Hallo an alle! Hier ist die nächste Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: Le choix de Lord Voldemort. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich verdienen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten sechs Bände von Harry Potter.

Anmerkung von Alixe: Jene, die meine FF Der Andere schon gelesen haben, werden bemerken, dass es die gleiche Idee ist. Selbst, wenn einige Dinge gleich sind – wie zum Beispiel meine Sicht der Welt des anderen Harrys –, sind beide Geschichten voneinander unabhängig. Die Geschichte beginnt am 2. August 1997, zwei Tage nach Harrys siebzehntem Geburtstag.

Die Entscheidung von Lord Voldemort:

Kapitel 9: Der letzte Horkrux:

Am nächsten Morgen wurden sie von Rose geweckt, denn Lily hatte bloß Decken herbeigezaubert, um sie vor der morgendliche Frische zu schützen, ehe sie das Haus verlassen hatte.

„Man könnte schwören, ihr wärt ein altes Paar", meinte Harrys jüngere Schwester, als sie Narbröschen und ihren Bruder aus ihrem Schlaf erweckte.

„Hallo Rose", ließ Harry freundlich vernehmen.

„Hau ab, Grindeloh", grüßte sie ihr Bruder genauso freundlich.

„War der Mond gestern Abend romantisch?", fragte Rose hartnäckig.

Keiner der beiden Jungen würdigte sie einer Antwort. Harry stand auf und ging zur Haustür. Als er Rose hinter sich losprusten hörte, erinnerte er sich daran, dass der Pyjama, den er von seinem Doppelgänger ausgeliehen hatte, zwei riesige Augen auf seinem Hintern hatte, die außerdem regelmäßig blinzelten. Würdevoll zog er die Decke, die ihm heruntergerutscht war, wieder hoch und machte sich zum Badezimmer auf.

Nachdem beide Jungen schnell geduscht hatten, trafen sie James im Speisezimmer und wie gewöhnlich apparierte Harry mit ihm zur Lichtung für das Training. Als sie zurückkehrten, warteten Lily, Snape und Dumbledore auf sie.

„Ihre Kontaktleute, James, sind erfolgreich gewesen", fing der Schulleiter an, nachdem alle Getränke zur Erfrischung eingenommen hatten. „Es wurde heute Morgen im Herrenhaus der Malfoys gerichtlich durchsucht und viele schwarz-magische Gegenstände wurden beschlagnahmt. Severus konnte auf die erstellte Liste schauen und das von uns gesuchte Tagebuch gehört tatsächlich dazu. Wir sollten es ohne große Schwierigkeiten wiedererlangen. Ich habe Ihnen letzte Woche schon von meinem Fund in Toms Waisenhaus erzählt. In wenigen Tagen werden alle Horkruxe, die in unserer Welt verblieben sind, in unserem Besitz sein. Jetzt sollten wir zum letzten Teil des Programms kommen: Die Vernichtung der Gegenstände."

„Wir habe drei Rituale, die passen könnten", fuhr Snape weiter fort. „Das einzige Problem ist, dass sie nicht für alle zugänglich sind. Man braucht eine gewisse Erfahrung, um sie zu vervollständigen und ich will Sie zwar nicht beleidigen, junger Potter, aber ich schätze, dass Sie mindestens ein Jahr bräuchten, um sie sich zu eigen zu machen, wenn nicht mehr..."

Nein, dachte Harry. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass ich so lange hier bleibe. Nicht, während ich nicht weiß, was bei mir zu Hause passiert.

„Harry ist viel begabter in Verteidigung als viele Jungen seines Alters", protestierte James. „Glaube doch nicht ständig, du seist besser als die anderen", fügte er etwas aggressiv hinzu.

„Da liegt nicht das Problem", griff Lily ein. „Das sind gefährliche Verfahren, und selbst wenn Harry begabt ist, hat er seine UTZ-Prüfungen noch nicht mal geschrieben."

Harry dachte, dass er Schüler kannte, die begabt genug waren, dass sie UTZ-Zauber benutzen konnten, ehe sie ihre ZAGs geschrieben hatten. Daraufhin dachte er, dass er nicht dazu verpflichtet war, selber das Ritual durchzuführen.

„Könnte ein Fluchbrecher, der seit mehreren Jahren bei Gringotts arbeitet, sie lernen, wenn ich sie ihm erklären würde?", fragte er.

„An wen denken Sie?", fragte Dumbledore.

„An Bill Weasley."

Der alte Zauberer überlegte einen Moment.

„Das ist ein brillanter junger Mann", stimmte er lächelnd zu. „Ja, Harry, das ist eine hervorragende Idee, sich von einer Person helfen zu lassen, die das von Beruf her tun kann."

„Solch ein Ritual lernt man aber doch nicht so!", protestierte Snape. „Wenn der junge Potter einen Teil davon vergisst, so hat der Rothaarige so gut wie keine Chance, den nächsten Tag zu erleben."

James wurde scharlachrot und wollte bissig antworten, aber Lily legte eine beschwichtigende Hand auf seinen Arm und erwiderte ruhig:

„Wir werden Harry sagen, wo wir unsere Quellen gefunden haben und Bill Weasley wird nur dorthin zu gehen brauchen, um das Verfahren zu finden. Die Ausbildung der Kobolde zu ihren Angestellten ist sehr vollständig, das wird perfekt sein."

„Gut, damit haben wir ein Problem gelöst", freute sich Dumbledore. „Zweiter Punkt: Wie können Sie sich einem Dementor nähern? Denn Sie brauchen einen, um das Ritual zu vervollständigen, oder?"

„Das stimmt", bestätigte Snape.

„Wir werden nach Askaban gehen müssen", seufzte Lily. „Das ist der Ort, an dem sie am besten in Zaum gehalten werden, wo sie also am wenigsten gefährlich für uns sind."

Harry wollte gerade sagen, dass es bei ihm zu Hause schwieriger sein würde, weil die Dementoren aus dem Gefängnis ausgebrochen waren, aber seine Gedanken wurden von der Sorge unterbrochen, die er in James' Stimme hörte:

„Wirst du es sein, die dorthin muss?", fragte er seine Frau.

„Severus und ich, ja. Aber wir haben beide gute Patroni, mach dir keine Sorgen."

„Was mich betrifft", fuhr Dumbledore fort, der diesen zweiten Punkt als gelöst zu betrachten schien, „werde ich unseren jungen Harry zu allen Orten mitnehmen, an denen ich die Horkruxe gefunden habe, die ihm noch fehlen, und ich werde ihm sagen, wie er sie ausfindig machen kann. Auch da", präzisierte er, „können Ihnen Ihre Freunde helfen, wenn Sie zurück zu Hause sind."

Harry zeigte, dass er verstanden hatte.

„Wenn wir uns das nächste Mal sehen", schloss der Schulleiter, „bringe ich alle Horkruxe mit, damit Sie sich daran erinnern, wie sie aussehen, und sie ohne Schwierigkeit wieder erkennen können."

„Perfekt", sagte Harry und versuchte, nicht zu zeigen, wie erschreckt und aufgeregt zugleich er war zu spüren, dass sein Aufenthalt in dieser Welt bald zu Ende gehen würde.

Seine Stimme hatte wahrscheinlich gezittert, weil er spürte, wie zwei Hände – die von James einerseits, die von Lily andererseits – sich auf seine Schultern legten, als alle aufstanden, um das Treffen abzuschließen.

OoOoO

Während der nächsten Woche änderten sich Harrys Gewohnheiten. Die Potters gingen öfters aus und ließen ihn allein zu Hause. Lily sorgte dafür, dass er beim Abendessen seine Lieblingsspeisen essen konnte, James hatte ihm gezeigt, wo in der Bibliothek die Muggelhumorzeitschrift gelagert war, der er abonniert hatte, der andere Harry erlaubte ihm, seinen Besen zu benutzen, und Roses ganze Bibliothek stand ihm zur Verfügung.

Harry war von all dieser Fürsorge berührt worden, aber er war dennoch tief in sich zufrieden, dass er am Abend allein mit sich selbst bleiben konnte. Er liebte es, an diesem Ort zu sein, so wie er seine Aufenthalte im Fuchsbau liebte, aber er mochte es auch, in einem leeren Haus herum zu gehen, ohne Rechenschaft ablegen noch einen Verwandten über sein Wohlsein beruhigen zu müssen.

Diese Momente der Einsamkeit erlaubten ihm am nächsten Tag, Lilys etwas drückende Fürsorge, James' ironische Bemerkungen und die ständigen Streite zwischen Rose und ihrem Bruder umso mehr zu genießen.

Während dieser Woche hatte er wenige Unterrichtsstunden mit James, weil Dumbledore ihm die Horkruxe zeigte und ihn darum bat, sie in der Hand zu halten:

„Du sollst dich nicht davor fürchten. Das sind Gegenstände, die über ein erschreckendes Potential verfügen, aber du hast das Mittel, um zu verhindern, dass diese Möglichkeit zur Wirklichkeit wird."

Harry betrachtete also genau Slytherins Medaillon, Hufflepuffs Trinkpokal, Ravenclaws Astronomiebrille, Riddles Vertrauensschülerabzeichen und ließ das Tagebuch und den Ring der Gaunts beiseite. Er ging auch mit Dumbledore zu den Orten, an denen sie aufgefunden werden sollten: Riddles Familienhaus und das Muggelwaisenhaus. Er erinnerte sich genau an die Art und Weise, wie er die Fallen deaktivieren sollte, die ihm der alte Magier zeigte.

Der 31. Juli kam bald und die Potters bereiteten sich darauf vor, ihre Freunde zu empfangen. Gegen Ende des Mittagessens gab es für Harry eine Überraschung: Eine Geburtstagstorte, auf der siebzehn Kerzen glänzend leuchteten, erschien auf dem Tisch und wurde vor ihn gestellt. Gerührt wurde Harry rot im Gesicht, er blies die Flämmchen aus und bekam Geschenke von allen Mitgliedern seiner Familie. Es waren Kleinigkeiten – Bonbons, Bücher, kurze Mitteilungen – aber er wusste, dass sie für ihn wertvoll bleiben würden, auch wenn er sie nicht nach Hause würde mitnehmen können.

Als der Abend kam, entschied Harry, im Haus, in seinem Zimmer im zweiten Stock zu bleiben. Lily stieg jede Stunde die Treppe hoch, um ihm seinen Teil des Festessens zu bringen, das unten im Garten serviert wurde. Der andere Harry hatte ihm sein Omniglas geliehen, aber aus Furcht, ein zu sehr gehasstes oder ein zu sehr geliebtes Gesicht zu sehen, belauerte der junge Mann das Fest, das unter seinen Fenstern verlief, lieber nicht und ließ es liegen.

Der Abend verlief schneller als er es zuerst gedacht hatte und um ein Uhr morgens kamen James, Lily und Rose hoch, um zu prüfen, ob sich Harry nicht zu sehr verlassen gefühlt hatte, bevor sie schlafen gingen. Der andere Harry war zu Lilys größtem Leidwesen von Freunden weggeführt worden, um die Feier irgendwo anders zu beenden. Sie hatte aber nicht gewagt, sich dagegen zu stellen.

Am nächsten Tag war Lily schon weg, als James, Rose und Harry sich gegen zehn Uhr vor den Überresten des Festessens wieder trafen. Gegen ein Uhr nachmittags ging man zum Zimmer des fröhlichen Nachtschwärmers, der bei Sonnenaufgang zurückgekehrt war. Die drei jungen Leute machten an jenem Tag nicht viel, außer im Garten sitzen zu bleiben, der am vorigen Tag eingerichtet worden war, um alle Gäste zu empfangen.

Gegen Ende des Nachmittags ging James, der den ganzen Tag in seinem Arbeitszimmer verbracht hatte, mit einem besorgten Ausdruck heraus.

„Was ist los, Dad?", fragte Rose.

„Nichts", sagte er und versuchte zu lächeln. „Eure Mum hat sich nur ein bisschen verspätet."

„Sie kehrt selten vor dem Abendessen zurück", bemerkte seine Tochter.

James antwortete nicht und Harry fing an, den Verdacht zu schöpfen, dass er ihnen etwas verschwieg. Er wollte drängen, als er das charakteristische Geräusch einer Person hörte, die apparierte, und Dumbledore vor dem Haus erschien und Lily stützte. James stürzte auf sie zu und nahm seine Frau in die Arme. Die jungen Leute, die ihm nachgelaufen waren, sahen, dass sie leichenblass war und stark zitterte.

„Machen Sie sich keine Sorgen, James", sagte Dumbledore mit beruhigender Stimme. „Eine gute Nacht Schlaf und schon ist nichts mehr davon übrig. Wenn Sie mich brauchen, ich bin bei Severus Snape."

Er verschwand, während James, der Lily trug, das Haus betrat.

„Rose", rief er über seine Schulter, „lass starker Tee und Schokolade in unser Zimmer bringen!"

Das Mädchen stürzte zur Küche, um dem Elf Befehle zu geben, und ihr Bruder fragte mit verängstigter Stimme:

„Was ist denn los?"

„Sie ist nach Askaban gereist", antwortete Harry mit zugeschnürter Kehle. „Sie ist dahin gereist, ohne es mir zu sagen!"

„Was?"

„Das hat sie für mich getan", erklärte ihm Harry mit einer tonlosen Stimme. „Das ist für mich, aber sie hat mir nicht vorher Bescheid sagen wollen. Ich vermute, dass sie nicht wollte, dass ich mir Sorgen um sie machen würde."

Er schritt zu einer Gartenschaukel, die für die Gäste dorthin gestellt worden war, und ließ sich darauf fallen, während er in die Leere blickte. Nach einem Augenblick setzte sich der andere Harry neben ihn und fragte:

„Wirst auch du dahin müssen, wenn du zurück bist?"

„Bei mir zu Hause wird es schwieriger sein, weil die Dementoren nicht mehr in Askaban sind", seufzte Harry. „Das wird zweifellos noch gefährlicher sein. Aber ich bin es nicht, der den Auftrag wird erfüllen müssen."

Er fügte nichts hinzu, aber er wusste, dass sein Doppelgänger sehr wohl verstand, dass ihm diese Weiterleitung des Auftrags lästig war, und dass die Idee, dass man an seiner Stelle Risiken eingehen könnte, schlimmer war als ihnen selber gegenüberzustehen. Sie schaukelten zusammen hin und her, ohne einen Ton von sich zu geben, bis Rose sie für das Abendessen holte. Keiner von den drei aß viel. James blieb bei seiner Frau und erschien am Abend nicht wieder.

OoOoO

Als sie sie am nächsten Morgen beim Frühstück fröhlich empfing, hatte sich Lily offenbar von ihrem Erlebnis erholt. Sobald Harry fertig war, zog sie ihn zu ihrem Arbeitszimmer hoch und sagte ihm, dass eines der Rituale anscheinend perfekt erfolgreich gewesen war. Heute sollte es Severus noch ein letztes Mal prüfen, aber sie waren schon fast sicher, dass die Horkruxe vernichtet waren.

Sie zeigte Harry das Buch, in dem sie die Formel gefunden hatten, und sie erklärte ihm genau, wo er dieses Werk in seiner Welt würde finden können. Es war eine kleine, wenig bekannte Bibliothek in Wales, die diese Inkunabel besaß. Sie half Harry dann, sich an alle Stufen des Rituals zu erinnern, damit er Bill alle Informationen weiterleitete, falls Letzterer das Buch nicht ausfindig machen konnte.

„Dann soll man bloß den Gegenstand in die Nähe eines Dementoren legen", erklärte Lily, „und ihn so lange da liegen lassen, bis das Seelenstück, das wir von Materie befreit haben, heraus gesaugt wurde. Das ist der einfachste Teil."

„Das ist nicht der Eindruck, den Sie einem gestern gegeben haben", sagte Harry heftiger als er es gewollt hätte.

„Wir mussten mehrere Formeln ausprobieren und vor Ort bleiben, um die Wirkungen zu vergleichen", rechtfertigte sich Lily. „Jetzt haben wir herausgefunden, welches Ritual am effizientesten ist, also wird es schneller sein und dein Freund wird viel weniger Zeit in der Anwesenheit dieser Abscheulichkeiten verbringen als ich."

„Warum haben Sie mir aber nicht gesagt, dass Sie diesen Tag gewählt hatten?", ärgerte sich Harry.

„Weil es schwieriger ist, sich um die anderen Sorgen zu machen, als selber zu handeln. Den ganzen Tag lang hätte der Kummer an dir genagt. Was hätte es genutzt? Hätte es für mich etwas geändert?"

„Sie hatten es James gesagt."

„James ist mein Mann", erwiderte sie, als würde das alles erklären. „Und ich brauchte es, dass er mir ein paar Dinge sagte, damit ich stärker bin. Ich versichere dir, dass ich sehr gut widerstanden hätte, wenn wir ein bisschen weniger Zeit geblieben wären. Sei nicht sauer auf mich, Harry. Ich weiß, dass du die Aufgabe erfüllen kannst, die dir beauftragt wurde. Aber es ist ein Irrtum von dir, die Last der anderen mittragen zu wollen. Du hast schon genug mit deiner zu tun. Lass auch uns unseren Teil des Ruhms."

„Ich pfeife auf den Ruhm!", empörte sich Harry.

„Aber du denkst immer, du wärst für alles verantwortlich. Glaubst du, dass ich nicht verstanden habe, dass du dich fragst, ob du es nicht sein wirst, der deine Horkruxe vernichten wird? Ich sehe, wie du seit heute morgen daran denkst. Ich kenne dich, als ob du von mir geboren wärst, weißt du?"

Harry verzog das Gesicht. Er musste schon eingestehen, dass er daran gedacht hatte, als er das Ritual gelernt hatte.

„Unterliege diesem Irrtum nicht", drängte Lily. „So auf den ersten Blick scheint es einfach, aber es verlangt große Meisterschaft. Und ich denke, dass Severus Recht hat, wenn er sagt, dass du so eine Meisterschaft nicht besitzt."

„Okay, ich habe verstanden", gab Harry auf.

„Gut, dann hören wir für heute damit auf", sagte sie und stand auf.

„Lily", sagte Harry, ohne sich zu bewegen. „Was wird jetzt geschehen?"

„Ich denke", sagte sie und setzte sich wieder, „dass wir Severus die Zeit lassen werden, seine letzten Kontrollmaßnahmen zu ergreifen. Dann wird, so vermute ich, Professor Dumbledore versuchen, das Schloss zu überreden, dich nach Hause zurückzuschicken."

„Aber was, wenn es nicht funktioniert?"

„Weißt du, wie die Prophezeiung hier lautet?"

„Nein", gestand Harry, der sich vage daran erinnerte, dass Dumbledore davon gesprochen hatte, als er den anderen Harry nach Hause zurückgebracht hatte.

„Sie sagt: Der Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen, naht heran... jenen geboren, die ihm drei Mal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt... und der Dunkle Lord wird Ihn als sich Ebenbürtigen kennzeichnen, aber Er wird eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt... und der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt... Der Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen, wird kommen, wenn die Zeit erfüllt ist..."

„Sie ist fast dieselbe wie meine!"

„Sie spricht aber von dem, der kommen wird, außer von dem, der geboren werden wird. Sie sagt deine Ankunft voraus. Wir haben geglaubt, dass unser Harry betroffen war. Als unser Du-Weißt-Schon-Wer gestorben ist, haben wir jedoch daraus geschlossen, dass die Prophezeiung falsch war. Eigentlich sprach sie von dir, von deiner Geburt und von deiner Ankunft. Es war für uns unverständlich, so lange wir dich nicht kannten, aber jetzt ist es sehr deutlich. Du bist geboren, du bist angekommen, und es ist wahrscheinlich, dass du wegkommst, sonst hätte dein Dunkler Lord nichts von dir zu fürchten."

„Aber Dumbledore denkt, dass wir es sind, die die Prophezeiungen in Erfüllung bringen."

„Das stimmt. Professor Dumbledore, Severus Snape und ich versuchen, die Prophezeiung in Erfüllung zu bringen. Wir vertrauen dir."

„Mehr als ich mir."

„Das, Harry", lächelte Lily, „ist das Privileg der Liebe!"

Harry, der von diesem Satz berührt war, wurde rot im Gesicht. Doch tief in sich zweifelte er sehr daran, dass ihn Snape sehr liebte. Lily ließ ihn nicht weiter darüber nachdenken:

„Nun, komm, wir haben jetzt ja einen kleinen Urlaub verdient. Wie wäre es, wenn wir picknicken würden?"

OoOoO

Am nächsten Tag verließ James seine Familie nach Harrys Übungsstunden wegen eines Geschäftstermins und die drei jungen Potters gingen in den Garten, um ein bisschen Quidditch zu spielen. Sie waren gerade dabei, abwechselnd zu versuchen, einander Tore zu erzielen, als Lilys Stimmer erklang:

„Harryyyyyyy!"

„Das ist für dich", sagten beide Harrys gleichzeitig.

Rose flog etwas höher und sagte:

„Snape und Dumbledore sind da."

„Ich gehe hin", seufzte ihr Gast.

Harry landete, lehnte den Besen sorgfältig an die Mauer der Remise und lief zum Haus, und schon saßen beide Männer im Wohnzimmer. Harry verstand, dass sie eine schlechte Nachricht mitbrachten, als er Dumbledores besorgten Blick zu sich sah.

„Was ist passiert?", fragte er sofort.

„Setzen Sie sich", antwortete Dumbledore, was den jungen Mann nicht beruhigte.

Als er saß, fing der alte Mann an und wählte seine Worte sorgfältig:

„Severus ist heute morgen zu mir gekommen und hat einen Punkt erwähnt, an den ich bereits mehrmals gedacht hatte. Wir haben daraus das Gleiche geschlossen und wir wollten es Ihnen mitteilen."

Lily setzte sich auf die Armlehne von Harrys Sessel. Sie legte ihre Hände auf seine Schulter, um ihm im Voraus ihre Unterstützung zu zeigen.

„Nun?", sagte sie mit einer besorgten Stimme.

„Wir denken, dass der Gegenstand, den Harry in den Ruinen des Hauses seiner Eltern finden wird, nicht aktiviert sein wird."

„Und das ist keine gute Nachricht?", fragte Lily.

„Nein, weil dennoch ein Horkrux geschaffen wurde", seufzte Dumbledore. „Eigentlich..."

Er brach ab, als würde er nach den besten Worten suchen.

„Sagen Sie, was Sie sagen müssen, und Schluss damit!", gebot Lily scharf.

„Wir denken, dass die Erschaffung des Horkruxes Voldemorts Kontrolle entglitten ist", enthüllte Dumbledore schließlich. „Anstatt, sich in den Gegenstand zu legen, den er mitgebracht hatte, ist das Seelenstück... zu Harry geflogen. Darum ist seine Narbe eine Verbindung zwischen ihnen beiden."

Harry spürte plötzlich, wie seine Ohren summten. Er starrte den Schulleiter an, ohne ihn zu sehen, während die Worte 'das Seelenstück ist zu Harry geflogen' in seinem Geist herum schwebten.

„Aber... das ist abscheulich. Wir müssen es unbedingt zerstören!", rief Lily entsetzt aus.

„Was schlägst du vor?", fragte Snape scharf. „Einen Dementorkuss? Das wäre eine radikale Lösung, aber sie enthält ein paar winzige Nachteile", spottete er.

Harry, der von der Enthüllung immer noch schockiert war, spürte nicht, dass seine Mutter aufstand, und er wurde sich kaum bewusst, dass sie zu Snape schritt und ihm eine starke Ohrfeige verpasste.

„Ich erlaube dir nicht, so zu reden, wenn das Leben eines meiner Kinder auf dem Spiel steht", gebot ihm Lily mit gedämpfter Stimme. „Verabscheue James, wenn du es so magst, aber lass meine Kinder da raus. Verstanden?"

„Lily", griff Dumbledore ein und ergriff ihren Arm, um sie zu halten, „beruhigen Sie sich und lass..."

„Er und seine verdammte Verspottungen müssen sofort aus meinem Haus raus!", schrie sie, ohne auf den Eingriff des alten Zauberers zu achten.

Snape zuckte mit den Schultern und ging aus dem Raum mit verschlossenem Gesicht, aber mit der scharlachroten Spur von Lilys Hand auf seiner Blässe aus dem Raum hinaus.

„Sie wissen ja, dass er kein Wort davon dachte", plädierte der Schulleiter.

Lily, die immer noch außer sich vor Zorn war, sagte scharf:

„Wenn man kein Mitgefühl hat, so bleibt man zu Hause!"

„Lily, ich weiß, dass es schwierig mitanzuhören ist, aber das ist nicht so katastrophal wie Sie es zu denken scheinen."

Lily machte sich von Dumbledores Umarmung frei, sah ihn böse an und gebot ihm still, sich zu erklären.

„Was Sie mich zeitlich nicht haben sagen lassen", sprach der alte Mann weiter, „ist, dass Voldemort diesen Horkrux nicht völlig wird benutzen können. Es ist also nicht nötig, ihn zu zerstören."

Lily starrte ihn mehrere Sekunden lang an, als könnte sie den Sinn der gerade gesprochenen Worte nicht verstehen. Dann schwankte sie. Der Schulleiter ergriff sie erneut und half ihr zum Sofa. Er half ihr sich zu setzen und drehte sich dann zu Harry um.

„Hast du verstanden, was ich gerade gesagt habe, mein Junge?"

Harry verneinte.

„Ich habe zu verstehen geglaubt, dass Voldemort seine Macht über dich nicht hatte weiter benutzen können, als er nach eurem Kampf im Ministerium versucht hatte, Besitz von dir zu ergreifen, stimmt das?"

Harry reagierte nicht. Dumbledore kniete sich vor ihn, damit seine Augen auf gleicher Höhe mit Harrys waren.

„Es war für ihn zu schmerzhaft, weil du von Liebe erfüllt bist, Harry", sprach er weiter. „Und solange du die Deinigen lieben wirst", hämmerte der Mann ihm ein, „solange dein Herz von Gefühlen zu den anderen voll sein wird, wird Voldemort über den Horkrux, der in dir liegt, nicht die gleiche Macht besitzen wie über die anderen. Du wirst vorsichtig bleiben, mehr als ein anderer den Versuchungen, den Einfachheiten, den Kompromittierungen mit der Moral misstrauen müssen... Aber solange du der bleiben wirst, der du heute bist, wird Voldemort nicht zurückkommen können wie er es getan hat."

Lily stand auf und kniete sich neben Dumbledore vor Harry, dessen Hände sie ergriff.

„Habe Mut, mein Schatz", sagte sie sanft zu ihm. „Wir werden eine Lösung finden. Wir sind mit dir zusammen."

„Die beste Lösung ist natürlich, deinen Voldemort zum Dementorkuss zu verurteilen, wie wir es hier getan haben", sprach der alte Zauberer weiter. „Das ist das beste Mittel, um seine Seele von deiner Welt wegzujagen. Aber es wird genug sein, alle anderen Gegenstände zerstört zu haben, um sicher zu sein, dass er weder einen Körper noch seine Macht ohne deinen Willen wieder finden wird. Du wirst immer der Herr deiner Entscheidungen sein, Harry."

Harry hatte den Eindruck, dass er in einem Eisgefängnis saß. Er spürte nichts mehr, hörte die Worte kaum, die man vor ihm sprach. Er erlebte sein Eintauchen in Nagini, die Schlange wieder, während sie Mr Weasley verletzte. Er hörte, wie sich Moody fragte, ob er besessen sei. Schließlich hatte er die Wahrheit erraten, denn Harrys Seele war endgültig befleckt. Er sah auch, wie Onkel Vernon versicherte, sein Neffe sei durch und durch böse. Wenn er wüsste, wie sehr er Recht hatte... Muggelmund tut Wahrheit kund.

Er spürte, wie man einen eisigen Becher gegen seine Lippen presste. Er wollte den Kopf drehen aber ein sanfter und fester Druck hinderte ihn daran. Also schluckte er den süßlichen Trank, verschluckte sich, atmete wieder ein und trank wieder mit den Ermutigungen seiner Mutter. Als der Becher leer war, schlief er tief ein.


Was erwartet euch nächste Woche? Ein Gespräch zwischen einer Mutter und ihrem Sohn, ein wahrscheinlich schon gesungenes Wiegenlied und ein allerletztes, etwas weniger erschütterndes Treffen.