Kapitel 5: Dunkelheit

Als Piper und Leo auf dem Dachboden ankamen, hatte die Hexe damit gerechnet von mindestens einem gefährlichen Dämon erwartet zu werden. Aber von dort aus wo sie stand, ein kleines Stück hinter Leo, schien der Raum zu ihrer großen Überraschung komplett leer zu sein.
"Piper!" Entsetzt eilte der Älteste plötzlich weiter in den Raum und als er sich auf den Boden kniete musste die Hexe ihrer ersten Eindruck revidieren, das Zimmer war keines Wegs leer.

Wenn Piper einmal in ihrem Leben sicher gewesen war vor einer Leiche zu stehen, dann war es in diesem Augenblick. Vor ihr auf dem Boden lag Chris, die Augen geöffnet und starrte mit leerem Blick zur Decke. Seine ohnehin schon blasse Haut hatte ein nahezu gespenstisches Weiß angenommen und seine Lippen einen leicht bläulichen Schimmer.
Er ist tot. Piper hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können und ihre Knie drohten unter ihr nachzugeben, also ließ sie sich neben Leo auf den Boden sinken. Der Älteste beugte sich nun vorsichtig über den jungen Mann und tastete an dessen Hals nach seinem Puls.

"Ist er…?" Einige grauenhafte Sekunden verstrichen, bis Leo schließlich erleichtert aufatmete.

„Nein, er lebt noch. Aber er fühlt sich eiskalt an. Schnell, hol ihm eine Decke." Piper entfernte sich kurz von den Beiden um das Gewünschte zu holen, während Leo seine Hände vorsichtig über Chris' Brust schweben ließ. Er konzentrierte sich darauf den jungen Wächter des Lichts zu heilen, aber nichts geschah.

Er versuchte es noch einmal und noch einmal, aber immer mit dem gleichen niederschmetternden Ergebnis. Chris zeigte keinerlei Reaktion auf seine Bemühungen ihn zu heilen, ganz so als wäre er wirklich tot. Aber Leo hatte seinen Herzschlag spüren können. Es schlug zwar nur schwach, aber es schlug und das war die Hauptsache.

Piper war mittlerweile mit der Decke zurückgekehrt und legte diese nun sanft über den regungslosen Körper vor ihr.

„Warum funktioniert es nicht?"

„Ich habe keine Ahnung. Wenn ich nur wüssten, was diesen Zustand ausgelöst hat, vielleicht könnte ich ihm dann helfen, aber so habe ich keine Idee was ich noch tun könnte." Leo ließ seinen Blick über den jungen Mann schweifen, bis ihm plötzlich etwas auffiel und er inne hielt.

Der linke Ärmel von Chris' Oberteil hatte sich blutrot verfärbt, aber der Stoff selbst war unbeschädigt.

Stirnrunzelnd krempelte Leo den Ärmel vorsichtig hoch, bis eine sehr tief aussehende Wunde zum Vorschein kam. Er konnte hören, wie Piper neben ihm erschrocken Luft holte.

Wie um alles in der Welt hatte sich Chris diese Verletzung zuziehen können? Sie sah sehr frisch aus, also hatte er sie nicht schon länger vor ihnen geheim gehalten. Aber warum war der Stoff dann intakt? Genau wie Chris' gesamter Zustand ergab das keinerlei Sinn.

Leo versuchte die Wunde zu heilen, aber mit demselben Resultat wie zuvor.

„Warte hier, ich hole Verbandsmaterial." Und damit war Piper auch schon aus dem Raum verschwunden. Leos Blick fiel immer wieder auf das Gesicht des jungen Mannes, ohne dass er es hätte verhindern können. Ihn mit offenen Augen dort liegen zu sehen war irgendwie ein sehr verstörender Anblick. Er war versucht seine Augen mit der Hand zu schließen, aber so etwas machte man mit Leichen und Leo wollte nicht einmal an die Möglichkeit denken, dass sein Nachfolger hier im Haus der Halliwells sterben könnte.

Dem Ältesten fiel plötzlich auf, dass sie sich ja immer noch auf dem Boden befanden, also hob er Chris mitsamt Decke vorsichtig auf seine Arme und trug ihn zur Couch hinüber. Er hatte ihn gerade sanft auf das Polster sinken lassen, als Piper mit einigen Mullbinden und ähnlichem zurückkehrte.

Es herrschte völlige Stille während Piper vorsichtig die immer noch blutende Wunde an Chris' Arm verband. Als sie damit fertig war, sah sie noch kurz auf den jungen Mann hinab, Besorgnis deutlich auf ihrem Gesicht erkennbar, bevor sie hinüber zum Buch der Schatten ging. Sie musste dort einfach eine Erklärung für seinen Zustand finden können. Mit Sicherheit hatte ihm ein Dämon das angetan.

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Eine halbe Stunde war vergangen, seit sie Chris gefunden hatten und noch immer hatte sich nichts an seinem Zustand geändert. Piper suchte noch immer im Buch nach einer Erklärung, während Leo nervös im Zimmer auf und ab ging.

Er hasste es, so machtlos zu sein. Zwar hatte er als Ältester noch weiter reichende Fähigkeiten, aber dass er in der Lage war zu heilen, hatte den Schwestern und ihren Verbündeten schon mehr als ein Mal das Leben gerettet, wodurch es zu seiner mit Abstand wichtigsten Kraft wurde. Er kam sich furchtbar nutzlos vor, wenn er, wie in diesem Fall, nichts tun konnte.

Die angespannte Stille im Raum wurde unterbrochen, als plötzlich Paige und Phoebe durch die Tür kamen und Leo wurde mit Schrecken bewusst, dass sowohl er als auch Piper zu sehr mit der Situation vor ihnen beschäftigt gewesen waren um die beiden Hexen darüber zu informieren was geschehen war.

"Was suchst du denn, Piper?" Die Empatin hatte erwartet, ihre Schwester und Leo immer noch in tiefer Trauer über das was Chris ihnen erst vor kurzem mitgeteilt hatte vorzufinden, aber die Anspannung die hier in der Luft lag, passte so gar nicht zu ihren Erwartungen.

„Leo, ist alles in Ordnung? Ist etwas passiert, was wir wissen sollten?" Anstatt Paige' Frage direkt zu beantworten, deutete der Älteste mit der Hand zu einem Sofa in der Ecke des Zimmers.

Die Schwestern folgten mit dem Blick seiner Geste und was sie dort sahen, ließ ihnen für einen Moment den Atem stocken.

Die jüngste der drei Hexen lief sofort zu dem jungen Wächter des Lichts hinüber, während Phoebe noch wie angewurzelt stehen blieb. Sie wandte sich erschrocken an ihren Schwager.

„Oh mein Gott, ist er etwa…"

„Nein, wir, oder besser gesagt Piper, versucht gerade herauszufinden, was mit ihm los ist."

„Denkt ihr, dass er von einem Dämon angegriffen worden ist?" Phoebe sah skeptisch von Leo zu ihrer Schwester, aber diese zuckte nur mit den Schultern. „Ich meine, was hätte denn ein Dämon davon, ihn in diesen Zustand zu versetzen und dann zu verschwinden?"

„Ich weiß es nicht, Phoebe, und ich konnte bis jetzt auch noch nichts finden, was dafür spricht. Aber was sollte es sonst sein?"

Aber bevor die Empatin etwas darauf erwidern konnte, schaltete sich plötzlich Paige in die Unterhaltung ein.

"Ähm Leute, ich will euch ja nicht unterbrechen, aber ich denke ihr könnt Chris das selbst fragen. Ich glaube er wacht auf."

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Als Chris langsam wieder zu Bewusstsein kam, wusste er im ersten Augenblick nicht, wo er sich befand. Die Kälte, die ihn bis vor einem Moment noch in Wyatts Gefangenschaft umgeben hatte, war verschwunden, obwohl er selbst sich immer noch halb erfroren fühlte.

Nun lag er hier, auf einem weichen Untergrund und versuchte sich auf die Stimmen zu konzentrieren, die ihn umgaben. Er erinnerte sich noch vage an eine Frau die ihn gerettet hatte. Bianca. War sie hier?

Der junge Wächter des Lichts versuchte zu erkennen, wer dort sprach, aber im ersten Moment fiel es ihm schwer den vertraut klingenden Stimmen die passenden Gesichter zuzuordnen. Plötzlich spürte er, wie jemand seine Hand ergriff und er genoss die Wärme, die nun von dort ausging. Außerdem war es als würde er dadurch wieder in die Realität zurückgeholt.
"Chris, kannst du mich hören? Ich bin es, Piper. Bitte sieh mich an."

Chris versuchte angestrengt die Augen zu öffnen um etwas sehen zu können, aber entsetzt musste er feststellen, dass sie bereits offen waren. Panisch schloss und öffnete er sie einige Male, aber es half nichts. Er war blind.

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Piper hatte Chris' Hand ergriffen und musste nun überrascht feststellen, dass er seinen Griff deutlich verstärkte während er sich aus der Bewusstlosigkeit kämpfte. Er blinzelte einige Male und drehte den Kopf zu allen Seiten ohne jedoch irgendjemanden direkt anzusehen. Aber schließlich war es Chris' erste Frage, die Piper völlig überrumpelte.

„Wo bin ich?"

Einige Sekunden Stille vergingen, bis die Hexe ihm schließlich antwortete.

„Du bist bei uns auf dem Dachboden. Kannst du dich etwa nicht mehr erinnern? Ich bin Piper, das sind meine Schwestern Phoebe und Paige und das…" Piper deutete der Reihe nach auf sich selbst und die anderen, wurde aber von Chris sofort unterbrochen.

„Nein, das ist es nicht. Ich weiß wer du bist und alles, aber… ich… ich kann nichts sehen. Ich bin blind."

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Leo konnte, oder besser gesagt wollte, seinen Ohren nicht trauen. Das konnte der junge Mann keines Falls gesagt haben. Er war doch nicht blind. Das war einfach nicht möglich. Es durfte nicht möglich sein. Aber die Art und Weise, wie sein Blick durchs Zimmer glitt, wie er niemanden direkt ansah, bestätigte seine Aussage. Und als Leo nun genau hin sah, bemerkte er, dass das Grün von Chris' Augen einen seltsam milchigen Farbton angenommen hatte.

„Was ist passiert?" Paige stellte nun die Frage, die alle anwesenden die ganze Zeit über beschäftigt hatte.
Chris setzte sich vorsichtig auf und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. Er seufzte, bevor er zögerlich antwortete.

„Ich habe einen Zauber angewendet. Ich wollte damit in die Zukunft sehen können, um zu erfahren, was an der Prophezeiung der Seherin dran ist. Aber es hat nicht geklappt. Jedenfalls nicht so, wie es sollte."

„Was meinst du damit?" Piper sah ihn verwirrt an, wobei ihr plötzlich klar wurde, dass er ihren Gesichtsausdruck ja gar nicht sehen konnte.

„Ich habe mich nicht richtig konzentriert. Anstatt das zu sehen, was ich wollte, habe ich mich an, nun sagen wir, etwas anderes erinnert."

„Bist du in dieser Erinnerung verletzt worden?" Nun war es an Chris, Piper einen verwirrten Blick zuzuwerfen, wobei er allerdings nur grob in ihre Richtung sah.

„Wieso fragst du?"

„Dein Arm." Um sicherzugehen, dass er sie richtig verstand, berührte sie vorsichtig seinen linken Oberarm, knapp unterhalb des Verbands den sie zuvor angelegt hatte.
Chris zuckte unter der unerwarteten Berührung zusammen. Dass dieser verdammte Zauber solche Auswirkungen haben würde, hatte er nicht erwartet. Jetzt, wo ihm langsam wieder wärmer wurde, konnte er die Verletzung auch wieder spüren. Nur gut, dass er damals nicht schlimmer verletzt worden war.

Phoebes Stimme war es, die ihn wieder ins Hier und Jetzt zurück brachte.

„Leo, warum hast du ihn nicht geheilt?" Ja, Chris fand, das war eine berechtigte Frage. Er drehte seinen Kopf erwartungsvoll in die Richtung, in der er seinen Vater vermutete.

„Es ging nicht. Ich habe es mehrfach versucht, aber meine Kräfte konnten nichts ausrichten." Zugegeben, diese Antwort hatte Chris nicht erwartet. Dieser Zauber war wirklich verflucht heimtückisch. Das nächste Mal würde er es sich zweimal überlegen, bevor er einen Spruch einfach so umschrieb.

„Aber jetzt, da Chris aufgewacht ist, sollte ich es noch einmal versuchen." Vorsichtig, um die Verletzung nicht zu verschlimmern oder dem jungen Mann unnötig Schmerzen zuzufügen, wickelte Leo den Verband von seinem Arm und entblößte somit die ziemlich tiefe Stichwunde.

Chris hörte, wie Paige leise „Autsch" flüsterte und konnte sich ein Lächeln über ihre Anteilnahme nicht verkneifen. Eine angenehme Wärme breitete sich in seinem Arm aus, während Leo die Verletzung heilte.

„Seltsam." Chris wunderte sich etwas über den Ton in der Stimme des Ältesten.

„Was ist seltsam?"

„Es ist eine Narbe zurückgeblieben, die ich nicht heilen kann, so sehr ich es auch versuche."

„Vergiss es, dafür ist es jetzt zu spät. Damals, als ich wirklich verletzt wurde, war niemand da, um mich zu heilen, also werde ich mit dieser Narbe leben müssen."

Leo hatte das vage Gefühl, dass es hierbei um mehr, als nur diese physische Verletzung ging, aber er wollte nicht weiter darauf eingehen. Es gab jetzt Wichtigeres zu tun.

„Na gut, aber lass mich nun einen Blick auf deine Augen werfen. Vielleicht kann ich da auch etwas tun."

So sehr Leo sich aber auch bemühte, es gelang ihm nicht Chris seine Sehkraft wieder zu geben. Nachdem er es mehrere Minuten lang erfolglos versuch hatte, wurde es dem jungen Mann allmählich zuviel.

„Hör auf! Es reicht. Du merkst doch, dass es nicht funktioniert. Lass es gut sein."

„Aber Chris, Leo versucht doch nur, dir zu helfen."

„Ich weiß, dass er es versucht Piper, aber er hilft mir nicht. Es wird nicht besser, kein bisschen." Phoebe, Paige und Leo wichen vorsorglich ein Stück zurück, als Chris plötzlich aufsprang, aber Piper ergriff seinen Arm und versuchte ihn dazu zu bringe, sich wieder zu setzen. Allerdings ohne Erfolg.

Chris war aufgestanden und versuchte nun in die Richtung zu gehen, in der er die Tür vermutete, allerdings erwies sich das auf Grund der Tatsache, dass Piper ihn am Arm festhielt als ziemlich schwierig. Außerdem war es sich nicht einmal sicher, ob er nicht auf eine Wand oder die Fenster zusteuerte.

„Piper, lass mich los!" Er versuchte sie abzuschütteln, bis plötzlich eine dramatische Änderung der Umgebung alles andere in den Hintergrund rückte.

Er konnte wieder sehen.

Wie Piper gesagt hatte, befanden sie sich auf dem Dachboden und alles war im hellsten Sonnenschein erleuchtet. Er selbst stand in der Nähe der Tür und Piper kniete neben ihm auf dem Boden und versuchte die Überreste einer zerbrochenen Vase aufzusammeln.

Wann ist denn das passiert? Ich war blind, aber doch nicht taub.

In diesem Moment kam Leo zu ihnen hinüber und begann Piper zu helfen, während Paige und Phoebe im Buch der Schatten blätterten und offensichtlich etwas suchten.

„Chris, du solltest dir wirklich von uns helfen lassen. Wir finden schon einen Weg dich zu heilen, aber bis dahin bist du auf Hilfe angewiesen." Phoebe hatte nicht vom Buch aufgesehen, aber sie ging offenbar davon aus, dass er sie ohnehin nicht sehen konnte.

Auf Chris' Gesicht machte sich nun ein vollkommen verwirrter Ausdruck breit. Was war hier los? Wieso konnte er auf einmal wieder sehen?

Es gab noch mehr Dinge, die ihn verwunderten, aber das plötzliche Erscheinen eines Dämons hinter Phoebe und Paige beanspruchte nun seine ganze Aufmerksamkeit.

„Vorsicht!" Die Schwestern und Leo sahen von ihren Tätigkeiten auf, aber bevor jemand reagieren konnte, hatte der Dämon bereits seine Chance ergriffen und schleuderte einen Feuerball auf die am Boden kniende Hexe.

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„Piper!"

„Was?" Die Angesprochene sah verwirrt zu dem jungen Mann auf, überrascht durch die plötzliche Panik in seiner Stimme.

„Ein Dämon, da am Fenster ist ein Dämon." Chris musste mit Schrecken feststellen, dass die Dunkelheit um ihn herum zurückgekehrt war, also gestikulierte er lediglich in die Richtung, in der er das Fenster vermutete.

„Ganz ruhig, da ist niemand. Woher willst du das überhaupt wissen?"

„Weil ich ihn gesehen habe. Er hat dich doch gerade angegriffen." Stille folgte seinen Worten und Chris musste nicht sehen können, um zu wissen, dass die Schwestern verwirrte und besorgte Blicke austauschten. Sie dachten sicher, dass er langsam verrückt wurde.

Paige gab sich alle Mühe die Situation wieder zu normalisieren.

„Ich denke, dass wir im Buch der Schatten nachsehen sollten, ob wir dort nicht eine Möglichkeit finden seine Augen zu heilen. Was meinst du, Phoebe?"

„Ja, sehe ich auch so. Ich helfe dir." Chris konnte hören, wie die beiden zum Buch hinüber gingen. Er wusste noch nicht genau, was hier vor sich ging, aber die Art, wie die Dinge sich entwickelten, behagte ihm gar nicht.

Er nutzte die Situation um sich endlich aus Pipers Griff zu befreien und ging einige Schritte, um etwas Distanz zwischen sie und sich zu bringen. Er hielt abrupt inne, als er gegen eine Tischkante stieß.

Für einen Augenblick füllte ein seltsames Geräusch die Luft, so als wäre etwas in Bewegung geraten und dann endete diese Bewegung plötzlich mit einem lauten Krachen auf dem Boden neben den Füßen des jungen Mannes.

Er konnte hören wie jemand, vermutlich Piper, zu ihm herüber kam und sich neben ihm auf den Boden kniete.

„Sei vorsichtig Chris, eine Vase ist runter gefallen und jetzt liegen hier überall Splitter. Bleib am besten erst Mal dort stehen."

Noch jemand, an der Schwere der Schritte war leicht zu erkennen, dass es Leo war, kam zu ihnen und begann Piper zu helfen, wodurch Chris' Unbehagen allmählich einer ausgewachsenen Panik wurde.

„Chris, du solltest dir wirklich von uns helfen lassen. Wir finden schon einen Weg dich zu heilen, aber bis dahin bist du auf Hilfe angewiesen." Selbst wenn er ihre Stimme nicht erkannt hätte, wusste Chris, dass dies Phoebe gesagt hatte.

„Phoebe, Paige, kommt hier herüber! Dort drüben erscheint jeden Augenblick ein Dämon; ihr müsst mir einfach vertrauen , bitte!"

Durch die Dringlichkeit in seiner Stimme alarmiert, kamen die beiden Hexen seiner Aufforderung nach und sahen nun, ebenso wie Piper und Leo, erwartungsvoll zum Buch der Schatten.

Und tatsächlich dauerte es nur wenige Augenblicke, bis sich dort ein Dämon materialisierte. Er hatte damit gerechnet, die Mächtigen Drei unvorbereitet vorzufinden und war nun umso erstaunter, dass sie ihn anscheinend erwarteten.

Allerdings hielt dieses Erstaunen nur etwa eine halbe Sekunde an, nämlich so lange, bis er von Piper gesprengt wurde.

Chris konnte spüren, wie ihn nun alle Anwesenden anstarrten, auch ohne dass er sie selbst sehen konnte.

„Woher hast du das gewusst."

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„Du bist also blind, kannst aber in die Zukunft sehen? Hab' ich das jetzt richtig verstanden?" Paige sah verwirrt sowohl zu Chris, als auch zu den anderen, auf der Suche nach Bestätigung. Schließlich war es der junge Wächter des Lichts, der ihr antwortete.

„Ja, so scheint es."

„Wow. Aber na wenigstens etwas."

„Paige!"

„Was denn, Phoebe? Ich will natürlich auch, dass er wieder sehen kann, aber mal ehrlich, er hat uns gerade eindeutig den Arsch gerettet. Hätte Chris uns nicht gewarnt, wären wir aufgeschmissen gewesen."

„Piper."

„Was ist mit mir?"

„Du wärst aufgeschmissen gewesen. Der Dämon hatte es auf dich abgesehen."

„Oh, nicht schon wieder. Ich kann mich ja nicht einmal mehr umdrehen, ohne dass ein Dämon hinter mir steht. Sobald wir dich wieder hingekriegt haben, müssen wir dringend etwas dagegen unternehmen."

Piper legt ihre Hand aufmunternd auf die Schulter des jungen Mannes. Diese Geste schien ihn wirklich aufzubauen, denn sie bemerkte, wie sich sein Gesichtsausdruck deutlich aufhellte.

„Bleibt nur die Frage, wie wir das anstellen. Im Buch gab es keinen Hinweis darauf, weder, wie Chris' Zustand überhaupt möglich ist, noch was man dagegen tun kann. Hast du eine Idee, Leo?" Phoebe sah den Ältesten fragend an, aber dieser zögerte einige Augenblicke, bevor er schließlich antwortete.

„Es muss mit dem Zauber zusammenhängen, den Chris gesprochen hat." Er sah den Wächter des Lichts nun direkt an, obwohl er natürlich wusste, dass dieser das nicht bemerkte. „Du musst uns sagen, wie er lautete, denn ich denke nicht, dass wir dir sonst helfen können."

Panik begann sich in dem jungen Mann auszubreiten, aber ihm blieb keine Zeit, sich eine Antwort zu überlegen, da er sich schon wieder mitten in einem Zeitsprung befand.

Er selbst, Piper und Phoebe saßen noch immer auf der Couch und Leo und Paige standen vor ihnen, aber nun war die Aufmerksamkeit aller auf das Buch der Schatten gerichtet.

Ein starker Wind hatte seine Seiten erfasst und schlug das Buch schließlich an einer bestimmten Stelle auf. Piper war die erste, die ihre Verwunderung abschüttelte und hinüber ging, dicht gefolgt von ihren Schwestern.

„Das hat es ja schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gemacht." Bemerkte sie überrascht. Die drei Hexen versammelten sich um das Buch und starrten gebannt auf die oberste Seite, einen Ausdruck im Gesicht, den Chris nicht zu deuten vermochte.

„Was ist?" Es war Leo, der diese Frage gestellt hatte, aber sie spiegelte auch genau Chris' Gedanken wieder.

Mit einer seltsam monotonen Stimme begann Piper vorzulesen.

„Wie man seine eigene Zukunft erkennt." Sie blickte vom Text auf und sah Chris in die Augen, bevor sie weiter sprach.

„Dieser Spruch beruft sich auf die Macht der Halliwells."

tbc