Lizzi: Danke für dein Review. Schön, wenn dir meine Geschichte gefällt. :)
Ein einzelnes, langes, schwarzes Haar lag zwischen ihnen auf dem Tisch. Daneben stand ihr letzter Rest Vielsafttrank.
„Bist du sicher, dass es Bellatrix´ Haar ist?", fragte Hermine und schluckte.
„Ja, eindeutig. Von ihrer Schwester kann es nicht sein, denn die ist blond. Und sonst war niemand mit langen dunklen Haaren dort, also… bleibt nur Bellatrix. Sie hat mich gepackt und in Richtung Kerker geführt, da muss es wohl auf meine Kleidung gekommen sein. Ich hab es später von meiner Jacke geklaubt und wollte es schon einfach wegwerfen, aber… da kam mir die Idee mit dem Vielsafttrank."
„Ihnen ist schon klar, dass bei diesem Unterfangen, Verzeihung, Himmelfahrtskommando, einiges schief gehen kann", warf Rabastan ein.
„Allerdings", meinte Harry. „Aber uns bleibt nichts anderes übrig. Sie können nicht nach Gringotts. Bellatrix wird niemand verdächtigen."
Rabastan atmete tief durch. „Da habe ich leider meine Bedenken. Sie haben Bellatrix ihren Zauberstab abgenommen. Die wissen, dass Sie ihn haben. Wenn Sie damit in Gringotts auftauchen, werden die sofort Bescheid wissen. Und ich habe Sie gewarnt, Griphook wird Ihnen nicht helfen. Er wird Sie bei der erstbesten Gelegenheit im Regen stehenlassen."
„Rabastan, ist schon gut. Wir wissen, dass der Plan riskant ist, aber wie Harry schon gesagt hat, wir haben keine andere Möglichkeit. Ihre Schwägerin ist immer noch die beste Tarnung. Und die Hauptsache ist, dass wir ins Verlies reinkommen und den Horkrux rausholen können."
„Gut. Aber was machen Sie?" Die Frage war an Harry gerichtet.
„Ich werde mein Aussehen verändern", antwortete Harry schlicht. „Hermine kann das sehr gut. Und Sie werden den Tarnumhang nehmen."
„Wäre es nicht umgekehrt besser?"
„Nein", sagte Harry entschieden. „Unter dem Tarnumhang können Sie uns besser helfen, sollte es wirklich brenzlig werden."
„Haben Sie zumindest bedacht, welche Schwierigkeiten auf Sie zukommen könnten?", fragte Rabastan interessiert.
„Nicht wirklich", meinte Hermine leicht unsicher. „Aber das ist jetzt egal, wir improvisieren einfach ein bisschen."
Hermine seufzte leise, als sie sich an Rabastan schmiegte. Ihre Finger glitten langsam über seine Brust. Sie schloss entspannt die Augen und atmete tief durch, während sie sich an ihn drückte und seine Nähe genoss. Rabastan hatte einen Arm um sie gelegt und streichelte über ihren Rücken.
„Bist du dir sicher, dass du das tun willst?", fragte Rabastan mit heiserer Stimme. „Meinst du nicht, dass wir es irgendwie anders versuchen sollten?"
„Ich bin mir sicher", antwortete Hermine schwach. Sie war müde und wollte eigentlich schlafen. „Mach dir nicht so viele Gedanken. Wir ziehen das einfach durch und… schaffen das schon irgendwie." Sie gähnte ausgiebig. Rabastan lächelte und fuhr ihr mit den Fingern durch die Haare. „Du bist doch dabei, also kann uns nichts passieren."
„Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll?", fragte er vorsichtig und sprach damit das aus, was ihm seit Tagen durch den Kopf ging. „Ich meine mit uns. Wie… ist das… zwischen uns? Du hast gesagt, dass wir… zusammen sind. Empfindest du das so?"
Sie hob den Kopf und sah ihn erstaunt an. „Ich… Ja! Ich bin sehr gerne mit dir zusammen. Und ich wünsche mir, dass wir zusammen bleiben!"
Er musterte sie eingehend. In ihren Augen konnte er die Zuneigung sehen, die sie für ihn empfand, aber auch die Angst, die seine Frage in ihr ausgelöst hatte. Er verstand, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte, als bei ihm sein zu können, aber sich davor fürchtete, er könne es nicht wollen. Und sich vor allem davor fürchtete, ihn verlieren zu können.
„Es gibt gewisse Dinge, Hermine, die zwischen uns stehen. Und damit meine ich nicht den Altersunterschied", sagte Rabastan, wobei er sehr darauf achtete, die richtigen Worte zu finden. „Ich bin immer noch Rabastan Lestrange und du bist Hermine Granger. Wir sind wir, wir sind, wer wir sind, mit unserer Vergangenheit. Es ist vollkommen unerheblich, welche Seite den Krieg gewinnen wird. Entweder bist du eine Gejagte oder ich bin es."
Er löste sich von ihr und rutschte an die Bettkante. Hermine sah nur schwach seinen nackten Rücken im Mondlicht, das durch das Fenster hereinströmte. Das schwarze Bild des Drachen, das sein rechtes Schulterblatt zierte, war nur schemenhaft zu erkennen.
„Wir werden nie zusammen sein können, nicht richtig", sagte Rabastan. „Wenn wir gewinnen, dann musst du fliehen. Aber wenn ihr es wirklich schafft, den Dunklen Lord zu bezwingen, dann muss ich gehen, sonst droht mir Gefangenschaft in Askaban. Wenn wir zusammen sind, dann… Es wird ein Leben in Angst und auf der Flucht sein."
Hermine betrachtete ihn, wie er den Kopf hängen ließ. Sie streckte ihre Hand aus und strich zärtlich über seinen Rücken.
„Das, was wir am Grimmauld Platz… Also, was da passiert ist, das… Das war das Schönste, was ich je erlebt habe. Und es war mit dir. Ja, du warst ein Todesser, aber ich glaube, dass sich Menschen ändern können", sagte Hermine ernst. „Dumbledore hat früher immer gesagt, dass es nicht unsere Herkunft oder sowas ist, was uns ausmacht, sondern unsere Entscheidungen. Das macht uns zu dem, was wir sind. Du hast dich entschieden, mich zu retten, Rabastan. Du hast dich entschieden, alles hinter dir zulassen. Für mich. Und ich habe mich für dich entschieden."
Er wandte sich um und begegnete ihrem Blick. „Ich weiß, dass wir es schaffen können. Wir beide zusammen. Wir können dafür kämpfen, dass wir zusammen sein können. Ich weiß, dass wir was verändern können. Wir müssen nicht weglaufen, wir beide nicht."
Er konnte darauf nichts erwidern. Sie legte eine Hand an seine Wange und küsste ihn. Kurz darauf drückte sie ihn auf das Bett und begrub ihn unter sich.
Der Tarnumhang fühlte sich wie Wasser an, das in einen Stoff verwoben war, so samtig glitt er durch Rabastans Finger. Er war schwer beeindruckt von dem Umhang. Einen solchen Tarnumhang hatte er noch nie gesehen. Auf Missionen waren die Todesser manchmal darauf angewiesen, sich zu tarnen, und hin und wieder hatten sie dazu auch Tarnumhänge benutzt, deren Unsichtbarkeit war jedoch mit der Zeit schwächer geworden und hatte schließlich völlig nachgelassen. Potters Umhang jedoch hielt bereits seit Generationen und wenn man der Legende Glauben schenken konnte, dann war es der Umhang des Todes persönlich. Rabastan konnte sich wohl etwas darauf einbilden, einen solchen Umhang zu tragen.
„Ich glaube, du musst so gebückt gehen", meinte Hermine und grinste, als sie auf Rabastan lose Füße deutete, die vom Umhang nicht verdeckt wurden.
„Das vermute ich auch." Er ging etwas in die Knie, damit seine Schuhe verschwanden. „So ist es wohl besser."
Hermine atmete tief durch. „Ich werde mich dann bereit machen", sagte sie und nahm einen alten Umhang, den Rabastan aus dem Haus am Grimmauld Platz geholt hatte. „Wir treffen uns dann unten draußen."
Der Morgen war angebrochen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber am Horizont war bereits ein schmaler heller Lichtstreifen zu erkennen. Bill und Fleur schliefen noch. Harry, Hermine und Rabastan hatten vereinbart, so früh wie möglich aufzubrechen. Sie würden danach nicht mehr nach Shell Cottage zurückkehren. Für den Fall, dass wirklich etwas bei ihrem Unterfangen schiefging, wollten sie ihre Gastgeber nicht unnötig in Gefahr bringen.
Bill hatte freilich noch versucht, Harry seine Hilfe anzubieten und ihm bis zu Letzt ihr Vorhaben auszureden, doch sie waren hart geblieben. Schließlich hatte er aufgegeben, ihnen aber zumindest sein Zelt mitgegeben, weil sie ihr altes ja verloren hatten.
Hermine veränderte Harrys Äußeres geschickt mit ein paar Zaubern, sodass er nicht wiederzuerkennen war. Dann überlegten sie sich eine Geschichte, die sie über ihn erzählen wollten. Ein erfundener Ausländer erschien ihnen als die beste Tarnung.
Rabastan, Harry und der Kobold standen bereits draußen am Strand und warteten auf Hermine. Etwas steif und ungelenk und mit einem Gesichtsausdruck, der jedem deutlich zu verstehen gab, dass sie sich in ihrer neuen Haut alles andere als wohlfühlte, marschierte sie auf den hohen Schuhen, die Fleur ihr geliehen hatte, über den Sand. Sie raffte ihren Rock und verzog das Gesicht.
Rabastan musste unweigerlich grinsen. Für ihn war es offensichtlich, dass die Person vor ihm niemals Bellatrix Lestrange sein konnte. Hermine war unsicher und sie besaß bei Weitem nicht Bellatrix´ Elegant und Arroganz.
„Sie hat scheußlich geschmeckt! Widerlich! Schlimmer als Spulenwurzel!", schimpfte Hermine und verzog vor Ekel das Gesicht.
Rabastan musste lachen. „Was soll ich sagen? Die Frau ist meine Schwägerin, ich kenne sie, seit wir Kinder waren."
„Wie hast du das ausgehalten?", fragte Hermine sarkastisch.
„Frag mich nicht", meinte Rabastan nur. „Seid ihr alle bereit?"
Die falsche Bellatrix, Harry und der Kobold nickten.
„OK." Rabastan zog den Tarnumhang über sich, dann fassten sie sich alle an der rechten Hand und einen Augenblick später waren sie auch schon verschwunden.
Sie erschienen nahe des Eingangs zum Tropfenden Kessel auf der Straße. Hermine strich sich ihr Kleid zurecht und warf Bellatrix´ lange schwarze Haare zurück.
„Wie sehe ich aus?", fragte sie. Harry nickte ihr aufmunternd zu.
„Du siehst zum Fürchten aus", meinte er und reckte den Daumen nach oben.
„Ich bin dicht bei dir, OK?", raunte Rabastan Hermine ins Ohr.
Sie betraten nacheinander die Schänke, die fast völlig leer war. In einer Ecke saßen ein paar Zauberer und eine Hexe an einem runden Tisch. Als sie Bellatrix Lestrange erblickten zogen sie sich zurück und verdeckten ihre Gesichter. Tom, der Wirt, stand hinter dem Tresen und polierte Gläser mit einem Lappen. Als er Bellatrix bemerkte, erblasste er, schluckte und sagte dann betont höflich: „Guten Morgen, Madame Lestrange."
„Guten Morgen", sagte Hermine.
Tom sah ihnen verwundert nach, als sie den Laden durchquerten und in den Hinterhof traten.
„Hermine, du bist ein bisschen zu freundlich", sagte Harry leise, während er sich ängstlich umsah. Niemand war ihnen gefolgt.
„Super!", zischte ihm Hermine zu und zog Bellatrix´ Zauberstab. Sie klopfte gegen die Steine und die Wand schob sich zur Seite und gab den Weg auf die Winkelgasse frei.
„Dieses Ding ist… ich will es nicht", sagte sie angewidert über Bellatrix´ Zauberstab. „Es ist… wie ein Teil von ihr!"
„Wir haben es ja bald geschafft", sagte Rabastan unsicher unter dem Umhang. Unbemerkt von den anderen, glitt sein Blick bereits aufmerksam über die Gasse, die sich vor ihnen erstreckte.
„Beeilen wir uns", drängte der Kobold ungeduldig.
Sie eilten die Einkaufsstraße hinunter in Richtung des großen, weißen Gebäudes am Ende. Die meisten Geschäfte waren leer, manche Fensterscheiben mit Bretter vernagelt. Fahndungsplakate von Harry und Rabastan hingen an jeder Ecke. Die paar wenigen Passanten nahmen sofort Reißaus, als sie Bellatrix erblickten. Am Straßenrand saß ein Bettler mit einer blutigen Binde über einem Auge.
Als die Gruppe an ihm vorbeiging, stürzte er sich sofort auf Hermine.
„Meine Kinder! Meine Kinder! Gebt mir meine Kinder zurück! Du! Du weißt es, wo sie sind!"
„Ich…" Hermine taumelte zurück. Der Mann wollte sie an der Kehle packen, da ertönte ein Knall und er fiel bewusstlos zu Boden. Rabastan hatte ihn von unter dem Tarnumhang heraus mit einem Schockzauber belegt.
Die Gefahr mochte vielleicht für einen Augenblick gebannt sein, doch sie hätten beim Betreten der Winkelgasse kaum mehr Aufsehen erregen können. Hermine griff sich erleichtert an die Brust und wechselte einen Blick mit Harry.
„Vielleicht sollten wir das Ganze abblasen und uns was anderes überlegen?", fragte sie schwer atmend.
Weder Harry, noch Rabastan konnten antworten, ehe ihnen der Schreck in die Glieder fuhr.
„Herrjemine, wir sind geliefert", flüsterte plötzlich Griphook. Harry und Hermine erstarrten auf der Stelle. Auch Rabastan unter dem Tarnumhang überfiel für einen kurzen Moment Panik, als er sah, dass einer seiner ehemaligen Todesserkollegen ebenfalls die Gelegenheit der frühen Morgenstunde nutzte, um die Winkelgasse zu besuchen.
„Aber das ist ja Madame Lestrange!" Der großgewachsene, schlanke Mann in dem schwarzen Umhang hatte sie erblickt und kam auf sie zu.
„Oh nein", murmelte Rabastan neben Hermine. „Das ist Travers, einer von uns!"
Seine Gedanken rasten und suchten nach einem Ausweg. Auch Hermine und Harry überlegten fieberhaft auf die Schnelle, wie sie der Situation entkommen sollten. Ein Todesser war jetzt das Letzte, das sie brauchen konnten.
„Was soll ich machen?", fragte Hermine unsicher.
„Spiel einfach mit. Travers ist nicht gefährlich. Er mag Bella, also… Rede einfach freundlich mit ihm."
„OK", sagte Hermine, die sich sichtlich unwohl fühlte.
„Guten Morgen, Madame Lestrange", sagte Travers.
„Guten Morgen, Travers", sagte Hermine, so gebieterisch sie konnte und Rabastan musste ihr fast ein Kompliment aussprechen, denn sie kam damit Bellatrix erstaunlich nahe.
„Was führt Sie denn so früh in die Winkelgasse?", fragte Travers interessiert.
„Ich möchte nach Gringotts", sagte Hermine schlicht.
„Was für ein Zufall, ich auch", sagte Travers und seine Miene hellte sich auf. „Doch verzeihen Sie mir die Frage", er hüstelte, „aber… Ich habe gehört, dass die Bewohner des Hauses Malfoy das Haus nicht verlassen dürfen, seit der… ähm… Flucht."
Das hatte Rabastan befürchtet. Er hoffte inständig, Hermine möge kühlen Kopf bewahren.
„Der Dunkle Lord vergibt denjenigen, die ihm in der Vergangenheit am treuesten gedient haben", antwortete Hermine auf herablassende Art und Weise. „Offenbar unterschätzen Sie, wie hoch ich in der Gunst des Lords stehe, Travers."
Travers nickte nur bedächtig. Er schien ein wenig vor den Kopf gestoßen, weil Bellatrix so herablassend mit ihm sprach, doch zumindest war er weniger misstrauisch. Rabastan atmete auf.
„Ich hoffe, Sie hatten keine Probleme damit?", fragte er mit Blick auf den Mann, den Rabastan geschockt hatte und der jetzt bewusstlos am Boden lag.
„Nein, nein", sagte Hermine sofort und in kühlem Ton. „Das ist nicht von Bedeutung, es wird das nicht wieder tun."
„Manche von diesen Zauberstablosen können lästig sein", meinte Travers verächtlich. „Solange sie nur betteln, habe ich nichts gegen sie, aber letzte Woche hat mich eine tatsächlich gebeten, im Ministerium ein gutes Wort für sie einzulegen. `Ich bin eine Hexe, Sir, ich bin eine Hexe, lassen Sie es mich beweisen!´", imitierte er sie mit einer gespielt piepsigen Stimme. „Als ob ich ihr meinen Zauberstab geben würde… Wessen Zauberstab benutzen Sie denn im Augenblick, Bellatrix? Wie ich höre, wurde der Ihre…"
„Ich habe meinen Zauberstab hier", sagte Hermine kalt. Sie zeigte ihm Bellatrix´ Zauberstab. „Ich weiß nicht, welche Gerüchte Sie da gehört haben, Travers. Bitte schenken Sie diesen Gerüchten keinen Glauben."
Travers wirkte darüber verblüfft, ging aber nicht weiter darauf ein. Er wandte sich jetzt an Harry und den Kobold.
„Sie sind in Begleitung, wie ich sehe. Wer ist Ihr Freund?"
„Das ist Dragomir Despard", erklärte Hermine.
Sie hielten es für sicherer, Harry die Rolle eines Ausländers spielen zu lassen. „Er spricht leider nur sehr wenig Englisch, aber er sympathisiert mit den Zielen des Dunklen Lords. Er ist aus Rumänien angereist und ist zum ersten Mal in Großbritannien. Er will sich unsere neue Gesellschaft ansehen, die wir aufgebaut haben. Wir kennen uns, weil unsere Familie Kontakte nach Osteuropa hatte."
„Ich verstehe. Guten Tag, Dragomir."
„Guten Tag", sagte Harry, wobei er versuchte, mit einem ausländischen Akzent zu sprechen. Sie schüttelten sich zur Begrüßung die Hand, doch Travers zog die seine sofort zurück, als hätte er Angst, sich schmutzig zu machen.
„Und wie ich sehe, begleitet Sie auch ein Kobold", bemerkte Travers mit Blick auf Griphook. „Sie sagten, Sie wollten nach Gringotts?"
„In der Tat", antwortete Hermine. „Ich wollte unserem Gast die Winkelgasse zeigen und er wünscht, auch Gringotts zu sehen. Er plant hier, Geschäfte zu machen, deshalb hat uns bereits ein Kobold beraten. Wir sind jetzt auf dem Weg."
Hermine spielte ihre Rolle hervorragend, fand Rabastan. Er harrte immer noch unter dem Tarnumhang aus und langsam wurde er ungeduldig. Nach seiner Uhr hatten sie noch 45 Minuten, ehe sich Hermine zurückverwandeln würde. Und seine schlimmste Befürchtung wurde noch dazu in diesem Moment wahr.
„Ich wollte ja auch zur Bank", sagte Travers. „Darf ich mich Ihnen anschließen?"
Hermine zögerte einen Moment, dann nickte sie widerwillig.
„Wollen wir dann?" Der Todesser machte eine einladende Armbewegung.
Hermine blieb keine andere Wahl, als sich ihm anzuschließen und neben ihm her in Richtung des weißen Gebäudes der Bank zu gehen. Rabastan fluchte in Gedanken. Wenn Travers neben ihnen war, hatte er keine Chance mehr, mit Potter oder Hermine zu reden. Er überlegte angeregt nach einer Möglichkeit, wie sie Travers loswerden konnten, doch bis auf das Offensichtliche, ihn mit einem Zauber außer Gefecht zu setzen, wollte ihm auf die Schnelle nichts einfallen.
„Bellatrix, warten Sie bitte einen Moment. Dürfte ich Sie auf ein Wort bitten? Allein?", fragte Travers auf einmal. „Bevor wir hineingehen."
„Oh, natürlich."
Hermine warf Harry hinter Travers´ Rücken einen hilfesuchenden, verzweifelten Blick zu. Griphook und Potter warteten auf der Treppe, während Hermine und Travers etwas zurückfielen. Rabastan entschloss sich, ihnen unsichtbar zu folgen. Sollte irgendetwas passieren, wollte er sofort eingreifen. Er hielt seinen Zauberstab bereit.
„Wir haben uns ja lange Zeit nicht persönlich gesehen", sagte Travers und es klang plötzlich nicht mehr höflich distanziert, sondern mehr kameradschaftlich. „Deshalb... hatte ich bislang noch keine Gelegenheit, Ihnen mein Beileid auszusprechen, Bellatrix."
Rabastan verstand sofort. Er hoffte nur, Hermine würde den Hinweis ebenfalls verstehen. Sie wirkte jedoch ziemlich ratlos und antwortete nicht gleich.
„Ähm…"
„Ich verstehe, wenn das… Ich möchte nicht indiskret sein…"
Rabastan trat geräuschvoll mit dem Fuß auf, um Hermine ein Zeichen zu geben. Plötzlich hellte sich ihre Miene auf.
„Oh, ähm, ja… Nein, ist schon gut Travers…"
„Rodolphus und ich hatten… ja unsere Differenzen, dennoch… möchte ich Ihnen mein Beileid aussprechen. Tut mir sehr Leid um Ihren Verlust."
„Haben Sie vielen Dank, Travers, das weiß ich sehr zu schätzen", sagte Hermine und sofort wieder kühl.
Der Todesser nickte. „Wenn wir… unsere Geschäfte erledigt haben… Das heißt natürlich nur, wenn Sie heute nichts mehr vorhaben…" Er warf Harry und dem Kobold einen Blick zu, der deutlich sagte, dass er von ihrer Anwesenheit nicht sonderlich angetan war. „Würden Sie mir die Ehre erweisen und mich in den Tropfenden Kessel begleiten? Madame sind selbstverständlich eingeladen."
Wut packte Rabastan. Travers hatte vielleicht Nerven. Er besaß allen Ernstes die Dreistigkeit, sich Bellatrix anzunähern.
„Ähm, das ist ein sehr verlockendes Angebot, Travers, allerdings… erwartet mich meine Schwester bald zurück. Deshalb muss ich leider ablehnen. Aber vielleicht ergibt sich ja ein anderes Mal die Gelegenheit. Tut mir Leid."
„Ich verstehe. Das… ist sehr bedauerlich. Nun gut, dann sollten wir mal zur Tat schreiten."
Sie schlossen sich Harry und dem Kobold wieder an, um die Bank zu betreten. Neben der Tür waren zwei Zauberer positioniert, die lange, dünne goldene Stäbe in der Hand hielten.
„Ah, Seriositätssonden", seufzte Travers theatralisch. „Primitiv, aber wirkungsvoll!"
Er trat vor und die Zauberer führten die Sonden an seinem Körper entlang. Rabastan kannte den einfachen Zauber, der dahinter steckte. Er spürte Verbergungszauber und versteckte magische Gegenstände auf. Er hatte nur Sekunden. Nachdem Travers die Bank betreten hatte, war Bellatrix an der Reihe. In dem Moment, als sich die Wächter ihr zuwenden wollten, belegte Rabastan die beiden lautlos mit einem Zauber.
Hermine schritt zwischen ihnen hindurch.
„Moment, Madame!"
„Aber das haben Sie doch eben schon gemacht!", sagte Hermine.
Travers wandte sich mit hochgezogenen Augenbrauen um. „Gibt es ein Problem?"
Die beiden Wächter sahen sich verwirrt an. „Ja, du hast die beiden gerade überprüft, Marius."
Hermine atmete erleichtert auf. „Nein, alles in Ordnung."
Travers wirkte etwas misstrauisch, sagte aber nichts. Hermine ließ ihm am Schalter den Vortritt und gab vor, ihrem ausländischen Gast die Besonderheiten der Halle erklären zu wollen.
Der Todesser trat vor ihnen an den Schalter und reichte dem Kobold seinen kleinen goldenen Schlüssel. Der Kobold nickte.
„Bitte, hier entlang, Mr. Travers."
Nach ihm trat Bellatrix nach vorne.
Der Kobold am Schalter zuckte etwas zusammen, als er sie erkannte. „Ma- Madame Lestrange. Meine Güte, was kann ich heute für Sie tun?"
„Ich wünsche, mein Verlies zu betreten", sagte Hermine selbstbewusst und mit kräftiger Stimme.
„Können Sie sich ausweisen?", fragte der Kobold.
Verdammter Mist, dachte Rabastan. Sie wussten Bescheid, sie hatten mit Sicherheit geahnt, dass eine Doppelgängerin auftauchen würde.
„Ähm, ausweisen? Man hat noch nie von mir verlangt, dass ich mich ausweise!", sagte Hermine mit gespielter Empörung. „Wissen Sie eigentlich, wer vor Ihnen steht?!"
„Sie müssen die Umstände verzeihen, aber wir haben gesonderte Anweisungen für Ihr Verlies bekommen, Madame Lestrange. Ihr Zauberstab wird genügen", sagte der Kobold selbstsicher. Er streckte seine Hand aus und wie ein Schlag traf es Rabastan, dass die Kobolde wussten, dass Bellatrix´ Zauberstab gestohlen worden war. Er musste handeln, er musste irgendetwas tun.
Er zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf den Kobold. So leise es ging, sprach er: „Imperio!"
Der Kobold nahm Bellatrix´ Zauberstab und prüfte ihn eingehend. „Ah, Sie haben sich einen neuen Zauberstab machen lassen, Madame Lestrange."
„Wie bitte?", sagte Hermine. „Nein, nein, das ist meiner…"
„Einen neuen Zauberstab?", fragte Travers irritiert und näherte sich dem Schalter. „Wie haben Sie das geschafft? Welchen Zauberstabmacher haben Sie beauftragt?"
Rabastan handelte ein zweites Mal. Er belegte auch Travers mit dem Imperius- Fluch.
„Oh, ja, ich verstehe", sagte Travers, während er auf Bellatrix´ Zauberstab hinabschaute. „Ja, sehr hübsch. Und funktioniert er gut? Ich war schon immer der Meinung, dass man Zauberstäbe ein wenig einzaubern muss, nicht wahr?"
Hermine war völlig verwirrt, aber behielt die Contenance. Sie nahm die Vorkommnisse um sich herum kommentarlos hin.
Der Kobold hinter dem Schalter klatschte in die Hände und befahl einem jüngeren Kobold, der herbeieilte: „Ich brauche die Klirrer."
Der Kobold nickte, eilte davon und kam mit einer Ledertasche zurück, die mit etwas Metallischem gefüllt sein musste. Ihr Inhalt klimperte. Er übergab die Tasche seinem Vorgesetzten.
„Schön, schön! Nun, wenn Sie mir bitte folgen würden, Madame Lestrange", sagte der alte Kobold und ging voraus. „Ich werde Sie zu Ihrem Verlies führen."
Er ging ihnen voraus. Die Tasche klimperte unentwegt. Rabastan schwang seinen Zauberstab und befahl Travers, mit ihnen zu kommen. Ein anderer Kobold kam herbeigeeilt.
„Einen Moment, Bogrod!", sagte er und meinte damit offenbar den Kobold, der sie nach unten führen sollte.
„Wir haben Anweisungen", sagte er, wobei er sich höflich in Hermines Richtung verbeugte. „Verzeihen Sie mir, Madame Lestrange, aber wir haben spezielle Befehle bekommen, was das Verlies der Lestranges angeht."
Bogrod wehrte die Bedenken mit einer Handbewegung ab. „Die Anweisungen sind mir bekannt. Madame Lestrange wünscht, ihr Verlies aufzusuchen… sehr alte Familie… alte Kunden… hier entlang, bitte…"
Rabastan sorgte unsichtbar dafür, dass Travers ihnen folgte. Sie steuerten auf eine Tür zu, die hinter dem Schalter lag und von der Rabastan genau wusste, dass sie nach unten zu den Verliesen führte. Sie gelangten in einen steinernen Gang, der von Fackeln erleuchtet wurde.
Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, zog sich Rabastan den Tarnumhang herunter und richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf. Er konnte nicht mehr länger gebückt gehen, weil sich seine angeschlagenen Knochen meldeten. Außerdem hatte er ohnehin keinen Grund mehr, länger unsichtbar zu bleiben. Er wusste, dass die Kobolde oben Verdacht geschöpft haben mussten. Sie durften keine Zeit mehr verlieren. Er gab Potter sein Eigentum zurück.
„Wir werden bald Besuch bekommen", sagte er, als er zwischen ihnen auftauchte. Travers stand teilnahmslos neben ihm und wunderte sich nicht, dass der Verräter direkt neben ihm stand.
„Ich habe die mit dem Imperius belegt", sagte er zur Erklärung. „Hermine, du warst großartig. Du hast Harry so gut verzaubert, dass ihn niemand erkannt hat, und du hast eine hervorragende Bellatrix abgegeben."
„Danke", sagte sie mit hoher Stimme.
„Aber mit Travers werde ich beizeiten ein ernstes Wörtchen reden", sagte Rabastan verärgert. „Der hat Nerven, dich anzubaggern."
„Ich glaube, er wollte nur nett sein", warf Hermine vorsichtig ein.
Rabastan schwang seinen Zauberstab und befahl Travers, sich zu verstecken. „Wenn er aufwacht, hat er hoffentlich Kopfschmerzen, dass es kein Morgen gibt. Wir müssen gehen."
„Was sollen wir tun?", fragte Harry. „Sollten wir nicht besser verschwinden, solange wir noch können?"
„Falls wir es noch können", wandte Hermine ein und sah verängstigt auf die Tür, die sich eben hinter ihnen geschlossen hatte und hinter der wer weiß was gerade vor sich ging.
„Wir haben es soweit geschafft, jetzt aufgeben ist keine Option", sagte Rabastan ernst.
„Gut. Wir brauchen Bogrod, um den Karren zu fahren", sagte Griphook.
Der Gringotts- Kobold pfiff und scheppernd tauchte ein Karren neben ihnen auf. Sie stiegen ein und fuhren mit einem Ruck los. Rabastan kannte den Weg gut. Immer weiter fuhren sie mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Tiefe. Der Fahrtwind rauschte ihnen durch die Haare, als sie tiefer in die Erde vordrangen. Ihr Plan war ohne Zweifel aufgegangen, doch Rabastan musste sich ernsthaft fragen, warum er diesem Unterfangen zugestimmt hatte. Er hätte es Hermine und Potter ausreden sollen. Sie hätten praktisch nicht mehr Aufsehen erregen können. Es war töricht gewesen, Bellatrix und ihren Zauberstab als Tarnung zu benutzen, wo doch allen bekannt war, wer der Verräter war und dass die Kinder aus dem Malfoy- Haus geflohen waren. Noch dazu hatten sie viel zu lange gewartet und damit die Gelegenheit gegeben, Sicherheitsvorkehrungen gegen sie einzurichten.
Apropos Sicherheitsvorkehrungen, schoss es Rabastan durch den Kopf, als sie eine enge Kurve nahmen und auf ein gerades Stück zusteuerten. Ein Wasserfall ergoss sich genau vor ihnen auf die Schienen. Bei ihrer Geschwindigkeit war es unmöglich zu bremsen. Alle klammerten sich an den Karren.
„Achtung!", schrie Potter und im nächsten Moment fuhren sie direkt durch das Wasser. Sie hielten für einen Moment die Luft an, als sich das kalte Nass über sie ergoss.
Rabastan konnte für kurze Zeit nichts sehen, weil er Wasser in die Augen bekam. Er spürte nur, wie der Wagen zum Stillstand kam und plötzlich zur Seite kippte, sodass sie hinausfielen. Sie steuerten direkt auf den Abgrund zu. Hermine schrie etwas und dann kamen sie in der Luft zum Stehen. Sanft landeten sie auf dem Boden, ohne sich zu verletzen.
„P-Polsterungszauber", prustete Hermine und half erst Harry, dann dem Kobold auf die Füße. Rabastan rappelte sich schweratmend auf.
„Der Diebesfall", erklärte Griphook. „Er spült alle Zauber und magischen Maskeraden weg. Die wissen genau, dass Betrüger in Gringotts unterwegs sind, sie haben Verteidigungsmaßnahmen gegen uns eingerichtet!"
Zu ihrem Entsetzen mussten sie feststellen, dass Hermine nicht mehr Bellatrix und Harry nicht mehr der falsche Ausländer war. Hermine stand in einem viel zu großen Umhang vor ihnen und Harry trug keinen Bart mehr. Schnell überprüften sie, ob sie alle ihre Sachen noch bei sich hatten.
„Das war echt knapp", sagte Hermine.
Bogrod stand irritiert neben ihnen. Er schüttelte den Kopf und funkelte sie böse an. „Was haben Sie hier unten zu suchen?!", schimpfte er. „Diebe!"
„Wir brauchen ihn!", sagte Griphook und Rabastan wusste sich nicht anders zu helfen, als nochmal den Imperius- Fluch zu benutzen. Harry hob die Ledertasche mit dem klirrenden Inhalt auf.
„Ich glaube, da kommen Leute!", sagte Hermine. „Wir müssen! Rabastan, wo geht es lang?!"
Rabastan eilte voraus. Er kannte den Weg von hier aus und konnte sie zielsicher zu seinem Verlies führen. Sie eilten weiter in die Dunkelheit, bis er ihnen gebot, stehen zu bleiben. Leise war ein rasselnder Atem zu hören.
Als sie um die nächste Ecke bogen, sahen sie ihn. Ein Drache, der mit schweren Schellen an den Boden gekettet war. Seine Augen waren milchig weiß und seine Schuppen blass von der Dunkelheit geworden. Seine Flügel lagen eng an seinem ausgemergelten Leib an. Er verdeckte mit seinem Körper den Zugang zu den fünf ältesten Verliesen in Gringotts.
Als sie sich vorsichtig näherten, blähten sich seine Nüstern, weil er ihren Geruch aufnahm. Er wandte ihnen seinen großen Kopf zu und ließ ein ohrenbetäubendes Brüllen verlauten. Kurz darauf folgte ein Feuerstrahl aus seinem Maul.
„Zurück!", sagte Rabastan. „Potter, die Metallinstrumente!"
„Er ist halb blind und deshalb umso wütender. Aber wir haben die Mittel, ihn zu bändigen. Er hat gelernt, was er zu erwarten hat, wenn die Klirrer kommen", erklärte Griphook.
Sie holten die Klirren aus der Tasche und schüttelten sie. Sie verursachten ein hohes, schrilles Klingen, das von den Wänden widerhallte.
„Der Drache weiß, dass er Schmerzen zu erwarten hat, wenn er das Geräusch hört. Er wird zurückweichen und Bogrod muss seine Handfläche auf die Tür des Verlieses legen."
Der Drache brüllte erneut, diesmal jedoch ängstlich. Er jaulte und wich vor ihnen zurück, als sie sich ihm mit den Klirren näherten. Als sie an ihm vorbeigingen, konnte man die Narben auf seinem Gesicht sehen, wo man ihn mit Schwerter traktiert hatte, um ihm Gehorsam beizubringen.
Rabastan nahm Bogrods Hand und drückte sie auf die Tür zum Verlies seiner Familie. Die Tür löste sich sogleich auf und gab den Eingang zur Kammer frei.
„Ich möchte das Schwert sehen", forderte Griphook. „Wir hatten eine Abmachung!"
Harry wechselte einen kurzen Blick mit Hermine, dann zog er das Schwert aus ihrer Tasche. „Wenn wir den Becher haben, dann bekommen sie es."
„Der Becher ist da hinten auf dem Regal. Ich hole ihn", sagte Rabastan sofort, entzündete seinen Zauberstab, damit er in der Dunkelheit etwas sehen konnte, und eilte in die Kammer. Harry und Hermine warteten mit Griphook ungeduldig nahe des Eingangs. Der Drache hatte sich zurückgezogen und beäugte misstrauisch, was vor sich ging.
„Rabastan…" Auf einmal verschloss sich die Tür hinter ihnen und tauchte sie in Dunkelheit. Hermine machte vor Schreck einen Schritt zur Seite und stieß dabei versehentlich gegen einen niedrigen Tisch. Zwei Kelche fielen zu Boden. Sie erzitterten kurz, dann begannen sie plötzlich, sich zu vermehren.
„Rabastan!"
Rabastan achtete nicht auf sie, während er den Becher vom Regal holte. Als er zu ihnen zurückeilte, erstarrte er. Harry und Hermine wurden von einer Reihe goldener Kelche überschwemmt, die sich munter zu verdoppeln schienen.
„Haltet euch still!" Bellatrix musste einen Verdoppelungszauber auf die Gegenstände gelegt haben.
„Au!", schrie Hermine. Sie hatte sich an einem Kelch verbrannt. Die Temperatur im Verlies stieg stetig an.
„Ein Brandzauber! Bewegt euch nicht!", riet Rabastan, doch es war praktisch aussichtslos. Die sich immer weiter vermehrenden Kelche stießen einen Haufen Galleonen um, die über den Boden rollten und sofort ebenfalls begannen, sich zu vermehren. Ein Schwall ergoss sich über Rabastans Füße und auch er stöhnte vor Schmerz auf. Die Kelche und Goldmünzen flossen in alle Ecken des Verlieses und berührten auch den Rest der Reichtümer. Binnen kurzer Zeit konnte Rabastan nur noch mit mühevollen Schritten durch die Gegenstände waten, um Richtung Ausgang zu gelangen. Harry, Hermine und Griphook konnten sich kaum noch bewegen. Sie saßen bereits auf einem wachsenden Berg von Münzen und Kelchen, der sie in Richtung Decke drückte. Harry hielt das Schwert hoch.
„Ich komme!", sagte Rabastan, der mit einem Schwung seines Zauberstabes die Münzen zur Seite fliegen ließ. Sein Umhang hatte Brandflecken und der Schweiß lief ihm den Rücken hinab. Er fühlte sich wie in einem Backrohr gefangen. Noch ein paar Minuten und sie würden in der Kammer erstickt sein.
Griphook hatte sich auf Potter gestürzt, um an das Schwert zu kommen. Harry hatte keine Chance, sich zu wehren. Ehe er es sich versah, hatte der Kobold das Schwert von Gryffindor an sich gerissen und rutschte den Berg Richtung Tür hinab.
„Verdammter Mist!", fluchte Hermine. „Harry, wir brauchen das Schwert!"
Rabastan verlor den Halt, die Münzen rissen ihnen von den Füßen. Mit einem Hechtsprung schlitterte auf Harry und Hermine zu. Hermine nahm ihm den Kelch von Hufflepuff ab und steckte ihn sofort in ihre Tasche.
„Wir müssen hier raus!", schrie Rabastan mit zusammengebissenen Zähnen, als ihm das Vermögen seiner Familie die Hände verbrannte. Er hatte Brandblasen auf Händen und Unterarmen.
Die Tür des Verlieses öffnete sich plötzlich und mit einem Ruck ging es für Rabastan, Harry und Hermine abwärts. Sie glitten mit einer Lawine aus Reichtümern nach draußen und purzelten auf den harten Steinboden. Griphook war mit dem Schwert bereits außer Reichweite und reihte sich in eine Gruppe Kobolde und Ministeriumsleute, die herangeeilt kamen, um die Einbrecher festzunehmen. Vorne mit dabei, Travers, der offenbar vom Imperius- Fluch befreit worden war.
Sie holten alle keuchend Luft und rappelten sich mühevoll hoch. Sogleich schossen Schockzauber über sie hinweg. Rabastan feuerte sofort zurück, um Harry und Hermine Deckung zu geben. Seine Hände taten weh, aber er ignorierte den Schmerz, sondern konzentrierte sich darauf, ihnen einen Weg nach draußen zu verschaffen. Seine Zauber trafen ein paar Kobolde, die zusammenbrachen, doch die Zauberer- Wächter erwiderten das Feuer und trafen ihn an der Schulter, sodass er zurücktaumelte. Er wusste, dass seine Schulter durch den Aufprall ausgekugelt worden war.
Der Drache, der sonst in völliger Stille leben musste und der durch seine Blindheit nicht sehen konnte, was um ihn herum vorging, brüllte wütend auf und spie einen Schwall Feuer aus.
Sie mussten sich ducken, um der sengenden Hitze zu entkommen.
„Hermine, der Drache! Geht!", schrie Rabastan und beschwor einen gewaltigen Schutzzauber herauf, der sich kurzzeitig zwischen sie und ihre Angreifer schob. „Steigt auf!"
Harry nickte. Er hatte sofort verstanden und rannte auf den Drachen zu. Hermine zögerte. „Du musst mitkommen! Ich gehe nicht ohne dich!"
„Hermine, ihr müsst gehen! Ihr habt den Kelch! Ich halte euch den Rücken frei! Geht!" Sie packte ihn an der Hand, um ihn mit sich zu ziehen, doch er riss sich los. Er hob seinen Zauberstab. „Zwing mich nicht dazu. Geht ihr beide, ich werde kommen, sobald ich kann. Aber geht."
Sie hatte Tränen in den Augen, als sie Harry widerwillig folgte. Sie setzte sich hinter ihren Freund auf den Rücken des Drachen.
„Relaschio!", polterte Rabastan und zielte auf die Schellen, die den Drachen fesselten. Sie zersprangen in tausend Stücke. „Crucio!", rief er dann und der Zauber traf den Drachen an der Flanke. Das große Tier schrie vor Wut und bäumte sich auf. Harry und Hermine krallten sich an die Stacheln auf seinem Rücken. Er spannte seine Flügel und spie einen erneuten Feuerstrahl aus. Die Kobolde und Ministeriumsleute gingen in Deckung, als sich das riesige Tier über sie hinwegstürzte und die Steinwände nach oben erklomm.
Rabastan grinste. Sein Plan war aufgegangen. Mit dem Drachen an ihrer Seite war die Flucht der Kinder sichergestellt. Und sie hatten den Kelch. Ihr Vorhaben war trotz der Widrigkeiten geglückt.
Er hatte jedoch keine Gelegenheit, sich lange an ihrem Erfolg zu freuen, denn im nächsten Moment, wurde er von Travers in ein Duell verwickelt. Geschwächt von den Verbrennungen und seiner Schulter hatte er jedoch kaum Chancen. Nur ein paar Augenblicke später hatte man ihn in die Knie gezwungen und er wurde gefesselt.
Sie hatten ihn zurück nach Malfoy Manor gebracht und in den Kerker im Keller gesperrt. Narcissa war bei ihm und versorgte seine Wunden, doch der Dunkle Lord schickte sie fort. Er verbot Bellatrix und den Malfoys, den Kerker zu betreten und verbot, dass Rabastan Essen und Trinken erhielt. Seinen Zauberstab hatte man ihm abgenommen.
Rabastan konnte nichts anderes mehr tun, als sich in einer Ecke des Kerkers zusammen zu kauern und zu warten. Er wusste, was ihm bevorstand.
Spätabends kam der Dunkle Lord zu ihm. Rabastan sah seiner Bestrafung, seinem Ende bereits entgegen, doch der Dunkle Lord tat nichts.
„My Lord, bitte verzeiht mir… Lasst mich erklären…"
„Dafür ist es zu spät, Rabastan. Was haben die Kinder in dem Verlies gewollt?"
„My Lord, sie wollten den Kelch. Ich konnte nicht, sie haben mich gezwungen, es ihnen…"
„Lüg mich nicht an, Rabastan", unterbrach der Lord ihn barsch. „Ich sehe es aus deinem Geist zu mir aufblicken. Du hast mich verraten. Du hast ihnen geholfen, nach Gringotts zu gelangen. Wieso wollten sie den Kelch?"
„Sie sind hinter etwas her. Dumbledore hat ihnen den Auftrag gegeben. Sie sollen Horkruxe finden…"
Für einen Moment trat ein entsetzter Ausdruck auf die schlangenähnlichen Züge des Lords.
„Was sagst du da?! Wo sind sie hin? Wo sind sie hin?! Antworte!"
„Ich weiß es nicht, My Lord, sie haben den Kelch mitgenommen und sind geflohen. Ich weiß nicht, wo sie hin sind…"
Der Lord wandte sich von Rabastan ab und verließ den Kerker.
„Ihr werdet mich töten, My Lord?", fragte Rabastan.
„Nein", sagte der Dunkle Lord kalt. „Ich habe etwas zu erledigen und danach werde ich mich nach Hogwarts begeben. Du wirst mit deiner Familie dorthin gehen. Zum rechten Zeitpunkt wirst du deine gerechte Strafe für deinen Verrat bekommen."
