A/N: Den Wächter des Lichts, der im ersten Teil des Kapitels auftaucht, habe ich vom Aussehen her nicht wirklich beschrieben, da seine Rolle für den Verlauf der Geschichte auch nicht weiter wichtig ist. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich dabei immer David Anders aus Alias, bzw. der 2. Staffel von Heroes vor Augen. Also, wem's hilft…
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Kapitel 20: Der Ältestenrat
Die ersten Ausläufer eines Wüstensturmes peitschten über die Dünen und trieben Milliarden von Sandkörnern über weite Strecken hinweg nahezu ungehindert über die Ebene. Auch die zerklüfteten Felsformationen, die vereinzelt aus dem Boden ragten, und unter denen sich ein weit gestrecktes Höhlensystem verbarg, waren davon nicht ausgenommen und so hätte ein sterblicher Beobachter sicherlich große Probleme damit gehabt, zu erklären, wie eine Stadt mitten in diesem Sandsturm liegen konnte, ohne dass in ihr auch nur der leiseste Wind wehte.
Besagter Beobachter hätte das Phänomen, dass der Sand in einem weiten Bereich ringsum die Stadt und überhalb davon auf eine Art unsichtbare Barriere zu treffen schien und schließlich vom Wind darüber hinweg getragen wurde, vermutlich mit einer gigantischen Glaskuppel begründet, aber die Person, die nun buchstäblich aus heiterem Himmel am Rande der Stadt erschien, war kein Sterblicher.
Es war ein Wächter des Lichts, der sich nun aus einem Wirbel leuchtender Funken materialisierte und, nach einem kurzen Moment in dem er sich gegen den tobenden Sturm stemmte, wie gebannt auf die weißen und goldenen Türme Zanbars starrte. Das musste es sein, die Quelle der erwachten Magie, die sie gespürt hatten. Er hatte sie also gefunden.
„Ich vermute mal, das war vor zwei Stunden noch nicht hier", flüsterte er leise zu sich selbst, während er sich langsam der Stadt näherte.
Soweit verlief seine Mission also ohne Probleme; er hatte sich einfach von seinem Gespür für Magie beim Beamen leiten lassen, und die unglaubliche Kraft, die von diesem Ort ausging hatte dafür gesorgt, dass er sein Ziel unmöglich hatte verfehlen können. Und sogar der Sandsturm, der seine Augen brennen ließ und ihm teilweise die Sicht nahm, entpuppte sich als äußerst nützlich, denn der abprallende Sand zeigte ihm die Grenzen des Kraftfeldes um die Stadt. Es war zu erwarten gewesen, dass etwas so mächtiges geschützt wurde und so vermied er von vorneherein die Gefahr, das Feld versehendlich zu berühren.
Der Wächter des Lichts näherte sich der Barriere mit einer Hand bis auf wenige Zentimeter, um zu spüren, wie stark sie war, fuhr allerdings erschrocken zurück, als er bereits auf halbem Weg einen Energieschlag erhielt.
Er war erst vor einigen Jahren gestorben und zu einem Wächter des Lichts geworden und hatte viele menschliche Verhaltensweisen noch nicht abgelegt, daher fluchte er ausgiebig, während er die verbrannte Stelle auf seiner Hand betrachtete. Er empfand Schmerz, etwas von dem er dachte, dass er dazu gar nicht mehr in der Lage sei, aber offenbar konnte diese Art von Magie auch ihn verletzen.
Mit einem letzten Blick auf die Stadt beschloss er daher zu den Ältesten zurückzukehren. Er hatte gefunden, wonach er gesucht hatte und konnte keine Möglichkeit erkennen, weiter als bis hierhin vorzudringen, also war sein Auftrag hiermit beendet. Aber als er gerade beamen wollte, spürte er plötzlich eine neue Energiequelle, so stark wie die Stadt selbst, aber konzentrierter, näher, die sein ganzes Wesen durchdrang und es ihm unmöglich machte, seine Kräfte einzusetzen.
„Ich glaube nicht, dass ich einem von euch gestattet habe hier zu sein." Die Stimme gehörte einer Frau, aber sie war nicht menschlich. Im Grunde war sie mit nichts vergleichbar, das er jemals gehört hatte. Er wollte sich umdrehen, sie ansehen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Er war wie versteinert und erst jetzt bemerkte er, dass der Sandsturm um ihn herum aufgehört hatte. Vermutlich hatte, wer auch immer sie war, ebenfalls ein Kraftfeld um sie beide herum errichtet.
„Das hier ist meine Stadt, die du ausspionieren wolltest. Denkst du im Ernst, ich würde dich einfach so gewähren lassen?" Sie schwieg für einige Sekunden und der Wächter des Lichts konnte förmlich spüren, wie sich ihr Blick in seinen Schädel bohrte. „Sieh mich an!"
Erst jetzt, da sie es ihm befahl, konnte er seine Beine wieder benutzen und sich umdrehen, um endlich zu sehen mit wem er es hier zu tun hatte. Die Dämonin Jinny war immer noch aufgebracht von ihrem fehlgeschlagenen Versuch, die Hexen, ihr Kind und ihren Wächter des Lichts zu töten, und obwohl dieser Wächter weder ihren Namen noch sonst etwas von ihr wusste, konnte er den Zorn und die Macht nur allzu deutlich spüren, die von der schwarz gekleideten Frau ausgingen.
Und er empfand Angst. Ebenfalls ein Gefühl, das er seit Jahren nicht mehr in dieser Form gekannt hatte und von dem er gehofft hatte, es nie wieder kennenlernen zu müssen.
„Sie haben dich geschickt, nicht wahr? Die ach-so-weisen Ältesten. Zu feige um selbst hier auf die Erde zu kommen und stattdessen schicken sie jemanden wie dich. Kanonenfutter. Mehr seid ihr doch nicht für sie. Ihr werdet losgeschickt, in eine Welt voller Gefahren, damit sie sich nicht selbst um irgendetwas kümmern müssen. Oh nein, sie sitzen lieber in ihrem Ältestenrat und debattieren, debattieren und debattieren." Sie hielt einen Moment inne und näherte sich dem Wächter des Lichts soweit, dass sie ohne Probleme eine Hand beinahe liebevoll auf seine Wange legen konnte.
„Ich könnte dich benutzen um ihnen eine Nachricht zu schicken. Etwas, dass sie so schnell nicht wieder vergessen werden." Da sein Körper immer noch durch ihre Magie paralysiert war, konnte er nicht einmal den Kopf zur Seite drehen, als plötzlich feine Energieblitze aus den Fingern der Dämonin schossen und schwarz versengte Stellen auf seiner Haut hinterließen. Sie lachte als er vor Schmerzen zusammenzuckte, bevor sie schließlich so nah an ihn herantrat, dass ihre Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt waren.
„Ich könnte dich so schlimm zurichten, dass deine eigene Mutter dich nicht wieder erkennen würde." Sie legte für eine Sekunde den Kopf schräg, als würde sie überlegen, bevor sie weiter sprach. „Falls sie noch lebt. Aber du weißt, was ich meine."
Jinnys Stimme war nicht mehr als ein Flüstern und ihre Hand, die immer noch auf seiner Wange ruhte, fuhr sanft über seine versengte Haut, während sich ihre Lippen den seinen wie in Zeitlupe näherten. Der Wächter des Lichts war immer noch gelähmt, er konnte nicht zurückweichen, und so blieb ihm gar nichts anderes übrig als zuzulassen, dass die Dämonin ihn schließlich küsste.
Ihre Lippen waren überraschend zart und weich, schienen aber gleichzeitig vor Energie zu prickeln, während sie den Kuss immer mehr vertiefte. Sie genoss diese Situation offenbar sehr; ob es tatsächlich an dem Kuss selbst lag, oder mehr an der Tatsache, dass sie ihn in diese Lage gezwungen hatte, wusste er nicht, aber sie seufzte leise als sie sich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich lächelnd von ihm löste.
„Ja, ich könnte dich foltern, und dann zu deinen Leuten zurückschicken. Ich bin sicher, diese Botschaft würden sie nicht wieder vergessen." Die Dämonin trat einen Schritt zurück und betrachtete ihn für einige Augenblicke eingehend, wobei ein gleichgültiger Ausdruck auf ihrem Gesicht erschien. „Nun, oder auch nicht." Mit diesen Worten schlug sie ihre Handflächen zusammen, fixierte ihn mit ihrem Blick und riss die Hände dann wieder auseinander, woraufhin sich der Wächter des Lichts in einen Nebel aus weißen Funken auflöste, die jedoch sofort wieder verloschen und dann endgültig verschwanden.
Jinny blickte noch einen Moment auf die nun verlassene Stelle, bevor sie durch das Kraftfeld trat, das Zanbar umgab und den Wüstensand alle Spuren dafür beseitigen ließ, dass jemals jemand hier gewesen war. Während sie die Stadt betrat leckte sie sich einmal unbewusst über die Lippen; sie schmeckten noch nach ihm…
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Das helle, freundliche Licht und das reine Weiß der Umgebung erschienen Piper nach all dem Chaos der letzten Stunden noch um ein Vielfaches irrealer als normalerweise und sie brauchte einen Moment um sich daran zu gewöhnen, nachdem sie, zusammen mit Gideon, in der Sphäre der Ältesten erschienen war. Aber schon nach einem Augenblick erkannte sie, dass der sonst so friedliche Ort im Moment, zumindest für die Verhältnisse der Ältesten, in heller Aufregung war.
Überall standen kleine Gruppen von Männern und Frauen in goldenen Gewändern, die sich angespannt unterhielten, ihre Gespräche aber nun nach und nach unterbrachen, als sie die beiden Neuankömmlinge bemerkten. Neugierige und verwunderte Blicke richteten sich von allen Seiten auf sie, aber bevor auch nur irgendjemand ein Wort mit ihnen sprechen konnte, trat Gideon einen Schritt vor und erhob seine Stimme, damit alle Anwesenden ihn verstehen konnten.
„Ich habe dringende Neuigkeiten über beunruhigende Ereignisse auf der Erde zu verkünden und ersuche deshalb hiermit um eine unverzügliche Versammlung aller Ältesten. Ich fürchte diese Sache duldet keinerlei Aufschub." Ein jung aussehender Ältester, Roland, wenn sich Piper richtig an seinen Namen erinnerte, löste sich daraufhin von der Gruppe, bei der er gestanden hatte und kam mit einem äußerst besorgten Gesichtsausdruck auf den Leiter der Zauberschule zu.
Bevor er jedoch etwas sagte, sah er kurz zu Piper hinüber und diese rechnete bereits mit einem nicht gerade dezenten Hinweis darauf, dass ihre Anwesenheit hier oben nicht gestattet war, aber zu ihrer großen Verwunderung nickte er ihr lediglich höflich zu und wandte sich dann wieder an Gideon. Die Ältesten mussten den Ernst der Lage offenbar bereits erkannt haben, wenn sie sich schon nicht mehr um ihre geheiligten Protokolle kümmerten.
„Betreffen deine Informationen die magische Erschütterung, die sich vor kurzem auf der Erde ereignet hat?"
„Es war bis hier oben wahrzunehmen?" Gideons Stimme verriet deutlich seine Bestürzung darüber, dass die Auferstehung Zanbars sogar bei den Ältesten zu spüren gewesen war. Denn dies bestätigte nur seine Vermutung über die unglaubliche Macht der Stadt, die sich nun in den Händen einer Dämonin befand und womöglich den Untergang für sie alle bedeuten würde.
„Ja. Wir alle fühlten das Erwachen einer starken uralten Magie aber wir konnten von hier aus nicht feststellen, was vorgefallen war. Leo bestand jedoch darauf der Sache auf den Grund zu gehen und so schickten wir, wenn auch mit einigem Unbehagen, einen Wächter des Lichts zur Erde; seitdem haben wir allerdings nichts mehr von ihm gehört." Piper konnte dem Ältesten nur allzu deutlich seine Besorgnis über das Schicksal ihres Kundschafters ansehen, aber so gern sie es auch getan hätte, so wie die Situation momentan aussah konnte sie ihm nicht allzu viel Hoffnung machen.
„Ich fürchte, ihr hättet ihn besser nicht losschicken sollen. Wenn er Zanbar tatsächlich gefunden hat, ist er vermutlich schon tot."
„Zanbar?" Roland wiederholte das Wort langsam und ehrfürchtig, während er schockiert von der Hexe zum Leiter der Zauberschule und wieder zurück sah. „Was wir gespürt haben, war die Wiederauferstehung Zanbars?" Er wartete, bis Gideon zur Bestätigung nickte, bevor er versprach die Ältesten augenblicklich zu versammeln, sich umdrehte und wieder zwischen den goldgewandeten Gestalten verschwand.
Es dauerte nicht lange, bis die Ältesten begannen, sich zu ihrem Versammlungsort zu begeben, und während Piper nach ihrem Ex-Mann Ausschau hielt, legte Gideon plötzlich eine Hand auf die Schulter der Hexe und führte sie ein Stück zur Seite um ungestört mit ihr reden zu können. Bevor er jedoch mit gedämpfter Stimme zu sprechen begann, seufzte er schwer und sah Piper fest in die Augen.
„Ich weiß, dass ich dir den Ernst der Lage nicht erklären muss, aber ich möchte, dass du bedenkst, dass die Zerstörung Zanbars für den Ältestenrat oberste Priorität haben wird." Die Hexe erwiderte seinen Blick leicht irritiert.
„Was genau wollen Sie damit sagen?"
„Ich will sagen, dass wir mit Sicherheit alles versuchen werden, um deine Schwester zu retten, schließlich kann die Macht der Drei ohne sie nicht existieren, aber wenn wir bei unseren Bemühungen Jinny aufzuhalten an einen Punkt gelangen, an dem eine Entscheidung zwischen Phoebes Rettung und der Vernichtung Zanbars getroffen werden muss, wird diese lauten, dass die Zerstörung der Stadt unter allen Umständen Vorrang hat." Piper sah den Ältesten enttäuscht an, wobei sie ein paar Schritte von ihm zurückwich und dabei wissend nickte.
„Ich verstehe. Ich soll mich also schon mal darauf vorbereiten noch eine Schwester zu verlieren." Leicht genervt und verärgert über Pipers scheinbar völlig falsche Einschätzung der Situation überbrückte der Älteste die kurze Entfernung zwischen ihnen und packte die Hexe am Arm, möglicherweise etwas heftiger als eigentlich beabsichtigt.
„Nein! Ich will nur, dass du erkennst, wie unabdingbar es ist Zanbar zu zerstören. Oder zumindest wieder zu versenken. Du machst dir offenbar keine Vorstellung von der Macht, die von dieser Stadt ausgeht. Sie in den Händen einer Dämonin zu belassen würde das Ende der Welt, so wie du sie kennst, bedeuten. Das ist einfach keine Option und egal was der Ältestenrat auch beschließt, welches Opfer es auch erfordert, es ist es wert. So eine Macht darf auf der Erde nicht existieren und schon gar nicht in den Händen des Bösen." Piper erwiderte Gideons eindringlichen Blick wie erstarrt, aber bevor der Älteste noch etwas sagen konnte, wurde er von Leo unterbrochen, der soeben aus der Gruppe verhüllter Gestalten getreten war, deren letzte Nachzügler nun in Richtung Versammlungshalle verschwanden.
„Gideon!" Der Angesprochene zuckte leicht erschrocken zusammen, ließ Pipers Arm los und entfernte sich wieder ein Stück von der Hexe, wobei er sie entschuldigend ansah.
„Verzeih mir, ich hätte nicht so mit dir sprechen sollen. Ich scheine heute immer ein wenig… wie sagt man…, über das Ziel hinaus zu schießen." Er sah kurz von Piper zu Leo und dann in die Richtung, in die die anderen Ältesten soeben verschwunden waren. „Ich werde schon zu den anderen hinübergehen, aber beeilt euch bitte, Zeit ist im Moment äußerst kostbar." Er nickte den beiden kurz zu, bevor auch er sich in die Versammlungshalle begab.
Leo sah ihm einen Augenblick lang nachdenklich hinterher, bevor er sich wieder an seine Ex-Frau wandte.
„Was war los, hattet ihr eine Auseinandersetzung? Ich glaube ich habe Gideon noch niemals so aufgebracht erlebt." Piper schüttelte den Kopf und machte eine wegwerfende Handbewegung, bevor sie antwortete.
„Nein, nicht wirklich. Er hatte wohl nur den Eindruck, dass ich die Bedrohung durch Zanbar nicht ernst genug nehmen würde und versuchte es mir… zu verdeutlichen." Leos Gesichtausdruck verfinsterte sich auf diese Worte hin.
„Also ist es wahr. Ich habe die anderen Ältesten beim Vorbeigehen darüber reden hören und gedacht, gehofft ich hätte sie falsch verstanden. Eine Dämonin hat sie also auferstehen lassen und hat nun die Kontrolle über die Stadt?"
„Ja." Bei dieser Antwort fuhr sich Leo schwer seufzend mit einer Hand über das Gesicht, während seine Miene, wenn überhaupt möglich, noch deprimierter wurde.
„Und ich habe darauf bestanden die Erschütterung, die wir spürten, zu untersuchen. Eigentlich wollte ich selbst gehen, aber die anderen Ältesten waren dafür einen Wächter des Lichts zu schicken. Sie sagten, es sei zu gefährlich, und nun ist er vermutlich tot." Piper ergriff sanft Leos Hände und drückte sie leicht, um ihm Trost zu spenden.
„Das konntest du nicht wissen, das ist nicht deine Schuld."
„Es war ein guter Freund von mir, den wir geschickt haben. Ich bin ein Ältester, ich habe größere Kräfte als er, ich hätte vermutlich entkommen können."
„Oder du wärst jetzt an seiner Stelle tot. Ich brauche dich, deine… Familie braucht dich. Du darfst nicht so einfach sterben, hörst du?" Leo betrachtete Piper für einen langen Augeblick eingehend und spürte dabei, wie stark seine Liebe für sie trotz ihrer Trennung immer geblieben war und als er die Hexe nun in seine Arme zog, zeigte sich auf seinem Gesicht zum ersten Mal seit er von der neuen Bedrohung erfahren hatte wieder so etwas wie ein Lächeln.
„Du hast Recht. Ich würde dich nie im Stich lassen wollen und ich will auch nicht, dass Wyatt ohne seinen Vater aufwachsen muss."
„Oder Chris." Piper hatte ihren Kopf gegen Leos Brust gelehnt und so hatte der Älteste ihre geflüsterten Worte nicht genau verstanden und sah nun fragend zu ihr hinunter.
„Was?" Die Hexe zögerte kurz. Wie gern würde sie Leo die Wahrheit sagen. Ihm erzählen, dass der junge Wächter des Lichts, der all die Monate direkt vor ihrer Nase gewesen war, und der so viel Misstrauen von ihnen hatte ertragen müssen, tatsächlich ihr beider Sohn war. Aber sie hatte es Chris versprochen und vermutlich war gerade jetzt auch nicht unbedingt der geeignetste Augenblick um Leo von ihrem neusten Familienzuwachs zu erzählen.
Also schüttelte sie leicht den Kopf und löste sich langsam wieder aus Leos Umarmung.
„Nichts. Aber wir sollten jetzt zu den anderen Ältesten gehen. Sie erwarten uns." Leo ließ seinen Blick noch einen scheinbar endlosen Moment lang auf Piper ruhen, schien jedes Detail ihres Anblicks in sich aufzusaugen, bevor er schließlich nickte, ihre Hand ergriff und sie gemeinsam in die Versammlungshalle zum bereits wartenden Ältestenrat gingen.
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„Ihr hättet dieser Dämonin niemals die Freiheit wieder geben dürfen. Dadurch habt ihr uns alle in Gefahr gebracht." Einer der Ältesten hatte sich von seinem Platz erhoben und hielt Piper mit einem wütenden Blick fixiert, während von einigen seiner Kollegen zustimmendes Gemurmel zu hören war. Genervt verdrehte die Hexe die Augen, bevor sie auf seine Anschuldigungen reagierte.
„Wie ich bereits sagte, wir wussten weder, dass Jinny eine Gefahr ist, noch, dass Phoebe ihren Platz einnehmen würde, wenn sie sie frei wünscht. Bosk hätte die Flasche beinahe in seinen Besitz gebracht und meine Schwester hat einfach getan, was sie in der Situation für richtig hielt." Nun meldete sich ein anderer Ältester aus der letzten Reihe zu Wort, aber sein Standpunkt fand noch weniger Pipers Zustimmung.
„Dann hat euer Wächter des Lichts euch nicht ausreichend informiert. Wenn ein Dämon in eine Flasche gebannt wird, ist darauf in der Regel ein Hinweis zu finden; er wird ihn fahrlässig übersehen haben." Hätte der Älteste Bescheid gewusst über die wahre Identität des jungen Mannes, hätte er es sich sicherlich zweimal überlegt vor seiner Mutter so über ihn zu sprechen.
„Chris hat nichts getan um diese Situation zu verursachen, also geben Sie nicht einfach ihm die Schuld. Wenn, dann geben Sie sie mir, wenn Sie unbedingt einen Sündenbock brauchen. Schließlich habe ich gewusst, dass man sich absolut nichts von einem Dschinn wünschen darf, aber ich hab es nicht geschafft Phoebe davon abzuhalten. Es… es war ein Versehen, ich… Phoebe dachte, sie täte das Richtige und jedem kann doch mal ein Fehler unterlaufen, oder etwa nicht? Ich weiß, dass sie es bereut hat, sehr sogar."
Die Hexe unterbrach sich schließlich selbst, als sie bemerkte, wie sehr sie sich in Rage geredet hatte. Ihr Blick fiel dabei auf Leo, der in der ersten Reihe saß und sie verwundert aber auch verständnisvoll ansah. Piper wusste, dass er keine Ahnung hatte, wovon sie in Wirklichkeit sprach und sich fragen musste, warum sie Chris so vehement verteidigte und einmal mehr wünschte sie sich nichts sehnlicher, als ihm endlich die ganze Wahrheit zu sagen. Aber sie hatte es ihrem Sohn versprochen und zumindest fürs erste würde sie sich auch daran halten. Außerdem hatten sie ja auch ganz andere Probleme, wie ihr Gideon wieder ins Gedächtnis rief, der in diesem Moment aufstand und das Wort ergriff.
„Wir sollten unsere Zeit nicht mit Schuldzuweisungen verschwenden, sondern lieber damit beginnen Maßnahmen zu ergreifen, um Zanbar ein für alle Mal zu zerstören. Zwar wäre es sicher auch eine Option die Stadt wieder nur zu versenken, aber wie wir momentan erkennen müssen, ist das Problem damit nicht beseitigt. Daher sollten wir versuchen dieses Mal eine endgültige Lösung zu finden." Die übrigen Ältesten nickten zustimmend, aber bevor auch nur einer von ihnen einen Vorschlag machen konnte, wandte sich Piper neugierig an Gideon.
„Das ist etwas, das mir noch nicht ganz klar ist. Wie genau habt ihr Zanbar denn in der Wüste versinken lassen? Und warum hat bis heute niemand versucht es wieder auferstehen zu lassen?"
„Lass es mich dir zeigen." Überrascht drehte Piper sich um, als sich plötzlich ein weiterer Ältester von seinem Platz erhob und langsam zu ihr hinunter kam. Mit seinem kurzen Haar, dem weißen Bart und seinen Gewändern wirkte der alte Mann wie die Ältesten-Version von Obi-wan Kenobi, und auch wenn Piper diesen obersten Vertretern des Guten zumeist misstraute, war ihr dieser eine augenblicklich sympathisch.
„Mein Name ist Gabriel. Wenn du willst, kann ich dir zeigen, was damals geschah, obwohl ich nicht sicher bin, ob wir es überhaupt noch einmal wiederholen können." Piper betrachtete ihr Gegenüber eher skeptisch, aber nach einem kurzen Blick auf Leo, bei dem dieser ihr ermutigend zunickte, stimmte sie schließlich zu.
„In Ordnung. Was muss ich tun?" Der Älteste lächelte, stellte sich direkt vor Piper und legte dabei sanft seine Handflächen an ihre Schläfen.
„Nicht viel. Schließ einfach deine Augen." Die Hexe folgte seiner Anweisung, aber schon im nächsten Moment riss sie die Augen wieder auf, da sie bereits durch ihre Lider hatte erkennen können, dass sich ihre Umgebung völlig verändert hatte. Es war immer noch äußerst hell um sie herum, aber diesmal stammte die Helligkeit von der Sonne, die erbarmungslos aus einem wolkenlosen Himmel auf sie nieder brannte. Zu Pipers Überraschung befanden sie sich mitten in der Wüste, aber abgesehen von Gabriel, der neben ihr stand, konnte sie nirgendwo ein Zeichen von Leben entdecken. Und nirgends war auch nur die Spur einer Stadt zu sehen, so dass sie schon daran zweifelte, ob sie hier wirklich richtig waren.
„Der Nexus, der die Quelle von Zanbars Macht darstellt, existiert bereits seit uralter Zeit, im Grunde seit es die Menschen und somit die Magie gibt. Aber er lag viele Jahrtausende lang verborgen unter dem lebensfeindlichen Sand der Wüste, so dass niemand der seine Nähe hätte spüren können hierher kam. Bis heute." Überrascht folgte Piper Gabriels Blick, bis auch ihr die Gestalt auffiel, die nun in einiger Entfernung hinter einer Düne zum Vorschein kam.
Es war ein in schwarze, orientalische Gewänder gehüllter Mann, den Piper auf den ersten Blick beinahe für einen Menschen gehalten hätte. Aber nach all den Jahren war ihr Blick geschärft für das Übernatürliche und in diesem Fall schien einfach alles an ihm ‚Dämon' zu schreien. Zum Teil lag es wohl daran, dass ihm die Hitze offenbar nichts auszumachen schien, denn trotz seiner dunklen Kleidung und der schwierigen Bodenverhältnisse bewegte sich der Mann schnell und zielstrebig vorwärts.
„Er ist ein Dämon und wie die meisten von ihnen strebt er vor allem nach einem: Macht. Aber im Gegensatz zum Großteil seiner Artgenossen, wird dieser hier erfolgreich sein." Piper hörte Gabriels Worten aufmerksam zu, während sie den Dämon, der nun ein Stück unterhalb der Düne, auf der sie standen, angekommen war, interessiert beobachtete. Jetzt breitete er gerade seine Arme vor sich aus und begann, die Handflächen nach unten, einen Text auf einer fremden Sprache zu rezitieren.
„Sie meinen also, er findet den Nexus und kann seine Energie nutzen?" Der Älteste blickte weiterhin stur auf den Dämon, während er antwortete.
„Sieh selbst!" Und tatsächlich begann in diesem Augenblick der Sand, über dem der Dämon sein Ritual abgehalten hatte, auseinander zu fließen. Immer mehr wich zur Seite, bildete eine Art Wall, bis schließlich aus dem entstandenen Loch in der Mitte mit einer Gewalt, die den Erdboden erzittern ließ, Blitze reinster Energie schossen. Piper blieb jedoch nicht lange, das Spektakel zu verfolgen, da sich die Landschaft um sie herum im nächsten Augenblick grundlegend änderte.
Statt auf Sand standen ihre Füße plötzlich auf feinstem Marmor und um sie herum waren weiß-goldene Türme in den Himmel gewachsen. Zanbar erstreckte sich in all seiner Herrlichkeit vor ihnen, aber obwohl es wirklich wunderschön anzusehen war fühlte sich Piper nahezu erschlagen von der erdrückende Präsenz des Bösen.
„Er hat die Macht des Nexus' absorbiert und diese Stadt darüber errichten lassen. Sie entspricht dem hiesigen Stil, aber ich bin sicher, dass du dich von ihrem hübschen Äußeren nicht täuschen lässt. Dies ist ein Ort des Bösen und der Dämon den wir gerade gesehen haben, ist zu seiner Quelle geworden." Gabriel hielt kurz inne und ließ die Eindrücke der Stadt auf sich wirken, bevor er nach kurzer Zeit fort fuhr.
„Das Gute in dieser Welt hat einen heftigen Schlag erlitten und ist weit zurückgedrängt worden. Vielerorts herrschten Kriege, Hungersnöte, Seuchen und obwohl die Magie noch immer ein Teil der alltäglichen Welt war, gelang es uns kaum etwas dagegen zu unternehmen. Und es sollten Jahrhunderte vergehen, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt wurde." Bevor Piper jedoch fragen konnte, wie dies geschah, änderte sich ihre Umgebung erneut.
Dieses Mal brauchte sie einen Moment um wieder etwas erkennen zu können, da sie sich nun in einer Höhle befanden und die Lichtverhältnisse alles andere als ideal waren. Aber schließlich konnte sie ein paar Meter vor sich einen Mann und eine Frau in schlichter schwarzer Kleidung erkennen, die offenbar auf etwas warteten.
„Sind das Dämonen?" Piper sah verwundert von den zwei Gestalten zu dem Ältesten neben ihr, aber dieser schüttelte nur leicht den Kopf.
„Nein, sie sind Avatare." Und auf Pipers fragenden Blick hin, fügte er noch hinzu, „Sie sind eine neutrale Macht, die sich normalerweise nicht in den Kampf zwischen Gut und Böse einmischt. Zwar wollen sie genau wie wir, dass Frieden auf dieser Welt herrscht, aber ihre Methoden und Vorstellungen sind einfach nicht mit unseren vereinbar. Es blieb uns damals jedoch nichts anderes übrig, als ein kurzzeitiges Bündnis mit ihnen zu schließen."
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da materialisierte sich ein Stück entfernt von ihnen ein, in den üblichen weißen Gewänder gekleideter, Ältester. Sein Gesicht war durch eine Kapuze bedeckt, die er allerdings nun zurückwarf, woraufhin Piper für einen Augenblick der Atem stockte.
„Das... das sind ja Sie!" Gabriel nickte, während er sein früheres Ich beobachtete, das nun zu den beiden Avataren hinüber ging.
„Ja, der Ältestenrat betraute damals mich damit, den Kontakt zu unseren zeitweiligen Verbündeten herzustellen. Denn so sehr ich auch bedaure das sagen zu müssen, aber das Gute war nicht annähernd stark genug es allein mit der Quelle aufzunehmen."
„Ich bin froh, dass ihr unserer Einladung gefolgt seid und bereit seid den Vorschlag anzuhören, den ich euch zu unterbreiten habe." Der Älteste trat vor und begrüßte die beiden Avatare per Handschlag, was diese offenbar mit einiger Verwunderung zur Kenntnis nahmen, bevor die schwarz gekleidete Frau ihm antwortete.
„Wie ihr bereits bei unserer letzten Begegnung so zutreffend festgestellt habt, ist die Balance zwischen den Kräften des Guten und des Bösen auf der Erde völlig verschoben worden. Wenn ihr nun allerdings unsere Hilfe wollt, um die Waagschale zu euren Gunsten zu kippen, werden wir euch enttäuschen müssen, denn wir sehen keinen Sinn darin, die Dominanz der einen Seite zu beseitigen nur um damit die andere zu fördern. Bei diesem Vorhaben könnt ihr nicht mit unserer Unterstützung rechnen." Die Avatarin betrachtete den Ältesten mit einem Blick, der deutlich machte, dass für sie zu diesem Thema alles gesagt war, aber er deutete lediglich eine leichte Verbeugung an, bevor er ihr in einem beschwichtigenden Tonfall antwortete.
„Niemand erwartet von euch gegen eure Überzeugungen zu verstoßen. Es geht hier auch nicht um eine Verschiebung der Macht, sondern lediglich um einen Chancenausgleich. Außerdem war der Nexus im Zentrum Zanbars für so lange Zeit ein Werkzeug des Bösen, dass wir ihn, selbst wenn wir wollten, niemals für unsere Zwecke einsetzen könnten. Was wir wollen, ist ihn zerstören. Oder, wenn das nicht gelingt, zumindest Zanbar für immer vom Angesicht dieser Erde verschwinden lassen." Jetzt ergriff der männliche Avatar zum ersten Mal das Wort.
„Ich bin nicht sicher, ob selbst unsere vereinten Kräfte dieser Aufgabe gewachsen wären. Sie wissen genau wie wir, wie unglaublich mächtig die Quelle ist, sie wird jeden unserer Angriffe vereiteln, bevor wir überhaupt ernsthaften Schaden anrichten können." Gabriel nickte zustimmend. Es schien, als hätte er bereits auf dieses Argument gewartet.
„Der Ältestenrat kam zu derselben Schlussfolgerung, was auch der Grund dafür ist, dass wir noch eine weitere Partei zu diesem Treffen gebeten haben." Er blickte in eine Ecke der Höhle, in der in diesem Moment ein Dämon zum Vorschein kam, der sich offenbar bisher getarnt hatte. Seine aus Fellen und Leder zusammen geschneiderte Kleidung und sein allgemein etwas ungepflegtes Äußeres standen in einem auffallenden Gegensatz zu dem beinahe leuchtenden Ältesten und den eher streng wirkenden Avataren. Diese waren über sein Auftauchen offenbar ziemlich schockiert, denn die Frau wandte sich aufgebracht an Gabriel.
„Was soll das? Wir haben nicht zugestimmt uns hier mit einem Dämon zu treffen und schon gar nicht mit ihm." Besagter Dämon grinste hinterhältig, während er sich den dreien näherte.
„Es ist auch immer wieder eine Freude jemanden aus eurer kleinen Gruppe zu treffen, Beta. Wer hätte gedacht, dass wir uns, nach unserem letzten, etwas unschönen Zusammentreffen jetzt als Verbündete wieder sehen würden?" Er hatte wohl noch mehr sagen wollen, wurde aber von Gabriel unsanft unterbrochen.
„Das reicht, Zankou! Wir sind nicht hier um Freundschaften zu schließen, sondern um eine Bedrohung ein für alle Mal auszuschalten, die uns alle betrifft." An diesem Punkt unterbrach ihn die Avatarin in einem eher spöttischen Tonfall.
„Und wieso ist dann ein Dämon hier? Er steht doch schließlich auf derselben Seite wie die Quelle, nicht wahr?"
„Sagen wir mal, wir waren noch nie Freunde und ich bin heute nur noch am Leben, weil ich mich ihm unterworfen habe. Aber damit ist jetzt Schluss! Bald werden wir wieder ebenbürtig sein, und dann werden wir ja sehen, wer die Unterwelt in Zukunft anführt." Bevor Beta jedoch etwas erwidern konnte, ergriff Gabriel wieder das Wort. Dass er als eine Art Schlichter zwischen den beiden anderen Parteien fungieren musste, hatte er vermutlich nicht erwartet.
„Zu was für Machtkämpfen um die Unterwelt es nach der Zerstörung Zanbars auch kommen mag ist für uns ohne Belang, daher sollten wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Und dazu gehört auch, wie wir, für den Fall, dass es uns nicht gelingt den Nexus zu zerstören, das Böse davon abhalten erneut von ihm Besitz zu ergreifen." Er sah auffordernd in die Runde, bis schließlich Zankou der erste war, der einen Vorschlag machte.
„Bannzauber." Es folgte ein ungläubiges Lachen von der Avatarin, woraufhin der Dämon an sie gewandt fort fuhr. „Ich gebe zu, diese Macht zu besitzen hätte durchaus seinen Reiz; aber allein habe ich nicht einmal den Hauch einer Chance gegen die Quelle, das weiß ich, daher werde ich mich an die Bedingungen halten, die wir hier festlegen. Und meiner Meinung nach sind Bannzauber, die mit unserer vereinten Macht ausgestattet werden, die einfachste und beste Methode jegliche Vertreter des Bösen, inklusive mir selbst, für immer von diesem Nexus fernzuhalten." Bevor seine Partnerin wieder etwas sagen konnte, was möglicherweise zu einem handfesten Streit geführt hätte, ergriff der Avatar erneut das Wort.
„Wir sollten darüber hinaus die Gelegenheit ergreifen und das Wissen über Zanbar und die Magie aus der Geschichte der Menschen löschen. Wann immer es Streit zwischen unseren Parteien gibt, wird dieser auf dem Rücken der Menschheit ausgetragen; wir sollten dem ein für alle Mal ein Ende setzen."
„Ihr meint, wir sollen uns verstecken?" Der Dämon war offensichtlich alles andere als begeistert über diese Aussicht. Beinahe Hilfe suchend wandte er sich daher an den Ältesten.
„Das könnt ihr doch nicht wollen, oder?" Gabriel wirkte nachdenklich, schien die Alternativen sorgsam abzuwägen.
„Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, dass die Menschen ihren eigenen Weg gehen. Wenn wir alle, und damit meine ich jedes magische Wesen, verschwinden und nicht mehr länger ein Teil ihrer Welt sind, wird es vermutlich nur wenige Generationen dauern, bis Zauberei und Magie zu Mythen und Legenden geworden sind. Außerdem befürchte ich, dass ihnen durch unsere andauernden Kämpfe im Laufe der Zeit weit mehr Schaden als Nutzen entstanden ist."
Er fuhr sich abwesend über den Bart, bevor er erneut, und diesmal in einem abschließenden Tonfall, zu sprechen begann.
„Ich werde mit dem Ältestenrat darüber sprechen müssen, aber ich denke, dass dies tatsächlich der richtige Weg ist. Wir sollten uns morgen um dieselbe Zeit hier wieder treffen. Und denkt darüber nach Zankou!" Dabei reichte er dem Dämon die Hand, die dieser nach kurzem Zögern schließlich ergriff.
„Das werde ich. Vielleicht tut ein wenig Zurückhaltung uns Dämonen fürs erste ja auch ganz gut. Und nur weil wir dann nicht mehr öffentlich Magie verwenden, heißt das ja nicht, dass wir uns für immer aus der Welt der Menschen zurückziehen müssen." Er grinste noch einmal, bevor er sich mit einem Nicken verabschiedete und so schnell verschwand wie er gekommen war.
„Denkt ihr wirklich, ihr könnt ihm vertrauen? Er ist ein Dämon." Die Avatarin hatte die Hände hinter dem Rücken zusammengelegt und blickte den Ältesten skeptisch an.
„Nein, natürlich nicht. Aber wir werden unsere Abmachung zur Verbergung der Magie ja auch nicht auf freiwilliger Basis treffen. Sobald er einwilligt, und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen sind, gibt es kein zurück mehr. Für keinen von uns."
tbc
