Kapitel 14
Sie hatte Angst gehabt, zu kommen. Aber als sie gehört hatte, er würde hier sein, hier liegen, allein, auf Dumbledores Anraten – da hatte sie sich nicht überzeugen können, nicht zu kommen. Und nun stand sie unschlüssig vor den beiden Türen. Die Sonne war unter gegangen. Vor einer Weile schon. Harry und Ron waren noch nicht von Hagrid wieder gekommen, als sie den Gemeinschaftsraum verlassen hatte. Luna war bei ihnen zu Besuch im Gemeinschaftsraum und lernte mit Ginny.
Und Hermine wusste nicht, wie sie sich ablenken sollte.
Sie holte tief Luft, als würde sie abtauchen in unbekannte Tiefen. Und dann schritt sie durch die Türen.
Der Krankenflügel war leer. Nur er war hier. Er hatte das Kissen im Rücken, den einen Arm hinter seinem Kopf verschränkt, während er irgendein Buch las. Sie konnte keinen Titel erkennen. Er hatte sie noch nicht bemerkt.
Aber immerhin sah er normal aus. Nicht krank oder wahnsinnig oder… - er wirkte wie immer.
Er trug noch keinen Pyjama, oder was er eben zum Schlafen trug. Er lag auch nicht unter der Bettdecke, sondern darauf. Er trug einen hellen Pullover, eine schwarze Hose und schien völlig abgelenkt.
„Hey", sagte sie fast rau, und erschrocken hob er den Blick. Er sah sie an, ein wenig verblüfft, aber er erwiderte gar nichts. „Ich… wollte sehen, ob alles in Ordnung ist", erklärte sie ihr Auftauchen, so ernsthaft sie konnte. „Die Schüler stellen Fragen, und… du bist der andere Schulsprecher, also…" Sie machte eine knappe Handbewegung.
„Wie einfühlsam", sagte er nur, und sie konnte keine Freundlichkeit in seiner Stimme erkennen. Nicht, dass sie danach suchen würde. Er hatte noch nie freundlich mit ihr gesprochen.
„Wie… wie geht es dir?", fragte sie jetzt, eisern überzeugt, wenigstens das zu erfahren.
„Fantastisch", erwiderte er nur. „War das alles?"
Es war als fielen Steine in ihren Magen. Schwere Steine. Sie nickte nur langsam. Denn was auch immer da gewesen war, es war fort.
Und sie kam sich lächerlich vor.
„Ja, das war alles", bestätigte sie. Da hatte sie ihre Antwort. Es ging ihm fantastisch. Dann ging es sie nichts weiter an. Sie verließ den Krankenflügel wesentlich schneller, als sie ihn betreten hatte. Sie war dumm. Und sie hatte Recht gehabt. Sie hatten wieder Stufe eins erreicht.
Und sie war nicht besonders weit gekommen, denn kaum war sie aus der Tür getreten hielt seine Stimme sie auf.
„Was für Fragen?" Es war aus jedem Zusammenhang gerissen, und verwirrt hatte sie innegehalten. Und innerlich wog sie ab, ob sie gehen oder umkehren sollte. Sie hatte nicht wirklich viel Zeit, um diese Entscheidung zu treffen. Sollte sie sich soweit herablassen, umzudrehen und auf solche Wortfetzen zu reagieren und ihm somit die Möglichkeit geben, sie –
„-Granger?" Er klang gereizt. Sie schloss die Augen und drehte sich ergeben wieder um, um den Krankenflügel erneut zu betreten.
„Was?", entfuhr es ihr, ebenso unfreundlich wie ihm, obwohl sie es fast schon wieder bereute, denn sein Ausdruck kühlte sich danach noch eine Spur deutlicher ab.
„Was für Fragen?", wiederholte er befehlsgewohnt, und sie runzelte die Stirn.
„Malfoy, wenn du in ganzen Sätzen sprechen würdest, vielleicht-"
„-du hast gesagt, die Schüler stellen Fragen", brachte er gepresst über die Lippen. Und sie schloss den Mund. „Was für Fragen?", wiederholte er zum dritten Mal, nun ohne jede Geduld.
„Fragen…", antwortete sie vage.
„Über?", wollte er gedehnt wissen, fixierte sie streng, und sie hatte das hier nicht gut überlegt. Er wusste worüber. Sie wusste worüber – und sie wollte es nicht aussprechen.
„Ich persönlich glaube nicht, dass es die Schüler auch nur den leisesten Eulendreck angeht, was in irgendwelchen Zeitungen steht", kam seine Stimme gefährlich ruhig über die Lippen. „Und ich hoffe nicht, dass du sie auch noch mit Geschichten und Gerüchten unterhältst?" Er unterstellte ihr so etwas, ging ihr verblüfft auf. Wieso war so feindlich ihr gegenüber? War er es nicht gewesen, der sie geküsst hatte?! Und was glaubte er? Dass sie durch die Gemeinschaftsräume spazierte und Anekdoten über das Malfoy Familienleben erzählte?! Sie kannte ihn doch nicht mal! Es war nett, ihn mal nüchtern zu erleben, auf der Höhe seiner Schlagfertigkeit, aber genauso lästig war es auch.
Sie war kurz davor, wieder laut zu werden. Sie war selber schuld, ging ihr auf. Sie ballte die Hände zu Fäusten. Wieso kam sie überhaupt zu ihm?! Sie wusste doch, wie das enden würde! Im schlimmsten Fall würde er den Krankenflügel in Schutt und Asche legen.
„Wieso, Malfoy? Ich dachte, das wäre ganz nach deinem Geschmack. Ich plaudere gerne über Lucius Malfoy mit den Erstklässler, bloß um dich zu ärgern", gab sie patzig zurück. Seine Augenbrauen hoben sich sanft, und alles in ihr sträubte sich, diesen Namen überhaupt zu denken, geschweige denn laut zu äußern. Sie biss sich auf die Lippe, nicht willig, den Blick als erste zu wenden.
„Wie ich sehe, hast du Spaß an diesem Thema. Aber ich nehme an, du weißt, wie man mit den Schülern umzugehen hat, auch wenn ich es mir schwer vorstellen kann, also…" Er machte eine knapp Pause, indem er sie betrachtete.
Sie atmete aus. „Ich hätte nicht kommen sollen", sagte sie eher zu sich selbst, während sie den Kopf schüttelte.
„Hast du Weasley erzählt, wohin du gehst?", wollte er plötzlich wissen, und sie öffnete überrascht den Mund.
„Ron?", wiederholte sie verwirrt, denn sie war sich nicht sicher, ob er sie das gerade wirklich gefragt hatte.
„Oder Potter? Oder deiner kleinen Sklavin, die mich zu gerne umbringen möchte?", fuhr er mit arroganter Miene fort, und sie schüttelte langsam den Kopf, während sie nur annehmen konnte, dass er Ginny meinte. Und weswegen wollte Ginny ihn umbringen?
„Nein. Wieso sollte ich meinen Freunden erzählen, dass-"
„-dass?", unterbrach er sie, fast lauernd. Und sie schloss den Mund. Ein wenig wütend. „Es ist also ein Geheimnis", stellte er fast selbstgefällig fest. „Welch große Ehre, Granger." Seine Stimme troff vor bitterem Sarkasmus.
„Malfoy, was zur-?" Aber er setzte sich plötzlich weiter auf, legte das Buch zur Seite und fixierte sie.
„Jetzt tauchst du auf, aber gestern warst du dir zu schade, nehme ich an?" Etwas huschte über sein Gesicht. Ein ärgerlicher Schatten, ganz kurz…. Sie betrachtete ihn hilflos. Was wollte er damit sagen?
„Ich… hatte dir gesagt, dass-"
„-ich scheiße drauf, Granger", informierte er sie geflissentlich. „Wenn du nicht mehr in den Gemeinschaftsraum kommst – wo du ohnehin nie willkommen warst, denkst du ernsthaft, es kümmert mich, ob du mich im Krankenflügel besuchen kommst, weil du so sensationsgeil bist wie alle anderen? Ist es nicht ein wenig arm? Denkst du, ich unterbreite dir meine Gedanken und Geheimnisse, als wären wir auch nur annähernd so etwas wie Freunde?", fuhr er sie an, und sie starrte bereits wieder.
Ok… - scheinbar war er wütend. Sie würde es so deuten, denn ansonsten würde sie sich gleich auf ihn stürzen. Ihr Herz schlug schnell, und sie hasste, dass er mit Absicht immer nur das Falsche sagen konnte.
„Eigentlich bin ich aus einem anderen Grund gekommen", informierte sie ihn so eisig, dass er den Blick zu ihrem Gesicht hob. Vielleicht mit einem neuen Hauch Interesse. Und sie glaubte, sie durchschaute einige von seinen Maschen, seinen Spielen und Manipulationen – aber sie würde ihm ganz bestimmt nicht in seine verdammten Hände spielen. Sie würde es ihm nicht einfach machen. – Was auch immer einfach sein könnte zwischen ihnen! Es war lächerlich, dieses Wort überhaupt in Erwägung zu ziehen, stellte sie wütend fest.
Es war nicht einfach. Es war immer nur schwer. Er war immer nur Draco Malfoy.
Und sie hätte ihn von der Schule werfen lassen sollen, als sie noch die Chance gehabt hatte. Bevor sie angefangen hatte… sich zu kümmern, wie Harry es nannte. Und sie wusste, wie dumm ihre Worte waren. Wie unwichtig. Und sie wusste, würde sie die Worte aussprechen, stellte sie etwas Neues in den Raum. Etwas, was von ihr ausging, obwohl sie… keine Gefühle für ihn hatte. Aber sie meinte, ihm etwas Ähnliches unterstellen zu können.
Zwar hatte er keine echten Gefühle für sie, das glaubte sie nicht, denn er war zu sehr damit beschäftigt, sich und andere zu zerstören, aber sie hatte aufgehört, ihn richtig zu lesen, zu studieren, um zu einer zufriedenstellenden Antwort zu kommen.
Aber immerhin war er derjenige gewesen, der sie aufgesucht und geküsst hatte! Und auch wenn er so tat, als hätte er es vergessen – sie hatte es nicht.
Und er war einfach nur scheußlich!
„Ich gehe mit Caldon auf den Ball", ergänzte sie, beinahe so unverfänglich, als ginge es sie überhaupt nichts an. Und sie wusste nicht, was schlimmer war. Dass sie sich nun scheinbar abgefunden hatte, oder sein Blick. Als hätte er sie durchschaut.
Und das hatte er wohl, stellte sie zornig fest.
„Weil er dir droht?", vermutete er, und der Bastard lächelte tatsächlich. „Das erspart mir einen Gang zu Snape, Granger. Vielleicht sollte ich dir danken, aber… das wäre wahrscheinlich purer Wahnsinn, oder?", fuhr er lächelnd fort. Ihr Mund öffnete sich langsam.
„Er droht mir nicht", log sie tonlos, mit geballten Fäusten. Sie hatte nicht geglaubt, dass er so kalt sein würde.
„Oh?", erwiderte er, mit einem überheblichen Blick. „Na dann, meine Glückwünsche. Ich dachte, er würde mich erpressen wollen, aber wenn er dich lieber erpressen möchte, dann macht er es mir ziemlich einfach", erklärte er achselzuckend. Sie gewann an dringender Kontenance und nickte schließlich.
„Gut", erklärte sie, während sie innerlich schäumte vor Wut. Ein Lächeln erhellte seine Augen tatsächlich.
„Granger", begann er, so widerlich selbstgerecht, dass sie kotzen könnte, „was genau hast du erwartet, dass ich sage?" Relativ entspannt saß er auf dem Bett, während er sie betrachtete. „Hast du gedacht, ich schwinge meine Fäuste? Fordere ihn zum Duell?" Er lachte tatsächlich amüsiert auf. „Warum sollte ich das tun?", stellte er die direkte Frage, so herablassend, als wäre sie sein Hauself. Und sie spürte die unwillkommene Röte direkt in ihren Wangen. Eine Hitze erfüllte ihr Gesicht, und sie hoffte, er schloss daraus nicht genau das Richtige.
Aber sie hatte genug davon. Sie spielte nicht mehr. Das hatte sie ihm gesagt, und das hatte sie auch nicht vor. Wahrscheinlich, nahm sie an, war Kingston sogar eine bessere Wahl als Draco Malfoy! Sie würde Kingston mehr Ehrlichkeit unterstellen. Und das hieß schon einiges!
Also beschloss sie, sich so gut es ging, aus dieser aussichtslosen Schlacht zu retten.
„Ich erwarte gar nichts von dir, Malfoy", erwiderte sie fast gleichmütig. „Du hast alle meine nicht vorhandenen Erwartungen bereits am ersten Tag erfüllt."
Sie tauschten einen Blick, ohne dass er etwas entsprechendes erwiderte. Er lächelte einfach nur. Und sein Lächeln kam ihr so kalt vor, dass sie eine Gänsehaut bekam. Es war…
… anstrengend.
Es war ein anstrengendes Spiel geworden. Und sie war nicht mehr in der Lage, es überzeugend zu dem Punkt, zu einem Ende, zu bringen, wo sie lachen konnte. Wo es ihr innerlich nicht mehr zusetzte. Wo sie sicher war, dass er ihr nichts anhaben konnte, mit seiner Überheblichkeit, seiner jugenhaften Arroganz.
Denn sie wusste nicht mehr, ob er spielte. Ob er sein Interesse an irgendetwas anderem als zu spielen verloren hatte.
Denn sie war vorbereitet. Auf alles, was er normalerweise in ihren Weg warf. Sie war die Heldin in ihrer Geschichte, und er war ihr Bösewicht. Und sie brauchte keine Hilfe, keine Hinweise von Harry Potter oder Ronald Weasley, um zu wissen, dass dieser Junge vor ihr, wie er arrogant und im Moment in Sicherheit gewogen vor ihr saß, ihr gefährlicher werden konnte, wenn er nur ein einziges Mal die Chance ergreifen würde, und sich wie ein Mann verhielt.
Aber sie glaubte nicht, dass das in der nahen Zukunft passieren konnte. Denn dafür müsste er ja ein verdammtes Mal auf sein Schutzschild verzichten.
Denn wenn sie ihm auch nur den kleinen Finger ihrer Hand entgegen streckte, würde sie nichts weiter bekommen, als Blasen und blaue Flecken auf ihrer Haut. Sie würde nichts Gutes von ihm erhalten. Und sie musste aufhören. Aufhören, etwas anderes in ihm sehen zu wollen, als da wirklich war.
Denn sie hatte das Gefühl als würde sie den Spuren zu einem längst abgebrannten Haus folgen, um zu sehen, ob sie entweder den Jungen darin retten konnte, der dort alleine und verloren wartete, oder ob sie den Jungen fand, der das Haus überhaupt in Brand gesteckt hatte, während sie verzweifelt versuchte, ihn zu ändern – obwohl so etwas immer unmöglich war.
All diese Gedanken erfüllten sie, während sie ihn ansah.
Sie war die Heldin, die versuchte, loszufliegen, um ihn zu retten – aber er war derjenige, der auf ihrem Cape stand und sie davon abhielt.
Sie nickte schließlich.
Sie waren dort angekommen, wo sie angefangen hatten.
„Von heute an", begann sie, fast sanft, „möchte ich nicht mehr von dir beachtet werden, Draco Malfoy." Ihre Stimme war ruhig. „Wenn es also irgendetwas gibt, was du mir noch sagen möchtest, schlage ich dir vor, das jetzt zu tun", flüsterte sie voller Ernst.
„Wenn es also irgendetwas gibt, was du mir noch sagen möchtest, schlage ich dir vor, das jetzt zu tun."
Immer noch saß er ruhig vor ihr auf dem Bett, nicht willig, sich zu erheben, ihr irgendeinen Respekt entgegen zu bringen. Was dachte sie eigentlich? Dass er sie tatsächlich beachtete? Dass er mehr von ihr wollte, als dass sie seinen Gemeinschaftsraum aufräumte und ihm Passwörter verriet? Denn was hatte er wirklich mehr getan, als sie auszunutzen? Als sich ihr Wissen zu nutzen zu machen?
Gar nichts!
Sie war ein Miststück. Ein Schlammblut. Und sie verstand nichts!
Was erlaubte sie sich? Hier aufzutauchen, wenn er nicht weg konnte – nicht weg wollte, weil er einen Abend in Ruhe verbringen wollte, während er wusste, Albträume zu bekommen, weil ein Abbild seines Vaters durch London lief. Und sie…! Sie drehte alles um! Sie ließ ihn dastehen wie… einen verdammten Bösewicht!
Sie war nicht wichtig genug, um das zu tun. Sie hatte kein Recht!
Und er sah es nicht ein! Er war derjenige, der Trost und Wertschätzung verdiente – und nicht sie! Was glaubte sie? Weil sie ein paar Mal am falschen Ort zur rechten Stelle gewesen war, dass er ihr irgendetwas schuldete? Dass sie plötzlich irgendein Recht an ihm hatte? Das Anrecht auf eine Entschuldigung – oder irgendetwas sonst?
Sein Herz schlug bittere Schläge, während sie beinahe ruhig und gefasst auf seine letzten Worte wartete – ehe Königin Granger nicht mehr von beachtet werden wollte!
Fein! Ihm war es scheiß egal! Er musste sie nicht beachten! Bisher war immer noch sie angekrochen gekommen, hatte sich kümmern müssen, hatte gar nicht anders gekonnt, verflucht noch mal!
Und sie wollte seine verdammten letzten Worte haben? Das letzte, was er ihr würde sagen wollen, wenn sie ihm eröffnete, es wäre das letzte Mal, dass sie mit ihm sprechen würde?
Schön! Er gab ihr gerne berühmte letzte Worte, an denen sie ersticken würde! Von denen sie, wenn sie ihre Entscheidung heute Abend bereuen würde, sich wünschen würde, er hätte sie nicht gesagt! Sie würde es bitterlich bereuen! Sie glaubte, sie könnte ihn damit herausfordern? Ihm irgendein seltsames Zugeständnis entlocken, weil sie glaubte, sie wäre im Recht?
Nein. So lief es nicht. Er stellte die Regeln auf! Er war derjenige, der wichtig war.
Sie war… ein Schlammblut. Und er tat ihr keine Gefallen! Sie tat ihm auch keine.
Seine Mundwinkel sanken bitter nach unten, während er sie genau beobachtete.
„Viel Spaß mit Kingston. Ich habe gehört, verzweifelte Jungfrauen sind seine Spezialität", spuckte er ihr fast entgegen, und vollkommen ausdruckslos nahm sie seine Worte zur Kenntnis, nickte ein letztes Mal seelenruhig, so dass es ihn zur Weißglut trieb und hatte sich von ihm abgewandt.
Keine Sekunde später hatte sie den Krankenflügel verlassen.
Sie war diejenige, die ihre Pflicht vernachlässigt hatte und gestern nicht aufgetaucht war! Sie war diejenige, die sich bei ihm dafür entschuldigen müsste! Sie! Und nicht umgekehrt! Er hatte sie erwartet gehabt! Er war…-
Ahrg!
Sein Atem ging unbeständig. Zornig krallte er sich in das Laken unter seinen Fingern, ehe er das Buch wieder bemerkte, was vergessen neben ihm lag.
Und mit fahrigen Fingern griff er danach, um es mit so einer Kraft und so einem Zorn quer durch den Raum zu werfen, dass es die Fensterscheibe mit einem lauten Klirren zerbrach und die vielen Stockwerke nach unten segelte.
Außer Atem saß er angespannt auf dem Bett und wollte am liebsten schreien.
So laut, bis die Leute kamen, weil sie dachten, er würde Todesqualen leiden.
Schwarze Flügel flatterten hastig und unbemerkt unter dem gesplitterten Glas vor dem Fenster davon….
