Hallo an alle! Ja, ich bin wieder da! Hier ist die nächste Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: Le choix de Lord Voldemort. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir. Zögert nicht, die ersten Kapitel wieder zu lesen, selbst wenn ihr euch noch daran erinnert, sie sind nämlich jetzt besser geschrieben, dank meiner lieben Betaleserin Verliebtindich.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich verdienen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten sechs Bände von Harry Potter.

Anmerkung von Alixe: Jene, die meine FF Der Andere schon gelesen haben, werden bemerken, dass es die gleiche Idee ist. Selbst, wenn einige Dinge gleich sind – wie zum Beispiel meine Sicht der Welt des anderen Harrys –, sind beide Geschichten voneinander unabhängig. Die Geschichte fängt am 2. August 1997 an, zwei Tage nach Harrys siebzehntem Geburtstag.


Die Entscheidung von Lord Voldemort:

Kapitel 6: Die Seele von Tom Riddle:

Harry erwachte um zehn Uhr am nächsten Morgen. Als er zum Frühstück herunter ging, sah er, dass sein Doppelgänger vor ihm aufgestanden war und unter dem spöttischen Blick seiner Schwester schmollend seinen Tee trank. Er setzte sich, goss Tee in seine Tasse und steckte aus Gewohnheit die Hand in seine Tasche, um seinen Zauberstab daraus zu ziehen. Natürlich war er nicht da.

„Ja, das ist kalt", murrte der andere.

„Warum hat man euch eure Zauberstäbe weggenommen?", fragte Rose.

„Ich habe dir bereits erklärt, dass es dich nichts angeht, Grindeloh", wies ihr Bruder sie ab.

„Wir sind heute Nacht spazieren geflogen und wir wurden ertappt", erklärte ihr Harry freundlicher. „Übrigens bitte ich dich um Verzeihung, ich habe deinen Besen genommen, ohne um deine Erlaubnis zu bitten. Aber ich habe ihn nicht beschädigt", fügte er eilig hinzu.

„Ich hoffe es!", kommentierte Rose mit einer Stimme, die strenger hätte sein können. „Gut, ich lasse euch euren eisigen Tee und eure Gallerteier genießen."

„Hau ab, haariger Ghul!", sagte ihr ihr Bruder.

„Das mache ich, ich bin ja nicht scharf darauf, einen Flubberwurm fressen zu sehen", antwortete sie und verschwand.

„Ich weiß nicht, wie du sie ertragen kannst", murrte der Flubberwurm zu seinem Doppelgänger.

„Sie ist nett", antwortete Letzterer.

Er hob die Glocke über seinen Rühreiern. Als er die dickflüssige Masse betrachtete, fügte er hinzu:

„Tja, meistens."

Er hatte einen plötzlichen Einfall und sprang von seinem Stuhl hoch, um das Mädchen im Flur einzuholen.

„Bitte, Rose, würdest du mein Frühstück erwärmen? Ich werde deinen Besen polieren bis er wie eine neue Galleone glänzt."

„Einverstanden", nahm sie an, nachdem sie einige Sekunden lang getan hatte, als würde sie überlegen.

Sie ging zum Speisesaal zurück und bewegte ihren Zauberstab zweimal zu Harrys Tasse und Teller.

„Und ich?", fragte der andere.

Du hast das Zauberwort nicht gesagt", erwiderte seine Schwester und ging eilig weg.

„Was für ein kleines Aas!", rief ihr Bruder aus.

Ich finde sie wirklich ent-zü-ckend", meinte Harry spöttisch, bevor er seinen Frühstück anfing. „Hm, wie köstlich sind diese lauwarmen Eier."

Sein Doppelgänger schien, den dampfenden Teller durch Gewalt erobern zu wollen, als James den Raum betrat.

„Nun, meine Herrschaften, wie genießt ihr euer Frühstück?", fragte er mit fröhlicher Stimme.

Er betrachtete ihre beiden Teller und bemerkte:

„Einer scheint mir begabter als der andere."

„Er hat gemogelt!", protestierte der andere Harry.

„Die Regel verbietet nicht, freundlich zu jüngeren Schwestern zu sein", setzte ihm sein Vater trocken scherzend entgegen. „Ich hoffe, dass ihr heute Morgen in Hochform seid", schloss er.

„Ja, ja", murrte sein Sohn und trank mit verzerrtem Gesicht aus seinem kalten Tee.

„Ich wollte euch nur sagen, dass das Material, das ihr benötigen werdet, um die Remise zu putzen und wieder mit Farbe zu streichen, euch im Garten zur Verfügung steht."

James setzte seinen strengen Ausdruck ab, schloss die Tür des Speisesaals und stellte sich vor die beiden Jungen.

„Wo ist es dir passiert?", fragte er seinen Sohn mit einer Kennermiene.

„Hä?", fragte Letzterer, als würde er nicht verstehen, worum es ging.

„Wo bist du gefallen? Im Wald? Über dem Fluss? Auf der Straße?"

„Woher weißt du das denn?"

„Einem alten Rumtreiber wie mir kann man nichts mehr vormachen. Glaubst du, dass ich dich und Neville dumme Sachen begehen lasse?"

Harry dachte, dass Lily jenen Großen Preis als dumme Sachen betrachten würde, wenn er sich nach den Vorsichtsmaßnahmen richtete, die James getroffen hatte, damit sie sie nicht hörte.

„Tja, über der Straße", gab ihr Sohn zu. „Ich flog etwas zu weit unten und mir ist ein LKW entgegen gekommen."

„Hat er dich gesehen?", fragte James besorgt.

„Ich glaube nicht. Er hat ja nicht Mal gestoppt."

„Und wer war dabei zu gewinnen?"

„Ich, natürlich!", behauptete sein Sohn.

„Hey, ich hätte dich vor der Endlinie überholen können", protestierte Harry.

„Wie auch immer wird der erste, der vom Besen fällt, als Aufgeber betrachtet", erklärte ihm James. „Und was war der Wetteinsatz?"

Beide Jungen sahen sich an und wurden sich bewusst, dass sie keinen festgelegt hatten.

„Er wollte mir nur zeigen, dass er besser fliegt als ich, aber er hat versagt", sagte Harry schließlich, der seinen neulich angesagten Sieg genießen wollte.

„Ja, ja", meinte der schlechte Verlierer. „Und wieso wart Mum und du übrigens um drei Uhr morgens auf?", fragte er seinen Vater.

„Nach unserem kleinen... hm... Gespräch während des Abendessens hat deine Mum schlecht geschlafen. Sie ist um zwei Uhr aufgestanden und ging zu deinem Zimmer, zweifellos, um deine Betttücher einzuschlagen oder was Ähnliches zu tun. Manchmal hat sie Schwierigkeiten sich einzugestehen, dass du ein bisschen älter geworden bist, weißt du. Man muss ja zugeben, dass du ihr dabei nicht sehr hilfst, was. Wie auch immer hat sie gesehen, dass du nicht da warst. Sie hat das ganze Haus durchsucht und ist sich dessen bewusst worden, dass ihr Sohn-der-nicht-ihr-Sohn-ist auch verschwunden war. Sie ist zu mir gekommen und hat mich geweckt. Ich bin zur Remise gegangen, um zu prüfen, ob die Besen noch da waren, und da ich bemerkt habe, dass sie verschwunden waren, habe ich daraus geschlossen, dass ihr einen kleinen Spazierflug gemacht hattet. Ich muss euch ja gestehen, dass ich Schwierigkeiten hatte, Lily daran zu hindern, nach Dumbledore oder dem Ministerium zu rufen. Nachdem wir eine Weile auf euch gewartet hatten, wollte ich gerade euch nachfliegen, aber da seid ihr angekommen. Ehrlich, Harry, du hättest nach Hause zurückfliegen müssen, nachdem du dich verletzt hast. Diese Nachtreise war gefährlich und es ist illegal, London zu überfliegen."

„Entschuldigung, Dad", sagte sein Sohn, der zu akzeptieren schien, dass er zu weit gegangen war.

„Bei deiner Mum musst du dich entschuldigen, nicht bei mir", erwiderte James. „Sie hat sich große Sorgen gemacht. Und das gilt für dich auch, Harry-Sohn-eines-anderen-James."

„Ja, es tut mir Leid", meinte der Junge, der lebt, bereuend.

„Gut, an die Arbeit, meine Herrschaften. Ich muss jetzt los, sonst komme ich zu spät zu meinem Termin."

Und hierauf ging er hinaus und lächelte dabei beide Junge gleich freundlich an.


Es war fast Mittag, als sie die Remise schließlich geleert hatten, um sie wieder mit Farbe wieder zu streichen. Sie hatten anderthalb Stunde in einer nicht besonders freundlichen, doch auch nicht feindlichen Stille gearbeitet. Es blieb ihnen kaum eine Viertelstunde bis zum Mittagessen übrig und sie trafen die Entscheidung aufzuhören und erst am Nachmittag weiterzumachen. Derjenige, der hier zu Hause war, ging zum Wohnzimmer, um Neville kaminisch zu erreichen – die beiden hatten sich nämlich für jenen Tag verabredet. Harry entschied sich, zu Lily zu gehen. Er musste sich bei ihr entschuldigen und je früher, desto besser.

Er klopfte an die Tür ihres Arbeitszimmers und trat ein, als sie ihn hereinrief.

„Ach, du bist es", sagte sie mit kalter Stimme.

Harry fragte sich, wie sie es getan hatte, um ihn sofort zu erkennen. Hatte sie den Umhang wieder erkannt, den sie ihm gegeben hatte?

„Ich wollte Sie um Verzeihung für heute Nacht bitten", fing er demütig an.

„Aber verflixt, Harry, was ist mit euch passiert? Was wolltet ihr beweisen? Von meinem Sohn erstaunt es mich nicht, aber du!"

„Aber nichts! Ich und Ihr Sohn sind die gleiche Person!"

„Mit all dem, was du erlebt hast..."

„Woran erinnern Sie sich denn von dem, was ich Ihnen erzählt habe?", murrte Harry und war erstaunt, dass er sich so wütend fühlte. „Haben Sie nicht verstanden, dass ich Sirius wegen einer Dummheit getötet habe? Dass ich meine Freunde regelmäßig gefährde? Und dass ich nur dem allen entkomme, weil ich Glück habe? Ihr Sohn ist viel vernünftiger als ich, verstehen Sie das nicht?"

Harry, der plötzlich unfähig war, ihren überraschten Blick länger zu ertragen, drehte sich um und ging zum Gang zurück. Da spürte er, wie es in seinen Ohren summte und er zögerte. Er hatte kein Schlafzimmer, in dem er Schutz finden könnte, da er in Lilys Arbeitszimmer untergekommen war. Die Frau nutzte sein Zögern, um ihn einzuholen. Sie ergriff fest seinen Arm.

„Harry, Harry verzeih mir. Bitte, geh nicht weg. Jetzt habe ich verstanden."

Da er zu sehr damit beschäftigt war, mit tosenden Gefühlen umzugehen, ließ er sich widerstandslos ins Arbeitszimmer ziehen. Freundlicherweise schob sie ihn zum Sofa, auf dem er schlief, und setzte sich neben ihn.

„Verzeih mir", wiederholte sie sanft. „Ich weiß, dass du Recht hast, James hat es mir gestern Abend erklärt. Aber ich kann einfach nicht anders. Einerseits möchte ich dir alles geben, was du während deiner Kindheit nicht hattest. Andererseits kann ich mich nicht daran hindern, dich wie einen Helden zu betrachten. Ich weiß, dass ich nicht so handle wie ich es müsste, es tut mir Leid. Deine Mum hätte es zweifellos besser geschafft..."

Harry schloss die Augen und versuchte, sich zu kontrollieren. Besser war, nicht vor Wut zu schreien. Nicht wie ein Bengel zu schluchzen. Nicht alles zu zerbrechen wie damals in Dumbledores Büro. Er spürte, wie sie aufstand, und hoffte, dass sie ihn in Ruhe lassen würde. Doch sie kam schnell zu ihm zurück.

„Nimm."

Er öffnete die Augen und sah, dass sie ihm einen Trinkbecher reichte. Er sah ihn misstrauisch an. Ein Blick zu ihr sagte ihm, dass sie selber einen anderen nutzte und daraus mit kleinen Zügen trank. Er probierte einen kleinen Zug. Es war ziemlich gut, zuckerig aber nicht zu viel und es erwärmte seine Gurgel fast wie Butterbier, als er es hinunterschluckte. Langsam trank er das Getränk aus und er fühlte sich viel besser, als ihm Lily seinen leeren Becher wegnahm.

Sie setzte sich wieder neben ihn.

„Möchtest du mir eine neue Chance geben?", fragte sie.

„Sie müssen sich nicht entschuldigen", antwortete er mit einer müden Stimme. „Sie haben mich nicht von sich zurückgewiesen, als Sie verstanden haben, dass ich nicht Ihr Sohn bin. Sie versuchen, mir zu helfen, obwohl Ihnen mein Voldemort gar nicht droht."

„Aber ich unterdrücke dich mit meiner Mütterlichkeit", seufzte sie. „Ich will dich wie meinen Harry behandeln, aber das ist unmöglich. Nicht, dass ich nicht an dir hänge", präzisierte sie, „aber man kann ja nicht siebzehn Jahre Intimität in wenigen Tagen improvisieren. Ich belüge uns beide, wenn ich tue, als würde ich das schaffen."

Harry fing an, sich verstört zu fühlen. Diese Selbstgeißelung ließ ihn sich unwohl fühlen. Lily spürte es zweifellos.

„Aber ich darf dich mit meinen Erwachsenenbefragungen nicht stören", erkannte sie an. „Ich werde einfach versuchen, gerechter zu euch beiden zu sein, einverstanden?"

Er nickte.

„Gut, wasche dir schnell die Hände, wir essen gleich. Was hast du getan, dass du so schmutzig geworden bist?"

„Die Remise", erinnerte er sie.

„Ach, ja, das stimmt! Weißt du, wo ich meinen Sohn finden kann?"

„Er wollte Neville aus dem Wohnzimmerkamin anrufen."

„Danke, bis gleich."


Als Lily und ihr Sohn den Speisesaal mit etwas Verspätung zusammen betraten, schien wieder Friede zwischen ihnen herrschen. Die Stimmung war weniger schwer als während der vorigen Mahlzeiten. Jeder bemühte sich, am Gespräch teilzunehmen, und schließlich kam es zu einem Vergleich der Streiche und Erfindungen der Weasley-Zwillinge in den beiden Welten. Harry war erstaunt zu erfahren, dass die Weasleys wildfeurige Wunderknaller hier nicht existierten. Doch er erinnerte sich daran, dass sie seine Freunde hergestellt hatten, um in Hogwarts, das damals unter Umbridges Joch stand, Unordnung zu bringen, und dass diese Unterhaltungsgegenstände in einer Welt, in der sie nicht Schulleiterin gewesen war, nichts zu tun hatten. Jeder fand es lustig zu erfahren, dass es in beiden Welten die Zwillinge waren, die bei Filch die Karte der Rumtreiber wieder gekriegt hatten und sie ihrem eigenen Harry gezeigt hatten, ohne zu wissen, dass es dessen Vater war, der sie geschaffen hatte.

Sobald das Mittagessen zu Ende war, gingen die beiden Jungen zu ihrer Säuberungsaktion zurück. Sie stritten, um festzulegen, welche Methode die bessere sei, um die Wände wieder zu streichen, jagten zusammen Roses Hund weg, der sie störte, und diskutierten um zu entscheiden, wer das Äußere wieder streichen und wer die Innenwände übertünchen würde. Harry ließ schließlich den anderen wählen, weil er dachte, dass sie Besseres zu tun hatten, als miteinander wegen Dummheiten zu streiten. Dann strichen sie um die Wette, um zu sehen, wer der schnellere sei. Nach dem Abendessen hielt Harry sein Versprechen Rose gegenüber und unter dem interessierten Blick von Titus dem Hund polierte er sorgfältig den Nimbus des Mädchens.

Als er das Wohnzimmer wieder betrat, wurde er aufgefordert, Tarot zu spielen. Zuerst war er nicht besonders erfreut, weil er glaubte, dass man ihm die Karten legen würde, aber schließlich erwies sich, dass es um ein französisches Muggelspiel ging, deren Regeln einfach genug waren, dass Harry sie verstehen konnte, ohne sich so sehr lächerlich zu machen wie beim Schachspiel.


Am nächsten Morgen beendeten die beiden Harrys die lästige Arbeit, die ihnen aufgetragen worden war, indem sie das Durcheinander wieder in die Remise brachten, das sich dort befand. Sie sollten normalerweise ein bisschen aufräumen, aber Harrys Doppelgänger konnte ihn dazu überreden, dass niemand die Qualität ihrer Arbeit genau prüfen würde. Es blieb ihnen also eine Stunde bis zum Mittagessen, um sich miteinander bei der Schnatzjagd zu messen. Rose fügte ein bisschen Würze hinzu, indem sie die beiden mit ihrem Klatscher unter Beschuss nahm, während Titus, der das alles sehr lustig zu finden schien, laut bellte.

Als die ganze Familie beim Mittagessen war, benachrichtigte Lily ihren Gast, dass Dumbledore am frühen Nachmittag kommen sollte, um mit ihnen zu reden. Und so befand sich Harry noch einmal im Wohnzimmer mit dem Schulleiter, James und Lily.

„Ich habe ein bisschen recherchiert", fing der alte Zauberer an. „Ich denke, dass sich unsere beiden Welten gegen den 31. Oktober 1981 getrennt haben. In dieser anderen Welt hat Voldemort gewusst, wo die Familie Potter versteckt war, und er hat Harrys Eltern getötet, bevor er selber starb, da er von seinem eigenen zurückprallenden Todesfluch getroffen wurde. Sie wissen zweifellos besser als wir, Lily, wie es möglich sein konnte."

„Ja. Ich hatte mich dazu vorbereitet, einen Zauber aus der Alten Magie zu benutzen, den Legato Protecto. Er hätte mir erlaubt, meinen Sohn vor alle Flüche zu schützen, die man auf ihn hätte wirken können."

„Und das hätte Sie getötet", murmelte Harry.

„Mir wäre es lieber gewesen als meinen Sohn meinetwegen sterben zu sehen", erklärte ihm Lily sanft. „Wenn ich aber das Leben sehe, das du hattest, so werde ich mir bewusst, dass diese Entscheidung sehr egoistisch war. Ich habe dich nicht wirklich geschützt."

Harry sah sie verstört an, da er die Sachen nie so betrachtet hatte.

„Was Voldemort betrifft", fuhr Dumbledore fort, „war er vierzehn Jahre lang hier und da, bevor er es schaffte, wieder einen Körper zu haben. Hier wurde Voldemort im Gegensatz", fuhr der alte Mann fort, „zu einer falschen Adresse von Severus Snape, unserem Spion bei ihm, geschickt. Wir konnten ihn also gefangen nehmen."

„Und jetzt ist dieses Monster tot", schloss James. „Warum hat er aber die Horkruxe nicht benutzt wie dort? Hat er bei uns keinen geschaffen?"

„Oh doch, ich würde meine Hand darauf wetten", behauptete Dumbledore. „Was uns dieser junge Mann erzählt hat, hat nur Verdachte bestätigt, die ich damals hatte. Ich wusste, dass Tom Riddle einen oder zwei Horkruxe geschaffen hatte. Was ich ignorierte, war, dass es so viele waren."

„Sie meinen, dass er zurück könnte?", sorgte sich James.

„Aber nein", antwortete Lily. „Die Horkruxe dienen nur, die Seele zu behalten, die aus dem Leib kommt, wenn der Tod kommt, und sie davon zu hindern, dort zu gehen, wo alle Seelen der Toten hingehen. Nun hatte bei uns Voldemort keine Seele mehr, als er den letzten Atemzug getan hat."

„Wieso?", fragte Harry, während James lange pfiff als Zeichen, dass er verstanden hatte.

„Der Kuss", antwortete Lily.

„Welcher Kuss?", fragte Harry, der sich wunderte, wer verrückt genug gewesen war, um Voldemort zu küssen.

„Wir konnten Voldemort gefangen nehmen und er wurde zum Dementorkuss verurteilt", präzisierte sie.

Harry verstand dann auch:

„Hier hat er keine Seele mehr? Sie wurde aufgefressen? Er wird nie zurückkommen können?"

„Genau!", bestätigte Dumbledore. „Als er einige Tage nach der Ausführung des Urteils gestorben ist, ist keine Seele zurückgeblieben. Wir haben ihn tatsächlich vernichtet."

„Warum ist er nicht sofort gestorben?", fragte Harry.

„Der Kuss ist eine wirklich unmenschliche Tat", antwortete Lily und ihr Gesicht verzog sich vor Abscheu. „Wenn die Leute von ihrer Seele geleert werden, leben sie immer noch, aber das sind leere Hüllen. Sie sind also dazu unfähig zu trinken oder zu essen. Sie sterben vor Hunger und vor Durst."

Was Harry betraf, so er fand nicht, dass es für Voldemort eine zu strenge Strafe war.

„Aber dann", schloss er daraus, „brauche ich ja nicht mehr, die Horkruxe aufzufinden und sie zu zerstören. Ich muss nur meinen Voldemort zum Dementorkuss verurteilen lassen und es ist vorbei."

Er hatte sich lange nicht mehr so leicht gefühlt.

„Sie dürfen kein Risiko eingehen", mäßigte Dumbledore. „Sie werden vielleicht keine Wahl haben und werden ihn vielleicht töten müssen. Wir hatten viele Schwierigkeiten, ihn lebendig zu fangen. Und auch viel Glück, jetzt bin ich mir dessen bewusst. Übrigens dürfen wir auch hier nicht diese Gegenstände bestehen lassen, da wir nun wissen, dass ein Voldemort woanders immer noch lebt und dass es möglich ist, von einer Welt zur anderen zu reisen. Wir werden die unseren auffinden und zerstören müssen."

„Wie werden wir es aber schaffen?", fragte Lily. „Es scheint sehr schwierig. Selbst Ihr Doppelgänger hätte dabei das Leben beinahe verloren."

„Der Kuss scheint mir, ein guter Ausgangspunkt für die Recherchen", antwortete der alte Zauberer. „Wir werden herausfinden müssen, wie wir die Dementoren benutzen können, um dieses Seelenstück zu fressen. Ein Ritual wird zweifellos nötig sein und ich hoffe, dass wir eins finden werden, das für denjenigen ungefährlich sein wird, der es durchführen muss. Dank der Erklärungen, die mir dieser junge Mann gegeben hat, werde ich zweifellos die benutzten Stützgegenstände schnell finden können. Lily, ich zähle darauf, dass Sie den Mechanismus dieser Abscheulichkeiten studieren und die ungefährlichste Methode finden werden, um sie zu deaktivieren."

„Ich werde schauen, ob uns die Alte Magie helfen kann", nickte sie. „Aber", fügte sie hinzu, nachdem sie einige Augenblicke lang überlegt hatte, „ich bin sicher, dass man Kenntnisse in schwarzer Magie braucht, um das Wesen der Horkruxe genau zu bestimmen. Wenn wir eine andere Person davon benachrichtigen könnten, so denke ich, dass wir schneller ein Ergebnis kriegen würden."

„Ach nein! Du wirst doch nicht noch mal mit ihm arbeiten!", rief James aus.

„Ich bin mit unserer letzten Mitarbeit sehr zufrieden", erwiderte Lily. „Und wenn ich heute so viel Geld für meine Recherchen habe, so ist es dank dem, was wir gemeinsam entdeckt haben."

„Ich hätte dir Geld geben können."

„Ja, aber ich kriege es lieber dank meiner Verdienste als meinem Mann", behauptete Lily laut.

„Hum, Hum!", ließ Dumbledore vernehmen, was das unterbrach, was ein oft wiederholter Ehestreit zu sein schien. „Ich wollte nämlich eben vorschlagen, mit Severus Kontakt aufzunehmen."

„Severus?", fragte Harry mit Abscheu. „Severus Snape? Ich habe Ihnen ja schon gesagt, dass er meinen Dumbledore getötet hat!"

„Er ist nicht der gleiche", erinnerte ihn Lily.

„Weißt du, Harry", fügte der alte Mann hinzu, „ich frage mich, ob die Dinge so einfach sind wie du es denkst."

„Er war zwei Meter von mir entfernt. Ich habe GESEHEN, wie sein Avada Dumbledore getroffen hat! Was brauchen Sie sonst noch als Beweis?"

„Ich denke, dass dein Schulleiter Severus darum gebeten hat, ihn zu töten", erklärte Dumbledore.

Die Überraschung ließ Harry sprachlos.

„Du hast mir gesagt, dass er ihn demütig gebeten hat", fuhr der alte Zauberer fort. „Nun denke ich nicht, dass ich irgendjemanden darum bitten würde, mich leben zu lassen, wenn ich einsehe, dass es Zeit ist zu verscheiden. Wenn ein Mensch, dem ich vertraue, sich gegen mich wendet, so würde ich ihn eher fragen, WARUM er das getan hat. Der Mann, der auf diesem Turm stand, wusste, dass er sterben würde. Wenn ihn Severus Snape nicht getötet hätte, so hätten Amycus oder Alecto es getan. Ich fürchte mich nicht vor den Tod, Harry, und wenn ich an jenem Abend Severus um eines gebeten habe, so war es sicher nicht darum, mich zu schonen."

„Worum also?"

„Vieles ist möglich: Den jungen Malfoy davor zu bewahren, dass er zu einem Mörder wird; sich selbst zu retten, indem er Voldemort seine Treue zu ihm beweisen würde; oder dir zu helfen, ihn danach niederzuschlagen. Wahrscheinlich alle drei zusammen."

„Es ändert nichts an der Sache: Snape hat Dumbledore getötet, um sein Leben zu retten."

„Er hat gehorcht, Harry. Dein Dumbledore hat es ihn gefragt. Er hat ihn darum gebeten."

„Ich glaube dieser Erklärung nicht."

„Es gibt auch diese geschwärzte Hand", fuhr der Schulleiter fort. „Wenn ein Zauberer, der soviel weiß wie ich, eine Wunde nicht heilen kann, so ist sie höchstwahrscheinlich tödlich. Er musste todkrank sein. Meiner Meinung nach blieben ihm nur noch wenige Monate zu leben und darum hat er sich entschlossen, dir alles zu erzählen, was er über Tom wusste. Seinen Tod benutzen, um Severus und den jungen Malfoy zu retten, das halte ich für eine hervorragende Idee, die ich unter solchen Umständen gerne selber gehabt hätte. Eine Tat, die ich glücklich gewesen wäre zu tun, vor allem, um einem bestimmten sechzehnjährigen jungen Mann zu helfen, eine so schwere Last zu tragen."

„Das kann nicht sein", murmelte Harry bestürzt. „Und das ist nicht möglich. Hagrid hat uns gesagt, dass er gehört hatte, wie Dumbledore und Snape gestritten hatten", erinnerte er sich plötzlich. „Snape lehnte ab, es zu tun, worum ihn Dumbledore bat. Snape hatte Dumbledore schon längst verlassen!"

„Was war genau das Thema dieses Streits?"

„Hagrid hat es nicht verstanden, aber..."

„Es ist also möglich, dass dein Schulleiter schon vorgesehen hatte, was geschehen würde. Wie bei der Bitte, Harry, weißt du nicht, was abgelehnt wurde."

„Sie meinen, dass Dumbledore mehrere Monate früher vorgesehen hatte, von Snape getötet zu werden?", fragte Harry mit einer ungläubigen Stimme.

„Das ist nicht unmöglich."

Harry drehte sich zu Lily und James um, als wollte er sie als Zeugen des Unsinns aufrufen, den der alte Zauberer gerade gesprochen hatte. Während James von der Schlussfolgerung des Schulleiters nicht halb überzeugt zu sein schien, schien seine Frau verwirrt.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Severus Snape jemanden töten würde, der ihm so sehr geholfen hat", sagte sie kleinlaut.

„Sie können sich nicht vorstellen, dass Pettigrew Sie verraten hat", setzte Harry spöttisch entgegen.

Lily zitterte und es war James, der antwortete:

„HIER hat er uns nicht verraten!"

„Vielleicht hatte er nicht die Gelegenheit", antwortete Harry.

„Das würde nichts ändern", erwiderte Lily. „Unsere Freunde und jene deiner Eltern sind verschiedene Leute, die es nicht auf sich nehmen müssen, was ihr Doppelgänger begangen hat oder nicht."

„Aber..."

„Weißt du, ich habe darüber nachgedacht, was du mir gestern gesagt hast", fuhr sie fort. „Und ich denke, dass du falsch liegst, wenn du behauptest, mein Sohn und du seien die gleiche Person. Du bist du und mein Harry ist jemand anders. Wie Zwillingsbrüder habt ihr das gleiche genetische Erbe, aber ihr seid beide frei, eure eigenen Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn ihr das gleiche Leben gehabt hättet, hättet ihr nicht unbedingt gleich gehandelt. Mein Sohn ist nicht du und du bist nicht mein Sohn."

Auch wenn es nicht das war, was Lily vorhatte, empfand Harry diesen letzten Satz wie einen Rückstoß und er erblasste.

„Harry", präzisierte Lily eilig, als sie sich der Wirkung ihrer Worte bewusst wurde, „ich halte dich für ein Mitglied meiner Familie, das weißt du. Ich habe dich vielleicht nicht großgezogen, aber du bist von meinem und James' Blut."

Harry konnte die Sanftheit, die jetzt in den Augen der Mutter seines Doppelgängers glänzte, nicht ertragen und er sah zu James. Letzterer schien, eine heftige Debatte mit sich selbst zu führen.

„Unsere Freunde und jene deiner Eltern ähneln einander, aber sie treffen nicht unbedingt die gleichen Entscheidungen", fuhr Lily fort. „Der Severus, den wir dich treffen lassen wollen, hat uns das Leben gerettet."

James seufzte und Harry verstand, dass er mit seiner Unterstützung nicht würde rechnen können. Lily hatte es geschafft, Snapes Sache mit der Sache der Rumtreiber zu verbinden und James würde keine Schlussfolgerung unterstützen, die einen seiner Freunde zu einem Verräter machte.

„Wenn dir unser Vertrauen zu Severus nicht genug ist", griff Dumbledore ein, „bedenke also, dass er gar kein Interesse daran hat, Voldemort zurückkehren zu sehen. Er hat ein Leben, das er sehr mag, weißt du."

Harry, der wegen dieses Gesprächs emotional leer war, zuckte mit den Schultern und zeigte, dass er sich auf sie verließ. Lily ging sofort los, um eine Eule zu schicken, und Dumbledore nahm von ihnen Abschied, da er dachte, dass Snapes Anwesenheit nötig war, um das Gespräch weiter zu führen.

James und Harry alleine blieben noch im Raum und beide waren gleich trüb und unzufrieden. Sie redeten jedoch nicht miteinander, weil ihre Unstimmigkeit über die Rumtreiber trotz ihrer Einstimmigkeit über Snape zu sehr gegenwärtig und heikel war, dass sie darüber reden konnten.

Harry ging schließlich in den Garten hinaus und hoffte dabei, er würde dort dem anderen Harry oder dessen Schwester begegnen und mit ihnen all diesen unangenehmen Gedanken vergessen.

„Ein Schokofrosch?"

Harry sah sich um, ohne irgendjemanden zu sehen. Als er sich bewusst wurde, dass die Stimme von oben kam, hob er die Augen und sah seinen Doppelgänger in der Eiche, die er selber einige Tage früher die Außentreppe beschatten geschickt hatte.

„Gerne", nahm er an.

Drei Päckchen fielen vom Himmel herunter.

„Wie großmütig!", bemerkte Harry.

„Du siehst aus, als wärst du gerade einem Dementor begegnet", rechtfertigte sich der andere.

Einem Dementor? Er fragte sich, was jetzt seine schlechteste Erinnerung war. Intuitiv verstand er, dass – auch wenn er je zu seiner Welt zurückkehren sollte – er tief im Herzen den Eindruck haben würde, dass seine Eltern irgendwo lebten und... dass sie ihn liebten. Er würde ihren Tod wahrscheinlich nicht mehr wieder erleben.

„Musst du zu meinen Eltern zurück oder hast du Freizeit?", fragte der andere Harry und unterbrach damit seine Gedanken.

„Es würde mich erstaunen, wenn wir vor morgen irgendwas tun."

„Kennst du den Muggelmonopoly?"

„Nein."

„Also zeige ich es dir", sagte sein Doppelgänger und stieg von seinem hohen Sitz herunter.

Er ging zu seinem Zimmer, um das Spiel zu holen, und beide Jungen setzten sich draußen in den Schatten der Veranda. Während Harry die Spielregel lernte und davon begeistert war, etwas Abwechselung zu haben, kamen Rose und Titus zu ihnen. Ihr Bruder murrte, als sie eine Spielfigur ergriff, aber Harry unterstützte sie und sie spielten alle drei bis zum Abendessen.


Und das war's für heute! Nächste Woche treffen wir einen unsäglichen Unsäglichen und entdecken, welche Gegenstände Voldemort wahrscheinlich benutzt hat, um sein Überleben sicherzustellen.