Kapitel 4: Die Wahrheit und andere Lösungen

„Was soll das heißen, es ist nicht möglich?" Paige sah den jungen Wächter des Lichts fragend an, erhielt aber keine Antwort. Chris hörte ihr anscheinend überhaupt nicht zu, sondern hatte stattdessen begonnen im Wohnzimmer auf und ab zu wandern, während er leise vor sich hin murmelte.

„Wieso sagt sie so etwas? Das kann nicht stimmen. Und wenn doch?... Nein, niemand ist stärker als Wyatt, schon gar nicht…" Chris unterbrach sich gerade noch rechtzeitig, er würde hierüber nicht sein Geheimnis preisgeben. Falls es nun überhaupt noch möglich war seine Verbindung zu den Halliwells geheim zu halten.

Jetzt, da sie wussten, dass Piper noch ein Kind haben würde, war es nicht mehr weit bis zu der Vermutung, dass er dieses Kind sein könnte. Die Prophezeiung schien all seine Bemühungen unerkannt zu bleiben zunichte zu machen.

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„Ist es wirklich wahr, ich bekomme noch ein Kind?" Piper sah ungläubig zu dem jungen Mann auf, der augenblicklich sein Umherwandern einstellte und sie unschlüssig ansah. Sie konnte in seinen Augen den Kampf sehen, der in seinem Inneren tobte, darüber wie viel er ihr von der Zukunft erzählen durfte. Schließlich rang er sich zu einem leisen „Ja" durch.

„Und von wem… ich meine wer… wer ist der Vater?" Pipers Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und doch schien ihre Frage im Raum widerzuhallen. Chris sah zu Boden, da er seiner Mutter nicht mehr in die Augen sehen konnte, und auch ihre Frage war er außer Stande zu beantworten.

„Bin ich es?" Leo gab sich die größte Mühe ruhig zu klingen, aber er konnte das Zittern in seiner Stimme nicht ganz unterdrücken.

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Die Emotionen im Raum waren so intensiv, dass Phoebe sie teilweise spüren konnte, obwohl ihre Schwestern, und sie vermutete auch Chris, einen Trank genommen hatten, der ihre Fähigkeit blockieren sollte. Aber sie konnte kaum sagen von wem sie was fühlte.

Große Freunde, aber auch gemischt mit Unsicherheit und Verwirrung, dass musste Piper sein.

Besorgnis über all diese neuen Entwicklungen, das konnte nur Paige sein, die so empfand. Warum mussten sie auch ausgerechnet durch eine Dämonin von ihrem neusten Familienzuwachs erfahren. Niemand konnte ihr da eine gewisse Sorge verdenken.

Aber das stärkste Gefühl im Raum war Angst und sie schien von gleich zwei Personen zu kommen. Leo hatte soeben erfahren, dass die Frau die er liebte noch ein Kind bekommen würde, aber würde es auch von ihm sein? Phoebe konnte spüren, wie ihn seine Zweifel langsam wahnsinnig werden ließen, aber Chris machte nicht den Eindruck sich mit seiner Antwort besonders beeilen zu wollen.

Als Empatin konnte sie fast körperlich spüren, wie sich alles in dem jungen Mann zusammen zog. Auch wenn er nach außen hin ganz ruhig wirkte, so war er doch innerlich panisch. So weit hatte er es nicht kommen lassen wollen. Seine Antwort würde möglicherweise die Zukunft irreparabel beschädigen, aber er konnte nicht mehr ausweichen.

Eine Ewigkeit schien vergangen zu sein, bis ihm nun zum zweiten Mal das kleine Wörtchen „Ja" über die Lippen kam, wobei er sich mit einem Seufzer auf den Sessel fallen ließ, vor dem er stehen geblieben war.

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Piper wusste nicht genau, wie sie auf diese neuen Informationen reagieren sollte. Zum einen war sie sehr überrascht, sie hatte gedacht, zwischen ihr und Leo sei es ein für alle mal vorbei, aber in ihrem tiefsten Innern war sie sehr froh, dass er auch der Vater ihres zweiten Kindes sein würde.

Sie konnte nicht anders, als zu lächeln, als sie ihm nun in die Augen sah und er erwiderte dieses Lächeln, wobei er sanft seine Hand auf ihre legte. Leo hatte befürchtet, Piper mit seiner ‚Beförderung' zum Ältesten für immer verloren zu haben, aber da sie ja in Chris' Zeit noch ein Kind haben würden, war seine Sorge wohl unbegründet gewesen. Aber da kam ihm plötzlich ein Gedanke, der dieses schöne Bild von einer gemeinsamen Zukunft sofort zunichte machte.

„Chris, in deiner Zeit, bin ich da nicht ihr Wächter des Lichts geblieben?" Er deutete mit der Hand auf die drei Schwestern und sah dabei fragend zu dem jungen Mann hinüber. Dieser ahnte, worauf die Frage hinaus lief und antwortete daher nur zögerlich.

„Ja, schon, aber…"

„Und meinst du nicht, dass du, indem du dafür gesorgt hast, dass ich ein Ältester wurde, die Zeitlinie ein wenig verändert hast?"

Niedergeschlagen ließ Chris den Kopf hängen. Er hatte befürchtet diese Diskussion einmal führen zu müssen, aber er konnte den anderen ja nicht sagen, dass die einzige Existenz, die auszulöschen er riskiert hatte, seine eigene war.

„Es war die einzige Möglichkeit für mich ihr Wächter des Lichts zu werden und nur so war ich in der Lage Wyatt zu beschützen. Glaub mir, ich wollte in der nächsten Zeit alles daran setzen, dass ihr euch wieder näher kommt. Nichts liegt mir ferner, als euch zwei dauerhaft auseinander zu bringen, das war wirklich nicht meine Absicht."

„Du hast zugelassen, dass wir uns trennen, dass Leo seine Familie verlassen muss und dass nur, damit du unser Wächter des Lichts werden konntest?" Piper war deutlich anzumerken, dass sie selbst kaum glauben konnte, was sie soeben gesagt hatte.

„Du wolltest Wyatt beschützen, in Ordnung, aber um ihn zu retten, akzeptierst du die Möglichkeit seinen Bruder oder seine Schwester zu opfern? Wie kannst du es wagen zu entscheiden welches meiner Kinder wichtiger ist?" Pipers Tonfall hatte sich von Schock über Wut bis hin zu Verachtung gewandelt und so sah sie den jungen Mann nun mit vor Zorn funkelnden Augen an, nicht ahnend wer dort wirklich vor ihr saß.

Chris hielt den Blick starr auf den Boden gerichtet, er konnte es nicht ertragen, dass seine Mutter ihn mit diesem Gesichtsausdruck ansah. Eisiges Schweigen füllte den Raum einige Augenblicke lang, bis plötzlich Phoebe unerwartet Partei ergriff.

„Ich denke, ihr Beiden tut ihm Unrecht." Mit einem Mal hatte Chris sich wieder aufgerichtet und sah nun erstaunt seine Tante an, ebenso wie seine Eltern und Paige.

„Ich kann spüren, dass er die Wahrheit sagt, er wollte euch nicht wirklich auseinander bringen, aber er sah keine andere Möglichkeit. Aber was euer Kind angeht, so verschweigt er uns noch etwas." Phoebe sah ihm nun direkt in die Augen, bevor sie weiterredete.

„Was ist es, Chris? Warum ist es nicht möglich, dass dieses Kind stärker wird als Wyatt?"

Sie kann meine Gefühle wieder spüren, dass heißt, dass die Wirkung des Elixiers nachlässt. Nur gut, dass ich für diesen Fall mehr davon besorgt habe.

Um Zeit zu gewinnen erhob sich Chris langsam und ging auf eines der Fenster zu, wobei er, unbemerkt von den Anderen, ein kleines Fläschchen aus der Tasche zog. Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, wobei er heimlich einen Schluck des Elixiers zu sich nah, welches Phoebes empathische Kräfte abblocken würde. Er hatte keine Wahl als ihre Frage zu beantworten, aber er konnte nicht die Wahrheit sagen und die Hexe durfte ihn nicht beim Lügen erwischen.

Phoebe wunderte sich etwas, als sie plötzlich nichts mehr von dem jungen Mann spüren konnte, aber im Grunde war das ja der Normalzustand, also schenkte sie dem nicht allzu viel Beachtung.

Sie erwarten eine Antwort. Entweder ich sage ihnen wer ich tatsächlich bin, oder ich habe eine wirklich gute Begründung, warum Wyatts Bruder nicht stärker sein kann als er.

„Es ist nicht möglich, weil… weil euer jüngerer Sohn," Dabei sah er zu Piper und Leo hinüber, die ihm nun angespannt zuhörten. Mit einem Mal hatte Chris plötzlich das Gefühl, dass sie alle kurz davor waren sein Geheimnis zu entdecken. Er musste jetzt etwas wirklich Überzeugendes sagen, sonst würden sie nie Ruhe geben.

„Weil er… tot ist." Na großartig…

Piper starte ihn geschockt an, die Hände vor den Mund geschlagen. Das konnte nicht wahr sein, es durfte nicht. Ihr Sohn, ihr Baby würde sterben. Wie hatte das nur geschehen können. Sie wusste kaum etwas über die Zukunft, aber wie hatte sie es zulassen können, dass ihrem Kind etwas zustieß?

Bereitwillig ließ sie ihren Kopf an Leos Brust sinken, als dieser nun seine Arme um sie schlang und sie an sich zog. Er konnte Pipers Schluchzen hören, während sich ihre Finger in sein Hemd gruben, auf der Suche nach etwas, woran sie sich festhalten konnte.

Leos schockierter Blick wechselte ständig zwischen seiner Ex-Frau und dem Wächter des Lichts aus der Zukunft, der mit dieser Nachricht soeben sein Herz entzwei gerissen hatte. In der einen Minute erfuhr er, dass er und Piper noch einen Sohn haben würden und in der nächsten erfuhr er schon von seinem Tod; so sollte das nicht ablaufen.

Er sah wieder hinüber zu Chris, der sein Gesicht in den Händen vergraben hatte. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er ihnen das niemals hatte erzählen wollen, aber durch die Prophezeiung und die Neugier der Schwestern und Leo selbst war ihm keine andere Wahl geblieben.

Chris erhob sich nun schwerfällig von seinem Platz und sah seine Familie mitfühlend an.

„Ich kann euch wirklich nichts weiter dazu sagen, also werde ich euch eine Weile allein lassen. Ruft mich, wenn ihr mich braucht."

Er warf noch einen letzten Blick auf Piper, die in Tränen aufgelöst war und seine Tanten, die nicht so recht zu wissen schienen, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Beide hatten Tränen in den Augen und sahen mitleidig zu ihrer Schwester, aber niemand sagte auch nur ein Wort. In diesem Moment gab es keine Worte, die Pipers Schmerz hätten lindern können. Blaues Licht erschien, als Chris teleportierte, aber die Anderen schenkten dem kaum Beachtung.

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Nach wenigen Augenblicken erschien dieses Leuchten noch einmal, diesmal im Hinterzimmer des P3 Clubs.

Chris hatte zuerst zu seinem Platz auf der Golden Gate Bridge gewollt, aber das war ein Ort um sich zu beruhigen, und in diesem Moment war ihm wirklich nicht nach Ruhe zumute.

Kaum hatte er wieder Gestalt angenommen, griff er nach dem erstbesten in Reichweite, einer leeren Glasflasche vom Tisch, und warf diese an die Wand wo sie mit einem lauten Klirren zerbarst.

Warum? Warum hab ich ausgerechnet so etwas sagen müssen? Mum ist so unglücklich, und das nur meinetwegen. Sogar in doppelter Hinsicht.

Ein humorloses Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht, bei dem Gedanken an die Ironie dieser Aussage.

Ein halb volles Glas folgte der Flasche und hinterließ einen eindrucksvollen Flecken an der Wand, aber Chris hatte sich noch nicht beruhigt. Er stieß den Tisch zur Seite und ein Regal verstreute mit einem lauten Krachen seinen Inhalt über den Boden. Als letztes schlug er einen der Stühle so oft gegen die Wand, bis seine Wut auf sich selbst schließlich genug nachließ um Chris inne halten zu lassen.

Schwer atmend stand Chris in der Mitte des Raums und sah sich das Chaos um ihn herum an. Piper würde sicherlich eine Erklärung dafür verlangen, aber das war jetzt unwichtig. Momentan hatte sie ohnehin für nichts anderes einen Sinn, als den angeblichen Tod ihres Sohnes.

Als Chris erneut an den Schmerz in ihren Augen denken musste, war er versucht noch weitere Teile der Einrichtung zu zerlegen, aber er riss sich zusammen. Das würde auch nichts ändern. Er musste Piper die Wahrheit sagen, zugeben, dass er gelogen hatte. Aber wie sollte er ihr danach je wieder unter die Augen treten?

Erschöpft ließ er sich auf das Sofa fallen und fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. Stärker als Wyatt. Völlig unerwartet schossen ihm plötzlich wieder die Worte der Prophezeiung durch den Kopf.

Sein ganzes Leben lang war sein Bruder immer der Stärkere von ihnen gewesen. Er war der zweifach Gesegnete, der Herr über Excalibur. Niemals hatte er, Chris, eine Chance gegen ihn gehabt. Wie also war diese Prophezeiung zu erklären? Hatte seine Taten in dieser Zeit die Zukunft etwa so sehr verändert? Oder log die Seherin aus irgendeinem Grund?

Er musste der Sache selbst auf den Grund gehen und es gab nur eine Person die ihm dabei würde helfen können. Dieselbe Person, die all dies ausgelöst hatte.

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„Ich habe mich schon gefragt, wann du hier auftauchen würdest." Chris hatte sich hinter der Seherin materialisiert, aber diese drehte sich nicht zu ihm um.

„Und ich dachte, du könntest die Zukunft voraussehen. Müsstest du solche Dinge dann nicht wissen?" In Chris begann sich die vage Hoffnung zu regen, dass die Seherin doch nicht so gut war, wie ihr Ruf vermuten ließ. Sie irrte sich sicherlich, was ihn betraf.

„Meine Voraussagen beschränken sich oftmals auf die größeren Dinge. Ich kann nicht jedes kleine Detail sehen, aber glaub mir, deine Zukunft ist alles andere als eine Belanglosigkeit. Und was das angeht, so bin ich mir absolut sicher." Die Dämonin drehte sich langsam zu Chris um und sah ihm nun direkt in die Augen.

„Das ist es doch, weswegen du hier bist, nicht wahr? Du kannst oder willst nicht glauben, was ich den Hexen erzählt habe. Aber ich versichere dir, es entspricht der Wahrheit."

Chris sah die Dämonin unschlüssig an. Sie machte nicht den Eindruck, als wenn sie irgendwelche Spielchen mit ihm spielen würde, sondern schien in dieser Sache völlig ernst zu sein. Aber da war noch etwas anderes, was ihn beschäftigte.

„Warum hast du ihnen nicht gesagt, wer ich wirklich bin? Ich meine, du sagst Piper, dass sie noch ein Kind haben wird, aber du verrätst nicht, dass ich dieses Kind bin, warum nicht?"

„Wie ich bereits den Schwestern sagte, ich denke es ist nur fair, dass auch sie wissen, warum es plötzlich fast alle Dämonen der Unterwelt auf Piper abgesehen haben. Aber was dich angeht, deine Identität ist allein deine Angelegenheit. Wer du bist, wirst du den Mächtigen Drei schon selbst sagen müssen, da werde ich mich nicht einmischen."

Einerseits war Chris der Seherin für diese Einstellung sehr dankbar, aber andererseits hätte sie ihm wenigstens die schwere Entscheidung abgenommen, wenn sie seiner Mutter und seinen Tanten die Wahrheit über ihn gesagt hätte. Und er hätte sich seiner Familie gegenüber nicht in solche Schwierigkeiten bringen können.

Als hätte sie seine Gedanken gelesen, was, wenn er so darüber nachdachte auch tatsächlich der Fall sein könnte, sah ihn die Seherin nun wissend an.

„Es wäre sicherlich leichter für dich, wenn du deiner Familie keine Lügen mehr erzählen würdest. Du solltest allmählich wissen, dass sie das nicht leiden können."

„Ja, das weiß ich, aber das alles ist nicht so einfach. Es gibt so viele Dinge zu bedenken, so vieles, was schief gehen könnte."

„Das gibt es immer, aber manchmal ist die Wahrheit tatsächlich die beste Lösung. Und ich bin ein Dämon, wenn sogar ich das sage, wird wohl etwas dran sein." Sie lächelte Chris aufmunternd an, was ihre Schönheit noch mehr zur Geltung brachte, aber der junge Mann sah sie nur argwöhnisch an.

„Genau das ist das Problem, du bist ein Dämon. Warum gibst du mir Ratschläge, was springt für dich dabei raus?" Chris war in dem festen Glauben aufgewachsen, dass Dämonen durch und durch böse waren, also warum war die Seherin so freundlich und hilfsbereit? Sie musste etwas im Schilde führen.

„Also gut, wenn du es unbedingt wissen willst, ich habe die Zukunft gesehen aus der du kommst, die Zukunft, die uns alle erwartet, solltest du hier versagen. Dein Bruder ist zwar eindeutig böse geworden, aber er stellt sich nicht auf die Seite von uns Dämonen, sondern ist mächtiger als alle anderen, egal ob gut oder böse.

Er wird alle töten, die ihm gefährlich werden könnten oder sich ihm nicht unterordnen wollen. Die Quelle hat meine Unabhängigkeit immer respektiert, aber Wyatt wird das nicht tun. Also, je besser dein Verhältnis zu den Mächtigen Drei ist und je offener du ihnen alles Wichtige aus der Zukunft mitteilst, desto größer ist die Chance, dass du erfolgreich sein wirst. Und damit helfe ich mir auf lange Sicht gesehen selbst."

Chris akzeptierte ihre Erklärung, allerdings hatte er zu seiner Frustration immer noch keine Antwort auf die Frage erhalten wegen der er eigentlich hier war.

„Aber was ist mit der Prophezeiung? Wie soll es möglich sein, dass ich stärker als Wyatt werde? Denn ich bin es nicht! Ich habe gegen ihn gekämpft, mehrmals, aber ohne jede Chance. Er wird immer der zweifach Gesegnete sein, während ich nur sein kleiner Bruder bin."

Die Seherin lächelte mitfühlend und legte sogar eine Hand auf Chris' Schulter, in einer freundschaftlichen Geste.

„Ich weiß nicht wie es geschehen wird, vielleicht werde ich das noch erfahren, aber ich habe gesehen wie mächtig du werden wirst. Glaub mir, Wyatt wird nicht mehr lange eine Bedrohung für dich darstellen."

Ihr lächeln ließ etwas nach und sie schien abgelenkt, bevor sie weiter sprach.

„Du solltest jetzt gehen. Einige Dämonen sind auf dem Weg hierher und ich würde es vorziehen wenn nicht jeder weiß, dass ich Besuch von Wächtern des Lichts empfange. Aber denk über den Rat nach den ich dir gegeben habe."

„Woher weißt du…? Ach, vergiss es." Chris rollte mit den Augen und teleportierte sich gerade noch rechtzeitig aus der Höhle, bevor einige schlecht gelaunte Dämonen eben diese betraten.

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Chris hatte sich auf dem Dachboden der Halliwells materialisiert und sich dort auf eines der Sofas fallen lassen. Er hatte nur das Wort der Seherin dafür, dass diese Prophezeiung der Wahrheit entsprach und obwohl sie ein Dämon war, begann er langsam ihr zu glauben.

Wie lange schon hatte er sich das gewünscht, es mit Wyatt aufnehmen zu können. Als sie Kinder waren, war es nur gewöhnliche Rivalität unter Geschwistern gewesen, aber nach dem Tod ihrer Mutter und Wyatts… Veränderung war es immer mehr zu einer Notwendigkeit geworden, dass jemand seinen Bruder aufhielt und irgendwie wusste Chris, dass dies seine Aufgabe war.

Pipers Tod hatte ihren Vater sehr mitgenommen; nicht einmal, wenn er die Macht dazu gehabt hätte, hätte er die Hand gegen seinen Sohn erhoben. Somit blieb nur noch Chris als sein engster Verwandter übrig, aber er hatte es nie mit Wyatts Macht aufnehmen können. In die Vergangenheit zu reisen und zu verhindern, dass die Zukunft diesen Lauf nahm, war seine einzige Chance gewesen, aber wenn die Seherin Recht behielt…

Zwar war sein jetziger Plan immer noch die beste Lösung, denn sehr viele Opfer konnten auf diese Art vermieden werden, aber selbst wenn er scheiterte, könnte er Wyatt dann immer noch in der Zukunft selbst aufhalten. Außerdem, je mächtiger er wurde, desto größer war seine Chance hier erfolgreich zu sein. Und sollte es seinem Bruder noch einmal gelingen jemanden in diese Zeit zu schicken, war er wenigstens in der Lage sich selbst zu verteidigen.

Mit einem Mal erhob sich Chris vom Sofa und ging hinüber zum Buch der Schatten. Die Seherin hatte nur gesagt, dass er eines Tages stärker sein würde als Wyatt, aber wann genau war das? Und was musste er tun um seine Kräfte zu verstärken? Hier im Buch musste es einen Spruch geben, mit dem er in die Zukunft sehen konnte um all das herauszufinden.

Wenn er sich seinem Bruder je wieder entgegenstellte, musste er sicher sein, dass er damit mehr erreichte als früher. Sein letzter Versuch Wyatt aufzuhalten, bevor er mit Biancas Hilfe hierher gekommen war, hatte für ihn selbst beinahe fatale Folgen gehabt.

Der junge Wächter des Lichts schüttelte leicht den Kopf um die Erinnerungen daran zu vertreiben, er musste sich jetzt darauf konzentrieren diesen Spruch zu finden.

Es dauerte nur einige Minuten, dann er auch schon etwas Passendes gefunden. ‚Wie man seine eigene Zukunft erkennt'. Der Zauber war zwar etwas allgemein gehalten, aber Chris brauchte nicht lange, um ihn entsprechend umzuschreiben. Bevor er ihn allerdings sprach, stellte er sicher, dass das Buch wieder geschlossen war. Die Schwestern sollten nicht wissen, dass er einen Zauber benutzt hatte, erst recht nicht einen, der sich auf die Macht ihrer Familie berief.

Chris sagte den Spruch einige Male innerlich auf, bis er ihn auswendig konnte und ließ dann den Zettel auf dem er ihn umgeschrieben hatte in seiner Hosentasche verschwinden.

Der junge Wächter des Lichts schloss die Tür und stellte sich dann mittig auf dem Dachboden auf. Er atmete noch einmal tief durch und versuchte dann sich auf das zu konzentrieren, was er zu sehen wünschte.

Ich rufe an, die Macht der Halliwells:
Lass meinen Blick die Zeiten durchqueren,
Zeig mir, was die Zukunft bringt.
Darfst mir diesen Wunsch nicht verwehren
Da nur so meine Aufgabe gelingt.

In dem Augenblick, als die letzte Silbe über seine Lippen kam, wurde Chris schwarz vor Augen und bevor er auch nur einen Gedanken fassen konnte, war er auch schon auf dem Boden aufgeschlagen. Allerdings bekam er davon schon nichts mehr mit.

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Piper stand in Wyatts Zimmer und hielt ihren Sohn auf dem Arm, wobei sie ihn sanft hin und her schaukelte. Sie gab dabei keinen Ton von sich, aber Leo, der in der Tür stand, konnte sehen, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen.

Wyatt hatte vor wenigen Minuten plötzlich angefangen zu schreien, aber es gab keinen Angriff oder sonst einen erkennbaren Grund dafür. Es war, als wüsste auch er von der schrecklichen Nachricht, die seine Eltern soeben erhalten hatten.

Leo konnte noch immer nicht ganz fassen, was er in der letzten Stunde erfahren hatte. Es bestand ganz offensichtlich für ihn und Piper noch eine Chance, aber jetzt, da sie vom frühzeitigen Tod ihres Sohnes erfahren hatten war die Situation mehr als kompliziert.

Der Älteste fragte sich unwillkürlich wie sehr die Zeitlinie durcheinander gebracht worden war, nur dadurch, dass sie davon wussten.

Wie sehr er es jetzt bereute Chris immer so gedrängt zu haben. Der junge Mann hatte ihnen nichts von seiner Zeit erzählen wollen und jetzt wusste Leo auch zum Teil warum. Diese verdammte Prophezeiung…

Leos Gedanken wurden jedoch plötzlich unterbrochen als vom Dachboden her ein dumpfes Geräusch erklang, so als wäre dort etwas oder jemand zu Boden gestürzt. Er und Piper sahen sich an und sie setzte Wyatt augenblicklich zurück in sein Bettchen, bevor die beiden das Zimmer eilig in Richtung der Treppe nach oben verließen.

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Flashback:

In Gedanken versunken schlenderte Chris durch die Zimmer seines zu Hauses. Seit Jahren schon lebte hier niemand mehr und dennoch konnte er nicht anders an dieses Haus denken als so.

Die Tatsache, dass es jetzt ein Museum war, wirkte wie ein kranker Scherz, den sich jemand mit ihm erlaubt hatte, so als wären die letzten Erinnerungen an die Halliwells ihre Hinterlassenschaften in diesem Gebäude. Dabei hatte seine Mutter immer ihre Söhne als ihr Vermächtnis an die Zukunft angesehen und sie lebten doch beide noch.

Allerdings war diese Einrichtung ja die glorreiche Idee seines Bruders gewesen. Wyatt war schon immer so unglaublich stolz auf seine Herkunft gewesen, immerhin war er ja der Sohn einer der Mächtigen Drei und eines Ältesten. Allerdings erinnerte sich Chris noch genau daran, wie regungslos Wyatt bei der Nachricht vom Tod ihrer Mutter gewesen war. Sie war etwas, womit er sich hatte wichtig machen können, aber als Person hatte sie ihm nie sehr viel bedeutet.

Für Chris war damals die Welt zusammen gebrochen, aber für Wyatt war es die Chance gewesen, seine Fassade endlich fallen zu lassen. Nur sein Bruder hatte bisher bemerkt wie kaltherzig und grausam er manchmal sein konnte, aber nun, da die Mächtigen Drei vernichtet waren und niemand ihn mehr aufhalten konnte, machte er sich nicht mehr die Mühe irgendetwas zu verheimlichen.

Er machte sich in der Unterwelt einen Namen und fing an, seine Kontrolle sowohl dort, als auch in der normalen Welt auszudehnen. Mittlerweile konnte man ihn guten Gewissens als Herrscher über beide Welten bezeichnen.

Chris war an seinem alten Zimmer vorüber gekommen, aber nichts deutete dort darauf hin, dass es ihn jemals gegeben hatte. Ebenso wenig im Rest des Hauses. Eventuelle Fotos zeigten immer nur die Schwestern, Leo und natürlich ihren Erstgeborenen, aber nirgends eine Spur von Chris. Wyatt teilte seinen Ruhm nicht gerne, nicht einmal mit seinem eigenen Bruder.

Chris stand nun vor der virtuellen Darstellung des Buchs der Schatten. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und für einen Augenblick war er versucht es herbei zu rufen, nur um noch einmal die vertrauten Seiten durch zu blättern, aber das war nicht der Grund, weshalb er hier war. Es würde ihn nur frühzeitig verraten.

Sein Ziel war ein Glaskasten in der Ecke des Raums, in dem einige magische Waffen aufbewahrt wurden. Als er die verzierte Athame das erste Mal entdeckte, hatte er sich gewundert, warum Wyatt etwas so mächtiges hier ließ, aber vermutlich war er sich sicher, dass ihm nichts mehr gefährlich werden konnte.

Chris stellte sich nun mit dem Rücken zur Wand und bereitete sich darauf vor, das Glas zu zerbrechen. Er kannte die Sicherheitsvorkehrungen hier; sobald etwas zu Bruch ging, war es nicht mehr möglich sich von hier weg zu teleportieren und ein paar Dämonen würden erscheinen um zu sehen, was los war. Aber mit denen würde er fertig werden.

Chris benutzte einen Stuhl um den Glaskasten einzuschlagen – Magie wurde in diesem Gebäude registriert und das würde die gleich auftauchenden Dämonen nur frühzeitig warnen.

Wie aufs Stichwort erschienen nun vier breitschultrige Gestalten und sahen sich auf der Suche nach der Quelle des Alarms im Raum um. Aber da war es für zwei von ihnen schon zu spät, Chris hatte sie mit zwei gut gezielten Energiebällen vernichtet.

Er musste sich ducken, um den Angriffen der anderen beiden zu entgehen, dabei griff er sich die Athame und versuchte in Richtung der Tür zu entkommen.

Die Dämonen verfolgten ihn, aber auf der Treppe gelang es ihm, beide zu vernichten ohne dabei selbst getroffen zu werden. Chris hatte die Vordertür so gut wie erreicht, als er plötzlich gegen einen unsichtbarer Schild rannte und mit einem kurzen Aufschrei schmerzhaft auf dem Boden landete.

Leicht benommen rappelte sich der junge Mann wieder auf, als sich ihm plötzlich von hinten eine Gestalt näherte. Er wurde auf die Füße gezogen und bevor er irgendwie reagieren konnte, sah er in die Augen seines Bruders.

Verräter!" Wyatt sprach sehr leise und doch konnte sich Chris nicht daran erinnern jemals solche Wut in seiner Stimme gehört zu haben.

Dachtest du etwa, du könntest mich hiermit verletzen? Mit diesem Spielzeug? Na los, versuch dein Glück." Ohne, dass Chris auch nur einen Muskel bewegt hätte, war die Hand mit der Athame plötzlich zwischen ihm und seinem Bruder und die Spitze der Waffe zeigte direkt auf dessen Herz.

Er dachte an all die Morde, die Wyatt begangen hatte, an die Freunde, die er seinetwegen verloren hatte und versuchte sich damit selbst mehr Entschlossenheit zu geben. Aber trotz allem zitterte seine Hand und er brachte es einfach nicht fertig, seinem Bruder die Klinge ins Herz zu stoßen.

Sekunden verstrichen und niemand rührte sich, bis Wyatt schließlich die Athame aus seiner Hand riss und sie mit voller Wucht in Chris' linken Oberarm rammte.

Schmerz durchflutete seinen ganzen Körper und Chris schrie laut auf, bevor er es schaffte sich zusammen zu reißen. Es dauerte einige Augenblicke, bis er wieder klar denken konnte und bis dahin hatte Wyatt die Athame bereits wieder aus seinem Arm gezogen und sie einem seiner dämonischen Leibwächter gegeben, die hinter ihm an der Wand standen.

Der dunkelhaarige Wächter des Lichts sah kurz zu ihnen hinüber und bemerkte zu seiner Verwunderung zum ersten Mal eine Frau in ihren Reihen. Sie musste verdammt gut sein, damit Wyatt sie akzeptierte.

Seine Augen blieben für einen Augenblick auf ihr, aber eine Hand an seiner Kehle ließ ihn sofort wieder alle anderen Gedanken vergessen und seine Aufmerksamkeit war wieder vollständig auf Wyatt.

Ich kann einfach nicht glauben, dass wir beide tatsächlich dieselben Eltern haben sollen. Es ist ja schon beinahe lächerlich, wie schwach du bist. Und so etwas will mein Bruder sein. Trotzdem sollte ich dich für das, was du vorhattest eigentlich töten, aber vermutlich wäre das nur eine Verschwendung meiner Energie."

Wyatt sah ihn einige Sekunden lang durchdringend an und schien zu überlegen, was er mit ihm machen sollte. Schließlich wandte er sich an die Dämonen.

Sperrt ihn ein." Chris wollte Wyatt noch fragen was genau er mit ihm vorhatte, wohin er gebracht werden würde, aber bevor er dazu kam kollidierte die Faust eines der Dämonen mit seinem Gesicht und schickte ihn ins Reich der Träume.

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Das erste, was Chris auffiel als er wieder zu sich kam, war die Kälte. Er öffnete langsam die Augen, aber an den Lichtverhältnissen änderte sich kaum etwas; es war so dunkel, dass er kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Unter seinem Rücken fühlte er den steinigen Boden und als er versuchte sich langsam auf zusetzten fiel ihm auch die Wunde in seinem Arm wieder ein.

Für einen Augenblick stockte ihm der Atem, als ihn der Schmerz durchfuhr. Vorsichtig tastete er mit der rechten Hand nach der Wunde und fühlte, dass sein gesamter Ärmel nass vom Blut war. Chris machte sich daran seine Jacke auszuziehen, aber die Kälte hatte seine Glieder steif werden lassen, so dass er nur sehr langsam vorankam. Es erschien ihm wie eine Ewigkeit, bis er es endlich geschafft hatte, einen der Jackenärmel um die Wunde zu binden und so die Blutung fürs erste zu stillen.

Dann versuchte der Wächter des Lichts zu teleportieren, war allerdings nicht sonderlich überrascht, dass weder das noch eine seiner anderen Fähigkeiten funktionierten. Daher saß er nur da, an die Wand gelehnt und versuchte im Dunkeln die Ausmaße seiner Zelle zu erkennen.

Sie war etwa dreimal drei Meter groß, allerdings schienen alle vier Wände komplett aus Stein zu bestehen, ohne dass eine Tür erkennbar gewesen wäre. Ein sehr schwaches Licht kam von einer Öffnung in der Nähe der Decke, aber sie war viel zu weit oben und außerdem war sie vermutlich vergittert.

Chris konnte keinen möglichen Ausweg erkennen und außerdem fühlte er sich ohnehin nicht in der Lage irgendwo hin zu gehen. Der Schmerz in seinem Arm war mittlerweile zu einem dumpfen Pochen geworden, aber er fühlte sich, als hätte er eine Menge Blut verloren. Und dann war da noch die Kälte. Er war wohl schon eine Weile hier, denn sie hatte ihn vollkommen durchdrungen und verlangsamte jede seiner Bewegungen.

Chris merkte, wie es immer schwieriger wurde einen klaren Gedanken zu fassen und dafür traten Verlangen wie Durst und Hunger immer weiter in den Vordergrund. Er hatte schon eine Weile nichts mehr getrunken und auch das letzte Essen war bereits Stunden her gewesen, als er nachts ins Halliwell Manor einbrach. Und wer wusste, wie spät es jetzt war.

Stunden oder vielleicht sogar Tage vergingen, ohne dass der junge Wächter des Lichts auch nur annähernd hätte sagen können wie viele. Er ließ seine Gedanken schweifen und ab und zu fiel er in einen traumlosen Schlaf, aber mit der ständigen Dunkelheit um ihn herum war es manchmal schwer überhaupt einen Unterschied festzustellen.

Das Hungergefühl war mittlerweile verschwunden, aber Chris hatte ihm ohnehin kaum Beachtung geschenkt. Er fühlte sich viel zu benommen, um überhaupt irgendetwas in irgendeiner Form zu beachten.

Wenige Minuten – oder waren es Stunden – nachdem er aufgewacht war, hatte er gespürt, wie etwas seinen Arm hinunterlief und als er danach tastete, bemerkte er, dass sein provisorischer Verband durchgeblutet war. Zuerst hatte er ihn erneuern wollen, aber schon nach wenigen Sekunden war die Dringlichkeit irgendwie aus seinen Gedanken verschwunden.

Als sich nun plötzlich eine in der Wand verborgene Tür öffnete, brauchte Chris einige Sekunden, um dies zu registrieren, aber auch dann schien es ihm völlig ohne Bedeutung zu sein. Er konnte am Umriss in der Öffnung erkennen, dass dort jemand stand, aber wer, war völlig unmöglich zu sagen. Irgendwo in den Tiefen seines Verstandes regte sich nun eine leise Stimme, die panisch ‚Wyatt' schrie, aber Chris war nicht in der Lage etwas gegen den Neuankömmling zu unternehmen.

Als die Gestalt näher kam und sich schließlich zu ihm hinunter beugte, versuchte er sich unbeholfen an der Wand entlang zu schieben um zu entkommen, aber er hatte natürlich keine Chance.

Ganz ruhig, Chris. Ich bin hier um dich hier raus zu holen, hab keine Angst. Ich werde dich in Sicherheit bringen, dann kann Wyatt dir nichts mehr antun." Die Gestalt schlang vorsichtig einen Arm um den jungen Mann und zog ihn mit sich in die Höhe. Ganz langsam durchquerten sie die Zelle und gingen auf den Gang hinaus, in Richtung Freiheit.

Ich werde dafür sorgen, dass es dir bald wieder besser geht. Mein Name ist Bianca und ich werde mich um dich kümmern."

Flashback Ende

tbc