Kapitel 5
Der verbotene Wald
Sie trafen sich mit Hagrid und dem leicht zitternden Quirinus Quirrell in der Großen Halle. Hagrid, offensichtlich eine Art Halbriesen-Waldläufer, trug eine schwere Armbrust (Milo war skeptisch, eine leichte Armbrust war viel wirkungsvoller) und Fangs Leine. Milo hatte an diesem Morgen seine Zauber sorgfältig vorbereitet und es den ganzen Tag vermieden, sie zu verwenden - das bedeutete, dass die Gryffindors wieder zu spät zum Unterricht kamen, weil Peeves sie ungestraft belästigen konnte, und Milo in den Schulstunden nicht zu gebrauchen war. Trotzdem wollte er sich nicht ohne eine vollständige Ausstattung mit Zaubern in etwas hineinwagen, das den Namen verbotener Wald trug.
„Magierrüstung", zauberte er, als sie sich dem Lehrer und dem Hüter der Schlüssel näherten. Ein dünnes unsichtbares Kraftfeld umgab ihn wie eine zweite Haut. Es war bei weitem kein vollständiger Schutz, aber es würde ein bisschen helfen.
„Hagrid!", sagte Harry fröhlich.
„A-also gut", sagte Quirrell, „unsere A-Aufgabe ist einfach: Alles, was wir t-tun müssen, ist in den W-W-Wald zu gehen und h-herauszufinden, was für ein Wesen die Ei-Einhörner a-angreift", stammelte er nervös. „U-und dann nach H-Hogwarts z-zurückgehen, damit der Sch-Schulleiter und ich e-e-entscheiden können, was zu tun ist."
„Klingt nach einem guten Plan", sagte Milo, obwohl er sich insgeheim wunderte, warum all die mächtigen Zauberer, die in Hogwarts lebten, nicht einfach ein paar Erkenntniszauber benutzten, um herauszufinden, was im Wald war.
„Alles gut, Harry?", fragte Hagrid den etwas nervös schauenden, aber entschlossenen Harry. Milo war ein bisschen überrascht, dass er sich freiwillig hierfür gemeldet hatte, sein Freund hatte erst drei Tage Zauberertraining gehabt. Milo hatte ihn ehrlich gesagt noch nie wirklich zaubern gesehen. Ok, das ist waghalsig, dachte er. Aber schlau. Wenn er überlebt, wird ihm alles, womit wir aneinandergeraten, so viele XP einbringen, dass er mindestens ein Level aufsteigen muss.
„Dann los", sagte Hagrid und führte sie über das Schulgelände. Hogwarts sieht wirklich gruselig aus in der Nacht, dachte Milo. Ein bisschen wie Thamiors Burg. Milo bekam ein bisschen Heimweh; Thamior war durch und durch böse, natürlich, aber nachdem Milo und seine Gruppe ihn schon so oft besiegt hatten, gehörte er praktisch zur Famillie. „Damit das klar ist: Wenn was passiert - irgendwas -, schickt rote Funken aus und rennt weg, hört ihr?"
Harry und Ron nickten stumm. Milo würde die roten Funken mit einem Tanzende-Lichter-Zaubereinigermaßennachahmen können.
„U-und haltet eu-euere Augen o-o-o-offen", sagte Quirrell. „U-und bleibt d-dicht zusammen."
Ein leichter Wind ließ die kalte Nachtluft durch ihre Schuluniformen dringen und Milo packte einen warmen Schal und Wollhandschuhe (fingerlos, damit sie nicht seine Zaubergesten stören würden) aus seinem Gürtel der Versteckten Taschen aus.
„Gut. Ich nehm' Harry und Fang, Quirrell kann Milo mitnehmen", sagte Hagrid, als sie den Waldrand erreichten.
„Was, wir teilen uns auf?", fragte Harry.
„Damit hatten wir schon einmal schlechte Erfahrungen", fügte Milo hinzu.
„Ist der beste Weg zu finden, was wir suchen", sagte Hagrid. „Mit 'ner zu großen Gruppe verscheuchen wir's nur. Denkt dran: Gibt es Schwierigkeiten, dann schickt Funken aus."
„Na dann, Harry", sagte Milo. „Wir sehen uns später wieder, ok?"
„Natürlich. Mach dir keine Sorgen, es wird schon nichts passieren", sagte Harry. Milo wunderte sich: Versuchte Harry gerade, ihn zu beruhigen?
„Weißt du, Harry, ich denke, dass du eines Tages - wenn du ein paar Level weiter bist und ein paar Magische Gegenstände hast - so ziemlich der Held sein wirst. Viel Glück."
Die zwei Gruppen trennten sich und betraten den Wald.
„So, nach was genau suchen wir, Professor?" fragte Milo Quirrell.
„Das wissen wir noch nicht sicher", sagte Quirrell. „Etwas, das die Einhörner angreift - nahezu sicher eine Art Tier. Halte Ausschau nach Einhornblut; man erkennt es leicht an der silbernen Farbe."
Wieder hatte Milo das nagende Gefühl, dass ihm ein Fertigkeitswurf misslungen sei. Quirrell hielt seinen Zauberstab bereit. Es fühlte sich an, als ob sie schon seit Stunden liefen, aber Milo bezweifelte, dass es mehr als eine halbe Stunde gewesen war.
„Ich wette, so etwas ist ein alter Hut für Sie, oder?", fragte Milo, der etwas nervös war. „Sie gehen wahrscheinlich alle zwei Wochen in den Wald und kämpfen gegen Monster und so?"
„Nein, das ist Hagrids Aufgabe. Ich war erst zweimal so tief im Wald", sagte Quirrell.
„Oh. Gut."
„Warte, leise - ich glaube, ich habe etwas gehört", sagte Quirrell. „Versteck dich am besten hinter diesem Baum, ich werde mal genauer nachsehen. Bleib einfach unten."
Bevor Milo etwas einwenden konnte, verließ Quirrell den Weg, den Zauberstab wie eine Waffe vor sich - was er, wie Milo annahm, auch war. Milo zuckte mit den Schultern und duckte sich hinter einen Baum, der mit weichem Moos bedeckt war. Er hörte ein Rascheln in der Dunkelheit und überlegte, ob er Tanzende Lichter heraufbeschwören sollte, um zu sehen, was das war. Schließlich entschied er sich dagegen, weil das Licht zwar irgendein sich anschleichendes Monster sichtbar machen könnte, aber auf jeden Fall die Lebewesen aus dem ganzen Wald zu ihm locken würde.
Dann hörte er wieder ein Rascheln, diesmal näher. Ok, es schleicht sich tatsächlich etwas an mich heran. Er bewegte sich, um leise aufzustehen, stellte aber zu seinem Erstaunen fest, dass er nicht dazu in der Lage war. Er schien am Baum festzukleben.
„Was zum oh, ekelhaft." Das, was er für Moos gehalten hatte, stellte sich als Spinnweben heraus. Er versuchte sich freizukämpfen, aber es war sinnlos - er klebte fest.
„Schutz vor Bösem, Spiegelbilder, Unsichtbarkeit", zauberte Milo, ohne Luft zu holen. Er verschwand sofort, aber fünf Illusionen, die ihm haargenau glichen, blieben. Das klassische Hütchenspiel - keiner der sichtbaren Milos war der richtige. Er hoffte, dass er nicht einfach nur überreagierte, denn er hatte gerade den Großteil seines Vorrats an Zaubern verbraucht.
Er fühlte sich in seiner Vorsicht bestätigt, als einer seiner Doppelgänger plötzlich von einem schattenhaften Wesen in Stücke gerissen wurde. Das kurze Gefühl der Zufriedenheit, das er über seinen Umgang mit der Situation verspürt hatte, verschwand jedoch, als ihm klar wurde, dass er, Illusionen beiseite, an einem Baum festklebte und von einem Monster angegriffen wurde, das er nicht sehen konnte.
„Tanzende Lichter", zauberte er und sendete vier rote Lichtkugeln über sich in den Himmel. Als sie nach oben stiegen, waren in ihrem roten Licht für kurze Zeit schreckliche Facettenaugen und scharfe Beißwerkzeuge zu sehen.
Super, dachte er. Riesenspinnen. Sein Unsichtbarkeitszauber würde sich aufheben, sobald er eine von ihnen angriff - und auch, sobald er irgendeinen Zauber verwendete, der die Spinnen in seinen Wirkungsbereich einschloss. Das sprach gegen Glitzerstaub und Schmieren, Milos Lieblingszauber, aber nicht gegen eine kreative Anwendung von Schweben. Mit diesem Zauber konnte er sich selbst oder bis zu 500 Pfund schwere Gegenstände horizontal in die Luft heben, aber dabei nicht seitwärts bewegen. Hauptsächlich wurde er von Zauberern zur Flucht genutzt, doch Milo bezweifelte, dass er ihn aus den Spinnweben befreien konnte.
„Schweben", sagten er und alle seine Doppelgänger. Ein umgestürzter Baumstamm in Milos Nähe schwebte langsam ein oder zwei Fuß in die Höhe. Erneut fiel ein Spiegelbild-Milo einer Spinnenattacke zum Opfer und Milo begann zu schwitzen. Sich selbst zu sehen, wie man in trübem roten Licht von einer Spinne gefressen wird, während man ganz alleine in einem Wald festsitzt, ist wahrscheinlich eine der schlimmsten Erfahrungen, die ein Kind durchmachen kann (außer einem Zahnarztbesuch natürlich). Milo griff vorsichtig mit der rechten Hand (die linke hing in den Spinnweben fest) in seinen Gürtel der Versteckten Taschen und zog ein altes Stück Abenteurer-Ausrüstung hervor - ein fünfzig Fuß langes Seil mit einer Art Enterhaken. Das Seil war unsichtbar, aber würde sichtbar werden, wenn es weiter als zehn Fuß von Milo entfernt war - und der Baumstamm war ungefähr zwölf Fuß weit weg. Hoffentlich würde(n?) die Spinne(n?) es nicht bemerken, wenn ein zwei Fuß langes Stück Seil aus dem Nichts auftauchte. Er warf das Seil unbeholfen in Richtung des Baumstammes - und verfehlte ihn. Milo bemerkte, dass ein weiterer Spiegelbild-Milo, der vermutlich von dem unsichtbaren Angreifer getroffen worden war, seine Existenz aushauchte.
Milo sah den Enterhaken nutzlos im Schlamm liegen und wurde leicht panisch. Sollte nicht Hilfe kommen?, dachte er. Die glühenden Lichter schweben über mir und alles. Ich wünschte, ich hätte diesen Morgen Magierhand vorbereitet. Sein Plan war es gewesen, den Baustamm in die Höhe zu befördern, ihn mit dem Enterhaken über die riesige Spinne zu ziehen und dann fallen zu lassen. Er bezweifelte, dass er die Zeit haben würde, den Haken zurückzuziehen und erneut zu werfen. Naja, da ist nichts zu machen.
„Es bringt nichts, wenn wir beide sterben, Mordy", flüsterte er seinem Vertrauten zu, als er ihn aus seinem Gürtel zog. „Renn zurück nach Hogwarts und schau, ob Hermine oder Hannah dich als Vertrauten haben wollen. Viel Glück, alter Freund."
Angst. Verzweiflung. Widerwille, spürte er durch ihre telepathische Verbindung. Mordenkainen verließ widerwillig Milos Hand und drehte sich noch einmal kurz um. Liebe, spürte er, bevor das magische Wesen davonlief.
„GLITZERSTAUB", brüllte Milo. Die Spinne, jetzt mit leuchtendem Staub bedeckt, war riesig. Die Beine eingeschlossen war sie mindestens fünfzehn Fuß breit. Der Spruch hatte sie geblendet, aber das würde nur fünfundzwanzig Sekunden anhalten. Außerdem war er nicht mehr unsichtbar und steckte immer noch fest. Er beschloss, zu versuchen, ob er die Spinnweben mit Zaubertrick wegbrennen konnte - es könnte passieren, dass er selber auch anzündete, aber er würde wenigstens freikommen.
„Zaubertrick", sagte er und eine Stichflamme schoss aus seiner Hand auf den Baum zu... aber nichts geschah. Milo war verwirrt, er war sicher gewesen, dass es funktionieren würde. (Milos einzige Erfahrung mit Spinnennetzen war der Spinnennetz-Zauber, den sein Erzfeind Thamior oft verwendete und dessen Netze etwas völlig anderes waren als echte Spinnenseide. Magische Spinnennetze brennen schnell, wenn sie mit Feuer in Berührung kommen - echte Spinnenseide ist feuerfest, was Milo gewusst hätte, wenn er Fertigkeitspunkte in Wissen (Natur) investiert hätte.)
Nur noch achtzehn Sekunden. Die Spinne schlug unbeholfen um sich und erwischte einen von Milos Doppelgängern mit einem ihrer acht haarigen Beine. Der Doppelgänger flimmerte und verschwand. Alles, was Milo noch hatte, war Stilles Trugbild, Federfall, Schmieren und ein paar eher unnütze Zauber.
„Schmieren", zauberte er und zielte dabei auf den Boden unter der Spinne. Die geblendete Spinne ruderte mit den Beinen und versuchte, auf dem rutschigen Boden Halt zu finden, während ihre Beißzangen ein beunruhigendes, klickendes Geräusch von sich gaben. Sie schaffte es jedoch, ihr Gleichgewicht zu halten - Milo hatte vergessen, dass Wesen mit zusätzlichen Beinen einen Stabilitätsbonus erhielten. Er hatte das Gefühl, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre, den Zauber auf sich selbst anzuwenden, falls die Spinne versuchte, ihn aufzuheben. Oh gut, noch zwölf Sekunden zu leben. Milo runzelte nachdenklich die Stirn. Eine Auswirkung von Schmieren war, dass der, der sich auf der rutschigen Oberfläche befand, einen Balancierwurf machen musste, um stehen bleiben zu können, und eine Auswirkung von Balancieren war, dass man, wenn man einen Schaden erlitt, den Wurf wiederholen musste oder hinfiel. Die Größe des Schadens war dabei unwichtig.
Milo grinste.
„Säurespritzer", zauberte er und eine mitleiderregende kleine Säurekugel traf die Spinne dort, wo sich ihr Gesicht befunden hätte, wenn sie denn eins gehabt hätte. Säurespritzer war einer der sinnlosesten Zauber, die es gab - er tat dem Gegner weniger weh, als wenn man ihn einfach nur schlug oder einen Stein nach ihm warf - aber Milo erhielt, als Beschwörer, einen zusätzlichen Beschwörungszauber pro Level, und Säurespritzer war der einzige im ganzen Multiversum existierende 0.-Level-Beschwörungszauber. Milo hatte keine andere Wahl, als ihn jeden Morgen vorzubereiten.
Die Spinne fiel hin und Milo hatte noch sechs Sekunden, bis Glitzerstaub seine Wirkung verlieren und die Spinne wieder sehen können würde. Milo machte eine Geste in Richtung des Schwebenden Baumstammes, der sich immer noch knapp über dem Boden in der Luft befand, und er flog hoch in die Baumwipfel.
„Hey, du hässliches Viech", sagte Milo und langte in seinen Gürtel. „Fürchte mich, denn ich besitze die mächtige, unheimliche Kraft eines elf Fuß langen Holzstabes!"
Er stieß die hingefallene Spinne leicht an und sie schlitterte (leicht bergab) den Geschmierten Boden entlang, bis sie in der leichten Senke zum Stehen kam, in der sich vorher der Baumstamm befunden hatte.
Die Sehkraft der Spinne kehrte zurück, und als Glitzerstaub endete, war sie kaum noch zu erkennen. Der dunkelbraune Hautpanzer verschmolz mit der Dunkelheit.
Milo hob Schweben auf.
Er konnte nicht sehen, was passierte, aber spürte eindeutig die 600 XP, die er dafür erhielt, dass er alleine eine Riesenspinne der Herausforderungsgröße 2 besiegt hatte. Milo seufzte. ER war leicht enttäuscht, da er gedacht hatte, die Spinne wäre viel mehr Erfahrungspunkte wert. Naja, ich denke die Spinnen hier sind leicht zu erledigen im Vergleich zu denen bei mir zuhause, dachte er.
Als Quirrell, Hagrid und Harry ihn fanden, pfiff er, an einem Baum klebend, leise vor sich hin.
„Milo!", rief Harry voller Panik. „Geht es dir gut?"
„Ja, alles in bester Ordnung", sagte er, obwohl er sich in Wahrheit ein wenig benommen fühlte.
„Du hast's geschafft, 'ne Acromantula zu töten?", fragte Hagrid fassungslos. „Aragog wird das nicht gefallen. Wir sollten am besten heimgehn."
„Wieso habt ihr so lange gebraucht?", fragte Milo mit einem leicht wirren Gefühl im Kopf, als Hagrid ihn aus den Spinnweben befreite.
„Wir haben Quirrell getroffen, der war ganz schön aufgeregt, er meinte, wir müssten dir helfen - aber wir wurden von Zentauren aufgehalten. Diese Sterngucker hatten irgendwie was gegen unseren Verteidigungslehrer."
Quirrell schien seinen Mut wieder verloren zu haben und war so blass und zittrig wie immer.
„Zentauren... in einem Wald? Ich dachte, pferdeähnliche Typen würden freie Ebenen bevorzugen... wegen all dieser... seltsamen... Monster... hier..." Milos Augenlider und sein Kopf wurden schwer. Sein ganzer Körper fühlte sich irgendwie taub an.
„Hagrid? Ich glaube, mit Milo stimmt etwas nicht", sagte Harry zu dem Riesen.
„Was? Ich kann nichts sehn in dieser verdammten Dunkelheit. Professor, könnten Sie...?" „N-natürlich, H-H-H-Hagrid", stammelte Quirrell. „L-Lumos."
Quirrell hielt die Spitzte seines leuchtenden Zauberstabes über Milo, damit Hagrid ihn genauer untersuchen konnte. Es war in dem schwachen Licht und bei Milos schwarzer Uniform schwer, etwas genau zu erkennen, aber da war ein Fleck, der etwas dunkler aussah als der Rest.
„Oh nein." Hagrid schnappte nach Luft. „Er wurde gebissen."
Milo runzelte die Stirn. Er konnte sich überhaupt nicht erinnern, dass so etwas passiert wäre. Eigentlich war er sich absolut sicher, dass die Acromantula ihm nicht einmal nahe genug gekommen war, ihn zu beißen.
„Nein, das haarige Viech hat mich nie berührt", sagte Milo.
„D-das Gift verwirrt s-seine Gedanken", sagte Quirrell. „Ich f-f-fühle mich furchtbar, ich w-war für ihn v-v-verantwortlich."
„Sie stottern", sagte Milo. Etwas nagte an ihm, aber sein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt.
„I-ich st-st-stottere immer", stotterte Quirrell.
„Wir müssen ihn zurück ins Schloss bringen", sagte Hagrid. „Acromantulagift kann tödlich sein."
„Gift?", fragte Milo und langte nach seinem Gürtel. Er hatte ein Gegengift in einer der Taschen... in welcher? Es schien ihm, als müsste das wichtig sein, aber er hatte Mühe, sich zu konzentrieren.
„I-ich gehe mit ihm", sagte Quirrell. „Du k-k-kannst weitersuchen."
„Gut. Harry, du gehst besser mit den beiden mit", sagte der Riese zum Jungen, der überlebte.
„Aber dann wärst du ja alleine hier draußen", protestierte Harry. „Bist du sicher, dass das nicht zu gefährlich ist?" „Ja, ich hab doch Fang. Mach dir keine Sorgen um mich."
„Wingardium Leviosa", wendete Quirrell den Schwebezauber auf Milo an, der das Bewusstsein zu verlieren begann. Quirrell führte Harry durch den Wald zurück in Richtung des Schlosses.
„Sollten wir uns nicht beeilen, Professor?", fragte Harry besorgt. „Milo scheint es wirklich schlecht zu gehen."
Quirrell schüttelte seinen Kopf.
„N-nicht in einem W-Wald", sagte er, „und s-sicher n-nicht in einem W-Wald im D-D-Dunkeln. W-wir könnten auf a-alles M-Mögliche t-treffen, und d-dann würden wir n-noch länger brauchen."
Harry vermutete, dass Quirrell damit nicht ganz Unrecht hatte, aber ihr gemächliches Tempo kam ihm quälend langsam vor.
Harry, den der Wald einschüchterte, hielt sich immer näher an Quirrell, während sie liefen. Der Verteidigungslehrer hatte wenig Rückgrat, aber er schien ziemlich gut mit Magie umgehen zu können - und er war immerhin einmal Vampiren entgegengetreten. Allerdings begann Harrys Narbe plötzlich wehzutun, als er sich dem Lehrer näherte. Er krümmte sich und fasste sich an die Stirn. Als er seine Hand wieder senkte, klebte Blut daran.
„All-alles in O-Ordnung mit dir, Junge?", fragte Quirrell.
„Uh", sagte Harry, als der Schmerz langsam nachließ. „Ja... ja, mir geht es gut. Es ist nichts. Nur... meine Narbe tut manchmal weh, normalerweise in Snapes Nähe."
„D-die Narbe - d-du hast s-sie doch vom D-d-d-dunklen - von i-i-ihm, dessen Name nicht genannt werden darf?"
„Ja, Professor. So wurde mir das jedenfalls gesagt."
Quirrell runzelte die Stirn.
„D-dann würde ich v-v-vorschlagen, dass du in der Nähe des M-M-Meisters der Zaubertränke wachsam b-bist", sagte er. „E-er war früher ein T-T-T-Todesser, h-habe ich gehört. U-und diese St-St-Strafarbeit war s-seine Idee."
Harry war überrascht. Er mochte Snape nicht, aber es war ihm nicht klar gewesen, dass der Lehrer einer von Voldemorts Anhängern gewesen war. Vielleicht wollte er ja versuchen, zu Ende zu bringen, was der dunkle Zauberer begonnen hatte? Vielleicht war es Harry und nicht Milo, der von der riesigen Spinne angegriffen werden sollte. Gut, dass Quirrell da gewesen war.
Als sie weiterliefen, verschlechterte sich Milos Zustand. Er begann zusammenhanglos über seine Taschen und Quirrells Stottern zu faseln, bevor er endgültig das Bewusstsein verlor.
o-o-o-o
Mordy flitzte so schnell er konnte (was, wenn man bedenkt, dass er (mehr oder weniger) eine Ratte war) über den Steinfußboden in Richtung des Gemeinschaftsraums von Gryffindor.
Alles ging gut, bis er auf das Grausame Biest traf. Das Grausame Biest ließ einen wütenden Schrei los, der Mordy noch für Wochen in seinen Träumen verfolgen sollte, und griff an. Mordy versuchte auszuweichen, aber die Katze war zu schnell - ihre Klauen hinterließen eine blutige Wunde auf dem Rücken des Nagers. Es hätte ausgereicht, eine geringere Ratte zu töten, aber Mordy besaß als Vertrauter mehr Trefferpunkte - sie reichten gerade noch. Er besaß halb so viele wie sein Meister, der sich unglücklicherweise bei der Erstellung seines Charakters dazu entschieden hatte, bei Konstitution zu sparen.
Mordy kletterte auf eine Ritterrüstung (eine rostige, die Gryffindors waren noch nicht so weit gekommen), um den furchtbaren Krallen zu entkommen. Er spannte seine Muskeln und sprang auf die nächste Rüstung, wo er gerade noch auf dem Visier des Helms Halt fand. Das Grausame Biest saß währenddessen auf dem Boden und überlegte, was es tun solle. Er sah, wie die Katze ihre Muskeln anspannte, bereit zum Sprung, und Mordenkainen begann sich von Herzen zu wünschen, dass sein Meister das Verbesserter-Vertrauter-Talent gewählt hätte.
Als das Grausame Biest sprang, ließ Mordy das Visier los und landete mit einem schmerzhaften Aufprall auf dem Boden. Der Zusammenstoß mit der Katze brachte die Rüstung zum Umstürzen und ihre Einzelteile verteilten sich auf dem Gang. Mordy wich dem herabstürzenden Metall mit Leichtigkeit aus (Verbessertes Ausweichen konnte nützlich sein) und rannte davon, als die Katze ihr Bewusstsein wiedererlangte. Schrecken, Panik, Verzweiflung, fühlte er durch die empathische Verbindung mit seinem Meister.
Er flitzte um die letzte Ecke vor dem Gemeinschaftsraum und erreichte endlich das Porträt. Das Grausame Biest war ihm knapp auf den Fersen.
„Passwort?", fragte die fette Dame.
„Quiek", sagte Mordenkainen.
„Richtig", sagte das Gemälde und schwang zur Seite. Er schaffte es gerade noch durch den Eingang, bevor das Gemälde zurückschwang. Er konnte deutlich hören, wie das verärgerte Grausame Biest vor Enttäuschung fauchte. In diesem Fauchen lag ein Versprechen von Schmerzen und Tod. Sieg, Zufriedenheit, Triumph, fühlte er durch die Verbindung mit seinem Meister.
Im Gemeinschaftsraum sah er Krätze ein paar Krümel vom Fußboden essen.
„Quiek!", sagte er zu der hässlichen Ratte.
„Quiek?", fragte die Ratte mit dem zu ihr passenden Namen überrascht.
„Quiek, Quiek-Quiek Quiek!", sagte Mordy drängend. Angst, Schmerzen, Benommenheit, spürte er. Wurde er vergiftet? Ist er krank? Mordy konzentrierte sich und versuchte Stärke durch die Verbindung zu senden. Jede Vertrauten-Spezies hatte eine Art besondere Kraft - und Ratten konnten etwas Widerstand gegen Dinge wie Übelkeit an ihren Meister übermitteln, solange sie nicht weiter als eine Meile entfernt waren.
„Quiek", sagte Krätze und machte eine Bewegung, die die Rattenentsprechung zu einem Schulterzucken darstellte. Mordy verpasste Krätze einen ordentlichen Tritt in den Magen und rannte zu den Mädchenschlafsälen. Er musste die mit den hübschen Zähnen finden. Sie war schlau, sie würde verstehen, sie würde helfen. Das Problem war, dass Menschen für ihn alle gleich aussahen.
„Quiek?", sagte er hoffnungsvoll zu einem Mädchen, das aufwachte, Mordy ansah und schrie. Die Falsche, dachte er.
„Da ist eine Ratte in meinem Zimmer!", kreischte sie. „Lavender! Wach auf!" Ein anderes Mädchen wachte auf.
„Was?", fragte Lavender schläfrig. „Ah", kreischte sie. Die anderen Menschen standen aus dem Bett auf, während Mordy alle einzeln betrachtete und versuchte herauszufinden, wer die schönen Zähne hatte. Die Tatsche, dass sie alle schrien, machte es leichter.
„Hey, das ist die Ratte, die Milo ständig mit sich herumschleppt", sagte ein Mädchen (Hannah, falls du es wissen willst, nicht dass Mordy das wusste).
„Was tut die hier drinnen?", fragte Lavender. Milo ließ die Rattenentsprechung zu einem Seufzer los. Das würde nicht passieren, wenn ich eine Maus wäre, dachte er. Jeder liebt Mäuse.
„Quiek!", sagte er drängend.
„Sie sieht irgendwie verzweifelt aus", sagte Lavender. „Warte, blutet sie?"
„Die Ratte sollte bei Milo sein", sagte eine. „Und Milo ist draußen im verbotenen Wald...", sagte sie stirnrunzelnd. „Wir müssen sofort McGonagall finden. Milo könnte in Schwierigkeiten stecken - und diese arme Ratte sieht halb tot aus." Als sie sprach, konnte er ihre Zähne sehen - gute, rattenartige Zähne. Ja, das ist die Richtige, dachte er, als seine Trefferpunkte ins Negative fielen.
o-o-o-o
Das dauert viel zu lange, dachte Harry. Hat sich Quirrell verirrt?
„D-das Waldende sollte gleich hinter den B-Bäumen da vorne sein", versicherte ihm Quirrell. „D-dann s-sind wir auf freier E-Ebene und können schneller l-laufen."
Harry war skeptisch. Er war sich ziemlich sicher, dass sie sich vom Schloss weg bewegten, aber andererseits war er noch nie zuvor in einem Wald gewesen - es war mehr als wahrscheinlich, dass sein Orientierungssinn ihn täuschte. Dennoch meinte er, dass der Rückweg nach Hogwarts eigentlich kürzer sein müsste als der Weg, den sie in den Wald hinein gelaufen waren - auf der Suche nach dem mysteriösen Einhornmörder waren sie viele Umwege gegangen und hatten häufig die Laufrichtung geändert - aber seit sie Hagrid verlassen hatten, war mindestens noch einmal so viel Zeit vergangen.
Harry hielt seinen Zauberstab fest in der Hand, auch wenn das ihm kaum etwas nützen würde. Seine Narbe tat immer noch etwas weh, weshalb er sich fragte, ob Snape in der Nähe war und sich im Unterholz verbarg.
„Hallo?", hörte er eine vertraute Stimme rufen. „Hagrid? Harry? Quirrell? Milo?"
„Schulleiter!", rief Harry. „Wir sind hier drüben!"
Quirrell sah kurz enttäuscht aus, bevor er seine Fassung wiedergewann, wie Harry bemerkte.
„Wartet dort!", rief Dumbledore. Als der großväterliche Mann näherkam, konnte Harry ein glühendes rotes Licht neben ihm sehen. Es sah aus wie Feuer, aber wirkte seltsam beruhigend. Quirrell schirmte seine Augen vor dem hellen Licht ab, aber Harry fühlte sich nicht geblendet.
„Sch-Schulleiter, d-der Junge wurde von einer Acromantula g-gebissen", sagte Quirrell zu Dumbledore, der eine Art roten leuchtenden Vogel auf seiner Schulter sitzen hatte. „E-er hat G-Gift abbekommen."
Dumbledore reagierte schnell.
„Quirrell, bringen Sie Mr. Potter zurück in den Gemeinschaftsraum von Gryffindor. Fawkes", sagte Dumbledore zu dem Vogel, „bring mich und Milo in den Krankenflügel." Eine große rote Flamme erschien und Dumbledore und Harrys Freund verschwanden, wobei sie eine kleine Rauchwolke hinterließen.
„A-angeberisch, a-a-aber wirksam", bemerkte Quirrell.
o-o-o-o
Milo erwachte und starrte auf eine ihm allzu bekannte Zimmerdecke.
„Ich bin wieder im Krankenflügel, oder?", fragte er schwach.
„Es tut mir Leid, aber du hast recht, junger Mann", sagte Madam Pomfrey. „Und versteh' das jetzt nicht falsch, aber es wäre schön, dich einmal für fünf Tage nicht zu sehen."
Milo lachte schwach.
„Wie du vielleicht schon bemerkt hast", fuhr sie fort, „haben wir dir diesmal deinen magischen Gürtel gelassen. Dein... Haustier... ist im Nachbarbett."
Mordenkainen lag auf dem Bett nebenan und war am ganzen Körper bandagiert.
„Was ist mit ihm passiert?", fragte Milo mit besorgter Stimme.
„Er hat versucht, in den Gemeinschaftsraum von Gryffindor zu gelangen, glauben wir, und wurde von Mrs. Norris angegriffen. Er ist beinahe gestorben, aber Hermine hat ihn zum Glück rechtzeitig hierhergebracht. Sein Auftauchen hat Dumbledore dazu gebracht, nach dir zu sehen.
Milo runzelte die Stirn.
„Warum musste ich schon wieder gerettet werden? Ich kann mich nur undeutlich erinnern."
„Du wurdest von einer Acromantula gebissen, einem sehr intelligenten und extrem gefährlichen magischen, spinnenähnlichen Monster. Du hast Glück, noch am Leben zu sein. Das ist die Art von Erlebnis, von der ich eigentlich denken würde, dass man sich daran erinnert", sagte sie. Die Bisswunde war über Nacht fast vollständig geheilt, ungefähr so, wie es nach seiner Ankunft in Hogwarts mit seinen Verletzungen geschehen war. Die Wirkung des Giftes klang jedoch noch etwas nach.
„Nein", sagte Milo. „Ich kann mich sicher nicht daran erinnern. Da war eine Spinne und ich habe einen Baum auf sie fallen lassen, aber sie hat mich nie berührt."
„Dir geht es immer noch nicht wirklich gut und ich bin sicher, dass alles ziemlich schnell passiert ist. Ich würde mir deswegen keine Sorgen machen", sagte sie, während sie über seine Worte nachdachte. Er denkt, dass er einen Baum auf sie fallen lassen hat? Er phantasiert wirklich.
„Wie lange war ich bewusstlos?", fragte er.
„Ungefähr eineinhalb Tage. Wir konnten dich stabilisieren, aber Snape hat bis heute Morgen gebraucht, das Gegenmittel zu brauen", sagte sie. „Er hat die ganze Nacht daran gesessen."
Milo runzelte die Stirn. Das passte alles überhaupt nicht zusammen. Etwas Seltsames war hier im Gange.
