus. Es erstaunte ihn, dass man die Angestellte nicht ersetzt hatte. Vielleicht war man bei einer Überprüfung zu der Überzeugung gekommen, dass ihr Blut den Ansprüchen genügte.
Die dunklen Gänge brachten Erinnerungen an längst vergangene Tage wieder hoch. Rabastan konnte sich genau erinnern, wie er, sein Bruder und Bellatrix vor fast zwanzig Jahren in Begleitung von Dementoren durch diese Gänge zu den Gerichtssälen geführt wurden, wo Bartemius Crouch sie zu lebenslanger Haft in Askaban verurteilt hatte. Seinen einzigen Sohn inklusive.
An einer Treppe bogen sie in die entgegengesetzte Richtung ab. Rabastan warf einen kurzen Blick auf die Türen zu den Gerichtssälen, wo heute Muggelgeborene verurteilt wurden, dann schob er die Erinnerungen beiseite.
„Nicht doch, nicht doch, Mr. Lestrange. Ich helfe doch gerne weiter. Wie, sagten Sie, war doch gleich der Name der Familie?"
„Peverell", sagte Rabastan, der aus seinen Gedanken gerissen wurde. „Der Name ist aber schon lange ausgestorben."
„Peverell…", murmelte sie vor sich hin und holte einen großen Schlüsselbund aus ihrer Umhangtasche. „Das sagte mir dunkel etwas, aber… Ich schätze, das ist ganz weit unten."
Sie führte ihn in einen großen Raum voller Regale, die dicht beieinanderstanden. Alle waren voller Kisten, Mappen und Bücher. Über dem ersten Regal auf der rechten Seite prangte ein Schild mit dem Buchstaben A.
„P ist zwei Stockwerke weiter unten", erklärte die Archivarin. „Bitte folgen Sie mir."
Sie gingen zwei Treppen hinunter, bis sie endlich zu den Buchstaben P-Z kamen.
„Hier müsste es irgendwo sein", sagte die alte Frau. „Aber wenn sie sagen, dass der Name schon lange nicht mehr existiert, wird sich niemand mehr um eine Aktualisierung gekümmert haben. Es wird irgendwo… ganz unten… versteckt sein. Die Abteilung P ist sehr groß."
„Sind Reinblüter und Muggelstämmige getrennt und zusammen in einem Register?", fragte Rabastan, der insgeheim das erstere hoffte. Das würde seine Suche stark vereinfachen.
„Man hat irgendwann alle Familien zusammen in ein Verzeichnis gepackt und die alphabetische Ordnung eingeführt", sagte die Archivarin schulterzuckend. „Von oben kam noch keine gegenteilige Anweisung. Die sind wahrscheinlich mit allem möglichem beschäftigt." Sie faselte etwas von der neuen Politik, aber Rabastan hörte ihr nicht mehr zu. Zielstrebig schritt er auf die erste Regalreihe zu.
„Brauchen Sie noch Hilfe, Mr. Lestrange?", fragte sie schließlich.
„Nein, danke. Ich komme schon allein zurecht", meinte Rabastan nur geistesabwesend.
„Gut, dann lasse ich Sie mal allein. Rufen Sie mich, wenn Sie etwas brauchen, ja?"
Sie ließ Rabastan allein.
„Dann mal los", murmelte Rabastan und schritt konzentriert die Reihen ab, auf der Suche nach den richtigen Dokumenten.
Er brauchte eine geschlagene Stunde, bis er einen verstaubten Karton und ein paar alte, in ledergebundene Bücher fand, deren Seiten auseinanderzufallen drohten. Die Beschriftung mit dem Namen Peverell war eindeutig.
Rabastan nahm sich zuerst die Bücher vor, die hauptsächlich mit einer Sammlung von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden gefüllt waren und einen Stammbaum enthielten. Über dem Stammbaum war das Familienwappen abgebildet- dasselbe wie in Genealogie der Zauberei, in dessen Mitte sich das dreieckige Symbol von Grindelwald befand.
Sein Todesserkollege Nott hatte Recht gehabt. Die letzten bekannten Familienmitglieder der Peverells, die im Stammbaum noch namentlich genannt wurden, waren tatsächlich drei Brüder und einer von ihnen hieß auch tatsächlich Antioch. Die anderen beiden Ignotus und Cadmus. Danach verschwand die Familie, woraus Rabastan schloss, dass sie entweder nur Töchter gehabt hatten oder kinderlos geblieben waren.
Er dachte kurz an das Märchen zurück. Zwei der Brüder waren kinderlos gestorben, zumindest wurde nur beim dritten Bruder erwähnt, dass er seinen Umhang an seinen Sohn weitergegeben hatte. Die anderen waren lange vorher zu Tode gekommen. Ob das mit der Familiengeschichte übereinstimmte oder nur im Märchen zum Zwecke der Moral so dargestellt war, konnte er natürlich nicht sagen.
Mit höchster Vorsichtig durchsuchte er die Sterbeurkunden. Es war kein leichtes Unterfangen, da sie mehrere hundert Jahre alt und teils kaum noch leserlich waren. Er fand kein Dokument über Antioch oder Cadmus, nur über Ignotus. Das ließ ihn schon zum ersten Mal stutzig werden.
Als er am Fuß des Dokuments angekommen war, stutzte er ein zweites Mal.
„Das gibt's doch gar nicht."
Godric´s Hollow.
Bei Sterbeort und Begräbnisort stand Godric´s Hollow. Ignotus Peverell war tatsächlich in Godric´s Hollow beerdigt worden.
Der Ort, an dem Dumbledore gelebt hatte, der Dunkle Lord von Harry Potter besiegt worden war, Bathilda Bagshot bis heute lebte und der Ort, zu dem ihn das Zeichen von Grindelwald führte.
Das konnte kein Zufall sein.
Das Zeichen der Familie Peverell über der Geschichte mit den drei Brüdern. Es gab nur eine logische Schlussfolgerung: die Peverell- Brüder waren die historische Vorlage für das Märchen gewesen.
Rabastan wusste sofort, was er als nächstes zu tun hatte.
