Kapitel 6
Ermittlungen am Tatort
Im Laufe des Tages kamen einige Gryffindors Milo im Krankenflügel besuchen. Anscheinend hatte sich sein Zusammenstoß mit der Acromantula herumgesprochen und die Gerüchte waren schnell außer Kontrolle geraten.
„Wir haben gehört, du hättest gegen eine Horde Riesenspinnen gekämpft -", sagte einer der Weasley-Zwillinge (Milo beschloss, ihn der Einfachheit halber George zu nennen).
„- und eine wunderschöne Einhornprinzessin gerettet -", sagte Fred (vielleicht).
„- was ungewöhnlich ist, weil Einhörner dazu neigen, männlich zu sein -"
„- und Professor Quirrell gerettet -"
„- während dich das Spinnengift immer mehr geschwächt hat -"
„- dass du Du-weißt-schon-wen besiegt hast -"
„- König der Kobolde geworden bist -"
„- einen Stein der Weisen gefunden hast -"
„- also kannst du jetzt ewig leben -"
„- dass du eine dreizehnte Anwendungsmöglichkeit für Drachenblut entdeckt hast -"
„- und dass du noch Single bist -"
„- aber vielleicht nicht für lange, wenn man bedenkt, wie schnell sich diese Geschichten verbreiten."
Der Unterhaltung zu folgen war etwas verwirrend, aber irgendwie auch unterhaltsam. Hannah und Lavender kamen vorbei und brachten Süßigkeiten mit, und Lavender entschuldigte sich für ihr Verhalten während der Strafarbeiten. Milo wusste die Geste zu schätzen, war aber magischen Süßigkeiten gegenüber allgemein etwas misstrauisch eingestellt - er erinnerte sich daran, wie im Hogwarts-Express Harrys Schokofrösche zu fliehen versucht hatten (Milo erschauderte beim Gedanken an diese mechanischen Missgestalten) und an die unangenehmeren Geschmacksrichtungen von Bertie Botts Bohnen.
Hermine brachte ihm natürlich die Notizen von den Stunden, die er verpasst hatte, (Milo kopierte sie alle mit Amanuensis (einem obskuren 0.-Level-Zauber, der Texte blitzschnell kopiert) in ein Notizbuch und las sie dann mit Scholar's Touch (einem unbezahlbar guten 1.-Level-Zauber, mit dem man ein ganzes Buch (und nicht, sagen wir, einen Stapel loser Blätter) in wenigen Sekunden lesen kann)).
Ron kam und entschuldigte sich etwas verlegen dafür, dass er nicht mit ihm und Harry in den Wald gekommen war, aber sagte, dass es so wirklich besser gewesen sei, weil man ihn in der Nähe von Spinnen überhaupt nicht gebrauchen könne und er wahrscheinlich nur im Weg gestanden wäre. Milo vergab ihm und sie spielten eine Partie Zauberschach, was wie normales Schach funktionierte, außer dass die Spielfiguren anscheinend lebendig waren und denken konnten. Es verändert ein Spiel wirklich, wenn du, statt einfach einen Turm zu opfern, einen müden alten Holzsoldaten ins Verderben schickst, der um sein Leben bettelt, damit er zu seiner Familie zurückkehren kann (er hatte schließlich ein paar Bauern, für die er sorgen musste), aber dennoch seinem Schicksal ergeben ist. Ron gewann natürlich, weil sich Milo nicht erinnerte, jemals Schach gespielt zu haben. Er kannte seltsamerweise die Regeln, aber konnte sich an keine tatsächliche Schachpartie erinnern - wahrscheinlich, weil er immer noch mit keinem Teil seiner Hintergrundgeschichte verbunden war, den er vor seinem Auftauchen in dieser Welt noch nicht explizit erwähnt hatte.
Während er sich von seinem Attributswertschaden erholte, versuchte Milo das Rätsel des Spinnenbisses zu lösen. Er hatte ohne Zweifel eine übel aussehende, von einem Giftzahn verursachte Wunde. Dennoch war sich Milo völlig sicher, dass er nicht gebissen worden war. Selbst wenn die Spinne es versucht hatte, hatte Milo ja noch Magierrüstung und Schutz vor Bösem gehabt, was seine Rüstungsklasse um +6 verbesserte, wenn man annahm, dass die Spinne böse war (und das war sie absolut). Es war unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich, dass die Spinne ihn mit einem Angriff erwischt hatte. Aber weil sie geblendet und von Milos Magie aus dem Gleichgewicht gebracht worden war, bezweifelte Milo, dass die Spinne eine Chance gehabt hatte - außer wenn sie ihn gebissen hatte, bevor er seinen Angriff begonnen hatte. Aber das war unmöglich, weil Milo unsichtbar gewesen war und außerdem auch noch Illusionen von sich heraufbeschworen hatte...
Er runzelte die Stirn. Nein, es kann wirklich nicht passiert sein, bevor ich wieder sichtbar geworden bin, und wahrscheinlich auch nicht, während die Spinne geblendet war. Milo konnte anhand der Anzahl der Spiegelbilder, die sie zerstört hatte, und der Anzahl seiner angewendeten Zauber genau sagen, was in dieser Zeit passiert war.
Das passt alles überhaupt nicht zusammen.
Und dann war da noch die Sache mit Snape. Wenn Snape versucht hatte, ihn umzubringen, warum braute er dann ein Gegengift? War es in Wahrheit irgendein furchtbares, langsam wirkendes Gift, dass Milo im Lauf einiger Wochen töten würde, damit es natürlich aussah? Aber wozu die Mühe - er hätte Milo einfach am Acromantulagift sterben lassen können.
Nein, es war eindeutig noch jemand anderes in diese Sache verwickelt. Snape war böse, das stand fest, aber er versuchte nicht, Milo umzubringen. Er hatte vielleicht noch nicht einmal bemerkt, dass Milo eine Bedrohung für ihn darstellte.
„Hey", sagte Harry und riss ihn aus seinen Gedanken. Milo hatte gar nicht bemerkt, dass der Junge den Raum betreten hatte. „Tut mir Leid, dass ich nicht früher gekommen bin, wir hatten Flugstunde - und es ist herausgekommen, dass ich ziemlich gut fliegen kann! Ich habe keine Ahnung warum, in Sport war ich immer ziemlich schlecht - ach so und Draco muss wegen der Sache im Zug noch ganz schön wütend sein, er hat sich nämlich Nevs Erinnermich geschnappt (der Arme ist gerade aus St. Mungo entlassen worden) und ist damit abgehauen. Jedenfalls habe ich es zurückgeholt, aber McGonagall hat es gesehen und weißt du was - ich bin in der Quidditchmannschaft!"
„Wie, die Sportart mit sechs sinnlosen Spielern und einem PC?", fragte Milo.
„Ja! Und ich bin der Sucher!", sagte Harry fröhlich. „Hermine regt sich auf, weil es gegen die Regeln ist und sie denkt, dass McGonagall keine Ausnahme hätte machen sollen, aber Ron ist begeistert."
„Das ist ziemlich cool. Ich wette, du fängst den Schnatz - wirklich. Zehn Goldstücke - Galleonen, was auch immer -, dass du das erste Spiel gewinnst, und zwar ganz knapp."
„Ok, aber ich kann dir, falls ich verliere, die Galleonen wahrscheinlich nicht sofort geben. Mein ganzes Geld ist in Gringotts", sagte Harry.
„Oh?", fragte Milo. „Was ist Gringotts?"
„Diese riesigen Hallen unter der Erde, voller Drachen und von Kobolden geführt", sagte Harry. „Ich war einmal dort, es war ehrlich gesagt irgendwie unheimlich." Als er das hörte, spitzte Milo im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren (er war zu einem Vierundsechzigtel ein Elf).
„Goblins haben euer Gold, was?", fragte er. „Das ist gut zu wissen! Ich schätze, da kommt irgendwann ein Dungeon Crawl auf uns zu!", sagte er begeistert.
„Was ist ein Dungeon Crawl? Ist das eine Art Tanz? Es ist nur so, ich habe noch nie in meinem Leben getanzt", sagte Harry.
„Was? Nein. Man geht in riesige Hallen unter der Erde, voller Drachen und von Goblins geführt, und kommt mit einem Haufen Gold wieder zurück", erklärte Milo.
„Oh, das habe ich schon gemacht", sagte Harry. „Ich habe aber das meiste Gold für später da gelassen."
„Du - du hast was gemacht? Ich denke, du hast das Prinzip nicht wirklich verstanden."
„Naja, ich war mit Hagrid dort und er hat mich nicht mehr mitnehmen lassen -"
„Oh, das klingt logisch. Er hat ein höheres Level, wahrscheinlich hat er die ganze Arbeit erledigt. Aber versuche das nächste Mal trotzdem zu erreichen, dass ihr die Beute halbe-halbe aufteilt. Wenn du es richtig anstellst, hast du hinterher ein viel größeres WBL", sagte Milo.
„Ein größeres was?", fragte Harry.
„Wealth By Level", sagte Milo. „Das ist die durchschnittliche Geldmenge - Bargeld, Magische Gegenstände, Festungen -, die jemand aufgrund seines Levels hat. Deshalb kann ein mächtiger Magier einen Fliegenden Besen zum Kehren benutzen, weil er sich zwölf solche Besen leisten kann, während ein niedrigerer Magier nicht einmal einen einzigen hat."
„Oh", sagte Harry. „Hier nennen wir das einfach Kapitalismus."
„Seltsam. Was ist eigentlich mit diesem Hagrid?"
„Oh, er ist ein Riese, er ist mein Freund - er hat mich von den Dursleys weggeholt - und wohnt in einer Hütte neben dem Schloss. Er kümmert sich um das Hogwartsgelände und so. Er hat mir sogar einen Brief geschrieben, in dem er mich einlädt, ihn zu besuchen", sagte Harry. „Ich denke, ich gehe später noch zu ihm."
„Gut. Aber sag mal, hast du letzte Nacht etwas Seltsames an Quirrells Stottern bemerkt?", fragte Milo.
„Du meinst vorletzte Nacht?", fragte Harry. Milo nickte, er war ein bisschen durcheinander, weil er den ganzen Tag geschlafen hatte. Harry runzelte die Stirn. „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass er ganz kurz normal geredet hat. Vielleicht hatte er so viel Angst, dass er stark genug gestottert hat, um irgendwie auf der anderen Seite herauszukommen und wieder normal zu sprechen?"
„Ja, vielleicht", sagte Milo. Irgendetwas entging ihm, er war sich sicher. Seine Stirn legte sich in Falten, als er angestrengt nachdachte. „Ok, warte mal. Beschreibe Quirrell und tu dabei so, als hätte ich ihn noch nie gesehen, ok?"
Harry sah ihn an, als wäre er verrückt geworden (Milo hatte sich inzwischen an diesen Blick gewöhnt), aber tat ihm den Gefallen. Quirrell: stotterte (eins), trug einen seltsamen Turban (zwei), hatte überhaupt kein Rückgrat (drei), aber konnte sich anscheinend zusammenreißen und Mut zeigen, wenn es nötig war (vier), und verströmte Knoblauchgeruch (fünf).
„Oh mein Gott", sagte Milo. „Wie konnte ich nur so blöd sein?"
„Was denn?", fragte Harry.
„Fünf Adjektive! Niemand bekommt so viele, wenn man ihn gerade erst kennengelernt hat!"
„Was?", fragte Harry.
„Es ist genauso wie im Zug, erinnerst du dich? Als ich dir gesagt habe, dass du alles aufschreiben sollt, was mit mehr als zwei Adjektiven beschrieben werden kann? Deshalb erleben wir Abenteuer mit Ron und nicht mit Dean und Seamus. Je einzigartiger eine Person ist, desto wichtiger ist sie."
„Und was heißt das jetzt?", fragte Harry. Er hatte langsam das Gefühl, dass Milos geistige Gesundheit Quirrells Stottern ähnelte: Er hatte so verrückte Gedanken, dass er wieder auf der anderen Seite herauskam und etwas Sinnvolles sagte. Naja, jedenfalls so ungefähr.
„Das heißt, dass Quirrell wichtig ist, aber wir können noch nicht genau sagen, auf wessen Seite er steht. Ich habe das Gefühl, da wäre etwas, an das ich mich erinnern sollte, aber ich komme einfach nicht darauf."
„Wie bei deinen Eltern?", fragte Harry.
„Nein, eher wie etwas, das jemand im Vorübergehen gesagt hat und das ich mir nicht aufgeschrieben habe. Kann ich deine Notizen sehen?", fragte Milo.
„Wie, meinst du die von Kräuterkunde?"
„Nein, nicht die. Die Abenteuernotizen."
„Oh, sicher", sagte Harry und zog die Listen, die Milo ihn hatte schreiben lassen, aus seiner Tasche. Es gab eine Liste mysteriöser Dinge, die Leute gesagt hatten, eine mit noch unerklärten Ereignissen und eine mit wichtigen Charakteren. Milo zeigte mit einiger Zufriedenheit auf den Punkt Quidditch: Sucher ist Position für PCs, aber davon abgesehen war die Suche fruchtlos.
„Oh, naja. Einen Versuch war es wert. Vielleicht hören wir irgendwann etwas, das all das hier erklärt", seufzte Milo. „Bis dahin müssen wir einfach weiter gut zuhören."
Der nächste Besucher kam eher unerwartet.
„Also so treffen wir uns wieder, Malfoy", sagte Milo mit kühler Stimme.
„Tatsächlich", sagte Malfoy höhnisch. „Ich wollte nur sehen, ob du so schwach, verletzt, hilflos und allein bist, wie die anderen sagen."
„Oh, drohst du mir? Wirklich? So weit ich weiß, bist du noch nie gut weggekommen, wenn wir aufeinandergetroffen sind, Slytherin."
„Nein, keine Drohung, nein, überhaupt nicht", sagte Malfoy und grinste. „Ich dachte nur, ich schau mal vorbei, wünsche dir Gute Besserung und sage dir, dass ich weiß, was du vorhast."
„Was ich - ich meine, du weißt gar nichts. Dummkopf", sagte Milo, doch seine Gedanken rasten. Was hatte Milo vor? Nicht wirklich viel. Nur irgendwie von Gefecht zu Gefecht stolpern, jedenfalls bis jetzt; sich mithilfe von Magie durchboxen. Aber tatsächliche Pläne? Eher nicht so.
„Und, noch wichtiger, mein Vater weiß Bescheid", sagte Malfoy. „Und mein Vater kontrolliert den Zaubergamot." Malfoy grinste. „Ich würde an deiner Stelle morgen die Zeitung ganz genau lesen." Er wollte schon gehen, aber hielt noch kurz inne. „Glücklicherweise", fügte er hinzu, „bin ich nicht du." Dann ging er leise vor sich hin pfeifend zur Tür hinaus.
„Ok, das war mysteriös", grübelte Milo vor sich hin. „Vielleicht sollte ich herausfinden, was zum Baator hier überhaupt Sache ist, bevor ich wieder aus dem Krankenflügel raus bin."
Dafür musste er in die Bibliothek gehen. Und dafür musste er dieses verfluchte Krankenhausbett verlassen - aber das würde nicht geschehen, bis er sich nicht zu Madam Pomfreys Zufriedenheit erholt hatte.
„Neuer Plan", sagte er. „Die Bibliothek muss zu mir kommen."
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Was will er tun?", fragte McGonagall.
„Er will sich die halbe Bibliothek ausleihen", sagte Madam Pince, die Bibliothekarin, ruhig. „Er meinte, dass er den Anschluss nicht verlieren will und einfach mit A beginnen wird, um sich dann bis Z durchzuarbeiten."
„Haben wir keine Regeln, die das verbieten?", fragte McGonagall.
„Nun, ehrlich gesagt ist so etwas noch nie vorgekommen", sagte die Bibliothekarin. „Vor Hermine Granger hat nie jemand mehr als ein oder zwei Bücher gleichzeitig ausgeliehen. Die meisten Schüler lesen nur, wenn ihnen absolut keine andere Möglichkeit bleibt, und selbst dann sind das normalerweise nur die Ravenclaws."
„Nun... ich habe das Gefühl, wir haben keine andere Wahl, als es ihm zu erlauben. Natürlich darf er keine Bücher aus der Verbotenen Abteilung ausleihen", sagte McGonagall. „Damit wir die Schüler nicht durch dieses Beispiel zum Brechen der Regeln ermutigen. Ich schätze, ich werde dir ein paar Gryffindor-Erstklässler bereitstellen, damit sie dir helfen, die Bücher zu transportieren. Aber dann schuldest du mir einen Gefallen, Irma."
Die Lehrer hatten begonnen, Gryffindors Nacharbeitsstunden als Grundlage für ein Tauschsystem zu verwenden. Snape hatte die Stunden zum Spitzenpreis verkauft, hauptsächlich, um um seine regelmäßigen Aufsichtsrundgänge durch Hogwarts Korridore herumzukommen und sich nicht mit Peeves herumschlagen zu müssen. Sie wurden dann unter den Lehrern weiterverkauft, im Tausch gegen einen Gefallen, Unterstützung bei irgendetwas oder manchmal sogar gegen Geld (der geltende Preis war drei Knut pro Stunde pro Schüler, was weit unter dem lag, was der Mindestlohn wäre, wenn es in der Zaubererwelt einen Mindestlohn gäbe). Die Schüler wussten natürlich nichts von all dem.
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Scholar's Touch", zauberte Milo und tippte eine Handvoll Bücher an. Pro Zauber konnte er vier Bücher lesen und den Zauber konnte er neun Mal verwenden. Mordys Kopf schoss nach oben, als auch sein Gehirn von Informationen durchflutet wurde. Milo warf die Bücher auf einen schnell wachsenden Schon-Gelesen-Haufen und griff nach den obersten vier Büchern des Zu-Lesen-Haufens, der weniger ein Haufen sondern eher ein kleiner Berg war. „Scholar's Touch, Scholar's Touch, Scholar's Touch, Scholar's Touch..."
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Am nächsten Morgen durfte Milo endlich den Krankenflügel verlassen. Er hatte die Anweisung erhalten, sich nicht zu überanstrengen und übermäßigen Stress zu vermeiden. Deshalb war er von der zermürbenden Arbeit befreit, zu der die Gryffindors von den Lehrern wegen der Strafarbeitsstunden gezwungen wurden. Er lief, immer noch etwas vorsichtig, zum Frühstück in die Große Halle und stieß dramatisch die massive Doppeltür auf. Als er eintrat, achtete er darauf, einen übertrieben unsicheren und schwachen Gang vorzutäuschen. Er war mit voller Absicht einige Minuten zu spät dran, um sicherzustellen, dass der riesige Raum mehr oder weniger voll war, was ihm erlaubte, einen möglichst großen Eindruck zu hinterlassen.
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Die Unterhaltungen in der Halle klangen zu einem leisen Gemurmel ab, als er geräuschlos zum Gryffindortisch lief und sich zwischen Hannah und Ron setzte.
„Hey", sagte er beiläufig. „Habe ich was verpasst?"
„Netter Auftritt", sagte Ron. „Obwohl ich denke, dass du vergessen hast, irgendeine dramatische Ansage zu machen, wie ‚dieser Drache wird uns so schnell keine Probleme mehr machen', oder möglicherweise ‚die Zeit ist gekommen'."
„Kritiker gibt's immer", seufzte Milo.
„Sei nicht unverschämt, Ron", sagte Hannah. „Oder soll ich Lavender rufen, damit sie noch ein kleines Gespräch mit dir führt?"
Ron wurde blass und verstummte. Hermine sprach, wie Milo bemerkte, demonstrativ kein Wort mit Ron. Milo zuckte die Schultern. Mit den Feinheiten sozialer Interaktionen konnte er nichts anfangen und sie schienen ihm größtenteils sowieso keinen besonderen Nutzen zu haben.
„Ihr solltet alle Malfoy im Auge behalten", sagte Milo. „Er führt etwas im Schilde, aber ich weiß noch nicht genau, was."
„Klar, machen wir", sagte Ron, als die Eulenpost ankam. Milo bezweifelte, dass es sehr hygienisch war, wenn jeden Morgen während des Frühstücks eine Schar von Eulen in die Halle hineinflog, aber weil er sowieso immer von seinen vollkommen sterilen Unerschöpflichen Essensrationen aß, sagte er nichts. Aber trotzdem, Eulen? Ernsthaft?
Harry bekam ein besonders großes Päckchen, das von sechs Eulen gemeinsam getragen wurde. „Oh, das erinnert mich an etwas", sagte er zu den Gryffindors. „Hat jemand eine Ausgabe des Tagesprofits - Entschuldigung, des Tagespropheten -, die ich mir ausleihen kann?" Sofort wurden ihm lauter Zeitungen entgegengehalten. Milo grinste. Berühmtheit hatte offensichtlich ihre Vorteile. Seine neue Bekanntheit durch den Sieg gegen die Acromantula hatte seine Mitschüler anscheinend vergessen lassen, ihn dafür zu hassen, dass er 110 Hauspunkte verloren hatte.
„Danke", sagte er und schnappte sich eine von irgendeinem NPC.
Er schaute die Titelseite an und ließ die Zeitung vor Überraschung beinahe fallen. Nicht wegen der Schlagzeilen oder überhaupt wegen des Inhalts der Zeitung, sondern deswegen, weil das Titelfoto - ein lächelnder blonder Zauberer, dem eine Medaille verliehen wurde - sich bewegte. Irgendjemand da draußen hielt es für angebracht, dass irgendeine Art Zauber - Milo war sich nicht einmal sicher, was für ein Spruch das sein könnte (vielleicht eine Art Illusion?) - auf jede einzelne dieser Zeitungen angewendet wurde. Oder, mochten die Götter es verhindern, es handelte sich um Magische Gegenstände, für deren Herstellung man Erfahrungspunkte benötigte. Wenn jede Zeitung auch nur einen Erfahrungspunkt kostete... Milo schauderte, als er sich die seelenaussaugende Fabrik vorstellte, die benötigt würde, diese Zeitungen herzustellen, eine Fabrik, in der unzähligen Zauberern der Kern ihrer Macht entzogen wurde, weshalb sie als leere Hüllen ihrer selbst zurückblieben.
Milo schüttelte seinen Kopf, um wieder klar denken zu können, und begann, die Schlagzeilen zu überfliegen. Hintergründe des Einbruchs in Gringotts noch immer unklar... Nein, das nicht. Lockhart rettet Australien. Kein Zusammenhang. Moody vereitelt Fahrraddiebstahl, keine Festnahmen. Das hatte sicher nichts mit ihm zu tun. Verkaufsschlager „Harry Potter. Eine Biographie" in den Buchregalen, Buchregale schlagen zurück. Anscheinend gab es neuerdings bei Flourish und Blotts einen bösartigen Poltergeist. Nimbus Zweitausend - Der neue offizielle Besen der Chudley Cannons. Gähn.
„Oh, übrigens", sagte Milo, während er las. „Ich habe herausgefunden, hinter was Du-weißt-schon-wer her ist."
„Was?", stieß Ron hervor. „Wie?"
„Naja, ich habe alles auf Harrys Liste mit allem in der Hogwartsbibliothek, das damit zusammenhängt, wie man sein Leben verlängern kann, verglichen", sagte er. „Und der Stein der Weisen war das einzige, das in beidem vorkam. Nicolas Flamel war auf der Rückseite von Harrys Schokofroschkarte - erfunden im Jahr 1983 - im Hogwarts-Express, der übrigens 1936 gebaut worden ist, und er ist derjenige, der den Stein erschaffen hat."
„Warum ist es wichtig, dass er auf der Karte war?", fragte Harry.
„Naja, etwas, das so wichtig ist wie die Beweggründe des Hauptbösewichts, muss bis jetzt schon mindestens einmal erwähnt worden sein, damit es sich erahnen lässt", sagte Milo. „Bei allen Höllen, du warst wahrscheinlich schon mindestens einmal mit diesem Ding im selben Raum und wusstest es nicht einmal."
„Oh", sagte Hermine und klang enttäuscht. „Und ich hatte gehofft, dass du vielleicht, entgegen aller Erwartungen, endlich zu etwas Verstand und Logik gekommen bist."
„Merk dir meine Worte", sagte Milo. „Er ist hinter dem Stein her - oder er ist ein Vampir."
„Wenn er den Stein will, müssen wir uns keine Sorgen machen", sagte Hermine. „Nicolas Flamel hat ihn, und er ist siebenhundert Jahre alt. Er hat es bis jetzt geschafft, den Stein sicher aufzubewahren, also muss er ziemlich gut darin sein. Ich meine, Du-weißt-schon-wer ist sicher nicht der erste, der unsterblich sein will. Ich wette, Flamel muss alle zwei Wochen dunkle Zauberer abwehren."
„Gut, ich bin froh, dass das geklärt ist", sagte Harry und hinderte Milo daran, etwas auf Hermines Aussage zu erwidern. „Wartet bis ihr seht, was ich mit der Post bekommen habe."
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Harry war so aufgeregt, dass er kaum reden konnte, als sie zum Gemeinschaftsraum von Gryffindor eilten, um sein Paket zu öffnen. Er nahm immer zwei Treppenstufen auf einmal und sagte der fetten Dame das Passwort so schnell, dass er es noch zweimal wiederholen musste, bis sie zufrieden damit war.
„Es ist ein Nimbus Zweitausend!", rief Harry.
„Sag doch nicht so einen Mist", sagte Ron. „Wer einen Nimbus hat, würde ihn nicht einfach so weggeben."
„Oh, ein Besen", sagte Hermine. „Hurra."
„So einen hatte ich auch einmal", sagte Milo. „Ich habe ihn einem Todesser, den ich besiegt habe, gestohlen. Aber Dumbledore hat ihn mir weggenommen."
„Klar hast du das getan", sagte Ron herablassend. „Klar hast du das getan."
„Hey Harry", sagte Milo. „Etwas musst du mir sagen: Warum bist du so begeistert, dass du diesen Besen bekommen hast?"
„Es ist ein Nimbus Zweitausend!", sagte Harry, eigentlich schrie er es eher. „Das sind richtig gute Rennbesen!"
„Ja, richtig, aber woher weißt du das?", fragte Milo.
Harry runzelte die Stirn.
„Ich habe einen in der Winkelgasse gesehen", sagte er. „Da stand eine Menschenmenge davor und alles."
„Ron, sag mir, wenn ich falsch liege", sagte Milo zu dem Rothaarigen, „aber gibt es nicht mehrere sehr gute Rennbesenmarken?"
„Ja, schon, aber der Nimbus ist der beste Rennbesen", sagte Ron.
„Ja, aber trotzdem - es gibt doch welche, die von, keine Ahnung, Nationalmannschaften benutzt werden, immer noch bei weitem besser sind als die von den Schülern in Hogwarts und vielleicht fast so gut sind wie der Nimbus?"
„Naja, sicher", sagte Ron nachdenklich. „Es gibt den Komet Fünfundachtzig, die halten alles geheim, aber anscheinend arbeitet Feuerblitz an etwas wirklich Phantastischem."
„Und dennoch war keiner davon", sagte Milo zufrieden, „auf Harrys Liste wichtiger Gegenstände."
Alle vier wurden still.
„Es gibt eine logische Erklärung", sagte Hermine. „McGonagall war mit Milo in der Winkelgasse, erinnert ihr euch? Sie muss ihn dort gesehen haben."
Milo lachte.
„Natürlich gibt es eine logische Erklärung, wenn man genau genug hinsieht. Es lohnt sich trotzdem, darüber nachzudenken. Deshalb müssen wir uns auch Gedanken um diesen Stein der Weisen machen. Er taucht immer wieder auf."
„Als ich in der Winkelgasse war", sagte Harry aufgeregt, „ist Hagrid mit mir zu einem seltsamen Verlies in Gringotts gegangen - und darin war nur ein kleines Päckchen! Ich wette, es war der Stein!"
„Also wirklich", sagte Hermine. „Das ist einfach nur lächerlich - wenn es der Stein gewesen wäre, wäre Dumbledore sicher selbst gegangen. Er ist der einzige, vor dem sich Du-weißt-schon-wer je gefürchtet hat."
„Aber am selben Tag gab es in Gringotts einen Einbruch und sie haben nicht gefunden, wonach sie gesucht haben!", fuhr Harry fort. „Erinnert ihr euch, es stand groß in der Zeitung? Sie haben es nicht gefunden - weil Hagrid es nach Hogwarts gebracht hat!"
„Oder vielleicht konnten sie es einfach nur nicht finden - oder sie haben nach etwas anderem gesucht - oder die weltberühmten Sicherheitsmaßnahmen von Gringotts, die haben immerhin Drachen, waren zu viel für sie", sagte Hermine mit wachsendem Missmut.
„Wartet, wartet, wartet - ist Gringotts eine Art Bank?", fragte Milo.
Alle drei warfen ihm den üblichen Blick zu.
„Wenn sie so gute Sicherheitsmaßnahmen haben, warum sind dort lauter Goblins?", fragte Milo.
„Die Goblins sind für die Sicherheit zuständig, du Trottel", sagte Ron. „Sie führen die Bank. Es ist ihre Bank. Eine Koboldbank."
Milo hielt es nicht mehr aus.
„Diese Welt ist irrsinnig!", rief er. „GOBLINS, die eine Bank führen? Handschuhe aus Drachenleder? ZWÖLF Anwendungsmöglichkeiten von Drachenblut? Was ist das mit den Drachen, werden die denn auf Bauernhöfen gezüchtet? Elfen, die kochen, Elfen als Bedienstete? Zauberstäbe? Es gibt nur einen einzigen Zauberstabhersteller im ganzen Land und er darf einfach so herumlaufen! Was, wenn er stolpert, hinfällt und stirbt, oder wenn irgendein böser Schwachkopf vorbeikommt und ihn ersticht? Was würdet ihr alle dann tun? Und Besen? Wenn ihr alle Zauberer seid, warum zaubert ihr nicht einfach Fliegen? Bei Bigby, warum zaubert ihr nicht einfach Fliegen? Ihr habt unendlich viele Zauber pro Tag zur Verfügung und lass Goblins euer Gold bewachen! Mit Drachen! Noch mehr Drachen! Ihr habt Zentauren bei euch im Wald leben - Zentauren. Vier Beine mit Hufen zu haben bringt nur dann einen Vorteil, wenn man in einer offenen Ebene lebt! Es ist, als ob... als ob jemand, der kaum eine Ahnung von echter Magie hat, all die richtigen Wörter benutzt hat, aber die Bedeutung ist völlig falsch!"
„Bist du fertig?", fragte Ron. „Unsere Magie ist nämlich genauso echt. Du siehst uns jeden Tag, wie wir sie benutzen, es ist nur ein bisschen anders als das, woran du gewöhnt bist."
„Ja, ich bin fertig. Also. Euer ortsansässiger Dunkler Zauberer versucht, an den Stein der Weisen heranzukommen. Der Stein ist in Hogwarts. Dumbledore bewacht offensichtlich den Stein, aber einfach nur in Hogwarts sein ist nicht dasselbe wie bewachen - bewachen ist bewachen. Er müsste direkt neben diesem Ding sitzen, damit es wirklich sicher ist, den ganzen Tag lang, jeden Tag. Wenn man bedenkt, dass, vielleicht außer McGonagall, die anderen Lehrer entweder vollkommen nutzlos, tot oder böse sind, bleiben nur wir übrig."
„Bleiben übrig für was?", fragte Ron.
„Wenn Voldemort - oh, hör auf, Ron, es ist nur ein Name - hierher kommt, müssen wir ihn aufhalten", sagte Harry leise. „Er hat meine Eltern umgebracht. Er hat die Eltern von einer Menge von Leuten umgebracht. Aber wir brauchen einen Plan."
„Es wäre schön, wenn hier jeder mal einsieht, dass es keinen auch nur im entferntesten handfesten Hinweis auf irgendetwas gibt", sagte Hermine. „Das ist nicht, wie die Welt funktioniert. Du-weißt-schon-wer ist tot. Flamel hat den Stein der Weisen. Professor Snape ist streng und manchmal ein bisschen unfair, aber er ist nicht böse. Bis ihr nicht wenigstens eine dieser Aussagen widerlegt habt, könnt ihr diese Sache ohne mich durchziehen. Also, wenn ihr mich entschuldigen würdet, ich habe Hausaufgaben in Verwandlung zu erledigen - und ihr eigentlich auch." Damit stand sie auf und verließ den Raum.
„Weißt du, da ist was dran", sagte Ron. „Unsere Vermutungen sind schon ein bisschen weit hergeholt. Allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass Snape böse ist."
„Ja, ok, ich glaube, jemand hat mich neulich Nacht versucht umzubringen", sagte Milo. „Und auch wenn ich mich nicht erinnern kann, wie es passiert ist, werde ich es herausfinden. Morgen, wenn ich meine Zauber zurück habe, gehe ich zurück in den verbotenen Wald. Etwas stimmt nicht."
„Der Wald mit den Riesenspinnen, den Werwölfen - und ich weiß, dass wir kein Vollmond haben - den Menschen hassenden Zentauren, den... das ist eigentlich alles, an das ich mich erinnern kann, aber ich bin sicher, dass es erst der Anfang ist", sagte Ron.
„Einhörner", sagte Harry. „Was bringt die Einhörner um? Und warum?"
„Hm", sagte Milo. „Das weiß ich noch nicht." Selbst Scholar's Touch hatte seine Grenzen - jeder Zauber erlaubte es ihm, ein Buch pro Level zu lesen (also vier Bücher), aber er konnte ihn nicht unbegrenzt oft pro Tag benutzen. Ab jetzt wollte er immer, wenn er vor dem Zubettgehen noch Zauber übrig hatte, sie durch Scholar's Touch verheizen, bis er alles gelernt haben würde, was es über diese verrückte Kampagnenwelt zu wissen gab. Ernsthaft, dachte er. Dieser Ort lässt Eberron so vertraut wirken wie Faerun. „Aber ich kann es morgen herausfinden - oder vielleicht übermorgen."
„Genau. Wenn du beweisen kannst, dass es Snape war, der dich umbringen wollte - und er war es bestimmt -, dann kann uns Hermine helfen und sie weiß wahrscheinlich schon richtig viel über Einhörner und über Sachen, bei denen wir überhaupt nicht auf die Idee gekommen sind, danach zu schauen", sagte Harry. „In der Zwischenzeit können Ron und ich versuchen, alles über den Stein der Weisen und Nicolas Flamel herauszufinden. Er ist siebenhundert Jahre alt, oder? Ich wette, er ist richtig berühmt."
„Ja", sagte Ron. „Er war so etwas wie der Dumbledore seiner Zeit. Ich habe gehört, dass er es war, der Dumbledore ausgebildet hat - er könnte gut der mächtigste lebende Zauberer sein, wirklich, wenn er nicht in den Ruhestand getreten wäre. Man ist irgendwie aus dem Rennen, wenn man erst einmal im Ruhestand ist."
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Zum Glück war der nächste Tag ein Samstag und Milo musste sich keine Sorgen machen, wie er am besten seine Zauber nutzen konnte, um sich durch die Unterrichtsstunden zu mogeln. Stattdessen bereitete er dieselben Gefechtssprüche vor wie bei seinem ersten Abstecher in den Wald und brach auf. Dieses Mal würde niemand dort sein, der ihn retten würde - deshalb zog er, von seiner unsichtbaren Magierrüstung geschützt, mitten am Tag los.
„Gegenstand Aufspüren: Leiche der Acromantula", zauberte er und verlor dafür Spiegelbilder. Was die Magie anging, war ein totes Lebewesen ein Gegenstand (natürlich nur, wenn es nicht untot war).
„Ähm", murmelte er in sich hinein, als er dem durch den Zauber vorgegebenen Weg folgte. „Ich glaube, mir ist klar geworden, warum ich hier so viele Schwierigkeiten habe. Ich bin eigentlich dazu gemacht, eine Horde von Feinden so aufzuhalten, dass Zook und die anderen sie mit spitzen Stöcken und Ähnlichem ausschalten können", sagte er. „Meine Auswahl von Zaubern war nie dafür vorgesehen, Kämpfe im Alleingang zu gewinnen." Nun, da er darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass er nichts wirklich, sagen wir mal, Tödliches auf Lager hatte. Nur irgendwie Dinge, die für den Gegner lästig waren. „Und noch etwas stört mich an dieser verrückten Welt", beschwerte er sich. „Es gibt keine Magier. Ich meine, es gibt diese Leute, die sich Magier oder Zauberer nennen, aber sie sind eigentlich eher wie Hexenmeister, bei denen etwas schiefgegangen ist. Es sind keine richtigen Magier." Keine Magier bedeutete, dass er nicht gegen Geld Sprüche abschreiben konnte, weshalb er immer noch so eine eingeschränkte Auswahl hatte. In jedem Level lernte jeder Zauberer nur zwei Sprüche durch eigene Nachforschungen.
„Das ist alles so ungerecht", grummelte er. „Jedes Mal, wenn ich einen neuen Zauber lernen will, muss ich das Rad neu erfinden. Ah, jetzt bin ich gleich da."
Er bog ab, die Umgebung kam ihm irgendwie bekannt vor und er spürte, wie sich die Ausrichtung von Gegenstand Aufspüren plötzlich änderte, was bedeutete, dass er sich schon ganz in der Nähe befand. Am Tag sah alles so anders aus, aber dort drüben war der mit Spinnweben bedeckte Baum. Er konnte es einfach nicht glauben, dass er das in der Nacht nicht bemerkt hatte; hier waren wirklich überall Spinnweben, und zwar viele.
Er näherte sich vorsichtig den Überresten der riesigen Spinne. Wäre Milo ein normaler Mensch, hätte ihn der Gestank davon abgehalten - aber Milos Nase nimmt, wie die Nasen aller Leute aus seiner Welt, nur Gerüche auf, die wichtig für die Handlung sind. Dass andere Gerüche auch vorhanden sind, wird angenommen, aber sie werden nicht ausdrücklich erwähnt.
Wenn Milo vermutet hätte, dass die Acromantula bei Tageslicht weniger furchteinflößend aussehen würde, hätte er damit falschgelegen. Sie war riesig. Seine frühere Schätzung, sie sei fünfzehn Fuß lang, stimmte nicht - es waren eher fünfundzwanzig Fuß. Milo erschauderte.
„Aha!", rief er. „Dieses Ding ist viel zu groß, um von dem kleinen Baumstamm, denn ich darauf fallen lassen habe, getötet worden zu sein", sagte er. Der Baumstamm hatte höchstens 400 Pfund gewogen, weil Schweben höchstens so viel an Gewicht tragen konnte, und war aus nur zwanzig Fuß Höhe heruntergefallen (höher hatte er ihn nicht in die Luft schweben lassen können), was bedeutete, dass er nur 2d6 Schaden verursacht hatte. Das sind höchstens zwölf, und wenn Acromantulas (Acromantulae?) den Riesenspinnen daheim auch nur ein bisschen ähnlich sind, dann sollte sie mindestens vierundzwanzig Trefferpunkte gehabt haben, aber wahrscheinlich eher zweiundfünfzig. „Sie hätte meinen Angriff mit einem Schulterzucken abtun und mich in zwei Teile zerbeißen müssen."
Milo runzelte die Stirn. Da war noch mehr. Selbst wenn die Spinne nur CR 2 war, müsste sie ungefähr 22 hp gehabt haben - und Milo hatte höchstens einen Schaden von 12 verursacht. Genau genommen, fügte er in Gedanken hinzu, 15 mit Säurespritzer. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür, so viel Schaden zu verursachen, ist gering - die Chancen stehen eins zu 180. Er hätte es damit nicht einmal schaffen dürfen, ein CR-1-Monster zu töten. Und nach dem zu schließen, was die Leute hier gesagt hatten, waren Acromantulas gefährlich. Richtig gefährlich. Allein das sprach dafür, dass diese Spinnen mindestens Herausforderungsgröße vier hatten.
Er trat näher und sah sich die Spinne genauer an. Sie war offensichtlich ziemlich tot.
„Also, was ist mit dir passiert? Warst du schon vorher verletzt? Todesursache Zeigen", zauberte er und verzichtete dafür auf Schweben. Es war ein Zauber, den die guten Einwohner von Eberron entwickelt hatten, aber er war von mächtigen Zauberern mithilfe von Ebenenwechsel in Milos Welt gebracht worden. Er hatte noch nie wirklich gesehen, wie der Zauber angewendet wurde und hatte keine Ahnung, wie er ihn genau zaubern musste, aber seine Fähigkeit zu Spontanem Erkenntniszauber ließ den Spruch dennoch wirken. Das war wirklich die beste Fähigkeit, die es gab. Wie auch immer - jedenfalls war der Zauber sehr nützlich bei Ermittlungen am Tatort und ließ ihn Hinweise entdecken, die sonst nur einem Fachmann aufgefallen wären. Ein paar schnelle Berechnungen sagten ihm, dass er es bis zur Schwierigkeitsklasse fünfzehn schaffen müsste (und zwar locker, wenn man seine große Intelligenz und den Bonus durch den Zauber beachtete), einen Hinweis zu finden, wenn es einen gab, und er eine Einundzwanzig bräuchte, um dann Genaueres herauszufinden. Er runzelte die Stirn. Er würde eine Sechsundzwanzig benötigen, um alles herauszufinden, was er wissen musste, und das ging nicht ohne magische Unterstützung.
„Meisterschaft, Sofortige Suche", zauberte er anstelle von Schmieren und Glitzerstaub. Er begann, sich Sorgen zu machen, dass seine Zauber nicht ausreichen würden. Die beiden Zauber zusammen verschafften ihm weitere +6 für die Suche.
Mehr Einzelheiten über die Spinnenleiche als er eigentlich wirklich erfahren wollte, erschienen plötzlich in seinem Kopf, als ob er den Spinnenkörper sorgfältig untersucht hätte.
Von ein paar schon seit langem verheilten Narben, einem verstauchten Knöchel (haben Spinnen Knöchel?), leichten Verätzungen durch Säure und einem 400 Pfund schweren Baumstamm auf dem Rücken einmal abgesehen war die Spinne völlig gesund - außer, dass ihr einer ihrer Giftzähne fehlte.
„Sehr gut", sagte Milo stolz. „Das erklärt alle- warte kurz, nein, tut es nicht. Können Acromantulas Giftzähne schießen? Warum habe ich es nicht gespürt? Ich weiß, dass ich keinen Schaden abbekommen habe." Milo wusste jederzeit, wie viele Trefferpunkte er hatte. „Ok", sagte er. „Du warst kein bereits verwundetes Monster mit einem hohen CR, sonst hätte ich weitere Verletzungen gefunden. Du warst nicht CR 1, sonst hätte ich weniger Erfahrungspunkte bekommen. Du warst nicht besonders empfindlich gegen Säure, denn sonst wären die Verätzungen schlimmer. Es gibt nur eine mögliche Schlussfolgerung... und sie ändert alles", sagte er und legte eine dramatische Pause für den Szenenwechsel ein.
