Hallo an alle! Hier ist die Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: Le choix de Lord Voldemort. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich verdienen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten sechs Bände von Harry Potter.

Anmerkung von Alixe: Jene, die meine FF Der Andere schon gelesen haben, werden bemerken, dass es die gleiche Idee ist. Selbst, wenn einige Dinge gleich sind – wie zum Beispiel meine Sicht der Welt des anderen Harrys –, sind beide Geschichten voneinander unabhängig. Die Geschichte beginnt am 2. August 1997, zwei Tage nach Harrys siebzehntem Geburtstag. Der Titel des Kapitels kommt aus einem Gedicht von Joachim du Belley, einem französischen Dichter des 16. Jahrhunderts. Die Übersetzung der ersten Strophe des Gedichts könnt ihr ganz unten finden.

Die Entscheidung von Lord Voldemort:

Kapitel 11: Glücklich ist der, der wie Odysseus:

Am nächsten Morgen waren sie mit ihrem gemeinsamen Frühstück beinahe fertig, als der Hauself Dumbledore eintreten ließ.

„Professor, was ist los?", fragte Lily besorgt.

„Nichts Schlimmes, mein Kind. Bloß, dass mir mein Schloss heute Morgen Streiche spielt."

„Ihr Schloss?"

„Ja, ganz egal, wo ich hin will, ein unbekannter Raum liegt zwischen mir und dem Ort, den ich erreichen will. Ein Raum, der mit Magie überfüllt ist und den ich nicht betreten kann. Das ist ein wenig ärgerlich."

„Oh nein!", rief Lily aus.

„Wenn er nicht zurückkehrt, so dient all das, was wir für ihn getan haben, nur wenig", erinnerte der alte Zauberer.

Lily blickte betrübt zu Harry, der selber zwischen Erleichterung, Angst und Zerrissenheit geteilt war.

„Wenn Sie mich bitte einige Minuten lang entschuldigen möchten", fuhr Dumbledore fort und ging zur Tür, „heute Morgen konnte ich nicht mal zur Toilette gehen, also..."

Er verschwand, um sie unter sich zu lassen.

„Ich werde ein paar Sachen für dich einpacken", ließ Lily mit einer zitternden Stimme vernehmen.

„Es ist nicht der Mühe wert", antwortete Harry. „Als ich gekommen bin, hatte ich einen Apfel in der Hand und er ist auf der anderen Seite geblieben. Das ist eine gepäcklose Reise", versuchte er zu scherzen.

„Aber du wirst doch nicht so weggehen...", protestierte Lily mit feuchten Augen.

„Schatz, er muss es und du weißt es wohl. Mach ihm die Dinge nicht noch schwerer", tadelte James sanft.

Sie standen alle auf und versammelten sich vor der Tür des Speisezimmers.

„Das ist schade", bemerkte Rose, „du bist mein Lieblingsbruder."

„Aber jetzt weißt du, wie man mit den Klatschern umgeht, also soll der andere sich besser gut verhalten", erwiderte Harry, bevor er sie umarmte und auf beide Wangen küsste.

Sie küsste ihn zurück, presste ihn zärtlich gegen sich und schritt zurück.

„Das war aber nicht schlau, jetzt wird sie nicht mehr zu halten sein", bemerkte der andere Harry.

„Lerne das Verhandeln", empfahl ihm sein Doppelgänger. „Und Vorsicht, wenn du fliegst. Das Ziel ist die Bäume zu vermeiden, nicht gegen sie zu prallen."

„Du hast Glück gehabt, sonst hätte ich gewonnen", meinte der schlechte Verlierer.

„Schade, was?", sagte Harry und schlug ihm freundlich auf die Schulter.

„Hmpf! Angeber", antwortete der andere und schlug ihn genauso freundlich zurück.

„Wenn du diesen falschen Lord ein für allemal fertig gemacht hast, so solltest du dich darum bemühen, viele kleine Potters zu zeugen", bat ihn James, indem er nach vorne schritt. „Die Welt ist ohne uns viel zu traurig."

„Ich werde daran denken", versprach Harry, während sein Doppelgänger, der offensichtlich dachte, dass Ginny der Aufgabe gewachsen war, spöttisch lächelte.

James umarmte ihn kurz und schritt wieder nach hinten, um Lily die Stelle zu überlassen. Letztere kämpfte, um nicht zu weinen.

„Danke", flüsterte ihr Harry zu.

Sie umarmte ihn fest.

„Vergiss nie, dass wir dich auf ewig lieben werden. Hier hast du eine Familie. Eine Familie, die dir niemand wegnehmen kann. Behalte uns tief in deinem Herzen, und du wirst dich nie verirren."

„Egal, was passiert, ich werde euch nie vergessen", versicherte ihr Harry.

Während die Umarmung immer noch andauerte, räusperte sich jemand, der auf der Türschwelle stand. Dumbledore war zurück. Lily ließ Harry widerwillig frei und James legte sanft den Arm um die Schultern seiner Frau. Alle folgten Dumbledore zur Eingangshalle. Harry wurde sich bewusst, dass er vergessen hatte, sich von jemandem zu verabschieden, als Titus der Hund kam und darum bat, gestreichelt zu werden. Er tätschelte seinen Kopf und empfahl ihm, seiner Herrin zu gehorchen.

Der Schulleiter nahm einen schlammigen Regenschirm aus dem Schirmständer neben der Tür.

„Darf ich?", fragte er.

Er machte ihn zu einem Portschlüssel und reichte ihn Harry. Letzterer starrte seine Familie an und versuchte, ihr Bild tief in sich einzugravieren. Lily, die das Weinen bekämpfte und James, der mit dem Kopf nickte, um sich von ihm zu verabschieden. Der andere Harry und Rose, die jede geschwisterliche Rivalität vergessen hatten und einander an den Händen hielten, als ob sie sich gegenseitig in ihrer Traurigkeit unterstützen wollten.

„Deine Freunde warten auf dich", ermutigte ihn Lily, die trotz ihrer Tränen lächelte.

„Lebt wohl", sagte er ihnen.

Und er legte die Hand auf den Portschlüssel.

OoOoO

Sie kamen in der Große Eingangshalle an. Harry sah Dumbledore fragend an und Letzterer zuckte mit den Schultern, um zu zeigen, dass jede beliebige Richtung passen würde. Harry ging die Treppe zur Bibliothek hoch. Sie waren kaum eine Etage hinauf gestiegen und schon befanden sie sich vor dem Raum, an den sich Harry erinnerte.

Bevor er ihn betrat, rief sich Harry alles ins Gedächtnis zurück, was er seinen Freunden beibringen musste: Wo die Horkruxe versteckt waren, wie man sie zerstören konnte, welcher der letzte war und die Tatsache, dass Voldemort lebendig gefangen werden musste, damit seine Seele von einem Dementor ausgesaugt und nicht bloß von seinem Körper getrennt wurde.

Er sah Dumbledore an, der geduldig neben ihm gewartet hatte.

„Nimm dir Zeit, Harry", sagte er ihm freundlich.

„Es geht schon, ich bin bereit. Danke für all das, was Sie getan haben."

„Es war mir eine Freude, dich kennen zu lernen, Harry. Und ich bin zufrieden zu wissen, dass ich dir helfen konnte."

Bevor er eintrat, blickte Harry nach hinten und bemerkte etwas.

„Hey, bei mir zu Hause haben die Rüstungen der Treppe keine kleinen rosa Bänder."

„Dies ist ziemlich neu", stimmte der Schulleiter zu, „und wir verdanken es dem Kunstgeschmack deines Doppelgängers und seines Freundes Neville."

„Und Sie werden sie da lassen?", fragte Harry überrascht

„Ich vermute, dass ich etwas tun könnte", gestand der Zauberer schelmisch, „aber ich finde es lustiger zu sehen, wie Professor Flitwick zu verstehen versucht, welche listige Magie unsere beiden Schreckkerle benutzt haben. Solche Herausforderungen vermeiden es, dass unsere Lehrer verkalken."

Mit einem Lächeln ging Harry durch die Tür, die ihn nach Hause zurückschickte.

OoOoO

Als er erwachte, war sein erster Gedanke, dass er daran hätte denken sollen zu sitzen, da er bereits wusste, dass er das Bewusstsein verlieren würde. Es hätte verhindert, dass er an seiner linken Seite litt. Er stand mit Schwierigkeiten auf und vermied um ein Haar, auf einem halb gegessenen Apfel auszurutschen.

„Alles in Ordnung, Harry? Wir haben einen Höllenlärm gehört", ließ eine bekannte Stimme vernehmen.

„Ron!", rief er erfreut aus.

„Wer sonst? Wir sind die einzigen, die dumm genug sind, dass sie während der Ferien zum Lernen hierher kommen. Aua!"

„Du weißt genau, dass es wichtig ist, Ron", tadelte ihn Hermine, die ihn gerade auf den Kopf geschlagen hatte. „Was ist mit dir passiert, Harry? Und wo hast du diesen Umhang her?"

Harry blickte an sich herunter. Er trug einen blauen Umhang, auf dem ein goldener Schnatz flog. Er dachte, dass er Glück gehabt hatte, dass das Kleidungsstück nicht in seiner Ursprungswelt hatte bleiben wollen. Es wäre ja nicht besonders toll gewesen, wenn er bloß Unterwäsche, oder sogar gar keine Unterwäsche getragen hätte.

„Ich werde euch alles erklären", versicherte er ihnen. „Aber ich bin nicht sicher, ob ihr mir glaubt!"

OoOoO

Als Harry und seine Freunde den Fuchsbau betraten, war es längst Zeit zum Abendessen. Molly fragte sie, ob sie das gefunden hatten, wonach sie gesucht hatten, bevor sie Harry erstaunt ansah:

„Harry, bist du den ganzen Tag lang draußen geblieben? Du bist gebräunt!"

Harry lächelte.

„Ja, das kann man so sagen. Molly, wäre es bitte möglich, schnellstens Tonks, Kingsley Shacklebolt, Remus und Mad-Eye Moody herbeizurufen?"

„Jetzt?"

„Es kann bis Morgen warten", beruhigte er sie.

„Ich werde sie anrufen, damit sie sich frei nehmen", antwortete sie ihm. „Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist."

„Nein, Mrs Weasley, es sind eher gute Nachrichten", versicherte ihr Hermine.

Nachdem sie alle drei angestarrt hatte und sich offenbar fragte, was sie im Kopf hatten, ging Molly zum Kamin des Wohnzimmers. Harry sah sich um, ortete die Person, die er suchte, und fragte:

„Ginny, darf ich dich sprechen?"

Sie sah ihn erstaunt an, weil er den Tag der Hochzeit ihres Bruders damit verbracht hatte, vor ihr zu fliehen.

„Ja, wenn du willst...", antwortete sie ohne Freude.

Harry ergriff ihren Arm und zog sie zum Schlafzimmer, das sie mit Hermine teilte.

„Warte mal", sagte sie ihm, bevor er anfing. „Was ist mit dir passiert? Du bist gebräunt, du bist weniger mager... Du bist gar nicht wie heute Morgen."

„Du fürchtest, dass ich nicht ich bin?", fragte er amüsiert und dachte dabei, dass seine Identität eh immer ein Problem war. „Gut, dann bin ich Harry Potter, derjenige, der ein Hungarischer Hornschwanz-Tattoo auf der Brust hat, weil es machomäßiger kommt."

„Das nenne ich nicht gerade eine Geheiminformation", bemerkte sie.

„Alles klar. Als du Erstklässlerin warst, hat Lucius Malfoy Tom Riddles Tagebuch in deinen Kessel gelegt. Ich habe es zerstört, als ich es mit einem Basiliskzahn durchbohrt habe. Ist das besser?"

„Was ist heute mit dir passiert?"

Harry fasste kurz zusammen, was während seines Aufenthalts in der anderen Welt passiert war und wie er seiner Familie begegnet war. Er erklärte ihr, was ein Horkrux war, wie er nach den Informationen der beiden Dumbledores jetzt wusste, wo die anderen Seelenstücke lagen, und wie er dank Lilys und Snapes Recherchen auch wusste, wie er sie zerstören konnte. Er schloss mit der wertvollen Information, die er über die Wirkung des Kusses des Dementoren auf seinen Feind erfahren hatte.

„Oh, Harry, das ist fantastisch", rief Ginny aus, als er geendet hatte. „Es wird nicht einfach sein, aber zumindest hat man den Eindruck, dass es machbar ist!"

„Ja", gestand Harry. „Es gibt aber etwas anderes. Und das musst du für dich behalten, Hermine und Ron allein werden Bescheid wissen."

Und er erklärte ihr, wo der letzte Horkrux lag. Niedergeschlagen sah sie ihn an, ohne zu wagen, einen Kommentar auszusprechen.

„Das ist nicht so schlimm", sagte Harry mutig. „Voldemort soll ihn nie benutzen können, wenn man mich sehr stark liebt und wenn ich auch sehr stark liebe."

„Und... darf ich dich sehr stark lieben?"

„Ja", flüsterte Harry. „Ich habe mich geirrt, als ich mit dir Schluss gemacht habe. Verzeih mir, ich habe dich für nichts traurig gemacht."

Ginny schmiegte sich an ihn und er umarmte sie fest. Sie küssten sich lange und genossen die Tatsache, dass sie sich wieder gefunden hatten.

Harry fühlte sich überglücklich. Ich darf diese Momente nie vergessen, dachte er, sie sind meine beste Abwehr.

„Ich werde ein Denkarium kaufen", sagte er, als seine Lippen wieder frei wurden. „Um all meine Erinnerungen zu behalten. Jene über die besten Momente meines Lebens: Meine Familie, meine Freunde, du."

„Also gehöre ich jetzt zu den 'guten Erinnerungen'", freute sich Ginny. „Das ist toll, einen Krieg zu gewinnen, indem man den festen Freund küsst. Sag mal, ich hoffe, dass außer mir kein Mädel in deinem Denkarium da sein wird! Ich meine, außer Hermine und meiner Mum!"

„Ach, hm, doch eine andere wird da sein", sagte Harry und tat, als wäre er verlegen. „Aber ich habe mit ihr so tolle Momente verbracht! Sie ist hübsch, klug und spielt hervorragend gut Quidditch. Stört es dich wirklich?"

„Hm... Sag mir mehr", sprach Ginny vorsichtig.

„Sie heißt Rose Potter. Sie ist mein Schwesterherz."

„Du hast eine Schwester?", staunte Ginny, weil er seine Familie während seiner Erzählung nur sehr kurz vorgestellt hatte.

„Ja, tja, der andere Harry hat eine. Aber er hat sie mir während des Aufenthalts ein bisschen geliehen."

„Eines Tages musst du mir alles detailliert erzählen."

„Später", sagte Harry und beugte sich vor, um sie noch einmal zu küssen.

Es wurde an der Tür geklopft, was sie beide aufspringen ließ.

„Mum will, dass Ginny runterkommt", sagte die Stimme von Ron, den es nicht zu ärgern schien, diese Nachricht zu überbringen.

„Verdammt", murrte Ginny. „Ich bin doch gerade dabei, meinen Orden des Merlin zu verdienen!"

OoOoO

Als Harry am nächsten Tag mit Ginny und seinen Freunden die Küche betrat, die als Treffpunkt diente, bemerkte er, dass ihn die Erwachsenen argwöhnisch ansahen, und er verstand, dass ihnen Arthur und Molly von ihrem Erstaunen erzählt hatten, was die überraschende Änderung seines Verhaltens während der letzten vierundzwanzig Stunden anging. Er wollte ihnen nicht die ganze Geschichte erzählen, wenn er es vermeiden konnte, aber er musste ihnen doch Einiges erklären.

Jeder setzte sich an den Tisch und er fing an:

„Gestern hat mich Hogwarts eine sehr besondere Erfahrung erleben lassen und ich habe dabei zahlreiche Informationen erhalten, die uns für unseren Kampf sehr nützlich sein werden."

„Ginny ist zu jung, als dass sie zum Orden gehören dürfte", protestierte Molly.

„Ginny weiß alles, was wir heute besprechen werden", antwortete Harry fest.

„Aber..."

„Mum, die Tatsache, dass ich erst sechzehn bin, wird Voldemort nicht daran hindern, mich zu töten."

„Wenn sie bereits Bescheid weiß, Molly...", plädierte Arthur.

Mrs Weasley warf Ginny einen vernichtenden Blick zu, aber ihr jüngstes Kind schlug nicht die Augen nieder und Hermine fuhr fort:

„Wissen Sie, was ein Horkrux ist?"

Die Weasley sahen sie verständnislos an, während die Auroren und Remus einen Kennerblick wechselten, als hätten sie diesen Konzept schon besprochen.

„Remus", fragte Harry, „können Sie es Molly und Arthur erklären?"

Sobald Remus es getan hatte, meinte der Werwolf:

„Ich vermute, dass Voldemort einen erschaffen hat und dass er darum zurückkommen konnte."

„Er hat sechs erschaffen", sagte ihm Hermine, was überraschte, bestürzte Ausrufe verursachte.

„Wir werden es aber nie schaffen, sie zu vernichten!", rief Tonks aus.

„Zwei wurden bereits zerstört", beruhigte sie Harry. „Und Professor Dumbledore hat mir enthüllt, wo die anderen versteckt sind."

„Sie zu finden ist nicht genug", murrte Moody, dessen magisches Auge Harry anstarrte und sich dann wie verrückt in allen Richtungen drehte.

„Das Schloss hat uns auch beigebracht, wie man sie vernichten kann", vervollständigte Hermine.

„All das innerhalb eines einzigen Tages?", fragte der ehemalige Auror mit argwöhnischer Stimme.

„Für mich ist der Tag lang gewesen", gestand Harry. „Das Schloss hat mir eine Vision geschickt."

„Eine Vision! Seit wann glauben Sie an Visionen?", donnerte der jähzornige Mann.

„Das ist nicht dümmer als Prophezeiungen", bemerkte Harry scharf.

Es entstand eine Stille und dann antwortete Remus:

„Apropos Prophezeiungen... manche unter uns wissen nicht mal, wie jene lautet, die dich betrifft, und ich selber kenne sie nicht vollständig."

Harry sprach sie völlig aus.

„Das ergibt aber keinen Sinn", protestierte Molly.

„Doch, Molly", setzte Remus entgegen. „Es meint, dass Harry allein Du-Weißt-Schon-Wen töten kann."

„Harry kann es aber nicht, er ist erst siebzehn Jahre alt!"

„Wir werden das zum passenden Zeitpunkt besprechen", erwiderte Harry. „Das, wovon ich sicher sein will, ist, dass es jetzt endgültig ist, wenn ich ihm gegenüberstehe und das Glück habe, ihn zu töten."

Alle starrten Harry an, der sich unwohl fühlte und schluckte.

„Harry kann es ohne Sie nicht schaffen", griff Hermine ein. „Es werden Fachleute benötigt, um die magischen Sperren zu überwinden, die diese Gegenstände schützen."

„Professor Dumbledore hat mir gezeigt, wo die Fallen liegen, und wie man sie umgehen kann", präzisierte Harry, ohne zu lügen. „Und es sind nur noch vier Horkruxe übrig, von denen einer bestimmt deaktiviert ist."

„Könnten Sie sie genau beschreiben?", fragte Kingskey Shacklebolt.

Harry beschrieb ihnen Slytherins Medaillon, Hufflepuffs Trinkpokal und Ravenclaws Astronomiebrille.

„Der letzte ist die Schlange Nagini, die Arthur verletzt hat. Aber das ist der, der fast am einfachsten zu zerstören ist. Es reicht bloß, sie zu töten."

„Und die Gegenstände?"

„Man muss ein Ritual benutzen, das Bill schaffen könnte. Wann kommt er aus seinen Flitterwochen zurück?"

„Nächste Woche", sagte ihm Arthur.

„Ich will dieses Ritual kennen", sagte Moody barsch.

„Natürlich", antwortete Hermine, bevor ihr Freund etwas erwidern konnte.

„Und was wird dann geschehen, wenn wir das Problem der Horkruxe gelöst haben?", fragte Kingsley Shacklebolt, was Moody daran hinderte, den Grundsatz weiter zu besprechen.

„Wir werden Voldemort gefangen nehmen müssen, ohne ihn zu töten", erklärte Hermine, ehe sie die Theorie des Dementorenkusses entwickelte.

„Aber", setzte Tonks entgegen und runzelte die Stirn, „wozu würde es nutzen, wenn keine Horkruxe übrig bleiben?"

„Falls Dumbledore sich geirrt hätte", erklärte Ron. „Wir wollen kein Risiko eingehen."

Es entstand eine nachdenkliche Stille, nach der Shacklebolt taktvoll sprach:

„Harry, nimm es nicht böse, aber wir können doch nicht wegen einer bloßen Vision unüberlegt in den Kampf ziehen."

„Professor Dumbledore ist es, der mir das über die Horkruxe erklärt hat", protestierte Harry. „Und übrigens sahen Sie vorhin nicht so erstaunt aus."

„Das stimmt, dass es eine Hypothese war, die wir erwähnt hatten, um die Rückkehr von Du-weißt-schon-wem zu erklären", gestand der große Auror, „aber jetzt gibst du uns plötzlich eine ganze Menge Infos. Das ist zu schön, als dass es wahr sein könnte."

Harry fragte sich, ob er alles hätte erzählen sollen. Doch er war nicht sicher, dass es glaubwürdiger gewesen wäre als diese halbe Wahrheit. Er hatte einen Monat gebraucht, bis er sich überzeugt hatte, dass er es schaffen konnte.

„Harry!", sagte plötzlich Hermine. „Professor Dumbledore hat dir in seinem Denkarium Erinnerungen gezeigt, oder? Sie liegen vielleicht immer noch da. Wenn es uns Professor McGonagall anvertrauen würde, so könntest du uns zeigen, welche er dir letztes Jahr enthüllt hat."

Harry sah sie dankbar an. So schrecklich es war, so war sein Schicksal freundlich genug gewesen, dass es eine Menge kluger Frauen auf seinem Weg gestellt hatte, um ihm zu helfen.

OoOoO

Remus und Kingsley reisten nach Hogwarts und kamen mit einer Minerva McGonagall von dort zurück, die wissen wollte, was los war. Vor Harry stand also eine weitere Person, die ihn anstarrte und Kommentare leise sprach. Er wartete daher geduldig, dass die Erwachsenen die Entscheidung trafen zu handeln, küsste dabei Ginny sooft er konnte und überraschte Ron mit den Schachspieltechniken, die ihm Rose beigebracht hatte. Er weihte auch seine Freunde in die Regeln des Muggeltarots ein.

McGonagall war nicht besonders erfreut, dass man ins Denkarium ihres ehemaligen Schulleiters eintauchen wollte. Wenn man ihrer Meinung gefolgt wäre, so hätte man es zerstört, um die Intimität seines Besitzers zu behalten. Doch konnte Remus die Lehrerin überreden, dass Dumbledore, wenn er etwas darin hinterlassen hatte, sicher wollte, dass man es findet, und schließlich stimmte sie zu zu enthüllen, wo in Hogwarts sie es versteckt hatte. Moody sagte, dass er selber prüfen wollte, was Harry gesagt hatte, und keiner ging das Risiko ein, es abzulehnen.

Der ehemalige Auror war es also, der als Erster die einzige Erinnerung erleben konnte, die im Steinbecken übrig blieb. Sie war sehr kurz und war für eine nicht eingeweihte Person etwas unverständlich, für einen aber, der Harrys Erklärungen zugehört hatte, sehr deutlich. Es war ein Gespräch zwischen dem Gryffindor und seinem Schulleiter:

Also", sagte Harry, „das Tagebuch ist weg, der Ring ist weg. Der Becher, das Medaillon und die Schlange sind immer noch unversehrt, und Sie glauben, es könnte einen Horkrux geben, der einst Ravenclaw oder Gryffindor gehörte?", zählte Harry auf.

Eine bewundernswert prägnante und genaue Zusammenfassung, ja", sagte Dumbledore und neigte den Kopf.

Und Sie suchen immer noch danach, Sir? Immer wenn Sie die Schule verlassen, sind Sie auf der Suche?"

Richtig. Ich suche schon seit sehr langer Zeit. Ich denke... vielleicht... bin ich kurz davor, einen weiteren zu finden. Es gibt Zeichen, die Anlass zur Hoffnung geben."

Und wenn es so weit ist", fragte Harry rasch, „darf ich dann mitkommen und helfen, ihn zu zerstören?"

Ja, ich denke schon."

Ich darf?"

O ja. Ich denke, du hast dir dieses Recht verdient", lächelte der alte Mann.

Harry wurde also darum gebeten, andere Erinnerungen ins Denkarium hinein zu tun, die einen mehr erleuchten würden. Er legte das, woran er sich von Slughorns Erinnerung erinnerte, hinein. Nachdem sie sie angesehen und auf die Hinweise, die ihnen der junge Mann gegeben hatte, sorgfältig aufgepasst hatten, machten sich Moody, Shacklebolt, Tonks und Remus sofort auf die Suche nach den magischen Gegenständen, von denen Harry erzählt hatten.

OoOoO

Bill kam aus seinen Flitterwochen zurück und Harry schloss sich mit ihm und dem Denkarium ein. Nachdem er ihn hatte schwören lassen, dass er niemandem von dem erzählen würde, was er dort sehen würde, zeigte er ihm die Erinnerung, in der ihm Lily die Etappen des Rituals erklärte und ihm das Buch zeigte, in dem es beschrieben wurde. Dann holte er seine Erinnerung sorgfältig zurück, während ihn Bill ansah, ohne zu wagen, einen Kommentar auszusprechen. Der älteste Weasley fasste sich schnell wieder und bereitete sich darauf vor, das zu tun, was man von ihm erwartete. Er musste zuerst das Buch wieder finden, das das Ritual detailliert beschrieb, um zu prüfen, ob Harry nichts vergessen hatte. Dann würde er sich auf die Suche nach den Gegenständen machen, die er brauchte, um es auszuführen.

Harry fragte ihn, wie er einen Dementor finden wollte, da Letztere Askaban anderthalb Jahre vorher verlassen hatten.

„Weißt du", antwortete Bill, „diese verfluchte Biester erscheinen zu oft wieder. Die Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe muss immer da eingreifen, wo es brennt. Sie müssen dahin apparieren, wo Dementoren gesehen wurden, um sie zu vertreiben. Wir brauchen nur, mit jemandem aus dieser Abteilung Kontakt aufzunehmen und ihn darum zu bitten, uns Bescheid zu sagen, wenn er eingreifen muss. Komm, wir fragen meinen Dad, ob er dort einen Freund hat."

Als ihn die beiden jungen Leute fragten, antwortete Arthur sofort:

„Wir kennen Amos Diggory. Warum?"

„Wir müssen ihn um einen Dienst bitten", antwortete Harry.

„Wenn es für dich ist, wird er es tun", versicherte Arthur. „Ich weiß, dass er dir dankbar ist, dass du die Leiche seines Sohnes von... dort zurückgebracht hast, wo du herkamst. Was willst du von ihm?"

Harry sah Bill an, der antwortete:

„Ein paar Infos. Harry, ich sage dir Bescheid, wenn ich bereit bin."

OoOoO

Als die drei Auroren und Remus mit den gesuchten Gegenständen zurückkamen, die in Beuteln aus Drachenleder lagen und mit Schutzzauber sorgfältig umgeben waren, bat Harry sie darum, sie auszupacken, und ergriff sie.

„Berühren Sie sie nicht, Sie Elender!", rief Moody aus und stürzte auf ihn zu.

„Ich gehe keinen Risiko ein", setzte Harry entgegen.

„Was wissen Sie davon?"

„Professor Dumbledore hat es mir gesagt", behauptete Harry, ohne zu präzisieren, dass er von einem anderen Schulleiter sprach.

Und ohne auf das Murren des ehemaligen Aurors zu achten, prüfte er sorgfältig, ob es tatsächlich die Originalgegenstände und keine Fälschungen waren wie das Medaillon, das sie in der Höhle aufgefunden hatten. Er hatte umsonst Angst gehabt, denn die Gegenstände in seinen Händen waren doch jene, die er in der anderen Welt gelernt hatte wiederzuerkennen.

OoOoO

Bill erschien einige Tage später im Fuchsbau und Harry vertraute ihm die Gegenstände an, damit er sie dem Ritual unterwarf.

„Sie müssen alle zerstört werden", drängte er. „Alle bis zum letzten."

„Harry, ich habe verstanden", antwortete Bill spöttisch. „Du wiederholst es bereits zum vierten Mal."

„Das ist wichtig."

„Weißt du, ich werde schließlich glauben, dass du mir etwas verschwiegen hast", erwiderte der Fluchbrecher, was Harry mundtot machte. „Gut, ich wollte dich fragen", fuhr er fort, „stört es dich, wenn ich für den Teil mit den Dementoren Fleur mit mir nehme?"

„Ist es nötig, auch sie zu gefährden?", erstaunte sich Harry.

„Das ist das genaue Gegenteil, ich zähle auf sie, um mich zu schützen. Die Veelas sind den Geistesangriffen unempfänglich und Fleur ist diesen Bestien gegenüber sehr widerstandsfähig. Ich werde ihr nicht alles über das Wesen dieser Gegenstände sagen, Harry. Sie wird bloß wissen, dass ich sie enthexen muss."

„Ich misstraue ihr nicht", präzisierte Harry. „Aber ich will die Zahl der Leute lieber begrenzen, die über die Horkruxe Bescheid wissen."

„Ich verstehe ja. Ich kann mir auch allein heraushelfen, wenn du es lieber möchtest."

„Wenn du meinst, dass es vorsichtiger ist, sie dabei zu haben, dann lasse ich dich darüber entscheiden. Es freut mich, dass du daran denkst, um deine Sicherheit zu sorgen."

„In meinem Beruf erreicht man kein würdiges Alter, wenn man nicht alle Chancen für sich nimmt", kommentierte Bill. „Und glaube mir, ein gefräßiger Dementor ist nicht so gefährlich, wenn man ihn mit einer wütenden Mumie vergleicht", behauptete er, ohne dass Harry sicher sein konnte, ob er scherzte oder nicht.

„Um mit Diggory Kontakt zu halten", sagte der junge Mann, „hat Hermine unsere Kommunikationsgalleonen wieder funktionieren lassen. Geh zu ihr, bevor du weggehst, sie hat zwei für dich beiseite gelegt. Sie wird dir erklären, was das ist und wie es funktioniert", fügte er hinzu, als ihn Bill fragend ansah.

Harry, der Bill völlig vertraute und sicher war, dass er seine Aufgabe erfüllen würde, konnte sich völlig mit dem zweiten Teil des Plans beschäftigen: Voldemort finden und ihn verhaften zu lassen.


So, das war's. Bald geht die Geschichte zu Ende. Hier ist die – etwas freie – Übersetzung von der ersten Strophe dieses Gedichts von Joachim du Bellay, eines Gedichts, das man damals auswendig kennen musste:

Glücklich ist der, der wie Odysseus lang reiste

Oder der, der das Gold'ne Vlies eroberte

Und voll Wissen kehrte zu seinen Verwandten,

Um den Rest des Lebens mit ihn'n zu verbringen.

Der Anfang dieses Gedichts wird oft zitiert, wenn jemand weit weg von seinem Zuhause ist und Heimweh hat.

Wenn ihr ein richtig gutes Gedächtnis habt, erinnert ihr euch vielleicht daran, dass die Bänder auf den Rüstungen von Dumbledore erwähnt wurden, als er unseren Harry zum ersten Mal traf (also, im ersten Kapitel). Ich wollte nur damit sagen, dass ich nie seltsame Sprüche schreibe, ohne die Erklärung dazu irgendwann mal zu geben. ;-)

Was kommt denn nächste Woche? Planungen, Verhandlungen und eine nicht ganz improvisierte Pressekonferenz. Schöne Woche an alle!