A/N: Mittlerweile sind bereits die Ereignisse von ‚Die kopflosen Drei' passiert, natürlich mit Ausnahme der Schamanin. Das heißt, die Schwestern, Leo und Chris wissen bereits von der Zauberschule. Gideon weiß jedoch noch nicht, dass Wyatt in der Zukunft böse wird und plant auch noch nichts Dementsprechendes.

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Kapitel 6: Neue Hoffnung

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Mit einer seltsam monotonen Stimme begann Piper vorzulesen.

„Wie man seine eigene Zukunft erkennt." Sie blickte vom Text auf und sah Chris in die Augen, bevor sie weiter sprach.

„Dieser Spruch beruft sich auf die Macht der Halliwells."

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Chris war sprachlos, aber bevor er in irgendeiner Form reagieren konnte, befand er sich auch schon wieder im Hier und Jetzt, was auch bedeutete, dass er wieder blind war.

Mit Sicherheit blieb ihm auch dieses Mal nur wenig Zeit, um die Geschehnisse zu verhindern, die er gesehen hatte. Die Schwestern durften nicht erfahren, wer er wirklich war, nicht jetzt und vor allem nicht so.

Der Ausdruck in Pipers Augen hatte ihn tief getroffen. Sie war einerseits natürlich geschockt gewesen, aber andererseits hatte er auch Emotionen wie Enttäuschung gesehen. In dem Moment, als ihre Blicke sich trafen, hatte er sich wie ein Verräter gefühlt.

Plötzlich fiel ihm die Stille im Raum auf und Chris erinnerte sich, dass Leo ihm eine Frage über den Spruch den er benutzt hatte gestellt hatte. Er wusste auch, dass es keinen Sinn hatte zu lügen, da das Buch der Schatten es den anderen ohnehin zeigen würde. In seinem jetzigen Zustand konnte er das nicht verhindern, aber möglicherweise konnte er dem zuvor kommen.

„Ich habe einen Spruch aus dem Buch benutzt. Er war zwar gedacht um in seine eigene Zukunft zu sehen, aber da es ja um die Zeit geht, aus der ich komme, dachte ich, es würde auch so gehen. Den Teil mit der Macht der Halliwells habe ich weggelassen und ihn im Kopf etwas verändert. Aber nach allem was passiert ist, kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, wie er dann lautete."

Chris ließ den Kopf hängen, hob ihn aber sofort wieder, als er hörte, wie jemand von den Anderen aufstand und zum Buch der Schatten hinüber ging. Es war Piper, wie er nun an ihrer Stimme erkannte.

„Vielleicht hilft es trotzdem, wenn wir den Spruch kennen. Ich werde ihn suchen." Abrupt blieb sie jedoch stehen, und Chris konnte einen Luftzug und das Rascheln von Papier hören. Es entwickelte sich also alles, wie erwartet.

„Das hat es ja schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gemacht." Die älteste der drei Hexen stutzte einen Moment, ging dann jedoch weiter zum Buch. Ihre Schwestern folgten ihr.

„Was ist?"

„Das muss der Spruch sein, den du verwendet hast, Chris. Er beruft sich tatsächlich auf die Macht der Halliwells und soll die eigene Zukunft offenbaren. Aber ich fürchte, er nutzt uns nicht viel, wenn wir nicht wissen, wie er verändert wurde."

„Soll das etwa heißen, wir können nichts tun um Chris zu helfen?" Paige sah ihre Schwester verständnislos an.

„Ich meine, es ist in diesem Haus schon gefährlich genug, auch wenn man sehen kann, aber blind? Er wird nicht einen Tag überstehen."

„Hey! Ich bin anwesend, okay?" Die Hexen zogen es jedoch vor, ihren Wächter des Lichts weiterhin zu ignorieren.

„Paige hat Recht, Piper. Wir dürfen nicht so schnell aufgeben."

„Das habe ich ja auch überhaupt nicht gesagt. Aber ihr habt Recht, in diesem Zustand ist es für ihn hier viel zu gefährlich. Ich denke, das Beste wäre, wenn wir ihn in die Zauberschule bringen. Dort ist er sicher."

Der junge Wächter des Lichts hatte sich die Unterhaltung bisher mehr oder weniger ruhig angehört, aber nun wurde es ihm doch zuviel. Die Schwestern und Leo zuckten erschrocken zusammen, als plötzlich eine Tischlampe explodierte. Die Wut, die sich in Chris aufgestaut hatte, ließ seine Kräfte verrückt spielen.

„Jetzt reicht es aber langsam. Ich sitze hier drüben, falls ihr das vergessen habt und nur weil ich euch nicht sehen kann, heißt das nicht, dass ihr mich einfach ignorieren könnt. Wie ihr gerade bemerkt haben solltet, habe ich meine Zauberkräfte noch, das heißt, ich bin nicht wehrlos, verdammt noch mal. Und falls ihr es bereits vergessen haben solltet, ich kann anscheinend in die Zukunft sehen. Ich habe schon einmal Piper das Leben gerettet, ihr wärt dumm, wenn ihr das aufs Spiel setzten würdet. Überlegt euch also besser gut, ob ihr mich tatsächlich in die Zauberschule bringen wollt, oder nicht."

Die Schwestern wechselten einen überraschten Blick, Chris ‚Ansprache' hatte sie etwas überrumpelt, aber auch ohne ein Wort zu wechseln, waren sie sich schnell einig, was zu tun war…

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Chris schnaubt verächtlich, als er sich auf einen der gemütlichen Sessel in der Bibliothek der Zauberschule fallen ließ. Anscheinend hatte er seine eigenen Überredungskünste deutlich überschätzt.

Einerseits war er natürlich gerührt über die Führsorge seiner Familie, aber trotzdem war es seiner Meinung nach unglaublich dumm ihn hierher zu schicken.

Auf dem Dachboden hatten sich Paige und Phoebe links und rechts bei ihm eingehakt, ihn vom Sofa gezogen und ihm erklärt, dass es zwar unglaublich tapfer war, dass er sich für sie in Gefahr bringen wollte, sie jedoch auf sich selbst aufpassen konnten. Immerhin waren sie ja die Mächtigen Drei. Piper hatte ihre Aussage bekräftigt und darauf bestanden ihn sofort hierher zu Gideon in die Schule zu bringen. Im Haus wäre er in zu großer Gefahr gewesen.

Nun saß er also hier und so langsam begann in ihm der Verdacht zu wachsen, dass sich Paige in diesem Moment auf zu Richard machte, Phoebe stundenlang mit Jason telefonierte und Piper mal wieder ein Date mit dem Feuerwehrmann oder sonst jemandem hatte. Obwohl, jetzt da sie wusste, dass sie eigentlich wieder mit Leo zusammenkommen sollte, würde sie möglicherweise ihre anderen Verabredungen fürs erste absagen.

Aber auf jeden Fall, so vermutete Chris, würden sie nicht an seinem Problem arbeiten. Warum sonst hatten sie ihn so schnell hierher bringen wollen? Solange die Hexen bei ihm waren, konnte ihm doch nichts geschehen. Sie mussten also irgendetwas anderes vorhaben.

Das Geräusch von Schritten riss ihn plötzlich aus seinen Gedanken. Auch wenn der junge Mann in der Lage gewesen wäre zu sehen, hätte er sein Gegenüber nicht ausmachen können, da Gideon mal wieder unsichtbar unterwegs war.

„Ah, Chris, da bist du ja. Leo hat mir bereits von deinem Problem berichtet und ich werde natürlich alles in meiner Macht stehende tun, um dir zu helfen. Er sagte aber auch, dass ein Zauber, den du gesprochen hast, dies verursachte. Wie kommt es also, junger Mann, dass wir Ältesten, bis auf Leo, wie es scheint, nicht darüber informiert wurden, dass du zur Hälfte Hexe bist?"

Chris überlegte kurz, was er antworten sollte, immerhin kannte er Gideon kaum, aber andererseits war er schließlich ein Ältester. Wenn er ihm nicht vertrauen konnte, wem dann?

„Ich hatte befürchtet, ihr würdet nicht zulassen, dass ich der Wächter des Lichts der Schwestern werde, wenn ihr es gewusst hättet. Aber obwohl ich nicht heilen kann, ist es unverzichtbar für die Zukunft, dass ich in ihrer Nähe bin."

„Bist du sicher, dass das der einzige Grund ist?"

„Wie…wie meinen Sie das?" Chris verfluchte sich innerlich dafür, dass er plötzlich anfing zu stottern, aber Gideon hatte ihn mit dieser Frage überrumpelt und die Tatsache, dass er sein Gesicht nicht sehen konnte, war nicht gerade förderlich.

„Ich meine, dass es bisher außer Patricia Halliwell und ihrem Wächter des Lichts und natürlich Piper und Leo keine dauerhafte Beziehung dieser Art gegeben hat. Wenn du hierher gekommen bist, um Wyatt zu retten, vermute ich, dass er dir in deiner Zeit viel bedeutet hat und das wiederum, zusammen mit den Kräften die du geerbt hast, deutet darauf hin, dass du mit den Halliwells auf die eine oder andere Art verwandt bist."

Chris wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Einerseits wollte er alles leugnen, sein Geheimnis bewahren, aber andererseits bot sich ihm hier vielleicht eine einmalige Gelegenheit. Gideon konnte eindeutig sehr verschwiegen sein und als Ältester wusste er um die Gefahren die damit einhergingen die Zeitlinie zu verändern und war sicherlich nicht darauf aus, dies noch weiter zu tun als es bereits geschehen war.

Der junge Wächter des Lichts musste jedoch auch nichts sagen, da Gideon bereits fort fuhr.

„Du könntest Phoebes Sohn sein, obwohl ich das bezweifle, da sie bis jetzt nie in irgendeiner Form Interesse an einem Wächter des Lichts gezeigt hat. Paige ist da als deine Mutter schon viel wahrscheinlicher, oder natürlich, du bist Pipers Sohn, Wyatts Bruder. Sag mir, wenn ich damit falsch liegen sollte."

Chris konnte Gideons Präsenz nun direkt vor seinem Gesicht spüren. Er wusste, dass dieser ihm fest in die Augen sah, und auch ohne es tatsächlich sehen zu können war es schwer dem Blick des Ältesten standzuhalten.

„Niemand darf davon erfahren, nicht die Hexen, nicht Leo und auch kein anderer Ältester. Sie müssen mir ihr Wort darauf geben."

„Du bist Wyatts kleiner Bruder, nicht wahr?"

„Ihr Wort." Gideon schien eine Sekunde zu zögern, dann umfasste er mit seiner Hand die von Chris.

„Meinetwegen. Ich gebe dir mein Wort, dass von mir niemand auch nur eine Silbe über deine Herkunft erfahren wird. Sag du es ihnen, wenn die Zeit dafür reif ist." Chris atmete erleichtert auf. Er hatte sich sichtlich entspannt, als er nun Gideons Frage beantwortete.

„Ja, sie lagen richtig. Wyatt ist tatsächlich mein Bruder. Ich nehme an, Leo hat ihnen von der Prophezeiung der Seherin erzählt." Gideon nickte leicht, besann sich dann jedoch auf die Situation und erwiderte ein leises „Ja".

„Ich habe also versucht mit einem Zauberspruch, der es mir ermöglichen sollte in die Zukunft zu sehen, heraus zu finden, ob sie die Wahrheit gesagt hat. Wie sie sehen können hat es jedoch nicht so funktioniert wie geplant." Chris gestikulierte mit einer Hand in die Richtung seiner Augen und fuhr sich dann schwerfällig übers Gesicht. Er war müde.

Gideon schien seinen Zustand richtig einzuschätzen, denn als er das nächste Mal sprach, klang seine Stimme überraschend sanft.

„Du siehst erschöpft aus, es wäre sicher besser wenn du dich für eine Weile ausruhen würdest. Komm, ich bringe dich zu einem unserer Gästezimmer." Er half Chris aufzustehen und führte ihn durch verschiedene Gänge der Zauberschule, wobei er in gedämpften Ton weiterredete.

„Ich verstehe, warum du deine Herkunft geheim halten willst, aber seit ich die Schwestern kenne, habe ich vor allem festgestellt, dass sie es nicht sehr schätzen zum Narren gehalten zu werden. Und wenn du nicht vorsichtig bist mit all den Lügen die du ihnen erzählst, wird es dir irgendwann selbst schwer fallen die Wahrheit unter ihnen zu erkennen."

Chris hörte ihm nur noch halb zu, so müde war er. Das Zimmer zu dem Gideon ihn brachte war sehr gemütlich eingerichtet und nachdem er sich auf das Bett hatte fallen lassen, dauerte es keine drei Minuten bis er auch schon eingeschlafen war.

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Piper sah zuerst hinüber zu Phoebe, dann zu Paige. Beide hatten den Kopf auf die Hände gestützt und schienen angestrengt zu überlegen, aber bisher hatte noch niemand einen vernünftigen Vorschlag hervorgebracht.

Die drei Schwestern saßen auf der Couch im Wohnzimmer, während Leo unruhig im Raum auf und ab ging. Piper versuchte so gut es ging ihn zu ignorieren, aber das erwies sich als schwerer als erwartet.

„Leo, könntest du bitte damit aufhören? Du machst mich noch wahnsinnig." Entweder hörte er sie jedoch nicht, oder er zog es einfach vor sie zu ignorieren, jedenfalls lief der Älteste ununterbrochen weiter. Eine plötzliche Bewegung von Pipers Händen ließ ihn jedoch in seiner Bewegung innehalten. Und zwar komplett.

„Also, Piper!"

„Was denn? Ich habe ihm gesagt, er soll aufhören. Er macht mich mit seinem Herumgelaufe ganz verrückt, so kann ich mich nicht konzentrieren. Und wir brauchen endlich eine Idee, wie wir Chris seine Sehkraft wiedergeben können."

„Was meint ihr, was er gesehen hat?" Paige wandte sich an ihre Schwestern, erntete jedoch nur verständnislose Blicke.

„Wer?", fragte Piper.

„Na Chris."

„Wann?" Nun war es Phoebe, die diese Frage gestellt hatte.

„Na, als er, wie soll ich sagen, bewusstlos war. Er hat doch gesagt, dass er sich an etwas, das ihm in der Zukunft passiert ist, erinnert hat. Er sah aus, als wäre er damals fast gestorben und da frag ich mich natürlich, was er gesehen hat."

„Vielleicht hatte es etwas mit Wyatt zutun und darum wollte er es uns nicht erzählen." Phoebe sah mit einem entschuldigenden Blick zu Piper hinüber.

Es war nicht leicht für eine Mutter zu hören, dass ihr Kind eines Tages böse werden würde. Allerdings schien sie sehr gefasst zu sein, auch als sie nun selbst eine weitere Möglichkeit aufzählte.

„Oder mit meinem jüngeren Sohn. Denkt ihr Chris war dabei als er gestorben ist? Wir wissen so wenig über die Zukunft, aber dieser dumme Junge erzählt uns ja nichts. Wie sollen wir ihm denn helfen oder vertrauen, wenn wir nicht wissen, was er erlebt hat. Es müssen furchtbare Dinge in seiner Zeit geschehen sein, aber es bringt doch nichts, wenn er alles in sich hineinfrisst."

An dieser Stelle musste Piper abbrechen, da die Tränen sie zu überwältigen drohten. Phoebe, die neben ihr saß, legte behutsam ihre Arme um ihre Schwester und drückte sie fest an sich.

„Ist ja gut, Piper. Wir werden nicht zulassen, dass einem deiner Söhne etwas geschieht. Und Chris werden wir auch helfen. Wir wissen doch jetzt, dass etwas Schlimmes geschehen wird, das heißt, wir können es verhindern. Genau wie bei meinen Visionen; wenn wir wissen was passieren wird, können wir die Zukunft verändern."

Piper schluchzte nun hemmungslos, aber Phoebes Wort gaben ihr wieder etwas Hoffnung. Vielleicht würde ja doch noch alles gut werden.

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Chris träumte.

Er lag auf einem notdürftig hergerichteten Bett und wachte langsam auf, wobei er sich immer noch etwas benommen fühlte. Er ließ seine Augen durchs Zimmer wandern und bemerkte ein kleines Feuer, das in einem halb verfallenen Kamin an der gegenüberliegenden Wand prasselte.

Der ganze Raum machte einen ziemlich herunter gekommenen Eindruck, im Holzfußboden waren Löcher und vom Putz an den Wänden war kaum noch etwas zu erkennen. Aber ansonsten war es überraschen sauber und ordentlich, keine Spinnenweben hingen von der Decke oder ähnliches.

Der junge Wächter des Lichts fühlte sich unglaublich schwach und als er sich mit der Hand über das Gesicht fuhr bemerkte er, dass seine Haut mit Schweiß überzogen war.

Eine plötzliche Bewegung an der Tür lenkte nun seine Aufmerksamkeit auf sich und er sah wie eine junge, dunkelhaarige Frau soeben den Raum betrat. Sie trug eine Schale mit Wasser und ein Tuch, und hatte offensichtlich noch nicht bemerkt, dass er wach war.

Chris war sich absolut sicher sie schon einmal gesehen zu haben, aber da er sich im Moment nicht erinnern konnte wo und wann, zog er es vor für eine Weile so zu tun als würde er immer noch schlafen.

Die junge Frau ging nun auf das Bett zu und setzte sich vorsichtig neben ihn wobei sie versuchte ihn nicht zu wecken.

Sie tauchte das Tuch ins Wasser und wischte damit sanft über Chris' Stirn, was diesen dazu brachte endlich seine Augen zu öffnen.

Sie war überrascht als ihr Patient sie plötzlich anstarrte und Chris nutzte ihre Sprachlosigkeit um als erster etwas zu sagen.

Ich… ich kenne dich. Du gehörst zu den Leuten meines Bruders, nicht wahr?"

Mein Name ist Bianca und wenn ich Wyatt gegenüber loyal wäre, wäre ich nicht hier, das weißt du. Es ist wahr, bis vor einigen Tagen gehörte ich zu seiner Gefolgschaft; bis ich mich entschieden habe dich nicht in diesem Kerker sterben zu lassen. Sollte er jemals herausfinden, dass ich es war die dich befreit hat, ist mein Leben keinen Cent mehr wert."

Warum hast du es dann getan?"

In bin kein Dämon, sondern eine Hexe. Ich bin nicht mit dem einverstanden was Wyatt alles getan hat, aber ich dachte mir, es ist sicherer ihm zu dienen, als mich ihm in den Weg zu stellen. Aber möglicherweise, wenn wir uns zusammen tun, haben wir eine Chance ihn aufzuhalten."

Chris musterte sie aufmerksam bis sein Blick schließlich an ihrem Handgelenk hängen blieb.

Du bist eine Phönix-Hexe." Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage. „Ihr seid Attentäter, nicht wahr?"

Hör zu, ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin, okay? Ich wünschte, ich könnte das meiste davon ungeschehen machen, aber das geht nicht." Sie atmete tief durch, bevor sie weiter sprach.

Als wir uns im Museum das erste Mal begegnet sind, wenn man es denn so nennen kann, da habe ich eine gewisse, nun ja, Verbundenheit zwischen uns gespürt. Sieh mir in die Augen und sag mir, dass du nichts gefühlt hast." Chris sah ihr einen Moment lang in die Augen, bevor er entschlossen antwortete.

Das kann ich nicht, denn ich habe es auch gespürt. Ich weiß nicht, ob wir, oder sonst jemand eine Chance hat meinen Bruder aufzuhalten, aber wir sollten es zumindest versuchen. Und beim nächsten Mal werde ich nicht wieder zögern."

Bianca lächelte und ergriff sanft seine Hand und hielt sie solange mit ihrer umschlossen, bis der Wächter des Lichts wieder eingeschlafen war.

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Als Chris erwachte, war es um ihn herum stockfinster. Er tastete mit der Hand nach einer Lampe, hielt dann jedoch plötzlich inne, als ihm der Grund für die Dunkelheit erneut bewusst wurde.

Niedergeschlagen ließ er sich wieder in die Kissen sinken, bis ihn eine Stimme neben ihm plötzlich so sehr erschreckte, dass er fast einen Herzinfarkt bekam.

„Guten Morgen, Schlafmütze."

„Mein Gott, Paige! Du hast mich zu Tode erschreckt."

„Endschuldige vielmals, wer kann denn ahnen, dass du so schreckhaft bist." Die Hexe lachte und erhob sich dabei von dem Stuhl, den sie neben das Bett gerückt hatte.

„Ich kann dich nicht sehen, schon vergessen? Glaub mir, du fändest das auch nicht witzig, wenn ich morgens plötzlich neben dir aus dem Nichts auftauche."

„Pft, na meinetwegen."

„Warum bist du überhaupt hier?" Chris fuhr sich abwesend durch die Haare und versuchte seine Frisur wieder einigermaßen ordentlich zu bekommen. Hätte sie ihm nicht fünf Minuten zum richtig wach werden geben können?

„Piper schickt mich. Ich soll fragen, ob hier alles in Ordnung ist und dann hat sie mir noch einige frische Klamotten für dich mitgegeben." Damit warf sie dem verdutzten jungen Mann einen Haufen Kleidung auf den Schoß.

„Sie meinte auch, ich soll die dreckige Wäsche gleich mitbringen."

Chris verstand die implizierte Aufforderung und kämpfte sich müde aus dem Bett. Er drehte sich einen Augenblick lang wartend in Paiges Richtung, aber sie schien nicht zu erkennen, was er von ihr wollte.

„Wärst du dann so nett und würdest draußen warten, oder dich wenigstens umdrehen?"

„Ja, ja, ist ja gut, ich dreh mich ja schon um." Stille.

„Du hast dich nicht bewegt, Paige. Ich kann das hören."

„Spielverderber! Also gut, ich warte draußen." Chris wartete noch einige Sekunden, bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, dann begann er sich langsam umzuziehen. Das war gar nicht so einfach, wenn man nicht sehen konnte, was man in der Hand hielt und wie rum, aber so langsam bekam er den Dreh raus.

Fünf Minuten später öffnete er die Tür des Zimmers und drückte seiner davor wartenden Tante seine alten Klamotten in die Hand.

„Sag Piper, dass es mir gut geht, aber ich hoffe, ihr macht allmählich Fortschritte. Ich will endlich wieder sehen können, wie soll ich sonst Wyatt beschützen?"

„Das ist schon klar, Chris, aber denk daran, es ist nicht unsere Schuld, dass du blind bist. Mit Magie ist eben nicht zu spaßen." Chris musste bei diesen Worten unbewusst lächeln. Wie oft hatte er das in seiner Kindheit gehört.

„Glaub mir, Paige, das weiß ich. In der Zukunft hatte ich ein paar gute Lehrer."

Die jüngste der Mächtigen Drei musterte nun aufmerksam den Wächter des Lichts vor ihr. Er hatte weiß Gott genug durchgemacht, er brauchte keine Belehrungen mehr über die möglichen Konsequenzen von Magie. Die konnte er gerade am eigenen Leib erfahren.

Sie legte ihm nun aufmunternd eine Hand auf die Schulter und gab sich Mühe möglichst optimistisch zu klingen.

„Ich und die anderen werden bald wieder vorbei kommen und ich bin sicher, dann haben wir gute Neuigkeiten. Wir werden einen Weg finden dir dein Augenlicht wiederzugeben. Und bis dahin", sie wuschelte seine wieder einigermaßen ordentlich liegenden Haare durch, um die Situation etwas aufzuheitern. „stell bloß keine Dummheiten an. Also dann, wir sehen uns." Sie lächelte traurig und fügte noch leise hinzu, bevor sie sich wegteleportierte: „Das hoffe ich."

Chris blieb noch einige Minuten im Korridor stehen, nachdem Paige verschwunden war. Noch immer hatte er das klingelnde Geräusch des Teleportierens in den Ohren und ihm war, als hätte er für eine Sekunde ein blaues Glitzern in der Dunkelheit gesehen.

tbc