Teil 4

„Und deswegen werden wir dieses Jahr ein wenig Rücksicht nehmen müssen. Dumbledore hat ausdrücklich gesagt, dass, wenn wir eine Band bestellen, diese auch um zwölf Uhr leiser spielen muss." Sie wusste nicht, wie sie die Geduld aufbringen konnte, vernünftig über dieses Thema zu sprechen. Die Leute, die hier anwesend waren, sollten sich lieber Gedanken darüber machen, ihre Prüfungen zu bestehen, als eine Band zu bestellen, die auch bis vier Uhr morgens durchspielen konnte.

„Aber das ist doch scheiße!", beschwerte sich der Vertrauensschüler aus Slytherin, dem sie nichts Gutes abgewinnen konnte.

„Nein, Mr Kingston?", erkundigte sie sich spöttisch. „Wie wäre es, wenn Sie sich dann mit Dumbledore anlegen würden?" Sie hatte begonnen, alle Vertreter aus Slytherin zu siezen. Das machte es einfacher und keiner beschwerte sich, hier nicht höflich genug behandelt zu werden. Caldon Kingston war ein so arroganter Mistkerl, dass es sie wunderte, dass er nicht gleich Schulsprecher geworden war.

Snape hatte einen Narren an ihm gefressen. Das einzig Positive, was über ihn zu sagen war, war die Tatsache, dass er keinerlei Interesse an Quidditch hatte. Und wenn das schon das einzig Positive war, dann gab es nicht viel Gutes über ihn zu sagen.

„Vielleicht sollte ich das. Vielleicht sind Sie einfach nicht in der Lage, Hermine." Er wollte sie provozieren. Er war ein Jahr jünger und dachte wirklich, er wäre in der Lage, sich ihr zu widersetzen. Er war auch der einzige Anwesende aus Slytherin, der sie mit Vornamen ansprach.

„Wenn Sie es wünschen. Bitte", forderte sie ihn lächelnd auf.

„In Ordnung. Wenn ich Dumbledore überzeugen kann, dass die Band länger als zwölf Uhr spielen kann, dann bekomme ich den ersten Tanz mit Ihnen", erwiderte er knapp und sehr überzeugt. Sie musste grinsen. Das kam noch hinzu. Er flirtete mit ihr.

„Behalt deine Hosen an, Kingston", sagte Ron unbeeindruckt. Er warf einen Blick auf die Uhr.

„Hermine?", beschwerte er sich schließlich, ohne seinen Unmut weiter auszuführen. Ron mochte Kingston auch nicht. Aber auch gerade deshalb nicht, weil er sich nicht für Quidditch interessierte. Und natürlich, weil er in Slytherin war.

„Ja, Ron. Wir sind gleich fertig", erklärte sie. „Und vielen Dank für dieses Angebot, aber ich ziehe es doch vor, nicht mit einem minderjährigen Slytherin zu tanzen", wandte sie sich lächelnd an Caldon.

„Im Gegensatz zu einem Volljährigen, nehme ich an?", warf dieser ein und schien zu überlegen. „Also… bliebe zum Zeitpunkt des Balls nur noch Malfoy. Ich glaube allerdings nicht, dass er mit Ihnen tanzen möchte. Mit mir hätten Sie eine wirklich gute Partie auf Ihrer Seite." Er lächelte charmant.

„Merlin, nun hör schon auf, Cal", unterbrach Pansy das Gespräch. Sie wirkte leichenblass und nicht in der Lage, überhaupt zu stehen.

„Ja, Pansy?" Bei Pansy Parkinson machte Hermine allerdings die eine Ausnahme. Denn schließlich hatte sie Pansy jetzt in der höchst peinlichsten Situation gesehen. Und der Anblick einer nackten Pansy wollte nicht aus ihrem Kopf verschwinden. Und Pansy hatte immerhin den Anstand, rot zu werden. Auch wenn es unter der Blässe nur schwer zu erkennen war.

„Mach einfach weiter", knurrte Pansy mit gesenktem Blick.

„Also, wenn ich Dumbledore überzeuge, bis zwei Uhr morgens Musik zu behalten, dann bekomme ich einen Tanz?"

„Junge, was ist dein Problem? Kannst du nicht ein Mädchen in deinem Alter belästigen?", fragte Ron launisch und hatte sich erhoben. Er war größer als Caldon Kingston.

„Willst du mir drohen?", fragte Caldon belustig und Hermine verdrehte die Augen. Sie legte müde den Kopf in den Nacken und hoffte, dass sie das Thema schnell abschließen konnten.

„Ron, Mr Kingston. Bitte. Können wir das lassen? Ich möchte nämlich noch gerne-"

Sie unterbrach sich, denn sie musste mit ihrer Hand einen Tropfen aus dem Auge wischen. Verwirrt blickte sie nach oben an die Decke. Waren hier die Zauberkunsträume über ihnen und es regnete schon wieder, weil Flitwick seine Zauber immer übertreiben musste? Aber nein. Es war kein Unterricht mehr. Und es war auch nicht der Südflügel. Die Zauberkunsträume lagen nicht im Westflügel.

„Was zum?-" Auch Ron wischte sich über das Gesicht. „Woher kommt das Wasser?", fragte er verwirrt. Hermine wurde klar, wo sie sich befanden.

„Ich bin gleich zurück. Ron, übernimm die letzten Punkte, ja?", befahl sie gereizt.

„Welche Punkte? Ich habe keine Ahnung, was du noch sagen willst!", beschwerte dieser sich.

„Hermine, ich könnte für Sie übernehmen!", schlug Caldon vor, während er ihr sogar die Tür aufhielt. Sie atmete langsam aus.

„Schon gut! Schleimer, setz dich hin, verflucht", murrte Ron. „Wenn irgendwer auch nur ein einziges Problem mit dem verfluchten Essen hat, dann bekommt er es mit mir zu tun!", begann Ron und Hermine bezweifelte, dass es eine gute Idee gewesen war, Ron den Rest des Treffens erledigen zu lassen. Aber eigentlich war er recht fähig. Immerhin würde heute Pansy nicht widersprechen. Hermine glaubte, dass sie sogar bereits wieder eingenickt war.

Sie lief eilig zu den Treppen, denn sie musste ziemlich schnell verhindern, dass der gesamte Flur unter Wasser stehen würde.

Sie kam vor dem wohl vertrauten Bild zum Stehen, sprach den Spruch und es schwang zur Seite. Sofort bekam sie einen erneuten Topfenschwall ins Gesicht. Ihr Kiefer klappte runter, aber sie fing sich schnell, krempelte die Ärmel hoch und betrat das Badezimmer der Vertrauensschüler mit grausamem Elan.

„Sofort runter da!", befahl sie einem Mädchen, dass sie nicht zuordnen konnte. Vielleicht fünftes Jahr? Das Mädchen kam kichernd vom Sprungbrett herunter geklettert. Zwei andere Mädchen kamen ebenfalls widerwillig aus dem großen Becken, was an den Seiten überlief, weil die Hähne immer noch buntes Wasser spuckten. Hermine unterband den Wasserfluss und betrachtete die Mädchen zornig.

„Ihr verschwindet in euren Gemeinschaftsraum!", knurrte sie. „Fünfzig Punkte Abzug für Slytherin, Strafarbeiten, nächste Woche Montag!", orderte sie dazu und die Mädchen verließen schlecht gelaunt das Badezimmer, nachdem sie sich Bademäntel übergeworfen hatten. Die Tür fiel laut ins Schloss und sie wandte ich zornig dem Becken zu.

„Und du!", fügte sie jetzt drohend hinzu. Malfoy hatte sich noch kein Stück bewegt und trank eine farblose Flüssigkeit aus einer beschrifteten Flasche. „Was fällt dir eigentlich ein? Sind dir deine Feten nicht genug? Du überschwemmst das Badezimmer! Und du lässt hier Mädchen rein, die nicht mal die Berechtigung dafür haben! Und sie sind minderjährig!", fügte sie auch noch hinzu.

Sie hielt den Zauberstab auf ihn gerichtet, wenn auch recht erfolglos.

„Wir waren schwimmen", erklärte er und er lallte immerhin noch nicht besonders stark. Aber das bedeutete nicht viel, denn mittlerweile vertrug er eine ganze Menge, ohne dass man es merkte.

„Schwimmen? Nackt?", bemerkte sie mit kalter Wut.

„Nicht nackt." Er kam schwankend auf die Beine. Gut, er trug noch eine Shorts. Aber das war es auch schon.

„Du kannst nicht einfach Mädchen hier mit rein bringen. Du kannst dich nicht betrinken und im Wasser sein! Du könntest ertrinken. Du überschwemmst die Fliesen und in den Räumen darunter tropft es durch die Decke!" Sie schüttelte fassungslos den Kopf. „Ich werde es Snape sagen!", fügte sie drohend hinzu. Er watete rüber zum Rand, kletterte wankend aus dem Becken und griff sich träge ein Handtuch, um sich die Haare zu trocknen.

„Granger…", begann er kopfschüttelnd und kam langsam auf sie zu. „Geh doch einfach zu Snape. Sag ihm, was der böse Draco macht", forderte er sie ruhig auf. „Partys, Drogen, Blowjobs im Badezimmer der Vertrauensschüler", fuhr er fort und sie schloss angewidert die Augen. Sie wandte ohnehin den Blick ab, denn sie wollte seinen halbnackten Körper gar nicht erst betrachten. Es war kein schlechter Anblick, aber es war Draco Malfoy. Das Dunkle Mal nahm ihm jeden attraktiven Zug, der vorhanden war.

Sein glänzend muskulöser Brustkorb war völlig entstellt durch das Mal an seinem Arm. Er barg für sie keine Schönheit, dieser Mann vor ihr. Es war seltsam, wie unattraktiv ein Tattoo einen Menschen machen konnte.

„Du musst damit aufhören!", sagte sie fast verzweifelt. Er hob kurz die Augenbrauen und tat so, als dachte er nach. Dann grinste er, warf das Handtuch zur Seite und schüttelte schließlich den Kopf.

„Nein, ich glaube nicht." Er wandte sich um und machte einen Kopfsprung in das Becken.

„Malfoy!", schrie sie zornig, denn jetzt war er untergetaucht.

Sie wartete ungeduldig und hasste die Tatsache, dass sie ihm nicht alle Punkte und sein Abzeichen gleichzeitig wegnehmen konnte. Sie hasste es, dass sie sich immer wieder verantwortlich fühlte. Noch einmal schwappte Wasser über den Rand, aber geistesgegenwärtig ließ sie es mit dem Zauberstab verschwinden.

Er tauchte nicht wieder auf. Das wurde ihr auf einmal bewusst. „Malfoy?", rief sie dem Wasser zu, das von Schaum völlig bedeckt war. „Malfoy!", rief sie lauter. „Merlin!", knurrte sie ungehalten, ging auf die Knie und beugte sich über den Rand. Sie schob den Schaum ärgerlich beiseite und erkannte seinen Körper tatsächlich im Wasser schwimmen.

Ihr Zorn fiel ab und wich plötzlich der maßlosen Angst. Ohne nachzudenken glitt sie in das Becken, wagte sich vor zu der Stelle vor, wo sie ihn vermutete und tauchte mit angehaltener Luft unter. Ihre Haare sogen sich voll mit dem duftenden Wasser. Genauso wie ihre Uniform, ihre Strümpfe und Schuhe. Sie ruderte mit den Händen und griff nach seinem Arm.

Plötzlich erwachte er zum Leben und tauchte durch die Oberfläche auf. Sie strampelte ebenfalls wieder an die Oberfläche und spuckte wütend den Schaum aus.

Er wischte sich lachend die Haare aus der Stirn und sie hustete das Wasser aus.

„Du bist ein Arschloch! Was soll das? War das lustig für dich?", schrie sie und ihre Stimme hallte laut von den Wänden wider.

„Ja, ziemlich", gab er grinsend zurück. „Du siehst nass richtig beschissen aus", erklärte er zufrieden und ließ sich wieder zurück treiben, bis zu den, im Becken eingelassenen, Steinbänken, auf denen man sich ausruhen konnte, wenn man wollte. Sie folgte ihm und es war ihr schon egal, dass ihre Sachen an ihrem Körper klebten.

„Du kommst sofort aus der Wanne, Malfoy. Du wirst dich anziehen, du wirst hier Ordnung machen und du hörst gefälligst auf, dich zu betrinken!", befahl sie heiser und hustete noch einmal Wasser. Es schmeckte eklig nach Zusatz und Schaum. Sie konnte nicht fassen, dass sie so dumm gewesen war und tatsächlich ins Becken gestiegen war, weil sie dachte, er würde ertrinken! Dumm, so dumm!

„Sonst was?", fragte er lauernd und lehnte die Arme hinter sich auf den Beckenrand. Er wirkte recht entspannt, das Arschloch!

„Sonst lasse ich dich von der Schule werfen, du verfluchter Scheißkerl!", rief sie böse. Er lehnte träge den Kopf zurück.

„Bitte, tu das", sagte er nur. Etwas unentschlossen stand sie im Wasser.

„Wie kann dich alles unbeeindruckt lassen? Wenn es dir so egal ist, dann geh doch einfach! Nichts hält dich in Hogwarts, verflucht!", schrie sie wieder, schritt durch das Becken auf ihn zu und stieß ihm unsanft vor die Brust. Er hob den Kopf wieder und sah sie an.

„Granger, wenn du nicht vorhast, mir einen zu blasen, dann verschwinde einfach wieder, ok?", sagte er gleichmütig und sie holte aus. Sie konnte nicht anders. Ihre flache Hand knallte in sein Gesicht und seine Augen flogen zum ersten Mal weit auf. Er atmete heftig und sie hielt sich ihre schmerzende Hand.

„Verfluchte Schlampe!", knurrte er und hielt sich seine Wange. Er funkelte sie böse an. Er schien wach zu sein. Draco Malfoy war anscheinend wieder aufgewacht aus seiner Badezimmertrance, fiel ihr auf. Seine Augen wirkten wachsamer und seine Körperhaltung war plötzlich angespannt. „Du wagst es, mich zu schlagen, dämliches Schlammblut!", spuckte er ihr entgegen. Plötzlich richtete er sich auf. „Was fällt dir überhaupt ein?", schrie er zornig und sie wich unbewusst zurück.

„Hör auf, mir zu drohen! Hör auf mich zu beleidigen! Wenn du mit deiner Trauer nicht zurechtkommst, dann geh zu Snape oder geh zu-" Aber er unterbrach sie ungehalten.

„Wer fragt dich? Halt dich da raus, Schlammblut! Was kommst du hier her?", verlangte er zu wissen und stand nun direkt vor ihr.

„Ich… das Wasser", begann sie, aber er schnitt ihr wieder das Wort ab.

„Verpiss dich einfach! Was geht es dich an?", schrie er ungehalten.

„Malfoy, du kannst nicht…!" Sie schloss wütend den Mund. Sie hatte keine Lust mehr auf diesen Streit. Immer derselbe Streit. Ihr Mund öffnete sich wieder. „Du kannst nicht…!" Aber sie wusste nicht mehr, was sie sagen wollte.

„Was, Granger? Was, kann ich nicht?", knurrte er zornig und fesselte sie mit seinem Blick.

„Weißt du was, vergiss es einfach", sagte sie kalt und konnte nicht begreifen, dass sie schon wieder in einer Situation war, in der sie Malfoy eher half, als ihn tatsächlich auszuliefern. Er umfasste ihren Arm und hielt sie auf. Die Kleidung klebte unangenehm an ihrem Körper und langsam wurde ihre Bluse kalt, die mittlerweile oberhalb des Wasserspegels war.

„Nein. Sag mir erst, was ich nicht kann. Ich möchte zu gerne wissen, was das Schlammblut denkt", brauste er auf und zog grob an ihrem Oberarm.

„Lass mich los!", befahl sie wütend.

„Sag mir, was ich nicht kann und ich lasse dich zu gerne gehen!", gab er kühl zurück.

„Schön. Du kannst dich nicht immer auf mich verlassen, Malfoy", sagte sie knapp und entriss ihm ihren Arm.

„Was?", gab er ungläubig zurück. „Mich auf dich verlassen? Mir ist nichts egaler als deine Meinung, Granger! Denkst du, ich freue mich, wenn das verfluchte Schlammblut aus Gryffindor jede Party in unserem Gemeinschaftsraum beendet? Denkst du das?", schrie er zornig und sie sah ihm fest in die Augen.

„Ja, Malfoy, genau das denke ich. Denn wie sonst könntest du…" Sie biss sich auf die Zunge. Nein! Nein, sie würde das hier nicht diskutieren.

„Wieso sagst du nicht einen verfluchten Satz zu Ende? Ist es so schwer? Erlaubt dir dein Schlammblutgehirn nicht, zu sprechen, Granger?" Sie wusste er war zornig, und aufgebracht und suchte einfach ein Ventil, eine Möglichkeit, sich zu streiten. Und sie würde dieses Ventil aber nicht sein.

„Ich habe keine Lust mehr. Ich werde mich am Freitag schon wieder mit dir streiten müssen. Und heute ist erst Montag. Also, ich brauche ein wenig Pause. Ein wenig Abstand von dir und deiner Scheiße, Malfoy", erklärte sie und trat offiziell den Rücktritt an. Er folgte ihr sofort. Sie stieg aus dem Becken und er tat es ihr gleich.

„Du denkst, ohne dich geht es nicht? Du denkst, ohne dich fliegt der Gemeinschaftsraum in die Luft? Du denkst, ohne dich würde ich elend im Wasser ertrinken?", fuhr er sie an und sie schüttelte nur den Kopf, als sie nach dem Zauberstab griff.

„Ich gehe", informierte sie ihn nur.

„Das ist Bullshit, Granger. Ohne dich hätte ich vielleicht mal einen guten Tag", erklärte er ihr nachsichtig. Sie wandte sich noch einmal um. Das stete Tropfen ihrer Kleidung war das einzige Geräusch.

„Ja?", fragte sie schließlich und betrachtete sein tropfennasses Gesicht. „Weißt du, was das ist, Malfoy? Ein guter Tag?" Sie wunderte sich, warum ihre Stimme plötzlich neutraler klang. Aber sie wusste bereits, warum sie noch da war. Sie hatte Mitleid. Sie hatte wirklich schon wieder Mitleid. Dabei gab es wohl keine größere Zeitverschwendung auf der Welt, als mit dem Teufel Mitleid zu haben.

Sein Mund öffnete sich. Aber er entschied sich dagegen, etwas zu sagen.

„Es tut mir leid", sagte sie also. „Es tut mir wirklich leid für dich." Kurz konnte sie nicht glauben, dass sie diese Worte wirklich sagte. Und er wohl auch nicht. Dann verzog sich sein Mund zu einem bösen Lächeln.

„Wie wäre es, wenn du endlich verschwindest? Ich brauche dein Mitleid wirklich nicht. Spar dir das für Potter auf. Oder für Weasley. Oder für dich selbst." Er wandte sich schließlich von ihr ab und griff nach einem neuen Handtuch. Die Muskeln spannten sich über seinen Rücken, als er es über den Kopf hob und sich erneut die Haare trocknete. Sie trocknete ihre eigenen Sachen stumm mit einem Zauber und verschwand aus dem Badezimmer.

Es regte sie auf, dass sie sich sorgte. Sie wollte kein Mitleid mit ihm haben. Aber sie wusste, sein Leid war unmenschlich. Das Problem war wahrscheinlich, dass er bedauerlicherweise niemanden hatte, zu dem er gehen konnte. Seine Mutter war so egoistisch ihren Sohn einfach zu vergessen. Seine Freunde waren selbstbezogen und interessierten sich nur oberflächlich.

Er würde niemals zu Dumbledore gehen. Oder zu Snape. Er würde es sich niemals anmerken lassen, dass er Hilfe brauchte. Aber wieso hatte sie dann das Gefühl, dass er sich doch an sie wandte? Wahrscheinlich irrte sie sich. Aber… sie wusste, sie unterstützte das Verhalten. Denn natürlich würde sie die nächste Party unterbinden. Natürlich wäre sie wieder da, um Ordnung zu machen.

Und das Arschloch wusste das. Er wusste, er hatte sie. Er wusste, sie würde die Ordnung und die Ehre vorziehen. Sie würde ihn nicht ihr Schulsprecheramt aufs Spiel setzen lassen.

Er wusste das. Und deswegen – egal, was er tat oder sagte – wusste er, dass er sich eigentlich auf sie verließ. Darauf, dass sie es richtete, was auch immer falsch war.

Sie war unterm Strich die einzige, die auch nur ansatzweise irgendetwas tat um durch die Schicht an Hass und Verdrängung, durch die Mauer aus Undurchdringbarkeit, Unnahbarkeit, Alkohol und Schmerz zu gelangen, um ein wenig zu verändern.

Er hatte es nicht verdient. Er hatte es schlicht und ergreifend nicht verdient. Aber dennoch… sie hatte Mitleid mit Draco Malfoy. Das war wohl die schrecklichste Einsicht dieses Tages.

Sie würde jetzt duschen gehen. Vielleicht konnte sie ja dieses Gefühl einfach abwaschen.

Vielleicht ließ sich Mitleid ja durch genügend Seife und Wasser entfernen….