Alieness: Danke schön für deinen langen Kommi. :) Es freut mich, dass dir meine Darstellung von Rabastan gefällt, es ist nämlich gar nicht so einfach das glaubwürdig hinzukriegen.^^
Bis zur nächsten Begegnung der beiden wird es leider noch ein bisschen dauern. Klar ist Harry ein wenig intolerant, denn immerhin ist Rabastan ja ein Todesser. Es wird spannend bleiben. ;)
Rabastan war innerlich durcheinander und aufgewühlt, als er nach seiner Entdeckung im Ministerium ins Malfoy- Haus zu seiner Familie zurückkehrte.
Er hatte nun Wissen, um das ihn viele Todesser beneidet hätten: Er war hinter das Geheimnis des Dunklen Lords gekommen. Wie einst Regulus.
Und Regulus hatte sein Wissen getötet.
Außerdem kannte er jetzt die Pläne der Kinder, wusste was sie vorhatten, auf sie aus waren. Es wäre seine Pflicht gewesen, den Dunklen Lord umgehend zu informieren. Doch er tat es nicht. Etwas hielt ihn zurück.
Er wollte zuerst noch nach Godric´s Hollow, wollte Bathilda Bagshot aufsuchen und sie fragen, ob sie Rita Kimmkorn die Informationen für ihr Buch preisgegeben hatte.
Konnte er sich noch so oft einreden, dass er nur wartete, um noch mehr Informationen zu sammeln – er hatte mehr als genug, mehr als er wissen durfte- so war es doch klar, warum er eigentlich zögerte. Den Dunklen Lord über diese Vorkommnisse zu unterrichten, würde unweigerlich bedeuten, dass Hermine dem Tod geweiht war.
Der Dunkle Lord würde umgehend den Befehl an alle Todesser geben, die Kinder zu finden und zu ihm zu bringen. Wenn er nicht sogar selbst sofort handeln würde.
Rabastan wollte Hermine aus der Schusslinie halten. Er wollte nicht, dass ihr etwas geschah. Und das brachte ihn in einen Interessenkonflikt. Er verstand noch nicht einmal, warum er so dachte oder so empfand, er wusste nur, dass er die Vorstellung, Hermine noch einmal auf dem Boden des Salons zusehen, wie sie unter Folter um ihr Leben schrie, nicht mehr ertragen konnte.
Es machte ihn nachdenklich und besorgte ihn, wie er sich verändert hatte. Bislang war alles so klar gewesen, der Weg hatte gerade vor ihm gelegen, ohne Abzweigungen. Doch allmählich wurde der Weg vor ihm, von einem immer dichter werdenden Nebel überschattet.
Rabastan hatte die Treppe nach oben zur Hälfte erklommen, als ihn Bellatrix stellte.
„Wo bist du gewesen?!", fauchte sie. Aus ihrem Zauberstab stoben Funken hervor, so wütend war sie. Der Teppich auf der Treppe wurde versengt.
„Beherrsch dich ein bisschen, Bella. Außerdem verbitte ich mir diesen Ton", sagte Rabastan, nicht minder verärgert. „Ich hatte etwas zu erledigen."
„Der Dunkle Lord hat dir verboten, das Haus zu verlassen!", ereiferte sie sich. „Du widersetzt dich seinem Befehl! Willst du noch mehr Schande über uns bringen?!" Ihre Brust hob und senkte sich schnell, weil sie so aufgebracht war. Sie fuchtelte mit ihrem Zauberstab vor ihm herum. Rabastan hatte seine Hand um seinen eigenen in seiner Tasche und war bereit ihn zu ziehen, sollte Bellatrix ihr Temperament nicht im Griff haben.
„Du hast nichts zu erledigen!", fügte sie hinzu. „Du wirst dich dem Lord nicht mehr widersetzen!"
Bedrohlich trat sie auf ihn zu und hob ihren Zauberstab. Ihre Hand zitterte. Rabastan zog ebenfalls seinen Zauberstab, sodass sie sich wie zum Duell gegenüber standen.
„Bella, was ist hier los?!", fragte Narcissa alarmiert und erstarrte auf dem Treppenabsatz.
Rabastan steckte seinen Zauberstab zurück in seine Umhangtasche und nutzte die Gelegenheit seiner Schwägerin zu entfliehen.
„Bleib hier!", fluchte sie. „Du kommst mir nicht so einfach davon!"
„Bella, beruhige dich doch…", beschwichtigte Narcissa.
Rabastan war schon um die nächste Ecke verschwunden, in sein Zimmer gegangen und hatte die Tür hinter sich zugeworfen. Er atmete tief durch und ließ sich erschöpft dagegen fallen. Er schloss die Augen und bedeckte sein Gesicht mit den Händen.
Bella hatte natürlich Recht. Mit seinem kleinen Ausflug hatte er sich dem Dunklen Lord widersetzt und sollte dieser von seinem Ungehorsam erfahren, dann würden die Konsequenzen erneut seine Familie treffen. Das wollte er auf keinen Fall. Sein vermasselter Auftrag hatte genug Schaden auf ihn, Bellatrix, Lucius und Narcissa gebracht. Wenigstens Draco war in der Schule in Sicherheit. Nicht auszudenken, was der Dunkle Lord mit ihm tun könnte. Rabastan hatte mitbekommen, wie Draco gezwungen worden war, Rowle und Dolohow zu foltern und zu bestrafen, weil sie die Kinder nicht hatten ergreifen können.
Und jetzt musste er sich dem Dunklen Lord erneut widersetzen.
In was hatte er sich nur hineinverstrickt?
„Das ist Grindelwald", sagte Harry nachdenklich und deutete auf das Bild, das in Rita Kimmkorns Buch abgebildet war. „Das Foto stand bei Bathilda im Wohnzimmer."
„Soweit ich das verstanden habe, ist sie eine entfernte Verwandte von Grindelwald", sagte Hermine. Sie war immer noch durcheinander von den Erlebnissen in Godric´s Hollow. Und sie fühlte sich schlecht, weil Harry seinen Zauberstab verloren hatte. Der Sprengfluch, den sie verwendet hatte, um sie von der Schlange wegzubringen, hatte den Phönixstab in der Mitte auseinandergebrochen, sodass er völlig unbrauchbar war. Harry machte ihr keine Vorwürfe- immerhin hatte sie ihrer beider Leben gerettet- trotzdem meinte sie jedes Mal, wenn er sich ihren Zauberstab lieh, um Wache zu halten, einen gewissen Unmut aus seiner Stimme herauszuhören.
„Ich bin mir sicher, dass er es war, der Gregorovitsch den Zauberstab gestohlen hat", sagte Harry.
„Bist du sicher?"
„Ja, absolut. Grindelwald hat diesen Zauberstab gestohlen. Und wenn Du- weißt- schon- wer sich dafür interessiert, würde ich sagen, dass er vielleicht einen Zauberstab sucht. Eben diesen, den Grindelwald gestohlen hat."
„Aber Harry, das ist doch aberwitzig. Grindelwald ist sehr alt. Er hat den Zauberstab in seiner Jugend gestohlen. Das war selbst vor Du- weißt- schon- wer´ s Zeit! Wie sollte er den Zauberstab denn finden? Und warum will er ihn?"
„Ganz einfach. Er konnte mich mit seinem nicht töten, weil zwischen den Kernen eine Verbindung bestand. Was wäre naheliegender als sich einfach einen anderen zu suchen. Bei der Jagd über Little Whinging hat er einen anderen benutzt, der hat aber nicht funktioniert. Er hat einem der Todesser, die uns verfolgt haben, befohlen, ihm seinen auszuhändigen. Ich glaube, der Mann hieß Selwyn oder so ähnlich. Mich würde zu gern interessieren…"
„Harry, ich glaube, wir sollten uns besser auf die Horkruxe konzentrieren…", warf Hermine ein. „Dumbledore wollte das doch…"
„Dumbledore wollte eine Menge, Hermine", sagte Harry bitter. „Aber er hat uns nie etwas Konkretes gegeben. Wir sind auf uns allein gestellt. Wir dürfen irgendwelchen Hinweisen hinterherlaufen und haben Ron verloren."
Er brach ab und entschuldigte sich, dass er Ron ins Gespräch gebracht hatte. Eine bedrückende Stille breitete sich im Zelt aus. Die beiden Freunde verfielen für den Rest des Tages in Schweigen.
Hermine kehrte von ihrer Wache zurück, reichte Harry ihren Zauberstab und ging zu Bett, nachdem sie ihm gute Nacht gewünscht hatte. Sie war müde und ihr war hundeelend zumute, doch sie wollte einfach keinen Schlaf finden. Lange bis in die frühen Morgenstunden lag sie wach und dachte nach. Der Wald um sie herum war fast gänzlich still, nur ab und zu war ein Rascheln irgendwo zu hören. Irgendwann kehrte Harry ins Zelt zurück und legte sich ebenfalls schlafen.
Hermines Gedanken wanderten zu Rabastan Lestrange. Nachts, wenn sie und Harry in ihren Betten lagen, war eine seltene Gelegenheit, wenn sie ungestört und ohne sich vor Harry rechtfertigen zu müssen, an ihn denken konnte.
Sie fragte sich, wie es ihm ging. Es tat ihr immer noch leid, wie sehr er gefoltert worden war, und sie hoffte, es möge ihm besser gehen und er wäre nicht böse auf sie. Sie glaubte nicht, es ertragen zu können, sollten sie sich wieder begegnen und er wollte Rache an ihr nehmen.
So schwer es für sie war, es sich einzugestehen, sie vermisste Rabastan. Sie vermisste ihre gemeinsamen Gespräche. Sie vermisste es, sich an ihn lehnen zu können. Sie sehnte sich sogar danach, wieder von ihm in den Arm genommen zu werden. Sie konnte sich genau dran erinnern, wie sie sich an seine Brust geschmiegt und mit den Fingern über seinen Arm gefahren war. Sie konnte seine weiche Haut jetzt noch unter ihren Fingerspitzen spüren und es ließ sie wohlig erschaudern…
Auch wenn sie froh war, ihrer Gefangenschaft entflohen und wieder mit Harry vereint zu sein, ertappte sie sich dabei, wie sie sich zurück in das Malfoy- Haus wünschte, nur um wieder jeden Tag Rabastan sehen und mit ihm reden zu können.
Sie dachte an Harry und an Ron und ein schlechtes Gewissen überkam sie. Tränen stiegen in ihre Augen und rannen stumm auf ihr Kissen.
Rabastan erschien mit einem leisen Plop auf einer verschneiten Straße nahe des Ortes Godric's Hollow. Es war fast Mitternacht und viele Häuser lagen bereits in Dunkelheit, nur vereinzelt brannte noch Licht.
Es war ein komisches Gefühl, den Ort zu besuchen, an dem der Dunkle Lord einst von einem kleinen Kind vernichtend geschlagen wurde. Rabastan erinnerte sich genau an die Zeit zurück und an die unsicheren Zustände, die die Zaubererwelt damals erschüttert hatten. Nun ja, zumindest Teile davon. Der Großteil der Zaubererwelt hatte gefeiert, dass der Dunkle Lord fort war.
Die Todesser waren plötzlich führerlos gewesen, verunsichert, ohne Zukunft. Rabastan wusste, wie sich die Nachricht vom Tod des Lord angefühlt hatte: er, Rodolphus und Bellatrix waren voller Zorn, Wut und Hass gewesen. Sie hatten es zuerst vehement geleugnet, sie hatten sich mit ihrer Familie zerstritten, weil Lucius die Gunst der Stunde ergriffen hatte und demütig auf die Seite der Sieger zurückgekehrt war. Einen feigen Opportunisten hatte Rodolphus ihn genannt. Ihr Hass und ihre Frustration, gepaart mit Rachegefühlen, hatten sich schließlich derart aufgeschaukelt, dass sie dem Orden des Phönix alles heimzahlen wollten.
Ihr Verbrechen war als eines der grausamsten in die Geschichte der Zaubererwelt eingegangen. In der Öffentlichkeit hatten sie vorgegeben, die Auroren Frank und Alice Longbottom gefoltert zu haben, um Informationen über den Dunklen Lord zu bekommen. Alle drei hatten sich darauf geeinigt, dies bei ihren Verhören anzugeben und sonst zu schweigen. Alles andere hätte ohnehin keinen Zweck gehabt. Ein zweites Mal hätten sie ihrer Gefängnisstrafe nicht entgehen können, noch dazu, da es so eklatant auf der Hand lag, was sie getan hatten.
Ihre Aussagen entsprachen aber nicht der Wahrheit. Es war in den ersten Momenten klar gewesen, dass die Longbottoms nichts wussten, woher sollten sie auch? Niemand wusste, was mit dem Dunklen Lord passiert war. Rodolphus, Bellatrix und Rabastan hätten gehen können. Aber sie taten es nicht, aus einem Grund: Rache.
Es hatte 1978 begonnen, als der Krieg dabei war, sich langsam aber sicher, seinem Höhepunkt zu nähern. Ihr Vater, der ebenfalls dem Dunklen Lord gedient hatte, war bei einem Kampf mit Auroren tödlich verletzt worden. Wie sie später erfahren sollten, waren Frank und Alice beteiligt gewesen.
Ein paar Monate danach hatte es Bella getroffen. Es ließ Rabastan bis heute erschaudern, wenn er daran dachte.
Sie waren in den bis dahin heftigsten Kampf mit Auroren und dem Orden verwickelt gewesen, bei dem es etliche Verletzte und Tote auf beiden Seiten gegeben hatte. Bella war bereits arg angeschlagen gewesen, als Frank und Alice sie gestellt und die Enge getrieben hatten. Sie war von einem Zauber in den Unterleib getroffen, eine steile Böschung hinuntergestürzt und verletzt worden.
Kurz darauf hatte sie ihr ungeborenes Kind verloren und war nicht mehr in der Lage gewesen, schwanger zu werden.
Rodolphus war so außer sich gewesen, wie Rabastan seinen Bruder noch nie erlebt hatte. Er hatte sich geschworen, denjenigen, der dafür verantwortlich war, bitter bezahlen zu lassen. Es war lange Zeit nicht bekannt, gewesen, dass es die Longbottoms gewesen waren, Amycus Carrow hatte sie schließlich nach langem Ringen darüber aufgeklärt.
Bellatrix´ und Rodolphus´ Ehe war ab diesem Zeitpunkt immer mehr in die Brüche gegangen und Bellatrix´ Obsession mit dem Dunklen Lord immer heftiger geworden. Ihre Liebe für ihren Herren war in Wahnsinn abgedriftet. Rabastan konnte sich noch gut an das Gespräch mit seinem Bruder erinnern, als sogar eine Trennung zur Debatte gestanden hatte. Doch Rodolphus hätte Bellatrix niemals verlassen, umgekehrt hätte sie niemals in eine Scheidung eingewilligt. Mochte Bellatrix auch nichts für ihren Mann empfinden, so tat es Rodolphus für seine Frau umso mehr. Außerdem hätte es Schande für beide Familien bedeutet, etwas, dass sich die Blacks nach Andromedas und Sirius´ Verrat nicht hätten leisten können.
Rabastan verdrängte die Gedanken an die Vergangenheit und setzte seinen Weg durch das verschneite Dorf fort.
Er wusste nicht, wo Bathilda Bagshot wohnte, aber es sollte nicht schwer werden, ihr Haus zu finden. Godric´s Hollow war nicht groß und dazu übersichtlich.
Er sah auf die Uhr. Es war zwanzig Minuten nach zwölf und es hatte zu schneien begonnen. Er musste sich beeilen, denn er durfte nicht zu lang von Zuhause wegbleiben.
Schnellen Schrittes steuerte er den Friedhof an und suchte die Reihen nach Ignotus Peverells Grab ab. Er brauchte nicht lange zu suchen.
Das dreieckige Auge war groß auf dem Grabstein abgebildet. Es war eine weitere Bestätigung für ihn, dass alles irgendwie zusammenhing. Die Familie Peverell musste mit dem Märchen der drei Brüder in Verbindung stehen. Dumbledore hatte davon gewusst und hatte die Kinder auf diese Spur führen wollen. Nur warum? Und wie stand Grindelwald dazu?
Als er sich weiter auf dem Friedhof umsah, zog etwas seine Aufmerksamkeit auf sich.
Jemand hatte auf dem Grab von Lily und James Potter einen Blumenkranz niedergelegt und so wie es aussah, konnte das nur wenige Tage her sein. Es hätte jeder sein können, der den Potters Solidarität bekunden wollte, doch Rabastan hatte so einen Verdacht, dass es jemand bestimmtes gewesen war. Die Kinder waren hier gewesen.
Rabastan sah über seine Schulter zurück auf das Dorf, so als erwarte er, die Kinder könnten noch hier sein. Er überlegte, wohin sie gegangen sein mochten. Was hatte sie hierher verschlagen? Sicher hatten sie um die Gefahr gewusst, doch irgendetwas musste sie dazu bewogen haben, den Ort von Potters Herkunft zu erkunden. Und Rabastan vermutete, dass der Anlass nicht nur der Besuch des Grabes war.
Hermine kannte das Zeichen von Grindelwald, darüber hatten sie ja ausführlich gesprochen, aber war sie vielleicht auch auf den Zusammenhang zu den Peverell- Brüdern gekommen? Es war irgendwie unwahrscheinlich. Vielleicht wollten sie Bathilda Bagshot aufsuchen…
Er sah ein zweites Mal auf die Uhr. Es war halb eins. Schnellen Schrittes verließ er den Friedhof und eilte die Straße hinunter, auf der Suche nach dem Haus der magischen Historikerin.
Er musste nicht lange suchen, bis etwas seine Aufmerksamkeit auf sich zog und er stehenblieb. Misstrauisch zog er seinen Zauberstab. An einem Haus war ein Fenster zerschlagen. Seine Intuition mahnte ihn zur Vorsicht.
Langsam durchquerte er die kleine Gartentür und ging über den gepflasterten Weg auf die Haustür zu. Er musste nicht einmal zaubern, um sie zu öffnen. Er stutzte, als er das Schild mit der Aufschrift Bathilda Bagshot neben der Tür bemerkte. Eine alte alleinlebende Frau, die ihre Haustür nachts nicht abschloss? Noch dazu das kaputte Fenster im ersten Stock. Rabastan wusste sofort, dass etwas passiert sein musste.
Er betrat zögerlich mit erhobenem Zauberstab den Flur. Das Haus war dunkel, nicht mal eine Kerze brannte irgendwo. Es war stickig, sodass Rabastan kaum Luft bekam. Außerdem roch es merkwürdig, so als hätte jemand irgendwo Speisereste vergessen, die vor sich hinmoderten, oder als würde Fleisch verwesen.
Er schlechtes Gefühl beschlich ihn. Ein Blick über die Einrichtung genügte, um zu wissen, dass seit Wochen hier niemand mehr gelebt hatte. Auf einem Schrank stand ein Foto des jungen Grindelwald. Rabastan erkannte es aus Ritas Buch sofort wieder. Sein Verdacht bestätigte sich. Bathilda hatte Rita alles erzählt. Den endgültigen Beweis fand er in der Ausgabe von Ritas Buch, die neben dem Foto lag.
„Liebe Batty, danke für deine Hilfe. Hier ist ein Exemplar des Buches, ich hoffe, es gefällt dir. Du hast das alles gesagt, auch du dich nicht mehr daran erinnerst. Rita. Rita, du kleine Schlange", murmelte Rabastan kopfschüttelnd.
Er legte das Buch zurück auf den Schrank und folgte dem seltsamen Geruch die Treppe nach oben. Der Gestank wurde stärker und stärker, je weiter er nach oben kam. Gleich rechts neben der Treppe schien die Quelle für den unerträglichen Gestank zu liegen. Rabastan musste sich seinen Schal um Mund und Nase binden, um es einigermaßen aushalten zu können.
Vorsichtig drückte er die Tür in ein kleines Schlafzimmer auf, doch Augenblicke später wich er angewidert zurück. Die plötzliche Bewegung hatte einen Schwarm Fliegen aufgeschreckt, die sich um etwas am Boden gescharrt hatten.
Rabastan hustete und der Geruch ließ ihn sich fast übergeben. Mit einem Schwung seines Zauberstabes verscheuchte er die Fliegen und entzündete das Licht im Raum. Fassungslos blieb er im Türrahmen stehen und blickte auf das Schauspiel, das sich ihm bot.
Am Boden lag die tote Bathilda Bagshot oder vielmehr das, was von ihr übrig geblieben war: ihre Haut, ohne Fleisch und Knochen.
Er hatte schon viel gesehen, aber das übertraf alles. Ihm war schlecht von dem Gestank und er mochte sich gar nicht ausmalen, wer der alten Frau etwas Derartiges angetan haben mochte.
Der Raum war verwüstet. Hier war auch das Fenster kaputt. Die Vorhänge flatterten in der kalten Nachtluft. Schränke und Dielen waren zerschlagen worden, einem Stuhl fehlten seine Beine. Die Füße des Stuhls wiesen Bissspuren wie von einem großen Tier auf. Innen neben dem Fenster an der Wand waren unverkennbar die Spuren eines mächtigen Sprengfluches zu erkennen. Die Tapete war völlig schwarz gefärbt.
Waren die Kinder hier gewesen? Und wenn ja, was war hier passiert?
Rabastan ging nachdenklich in die Hocke und überblickte den Boden. Ein paar Holzbretter waren herausgerissen worden. Er überlegte kurz, bis er nahe des Bettes auf etwas aufmerksam wurde.
Ein roter Schal lag auf dem Boden, halb unter dem Bett versteckt. Er hätte ihn vermutlich nicht weiter beachtet, wenn er nicht sofort gewusst hätte, wem er gehörte.
Er nahm den Schal und roch daran. Es haftete eindeutig Hermines Parfüm daran.
Sie waren ein paar Tage ziellos durch die Gegend gereist. Wenn sie einen Ort verließen, achteten sie darauf keine Spuren zu hinterlassen. Wenn sie einen neuen Ort ausgesucht hatten, an dem sie länger bleiben wollten, sorgten sie dafür, dass ihr Zelt mit starken Schutzzaubern umgeben war. Sie hatten sogar noch einige hinzugefügt.
Ihre Reise durch das Land war fruchtlos, da keiner der beiden wusste, wo sie weiter nach den Horkruxen suchen sollten. Sie wussten jetzt zwar, warum Dumbledore ihnen das Schwert vererbt hatte, doch die neue Erkenntnis brachte sie keinen Schritt weiter. Sie hatten schon Mühe, die verbliebenen Horkruxe zu finden, jetzt auch noch das Schwert von Gryffindor beschaffen zu müssen, ließ sie noch ratsloser zurück und drückt die Stimmung noch mehr.
Sie spekulierten und rätselten, aber jede Unterhaltung verlief ohne Ergebnis. Harry fiel auf, dass sich Hermine sehr zurückgezogen hatte und er vermutete, dass ihre Gedanken desöfteren zu einem gewissen Todesser wanderten. Er sagte nichts, auch deswegen, weil er nicht wusste, was er sagen sollte, und weil er Hermine nicht bedrängen wollte. Er respektierte es, dass ihre Gefangenschaft sie sehr beschäftigte. Etliche Wochen war sie den Todessern ausgeliefert gewesen, war am Anfang sogar gefoltert worden. Er verstand, dass sie Zeit für sich brauchte.
Er konnte allerdings nicht nachvollziehen, was sie in ihren Kontakt mit dem Todesser Rabastan Lestrange hineininterpretierte. So wie Harry es aus Hermines Erzählungen verstanden hatte, hatte sich Lestrange um sie „gekümmert", hatte mit ihr geredet und war für sie dagewesen, nachdem sie von Rons Tod erfahren hatte. Zweifellos zweckmäßig, da es nur darum gegangen war, ihn, Harry, an Voldemort zu verraten. Warum Hermine offenbar mehr darin sah, verstand er nicht. Es erschreckte ihn, wie sich seine beste Freundin verändert hatte. Sie, die immer die Stimme der Vernunft war, die immer einen kühlen Kopf behielt. Er hoffte, dass es nur vorübergehend war.
Hermine hatte sich gerade nach ihrer Wache hingelegt, als Harry aufgeregt ins Zelt zurückkam.
„Hermine!", rief er aufgeregt. „Hermine, wach auf!"
Müde kämpfte sie sich hoch. Sie hielt sich eine Hand vor die Augen, weil Harry sie mit dem Licht ihres Zauberstabes blendete. „Komm mit raus! Sieh dir das an!"
Sie tat wie geheißen und folgte ihm auf die Waldlichtung, wo sie tags zuvor Halt gemacht hatten. Hermine verstand sofort, warum Harry so aufgeregt war.
„Was ist das?!", sagte sie leise. Sie wagte es nicht, lauter zu sprechen, aus Angst, das zu verschrecken, was sie vom anderen Ende der Lichtung anstarrte.
Die leuchtende Erscheinung warf ein schwaches silbernes Licht auf die Lichtung. Der Patronus hatte die Form einer Hirschkuh und sah zu ihnen herüber. Er trat vorsichtig auf sie zu, reckte den Kopf und scharrte mit den Hufen am Boden, dann drehte er sich langsam um und lief in den Wald davon.
„Hinterher!", rief Harry und war bereits vorausgeeilt. Hermine ihm nach. Sie hatte Mühe ihn einzuholen.
Sie ließen alle Vorsicht fallen und rannten atemlos durch den Wald, bis sie einen kleinen Weiher zwischen den Bäumen erreicht hatten. Der Patronus hatte Halt gemacht und seinen Kopf auf die Oberfläche des gefrorenen Wassers gesenkt.
„Harry, da!"
Hermine deutete auf etwas, das unter dem Eis glitzerte. Es war…
„Das ist das Schwert, Hermine! Das Schwert von Gryffindor!", sagte Harry genauso erschrocken wie Hermine. Damit hatte keiner der beiden gerechnet.
Die silberne Hirschkuh deutete ein letztes Mal auf das Wasser, dann drehte sie sich um und lief davon. Der Patronus löste sich langsam in silbernen Nebel auf, bis er völlig verschwunden war und die Lichtung wieder in Dunkelheit getaucht wurde. Nur das Licht aus Hermines Zauberstab, den Harry ausgestreckt von sich hielt, erhellte die Umgebung schwach.
„Hermine, wir müssen da hin!", sagte Harry aufgeregt, war bereits zu dem kleinen Weiher geeilt und leuchtete auf das Eis.
„Harry, sei vorsichtig!", mahnte Hermine. Ihr war kalt und sie schlang ihren Umhang enger um ihren Körper. Ihre Augen weiteten sich, als sie sah, dass Harry begann, seine Kleidung abzulegen. „Was tust du?!"
„Hermine, das ist das Schwert von Gryffindor! Wir müssen es da rausholen!"
„Was wenn es eine Falle ist?!", fragte Hermine besorgt. „Wir wissen nicht…"
„Nein, jemand hat es uns geschickt! Nimm du das! Brich das Eis auf, Hermine!"
Harry gab ihr ihren Zauberstab zurück. Hermine war nicht wohl bei der Sache, aber tat trotzdem wie geheißen. Das Eis brach mit einem lauten Krachen und zerfiel in kleine Schollen. Harry wollte gerade ins Wasser springen, als Hermine ihn zurückhielt.
„Harry, wo ist der Horkrux?"
„In meiner Tasche." Ungeduldig suchte Harry nach seiner Jacke und warf sie Hermine entgegen, dann stieg er vorsichtig ins Wasser.
Hermine durchsuchte jede Tasche, bis sie das Amulett fand. Sie legte es auf einen nahegelegenen Stein, dann eilte sie an den Rand des Weihers, um nach ihrem Freund zu sehen.
Harry zitterte am ganzen Leib, seine Lippen waren schon bläulich angelaufen. Er holte tief Luft und tauchte unter. Mit pochendem Herzen beobachtete Hermine, wie er kurz in der Dunkelheit des Wassers verschwand. Sie sah nur seine Umrisse im Schein des Schwertes und wie sich das Schwert im Wasser bewegte. Die Sekunden zogen sich quälend lange hin. Hermine blickte auf ihre Uhr. Harry war gerade mal zwanzig Sekunden unter Wasser, aber es kam ihr wie Minuten vor.
Für einen kurzen Moment dachte sie schon, er würde nicht mehr nach oben kommen, doch da sah sie wie sich das Schwert und sein Gesicht der Wasseroberfläche näherten und Erleichterung machte sich in ihr breit.
Harry tauchte keuchend aus dem Wasser auf und kroch zitternd mit dem Schwert in einer Hand ans Ufer. Hermine half ihm aus dem Weiher und zog ihn an Land.
„Geht's dir gut?!", fragte sie aufgelöst. „Alles OK?!"
„Ja", presste Harry hervor. Seine Haut hatte sich weiß- bläulich verfärbt und er zitterte wie Espenlaub.
Hermine beschwor einen heißen Luftstrom aus ihrem Zauberstab hervor und trocknete ihn ab.
„Danke", keuchte Harry erschöpft und sammelte seine Kleidung zusammen.
„Geht's dir wirklich gut?"
„Ja, ja. Es geht schon", sagte Harry abwehrend. Sein Blick war schon auf das Schwert und den Horkrux gerichtet. „Hermine, wir müssen den Horkrux zerstören! Nimm das Schwert."
Unsicher ergriff Hermine das Schwert von Gryffindor. Es war eiskalt und ließ sie erschaudern.
„Komm!"
Unsicher näherten sie sich dem Medaillon, das ruhig auf dem Stein lag, wo Hermine es zuvor platziert hatte.
„Was sollen wir tun?", fragte Hermine leise. Das Schwert fühlte sich fremd in ihrer Hand an. Es war schwer und unhandlich.
„Ich rede mit ihm in Parsel, damit es sich öffnet und du schlägst zu", sagte Harry entschieden. „OK?"
Hermine schluckte. „OK."
„Das ist für Ron, denk daran. Es ist ein kleiner Schritt, seinen Tod irgendwie zu vergelten."
Sie nickte. Der Gedanke an ihren getöteten Freund, gab ihr Kraft. Sie griff das Schwert mit beiden Händen und machte sich bereit.
Harry gab ein paar zischende Laute von sich. Zuerst passierte gar nichts, dann erzitterte das Medaillon und sprang auf.
„Achtung!", raunte Harry. Angespannt warteten sie, was geschehen würde. Eine seltsame Kraft schien von dem Amulett auszugehen.
Völlig unvorbereitet fegte auf einmal eine Druckwelle über die Lichtung und riss Harry von den Füßen. Hermine konnte sich gerade noch aufrecht halten. Beinahe hätte sie das Schwert fallen lassen. Als hätte der Horkrux gespürt, dass eine tödliche Waffe gegen ihn in der Nähe war, legte sich plötzlich eine bösartige Aura über sie.
„Hermine! Schlag zu!", rief Harry und versuchte, sich wieder aufzurappeln.
Hermines Hände verkrampften sich um den Griff des Schwertes. Aus dem Horkrux stieg eine schwarze Rauchschwade auf.
„Was ist das?!", fragte Harry, während sie fassungslos auf das Gebilde starrten. Hermine hob mit zittrigen Händen das Schwert.
„Hermine, tu es jetzt!", forderte Harry. Hermine machte sich bereit und trat einen Schritt nach vorne. „Du schaffst es!"
Die dunkle Nebelschwade nahm plötzlich Form an. Es war die Gestalt eines Mannes. Hermine holte mit dem Schwert zum Schlag aus, doch dann zögerte sie und sah erschrocken auf die Person, deren Gesichtszüge sich jetzt im schwarzen Rauch abzeichneten.
„Nein…"
Rabastan Lestrange trat ihr aus dem Nebel entgegen. Höhnisch grinsend trat er auf sie zu. Hermine wich ängstlich vor seiner Erscheinung zurück.
Sein hämisches Lachen hallte über die Lichtung. „Was hast du denn gedacht?", fragte er spöttisch. „Hast du etwa gedacht, du bedeutest irgendwas?"
„Hermine, hör nicht darauf! Zerstör den Horkrux!", schrie Harry, doch Hermine war unfähig sich zu bewegen. Sie war wie gelähmt vor Angst.
„Es war so erbärmlich leicht, dich herumzukriegen!", höhnte die falsche Gestalt von Rabastan Lestrange weiter. „Du bist nur ein dummes, kleines Mädchen. Du warst doch nur ein Mittel zum Zweck, um an Harry Potter heranzukommen. Glaubst du wirklich, ich würde mich für dich interessieren? Du wertloses Schlammblut."
„Hermine!"
Hermine ließ das Schwert fallen und wich zurück. Die Worte hatten sich tief in ihr Herz gebohrt.
Harry reagierte sofort. Er nahm das Schwert, holte aus und schlug mit der Spitze mit voller Wucht auf das Amulett.
Der Horkrux brach in der Mitte entzwei und ein entfernter Schrei erklang aus dem Amulett. Die Person im schwarzen Nebel verzerrte sich und begann schließlich, sich aufzulösen.
Wind fegte über sie hinweg. Sie wurden von schwarzem Rauch umhüllt. Harry bedeckte sein Gesicht mit den Händen.
Der Schmerzensschrei hallte über die Lichtung und dröhnte in ihren Ohren. Die Erscheinung löste sich allmählich auf und zog sich ins Innere des Medaillons zurück. Als sie verschwunden war, erzitterte der Horkrux ein zweites Mal, dann lief er schwarz an und kam schließlich zur Ruhe.
„Es ist vorbei", sagte Harry erleichtert und ließ das Schwert sinken. „Hermine?"
Hermine war auf den Boden gesunken. Sie zitterte und hatte zu weinen angefangen. Tränen rannen ihre Wangen hinab.
Harry ging neben ihr in die Hocke und legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter. „Hermine… Ist schon gut, es ist vorbei."
„Tut… tut mir Leid", schluchzte Hermine und wandte beschämt ihren Blick ab. Sie schämte sich für ihr Verhalten.
Harry war um Worte verlegen. „Hey, es ist nicht schlimm…"
„Doch, ist es. Ich…"
„Hermine…"
Harry bis sich auf die Lippen. „Hermine?"
Es dauerte, bis sie langsam den Kopf in seine Richtung wandte und ihn ansah. Ihre Augen waren gerötet, ihr Blick war traurig.
„Mir ist ja schon in der letzten Zeit aufgefallen, dass du… ziemlich viel immer über diesen Rabastan Lestrange nachgedacht hast. Du vermisst ihn doch nicht irgendwie, oder?"
Sie schwieg, sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Ihr Schweigen war Harry Antwort genug.
Er amtete tief durch. Sie sah auf die Erde.
„Du bist in ihn verliebt, oder?"
Sie starrte Harry entsetzt an. Sie wollte die Worte verneinen, wollte vehement protestieren, aber sie konnte es nicht. Harry hatte das ausgesprochen, was sie sich selbst nicht hatte eingestehen können. Sie konnte nichts erwidern, konnte nicht widersprechen, denn er hatte Recht.
„Hab ich Recht?", fragte Harry.
„Es tut mir Leid, Harry, ich…"
„Hey, gehen wir erst mal zurück zum Zelt, dann reden wir über alles."
Hermines Hand klammerte sich um ihre Tassen heißen Tee. Sie konnte Harry nicht in die Augen sehen. Sie schämte sich zu sehr. Sie fühlte sich ertappt, geradezu auf ein Podest gestellt, mit einem Schild um den Hals, wo sie grelles Licht anstrahlte. Und jeder konnte sie sehen. Ganz vorne stand Ron.
Ihre Schuldgefühle waren kaum zu ertragen, genauso wie die Stille, die sich im Zelt ausgebreitet hatte. Harry stand mit dem Rücken zur ihr, das Schwert von Gryffindor lag auf dem Tisch neben dem zerstörten Horkrux.
„Hermine, du warst sehr lange Zeit bei denen gefangen, er war der einzige, der sich um dich gekümmert hat, der dich getröstet hat wegen Ron… Verstehst du vielleicht, auf was ich hinaus will?", sagte Harry schließlich.
„Ja", antwortete sie knapp.
„Der Horkrux… spricht ja eigentlich nur das aus, was selbst in deinem Inneren ist… also Ängste oder sowas… Ich hab gesehen, wie dich das getroffen hat, was der Horkrux gesagt hat…. Du magst Rabastan Lestrange…"
Es war sinnlos, sich noch herausreden zu wollen.
„Ja", sagte Hermine schweren Herzens. „Ich… Es tut mir Leid, ich… Ich weiß nicht mehr, was ich denken oder fühlen soll, Harry."
„Wieso Hermine? Er ist einer von denen!"
„Ich weiß es doch nicht. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Die Wochen, die ich im Malfoy- Haus verbracht habe, war Rabastan… Er war die ganze Zeit für mich da und… Wir haben so viel geredet und wir haben uns so gut verstanden…"
„Hermine, er hat dich nur benutzt! Er wollte dich dazu bringen, ihm Informationen über mich zu geben!", entgegnete Harry aufgebracht. „Er hat doch das alles nur vorgespielt!"
Das war Hermines größte Angst. Kein Wunder, dass der Horkrux dies sofort gespürt und gegen sie verwendet hatte. Sie wehrte sich vehement gegen diesen Gedanken. Sie konnte und wollte einfach nicht glauben, dass Rabastan ihr alles wirklich nur vorgespielt hatte.
„Ich… Ich kann das nicht glauben, Hermine. Das bist doch nicht du! Was ist los mit dir?!", fragte Harry. Es war keine Wut und auch kein Vorwurf, sondern nur die pure Verzweiflung, die Fassungslosigkeit und die Sorge, die sich ein Freund um eine Freundin machte.
„Es tut mir Leid, Harry, ich… Ich weiß ja selbst nicht, was mit mir los ist. Rabastan war…"
„Du musst dich nicht entschuldigen", unter brach Harry sie, „aber bitte versprich mir eines: Bitte denk nicht mehr an diesen Kerl."
Sie sah ihn an. Ein trauriger Ausdruck trat auf ihr Gesicht.
„Wir haben Wichtigeres zu tun", fuhr Harry fort. „Wir haben das Schwert von Gryffindor. Wir haben einen Horkrux zerstört. Die Frage ist jetzt, wer hat uns das Schwert geschickt. Offenbar jemand, der Bescheid wusste, dass wir es so dringend brauchen. Irgendwo da draußen ist jemand auf unserer Seite. Kennst du jemanden mit einer Hirschkuh als Patronus?"
„Nein, tut mir Leid."
„Wir müssen rausfinden, wer uns geholfen hat", sagte Harry ernst. „Und irgendwann wollten wir doch Xenophilius Lovegood wegen dem Symbol aufsuchen. Bald sind Weihnachtsferien, dann müsste Luna zu Hause sein. Ich schlage vor, wir besuchen sie. Ich will wissen, was in Hogwarts vor sich geht."
Es war der Versuch, Hermine auf andere Gedanken zu bringen und von Rabastan Lestrange abzulenken. Und Harry hoffte, damit Erfolg zu haben.
