Eine Göttin mit Vorurteilen
Es war ein rauschendes Fest. Der gesamte Olymp war zugegen, es gab Essen soviel man wollte und die Musik passte sich immer an die Wünsche jedes Hörers an. Die Tanzfläche war gerappelt voll doch Percy hatte Annabeth gebeten ihn einfach zu einer Bank zu bringen damit er sich noch etwas ausruhen konnte. Sie war gerade mit einem besorgtem Blick gegangen um ihm ein bisschen Nektar zu besorgen, als plötzlich jemand vor ihm stand. Er sah auf und stechende graue Augen trafen auf seine. Athene sah sehr streng auf ihn hinab. Percy wollte gerade aufstehen, als sie sagte: „Nein, nein bleib ruhig sitzen. Du brauchst noch etwas Ruhe."
„Danke, Lady Athene." sagte Percy und nickte.
„Versteh mich nicht falsch!", warnte die Göttin ihn mit harter Stimme „Ich bin dir zwar in gewisser Weise dankbar, dass du Annabeth gerettet hast aber trotzdem bin ich nicht froh über die Tatsache, dass gerade du ihr so nahe stehst. Deine Entscheidungen wiegen schwerer als, die jedes anderen. Ja sie sind fast wichtiger als die unseren. Also möchte ich nicht, dass du meine Tochter da mit reinziehst. Verstanden?"
Einen Augenblick war Percy wie gelähmt. Doch dann stand er langsam auf. Er schwankte noch etwas aber trotzdem sah er der Göttin fest in die Augen. Sie sollte verstehen, wie ernst Percy das meinte, was er jetzt sagen wollte.
„Es tut mir Leid euch enttäuschen zu müssen, Lady Athene. Aber ich kann Annabeth nicht verlassen. Ich liebe sie. Und ich werde sie immer beschützen. Ich würde mein Leben für Annabeth hergeben. Und solange sie mit mir zusammen sein möchte werde ich bei ihr bleiben. Mir gefällt auch nicht, was das für ein Risiko für sie darstellt aber ich möchte ihr nicht wehtun. Abgesehen davon ist sie durch Luke sowieso schon integriert gewesen. Ich glaube auch nicht wirklich, dass sie damit einverstanden wäre, wenn sie sich aus allem raushalten soll. Ich bin überzeugt, dass sie mitten im Geschehen sein will."
Das hatte gesessen. Nicht gewohnt an Widersprüche starrte Athene ihn an.
Sie nickte einmal.
„Also schön, Junge. Du hast nicht meinen Segen aber ich werde dich vorerst nicht töten. Pass auf meine Tochter auf. Ansonsten…", sie ließ denn Satz unbeendet und ging davon. Aber Percy konnte sich denken, was sie meinte. Erschöpft setzte er sich wieder auf die Bank.
„Du und diese Athenetochter ja?", fragte eine ihm bekannte Stimme. Er sah auf und erblickte seinen Vater. Percy stand schnell wieder auf.
„Tut mir Leid Vater aber so ist es und so wird es bleiben."
Poseidon runzelte die Stirn. Er dachte kurz nach.
„Ich habe nichts dagegen mein Junge. Auch wenn Aphrodite sich nicht darüber freuen wird. Ich bin nur etwas überrascht, dass es ausgerechnet eine … naja eine Athenetochter ist."
Ein wenig perplex sah Percy seinen Vater an. Hatte er das gerade ernst gemeint? Percy hatte sich schon auf ein Wortgefecht vorbereitet und jetzt kam da so was? Wirklich? Er sah dem Gott in die Augen um zu erkennen ob er es ernst meinte. Doch er konnte nichts im Blick seines Vaters erkennen, das ihn an der Wahrheit seiner Worte hätte zweifeln lassen können.
„Das kommt überraschend.", stellte Percy nur fest.
„Es geht mich nichts an, in wen du dich verlebst Percy. Ich bin kein normaler Vater, der dir das verbieten dürfte. Du musst dein eigenes Leben leben. Wir Götter beeinflussen so vieles, zumindest unsere Kinder sollten meiner Meinung nach davon weitgehend unberührt bleiben. Meinst du nicht auch?"
Poseidon lächelte Percy an und auch auf dessen Gesicht breitete sich jetzt ein Lächeln aus.
„Solange das bedeutet, dass ich mit Annabeth zusammen sein kann, gebe ich dir in allen Punkten Recht."
Jetzt grinsten sie beide.
„Die Liebe ist etwas Großartiges mein Sohn. Pass gut auf deine Annabeth auf. Die nächste Zeit wird gefährlich werden befürchte ich."
Und als er das sagte verschwand das Grinsen von seinem Gesicht und er wurde wieder ernst.
„Und bitte lass mich nicht bereuen, meine Hand für dich ins Feuer gelegt zu haben. Ich glaube, ich muss dir nicht sagen welches Risiko das für mich birgt."
Percy schluckte. „Ja Vater, Ich weiß. Vielen Dank, für dein Vertrauen in mich. Ich werde dich nicht enttäuschen."
Und sobald er es ausgesprochen hatte wusste Percy, dass es wahr war. Alle seine bisherigen Zweifel waren verschwunden. Plötzlich sah Percy, wie Annabeth sich durch die Menge drängte um zu ihm zurück zu kommen. Poseidon bemerkte sie ebenfalls. Er legte eine Hand auf Percys Schulter.
„Ich weiß, dass du das schaffen kannst. Ich vertraue dir Percy. Viel Glück, du wirst es brauchen."
Und mit diesen Worten ging er fort. Percy seufzte tief und schloss die Augen. Nach ein paar erschöpften Atemzügen gaben letztendlich seine Knie nach. Er wäre vermutlich sehr hart gelandet, wenn Annabeth ihn nicht noch aufgefangen hätte. Sie setzte ihn auf die Bank und flößte ihm Nektar ein.
„Danke Annabeth", sagte Percy, als er den riesigen Kelch, den Annabeth ihm mitgebracht hatte zur Hälfte ausgetrunken hatte. Er hatte das Gefühl, dass es ihm nicht gut bekommen würde, wenn er noch mehr trinken würde. Annabeth sah ihn immer noch besorgt an.
„Bist du dir sicher, das alles in Ordnung ist, Algenhirn? Du siehst nicht so gut aus."
„Doch, doch mir geht's gut. Ich bin nur ein bisschen müde."
„Wirklich? Du willst mich nicht einfach nur beruhigen?"
„Habe ich dich jemals angelogen Annabeth?"
Sie sahen sich in die Augen und Percy verlor sich in dem wilden Grau von dem sie waren. Sie näherten sich einander immer mehr und bevor sie es überhaupt merkten küssten sie sich. Es war ein sehr langer sehr, sehr süßer Kuss. Die Stirn gegeneinander gelegt sahen sie sich wieder in die Augen.
„Ich liebe dich.", flüsterte Percy.
„Ich dich auch, Algenhirn.", sie schenkte ihm eines dieser Lächeln, die sein Herz aussetzen ließen und sie wussten, nichts und niemand würde sie jemals auseinander bringen. Nicht einmal eine Göttin der Weisheit mit Vorurteilen.
Und für einen wundervollen Moment gab es nichts worüber sie sich Sorgen machten. Da war kein Luke, kein Kronos, kein anbrechender Krieg, der die Welt zerstören könnte. Nur sie zwei, auf ihrer Bank sitzend und sich ihre Liebe gestehend. Ein weiterer Kuss folgte und sie wussten, gemeinsam konnten sie nicht verlieren. Egal was sie taten.
Sie würden noch lange zusammenbleiben, das stand fest.
