Easy1987 und Beatrice: Danke für eure Reviews! :) Wie es Rabastan geht, werdet ihr gleich sehen.

Hier kommt nun das letzte Kapitel zu dieser Fanfiction. Ich hoffe, es hat euch allen gefallen. Vielen Dank an alle, die die Geschichte geliked haben, sie immer verfolgt und Kommis dagelassen haben.

Viel Spaß mit dem Epilog.


„Warum darf ich nicht zu ihm?!", fragte Hermine zum wiederholten Male und mittlerweile hatte Wut sie gepackt. Es waren bereits ein paar Tage nach der Schlacht von Hogwarts vergangen und man verweigerte ihr nach wie vor den Zugang zu Rabastans Zimmer. Sie wollte ihn so dringend sehen, sie wollte wissen, wie es ihm ging. Man hatte ihr bisher nicht genau gesagt, wie es nun wirklich um ihn stand.

Seit er sich nach der Schlacht schützend zwischen sie und den Zauber geworfen hat, hatte sie ihn nicht mehr gesehen und wusste deshalb nicht, wie es um ihn stand. Vor seinem Zimmer im St. Mungo Hospital waren zwei Auroren als Wachen aufgestellt. Sie machte sich große Sorgen um ihn und war wütend auf das Ministerium, dass man ihr Zugang zu ihm vorenthielt. Nachdem er sie vor den Augen aller vor dem Tod bewahrt hatte, hatte es sich herumgesprochen, in welcher Beziehung die beiden zueinander standen. Hermine bekam das ein oder andere Mal seltsame Blicke dieser Tage, aber es war ihr egal. Was wussten die anderen Leute schon?

„Gedulden Sie sich bitte noch ein bisschen, Ms. Granger", versuchte ein Ministeriumsbeamter sie zu beruhigen. „Mr. Lestrange ist noch nicht zu Bewusstsein gekommen und die Heiler sagen, dass sein Zustand nach wie vor kritisch ist. Geben Sie ihm bitte noch etwas Zeit. Wir haben es bereits eingerichtet, dass Sie zu ihm können. Wir sehen das zwar nicht gern, aber angesichts der Umstände..."

„Ich will jetzt zu ihm!", protestierte Hermine.

„Wir werden Ihnen Bescheid geben, wenn er aufwacht", sagte der Mann vom Ministerium so ruhig wie möglich. „Aber bitte tun Sie mir einen Gefallen, Ms. Granger. Gehen Sie nach Hause und schlafen Sie sich aus. Sie sind seit Tagen hier…"

„Ich werde nicht weggehen, bis ich nicht zu Rabastan darf!", sagte sie bestimmt.

„Hermine", es war Harry, der ihr seine Hand beschwichtigend auf die Schulter legte. „Er hat Recht, wir sollten wirklich endlich nach Hause. Es bringt nichts, hier auf dem Flur zu warten. Bitte, komm mit."

Mit sanfter Gewalt führte er sie aus dem Büro in Richtung Aufzug, der sie nach unten in die Empfangshalle des St. Mungo bringen sollte.

„Harry, lass mich!", sagte sie schluchzend und mit Tränen in den Augen, als sie versuchte, sich an ihm vorbeizudrängen, um wieder zu Rabastans Zimmer zu gelangen.

„Hermine, bitte, sieh dich mal an. Du brauchst mal Schlaf. Gehen wir nach Hause. Wir warten einfach im Fuchsbau bei den Weasleys. Sie werden uns schon benachrichtigen."

„Ich hab das Warten so satt!", sagte sie weinend. „Ich will ihn doch einfach nur sehen…"

„Hey", sagte Harry und umarmte sie. „Ihm geht's gut, da bin ich mir sicher. Der Kerl ist hart im Nehmen. Er übersteht das und du wirst ihn bald sehen können. Versprich mir bitte was, OK?"

„Was?"

„Geh zum Fuchsbau und warte doch, damit du nicht allein bist. Ich muss leider jetzt ins Ministerium, weil ich als Zeuge aussagen muss."

„Weswegen?", fragte Hermine entgeistert.

„Die Malfoys. Sie sind die ersten, denen der Prozess gemacht wird. Die wollen das über die Bühne bringen und da Narcissa Malfoy ja einen nicht unerheblichen Anteil an unserem Sieg hatte, muss ich als Zeuge aussagen."

„Was willst du denn tun, Harry?"

„Ich werde die Wahrheit sagen", sagte Harry schlicht. „Wenn Narcissa Malfoy Voldemort nicht angelogen hätte, dann wäre ich nicht mehr hier und wir hätten diesen Kampf niemals gewinnen können. Die Malfoys haben ja auch nicht gekämpft, sie wollten einfach nur ihre Familie schützen. Ehrlich gesagt, ich will nicht, dass sie nach Askaban gehen. Das wäre unfair."

„Was ist mit Rabastan?", wollte Hermine wissen. Sie wischte sich die Tränen vom Gesicht. „Ich habe Angst, dass man ihn nach Askaban schickt und ich ihn nie wiedersehe."

„Hermine, überleg mal, was er getan hat. Er hat dich gerettet, zweimal. Er hat uns geholfen, den Horkrux zu finden. Und er hat Tonks vor Bellatrix beschützt! Sicher macht all das seine Taten aus der Vergangenheit nicht wieder gut, aber… Er hat die Seiten gewechselt, genau wie die Malfoys, dafür kann man sie nicht einsperren. Sie werden nicht ohne Strafe davonkommen, das hat Kingsley schon durchblicken lassen, aber wahrscheinlich wird man irgendeinen Deal aushandeln können."

„Auch mit Rabastan?" Hermine hoffte dies mehr als alles andere in diesem Moment, doch sie hatte Zweifel daran. Seine Taten, für die er lebenslange Haft bekommen hatte, wogen immer noch schwer. Außerdem war er immer noch ein flüchtiger Häftling.

„Das weiß ich nicht, Hermine", sagte Harry und ihre Hoffnung schwand noch mehr. „Ich könnte mal mit Kingsley und Tonks reden, vielleicht lässt sich ja irgendetwas arrangieren."

Sie hatten den Haupteingang erreicht. „Versprich mir bitte, Hermine, dass du zum Fuchsbau gehst und dort auf mich wartest, ja?"

Sie holte tief Luft. Eigentlich wollte sie hierbleiben und warten, aber schließlich gab sie widerwillig nach. „Ja, OK, mache ich."

Harry nickte. „Wir sehen uns dann später. Bis dann."

„Bis dann, Harry."


Rabastan hatte immer noch Schmerzen und er konnte nicht richtig auf dem Rücken liegen. Die Heiler im St. Mungo- Hospital gaben im täglich mehrere Tränke und Salben, damit die Wunden gut verheilen konnten, doch vermutlich würden ihm trotzdem Narben zurückbleiben. Es war ihm gleichgültig, er wollte nur Hermine in Sicherheit wissen.

Das erste, was er getan hatte, nachdem er aufgewacht war, war, nach Hermines Befinden zu fragen. Und er war froh und erleichtert zu hören, dass sie wohlauf war. Er hatte sie mit seiner waghalsigen Tat tatsächlich gerettet. Die Heilerin, die ihn versorgte, versprach, sich nach Hermine zu erkundigen.

Sobald er vom Bett aufstehen konnte, tigerte er ruhelos und ungeduldig in seinem Zimmer auf und ab. Vor seiner Tür, das verstand er sofort, waren Wachen aufgestellt. Verständlich, er war ja immerhin noch ein Todesser, auch wenn er vor geraumer Zeit die Seiten gewechselt hatte. Wahrscheinlich entschied das Ministerium gerade, was mit ihm passieren sollte. Und Rabastan hatte so eine Ahnung, dass die Entscheidung nicht zu seinen Gunsten ausfallen würde. Seine letzte Hoffnung war, dass Hermine und vielleicht der Potter- Junge etwas bewirken konnten.

Hermine…

Er hatte den Wunsch, sie endlich zu sehen. Er wollte wissen, wie es ihr ging. Er war überrascht von sich, dass er seit er im St. Mungo aufgewacht war, nicht mehr an den Dunklen Lord und den verlorenen Krieg gedacht hatte, aber das war wohl das Zeichen dafür, dass er sein Todesserdasein tatsächlich aufgegeben hatte und kein Anhänger des Dunklen Lord mehr gewesen war. Es war ihm mittlerweile gleichgültig. Hermine hatte ihn verändert, sodass er einen neuen Weg eingeschlagen hatte.

Das einzige, was ihn nicht losließ, war Bellatrix. Hatten sie und er auch ihre Differenzen gehabt, sie hatten sich trotzdem seit der Schule gekannt und als Frau seines Bruders hatten sie eine enge familiäre Beziehung gehabt. Ihr Tod traf ihn sehr. Jetzt hatte er keine Angehörigen mehr, er war ganz allein. Und die Familie Lestrange war so gut wie verschwunden, da niemand von ihnen Kinder hinterließ.

Rabastan fragte sich, was mit Bellatrix passiert war und wohin man ihre Leiche gebracht hatte. Er glaubte bei einem Gespräch unter den Heilern herausgehört zu haben, dass die Leichen der Gefallenen ins St. Mungo- Hospital gebracht worden waren, sodass die Angehörigen sie abholen und sich um die Bestattungen kümmern konnten. Vielleicht war Bellatrix auch hier. Eigentlich hatte Rabastan sogar ein Anrecht darauf, sie zu sehen, denn immerhin war er ihr Schwager und damit ein Familienmitglied. Er glaubte aber nicht, dass man ihn zu ihr lassen würde, wenn er unter Bewachung stand. Er hatte langsam das Gefühl, in seinem Zimmer zu ersticken. Er hatte den starken Drang, endlich mal nach draußen zu kommen.

Als die Heilerin an seine Tür klopfte und ihm seine Medikamente brachte, kam ihm ein Gedanke.


„Hermine, ich habe gute Nachrichten", sagte Harry, der eben über das Kaminfeuer mit dem St. Mungo- Hospital gesprochen hatte. „Rabastan ist endlich aufgewacht und die Heiler sagen, ihm geht es gut."

Hermines Gesicht hellte sich sofort auf. „Wirklich?! Kann ich endlich zu ihm?!"

„Ja, die Heiler sagen, dass du ihn besuchen darfst, aber vorerst nur einmal, weil gegen Rabastan wohl ein Verfahren eröffnet wird."

„Das ist mir egal, ich will ihn endlich sehen", sagte Hermine hoffnungsvoll.

Hermine und Harry kamen zusammen ins St. Mungo- Hospital und wurden von einem Mitarbeiter ins obere Stockwerk zu Rabastans Zimmer begleitet. Schon als sie durch die Tür zur Abteilung für Fluchschäden traten, bemerkten sie, dass die Heiler und die Auroren, die als Wachen postiert waren, in heller Aufregung waren und wild durcheinander liefen.

„Verriegeln Sie die Eingangstür! Er kommt hier nicht raus!", rief ein Auror und lief ihnen entgegen.

„Was ist denn hier los?!", fragte Hermine.

„Rabastan Lestrange ist aus seinem Zimmer verschwunden!", klärte sie eine Heilerin auf. „Er ist weg!"

„Was?! Wo ist er?!"

„Wir wissen es nicht", sagte der Auror. „Er hat einer Heilerin den Zauberstab abgenommen und ist aus der Abteilung verschwunden. Wir wissen aber nicht, wo er hin ist." Der Mann lief zur Tür hinaus und schloss sich seinen Kollegen an.

„Oh, nein", murmelte Hermine. „Was tut er?"

„Gehen wir mit, Hermine", drängte Harry und sie folgten den Auroren.


Nachdenklich sah Rabastan auf Bellatrix´ leblosen Körper hinab. Sie lag so ruhig und friedlich da, als schliefe sie. Sie trug noch dieselbe Kleidung wie am Tag der Schlacht, sogar das Blut klebte noch an ihrer Wange. Ihre Haut war eiskalt.

Die toten Körper lagen alle nebeneinander auf Tischen. Rabastan sah einige Todesser, darunter Antonin Dolohow und Selwyn. Von beiden wusste Rabastan, dass sie niemanden hatten, der sich um ein Begräbnis kümmern würde. Es tat ihm Leid, dass sie gestorben waren, erst Recht, weil sie umsonst und für die falsche Sache in den Krieg gezogen waren. Er hatte jedoch keine Zeit, ihrer zu gedenken, denn er hörte Schritte von draußen. Vorsichtig hob er Bellatrix´ Körper hoch. Er musste sich beeilen.


„Er hat was?!"

„Es sieht wohl so aus, als hätte Rabastan Bellatrix´ Leiche mitgenommen", sagte Harry.

„Oh, nein, das darf doch nicht wahr sein", sagte Hermine, die den Tränen nahe war. „Warum tut er das?"

„Keine Ahnung, aber… Jetzt haben die erst recht einen Grund, ihn wieder nach Askaban zu stecken. Er ist unerlaubt geflohen. Wenn die ihn finden, werden sie ihn einsperren."

„Nein…"

„Ms. Granger?"

Einer der Auroren kam auf Hermine und Harry zu. „Sie und Mr. Lestrange standen sich doch nahe, oder? Wissen Sie vielleicht, wo er hingegangen sein könnte?"

„Ich… Nein, ich habe keine Ahnung", musste Hermine zugeben. „Aber wenn er Bellatrix´ Leiche dabei hat, dann… kann er nicht weit sein."

„Hermine, denk nach. Wo könnte er sein?", fragte Harry. „Hat er mal irgendeinen Ort erwähnt, der ihm wichtig sein könnte, wo er Bellatrix hinbringen könnte?"

Hermine überlegte kurz. „Nein, ich… Mir fällt wirklich nichts ein, das heißt…" Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Sie erinnerte sich an einen Abend vor etlichen Monaten zurück, als sie noch im Malfoy- Haus gefangen gewesen war, als Rabastan sie einmal mit nach draußen genommen hatte. Sie hatte eine Vermutung, wo er sein könnte. Sie war sich nicht sicher, aber es war zumindest wahrscheinlich. Allerdings wollte sie nicht, dass die Auroren es erfuhren. Sie wollte erst selbst sichergehen, ob sie Recht hatte.

„Haben Sie eine Idee?", hakte der Auror nach.

„Nein, tut mir Leid. Ich weiß es wirklich nicht."

„Nun gut, die Fahndung läuft nach ihm. Wir werden ihn schon finden. Wenn Ihnen noch etwas einfällt, geben Sie uns bitte unverzüglich Bescheid."

Als die Auroren außer Hörweite waren, drängte Hermine Harry in einen leeren Besucherraum.

„Du weißt es doch, oder?"

„Ich bin mir nicht sicher", sagte Hermine und blickte nervös über ihre Schulter. „Ich habe eine Vermutung, wo er hingegangen sein könnte. Aber ich möchte ihn erst selbst suchen. Ich will mit ihm reden."

„Hermine, das ist keine gute Idee…", warf Harry ein, doch sie ließ sich nicht beirren.

„Ich bin bald zurück. Halte sie solange hin, OK?"

Schon war sie hinausgerauscht.


Ein einfacher Holzsarg war schnell zusammengebaut. Behutsam wischte Rabastan das Blut von Bellatrix´ Gesicht und bettete sie vorsichtig in die hölzerne Kiste. Bevor er den Sarg mit einem Deckel verschloss, hielt er inne und betrachtete eine Weile ihr Gesicht. Sie hatte diesen Tod nicht verdient, aber Rabastan wusste, dass es besser so war. Hätte Bellatrix miterleben müssen, wie ihr geliebter Herr von dem Potter- Jungen vernichtend geschlagen worden war, wahrscheinlich hätte der Schmerz darüber sie zugrunde gerichtet. Dann hätte Askaban ihr ein qualvolles Ende bereitet. So war sie glücklich gestorben, im Kampf für den Dunklen Lord, bei dem sie jetzt hoffentlich war.

Gedanklich ließ er ihre gemeinsame Zeit Revue passieren. Bellatrix war immer eine außergewöhnliche Frau mit herausragenden magischen Fähigkeiten gewesen. Sie war eine Kämpferin gewesen, die beste und mächtigste Todesserin und eine bewundernswerte Persönlichkeit. Er wollte sie in Erinnerung behalten, bevor der Wahnsinn von ihr Besitz ergriffen und sie so stark verändert hatte.

Langsam schloss Rabastan den Deckel. Mit einem Schlenker seines gestohlenen Zauberstabes ließ er den Sarg neben sich her hinaus in den Garten schweben, wo er auf eine versteckte Stelle unter einem großen Baum zusteuerte. Mittlerweile war es dunkel geworden. Das Grab seines Bruders war mit Pflanzen zugewachsen und auf dem Stein hatte sich Moos gebildet.

Er verzichtete bewusst darauf, die Erde mit einem Zauber auszuheben, sondern benutzte stattdessen einen Spaten. Er spürte seine Wunde, als er sich bewegte, aber der Schmerz war ihm egal. Er hatte einfach das Bedürfnis, körperliche Arbeit zu leisten, vielleicht weil es ihn ablenkte. Er wusste, dass man sein Verschwinden schon längst bemerkt haben musste und wahrscheinlich suchte bereits ein Trupp Auroren nach ihm.

Als er das Loch tief genug ausgehoben hatte, stieg er heraus und ließ den Sarg langsam hineinschweben, dann bedeckte er ihn mit der Erde. Er fertigte einen Stein an, auf den er Bellatrix´ Namen und ihre Lebensdaten eingravierte, und ließ Blumen auf dem Grab erscheinen. Er blieb lange im Dunkeln regungslos stehen und sah auf die Gräber hinab. Er rührte sich nicht einmal, als er hinter sich Schritte hörte. Er rechnete damit, dass es Auroren waren, die ihn festnehmen wollten – er hätte sich sogar bereitwillig abführen lassen, da er jetzt seine letzte Aufgabe erledigt hatte- doch es war eine andere Person.

„Rabastan?"

„Hermine?"

„Ja, ich bin´s."

„Was tust du hier?", fragte Rabastan entgeistert.

„Dasselbe könnte ich dich fragen. Du hast für viel Wirbel gesorgt."

Er schnaubte leise.

„Es tut mir sehr Leid wegen deiner Schwägerin. Du hast sie beerdigt, oder?"

„Ich hatte das Gefühl, dass ich es ihr schuldig war. Ich konnte sie nicht dort lassen", sagte er und plötzlich war er erschöpft und hatte das Bedürfnis zu schlafen. Er wandte sich um und ging zurück ins Haus. Hermine folgte ihm.

„Ich freu mich dich zu sehen", sagte Hermine, als sie drinnen angekommen waren. „Ich wollte dich heute besuchen. Wie geht's dir? Ist dein Rücken in Ordnung? Es tut mir so Leid, ich wollte nicht, dass du…"

„Ist schon gut."

„Du hast mir das Leben gerettet, das werde ich dir nie vergessen", sagte sie und strich mit der Hand über seinen Unterarm. „Hast du noch Schmerzen?"

„Ja, aber es geht schon. Körperliche Schmerzen… Da bin ich Schlimmeres gewohnt."

Sie umarmte ihn und lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Ich bin so froh, dass es dir gut geht", raunte sie. Er antwortete nicht darauf und löste sich wieder von ihr.

„Ich habe mein ganzes Leben verloren, Hermine", sagte Rabastan entmutigt. „Alles, wofür ich gelebt habe, ist tot."

Er ließ sich auf einem Stuhl im Salon nieder und begrub das Gesicht mit den Händen. Hermine trat vor ihn und nahm vorsichtig seine Hände. Er war gezwungen, sie anzusehen.

„Das ist Vergangenheit, Rabastan", sagte sie zuversichtlich. „Du musst jetzt nach vorne sehen. Es gibt doch jetzt uns beide. Ich möchte mit dir zusammen sein und eine Zukunft haben."

Er wollte etwas erwidern, aber sie schnitt ihm das Wort ab, in dem sie ihn auf die Lippen küsste. Bald darauf waren sie auf dem Weg nach oben in eines der Schlafzimmer. Sie hatten nur wenige Stunden zusammen, bis die Auroren sie fanden.


Zwei Monate waren vergangen, seit Rabastan nach Askaban gebracht worden war, zwei Monate, in denen sie sich nicht gesehen hatten und Hermine ging es nicht gut. Sie war in ihr Elternhaus zurückgekehrt, weil sie nicht mehr im Fuchsbau bei den Weasleys bleiben wollte, und vergrub sich in ihrem Zimmer. Noch waren ihre Eltern nicht aus Australien zurückgekehrt, sodass sie das Haus für sich allein hatte. Sie beantwortete keine Briefe ihrer Freunde und verweigerte auch sonst jede Kontaktaufnahme.

Sie vermisste Rabastan so sehr, dass es ihr bei jedem Gedanken an ihn einen Stich ins Herz versetzte. Und sie hatte große Angst, dass er für immer in Askaban bleiben musste. Was sollte aus ihr werden, wenn er nicht mehr da war? Sie konnte sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen und sie wollte unbedingt mit ihm zusammen sein.

Meist weinte sie. Sie konnte nichts essen und litt unter Übelkeit. Am Morgen musste sie sich sogar mehrmals heftig übergeben. Sie schob es auf ihren Stress und den Kummer und hoffte, es wäre nur vorübergehend. Doch die Beschwerden wollten nicht besser werden. Irgendwann konnte sie nicht mehr und ließ sich im St. Mungo- Hospital behandeln. Von da an sollte sich alles verändern.


„Danke, dass wir hier alle zusammengekommen sind", sagte Hermine. Sie war die einzige, die stand. Harry, die Weasleys und Tonks saßen alle versammelt am Tisch in der Küche des Fuchsbaus, wo Hermine sie zu einem Treffen gebeten hatte.

„Du wolltest mit uns sprechen", sagte Harry.

„Ja." Hermine holt tief Luft. Ihr Herz pochte wie wild. Sie entschloss sich, die Nachricht ohne Umschweife zu verkünden.

„Ich bin schwanger", sagte sie.

Alle im Raum starrten sie ungläubig an.

„Schatz, bist du dir sicher?", fragte Molly Weasley, die als erste ihre Worte wiedergefunden hatte.

„Ja. Ich war im St. Mungo und der Heiler hat es festgestellt", sagte Hermine. Ihre Stimme klang dabei fremd in ihren Ohren und ihr Körper fühlte sich taub an. „Ich… Mum und Dad wissen es schon. Ich hab sie aus Australien zurückgeholt."

„Hermine, ist es…?"

„Ja. Das Kind ist von Rabastan", sagte sie mit fester Stimme. „Es kommt kein anderer in Frage."

Sie wechselten alle vielsagende Blicke miteinander, doch niemand kommentierte dies. Hermine wusste, was sie von ihrer Beziehung zu Rabastan hielten.

„Und wie geht's dir… damit?", fragte Harry. „Was willst du jetzt tun? Lestrange… also, Rabastan, ist im Gefängnis…"

„Ich weiß, ja. Ich bin 17, habe keinen Schulabschluss und bin von einem Todesser schwanger. Mir ging es nie besser", sagte Hermine bitter.

„Hey", Harry stand auf, kam auf sie zu und umarmte sie, „sag doch das nicht. Ich bin für dich da, deine Eltern sind für dich da, wir alle sind für dich da und unterstützen dich. Du bist nicht allein."

„Ja, Hermine. Wir sind alle für dich da, wenn du Hilfe brauchst", sagte Ginny. „Du gehörst ja zur Familie." Die anderen Weasleys nickten zustimmend.

„Wir finden eine Lösung", sagte Tonks.

Hermine lächelte schwach. „Danke. Das weiß ich wirklich zu schätzen. Ich danke euch allen dafür, aber… das bringt mir Rabastan nicht zurück. Und das ändert nichts an der Tatsache, dass der Mann, den ich… den ich geliebt habe, in Askaban sitzt für den Rest seines Lebens und dass… mein Kind ohne seinen Vater aufwachsen wird." Sie fühlte wie ihre Augen feucht wurden.

Darauf konnte niemand etwas sagen.

„Noch ist nicht aller Tage Abend", meinte Tonks, um sie etwas aufzubauen. „Du solltest nicht so schnell aufgeben. Ich werde sehen, was sich machen lässt."

„Das ist nett, Tonks, aber…"

„Kein Aber, Hermine." Sie sprang auf. „Ich werde zusehen, dass ich etwas in die Wege leite."


Tonks hatte ihr eine Eule geschickt, die ihr endlich nach Wochen wieder Hoffnung gab. Sie durfte endlich zu Rabastan. Und man hatte eine Verhandlung für ihn angesetzt, in der über das weitere Verfahren mit ihm entschieden werden sollte. Es gab ihr Zuversicht, dass sie vielleicht doch zusammen sein konnten.

„Wie hast du das geschafft, Tonks?", fragte Hermine, während der Aufzug nach unten zu den Gerichtssälen fuhr.

„Ich hab mit Kingsley gesprochen und er hat sich dafür eingesetzt, dass Rabastans Verfahren beschleunigt wird. Die haben alle Hände voll zu tun mit den ganzen Verhandlungen, die ausstehen, und den Todessern, die noch auf der Flucht sind. Ich hab ihm die Lage nochmal geschildert und die Dringlichkeit betont, deshalb hat er angeordnet, dass Rabastans Fall früher verhandelt werden kann. Und natürlich, dass du ihn sehen kannst. Wie geht's es dir eigentlich damit, dass du… ich meine…"

„Es geht schon", sagte Hermine. „Aber so richtig… begriffen habe ich das Ganze noch nicht. Das kam alles so unerwartet und ich bin eigentlich noch viel zu jung und… ja."

„Lestrange, ich meine, Rabastan weiß es ja noch gar nicht", stellte Tonks fest. „Wirst du es ihm sagen?"

„Ja, natürlich. Er muss es wissen. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich es sagen soll", seufzte Hermine.

„Du schaffst das schon. Sag es einfach. So schlimm ist es nicht", meinte Tonks. „Als ich es… als ich es Remus gesagt habe, da war er am Anfang schon ganz schön geschockt, aber dann hat er sich gefreut. Ich kann natürlich Rabastan nicht einschätzen, aber…"

„Der Unterschied bei euch war ja auch nur, dass… dein Mann kein Todesser war, ihr verheiratet wart und euch mit Sicherheit auch Kinder gewünscht habt und ihr auch ein bisschen länger zusammenwart, als nur ein paar Wochen..."

Hermine spürte, wie ihr ihr Herz bis zum Hals schlug und sich ein Knoten in ihrem Magen bildete.

„Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen", meinte Tonks nur achselzuckend. „Hier ist es."

Sie hatten eine Tür erreicht, vor der ein Auror postiert war. Tonks nickte ihm zu. Er erwiderte die Geste und öffnete den Raum. Rabastan saß an einem Tisch in der Mitte und wartete bereits. Als Tonks und Hermine eintraten, sah er auf. Seine Augen weiteten sich, als er erkannte, wer ihn besuchte. Er erhob sich sofort.

„Hermine!"

„Rabastan!" Sie kam lächelnd auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch.

„Hi. Ich bin so froh, dich zu sehen. Wie geht's dir?"

„Ganz gut."

„Was ist mit deinen Verletzungen?"

„Es ist alles wieder heil, nur ein paar Narben werden zurückbleiben. Aber sag, was machst du denn hier? Ich dachte, dass keiner zu mir darf…", fragte Rabastan völlig entgeistert. Sein Blick wanderte zu Tonks.

„Ich hab ein paar Beziehungen spielen lassen", erklärte Tonks.

„Ich verstehe. Ich finde es schön, dich zu sehen, Hermine", sagte Rabastan. Er sah blass und geschafft aus, aber die Freude über das Wiedersehen mit Hermine erfüllte ihn sofort mit Leben.

„Ich wollte dich unbedingt sehen und wissen, wie es dir geht. Und ich muss dir dringend etwas sagen. Es ist sehr wichtig, weil es unser beider Zukunft betrifft", sagte Hermine. In ihrem Hals hatte sich ein Kloß gebildet und ihre Hände zitterten.

„Du bist so ernst", stellte Rabastan fest. „Es ist doch nichts passiert, oder?"

„Eigentlich, doch, es ist etwas passiert", sagte sie und schluckte hart. Sie wechselte einen kurzen Blick mit Tonks, die ihr aufmunternd zunickte, dann sagte sie: „Rabastan, ich bin schwanger."

Für einen Moment trat Stille ein. Rabastan sah sie an, als hätte er nicht richtig gehört.

„Ähm… Was?", fragte er völlig ungläubig.

„Ich bin schwanger. Es…"

„Wow", brachte Rabastan nur heraus. „Das… haut mich gerade um."

Hermine lächelte. „Ja, so ging es mir auch, als ich es erfahren habe. Ich weiß auch noch nicht so richtig, wie ich damit… umgehen soll…"

„Wie lange weißt du es schon?", wollte Rabastan wissen.

„Erst seit ein paar Tagen", erklärte Hermine.

„Und wie weit…"

„Ungefähr acht Wochen, meinten die Heiler", sagte sie. „Ich… Es tut mir Leid, das war nicht beabsichtigt…"

„Hey", er fasste sie an den Schultern und sah sie direkt an, „ist schon gut. Ich hätte auch… niemals mit so etwas gerechnet… Ich glaube, das war… von uns beiden nicht beabsichtigt. Aber… es ist doch… eigentlich eine schöne Nachricht, oder? Ich meine, wir… das wird sicher nicht einfach, aber… wir beide können das schaffen."

„Meinst du?"

„Ja, natürlich. Und ich… auch wenn mich das ziemlich… überrumpelt, ich freue mich", sagte Rabastan und Hermine konnte nicht anders, als ihn zu umarmen.


Der Tag der Verhandlung war schließlich gekommen. Hermine wartete bereits nervös und aufgewühlt im Gerichtssaal auf der Zuschauerbank, bis Rabastan von einem Auror hereingeführt wurde und sich allmählich das Zaubergamot zusammenfand. Die Hexen und Zauberer waren alle in schwarze und rote Roben gekleidet. Vorne am Pult nahm Kingsley Platz, der seit dem Ende der Schlacht den Posten des Zaubereiministers übernommen hatte.

Als Rabastan sich auf den Stuhl vor das Gremium setzte, erhob sich Hermine von der Bank und trat an seine Seite. Sie nahm seine Hand und drückte sie ermunternd. „Wir schaffen das", flüsterte sie.

Kingsley eröffnete die Verhandlung mit ein paar einleitenden Worten, dann wandte er sich direkt an Rabastan und die Anklagepunkte wurden verlesen.

„Mr. Lestrange, Sie wurden 1981 aufgrund der Verbrechen, die sie und ihre Familie an Frank und Alice Longbottom verübt haben, zu lebenslanger Haft in Askaban verurteilt. Im Februar 1995 sind Sie zusammen mit weiteren Todessern geflohen und sind wieder in den Dienst von Lord Voldemort getreten. Sie begingen ein paar Monate darauf Hausfriedensbruch im Ministerium, darin eingeschlossen der versuchte Diebstahl der Prophezeiung über Mr. Harry Potter und erhebliche Sachbeschädigung in der Mysteriumsabteilung. Nach einer erneuten Inhaftierung sind Sie dann im Juli 1997 erneut geflohen", sagte Kingsley. „Ab jenem Zeitpunkt standen Sie wieder in den Diensten Voldemorts. Ist dies soweit richtig?"

„Ja, das ist richtig", sagte Rabastan.

Jetzt ergriff einer der Richter auf den Bänken hinter Kingsley das Wort, der Vorsitzende des Gremiums.

„Unter gewöhnlichen Umständen hätten wir Sie zurück nach Askaban gebracht, denn das Urteil von damals hat selbstverständlich weiterhin Gültigkeit, doch wie der Gamot erfahren hat, gibt es in Ihrem Fall ein paar gesonderte Umstände, die berücksichtig werden müssen. Wir haben uns bereits ausführlich beraten und sind zu einem Schluss gekommen."

Hermine und Rabastan sahen sich an.

„Mr. Lestrange, in Anbetracht der momentanen Umstände, dass Sie und Ms. Granger ein Kind zusammen erwarten und hinsichtlich der Tatsache, dass Sie noch während des Krieges die Seiten gewechselt haben, am Kampf in Hogwarts nicht teilgenommen haben und, wie Ms. Granger uns glaubhaft versichert, ihr mehrfach das Leben gerettet haben, ist das Gericht zu der Entscheidung gekommen, Ihre Gefängnisstrafe, die eigentlich lebenslänglich war, in eine Bewährung umzuwandeln."

Rabastan und Hermine sahen sich entgeistert an.

„Ist das wirklich wahr?", fragte Hermine völlig fassungslos.

„Ja", fuhr das Gremiumsmitglied fort. „Das heißt, Sie sind fortan ein freier Mann."

Hermine fiel Rabastan um den Hals. „Das heißt, wir können zusammen sein!"

„In der Tat, aber das ist an Bedingungen geknüpft."

„Was für Bedingungen?", fragte Rabastan, der bereits Schlimmes vermutete.

„Wir werden Ihren Zauberstab konfiszieren und Sie werden für zwei Jahre eine Magiesperre erhalten."

„Das heißt, Sie machen mich praktisch… zu einem Muggel?", fragte Rabastan.

„Nein, Sie bleiben magisch, Sie können nach wie vor die Winkelgasse betreten, aber ohne Zauberstab haben Sie keine aktiven Kräfte", erklärte der Richter. „Desweiteren…"

Hermine drückte Rabastans Hand fest. „Desweiteren werden wir Sie zu gemeinnütziger Arbeit verpflichten, um zumindest einen Teil dessen, was Sie als Todesser getan haben, wieder gutzumachen. Wir schlagen das St. Mungo Hospital vor. Sind Sie damit einverstanden?"

Hermine und Rabastan wechselten einen Blick miteinander.

„Wenn Rabastan sich auf die Forderungen einlässt, dann ist er frei? Er muss nicht zurück ins Gefängnis?", fragte Hermine.

„Ja", erklärte das Gremium. „Sollte er allerdings gegen die Auflagen verstoßen, wird die Bewährung aufgehoben und er wird nach Askaban gebracht. Überlegen Sie es sich gut, was Sie tun werden, Mr. Lestrange."

„Rabastan, was willst du tun?", flüsterte Hermine. „Du musst dich darauf einlassen, dann können wir zusammen sein. Bitte."

Er nickte. „Mach dir keine Sorgen", raunte er. „Ich würde alles in Kauf nehmen, nur um nie wieder nach Askaban zu müssen. Und ich werde dich… nicht allein lassen. Ich werde es tun." Er erhob sich von seinem Platz und wandte sich an das Gremium. „Ich werde mich auf Ihre Forderungen einlassen. Ich werde es tun."

„Dann ist es also beschlossen", sagte der Vorsitzende des Gremiums. „Sie verlassen diesen Gerichtssaal heute als freier Mann. Ihr Zauberstab wird im Ministerium aufbewahrt. Bezüglich ihrer gemeinnützigen Arbeit wird Sie in den folgenden Tagen ein Mitarbeiter des St. Mungo- Hospitals per Eule kontaktieren."

„Danke", sagte Hermine. „Vielen Dank."


Ein paar Monate später

Der Aufbau von Hogwarts war in vollem Gange und bald konnte wieder der normale Unterricht aufgenommen werden. Minerva McGonagall hatte vorübergehend den Posten der Schulleiterin übernommen.

Das Ministerium unter der Leitung von Kingsley Shacklebolt war von der Ideologie der Todesser befreit worden. Die Todesser, die noch auf der Flucht waren, wurden von den Auroren gejagt. Den anderen war der Prozess gemacht worden und sie verbrachten nun Haftstrafen in Askaban.

Nur die Malfoys waren dank Harrys Engagement in Freiheit. Lucius Malfoy hatte mit dem Ministerium ausgehandelt, dass er bei der Ergreifung der Todesser, die noch auf freiem Fuß waren, behilflich sein wollte. Außerdem hatte er sich mit einer großzügigen Summe am Wiederaufbau von Hogwarts beteiligt.

Nach Monaten kehrte langsam wieder Normalität in der Zaubererwelt ein und es gab Zeit, die Toten, die ihr Leben in der Schlacht gelassen hatten, zu betrauern.

Rabastan und Hermine lebten seit geraumer Zeit zusammen im alten Anwesen der Familie Lestrange, nachdem das Haus renoviert und wieder bewohnbar gemacht worden war.

Hermine gefiel es und sie genoss es, dass sie und Rabastan endlich unbeschwert zusammen sein und sich dann gemeinsam um ihr Kind kümmern konnten. Es dauerte nicht mehr lange und sie war bereits jetzt ziemlich aufgeregt, wie es werden würde. Die Hilfe, die ihr ihre Familie und ihre Freunde zugesagt hatten und natürlich die Tatsache, dass Rabastan nicht ins Gefängnis musste, gaben ihr Zuversicht, dass sie es schaffen konnte.

Der Herbst hatte die Blätter der Bäume verfärbt. Noch war es angenehm warm draußen, sodass Hermine gerne die Nachmittage auf dem Balkon des Anwesens verbrachte, wo sie die Sonne genoss und las. Abends, wenn Rabastan von seiner Arbeit zurückkam, aßen sie draußen und unterhielten sich über ihren Tag.

Es war ein Samstagabend. Hermine hatte ihre Freunde besucht und war für einen Kontrolltermin im St. Mungo- Hospital gewesen. Sie saß bereits am Tisch auf dem Balkon und wartete, bis Rabastan aus London zurückkam.

„Hi", sagte er, als er durch die Tür nach draußen trat.

„Hey", sagte Hermine und sie umarmten sich. Sie küsste ihn.

„Wie geht's dir? Ist alles in Ordnung mit der Kleinen?"

„Ja, der Heiler hat gesagt sie ist gesund", sagte Hermine und lächelte, während sie mit ihrer Hand über ihren Bauch strich.

„Das ist schön."

„Und wie geht's dir? Kommt du zurecht?"

„Im St. Mungo oder ohne Zauberstab?", fragte Rabastan grinsend. „Es ist hart, aber irgendwie geht es. Manchmal ist es schwer, weil… Viele Leute akzeptieren nicht so ganz, dass ich auf freiem Fuß bin. Sie würden mich lieber in Askaban sehen. Und vor allem sehen sie mich komisch an, weil wir beide…"

„Ich weiß, ich bekomme diese Blicke auch, aber… Denken wir nicht daran. Sehen wir in die Zukunft."

„Ja, du hast Recht. Trotzdem bin ich froh, wenn ich… meinen Zauberstab wiederhabe. Das ist einfach komisch, wenn man nicht zaubern kann. Anderthalb Jahre muss ich ungefähr noch durchhalten. Wie soll ich das unserer Tochter erklären? Sie wird mich ja dann… ohne Zauberstab kennenlernen."

Hermine grinste. „Millionen anderer Väter schaffen es sogar ganz ohne Magie."

„Ja, das ist wohl wahr." Plötzlich wirkte er nachdenklich. „Ich habe trotzdem ein bisschen Angst, ob ich ein guter Vater sein kann. Das kam… unerwartet und ich hatte nie über sowas nachgedacht."

„Dito", sagte Hermine lachend. Sie fasst über den Tisch und legte ihre Hand auf Rabastans. „Aber wir gehen den Weg gemeinsam, deshalb können wir alles schaffen."

„Ich habe im Übrigen etwas gemacht", sagte Rabastan. „Ich habe mich Lucius angeschlossen und einiges für den Wiederaufbau beigetragen. Und dann habe ich an eine Stiftung gespendet, die sich um Kinder kümmert, die ihre Eltern im Krieg verloren haben."

„Wirklich? Das ist toll", meinte Hermine.

„Andromeda hat die Stiftung gegründet. Sie hat jetzt wieder Kontakt zu ihrer Schwester, zu Narcissa. Nach weit über zwanzig Jahren. Das ist… bemerkenswert."

Hermine nickte. „Manchmal, wenn sich Türen schließen, dann öffnen sich auch neue."

„Das ist wahr, ja. Vieles hat sich geändert, aber aus Veränderungen entsteht immer etwas Neues. Wenn man mir vor zwei Jahren erzählt hätte, wie heute alles ist, ich hätte es nicht geglaubt. Ich denke, manchmal führen uns die Türen auch in völlig andere Richtungen. Ich war auch in Hogwarts, deshalb hat es heute etwas länger gedauert."

„Du warst in Hogwarts?", fragte Hermine erstaunt. „Wieso?"

„Ich habe einen Vorschlag eingebracht, der sogar Gehör gefunden hat", erklärte Rabastan. „Du erinnerst dich an die Rede des Dunklen Lord, kurz bevor er… mich gefoltert hat?"

„Ich will diesen Augenblick eigentlich lieber vergessen", sagte Hermine, die immer mit Grausen an diese Bilder zurückdachte. „Ich dachte, du… Ich dachte, er tötet dich. Du nennst ihn immer noch bei diesem Namen und nicht bei seinem richtigen?"

„Das musst du mir verzeihen, aber ich werde wohl… noch einige Zeit brauchen, bis ich… mich an diesen Umstand gewöhnt habe. Es ist schwierig. Was ich sagen wollte, der Dunkle Lord hat ja davon gesprochen, dass die Häuser abgeschafft werden sollten und jeder nur noch in Slytherin sein sollte. Ich habe McGonagall und den anderen Lehrern vorgeschlagen, die Häuser und die Einteilung der Schüler gänzlich abzuschaffen."

„Was? Wirklich? Wieso?"

„Ich denke heute im Nachhinein, als Todesser, der ich war, als jemand der in einer reinblütigen Familie aufwuchs und der die beiden Kriege erlebt hat, dass wir alle eigentlich eines aus der Schlacht mitnehmen sollten: viel zu oft wurde der Grundstein für viel übles, für viele Konflikte, in der Schule in der Auseinandersetzung der Häuser untereinander gelegt. Ich denke, wir sollten die Kinder nicht mehr nach den Häusern beurteilen. Jeder soll mit jedem anderen lernen und Quidditch spielen können und es darf nie wieder dazu kommen, dass die Schule die Gesellschaft und die Menschen derart spaltet wie in der Vergangenheit. Wir sollten die Gründer von Hogwarts und die Häuser aufgrund ihrer historischen Bedeutung hochhalten. Die Vergangenheit kann zudem nicht geändert werden, das darf sie auch gar nicht, aber zu mancher Gelegenheit müssen wir aus der Vergangenheit lernen und die Zukunft verändern."

„Und was haben die gesagt?", fragte Hermine interessiert.

„Stell dir vor, sie haben meinen Vorschlag angenommen."

„Was?! Wirklich?!"

„Ja. Sie müssen es zwar noch mit dem Ministerium absprechen, aber… Ich bin jetzt mal zuversichtlich."

Hermine erhob sich und umarmte Rabastan.

„Ich bin stolz auf dich. Und ich bin glücklich."

Sie küsste ihn. „Ich liebe dich."

The End.