Harry erwachte am nächsten Morgen und wunderte sich, dass er nicht einen einzigen Alptraum gehabt hatte. Draußen war es bereits hell und als er sich langsam zur Seite drehte, fühlte er einen Arm, der um ihn geschlungen war. Neben ihm lag Albus, in einem kanariengelben Schlafanzug, mit reichlich zerzaustem Haar und Bart. Ohne Brille, den Mund leicht geöffnet und leise am Schnarchen gab er einen recht komischen Anblick. Harry kicherte leicht, bevor ihm der Grund einfiel warum er in einem Bett mit dem Schulleiter geschlafen hatte. Das Lachen verging ihm, als er an die gestrigen Ereignisse dachte. Wie konnte ein so schöner Tag nur in einem solchen Alptraum enden?

Die Schreie klangen ihn immer noch in den Ohren, aber hier in dem gemütlichen Schlafzimmer verängstigten sie ihn nicht länger. Es war eher so, als hätte er das ganze im Fernsehen gesehen und nicht selber erlebt. Trotzdem spürte er noch die Hilflosigkeit, als er vor Black gestanden hatte. Das Schnarchen stoppte, aber Harry bemerkte es erst, als sein Blick auf einmal von einem Paar eisblauer Augen erwidert wurde.

„Schon wach?", gähnte der Schulleiter.

„Seit Stunden. Ehrlich Albus, ich hätte dich im Schlaf blau anmalen können und du hättest es nicht bemerkt", gab Harry ernst zurück, nur um dann laut zu fiepen, als Albus ihn packte und anfing durch zu kitzeln.

„Gemein", japste er, aber der Schulleiter kannte kein Erbarmen. „Ich ergebe mich! Ich ergebe mich!", keuchte Harry irgendwann, als er schon Bauchschmerzen vor lachen bekam.

„Ein bisschen mehr Respekt vor dem Alter, junger Mann", sagte Albus scherzhaft, bevor er ihn durchdringend ansah.

„Wie geht es dir?", fragte er ernst. Harry zuckte mit den Schultern.

„War er wegen mir dort?", gab er leise zurück. Albus zog sich ein wenig hoch und lehnte sich gegen die gepolsterte Rückseite des Bettes. Dann winkte er ihn zu sich heran und dankbar kuschelte Harry sich an ihn. Vor einem halben Jahr, war das noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, aber gestern hatte er eines begriffen. Niemanden vertraute er mehr als Albus Dumbledore und im Moment war er einfach nur froh um den Trost, den der alte Mann ihm spendete. Da Harry in seiner Armbeuge lag, sah er nicht das glückliche Funkeln, dass in den Augen des Mannes erschien.

„Es war ein dummer Zufall, dass ihr ebenfalls dort wart. Dieser Angriff war von langer Hand geplant, mein Junge und hatte nichts mit dir zu tun."

Erleichtert atmete Harry aus. Nichts wäre schlimmer gewesen, als wenn er dafür verantwortlich war. Albus fuhr ihm mit einer Hand über die Haare.

„Du hast gestern sehr großen Mut bewiesen, als du Miss Granger gerettet hast", sagte er. Harry schrumpfte ein wenig in sich zusammen.

„Ich war nicht mutig. Ich hatte furchtbare Angst und konnte mich kaum bewegen."

„Warum bist du dann nach vorne getreten?"

„Weil...weil ich ihm fast geglaubt hätte", flüsterte Harry „er war so überzeugend. Die Menschen hätten...hätten ihm auch geglaubt und dann wäre Hermine...", er stockte und Albus zog ihn ein wenig enger an sich.

„Mutig sein bedeutet nicht keine Angst zu kennen, mein Sohn, sondern diese Angst zu überwinden. Es ist schon zu häufig in der Geschichte passiert, dass sich die Menschen aus Furcht unterjochen ließen. Leider gibt es nicht viele, die nach vorne treten und sich wehren. Aber ich bin immer wieder überrascht zu was Menschen fähig sind, wenn sie einem Anführer folgen. Sirius Black ist ein sehr intelligenter und charismatische Mann und du hast recht in der Annahme, dass ihm viele glauben und folgen werden. Aber denk immer daran, Harry, solange auch nur ein Einzelner aufsteht und sich wehrt, haben solche Leute noch nicht gewonnen."

Harry hörte genau zu, aus dem Gefühl heraus, dass dies eines der wichtigsten Dinge war, die der Schulleiter ihm je beigebracht hatte.

„In dem Moment als ich dich als Baby in meinen Armen hielt und deine Narbe sah, wusste ich dass du einer dieser Menschen bist. Ob du es willst oder nicht, das Schicksal hat dich dazu auserwählt Jemand zu sein, zu dem Andere aufsehen. Du hattest Angst und trotzdem bist du nach vorne getreten. Damit hast du die Furcht überwunden und Andere dazu gebracht sich selbst zu helfen."

Seine Stimme klang gequält als er fortfuhr.

„Ich wünschte ich könnte dir das alles ersparen, mein Junge. Ich wünschte ich könnte dir all die Last abnehmen und dir eine ganz normale Kindheit schenken. Aber diese Macht habe ich nicht. Die Menschen haben schon zu dir aufgesehen, als du nur ein Jahr alt warst, egal wie dumm das sein mag."

„Ich will das nicht", flüsterte Harry und schloss die Augen „ich hasse es der Junge-der-lebt zu sein."

Albus antwortete nicht sofort, doch als er sprach war seine Stimme voll mit Wärme und Zuneigung.

„Ich weiß. Niemand hat es verdient seine Eltern so früh zu verlieren und ein Schicksal aufgebürdet zu bekommen, dass selbst für die meisten Erwachsenen zu viel wäre. Aber Harry, du bist nicht nur der Junge-der-lebt. Du bist Harry Potter, ein kluger, mutiger und einnehmender Junge, der für seine Freunde alles tun würde. Egal was Andere von dir erwarten, am Schluss liegt es allein an dir was für ein Mensch du bist. Jeder von uns steht irgendwann vor der Entscheidung zwischen dem was Richtig und dem was leicht ist."

Sanft legte er Harry einen Finger unter dem Kinn und hob es hoch. Einen langen Moment sahen sie sich in die Augen. Die Angst und Unsicherheit, die Harry seit dem Auftauchen der Todesser verspürt hatte verschwand langsam. Dankbar und Erleichtert spürte er, dass er nicht länger allein war. Albus lächelte und seine Augen wurden noch weicher.

„Ich weiß, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst. Und deshalb werde ich immer stolz auf dich sein."

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Tragischer Unfall fordert neun Tote

Bei einer gestrigen Explosion in der Winkelgasse kamen insgesamt neun Zauberer und Hexen ums Leben. Mindestens dreißig liegen noch schwer verletzt im St. Mungos.

Die Tragödie ereignete sich am späten Nachmittag. Laut den zuständigen Ermittlern hatte es eine vermehrte Ansammlung von Magie auf dem Hauptplatz der Winkelgasse gegeben. Ermittler Houert sagte hierzu: „Diese Ort von Unfällen finden nur sehr selten statt und meistens, wenn Zauberer beschließen experimentelle Magie ein zu setzten. Leider sind diese Phänomene manchmal auch natürlich Ursprungs. Das so etwas in der Winkelgasse geschieht, war leider ein sehr tragischer, nicht zu vermeidender Zufall."

Gerüchte, die von einem Kampf und dem Auftauchen von dem gefürchteten Massenmörder Sirius Black berichten, dementierte das Ministerium sofort. Auch das Harry Potter am Ort des Geschehens gewesen sein soll, wurde zurück gewiesen. In einem Interview gestern Abend sagte Zaubereiminister Cornelius Fudge: „Das ist haarsträubender Unsinn. Es gab keinen Kampf und ich versichere Ihnen, Sirius Black ist in sicherer Verwahrung in Askaban! Solche Gerüchte von Unruhestifter, wie Albus Dumbledore gestreut, sorgen nur dafür, die Zauberergemeinschaft zu verunsichern."

Einen Bericht über Albus Dumbledore und seinen neuesten Behauptungen finden Sie auf Seite 3...

„Soll das ein Scherz sein?", rief Harry aufgebracht und knallte die Zeitung auf den Tisch. Es war die neuste Ausgabe des Tagespropheten, die gerade erst eingetroffen war. Albus und er hatten es doch noch aus dem Bett geschafft und die übliche Morgenrunde in der großen Halle vorgefunden. Hermine war noch immer bei Minerva.

„Das glaubt doch kein Mensch. Da waren Dutzende von Leuten. Wir alle haben gehört was Black gesagt hat!"

„Leider werden mehr Leute diesem Bericht glauben, als alles was ein paar verletzte Zauberer sagen", sagte Albus schlicht und köpfte sein Ei.

„Wie kannst du dabei so ruhig bleiben?", fuhr Harry ihn an. „Fudge behauptet einfach Black wäre noch in Askaban, obwohl er in der Gegend herum rennt und Leute in die Luft jagt...und dann schiebt er das noch alles auf dich."

„Es gibt nichts, was wir dagegen tun können, mein Junge. Ich habe mit Cornelius geredet, aber er ist sich seinem Standpunkt sehr sicher."

„Und das nehmen wir einfach so hin?" Ungläubig funkelte er den alten Mann an, der ihm vor nicht einmal einer Stunde einen Vortag über Mut und Gerechtigkeit gehalten hatte.

„Genau das tun wir", nickte Albus und bedachte ihn mit einem durchdringenden Blick.

„Aber...aber wir können doch nicht einfach nichts tun", ereiferte sich Harry weiter.

Wir tun schon einmal überhaupt nichts. Du wirst dich in nächster Zeit auf die Schule konzentrieren, während wir überlegen, was getan werden kann."

„Was interessiert mich die Schule, wenn ein Verrückter da draußen rum läuft?"

Harrys Stimme war immer lauter geworden, während er und Albus sich über den Tisch hinweg anstarrten. Die Anderen sahen zwischen ihnen hin und her, wie bei einem Tennisspiel.

„Was willst du tun, Harry?", fragte Albus jetzt und seine Stimme klang ein klein wenig härter als sonst „nach drei Jahren Ausbildung in die Welt hinaus rennen und gegen einen Mann kämpfen, der fast drei Mal so alt ist und hundertmal erfahrener?"

„Nein, aber..."

„Was glaubst du warum Cornelius mich öffentlich diskreditiert? Bestimmt nicht, weil ich ihm bei jedem Satz zustimme."

Ein wenig zurück geschlagen, schwieg Harry, während Albus ihn mit seinen eisblauen Augen fest pinnte.

„Wir tun was wir können, auch wenn es bei der Haltung des Ministeriums schwierig ist. Dein Aufgabe ist es hier in Sicherheit zu bleiben und so viel zu lernen wie möglich. Stimmst du mir da zu?"

„Aber..."

„Harry"

Es war selten, dass Albus ihn so zurecht stutzte und noch nie war es in der Öffentlichkeit gewesen. Kurioser Weise brauchte er dazu nicht einmal die Stimme zu erheben. Es reichte ein bestimmter Tonfall, der allerdings jeden am Tisch erschaudern ließ. Immer noch ein wenig missmutig, aber eindeutig aus argumentiert, senkte er den Kopf.

„Ja, Sir", murmelte er und stocherte lustlos in seinem Rührei herum. Es war einfach unfair. Nach gestern spürte er den unbedingten Drang irgendetwas zu unternehmen. Er wollte nicht wie ein kleines Kind in der Schule hocken. Was sollte er tun? Quidditch spielen, im Gemeinschaftsraum abhängen und so tun, als wüsste er nicht was da draußen geschah?

Er sah erst wieder auf, als die Türen aufschwangen. Halb erwartete er Hermine und Minerva zu sehen, doch sie waren es nicht. Eine Frau stand in der Tür, relativ klein, mit einem knall pinken Kleid und dem passenden Hut, der auf ihren drapierten Locken saß. Entfernt erinnerte sie ihn an Tante Petunia, obwohl selbst die einen besseren Kleidergeschmack hatte. Ihr Gesicht, das aussah wie eine Kröte, war zu einem überfreundlichen Lächeln verzogen und ihre Handtasche (passend zum Outfit) schwang bei ihren Schritten wild hin und her. Sie passte überhaupt nicht hier her und mit offenen Mund starrte Harry sie einen Moment an.

Alle Gespräche am Tisch verstummten, als sie der unbekannten Frau entgegen blickten. Aber Harry konnte die plötzlich angespannte Stimmung fühlen. Minervas Mund war zu einem dünnen Strich geworden und Snape trug wieder seine undurchdringliche Maske.

„Ah, Dolores. Wie nett das Sie schon angekommen sind", begrüßte Albus sie freundlich und stand auf. Er war das perfekte Bild eines Gastgebers, aber seine Augen funkelten nicht.

„Schulleiter", schnarrte die Frau und Harry hätte es nicht überrascht, wenn sie jeden Moment eine Fliege mit der Zunge gefangen hätte.

„Ich hoffe Sie hatten eine schöne Reise. Möchten Sie sich nicht zu uns setzten?"

„Vielen Dank, Schulleiter. Aber ich habe bereits gefrühstückt. Ich bin nur gekommen um Ihnen zu sagen, dass ich angekommen bin."

„Aber sicher, meine Liebe", lächelte Albus und wandte sich an die Anderen „dies ist Dolores Umbridge unsere neue Kollegen für Verteidigung gegen die dunklen Küste."

Mit großen Augen sahen Harry und Neville sie an. Sollte das ein Witz sein? Selbst Lockhardt sah kompetenter aus! Wo war der überhaupt? Die Lehrer murmelten etwas, was man mit viel Glück, als `willkommen´ heraus höre konnte. Umbridges Lächeln wurde breiter, als hätten sie ihr einen warmen Empfang bereitet.

„Vielen Dank. Ich denke wir werden uns über die nächsten Wochen noch sehr gut kennen lernen."

„Aber sicher", murmelte Harry Nev zu und beide grinsten. Umbridge ließ ihre wässrigen Augen zu ihm schweifen.

„Ah, Mr Potter. Auf sie habe ich mich besonders gefreut", ihre Stimme war immer noch eine Mischung aus Frosch und kleinem Mädchen, aber Harry sah sie misstrauisch an. Das klang mehr wie eine Drohung, als alles andere. Sie lächelte noch breiter und ihm lief ein Schauer über den Rücken.

„Wenn es ihnen nichts ausmacht, würde ich jetzt gern in mein Büro gehen", wandte sie sich wieder an Albus, während Harry und Neville sich einen Blick zuwarfen.

„Selbstverständlich", sagte Albus galant „Wenn ich Sie dort hin führen dürfte, Dolores."

„Das wird nicht nötig sein, ich kenne den Weg. Guten Tag noch allerseits."

Mit schwingender Handtasche lief sie die Stufen herab. Als sie die halbe Strecke hinter sich gelassen hatte, machte Harry einmal laut:

„Quake"

Neville prustete in seinen Becher Kakao. Albus warf ihm einen warnenden Blick zu, aber selbst Minerva ließ den Hauch eines Lächelns sehen. Umbridge drehte sich nicht noch einmal um, aber Harry war sich sicher, dass sie ihn gehört hatte, denn ihr federnder Gang wurde etwas steifer.

„Kommt schon", sagte er, als die Tür sich hinter ihr schloss „sie sieht wirklich aus wie eine Kröte."

Albus sah aus, als würde er ihn rügen wollen, überlegte es sich aber scheinbar anders. Seufzend setzte er sich wieder und deutete auf die beiden jüngsten am Tisch.

„Nach dem Essen kommt ihr beide bitte mit in mein Büro, ich muss mit euch sprechen"

Er schüttete sich noch einen Tee ein und seufzte wieder. „Das wird ein sehr langes Schuljahr."

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„Professor Umbridge ist nicht aus Zufall hier, Jungs. Sie wurde vom Ministerium geschickt, um genauer zu sein von Minister Fudge persönlich. Sie ist seine erste Untersekretärin. Da ich weiß, dass ihr schon viel mehr mitbekommen habt, als wir wollten, wird euch das sicher nicht überraschen."

Er warf ihnen einen halb strengen Blick zu, bevor er wieder anfing hinter seinem Schreibtisch auf und ab zu laufen. Neville und Harry sahen sich an. Der Schulleiter schien aufrecht besorgt und das wiederum machte sie selbst nervös.

„Zwischen Cornelius und mir herrschen seit einiger Zeit gewissen...Anspannungen. Generell hat das mit euch nichts zu tun. Das einzige, um das ich euch bitte ist folgendes: Seit vorsichtig in der Nähe von Dolores Umbridge. Sie sieht vielleicht nicht gefährlich aus, aber sie hat es in sehr kurzer Zeit, sehr weit nach oben gebracht und sie ist nur hier, weil das Ministerium es geschafft hat die Ausbildungsgesetze zu verändern. Ich weiß nicht genau was sie vor hat, aber wir alle müssen extrem aufpassen mit dem was wir tun. Das gilt vor allem für dich, Harry."

„So schlimm bin ich jetzt auch nicht", grummelte der in seinen nicht vorhandenen Bart. Albus öffnete den Mund, schloss ihn wieder und lächelte dann. Harry funkelte ihn an. Das war jetzt auch eine Antwort.

„Darum geht es nicht. Es ist im Ministerium ein offenes Geheimnis, dass dein Erziehungsrecht an Hogwarts über gegangen ist. Damit bewahrheitest du Fudge schlimmste Befürchtungen. Ein Schüler, der dazu auch noch berühmt ist unter meiner direkten Kontrolle. Deshalb wird Professor Umbridge dich ganz besonders im Auge behalten."

„Was glaubt Fudge denn was wir hier tun?", fragte Neville und lachte dann „eine Privatarmee aufbauen?" Er stockte, als Albus ihn sehr ernst ansah.

„Genau das glaubt er."

„Das ist doch ein Witz", sagte Harry verblüfft „Niemand hat die Schüler mehr aus allem heraus gehalten, wie du."

Albus nickte, seufzte aber.

„Leider ist Cornelius vernünftigen Argumenten nicht länger zugänglich." Jetzt wandte er sich an Neville „für dich gilt das selbe, wie für Harry, allerdings bin ich mir nicht sicher, dass Dolores von Severus und dir weiß. Für alle Fälle solltet ihr so unauffällig wie möglich miteinander interagieren. Dolores ist offiziell nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Beobachterin des Ministeriums hier. Was immer auch passiert, haltet euch bedeckt und euer Temperament im Zaun, in Ordnung?"

Sie nickten.

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Eine Stunde bevor die anderen mit dem Hogwartsexpress ankamen, ließ Minerva sie endlich zu Hermine. Sie saß immer noch reichlich blass, aber gefasst auf Minervas Couch und hielt eine Tasse Tee in der Hand. Laut Poppy hatte sie keine Verletzungen davon getragen, aber einen schweren Schock erlitten. Die kurze Geiselnahme schien sie tief getroffen zu haben. Sie nahmen sie in die Mitte und Hermine lächelte sie an.

„Hey"

„Hey", gab Harry zurück, zögerte kurz und nahm dann ihre Hand in seine. „Alles okey bei dir?"

Sie nickte, aber ihre Augen waren immer noch rot.

„I-Ich...danke Harry für...", begann sie stotternd. Beide Jungen sahen sich über ihren Kopf hinweg an. Es tat weh, die sonst so forsche und selbstsichere Hermine, so unsicher zu sehen.

„Nicht dafür, Herm. Du hättest das selbe für mich gemacht."

Sie antwortete nicht, legte nur ihren Kopf etwas zur Seite, auf Nevilles Schulter. Harry ließ ihre Hand sofort los, als hätte er sich verbrannt.

„Ähm...kommst du mit zum Fest? Vielleicht lenkt dich das ab", sagte er und versuchte ein glückliches Gesicht auf zu setzen. Sie zögerte.

„Du brauchst nicht, Herm. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst", sagte Neville beruhigend. „Aber morgen zum Unterricht kommst du, oder?"

Die Reaktion kam prompt. Sie warf Neville einen bösen Blick zu und die Jungen kicherten.

„Natürlich komme ich zum Unterricht!"

„Dann ist ja gut. Können wir irgendetwas für dich tun?"

Wieder schüttelte sie mit dem Kopf und Minerva komplimentierte sie hinaus. Still gingen sie in den Gryffindor Turm, um ihre Uniformen anzuziehen.

„Sie wird doch wieder, oder?", fragte Neville, während er versuchte den Schlips ordentlich zu knoten. Harry sah auf und bemerkte die Sorge in seinem Gesicht. Er ging zu seinem Freund und schlug ihm leicht die Hände weg, bevor er den Knoten richtete.

„Ehrlich Neville, seit drei Jahren versucht du es jeden Morgen und kriegst es nicht hin", lächelte er „und natürlich wird sie wieder. Spätestens wenn wir die ersten Hausaufgaben bekommen, ist sie wieder ganz die Alte!"

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Sie saßen bereits am Tisch, als die Schülermasse laut herein strömten. Harry grinste und begrüßte die anderen Gryffindors. Hogwarts ohne Schüler war einfach nicht das Selbe. Endlich waren die Gänge nicht mehr verweist und das Schloss schien bei den ganzen Gesichtern förmlich aufzublühen. Sie schnatterten aufgeregt über ihre Ferien, bis die Auswahl der neuen Schüler anfing. Sie ging wie immer reibungslos von statten und als Albus aufstand um seine Rede zu halten, war alles wie immer.

„Willkommen", sagte er lächelnd und breitete seine Arme aus „Willkommen zurück zu einem neuen Schuljahr. Vor den üblichen Ankündigungen muss ich über etwas sehr ernstes mit euch reden, bevor ihr alle von unserem üppigen Festmahl zu sehr belämmert seit."

Sein Lächeln verschwand und er sah sie über seine Halbmondbrille hinweg an. Die Schüler saßen alle schweigend da.

„Wie ihr, denke ich, alle gehört habt, gab es gestern eine Tragödie in der Winkelgasse, in der viele gute Zauberer und Hexen verwundet oder getötet wurden. Das Ministerium möchte nicht, dass ich mit euch darüber rede, aber ich halte es für wichtig, dass ihr alle die Wahrheit erfahrt."

Fassungslos sah Harry ihn an. Am Morgen noch hatte der Schulleiter ihn zurück gepfiffen und jetzt stellte er sich vor die ganze Schule und wollte ihnen die Wahrheit erzählen? Ein stolzes Gefühl machte sich in ihm breit. Er begriff, dass Albus ihn so gut es ging schütze wollte. Trotzdem war der Schulleiter selber einer dieser Menschen, die nach Vorne gingen und sich nicht unterdrücken ließen.

„Sirius Black ist vor einigen Wochen aus Askaban geflohen und hat seit dem begonnen Anhänger um sich zu scharen."

Ein Raunen ging durch die Halle, einige sahen bestürzt, andere ungläubig aus. Doch als Albus erneut anfing zu sprechen, verstummten sie.

„Er ist verantwortlich für den Angriff in der Winkelgasse. Warum ich euch das erzähle ist einfach. Ich möchte euch nicht in Angst und Schrecken versetzten, aber Black ist sehr gefährlich. Genauso wie sein früherer Meister versteht er es Zwietracht und Feindschaft zu sähen, wo Einigkeit herrschen sollte. Dem können wir nur entgegen treten, in dem wir ein nicht minder starkes Band an Freundschaft und Vertrauen aufbauen. Wir alle sind verschieden, in unserer Herkunft, unserer Lebensweise und unserem Denken. Trotzdem verbindet uns mehr, als uns trennt und das bitte ich euch immer in Erinnerung zu rufen."

Er pausierte und es schien, als würde er jeden Einzelnen einmal tief in die Augen sehen. Dann breitete er wieder seine Arme aus und die bedrückte Stimmung verschwand.

„Um zu den alljährlichen Ankündigungen zu kommen...leider muss ich euch mitteilen, dass Professor Lockhardt uns im Sommer verlassen hat."

Begeisterter Applaus dröhnte durch die Halle und Harry sah, wie Snape kurz die Hand vor dem Mund hob um sein lachen zu verbergen.

„Seine Nachfolgerin wird Professor Umbridge sein."

Alle Köpfe wandten sich zu ihr und sie lächelte wieder mädchenhaft. Albus fing an zu applaudieren und halbherzig folgten ihn die Schüler.

„Mr Filch hat mich darum gebeten euch mitzuteilen..."

„Sieh dir Umbridges Gesicht an", raunte Neville ihm zu, während Albus fortfuhr. Harry nickte, auch er hatte sie während Albus Rede beobachtet. Zwar hatte sie nicht aufgehört zu lächeln, aber ihre Augen wurden immer härter mit jedem weiteren Wort.

„Ich glaube, Albus hat sich nicht gerade beliebt gemacht", flüsterte Harry zurück. Neville zuckte mit den Schultern.

„Na und? Was will die Kröte schon großartig machen. Ob sie vom Ministerium kommt oder nicht, hier hat Albus immer noch das sagen."

Harry gab ihm recht, aber trotzdem konnte er nicht umhin an Albus besorgten Gesichtsausdruck zu denken. Er hoffte nur, dass diese Frau so inkompetent war, wie sie aussah.

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