Kapitel 3
Die Aufteilung auf die Häuser
Die Erstklässler betraten besorgt die große Halle, während McGonagall ihnen die vier verschiedenen Häuser erklärte. Milo teilte sie in Gedanken in verschiedene Kategorien ein: ein Haus für die PCs, ein Haus für die Bösewichte und zwei NPC-Häuser, um auf eine runde Zahl zu kommen. Verständlich.
Die anderen Erstklässler um ihn herum diskutierten nervös darüber, was wohl bei der Einteilungszeremonie geschehen werde. Sie schienen sich darauf geeinigt zu haben, dass es eine Art furchtbarer Test sei, der vor allen anderen durchgeführt werde. Milos Hochgefühl nach dem Aufstieg in ein neues Level war noch nicht verflogen, aber er wünschte sich immer noch, er hätte nicht so viele Zauber für die Suche nach Nevilles Kröte verwendet. Es entstand etwas Durcheinander, als eine Gruppe Geister durch die Wände hindurchschwebte, doch Milo war bereits darauf vorbereitet. Er erschauderte, als er daran dachte, was er in dieser Situation getan hätte, wäre er nicht am vorherigen Tag Professor Binns begegnet.
Die Schüler wurden von McGonagall dem Alphabet nach in einer Reihe aufgestellt. Milo verfluchte, wie schon so oft, seinen Nachnamen. Wieso konnte er nicht Liadon-Amastacia heißen? Die einzige Person, die vor ihm stand, war ein blondes rosagesichtiges Mädchen.
„W-was denkst du, muss ich machen?", fragte es mit Schrecken im Gesicht. „Ich bin die Erste! Wieso bin ich immer die Erste?"
„Mach dir keine Sorgen, es wird nichts Schlimmes passieren", sagte Milo. „Sie lassen jeden diesen Test machen, oder? Wie schwierig kann es denn dann sein?"
„A-aber..."
„Und übrigens können sie nicht jedes Schuljahr damit beginnen, alle neuen Schüler zu demütigen."
„Vielleicht ist alles nur ein grausamer Scherz und alle werden mich auslachen", sagte sie unter Tränen.
„Wenn sie das tun, lasse ich magische Hölle auf sie los", murmelte Milo. Was er meinte, war, ‚wenn sie das (mit mir) tun, lasse ich magische Hölle los', aber das war nicht das, was das verängstigte Mädchen hörte.
„Würdest du? Für mich? D-danke!"
„Schon gut", sagte Milo etwas verlegen und suchte nach ein paar einigermaßen passenden, ermutigenden Phrasen. „Du bist mutiger, als du denkst. Behalte das einfach im Kopf und lauf selbstsicher da hoch, und was auch immer passiert, passiert. Ähm. In jedem Menschen ist Mut verborgen, man muss nur genau hinsehen", sagte er, der letzte Satz etwas lahm.
„Wenn ich euch aufrufe, setzt ihr den Hut auf und nehmt auf dem Stuhl Platz, damit euer Haus bestimmt werden kann", sagte McGonagall zu ihnen. „Abbot, Hannah!"
Das Mädchen sah entschlossen aus, als es zu dem Stuhl lief, und während Hannah in einem anderem Leben nach Hufflepuff gekommen wäre (nicht dass das etwas wäre, wofür man sich schämen müsste, natürlich nicht), benötigte der Hut, als er auf ihren Kopf gesetzt wurde, vielleicht weil sie ich bin mutiger, als ich denke, ich bin mutiger, als ich denke, ich bin mutiger, als ich denke dachte, nur einen Augenblick, bevor er brüllte:
„GRYFFINDOR!"
„Amastacia-Liadon, Milo!", sagte McGonagall. Naja, wird schon schiefgehen.
„GRYFFINDOR!", schrie der Hut, als er seinen Kopf noch nicht einmal richtig berührt hatte, und sein neues Haus applaudierte, als ob das nicht bereits eine ausgemachte Sache gewesen sei. Gryffindor war offensichtlich das Haus für Hauptcharaktere. Seine Annahme wurde bestätigt, als Neville, Hermine, Ron und Harry alle nach Gryffindor kamen (obwohl der Hut seltsamerweise Schwierigkeiten zu haben schien, Harry richtig einzuordnen). Draco und seine Leibdiener wurden Slytherin zugeteilt. Milo fragte sich kurz, was geschehen wäre, wenn Crabbe oder Goyle nach Gryffindor geschickt worden wären - oder, vielleicht sogar noch schlimmer, nach Hufflepuff. Milo schaute umher und bemerkte, dass seltsamerweise die Teller und Schüsseln auf den Tischen leer waren. Er zuckte mit den Schultern, packte seine Unerschöpflichen Essensrationen aus und begann zu essen.
„Was hast du da?", fragte Hannah, die aus unerfindlichen Gründen neben ihm am Tisch saß. Links von Milo saß Hermine, daneben Harry, Ron und Neville.
„Unerschöpfliche Essensrationen", erklärte Milo und zeigte auf das blaue Samtsäckchen. „Man sieht sie nicht oft - ich habe in einem obskuren Buch von ihnen gelesen und musste sie speziell anfertigen lassen - aber sie sind echt nützlich. Jeden Morgen füllt sich der Beutel von selbst wieder."
„Praktisch", sagte sie leicht zweifelnd. „Schmecken sie gut?"
„Oh, das hat mich, glaube ich, noch nie jemand gefragt." Er dachte kurz darüber nach. „Schmeckt ein bisschen wie Müsli, aber sogar noch langweiliger."
Sie verzog das Gesicht.
„Wir mussten uns doch kein Essen von zuhause einpacken, oder? Sie werden uns etwas zu essen geben?", fragte sie. Milo zuckte mit den Schultern.
„Hermine?", fragte er, weil er annahm, dass sie es wusste.
Hermine schwieg kurz, als ob sie in ihrem Gehirn einen Katalog nach passenden Informationen durchsuchte, bevor sie, als ob sie es auswendig gelernt hätte, zitierte:
„‚Hogwarts ist weltbekannt dafür, einige der besten Kochelfen überhaupt zu besitzen, und rühmt sich, nie eine Beschwerde über die Qualität der Speisen erhalten zu haben. Zum Vergleich waren, zur Zeit der fünften Auflage dieses Buches von 1999, in der Durmstrang-Akademie vierhundertvierundvierzig Beschwerden eingegangen'", sagte sie. „Es steht in der Geschichte Hogwarts'. Du solltest das Buch einmal lesen."
„Elfen?", fragte Milo ungläubig. „Zum Kochen?" Milo hatte noch nie von einem Elf gehört, der sich einer Bratpfanne weiter als bis auf zwanzig Fuß genähert hatte, und er bezweifelte, dass auch nur eine einzige Kartoffel auf der Welt jemals von zarten Elfenhänden geschält worden war. Milo war überzeugt, dass sie sie mit einer seltenen arkanen Version von Nahrung und Wasser erschaffen hinhielten, weil sonst ihre Zivilisation innerhalb von zwei Wochen zu Staub zerfallen wäre.
„Ich wünschte, ich wäre reich genug, einen Elf zu besitzen", sagte Ron träumerisch. „Ich müsste nie mehr mein Zimmer aufräumen."
Milos Gehirn nahm den Satz wahr, aber sortierte ihn sofort mit der Notiz ‚Konnte nicht eingelesen werden' aus: Einen Elf besitzen? Er musste sich verhört haben. Bevor er fragen konnte, erhob der Schulleiter die Stimme.
„Willkommen!", sagte Dumbledore. „Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts! Bevor wir mit unserem Bankett beginnen, möchte ich ein paar Worte sagen. Und hier sind sie: Schwachkopf! Schwabbelspeck! Krimskrams! Quiek!
Danke sehr!"
Und dann setzte er sich wieder hin.
„Ist er... ist er ein bisschen verrückt?", fragte Harry.
„Ähm, naja, er ist ein bisschen durchgeknallt, aber manche sagen, dass er sich tarnt und eigentlich ein Genie ist", sagte Ron.
„Als ich vor kurzem mit ihm gesprochen habe, kam er mir ganz normal vor", sagte Milo.
„Und man wird nicht Großmeister des Zaubergamots und Ganz Hohes Tier der Internationalen Vereinigung von Zauberern, indem man Kronkorken sammelt", sagte Hermine. „Oder völlig verrückt ist", fügte sie hinzu.
Wieder sahen alle sie an.
„Das stand in der Geschichte Hogwarts', und ernsthaft, liest denn keiner von euch?", fragte sie leicht entrüstet.
„Hauptsächlich Quidditchzeitschriften", gestand Ron.
„Zeitungen aus dem Papiermüll, aber nur, wenn die Dursleys mich nicht sehen konnten", bekannte Harry.
„Von Zauberbüchern und grausamen arkanen Wälzern abgesehen? Nicht so viel", sagte Milo.
Hermine seufzte.
„Ihr solltet es mal versuchen, vielleicht findet ihr es aufschlussrei - oh, mein Gott!" Riesige Mengen an Essen erschienen plötzlich vor ihnen.
„Oh, nettes Kunststück", sagte Milo. „Ich wusste, dass die Elfen mithilfe von Magie kochen. Diese spitzohrigen Weicheier haben in ihrem Leben noch keinen einzigen Tag gearbeitet."
Mit seinem letzten Satz zog er ein paar seltsame Blicke auf sich, zum Glück waren jedoch die meisten zu sehr damit beschäftigt, sich den Bauch vollzuschlagen, und schenkten ihm kaum Aufmerksamkeit. Harry Potter sah aus, als würde er gleich aus Freude über all das Essen anfangen zu weinen. Milo zuckte mit den Schultern. Während der Rest der Gruppe vom Essen abgelenkt war (Milo zauberte vorsichtshalber Gift Entdecken, bevor er es anrührte), beschloss Milo, den Tisch, an dem die Lehrer saßen, genauer zu betrachten.
Die Lehrer in Hogwarts waren der seltsamste Haufen von Charakteren, den Milo gesehen hatte, seit er angeheuert worden war, einen Trupp unzivilisierter, mordender Gnome zu beseitigen. Einer von ihnen trug einen lilanen Turban. Einer von ihnen war winzig (aus der Ferne konnte Milo nicht beurteilen, ob er ein Gnom, ein Halbling oder ein Zwerg war). Einer von ihnen war Albus Dumbledore. Der letzte... nun, der war wirklich interessant. Schwarzer Umhang. Fettiges Haar. Hakenförmige Nase.
Nekromant, keine Frage. Milo grinste. Meine Damen und Herren, wir haben unseren dunklen Magier. Milo schätzte die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Lehrer für Du-weißt-schon-wen arbeitete, auf fünfzig Prozent, und dafür, dass er Du-weißt-schon-wer war, auf die anderen fünfzig Prozent. Das einzige, was ihm fehlte, war ein Spitzbart.
„Hey, Hermine, wer ist das?" Milo deutete auf den eindeutig bösen Magier.
„Professor Severus Snape, geboren 1960, 1981 vom Schulleiter Albus Dumbledore zum Zaubertrankmeister von Hogwarts ernannt, ist seit 1991 Hauslehrer von Slytherin", rezitierte sie. „Geschichte Hogwarts', Seite 371."
„Es ist wirklich sehr nützlich, dich in der Nähe zu haben, weißt du das?", fragte Milo. Hermine strahlte. „Harry, hör zu. Schreib Snape auf deine Liste, er bedeutet schlechte Neuigkeiten."
„Bist du sicher?", fragte Harry.
„Absolut sicher. Ich meine, schau ihn doch mal an. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, um Himmels willen."
„Ähm, ich will ja nicht kleinlich sein, aber wir alle tragen auch Schwarz, Milo", sagte Harry und deutete auf seine Schuluniform.
„Das ist ein anderes Schwarz. Wir tragen schlichtes, funktionales Schwarz. Er trägt böses Schwarz. Ron, hilf mir."
„Fred und George sagen, dass er ein schmieriger Schwachkopf ist und Schüler aus Slytherin übertrieben bevorzugt", sagte Ron. „Sie sagen auch, dass er zur Hälfte eine Fledermaus ist, er Gedanken lesen kann und dass Shampoo automatisch in Flammen aufgeht, wenn es seine Haare berührt, aber ich denke, das letzte haben sie nur erfunden."
„Wahrscheinlich ist er einfach allergisch gegen Shampoo", sagte Hermine. „Er ist ein Lehrer. Er kann nicht böse sein, sonst würde Dumbledore ihn nicht hier unterrichten lassen."
Milo lachte laut auf. Er und Hermine hatten eindeutig sehr unterschiedliche Ansichten.
Plötzlich fasste Harry sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Stirn.
„Was ist los?", fragte Hermine besorgt.
„Ich habe Snape angesehen und plötzlich hat meine Narbe wehgetan", sagte Harry.
„Die Narbe, wo dich Du-weißt-schon-wer getroffen hat?"
„Nein, die andere Narbe an meiner Stirn, natürlich die Narbe, wo mich Vol- Du-weißt-schon-wer getroffen hat", blaffte Harry. Hermine errötete leicht. „E-entschuldigung", sagte er. „Ich wollte nicht gemein sein, ich war nur plötzlich so wütend... es war seltsam."
„Ich denke, das ist im Wesentlichen ein Beweis", sagte Milo. „Harry hat Snape angeschaut und seine Narbe hat ihm wehgetan. Also ist Snape böse."
„Klingt gut", bekräftigte ihn Ron. „Ich meine, schaut ihn euch an. Ernsthaft."
„Ich denke nicht, dass wir so voreilige Schlüsse ziehen sollten", sagte Hermine. „Die Art der Kleidung oder die Hygiene eines Menschen haben, egal was für einen schlechten Eindruck sie machen, nichts mit seiner moralischen Einstellung zu tun. Außerdem sollten wir wirklich einem Erwachsenen das mit Harrys Narbe sagen, es könnte wichtig sein - er könnte einen Heiler benötigen."
„Was muss Snape denn tun, ein Baby essen oder so?", fragte Milo. Neue PCs konnten manchmal so dumm sein.
„Er hat noch nichts getan", protestierte Hermine.
„Sie hat nicht ganz Unrecht", fügte Harry hinzu. „Alles, was er getan hat, war Sitzen. Vielleicht ist er wirklich nett und ich glaube, keiner von uns weiß schon genug über Magie, um sagen zu können, ob das mit meiner Narbe irgendetwas zu bedeuten hat."
„Ok, es ist immerhin dein Abenteuer. Aber können wir uns wenigstens darauf einigen, ihn genau im Auge zu behalten?", bat Milo.
Sie erklärten sich alle einverstanden, Hermine allerdings nur zögerlich.
Dann stand Dumbledore auf, um noch eine Rede zu halten, in der er einige Hausregeln erklärte. Der verbotene Wald war - hah, ja richtig. Milo konnte sich keinen besseren Weg vorstellen, Schüler dazu zu ermutigen, dorthin zu gehen und Erfahrungspunkte zu sammeln, als es ihnen zu verbieten. Milo horchte auf, als er von dem verbotenen verschlossenen mysteriösen Korridor hörte. Harry lachte, als Dumbledore sagte, dass jeder, der diesen Korridor durchsuche, einen schmerzhaften Tod sterben werde, aber sonst lachte niemand. Der Schulleiter meinte es ernst.
Milo grinste. Er liebte diese Schule jetzt schon.
„Ich kann es einfach nicht glauben, dass Quidditch erst ab der zweiten Klasse erlaubt ist", beschwerte sich Ron.
„Was ist Quidditch?", fragten Harry, Hermine und Milo wie aus einem Mund. Ron fiel beinahe mit dem Gesicht in den Pudding. Als er sich wieder erholt hatte, erklärte er ihnen die Regeln. Es war eine unglaublich gefährlich klingende Sportart (die Aufgabe zweier Spieler in der Mannschaft war es, schwere Lederbälle auf das gegnerische Team loszulassen!), die auf Besen gespielt wurde. Als Ron den goldenen Schnatz erwähnte, stellte Milo sorgfältige Überlegungen an. So weit er das beurteilen konnte, machte der Erfolg oder Misserfolg des Suchers alles, was die anderen Spieler geleistet hatten, unwichtig. Es schien fast, als ob diese Sportart nur dazu geschaffen worden war, den Suchern eine Möglichkeit zu geben gegeneinander im Wettkampf anzutreten.
„Es gefällt mir!", sagte Milo. „Es hat alles. Magie, Gefahr und Regeln, die offensichtlich so verdreht worden sind, dass die PCs glänzen können. Harry, schreib das auf jeden Fall auf." Der Junge, der überlebte, fügte seiner Liste plotrelevanter Begriffe pflichtbewusst einen neuen Punkt hinzu.
„Ich finde, es klingt bescheuert", verkündete Hermine, ohne Rons Proteste zu beachten. „Und viel zu gefährlich, um in einer Schule erlaubt zu sein. Fliegen allgemein klingt furchtbar."
Dumbledore schickte alle zu Bett, also führte Percy - der Vertrauensschüler für Gryffindor - die Erstklässler zu ihren Schlafräumen. Auf dem Weg wurden sie von Peeves attackiert.
„Peeves! Zeig dich!", rief Percy. „Er ist ein Poltergeist - seid vorsichtig, er hört nur auf den Blutigen Baron. Das ist der Hausgeist von Slytherin."
„Merkst du dir alles, Harry?", fragte Milo. Peeves flog vorbei und warf Stöcke auf Nevilles Kopf. „Vertrauensschüler, wenn ich je einen Angriff gesehen habe, dann war das einer. Erlaubnis zum Zurückschlagen?"
„Ich glaube, das ist gerade nicht nötig. Er weiß, dass ich es dem Baron sage, wenn er zu weit geht", sagte Percy. „Außerdem -" Percy wurde jedoch unterbrochen, als Peeves einen Eimer Wasser über seinem Kopf ausleerte. „Attackiere ihn mit allem, was du hast, Mr. Amastacia-Liadon. Mit allem."
„Glitzerstaub!", rief Milo. Der Funkenregen blendete den Poltergeist jetzt für vierundzwanzig Sekunden (LevelUps waren das Beste) und hielten ihn davon ab, unsichtbar zu werden. Peeves wirbelte in erstaunter Wut umher und begann, Spazierstöcke, Pasteten und ähnliche Dinge nach den Schülern zu werfen. „Federfall!", zauberte Milo und bremste deren Fall auf eine harmlose Geschwindigkeit hinunter. Als Coup de grâce schuf er, als die Wirkung des Blendungzaubers nachließ, ein Stilles Trugbild des Blutigen Barons, wie er langsam um die Ecke schwebte. Peeves floh und ließ eine Spur glitzernden Staubes hinter sich zurück.
„Gut gemacht!", gratulierte ihm Percy, nachdem er einen Säuberungszauber genutzt hatte, um wieder trocken zu werden. „Geht es allen gut? Hervorragend. Das war Peeves, der Poltergeist, wenn ihr ihm auf den Gängen begegnet, ist es am besten, eine Lehrkraft zu finden, oder den Blutigen Baron. Er wird euch nicht vorsätzlich verletzen - obwohl seine Streiche manchmal außer Kontrolle geraten können -, aber er ist lästig und ihr könntet seinetwegen zu spät zum Unterricht kommen. Nachdem gewisse Schüler Peeves jahrzehntelang als Ausrede für ihr Zuspätkommen benutzt haben, akzeptieren die Lehrer den Poltergeist nicht mehr als Entschuldigung."
Milo konnte nicht glauben, dass es Gefechte innerhalb der Schlossmauern gab. Diese Schule war genial. Percy führte sie schließlich zum Gemeinschaftsraum von Gryffindor, der von einem nach dem Passwort fragenden Gemälde bewacht wurde. Es war Milo nicht klar gewesen, dass die Rivalität zwischen den Häusern so... erbittert... war, dass geheime Stützpunkte und Passwörter benötigt wurden, aber es passte zu seiner allgemeinen Theorie über die Erziehungsmethoden von Hogwarts.
Harry und Milo fühlten sich sofort heimisch, als sie den Gryffindorturm betraten, aber aus unterschiedlichen Gründen. Harry war überwältigt von all der Magie und froh, endlich seine furchtbaren Pflegeeltern los zu sein. Das Gefühl von Kameradschaft in dem Schlafsaal war etwas Neues und Wunderbares für ihn. Milo dagegen fühlte die Anziehungskraft, die jeder Magier überall verspürt, ungeachtet des Universums, in dem er sich befindet: Magier = Turm, Turm = Magier. Er war aufgeregt, was den nächsten Tag anging, an dem er die Vorteile des Aufstiegs in das vierte Level genießen und eine Menge neuer Sprüche auswendig lernen würde. Nach kurzem Nachdenken beschloss er, seinem Repertoire Schweben und Unsichtbarkeit hinzuzufügen. Er beschloss auch, ein zusätzliches Stilles Trugbild vorzubereiten, um für ein weiteres Zusammentreffen mit Peeves gerüstet zu sein.
Der nächste Morgen war... interessant. Es hatte sich herumgesprochen, dass der berühmte Harry Potter in Hogwarts war und Milos bedauernswerter Freund wurde durch andauerndes Wispern und flüchtige Blicke geplagt. Milo schlug ihm vor, sich etwas Schminke von Hannah auszuleihen (Hermine schien nicht der Typ dafür zu sein) und die verräterische Narbe damit zu überdecken (kleine Einzelheiten bedeuteten +5 für Verkleidungswürfe), aber Harry weigerte sich hartnäckig und sagte, sie sei die einzige Erinnerung an seine Eltern. Ron brach bei dem Vorschlag in jaulendes Gelächter aus und meinte, das etwas Eyeliner, oder, wie er sagte, „Guyliner", Harrys smaragdgrüne Augen wirklich gut zur Geltung bringen würde.
In der ersten Stunde hatten sie Kräuterkunde, worüber sich Milo, wie er feststellte, keine Sorgen machen musste. Zuerst befürchtete er, Fertigkeitsränge in Wissen (Natur), oder, Vecna bewahre, Überleben zu benötigen, aber als ihm klar wurde, dass sie magische Pflanzen studieren würden, kam er zu dem Schluss, sein Wissen (Arkanes) sei der Sache gewachsen. Geschichte der Zauberei war ebenfalls überhaupt kein Problem, Milo verbrachte die Stunde damit, sich zu überlegen, was seine Reaktion wäre, wenn der Geist von Professor Binns durchdrehen und damit beginnen würde, die Konstitutionsfertigkeiten der Schüler herabzusetzen, oder wenn ein böser Kleriker auftauchen und mit Untote Befehligen die Kontrolle über den untoten Professor übernehmen würde.
Professor Flitwick unterrichtete Zauberkunst und mit diesem Fach hatte Milo ein Problem. Als spezialisierter Beschwörer war er dazu verpflichtet, auf zwei magische Schulen zu verzichten - er hatte Nekromantie (blasses Make-up und Wimperntusche standen ihm nicht) und Verzauberung (der Gedanke daran, andere mental zu kontrollieren, war ihm unangenehm) gewählt. Die Unterkategorie Zauberkunst gehörte eindeutig zur zweiten Schule, deren Zauber Milo nicht anwenden durfte. Glücklicherweise fiel der leicht aus der Fassung zu bringende Professor, den Milo für eine Art deformierten Gnom hielt, in Ohnmacht, als er bei der Anwesenheitskontrolle Harrys Namen vorlas.
„Was haben wir als nächstes?", fragte Milo Ron.
„Äh warte, ich schau nach", sagte der Rothaarige und suchte in seinen Taschen nach dem Stundenplan. „Verwandlung mit McGonagall. Sie soll sehr streng sein."
„Verwandlung, wie? Das könnte... ein Problem sein", sagte Milo stirnrunzelnd. Das beinhaltete wahrscheinlich tatsächliches Zaubern mit einem Zauberstab - etwas, das Milo noch nicht einmal versucht hatte. Er machte sich Sorgen, dass er, falls es ihm tatsächlich glücken sollte, als doppelklassiger Magier/„Zauberer" enden würde und dazu verurteilt wäre, sein restliches Leben als umherlaufender Witz von einem Charakter zu verbringen.
„Warum denn das?", fragte ein Erstklässler-NPC. Die anderen Gryffindors hatten begonnen, sich zwischen den Stunden an Milo zu halten, nachdem es sich herumgesprochen hatte, dass er Peeves verscheuchen konnte.
Professor McGonagall war so erstaunt, das die ganze Klasse pünktlich kam (anscheinend war das noch nie vorgekommen), dass sie ihnen fünf Punkte für Gryffindor gab. Nachdem sie die Schüler vor den Risiken von Verwandlungen gewarnt hatte, trug sie ihnen auf zu versuchen, ein Streichholz in eine Nadel zu verwandeln.
Milo brach der kalte Schweiß aus und er starrte auf das Hölzchen vor ihm. Die Zauberer in dieser Daseinsebene konnten doch nicht im ersten Level Beliebiges Verwandeln anwenden? Das war ein achtes-Level-Zauber! Milo kam sich ein bisschen blöd vor, als er sinnlos mit seinem Zauberstab herumwedelte, wusste aber nicht, was er sonst tun sollte. Hermine, die neben ihm saß, hatte es geschafft, ihr Streichholz silbrig werden zu lassen.
Milo kniff die Augen zusammen.
„Zaubertrick", murmelte er. Das war ein 0.-Level-Zauber, der von Anfängern zur Übung genutzt wurde - aber es war auch einer der vielseitigsten. Milo zog es vor, ihn sich als eine Art Wunsch vorzustellen. Eine seiner vielen Wirkungsmöglichkeiten war die vorübergehende Änderung der Farbe eines Gegenstandes.
Dann lehnte er sich selbstgefällig in seinem Stuhl zurück, zufrieden mit seiner Leistung.
McGonagall ging im Klassenzimmer umher und ermutigte und unterstützte die sich abmühenden Schüler, an denen sie vorbeikam. Als sie zu Milo kam, runzelte sie jedoch die Stirn und schaute das silberne Streichholz erstaunt an. Für Milo sah es genauso aus wie das von Hermine. McGonagall nahm es in die Hand, untersuchte es sehr genau und ließ es auf den Tisch fallen. Man hörte ein leises, hölzernes Tick.
„Mr. Amastacia-Liadon", sagte sie streng, „hast du dein Streichholz angemalt?"
„N-nein, Professor", stammelte er. Mist, verflucht seien ihre klassenübergreifenden Ränge im Einschüchtern!
„Gut. Ein Punkt für Gryffindor", sagte sie widerwillig und ging zu Hermine. Sie runzelte die Stirn und untersuchte auch ihr Streichholz. Sie ließ es fallen und man hörte ein silberhelles, metallenes Ping!, als es auf dem Tisch auftraf.
„Gut gemacht, Ms. Granger! Es ist viele Jahre her, dass ich jemanden beim ersten Versuch mehr als nur die Farbe habe verändern sehen! Zwei Punkte für Gryffindor!" Hermine wurde ein bisschen rot und warf Milo einen selbstzufriedenen Blick zu.
Als Nächstes hatten sie Zaubertränke - und das zusammen mit den Slytherins. Wer auch immer die Stundenpläne erstellt, dachte Milo, sollte eine Medaille erhalten. Er konnte sich keine Situationen mit größerem Konfliktpotential vorstellen, als Schulstunden, in denen der Hauslehrer des eindeutig bösen Hauses die Helden und Bösewichte zusammen unterrichtete. Setze einen PC in solch ein Pulverfass, und es gibt so gut wie sicher eine Explosion.
Milo war der einzige Gryffindor, der lächelte, als sie Snapes Kerker betraten. Kerker. Es war zu lang her, dass Milo in einem richtigen Kerker gewesen war. Alles, was für einen perfekten Tag noch fehlte, waren ein, zwei Trolle.
Milo wusste nicht genau, was unten im Kerker passieren würde. Aber er wusste, dass jemand ein Gefecht beginnen würde, und er wusste, wer es erfolgreich beenden würde.
Er wählte seinen Tisch mit Bedacht und setzte sich genau in die Mitte des Klassenzimmers. Die anderen Gryffindors saßen auf der rechten Seite, sodass die linke Klassenzimmerhälfte leer blieb - eine klare Botschaft an die Slytherins (falls sie sich dazu herabließen, zu erscheinen). Von der Grenze zwischen den beiden Gruppen aus würde Milo mit einem gut gesetzten Zauber alle Slytherin-Erstklässler in der ersten Runde des Gefechts erwischen.
Es gibt eine selten benutzte Regel (und Milo liebte selten benutzte Regeln), die sogenannte vorbestimmte Aktion. Ein Charakter kann, wenn er an der Reihe ist, eine gewisse Aktion vorbestimmen, die durch etwas, das er im Voraus festlegt, ausgelöst wird. Das erlaubt eine schnelle Reaktion, solange man gut vorbereitet ist.
Als die Slytherins einer nach dem anderen hereinkamen (einige waren mit Kalk bedeckt, ein stummer Beleg für Peeves' „humorvolle Streiche"), bestimmte Milo eine Aktion vor: Glitzerstaub in der Mitte der Slytherinseite des Raumes, sobald ein Slytherin sich einem Gryffindor gegenüber offensiv verhält. Das sollte ausreichen.
Snape kam herein und man sah ihm an, dass er etwas im Schilde führte. Er begann die Klassenliste schnell durchzugehen und hielt bei Harrys Namen inne.
„Ah, ja", sagte er leise. „Unsere neue - Berühmtheit." Malfoy und seine beiden Begleiter kicherten. Die anderen Gryffindors, die an der Grenze zu den Slytherins saßen - Neville, Hannah und Lavender - saßen angespannt da, die Hände neben den Zauberstäben. Snape begann mit seinem einleitenden Monolog und redete für Milos Geschmack ein bisschen zu liebevoll über die ‚subtile Wissenschaft und exakte Kunst der Zaubertrankbrauerei'.
„Potter!", sagte Snape plötzlich. Harry saß kerzengerade da und kurz blitzte Angst in seinem Gesicht auf. „Was bekomme ich, wenn ich einem Wermutaufguss geriebene Affodillwurzel hinzufüge?"
Milo runzelte die Stirn. Nichts, dachte er. Außer natürlich einen furchtbaren Gestank.
„Ich weiß nicht, Sir", sagte Harry. Aha, gut, sogar Zauberern misslingt ab und zu ein Wissenswurf.
„Tz, tz, tz - Ruhm ist eben nicht alles", höhnte Snape. Ok, dass ist einfach nur unverschämt.
„Versuchen wir's noch einmal. Potter, wo würdest du suchen, wenn du mir einen Bezoar beschaffen müsstest?"
Hermines Hand schoss in die Luft, Milos Hand ebenfalls.
„Ich weiß nicht, Sir", sagte Potter mit nur leicht zitternder Stimme.
„Dachtest sicher, es wäre nicht nötig, ein Buch aufzuschlagen, bevor du herkommst, nicht wahr, Potter?"
Ok, es gibt keinen Grund, den armen Gryffindorjungen so zu behandeln, dachte Milo. Der Hauslehrer von Slytherin verhält sich geradezu offensiv einem... Oh, Mist.
„GLITZERSTAUB!"
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