Hallo an alle! Hier ist die nächste Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: Le choix de Lord Voldemort. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich verdienen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten sechs Bände von Harry Potter.

Anmerkung von Alixe: Jene, die meine FF Der Andere schon gelesen haben, werden bemerken, dass es die gleiche Idee ist. Selbst, wenn einige Dinge gleich sind – wie zum Beispiel meine Sicht der Welt des anderen Harrys –, sind beide Geschichten von einander unabhängig. Die Geschichte fängt am 2. August 1997, zwei Tage nach Harrys siebzehntem Geburtstag an.


Die Entscheidung von Lord Voldemort:

Kapitel 5: Großer Preis um Mitternacht:

Harry musste sein Leben noch einmal erzählen, diesmal mit mehr Details und auch zahlreiche Fragen beantworten. Der Schulleiter interessierte sich besonders für alles, was Voldemort betraf. Lily bat ihrerseits um zahlreiche Präzisionen über Harrys Lebensbedingungen und der junge Mann war verdutzt zu sehen, wie sie mehrmals von ihren Gefühlen übermannt wurde. James blieb still mit schiefem Gesicht dasitzen und sein Blick wurde jedes Mal streng, wenn das Schicksal der Rumtreiber im Gespräch vorkam.

Als Harry nach vielen Abschweifungen und Erklärungen schließlich das Ende seiner Erzählung erreichte, herrschte eine Stille, die nur von Lily gestört wurde, die ihre Tränen wegwischte, und erst von Professor Dumbledore gebrochen wurde:

„Wenn ich richtig verstanden habe, so müssen Sie jene Horkruxe finden, sie deaktivieren und schließlich Voldemort endgültig aus dem Wege schaffen."

„Das stimmt", gestand Harry, der sich fragte, wie eine so verwickelte und mühselige Aufgabe in so wenigen Worten zusammengefasst werden konnte.

„Ich muss über all das nachdenken, was Sie uns erzählt haben und Einiges bestätigen. Aber schon jetzt kann ich Ihnen sagen, dass wir Ihnen wahrscheinlich helfen können."

„Sie meinen... Sie meinen, dass Sie mich nach Hause zurückschicken können?"

„Das wird nicht das Schwierigste sein. Es ist Hogwarts, das Sie hierhin geschickt hat und Hogwarts würde nie etwas tun, was für Voldemort von Vorteil wäre. Wenn er siegt, dann ist es das Ende der Schule, die wir jetzt kennen – eine Schule, die für alle Zauberer und Hexen offen ist, egal, wo sie herkommen. Ich denke, dass Sie Hogwarts nach Hause zurückschicken wird, sobald Sie das gefunden haben, was Sie hier zu suchen haben."

„Aber ich weiß nicht mal, was ich zu suchen habe!"

„Dann werden wir uns darum bemühen, es trotzdem zu finden."

Dumbledore schwieg und sah Harry intensiv an. Dann fragte er sanft:

„Aber was wünschen Sie sich? Wollen Sie wirklich zurück zu Ihrer Welt? Hier sind Sie in Sicherheit."

„Aber ich darf meine Freunde doch nicht verlassen!", rief Harry aus und wurde sich mit Pein dessen bewusst, wie sehr er sie vermisste. „Sie zählen auf mich."

„Also werden wir alles tun, was wir können, damit Sie sie wiedersehen", lächelte der alte Zauberer.

„Wie viel Zeit werden Sie dafür brauchen?", fragte Harry besorgt. „Sie werden in Panik geraten, wenn ich zu lange verschwinde. Sie werden glauben, dass mich Voldemort gefangen hat!"

„Ich bin nicht sicher, ob die Zeit, die Sie hier verbringen werden, zählen wird", entgegnete Dumbledore. „Ich denke, dass uns das Abenteuer unseres Harrys beweist, dass das Schloss sowohl Zeit als auch Raum beherrscht. Wenn Hogwarts jemanden einen Tag in die Zukunft schicken kann, so kann es Sie so viele Tage in die Vergangenheit zurückreisen lassen wie Sie hier verbracht haben. Gut", schloss er und stand auf. „Ich kehre morgen oder übermorgen zurück um zu besprechen, was wir tun werden. Inzwischen sollten Sie, junger Mann, sich ein bisschen erholen."

Während James ihren Gast zur Tür begleitete, näherte Lily sich Harry und umarmte ihn.

„Du kannst auf uns zählen. Wir werden so viel wie möglich tun, um dir zu helfen."

„D... Danke", stotterte der junge Mann, den diese Zeichen der Zuneigung gleichzeitig bestürzten und berührten.

Die Glocke für das Mittagessen erklang leise und Lily zog Harry mit zum Speisesaal. Während des ganzen Essens sorgte sie dafür, dass er von allem aß und kümmerte sich so sehr um ihn, dass ihr Gast ihr Verhalten etwas lästig fand. Er war umso gestörter davon, als er sah, wie ihm der andere Harry immer böser werdende Blicke zuwarf. Das Verhalten von James, der ihm weder in die Augen sah noch zu ihm sprach, beunruhigte ihn genauso sehr.

Er war erleichtert, als jeder den Nachtisch aufgegessen hatte und er hoffte, dass er allein würde bleiben können, um über die Lage nachzudenken. Doch Lily hatte es nicht vor:

„Nun, Kinder, wie wäre es, wenn ihr alle drei zusammen spielen würdet?"

„Ja Lily", antwortete Harry und unterdrückte einen Seufzer.

Sein Doppelgänger sprach unmissverständlicher:

„Wir sind keine Kinder mehr und ich habe keinen Bock darauf, mit ihm zu 'spielen'", stieß er aus und ging stürmisch hinaus.

Harry stand auf und war wohl entschlossen, einen ruhigen Ort zu finden, aber Rose ergriff seinen Ärmel.

„Trainierst du mit mir?", fragte sie.

„Ich... ich habe keinen Besen", erwiderte Harry.

„Du kannst einfach den meines Sohnes nehmen", schlug Lily vor.

Harry suchte verzweifelt nach einer Ausrede, die ihm erlauben würde abzulehnen, denn er war sicher, dass der andere wütend wäre, wenn er es tun würde, aber James rettete ihn davor:

„Dein Komet wird besser sein, Lily. Er braucht keinen schnellen Besen, wenn er einen Treiber trainieren will."

„Ja, aber...", fing sie an.

„Das ist perfekt", nahm Harry an und ging eilig aus dem Raum, ehe sie die Zeit hatte etwas zu erwidern.

Im Garten war Roses Bruder nicht zu sehen und der Nimbus Zweitausend war verschwunden. Rose und Harry ließen die Klatscher und den Schnatz fliegen, bevor sie sich schließlich bei einem Schachspiel erholten. Harry bemerkte, dass er viel schlechter spielte als das Mädchen.

„Nimm mir das nicht übel, aber selbst mein Bruder spielt besser", meinte sie, als sie seinen König Schachmatt setzte.

„Und du bist sehr stark", meinte Harry anerkennend, ohne sich zu ärgern, weil er daran gewöhnt war, gegen Ron zu verlieren. „Spielen wir noch einmal?"

„Wenn du willst."

Im Laufe des Spiels betrat der andere Harry das Wohnzimmer, wo sie saßen. Er beobachtete sie einen Augenblick lang und sagte, da sein Doppelgänger einen Turm nach vorne schickte:

„Dieser Spielzug ist dumm. Du hast deinen Turm gerade verloren."

Auch Letzterer schien es bemerkt zu haben und trampelte auf dem Schachbrett.

„Lass uns in Ruhe, Flubberwurm", antwortete Rose und schlug den Turm widerstandslos nieder.

„Amüsiert es dich, den Babysitter zu spielen?", fragte Flubberwurm seinen Doppelgänger.

„Es amüsiert mich, mit netten Leuten zu spielen", erwiderte Harry, der es ironisch fand, dass ihn sein regelmäßiges Wortgefecht mit Malfoy daran gewöhnt hatte, spöttische Bemerkungen schlagfertig zu beantworten.

„Hast du nicht woanders Leute, die du ärgern kannst?", schlug Rose vor.

„Ich bin hier bei mir zu Hause", antwortete ihr Bruder übel gelaunt, während er sich auf das Sofa setzte und zu einer Sportzeitung griff.

Rose wollte antworten, aber Harry bedeutete ihr, es sein zu lassen, bevor er seinen letzten Springer genau so katastrophal nach vorne schickte und ihn verlor.

Nachdem sie ihn besiegt hatte, schlug Rose vor Zauberschnippschnapp zu spielen und Harry konnte sich dabei revanchieren. Als Lily die Jugendlichen zum Abendessen abholte, schien sie zufrieden, sie so friedlich wirkend zu finden.

„Kommt Essen, meine Schätze, ihr habt sicher Hunger. Hast du einen schönen Nachmittag gehabt, Harry?", fragte sie und sah dabei ihren Schützling an.

Harry bejahte und sie gingen zum Speisesaal.

Sobald sie Totsy bedient hatte und in die Küche verschwunden war, fing Lily an, nachdem sie mit ihrem Mann einen Blick gewechselt hatte:

„Ich denke, dass wir alle zusammen über die Folgen von Harrys Ankunft bei uns reden sollten."

Ihr Sohn seufzte wütend und Rose sah ihre Mutter interessiert an. James hatte einen unergründlichen Gesichtsausdruck aufgesetzt, als hätte er nichts gehört oder sich für nicht betroffen halten würde. Ungestört fuhr Lily fort:

„Ihr habt alle verstanden, dass unser neuer Harry eine wichtige Rolle im Krieg spielt, der bei ihm zu Hause stattfindet. Aus diesem Grund kennt er Geheimnisse, die bei uns böswillige Leute interessieren könnten. Darum haben euer Dad und ich entschlossen, seine Anwesenheit möglichst geheim zu halten. Das heißt, dass wir keinen einladen werden, so lange er da ist."

„Aber Neville sollte nächste Woche kommen!", protestierte ihr Sohn.

„Ich werde mit Alice und Frank besprechen, dass du hingehen wirst", erwiderte seine Mutter.

„Und das Abendessen morgen mit Sirius, Remus und Peter?", wollte Rose wissen.

„Fällt aus!", antwortete ihr Vater barsch.

Harry senkte den Blick auf seinen Teller und fragte sich, ob ihm James eines Tages würde verzeihen können, dass er ihn dazu gebracht, an der Treue seiner Freunde zu zweifeln, wo er ihnen bisher doch stets völlig vertraut hatte.

„Und was meinen siebzehnten Geburtstag betrifft?", fragte Harrys Doppelgänger weiter. „Wir sollten all meine Freunde einladen. Sagt mir nicht, dass ihr auch das werdet ausfallen lassen, wenn der andere noch da ist!"

„Deinen Geburtstag haben wir jedes Jahr gefeiert", erwiderte Lily. „Es wird dich schon nicht umbringen, wenn wir es das eine Mal nur im Rahmen der Familie feiern. Und du solltest etwas mehr Dankbarkeit zeigen, dass du während all dieser Jahre so sehr verwöhnt wurdest. Harry hatte nicht dein Glück."

„Das wissen wir bereits, dass der unglücklich gewesen ist! Aber wir müssen ja nicht auf alles verzichten, nur weil er da ist!"

„Wie kannst du so egoistisch sein!", empörte sich Lily. „Ich bin überrascht, dich so reden zu hören. Ich muss in deiner Erziehung versagt haben, dass du so selbstsüchtig bist."

„Alles klar, ich habe verstanden. Ich lasse euch alleine mit dem anderen, da ihr ihn lieber habt."

Der wütende Jugendliche stand plötzlich auf und man hörte, wie er die Treppe hinauf lief, bevor die Tür seines Zimmers zugeknallt wurde. Es herrschte eine verstörte Stille und Lily murmelte:

„Es tut mir Leid, Harry, du bist nicht Schuld daran..."

Harry konnte nichts mehr ertragen. Ihm war die Wut seines Doppelgängers sogar lieber als dieses überfürsorgliche Bemuttern. Und der andere Harry hatte ja Recht. Lily durfte ihn nicht als ihren Sohn behandeln, er war es ja nicht. Er stand auch auf und suchte Zuflucht im Garten.

Er war wütend auf sich selbst. Nicht nur, weil er das Leben dieser ganzen Familie durcheinander brachte, sondern weil er all das auch nicht zu schätzen wusste, was Lily für ihn tat. Die Dursleys hatten vielleicht doch Recht: Er war nichts als ein undankbarer Junge. Als er den Teich am anderen Ende des Gartens erreichte, nahm er einen Stein vom Boden und warf ihn so weit er konnte, was die Kröten fliehen ließ. Nach etwa zehn Würfe fühlte er sich besser.

Er hörte, wie Schritte auf ihn zu kamen. Da er nicht wirklich mit seiner Beschützerin reden wollte, versteckte er sich in der kleinen Gartenhütte. Doch es war nicht Lily. Es war der andere Harry, der immer noch außer sich vor Wut zu sein schien. Auch er holte Kiesel vom Boden und warf sie mit aller Kraft in den Teich. Schlechter Tag für die Kröten, dachte Harry.

„Harry?"

Diesmal war kein Zweifel möglich: Es war Lily, die nach einem der beiden Jungen rief. Ihr Sohn schien nicht williger zu sein als ihr Schützling, mit ihr zu reden. Er schritt nach hinten, um sich im Schuppen zu verstecken und rief überrascht aus, als er auf eine andere Person stieß.

„Was treibst du denn hier?", flüsterte er.

„Klappe, sie wird uns hören!", erwiderte Harry.

„Warum gehst du nicht hin? Sie sucht nach dir."

„Nach dir sucht sie!"

Die beiden Jungen schwiegen, als Lily in der Nähe ankam und schritten möglichst weit in die Schatten nach hinten, damit sie keinen der beiden sah. Sie seufzte und ging zum Haus zurück. Sobald sie sich entfernt hatte, schob ihr Sohn seinen Doppelgänger mit aller Kraft weg, was ihn stolpern ließ. Um nicht zu fallen, streckte Harry die Hand aus und berührte ungewollt den Nimbus Zweitausend, der an der Wand gelehnt war.

„Vorsicht!", riefen beide aus und stürzten sich darauf.

Sie fingen den Besen auf, bevor er auf den Boden fiel.

„Du willst noch dazu meinen Besen brechen, was?"

Du bist daran Schuld, du Vollidiot!"

„Klar, hier bin ich ständig an allem Schuld. Der Waise, der ist perfekt!"

„Rutsch mir den Buckel runter!"

„Wenn du dann abhaust!"

„Mach dir keine Sorgen, ich werde nicht ewig hier bleiben. Du wirst dein kleines ruhiges Leben wieder finden können."

„Je früher, desto besser!"

Da ihnen nichts mehr einfiel, was sie zueinander sagen könnten, betrachteten beide Harrys den Nimbus, den sie sorgfältig wieder an die Wand gelehnt hatten. Da er sah, dass sein Besitzer den letzten Kratzer musterte, spürte Harry, wie ihm die Röte ins Gesicht schoss.

„Ich fass' es nicht! Du hast meinen Besen benutzt und ihn beschädigt!", rief der andere aus.

„Hör mal, hast du gesehen, in welchem Zustand er vorher war?", protestierte Harry, obwohl er damit nicht ganz die Wahrheit sagte. „Halse mir ja nicht alles auf."

„Ich verbiete dir, ihn zu berühren, verstanden?"

„Deinen wertlosen Nimbus kannst du ja gerne behalten. Er ist nicht halb so gut wie mein Feuerblitz."

„Das kaufe ich dir nicht ab?"

„Glaub doch, was du willst..."

„Sehr gut. Mal sehen, ob du wirklich besser bist als ich. Sobald meine Eltern im Bett sind, tragen wir einen Großen Preis aus."

„Einen was?"

„Eine Strecke, die Neville und ich geschaffen haben. Wer als erster ankommt, hat gewonnen."

„Und welchen Besen nehme ich?"

„Nimm einfach Roses Besen", erwiderte der andere.

Harry hatte genug Erfahrung in diesem Gebiet und wusste daher, dass es eine Dummheit war, die ihm nichts als Unannehmlichkeiten bringen würde. Wie könnte er aber diese Herausforderung nicht annehmen, ohne sich lächerlich zu machen? Und immerhin war der andere bei sich zu Hause und wusste, welche Grenzen er nicht überschreiten durfte.

„Einverstanden."

„Perfekt. Wir treffen uns hier um Mitternacht."

Beide Jungen kehrten zum Haus zurück und verschlossen sich in ihren Zimmern. Eine Stunde später gingen James und Lily schlafen. Um Mitternacht ging Harry aus dem Raum, der ihm zugeteilt worden war und ging zum Schuppen. Der andere stand schon dort und deaktivierte gerade den diebstahlssicheren Fluch auf den Besen. Als beide ihre Besen geholt hatten, gingen sie hinaus und flogen ab, um die Strecke zu erkunden.

Man musste das Dorf umfliegen, indem man den Wald durchflog, dann das Bett eines eingeengten und sich schlängelnden Flusses entlangfliegen – und dabei unter den Brücken, die die Landstraße unterstützten. Schließlich sollten sie beim Rückflug über einer Straße fliegen – ohne von den wenigen Fahrern erblickt zu werden, die zu dieser Stunde darauf fahren würden.

„Das ist nicht zu schwierig", erklärte der Harry, der an die Strecke gewöhnt war. „Sie sehen nicht viel außer dem, was ihre Scheinwerfer erhellen. Im schlimmsten Fall halten sie dich für eine Eule."

Harry dachte, dass es eine gute Weise sei, freundliche Briefe von Mafalda Hopfkirch von der Abteilung für unbefugte Zauberei zu erhalten, aber er verkniff sich jeden Kommentar und konzentrierte sich lieber auf die Details der Strecke, um sich nicht zu verfliegen, wenn das Rennen anfangen würde.

Sie kehrten zum Ausgangspunkt zurück.

„Du wirst dreißig Sekunden vor mir abfliegen", entschied der Veranstalter. „Es wird deine schlechten Kenntnisse vom Feld ausgleichen."

„Ich brauche keine Begünstigung", lehnte Harry ab. „Ich habe perfekt verstanden, worüber wir fliegen. Du willst nur eine Ausrede haben, wenn du verlierst."

„Sehr gut, wie du willst. Bereit? Eins, zwei, drei!"

Die beiden Jungen waren beim Abflug ganz dicht nebeneinander. Als sie den Wald erreichten, der Godric's Hollow umgab, mussten sie sich trennen. Sie mussten zwischen den Baumstämmen in Zickzack fliegen, ohne sich von ihrem Weg zu entfernen und auch ohne zu viel Zeit dabei zu verlieren, die Hindernisse zu umfliegen. Jener, der den Ort am besten kannte, hatte einen Vorsprung. Er wurde aber über dem Fluss von seinem Gegner eingeholt, der fast auf seinem Besen lag und mit höchster Geschwindigkeit flog.

Es war sehr gefährlich, weil der Höhenunterschied zwischen Wasser und Brücke nicht allzu groß war, aber der Wetteifer siegte und durch die Gegend rasten bald zwei Kometen, die sich um ein Haar gegenseitig geschlagen hätten, wenn sie gleichzeitig unter den gleichen Bogen flogen.

Sie erreichten schließlich die Straße, über die sie fliegen mussten. Die Strecke war breiter, aber die Wagen, die dort fuhren, zwangen sie dazu, in der Nähe der Bäume zu bleiben, die auf beiden Seiten des Asphalts standen. Beide wären beinahe gegen einen Ast gestoßen und Harry vermied knapp zu fallen, weil er zu weit unten geflogen war, um ein schlecht geschnittenes Geäst zu meiden. Er musste seinen Flug verlangsamen, um den Boden zu meiden und fluchte, als er sah, dass sein Gegner davon profitiert hatte und davon zog. Er raste los, um ihn einzuholen.

In jenem Augenblick geschah der Unfall. Der andere Harry kam aus einer Kurve, als ein LKW vor ihm erschien. Er flog eilig hinauf, konnte der Eiche aber nicht ausweichen, die an diesem Ort am Rand der Straße stand. Der Fahrer bremste, weil er von der Silhouette überrascht worden war, die er auf der anderen Seite seiner Windschutzscheibe erblickt hatte, dann fuhr er weiter und stellte sich vor, er habe nur einen Nachtvogel erschreckt. Er sah den Verspäteten nicht, der vom Geräusch der Bremsen gewarnt worden war und vernünftig höher geflogen war.

Harry fragte sich, was die Reaktion des LKW-Fahrers verursacht hatte. Um sich selbst zu beruhigen, verlangsamte er mehr als die Kurve, über der er flog, es benötigte und schließlich sah er den Nimbus Zweitausend auf dem Boden. Er änderte seine Richtung und stürzte sich zum gefallenen Besen. Genau in dem Moment glitt sein Doppelgänger vom Zweig, an den er es geschafft hatte, sich zu hängen und er fiel vier Meter darunter auf den Boden.

Harry landete eilig.

„Geht es?", fragte er.

„Es tut mir weh", antwortete ihm der andere und richtete sich mit Schwierigkeiten auf. „Mein Arm", sagte er mit verzerrtem Gesicht.

Harry brachte seinen Zauberstab zum Leuchten, um die Schäden zu prüfen. Sein Doppelgänger hatte seine Brille verloren, eine Beule entstand auf seiner Stirn und er hielt sein Handgelenk gegen seine Brust.

„Kannst du deine Finger bewegen?", fragte er.

Ein Versuch bewies ihnen, dass dies nicht der Fall war.

„Tut dir ein anderer Körperteil weh?"

„Hab mir den Kopf gestoßen."

„Da hast du eine schöne Beule", nickte er. „Lass mich schauen... nein, du scheinst keine andere Verletzungen zu haben. Wie viele Finger habe ich?"

„Du Doof, ich habe meine Brille nicht an."

„Gut, zumindest weißt du, wer ich bin. Dein Gehirn ist nicht beschädigt."

Er half dem Verletzten beim Aufstehen.

Accio Brille", sprach er in die Richtung des Baums aus.

Eine verdrehte Brille fiel daraus. Ein Reparo gab deren Besitzer das Sehvermögen wieder.

„Ist mein Besen gebrochen?", fragte jener besorgt.

Harry überprüfte es. Er schien immer noch nutzbar.

„Ich vermute, dass wir am besten zurück müssen."

„Meine Mum wird mich umbringen", ächzte der Verletzte.

„Aber zumindest wird sie deinen Arm heilen."

„Ich werde den ganzen Sommer lang davon hören. Hey... mir ist gerade was eingefallen!"

„Ja?", fragte Harry vorsichtig und verstand plötzlich, warum Hermine immer besorgt wirkte, wenn er diese Worte sprach.

„Was, wenn ich mich in St. Mungo würde heilen lassen? So habe ich morgen nichts mehr. Dann wird sie nie was bemerken."

„St. Mungo? Und wie sollen wir dorthin?"

„Mit dem Besen, natürlich. London ist nur zwei Stunden von hier entfernt, so wie die Eule fliegt."

„Du bist völlig bekloppt."

„Du musst nicht mit."

„Mit deinem zerschlagenen Arm wirst du es nie schaffen."

„Umso besser für dich. So kannst du meine Stelle endgültig übernehmen."

„Du kannst dich echt dumm anstellen, wenn du es willst!"

„Ich brauche dich nicht, habe ich dir gesagt."

Der andere Harry öffnete zwei Knöpfe seines Umhangs und legte seinen verletzten Arm in die Öffnung, um ihn zu stützen. Dann ging er zu seinem Besen, der sich auf seinen Ruf unter seine linke Hand legte. Er stieg auf und flog ab. Harry folgte ihm eiligst. Der Flug verlief problemlos. Sie flogen hoch am Himmel, um weder gesehen zu werden noch sich vor den Bäumen fürchten zu müssen. Jener, der vorne flog, schien den Weg zu kennen.

Nachdem sie in eine Richtung geflogen waren, von der Harry hoffte, dass er sie nicht willkürlich gewählt hatte, kamen sie zu einer Autobahn, der sie folgten, bis sie die britische Hauptstadt sahen. Nur das Überfliegen eines Flughafens erwies sich als schwierig, dann landeten beide Besen vor dem Krankenhaus, nachdem sie ein oder zwei Male unsicher über der Stadt herumgeflogen waren. Die Zauberer beeilten sich, das Krankenhaus zu betreten, denn sie hatten nicht vor, von Muggeln erblickt zu werden.

Der Verletzte wurde gleich behandelt. Eine Viertelstunde nach seiner Ankunft kam er aus dem Büro des Heilers und bewegte seine neulich geheilten Handgelenk und Finger.

„Wir können zurück", sagte er.

Harry, der auf eine Bank im Wartezimmer zusammengesunken war, warf ihm einen wenig freundlichen Blick zu. Es war drei Uhr morgens, er war erschöpft und die Aussicht, noch zwei Stunden lang zu fliegen, erfreute ihn nicht besonders.

„Habe Mut, du Warmduscher!", rief ihm jener zu, der wie durch einen Wunder entkommen war.

„Haben sie dich einen Kräftigungstrank einnehmen lassen?"

„Ja. Willst du auch um einen für dich bitten?"

„Vergiss es."

„Nun, komm schon, wir werden den Kamin des Empfangssaal benutzen."

„Darf man?"

„Ja, wenn man Flohpulver kauft."

„Hast du Geld dabei?"

„Ich muss noch einige Sickel in meiner Tasche haben. Komm schon, ich bin großzügig, ich schenke dir die Reise."

Harry kommentierte lieber nicht.

Die Frau an der Empfangstheke verkaufte tatsächlich kleine Tüten mit grünem Pulver drin. Beide Harrys betraten den Kamin und waren froh, nach Hause zurück zu kehren.

James und Lily standen im Wohnzimmer, als sie aus dem Kamin stürzten.

OoOoO

„Merlin sei Dank, ihr seid hier!", rief Lily aus.

Sie stürzte sich zum nächsten Harry und umarmte ihn. James betrachtete beide jungen Leute gründlich, als wollte er sich davon überzeugen, dass sie beide unversehrt waren. Lily ließ den Harry los, den sie hielt, um den anderen zu ergreifen.

„Dürfen wir wissen, wo ihr mit euren Besen herkommt?", fragte James kühl.

„Wir sind spazieren geflogen", versuchte sein Sohn.

„Um zwei Uhr morgens?", erstaunte sich Lily in einem strengen Ton.

„Wir konnten nicht schlafen!", antwortete er.

„Es gibt andere Tätigkeiten, die besser zu dieser Stunde passen", bemerkte James.

„Und dazu haben wir dir ja streng verboten, nachts zu fliegen", vervollständigte Lily und warf dabei ihrem Sohn vernichtende Blicke zu. „Du bist noch minderjährig."

„Nicht mehr lange", protestierte ihr Sohn.

„Dann glaubst du vielleicht, dass wir dich Dummheiten begehen lassen, weil du siebzehn bist?", fragte Lily, so dass ihr Sohn das Gesicht vor Verdruss verzog und Harry davon überzeugt wurde, dass er seine Volljährigkeit nicht als Argument benutzen konnte.

„Um wie viel Uhr seid ihr weggeflogen?", fragte sie James, der es ablehnte, weiter darüber zu reden. „Und wo seid ihr hingeflogen, dass ihr mit dem Kamin zurückgekehrt seid?"

Er runzelte die Augenbrauen und ergriff den Arm seines Sohns, dessen Ärmel zerrissen war. Er starrte ihn an und konnte den Bluterguss nicht übersehen, der von seiner Stirn nicht völlig verschwunden war.

„Was ist dir geschehen?", fragte er.

„Sagt mir nicht, dass ihr euch geprügelt habt", sorgte sich Lily.

„Nein!", versicherten beide Jungen gleichzeitig.

„Wer hat deine Stirn und deinen Arm geheilt?", fragte James.

„Ein Heiler in St. Mungo", gestand sein Sohn. „Aber ich hatte fast nichts, ich versichere es dir!"

„Ihr seid doch nicht mit dem Besen dahin geflogen!", rief Lily aus.

Die Stille allein antwortete ihr.

„Wie konntet ihr so unvernünftig sein?", fragte sie wütend.

„Es tut mir Leid, ich bin daran Schuld", griff ihr Gast ein. „Ich habe die Idee gehabt."

Der andere starrte ihn überrascht an, doch der Blick seiner Eltern war auf Harry gerichtet und sie bemerkten es daher nicht.

„Aber...", sagte Lily weniger vehement.

„Es tut mir Leid. Ich bin daran gewöhnt, es so zu tun", erklärte Harry.

„Ja, ich verstehe, aber hier kannst du um Hilfe bitten. Du musst dir nicht allein heraus helfen. Gut, ich vermute, dass wir es diesmal..."

„Oh nein!", unterbrach James.

„Was?"

„Ich habe nein gesagt. Du warst dazu bereit, deinen Sohn zu bestrafen und jetzt würdest du nichts mehr tun. Ich bin nicht einverstanden. Ihr beide, eure Zauberstäbe!"

Während beide Jungen sie ihm beschämt reichten, präzisierte James:

„Ihr dürft sie eine Woche lang nicht haben. Und ihr müsst den Schuppen mit eigener Kraft einräumen und streichen."

„Oh, nein", protestierten beide Regelverstoßer gleichzeitig.

„Oh doch. Sofort ins Zimmer!"

Mit gesenktem Kopf verließen beide Jungen das Wohnzimmer.

„Tut mir Leid", flüsterte Harry, während sie die Treppe hinaufliefen.

„Nein, das war ein guter Versuch. Und du hast es ja teilweise geschafft. Wenn Mum die Strafe bestimmt hätte, dann wäre es schlimmer gewesen."

„Schlimmer als das?"

„Ja, du hast bemerkt, dass uns Dad nicht verboten hat zu fliegen."

„Er muss es vergessen haben."

„Davon wäre ich zutiefst überrascht!"

Der Harry, der hier zu Hause war, zwinkerte seinem Doppelgänger zu, bevor er sein Zimmer betrat. Der andere betrat dann sein eigenes Zimmer mit einem Lächeln auf den Lippen.


Und... das war's für heute ! Bis nächsten Sonntag! Zögert nicht zu reviewen, falls euch die Geschichte gefällt :-)

Was? Ihr möchtet wissen, was nächsten Sonntag kommt? Nun... Eine Strafarbeit, aber auch angenehme und weniger angenehme Gespräche.