Hustend torkelte Harry aus dem Kamin und landete unzeremoniell auf dem Teppich. Er hasste Reisen mit Flohpulver. Bei Wind und Wetter hielt er sich elegant auf seinem Besen, aber er schaffte es einfach nicht in dem Kamin stehen zu bleiben.

„Galant wie immer, Potter", schnarrte eine Stimme über ihm. Er warf einen finsteren Blick zu dem Mann, der jetzt höhnisch grinste. Außerhalb seiner Lehrerroben, mit nur einer schwarzen Jeans und einem weißen Hemd hatte er ihn fast nicht erkannt. Tatsächlich war er noch ziemlich rot um die Nase herum. Harry rappelte sich hoch und Snape ließ mit einem Flick seines Zauberstabes den Ruß verschwinden.

„Hast du noch nie davon gehört, dass man auf den Füßen landen soll?"

„Und hast du noch nie gehört, dass Vampire nicht in die Sonne dürfen?", gab Harry zurück. Bevor Snape etwas dazu sagen konnte, war ein braungebranntes Etwas über Harry und nahm ihn in den Schwitzkasten.

„Hi Nev", röchelte Harry und versuchte sich zu befreien.

„Wer ist jetzt der Kleine, hä?", gab Neville grinsend zurück und ließ ihn los. Er war im letzten halben Jahr um gut zehn Zentimeter gewachsen und überragte Harry jetzt fast um einen ganzen Kopf.

„Größe ist nicht alles, mein Freund", grinste Harry und tippte Nev an die Stirn. „Du wirst immer der Jüngere bleiben."

„Ihr habt beide am selben Tag Geburtstag", schnarrte Snape.

„Ja, aber ich bin um vier Uhr nachts gekommen. Nev erst Mittags, also bin ich der Ältere."

Snape verdrehte die Augen und winkte ihnen dann zu. „Kommt mit, Mittagessen steht auf dem Tisch."

Kurios sah Harry sich um. Er war noch nie hier gewesen, aber nach all den langatmigen Erzählungen seines Freundes kam er sich vor, als kannte er jeden Winkel. Das Haus war ähnlich aufgebaut, wie das der Dursley. Im Erdgeschoss befanden sich Küche und das große Wohnzimmer, indem er gelandet war. Eine Treppe hoch führte zu den beiden Schlafzimmern, einen Gästezimmer und Snapes Privatlabor. Doch im Gegensatz zu den Dursleys, war es nicht klinisch rein, sondern bestand hauptsächlich aus warmen Holz und creme Farben.

In der Küche stellte Snape jeweils eine Platte voll mit Fleisch und Salat vor sie. Dann begann er sie zu belehren.

„Im Haus wird nicht gerannt, Dinge zerstört oder herumgeschrien. Mein Labor ist TABU! Wenn ihr raus geht sagt ihr Bescheid und solange ich nicht anders sage, bleibt ihr in Rufweite. Wenn ich es euch nicht erlaube, redet ihr nicht, bewegt euch nicht und tut rein gar nichts..."

Neville verdrehte leicht die Augen und warf Harry einen Seitenblick zu.

„Die Rede hält er jeden Tag."

„Irgendetwas zu sagen, Mr Longbottom?", zischte Snape und Neville verdrehte wieder die Augen.

„Gut, ich weiß, dass dies nicht deinem Heldenstatus entspricht, Potter, aber du wirst mit dem Gästezimmer vorlieb nehmen müssen. Ich will nicht das du..."

„Eigentlich", unterbrach Neville ihn. Harry war ein wenig von seinem Freund beeindruckt, der Snape nur nett anlächelte und den finsteren Blick ignorierte.

„dachte ich Harry würde bei mir schlafen. Immerhin braucht Hermine ein eigenes Zimmer, wenn sie kommt."

„Wann habe ich dazu ja gesagt?", fragte Snape spitz und hob eine Augenbraue.

„Also ihre Eltern haben ihre Erlaubnis gegeben. Wir können sie morgen abholen. So um zehn?"

Harry verschluckte sich beinahe an seinem Kürbissaft, während Snape sich die Schläfen massierte.

„Du bist mein Tod, Junge!"

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Nach dem Essen gingen sie nach draußen, unter den Armen ihre Schwimmsachen. Snapes Haus lag nur wenige Minuten Fußmarsch vom Meer entfernt und es war ein herrlich heißer Sommertag. Harry war erst seit einer Stunde hier, aber trotzdem liebte er es schon. Neville hatte nicht übertrieben. Das Haus besaß einen relativ großen Garten, der allerhand magische Pflanzen beinhaltete, die Snape für seine Tränke brauchte. Die Straße runter befand sich ein kleines Dorf, dass von hier aus allerdings nicht zu sehen war.

Hinter dem Zaun lag nur grüne Wiese, die zu einem kleinen Hang führte, von dem man aufs Meer sehen konnte. Jetzt liefen sie einen kleinen Pfad hinab zum Strand. Fast zwei Stunden verbrachten sie im Wasser, bis sie sich erschöpft auf ihren Handtüchern ausbreiteten. Harry erzählte Neville von dem Gespräch, dass er zwei Tage zuvor belauscht hatte.

„Du bist dir sicher, dass sie Black gesagt haben?", fragte Neville und überrascht sah Harry, dass der größere Junge trotz seiner Sommer bräune blasser geworden war.

„Ja. Weißt du wer das ist?"

„Wer weiß das nicht?", murmelte Nev und richtete sich etwas auf. „Er ist nur der gefährlichste Mann nach du-weißt-schon-wem."

„Was hat Voldemort damit zu tun?" Neville zuckte bei dem Namen kurz zusammen.

„Sirius Black war seine rechte Hand. Er hat während des Krieges wohl mehr Menschen umgebracht, als selbst du-weißt-schon-wer. Nach dem du ihn ins Nirvana geschickt hast, haben sich die restlichen Todesser um ihn gescharrt, als neuen Anführer. Wahrscheinlich hätte es keinen großen Unterschied gemacht ob du-weißt-schon-wer oder Black an der Macht wär. Aber nach einem Monat hat er wohl die Nerven verloren. Sie haben ihn geschnappt und nach Askaban gebracht, aber nicht bevor er eine ganze Straße voller Muggel in die Luft gejagt hat."

„Heilige Scheiße", fluchte Harry und Neville nickte dunkel. „Aber wenn er in Askaban sitzt, wieso denkt Albus er würde nach mir suchen? Und warum überhaupt nach mir?"

„Keine Ahnung. Vielleicht plant er Rache oder so was? Immerhin hast du seinen Meister getötet.

„Aber er ist sicher in Askaban?"

„Glaub mir, wenn er nicht dort wäre, hätten wir davon gehört."

Nachdenklich drehte Harry sich auf den Rücken und sah zu den wenigen weißen Wolken am Himmel.

„Aber was sollte das dann alles?"

Neville zuckte mit den Achseln. „Was mich viel eher interessiert ist, was es mit Fudge auf sich hat. Dad meckert immer, wenn er ihn in der Zeitung sieht. Aber wie will er sich denn in Hogwarts einmischen?"

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„Das meint ihr nicht ernst, oder?", fragte Hermine ungehalten.

Snape hatte sie am Vormittag, unter ständigem Gebrummel und Gemurmel tatsächlich abgeholt. Jetzt war es Abend und sie saßen alle in dem Zimmer, das sich Harry und Neville teilten. Die Jungen hatten ihr von dem Gespräch zwischen Albus und Minerva erzählt.

„Wenn Fudge beschließt sich in Hogwarts einzumischen ist das schlecht."

„Aber warum", fragte Harry und spielte mit einem Tennisball herum. Immer wieder ließ er ihn gegen die Wand springen und fing ihn auf. Das ließ ihn sich besser konzentrieren und nachdenken.

„Weil es mehrere Ausbildungserlasse gibt, die das Ministerium steuert. Bis jetzt konnte Professor Dumbledore schalten und walten wie er wollte. Aber wenn ihm jetzt einen Riegel vorgeschoben wird, kann Fudge bestimmen, wer zum Beispiel eingestellt wird, welche Fächer es gibt und so weiter."

„Naja, vielleicht bekommen wir dann endlich einen vernünftigen Geschichtslehrer", lachte Neville, doch Hermine warf ihm nur einen finsteren Blick zu.

„Oh ja. Super. Willst du wirklich Jemanden als Lehrer haben, der uns ausspioniert und Ministeriumsparolen verbreitet?"

„Ich denke du willst mal in dem Verein arbeiten?", feixte Harry und warf den Ball in einem besonders schönen Bogen durch den Raum.

„Ja, aber nicht weil es mir dort so gut gefällt, sondern weil ich etwas ändern will. Das Ministerium ist langsam, korrupt und naiv."

„Das ist auch mal eine schöne Stellenausschreibung", murmelte Nev.

„Jedenfalls graute es mir davor, was sie alles tun können. Bis jetzt war Hogwarts immer unabhängig, aber wenn sich das ändert...sagen wir es mal so: Es gibt genug Schüler, die sich liebend gerne auf ein Podest stellen lassen, auch wenn sie dafür ein paar moralisch verwerfliche Dinge tun müssen."

„Hört sich ganz nach Malfoy an", grinste Harry „und was sind für dich moralisch verwerfliche Dinge? Ich glaube kaum, dass Malfoy jemand zuhört, wenn er überall erzählt, wie toll das Ministerium ist."

„Nein. Aber er könnte zum Beispiel ein paar Dinge über Dumbledore erzählen, damit das Ministerium ihn beseitigen kann und alle die ihm treu sind."

„Was? Das würden sie nicht wagen!", zischte Harry und der Tennisball prallte gegen zwei Wände, bevor er unbeobachtete auf dem Boden rollte.

„Und warum nicht? Nachdem was du gehört hast, hat Fudge anscheinend Angst vor Dumbledore. Wie könnte er ihn besser aus dem Weg räumen, als ihn aus Hogwarts zu entfernen? Wenn er behauptete er wäre ein alter Mann, der falsche Entscheidungen trifft..."

„Das ist er nicht!", knurrte Harry. Hermine lächelte ihn sanft an, klaubte dann den Ball vom Boden und warf ihn zu Harry.

„Ich weiß, Harry. Aber so sehr wir ihn alle mögen, hat er sich doch im Laufe der Zeit Feinde geschaffen..."

„Wer hat Feinde?", fragte Snape, der ohne anklopfen herein gekommen war.

„Du", sagten alle drei gleichzeitig. Snape hob nur eine Augenbraue.

„Und gleich habe ich noch drei mehr. Zeit fürs Bett."

Hermine sprang auf, während Harry grummelnd seinen Platz auf Nevilles Bett verließ und zu seinem eigenen ging. Snape hatte es heute morgen an die andere Wand gezaubert, da Hermine das Gästezimmer bekam.

„Guten Nacht, Professor", sagte Hermine höflich und winkte den Jungen zu.

„Nacht, Miss Granger", gab Snape zurück bevor er seinen Blick auf die zwei Jungen haftete.

„Und ihr zwei: Kein Gerede bis tief in die Nacht, sonst knebel ich euch! Oh und Potter: Wenn du noch einmal diesen vermaledeiten Ball irgendwo gegen wirfst, hexe ich dich an die Decke!"

Hinter seinem Rücken streckte Harry ihm die Zunge raus.

„Das habe ich gesehen, Potter", knarrte Snape, ohne sich um zu drehen. Er ging zu Nevilles Bett und zog ihm die Decke ein klein wenig höher. Dann strich er ihm einmal über die Haare. Harry, der gerade unter die eigene Decke krabbelte, sah aus den Augenwinkeln zu. Wie schon zuvor, hatte er das Gefühl etwas verbotenes und intimes zu beobachten, dass nicht für seine Augen bestimmt war. Es schien ein alltägliches Ritual zu sein, denn Neville gähnte zufrieden und flüsterte dann:

„Danke, das Harry und Hermine kommen durften."

„Kein Problem, mein Sohn", gab Snape mit weicher Stimme zurück. Harry drehte sich schnell mit dem Gesicht zur Wand und kuschelte sich ein.

„Gute Nacht, Jungs", sagte Snape noch, bevor er das Licht ausmachte.

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Am nächsten Morgen kamen sie gähnend und in ihren Schlafanzügen zum Frühstück, wo Hermine schon fertig für den Tag in der Küche stand und Snape half Kaffee zu kochen. Unablässig schoss sie ihm Fragen entgegen, zu Tränken, dem Haus und dem Rest der Welt. Erstaunlich ruhig antwortete der Tränkemeister jedes Mal, sah aber ein wenig erleichtert aus, als sie herein kamen.

„Endlich seit ihr wach", murrte er und unterbrach damit Hermines Tirade über die Qualität seines Kaffees. „Irgendwelche Pläne für heute?"

„Ich dachte wir könnten vielleicht runter ins Dorf. Mike und Susan denken bestimmt ich wär verschollen."

Mike und Susan waren beide fünfzehn, allerdings Muggel. Neville hatte sich am Anfang der Ferien schnell mit ihnen angefreundet. Harry sah, dass Snape zögerte und ihm einen langen Blick zuwarf. Einen Moment dachte er, der Tränkemeister würde es ihnen verbieten, doch dann zuckte er mit den Schulter.

„Warum nicht. Wenn irgendetwas passiert geht zu..."

„Mr Owen. Ja, ich weiß dad", seufzte Neville. Snape kniff ein wenig die Augen zusammen.

„Du bist mir ein wenig zu frech in letzter Zeit", sagte er warnend. Neville entschuldigte sich nicht, senkte den Kopf aber wieder über sein Müsli.

„Und seit zum Abendessen wieder da, ok?"

„Ja, Sir", murmelten alle drei. Eine Stunde später liefen sie die Straße hinunter. Auf dem ganzen Weg kam ihnen nur ein Auto entgegen, deshalb konnten sie auch auf dem Asphalt laufen und mussten sich nicht über die Wiesen quälen.

„Habt ihr gemerkt wie er gezögert hat?", fragte Harry irgendwann.

„Er wollte uns wahrscheinlich nur ein wenig zappeln lassen", murrte Nev und kickte einen Stein mit dem Fuß in den Graben.

„Oh... sind wir heute schlecht auf den heiligen Vater zu sprechen?", konnte Harry sich nicht verkneifen und grinste, als Neville ihm einen bösen Blick zuwarf. Nachdem er am Anfang jede Kritik an seinem Vormund abgeschmettert hatte, zog Harry ihn immer wieder damit auf, sobald er etwas gegen Snape sagte.

„Warte nur bis er dich auf dem Kicker hat. Im Moment hält er sich noch zurück, weil ihr Gäste seit."

„Glaub mir, ich weiß wie es ist wenn er sich nicht zurück hält", murmelte Harry und sie warfen sich bedeutungsschwere Blicke zu.

„Wieso?", fragte Hermine unschuldig. Harry glaubte aber ein amüsiertes Funkeln in ihren Augen zu sehen. Nach all den Jahren, in denen ihre Vorträge einfach an ihnen abgeprallt war, war sie seit einem halben Jahr erstaunlich gehässig. Ein unbekannter Zug, der bei ihr allerdings einen eigenen Charme hatte.

„Ich sag nur Zeugnis", grinste Neville und wackelte mit den Augenbrauen. Harry fuchtelte abwehrend mit den Hände durch die Luft.

„Ach komm, das war total unfair. Nur weil ich in Zaubertränke durchgefallen bin..."

„Du bist in Zaubertränke durchgefallen?", lachte Hermine „Und mir hast du erzählt die Prüfung war ganz einfach."

„Naja, war sie auch. Einfach zu versauen..."

„Und was hat Snape gesagt?"

„Gesagt? Nichts. Rum geschrien trifft es eher. Allerdings hat er nur noch die Reste bekommen, nachdem Albus mit mir durch war."

„Und Minerva...und Aurora...und...", feixte Neville und wich Harrys Schlag aus.

„Jaja, ich weiß. Ich verstehe einfach nicht warum sie so ein Fass aufmachen. Zaubertränke ist absolut nutzlos", murrte Harry und sah dann seine beiden breit grinsenden Freunde an.

„Super...ihr seit sehr hilfreich!", schnaubte er und bewarf sie mit ein paar abgerupften Löwenzahn.

Sie erreichten das Dorf und Neville führte sie zu einem kleinen Spielplatz, an dem mehrere Gestalten saßen, die eindeutig zu alt für die Schaukeln waren.

„Nev", rief ein blondes Mädchen und umarmte ihn.

„Hi Susan", grinste er. „Das sind Harry und Hermine"

Sie schüttelten sich die Hände. Außer Susan und Mike hingen noch zwei andere Jungen hier herum, die irgendwie eine Mischung aus Crabbe, Goyle und den Weasley Zwillingen zu sein schienen. Alex und Ben waren bereits sechzehn, nicht unbedingt die Hellsten, aber ganz in Ordnung. Sie verbrachten den Tag zusammen mit den Muggelkindern, doch als es Zeit war nach Hause zu gehen, hielt Alex sie auf.

„Wieso bleibt ihr nicht ein wenig länger? Bens Eltern sind nicht da und wir wollen eine kleine Party bei ihm feiern."

„Wir sollen aber zum Abendessen wieder zurück sein", sagte Neville stirnrunzelnd. Susan schob die Unterlippe vor und harkte sich bei ihm unter.

„Ach komm schon, Nev. Ruf Onkel Snape an und sag ihm, mein Eltern hätten euch eingeladen."

„Ich weiß nicht..."

„Ach komm schon, Nev", wiederholte Harry ihre Worte leise „Onkel Snape hat bestimmt nichts dagegen, wenn du ein wenig mehr Zeit mit Susan verbringst..."

Neville lief ein wenig rot an und sah dann von Harry, zu Susan und wieder zurück.

„Meinst du?"

„Nev, wo hast du nur deine Augen? Die Kleine ist schon die ganze Zeit hinter dir her!"

Das Rot wurde dunkler, aber als selbst Hermine zustimmte, ging er zu dem kleinen Supermarkt. Der Besitzer, Mr Owen, war einer von mehreren Zauberern, die im Dorf wohnten und scheinbar ein guter Bekannter von Snape. Neville benutzte sein Kamin und kam zehn Minuten später wieder.

„Alles klar. Aber wir sollen um Punkt elf wieder da sein, sonst lässt er uns die nächsten zwei Wochen nicht mehr aus dem Haus!"

„Wie hast du denn das geschafft?", fragte Harry ehrfürchtig. Ihr normale Zubettgehzeit war um zehn und er konnte sich nichts auf der Welt vorstellen, dass Snape ihnen erlaubte länger aufzubleiben.

„Ich habe meine Methoden", antwortete Neville geheimnisvoll, bevor er von Harry in Susans Richtung geschoben wurde.

„Dann lass deine Methoden mal bei ihr aus", flüsterte Harry ihm ins Ohr. Grinsend überließ er Neville seinem Schicksal, während er mit Hermine den anderen zu Bens Haus folgte.

„Du bist gemein", sagte Hermine und harkte sich bei ihm unter.

„Quatsch, er braucht nur ein Stups in die richtige Richtung", gab er zurück. Hermine wollte sich wieder von ihm lösen, aber er hielt sie fest.

„Oh nein. Du wirst mit keinem von ihnen etwas anfangen, Miss Granger. Ein verliebtes Turteltäubchen reicht völlig!"

Hermine wurde rot bis an die Locken und sah ihn sprachlos an.

„Wie kommst du darauf, dass ich etwas von einem von ihnen wollte?"

„Nun", sagte Harry und zog spöttisch die Augenbrauen hoch „hier gibt es nicht viele Mädchen und vor allem nicht so Hübsche wie dich. Die sind doch alle hinter dir her, sobald sie dich sehen!"

Darauf sagte Hermine nichts mehr, aber sie sah eindeutig geschmeichelt aus. Sie erreichten Bens Haus und der, ganz der Gastgeber, holte sofort eine Kiste Bier raus.

„Bedient euch", sagte er lässig und köpfte die erste Flasche. Neville unterhielt sich angeregt mit Susan in einer Ecke. Hermine schüttelte den Kopf, als Alex ihr eine Flasche reichte.

„Besser nicht"

Harry dagegen nahm die Flasche und setzte sie an die Lippen. Er hatte etwas in der Art von Butterbier erwartet. Aber anstatt süß, war Muggelbier bitter. Hermine sah ihn missbilligend an und er tat so, als wäre es das köstlichste Getränk der Welt.

„Meinst du nicht, du solltest das besser sein lassen?", fragte sie irgendwann, als er nach der zweiten Flasche griff. Langsam gewöhnte er sich an das Getränk und je mehr er trank, desto besser schmeckte es.

„Was soll schon passieren?", fragte er achselzuckend und sah zu Susan und Neville hinüber. Sein Freund schien nervös, schmiss sich aber jedes Mal in die Brust, wenn Susan ihn anlächelte.

„Was findet er nur an ihr?", fragte Hermine, als Harry beim dritten Bier war. „Sie ist nett, aber nicht sonderlich intelligent. Sie weiß nicht einmal wer unser Premierminister ist."

„Eifersüchtig?", grinste Harry. Hermine schwieg und er prustete in seine Flasche. Sie sah zu ihm und wurde rot.

„Was? Nein, bin ich nicht...was denkst du denn?"

„Ich denke du wirst rot"

Wieder schwieg sie und ein bisschen verärgert stand er auf und ging zu Ben, der eine Gitarre raus geholt hatte und darauf herum klimperte. Nach und nach tröpfelten noch mehr aus der Dorfjugend herein, bis an die zwanzig Leute da waren. Harry ignorierte Hermine, die ein wenig einsam in einer Ecke saß und lernte irgendwelche Lieder von den älteren Jungs.

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„Wir sind so tot", stöhnte Nev und packte Harry, bevor der weglaufen konnte. Es war zehn vor elf und Harry war sturzbetrunken. Hermine und Neville packten ihn beide unter den Armen und schleppten ihn den Weg hinauf.

„Dad killt uns!", murmelte Neville weiter.

„Fledermäuse töten nicht...", nuschelte Harry, bevor er heillos anfing zu kichern „sie saugen Blut! BLUT!"

„Sei leise", sagte Hermine hektisch, doch Harry drehte sich nur zu ihr um und sah sie mit großen Augen an.

„Du hast so schöne Haare!" Hermine wurde wieder knall rot, doch Harry grinste nur dämlich und zupfte ihr an einer Locke.

„Braun...wie Nev...", jetzt zupfte er ihm an den Haaren. Neville verdrehte die Augen und schob seinen Freund weiter voran.

„BRAUN!", fing Harry an zu schreien und mit vor Schreck geweiteten Augen schlug Neville ihm die Hand vor den Mund.

„Wenn du jetzt nicht leise bist, gehört dein Hintern Severus. Willst du das?"

„Mein Hintern gehört nur mir", sagte Harry beleidigt und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden. Hermine stöhnte und versuchte ihn wieder hoch zu ziehen.

„Komm jetzt, Harry"

„Nein! Mein Hintern gehört mir!"

„Jaja, ist ja schon gut. Es ist nur deiner. Kommst du jetzt?"

Er ließ sich von den Zweien wieder weiterziehen. Sie erreichten das beleuchtete Haus. Vor der Tür nahm Neville Harrys Gesicht in seine Hände und sah ihn bittend an.

„Bitte Harry. Tu mir einen Gefallen und halt einfach die Klappe, ok? Vielleicht merkt dad nichts."

Das war ziemlich unwahrscheinlich, aber Harry gähnte und schloss die Augen.

„Ich schlafe jetzt."

„Wir sind so was von tot!", ächzte Nev und machte vorsichtig die Tür auf.

„Dad, wir sind wieder da", rief er und zerrte Harry zur Treppe. Snape erschien hinter ihnen, mit einem Buch in der Hand.

„Gut. Hattet ihr...Spaß?"

„Jupp, war cool. Aber wir sind echt müde", sagte Neville und hoffte das seine Stimme unbeteiligt klang. Unfassbarerweise sagte Harry nichts. Er stand nur da und sah Snape an. Der sah von einem zum anderen und nickte dann.

„Ab ins Bett mit euch."

Erleichtert schleppte Neville Harry die Treppe hoch und legte ihn mit seinen Sachen ins Bett.

„Ich kann nicht glauben, dass er nichts bemerkt hat", flüsterte er Hermine zu. Harry fing an zu schnarchen, sobald sein Kopf das Kissen berührt hatte.