Hallo an alle! Hier ist die nächste Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: Le choix de Lord Voldemort. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich verdienen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten sechs Bände von Harry Potter.

Anmerkung von Alixe: Jene, die meine FF Der Andere schon gelesen haben, werden bemerken, dass es die gleiche Idee ist. Selbst, wenn einige Dinge gleich sind – wie zum Beispiel meine Sicht der Welt des anderen Harrys –, sind beide Geschichten von einander unabhängig. Die Geschichte fängt am 2. August 1997, zwei Tage nach Harrys siebzehntem Geburtstag an.


Die Entscheidung von Lord Voldemort:

Kapitel 3: Das Denkarium:

Harry erklärte Rose lange, wie sich die Treiber stellen sollen, eine Wissenschaft, die er selber von Fred und George beigebracht bekommen hatte. Er merkte, dass das Mädchen viel begabter war als jene, die während des vorigen Jahres zu seinem Team in Hogwarts gehört hatten, und dass sie sehr schnelle Fortschritte machte.

„Harry! Rose!"

Lily rief nach ihnen. Sie landeten neben ihr.

„Ihr scheint, euch gut zu amüsieren, meine Schätze. Ich esse heute Mittag nicht hier, ich muss jemanden treffen und dann gehe ich einkaufen. Totsy hat euch in der Küche etwas zum Essen zubereitet. Seid brav!"

„Ja, Mum", antwortete Rose.

Bevor Harry die Zeit hatte, sie um ein Gespräch unter vier Augen zu bitten, betrat Lily das Haus, wahrscheinlich um den Kamin zu benutzen. Er würde seine Enthüllung noch auf den Abend verschieben müssen.

Er folgte also Rose zur Küche. Auf dem Tisch wartete ein prächtiges kaltes Essen auf sie. Sie stürzten sich darauf, da sie wegen ihrer morgendlichen Aktivitäten verhungerten. Als Harry nach einem Gurkensandwich griff, rief Rose aus:

„Jetzt magst du das?"

Harry brach seine Geste ab. Er mochte Kürbisgewächse nicht besonders, aber während seiner Kindheit hatte er gelernt, nicht den Verwöhnten zu spielen und sich mit dem zu begnügen, was Dudley ihm gütigerweise übrig ließ.

„Tja, man muss ja von allem probieren, oder?", wich er aus.

„Das sagst du sonst auch nicht", bemerkte das Mädchen.

Harry fragte sich, ob es der richtige Moment war, um ihr die Wahrheit zu enthüllen. Doch brachte ihn die Anwesenheit des Hauselfs in der Küche davon ab und er schenkte seine Aufmerksamkeit dem Inhalt seines Tellers.

OoOoO

Nach dem Mittagessen stiegen sie wieder auf die Besen, und während Rose ihre Morgenlektion übte, ließ Harry den Goldenen Schnatz los, um seine Schnelligkeit zu üben. Als er ihn gefangen hatte, beobachtete er Rose und sah, wie sie dem Klatscher einen spektakulären Rückhandschlag verpasste.

„Warum gehörtest du letztes Jahr nicht zum Gryffindor-Team?", fragte er, ohne zu überlegen.

Sie drehte sich so plötzlich zu ihm um, dass sie beinahe von ihrem Besen gefallen wäre.

„Du bist ja an der besten Stelle, um das zu wissen, oder?", fragte sie ihn aggressiv.

Harry verstand etwas spät, dass er sich gerade auf dünnes Eis gewagt hatte. Wenn ihr Bruder wie er Kapitän war und lieber einen anderen Spieler gewählt hatte, dann war seine Frage besonders dumm, ja sogar grausam.

„Es tut mir Leid", sagte er.

Er ließ seinen Besen drehen, um den feurigen Blick der Jugendlichen nicht mehr zu sehen, und bereitete sich darauf vor, den Schnatz wieder loszulassen. Sie aber stellte sich gerade vor ihn.

„Was für ein blödes Spiel treibst du denn da?"

„Ich spiele nicht", seufzte Harry.

„Du willst dich aufspielen, indem du blöde Fragen stellst? Willst du nicht einmal nett sein?"

„Ich habe gesagt, dass es mir Leid tut."

Roses Augen wurden groß, während sie einen Punkt hinter ihm anstarrte. Harry, der an Zwischenfällen gewöhnt war, die auf einem Quidditchfeld geschehen können, verlor keine Zeit. Er ließ seinen Besen mit voller Geschwindigkeit abfliegen, indem er sich nach vorne beugte und packte Rose um die Taille, als er an ihr vorbeiflog.

Während sie der Klatscher um Haaresbreite verfehlte, bog er schnell ab, um die Gartenhütte zu vermeiden, die in seinem Weg stand. Er schaffte es nicht völlig und der Schock stürzte beide Jugendliche auf den Boden.

Harry, der auf das Mädchen gefallen war, richtete sich auf und fragte besorgt:

„Geht es?"

Das darf doch nicht wahr sein, dachte er. Ich bin erst seit 24 Stunden da und ich tue den Leuten schon in meiner Umgebung weh. Das Mädchen setzte sich mit Schwierigkeiten auf, bewegte sorgfältig ihren Kopf und rollte mit ihren Schultern.

„Es geht, ich habe mir nichts gebrochen. Ist dein Besen beschädigt?"

„Mir ist der Besen völlig wurscht!", erwiderte er, da er sah, wie sie sich mit verzogenem Gesicht den Hinterkopf rieb.

„Heute bist du wirklich seltsam", meinte sie und sah ihn erstaunt an.

Harry zuckte mit den Schultern und, da er jetzt über Roses Gesundheit beruhigt war, ging, um den Nimbus zu holen, der ein wenig weiter gerollt war. Er hatte tatsächlich einen brandneuen Kratzer, aber das war längst nicht der erste. Er räumte den Besen in der Remise ein und zog seinen Zauberstab heraus, um den Klatscher und den Schnatz aufzurufen, die im Kampf verloren geflogen waren.

Er legte sie wieder in ihr Kästchen, das er sorgfältig verschloss und dann – immer noch dank einem Aufrufezauber – überzeugte er Roses Besen, der ruhig dahinschwebte, dass er herunter fliegen sollte. Er reichte ihn seiner Besitzerin und ging wortlos ins Haus zurück.

Als er mit zwei Limonadegläsern zurückkam, um die er den Elf gebeten hatte, saß Rose im Schatten in der Veranda. Er setzte sich neben sie und reichte ihr eines der beiden Getränke.

„Sag mir alles", sagte sie, während sie seine Gabe mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Staunen annahm. „Bist du ein Alien, der die Stelle meines Bruders eingenommen hat?"

„Ein was?", fragte Harry und dachte dabei, dass es ihn undeutlich an etwas erinnerte.

„Das ist eine Muggelerfindung", erklärte sie und Harry erinnerte sich daran, dass er bei den Dursleys davon gehört hatte. „Ich habe das in den Büchern gelesen, die Mum für mich kauft", präzisierte sie.

„Ich bin kein Alien, aber du hast Recht, ich bin nicht dein Bruder", fing Harry an.

„Hmm, du wirst ein bisschen üben müssen. Du bist nicht sehr überzeugend, weißt du."

„Rose, ich meine es ernst!"

„Harry, du meinst NIEMALS etwas ernst."

„Aber ich bin nicht der, den du kennst! Auch ich heiße Harry Potter, aber meine Eltern sind gestorben, als ich ein Jahr alt war und ich habe keine Schwester."

Das Mädchen warf ihm einen wütenden Blick zu.

„Du bist völlig durchgedreht, solche Dinge zu sagen! Ich weiß, dass du immer willst, dass man dich bemerkt, aber jetzt gehst du zu weit."

„Ich sage dir die Wahrheit", drängte er. „Schau mal, ich habe eine Narbe auf der Stirn, dein Bruder hat keine, nicht wahr?"

„Ein wenig Verwandlung und fertig", sagte sie und zuckte mit den Schultern.

Harry wollte gerade aufgeben, aber dann dachte er, dass er keine Chance hatte, James und Lily zu überzeugen, wenn er Rose nicht überzeugen konnte. Wie konnte er es sie aber verstehen lassen?

„Und wenn du nicht Harry bist, wo ist Harry dann, he?", fragte Rose spöttisch.

„Ich weiß nicht. Ich vermute, dass er meine Stelle eingenommen hat."

„Und wie wäre dann dieses Plätzetauschen geschehen?"

„Das war, als ich gestern in Hogwarts war. Ich bin durch einen Raum gegangen, den ich nicht kannte, und ich wurde hierhin geschickt."

„Wenn du willst, dass Mum es bedauert, dass sie dich gestern bestraft hat, so handelst du nicht auf die richtige Weise. Sie mag solche Witze nicht sehr, das weißt du wohl."

„Das darf doch nicht wahr sein! Wie könnte ich dich überzeugen?", rief Harry verzweifelt aus.

„Du kannst es nicht", versicherte ihm Rose. „Übrigens bin ich es, die dir die Idee gegeben hat, also glaub ja nicht, ich würde es dir abkaufen!"

„Aber du hast bemerkt, dass ich nicht bin wie er", protestierte Harry. „Du hast gesehen, dass ich Gurken esse und dir Fragen gestellt habe, deren Antwort ich hätte kennen müssen."

„Alles klar, die Idee ist von dir und ich bin darauf eingegangen. Gut, jetzt glaube ich dir nicht mehr. Versuche es mit jemandem anders."

„Wenn ich wirklich nicht dein Bruder bin, wie könnte ich es dir unwiderruflich beweisen?", fragte Harry verzweifelt.

Sie überlegte einen Augenblick lang. Wenn sie konzentriert war, ähnelte sie trotz ihres Haares und ihrer Augen, die unbestritten potterisch waren, Lily unglaublich stark.

„Das ist nicht wirklich möglich", behauptete sie. „Es ist zu einfach, so zu tun, als würdest du Dinge ignorieren, die er kennen müsste. Jeder weiß, dass du dazu fähig wärst, das zu essen, was du nicht magst, wenn es darum geht, einen Streich zu spielen."

Toll! dachte Harry. Ich habe die Stelle eines Spaßvogels übernommen, den keiner ernst nimmt!

„Es gibt vielleicht Dinge, die ich tun kann und er nicht", schlug er vor.

„Du könntest es ja heimlich gelernt haben", entgegnete sie.

Es wurde still zwischen ihnen. Harry fühlte sich verlegen, dann hatte er eine Idee.

„Ich werde den Fahrenden Ritter aufrufen und nach Hogwarts fahren", entschloss er.

„Du bist verrückt", erwiderte Rose.

„Dumbledore kann Legilimentik. Er wird ja sehen, dass ich die Wahrheit sage, wenn er in meine Erinnerungen anschauen wird."

„Du willst doch nicht Dumbledore für so was stören!", rief Rose offenbar schockiert aus.

„Ich weiß, dass du mir nicht glaubst, aber für mich ist es sehr ernst", erklärte ihr Harry.

„Und wie wirst du den Park betreten?", fragte Rose vernünftig. „Die Gittertore sind zugeschlossen. Mum sagt ihre Ankunft immer im Voraus an, wenn sie zur Bibliothek geht."

„Ich MUSS es aber schaffen!", schrie Harry, der anfing, die Nerven zu verlieren. „Ich muss!"

Rose starrte ihn an, weil sie von diesen plötzlichen Schreien erstaunt war. Sie schien zu zögern, dann meinte sie:

„Ich glaube dir nicht, aber ich kenne ein Mittel, das klappen würde, wenn du wirklich jemand anders wärst."

„Welches?", fragte Harry. „Ich bin zu allem bereit."

„Das ist ja nichts Neues", bemerkte Rose. „Gut, meine Idee ist, dass du nämlich Erinnerungen hättest, die mein Bruder nicht hat, wenn du nicht er wärst. Wenn du Dumbledore nicht erreichen könntest, so würdest du sie zeigen können, indem du Mums Denkarium benutzen würdest."

„Was?"

„Bist du denn blöd? Du legst eine Erinnerung ins Denkarium, die beweist, dass du ein anderer bist. Natürlich ist es für dich unmöglich, aber das würde ich tun, wenn ich beweisen müsste, dass ich nicht die bin, für die man mich hält."

„Gibt es hier ein Denkarium?", fragte Harry gierig.

„Du weißt es sehr wohl."

„Wo liegt es?", drängte er und ergriff das Handgelenk des Mädchens.

„Eh, wir dürfen es nicht berühren!"

„Wo liegt es?", wiederholte er langsam und mit soviel Intensität, dass Rose davon verlegen wurde.

„In Mums Büro, aber sie wird wütend sein."

Ohne sie los zu lassen, stand Harry auf und zog sie zum Haus.

„Hör auf! Du tust mir weh."

„Dann geh schneller", erwiderte Harry, der seine Chance, dass ihm endlich geglaubt wurde, nicht verpassen wollte.

Er ging die beiden Stockwerke hinauf, während Rose hinter ihm murrte und schob die Tür auf, die oben hinter den Stufen stand. Er befand sich nun in einem geräumigen Dachzimmer, dessen Wände mit Büchern bedeckt waren, mit einem Schreibtisch, der von Pergamentrollen überhäuft war. Er fand ziemlich schnell einen kleinen runden Tisch, auf dem ein Denkarium stand.

Er ließ das Handgelenk des Mädchens los und näherte sich vom Gegenstand in der Hoffnung, dass er ihn benutzen könnte. Er fing damit an zu überlegen, welche Erinnerung er hineinlegen würde. Es musste eine Episode sein, die sein Doppelgänger nicht hatte erleben können, und er ließ alle seine Erinnerungen von Hogwarts beiseite.

Die wichtigen Momente seines Lebens waren zu erschreckend. Er schätzte, dass die Lage zu kompliziert war, dass er in Roses Geist keine erschreckende Vision hinzufügen wollte wie seine Begegnungen mit Voldemort oder Sirius' Tod. Er entschloss sich daher für eine Szene aus seiner Kindheit.

Er näherte seinen Zauberstab von seinem Schädel und konzentrierte sich dabei fest darauf, was er wollte. Bald kam ein weißes Fädchen aus seiner Schläfe. Er nahm es mit seinem Zauberstab und legte es sorgfältig in die Schale.

„Hier. Jetzt, komm her und schau."

Rose schritt langsam nach vorne und war offensichtlich zwischen Zögern und Neugier hin- und hergerissen.

„Ich warne dich", sagte sie. „Wenn es einer deiner üblen Streiche ist, sag ich Mum und Dad alles und dann wird dir Mum deine Ferien verderben."

„Sorge dich nicht um mich. Sie kann mir nichts Schlimmeres antun als das, was ich schon erlebe", antwortete er düster.

Die Jugendliche zuckte mit den Schultern und blickte ins Denkarium hinab. Ihr Blick wurde starr und Harry verstand, dass sie untergetaucht war. Er tat das gleiche, um mit ihr zu kommen. Er befand sich in einer Hütte bei sehr windigem Wetter. Jemand klopfte an die Tür und Hagrid kam herein. Er antwortete ruhig auf die Drohungen der Dursleys, machte Onkel Vernons Gewehr unbrauchbar und schenkte einem jungen, ganz mageren Harry einen Geburtstagskuchen. Hagrid zündete dann das Feuer an, bereitete einen Tee vor und briet Würstchen.

Dann erklärte der Halbriese Harry, dass er ein Zauberer war. An manchen Momenten wurden die gesprochenen Worte unhörbar, weil Harrys Gedächtnis nur den Sinn der Rede behalten hatte. Dagegen wurde das Gespräch sehr genau, als Hagrid erzählte, wie Voldemort James und Lily aufgefunden und ermordet hatte. Hagrid stritt dann mit den Dursleys und staffierte Dudley mit einem Schweineschwanz heraus.

Dann wurde die Vision trüb und ein Mann erschien, den Harry nie gesehen hatte und der einen wissenschaftlichen Vortrag hielt. Harry verstand, dass er sich jetzt in einer Erinnerung von Lily befand. Er ergriff den Arm von Rose, die neben ihm stand, und sie kamen beide aus dem Denkarium heraus. Sie sahen sich lange wortlos an, dann ging Rose zu einem Sofa in einer Ecke des Raums und ließ sich darauf fallen.

„Ich kann es nicht fassen", ächzte sie.

Harry wusste nicht, was er antworten sollte. Still nahm er seine Erinnerung zurück.

„Ich habe den Eindruck gehabt, dass mir Hagrid den Tod meiner Eltern verkündete", fügte das Mädchen mit Pein in der Stimme hinzu.

„Es tut mir Leid", sprach Harry ehrlich.

„Und jene, die dich aufgezogen haben, scheinen schrecklich zu sein. Das sind Mums Schwager und Schwester, oder? Ich verstehe, warum wir sie nie treffen", kommentierte sie, als Harry nickte. „Das ist kein Glück, dass du zu ihnen geschickt wurdest. Aber warum willst du nach Hause zurückkehren? Meine Eltern werden sich um dich kümmern, wenn sie die Wahrheit erfahren."

„Zuerst, damit ihr deinen Bruder wieder habt. Der Arme muss ja völlig in Panik geraten sein. Und dann..."

Harry zögerte und dachte dann, dass er Roses Unterstützung brauchte und dass er ihr daher Bescheid sagen musste.

„Vor meiner Geburt wurde eine Prophezeiung ausgesprochen, dass Voldemort und ich nur von der Hand des jeweils Anderen sterben können", erklärte er und bemerkte, wie Rose aufgeschreckt war, als er den Tabuname ausgesprochen hatte. „Voldemort versucht, mich zu töten, bevor ich es tue. Also muss auch ich versuchen, ihn zu vernichten."

„Das ist schrecklich!", zitterte sie.

„Das ist einfach so, man kann nichts dagegen tun. Rose, ich muss unbedingt nach Hogwarts zurückkehren. Ich muss meine Stelle wieder einnehmen, verstehst du? Bevor Voldemort deinen Bruder ermordet."

„Du musst schnellstmöglich mit meinen Eltern darüber reden."

„Ich weiß, aber sie sind nicht da. Glaubst du, dass ich Hogwarts per Flohpulver erreichen kann?"

„Man kann es ja versuchen."

Die beiden Jugendlichen gingen zum Wohnzimmer herunter. Harry kniete sich vor den Kamin, warf ein wenig grünes Pulver hinein und rief zu Dumbledores Arbeitszimmer in Hogwarts. Doch konnte er nur einen Teil des Schulleiterbüros sehen, da die Aussicht von einem Feuerschutz blockiert war, und keiner beantwortete seine Rufe. Er verzichtete schließlich darauf.

„Er ist nicht da", sagte er verdrießlich.

„Wir werden es später wieder versuchen", ermutigte ihn Rose.

„Wirst du mir helfen, deine Eltern zu überzeugen?"

„Natürlich. Glaubst du, dass mein Bruder in Gefahr ist?", fragte das Mädchen wieder besorgt.

„Ich vermute, dass Ron und Hermine sich darum kümmern werden, ihn in Hogwarts zu behalten, bis ich zurück bin, wenn er ihnen erklärt, wer er ist", ließ er sich einfallen, um Rose nicht zu erschrecken.

Das ist sicher, was passiert ist, dachte er und versuchte, sich selbst zu beruhigen. Voldemort wird ihn ja nicht schon einen einzigen Tag nach seiner Ankunft auffinden können!

„Perfekt", antwortete sie und war umso mehr beruhigt, dass sie sich die Gefahr zweifellos nicht vorstellte, die der Dunkle Lord darstellen konnte. „Wir können nur hoffen, dass wir ihn schnell zurückholen. Vielleicht wird es ihm eine Lehre sein!"

„Du klingst nicht, als würdest du dich gut mit ihm verstehen."

„Pah! Er ist lustig, nett und jeder liebt ihn, aber er verbringt seine ganze Zeit damit, mich zu ärgern. Ich vermute, dass es zwischen einem Bruder und seiner Schwester normal ist, aber das ist wirklich angenehm, ausnahmsweise jemanden zu haben, der freundlich zu mir ist."

Das war das erste Mal, dass jemand Harry sagte, dass er freundlich war. Er beobachtete, wie Rose den Deckel auf die Urne zurücklegte, die das Flohpulver beinhaltete. Er hätte gerne eine Schwester wie sie gehabt – verständnisinnig, klug, vernünftig. Er dachte, dass sie vom Charakter her Hermine ähnelte, wenn man von ihren hervorragenden Fähigkeiten im Quidditch absah.

„Und ist Voldemort hier tot?", fragte er, was Rose zittern ließ.

„Ja, er wurde vor meiner Geburt gefangen", antwortete sie. „Harry war ein Jahr alt, glaube ich."

„Also haben deine Eltern gelebt und du bist geboren", sagte er weiter. „Sind Ron Weasley und Hermine Granger in der Klasse deines Bruders in Hogwarts?"

„Ja, aber er scheint nicht, sehr nah zu ihnen zu sein. Er verbringt seine Zeit vor allem mit Neville Longbottom, Fred und George Weasley und ihrer Schwester Ginny."

Als er Ginnys Name hörte, fühlte er sich gleichzeitig sehr traurig, da er sich an den Zustand ihrer Beziehung erinnerte, und sehr eifersüchtig auf seinen Doppelgänger. Dann erinnerte er sich daran, dass der andere Harry nach den Briefen, die er am vorigen Abend gelesen hatte, mit Hannah Abott zusammen war und nur sehr gut befreundet mit Ginny war.

„Ron und Hermine sind meine besten Freunde", sagte er zu Rose.

„Und Neville?"

„Auch er ist ein Freund", gestand er, da er sich daran erinnerte, dass er mit ihm ins Ministerium gekommen war und den Ruf am Abend beantwortet hatte, an dem die Todesser Hogwarts überfallen hatten. „Aber ich stehe Ron und Hermine näher."

„Das ist lustig. Hier hat Hermine Granger nichts, was meinem Bruder gefallen könnte. Sie verbringt ihre ganze Zeit in ihren Büchern und ist sehr streng, was die Schulregeln betrifft. Ich habe sie gern. Wir treffen uns oft in der Bibliothek, aber wir reden nicht viel miteinander, da wir in verschiedenen Jahrgängen sind."

„Bei mir ist sie auch so, aber sie hilft mir, selbst wenn es im Widerspruch zu den Schulregeln steht. Wenn ich weg bin", bat er sie, „versuche, ein bisschen mehr mit ihr zu reden, du wirst sehen, sie ist ein wunderbares Mädchen."

„Ist sie deine feste Freundin?"

„Hm, nein, wir sind nur sehr gute Freunde."

„Und hast du eine feste Freundin?", drängte Rose neugierig.

„Ich will lieber nicht darüber reden", seufzte er.

„Hättest du es mir soeben gesagt, so hätte ich dir geglaubt, als du gesagt hast, dass du nicht mein Bruder bist", kommentierte Rose lächelnd. „Der prahlt so sehr mit seinen Eroberungen!"

„Wie viele Kinder gibt es bei den Weasleys?", fragte Harry genau so sehr, um das Thema zu ändern als um zu versuchen, die Unterschiede zwischen seinem Leben und jenem Ort zu sehen.

„Sieben: Sechs Jungen und ein Mädchen."

„Geht es... hm... Nevilles Eltern gut?"

„Ja, jedenfalls waren sie in Hochform, als wir sie vorgestern in King's Cross getroffen haben. Warum?"

„Wer lehrt in Hogwarts?"

Es waren jene, mit denen Harry verkehrt hatte, außer den Lehrern für Zaubertränke und Verteidigung gegen die dunklen Künste. Harry kannte weder den einen noch den anderen.

„Ist der Lehrer für Zaubertränke nicht Snape?", fragte Harry erstaunt.

„Severus Snape? Nein, er arbeitet als Unsäglicher im Zaubereiministerium. Mum hat letztes Jahr für ihre Recherchen mit ihm gearbeitet. Sprich nicht über ihn vor meinem Dad, er verabscheut ihn und war wütend, dass sich Mum gut mit ihm versteht."

Sie stellten sich weiter gegenseitig Fragen, um die Unterschiede zwischen ihren beiden Realitäten zu entdecken. Zu Harrys großer Überraschung hatte die Tatsache, dass Voldemort 1981 gefangen worden oder rätselhaft verschwunden war, an der Geschichte der Zauberergemeinschaft nicht viel geändert.

In beiden Fällen hatten jeder gleich gehandelt: gleiche Ehen, gleiche Kinder. Nur das Leben von einigen Leuten war erschüttert worden: Die Familien Potter und Longbottom waren nicht zerstört worden und ein zweites Kind war bei beiden geboren worden. Dank seines nächtlichen Lesens wusste Harry, dass auch die Rumtreiber der Trauer und dem Betrübnis entkommen waren. Harry stellte lieber nicht so viele Fragen über sie, um den Leitfaden seiner Befragung nicht zu verlieren.

Nur seit dem vorigen Jahr waren die Dinge wirklich anders. Die Entführungen und die Attentate, von denen Harry gehört hatte, hatten hier nicht stattgefunden. So war Ollivander nicht verschwunden und der Eisverkäufer Fortescue bewirtete immer noch seine Kunden in der Welt, in der Rose wohnte. Und natürlich lebte Dumbledore immer noch.

Trotz Roses zahlreicher Fragen blieb Harry sehr schweigsam über sein eigenes Leben. Er gestand, dass er bei den Dursleys nicht besonders glücklich gewesen war, sagte aber kein Wort über die Abenteuer, die er während seiner Schulzeit erlebt hatte. Er sagte, dass Voldemort zurück war, ohne seine Rolle im Ereignis zu betonen, und erklärte den Sinn der Prophezeiung, ohne von den Horkruxen zu reden.

Er schaffte es auch, nichts über die Rumtreiber zu sagen. Rose schien von einem Geheimniswahrer nichts zu wissen und sie stellte keine störende Frage über die Art und Weise, wie die Eltern des Jungen von ihrem Mörder aufgefunden worden waren.

Da sie in ihr Gespräch vertieft waren, waren sie erstaunt zu bemerken, dass es schon achtzehn Uhr war, als sie hörten, wie die Haustür zugeknallt wurde.

„Hallo Kinder, geht es euch gut?", rief James, der im Türrahmen erschien. „Wer will ein bisschen Quidditch spielen?"

Harry schluckte.

„Wir... Kann ich Sie kurz sprechen."

„Ist Lily schon zurück?", fragte James, der nicht verstanden hatte, dass ihn Harry gerade gesiezt hatte.

„Nein, aber..."

„Dann muss es warten", entschied James. „Ich hatte heute eine schwierige Verhandlung mit einem kleinlichen Beamten und ich muss mich jetzt erstmal entspannen. Ich ziehe mich um und komme sofort."

Harry warf Rose einen verzweifelten Blick zu und sie kommentierte leise:

„Ich vermute, dass wir ja nicht gleich sofort darüber reden müssen..."

Am Anfang des improvisierten Spiels war Harry besorgt, aber er ließ sich von James' guter Laune, von seinen Scherzen und vom anfeuernden Spiel begeistern.

„Du hast große Fortschritte gemacht", sagte Roses Vater zu seiner Tochter, als er neben sie flog.

„Ich hatte einen guten Lehrer", lächelte sie und zeigte zu Harry.

„Sehr gut. Dürfen wir während dieser Ferien auf weniger Streite hoffen?"

„Nun, eigentlich...", fing Harry an.

„Ich bin zurück", unterbrach ihn Lily, die gerade vor der Haustür stand.

James landete sofort, um seine Frau zu begrüßen. Die Jugendlichen kamen auch zu ihnen und Lily umarmte sie beide. Kaum hatte sich Harry von dieser Umarmung erholt, dass ihnen die beiden Eltern schon vorgeschlagen hatten, sich an den Tisch zu setzen und zum Speisesaal gegangen waren. Sie setzten sich alle und Lily kommentierte ihren Nachmittag. Als sie damit fertig war, versuchte Harry zu sprechen, doch James fuhr über die Schwierigkeiten fort, die Lizenzen zu kriegen, die einer seiner Schützlinge brauchte, ein Verzauberungskünstler, dessen Fachgebiet es war, einfache Muggelgegenstände in Kunstgegenstände zu verwandeln.

„Zum dritten Mal hat er mit dem Büro gegen den Missbrauch von Muggelartefakten ein Hühnchen zu rupfen gehabt", beklagte sich James. „Als wollte er das Gesetz brechen, während er eigentlich nichts wünscht als seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ich habe Morgen einen Termin mit Arthur Weasley", schloss er und sah Harry dabei an. „Ich hoffe, dass der Vater deiner Freunde ein bisschen offener und phantasievoller ist als der Durchschnittsbeamte."

„Ja und er ist von allem fasziniert, was muggelartig ist", erklärte ihm Harry. „Nun, ich wollte sagen..."

„Oh, James!", unterbrach ihn Lily noch einmal. „Ich hatte vergessen, dir zu sagen, dass ich Herrn Zurrükrufön getroffen habe. Er hat das, wonach du ihn gebeten hast und bittet dich darum, dich wieder mit ihm in Kontakt zu setzen."

„Ach, sehr gut. Du weißt schon, das ist für diese Sache, von der ich dir schon erzählt habe..."

Da James die betroffene Sache weiter beschrieb, warf Harry Rose einen verzweifelten Blick zu. Die Jugendliche zuckte mit den Schultern und winkte, dass er wahrscheinlich bis zum Ende des Essens warten müsste.


Das war's für heute! Bis nächster Woche für Kapitel 4. Ein unerwarteter Besuch und einige Erklärungen erwarten euch dann. Liebe Grüße und eine schöne Woche an alle!