Kapitel 22

Vor dem Morgengrauen war sie aufgewacht. Es war Freitag.

Die Jungen schliefen noch. Harry auch. Aber er hielt sie noch immer sicher im Arm. Leise schälte sich Hermine aus seiner Decke, seiner Umarmung und fühlte sich nicht mehr ganz so elend. Gleich begann Zaubertränke. Sie verließ unbemerkt den Schlafsaal. Sie könnte in Ruhe duschen.

Und sie zögerte auf der Treppe. Etwas schlug ihr vor, im Badezimmer der Vertrauensschüler zu duschen. Aber sie wusste nicht, warum sie diesen Drang verspürte.

Es war alles seltsam genug.

Sie würde heute zu McGonagall gehen müssen, um ihr zu sagen, dass sie nicht glaubte, an den Prüfungen teilnehmen zu können. Es waren triste Gedanken, aber… es wäre unmöglich.

Als sie ihr Handtuch und ihre Lotionen geholt hatte, fiel ihr Blick auf die Tür zum Badezimmer der Mädchen, aber sie wollte nicht in dieses Zimmer gehen. Sie wusste nicht, warum. Es war wie eine schlechte Erinnerung, die sie nicht greifen konnte.

Sie verließ den Gemeinschaftsraum. Das Schloss lag noch wie ausgestorben. In der Ferne vernahm sie Geräusche von weiter unten. Die Elfen machten bestimmt sauber.

Sie schlich über die Gänge, bis zum Badezimmer.

„Lotusblüte", sagte sie lautlos. Das Portrait öffnete sich. Und die seltsame innere Erwartung war von ihr abgefallen, als sie feststellte, dass sie alleine im Badezimmer war. Dabei wusste sie nicht mal, was sie erwartet hatte.

Die Meerjungfrau schlief noch im Fenster, niemand war wach. Mit schweren Schritten stellte sie schließlich die Dusche weiter hinten an.

Und sie blieb alleine. Niemand kam. Niemand störte. Keine Erinnerung kam zurück.

Sie ließ sich Zeit, wusch sich gründlich, wusch ihre Haare, und ließ sich noch mehr Zeit mit dem Trocknen. Aber sie hatte genügend Zeit. Es war halb sieben, als sie fertig war. Das Frühstück gab es erst in einer halben Stunde.

Sie ging wieder zum Gemeinschaftsraum zurück und fand, sie hatte wirklich viel Zeit damit verschwendet ausgerechnet in diesem Badezimmer zu duschen. Aber es kam ihr tatsächlich wie etwas vor, was sie wohl öfters getan haben musste. Es war ein unbestimmtes Gefühl. Im Gemeinschaftsraum herrschte müdes Treiben. Die Erstklässler waren bereits munter, und die übrigen stritten sich um die Duschen.

Hermine griff sich ihre Schulsachen aus dem leeren Schlafsaal und beschloss, unten zu warten. Die anderen würden gleich schon in die Halle kommen. Ihr Verstand arbeitete rastlos, versuchte, alle Eindrücke zu sammeln, zusammenzufügen, und sich zu erinnern.

Sie hatte noch nicht gesprochen heute.

Sie war unten angekommen, nur um Snape, McGonagall und Dumbledore bereits zusehen, wie sie vor dem Lehrertisch standen und sich unterhielten.

Dumbledore bemerkte sie als erster. Das Gespräch zwischen ihnen kam zu einem abrupten Ende, stellte Hermine fest.

„Guten Morgen, Miss Granger", sagte Dumbledore schließlich.

„Guten Morgen, Sir", begrüßte Hermine ihn.

„Was sollen wir tun?", wollte Snape anschließend gepresst von ihm wissen. Dumbledore dachte kurz nach.

„Holen wir ihn aus Askaban", beschloss er grimmig. Hermine hörte aufmerksam zu. Wen holten sie aus Aksaban? Langsam kamen mehr und mehr Schüler. Jetzt wollte Hermine nicht zu ihrer Hauslehrerin gehen und gestehen, dass sie zu dumm war.

Hermine wusste nicht einmal, ob ihr zustand, zu fragen, wer aus Askaban geholt werden sollte.

Einige Slytherins kamen in die Halle, unter ihnen Caldon Kingston, mit Halskrause. Hermine runzelte die Stirn. Er mimte den Schwerverletzten, humpelte sogar, ließ sich von zwei Mädchen zum Tisch führen, und Hermine verstand nicht. Wie konnte man durch einen Schlag ins Gesicht humpeln müssen?

Pansy betrat die Halle mit Blaise Zabini an der Hand. Etwas, was Hermine auch nicht gewusst hatte, stellte sie fest. Sie war vor dem Gryffindortisch angekommen und setzte sich unschlüssig, während sie weiterhin beobachtete, wer die Halle betrat.

Ihre Augen nahmen ihn sofort wahr, als er mit Goyle die Halle betrat. Er war groß. Größer als Goyle. Seine Krawatte war streng gebunden, der Kragen saß gestärkt, die Hose fiel seine Beine hinab, als wäre sie für ihn maßgeschneidert. Einen offensichtlichen Fehler an seinem Äußeren war für sie nicht feststellbar.

Sein Blick galt ihr nicht. Nicht eine Sekunde. Aber sie konnte ihren nicht abwenden, denn nur mit dem Ausblick auf ihn, kamen alle schlechten Gefühle wieder, die Harrys Wärme ihr heute Nacht genommen hatte.

Dumbledore schloss zu ihm auf, so auch Snape. Zuerst gab es einen leisen Streit. Anscheinend über Kingston, denn Snape deutete auf ihn, während Malfoy gepresste Worte erwiderte. Dann sprach Dumbledore. Hermine konnte es nicht verstehen, aber Malfoys Gesicht nahm einen eisigen Ausdruck an. Er nickte anschließend. Gott, Hermine wollte wissen, worüber sie redeten, aber Dumbledore und Malfoy verließen die Halle.

Sie merkte gar nicht, wie sie sich wieder erhoben hatte und ihnen eilig folgte. Aber sie rannte praktisch als sie den Ausgang erreichte. Sie wusste nicht, warum, aber sie hatte das Gefühl, als ginge es sie etwas an, was passierte.

„Professor!", rief sie Dumbledore hinterher, als er und Malfoy den Weg zu Dumbledores Büro einschlugen. Beide wandten sich um. Und nun stand sie ein wenig verloren auf dem Korridor.

„Ja, Miss Granger?", fragte Dumbledore schließlich überrascht, und Hermine ignorierte Malfoys Blick. Sie kam langsam näher.

„Was… was geht hier vor? Ist es… - hat es mit der Entführung zu tun?", wollte sie wissen, denn es konnte ihr doch nur helfen, wenn sie mehr wusste. Dumbledore tauschte mit Malfoy einen knappen Blick.

„Der Entführer wurde gefasst, Miss Granger", erklärte Dumbledore ruhig.

„Oh", entfuhr es Hermine überrascht.

„Ja. Er sitzt zurzeit in Askaban, allerdings…" Er brach ab, rieb sich nachdenklich den Bart über seinem Kinn, und Malfoy wirkte angespannt. „Allerdings ist das Gold noch nicht aufgetaucht."

„Das Gold?", flüsterte Hermine verständnislos, aber sie erinnerte sich an die Zeitungen. Malfoys Gold. Es war alles gestohlen worden.

„Ja, das Gold aus dem Verlies von Mr Malfoy", bestätigte Dumbledore mit einem knappen Nicken. „Und es wäre uns doch ein Anliegen, es wiederzufinden", schloss er nickend.

„Kann… ich helfen?", sprach ihr Mund fast überrascht die Worte, und sie spürte Malfoys Blick nun auf sich ruhen. Dumbledore wirkte selber ein wenig erstaunt über ihre Worte.

„Sie, Miss Granger? Wissen Sie etwas über das Gold?" Und wie Dumbledore es sagte, klang es unwahrscheinlich, dass Sie überhaupt etwas wusste, geschweige ihren eigenen Namen. Es machte sie ein wenig wütend, dass sie vollkommen nutzlos geworden war. Sie wusste einfach nichts mehr, und es war nicht auszuhalten.

„Ich…" Sie dachte angestrengt nach. Und es war lächerlich, aber in Malfoys Nähe kamen ihr die Erinnerungen fast schon greifbarer vor. „Nein", schloss sie, enttäuscht von sich selbst. Aber dann sah sie ihn an. Kurz wirkte er überrascht von diesem direkten Blick.

„Was ist passiert?", fragte sie ihn also. „Vor der Entführung?" Harry hatte es ihr nicht alles erzählt, nicht sicher, ob es ihrer Erinnerung helfen würde. Auch Malfoy wirkte nicht überzeugt davon.

„Begleiten Sie uns doch ein Stück", schlug Dumbledore schließlich vor, deutete geradeaus, und Hermine tat ihm nur zu gerne den Gefallen, auch wenn Malfoy nicht begeistert wirkte.

„Wie soll das hilfreich sein?", wollte er gereizt wissen, während Granger gedankenverloren auf dem Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch saß. Sie hatten die Geschichte wieder und wieder durchgekaut. Granger konnte sich nicht erinnern, wo sie Garrick im Verbotenen Wald getroffen hatte, wo sie gefangen gehalten wurde und wer überhaupt das Gold versteckt hatte.

„Es hilft mir!", sagte sie schließlich, beinahe zornig. Er sah sie wieder an. „Wenn du…", begann sie zögerlich, aber sie setzte sich aufrechter hin. „Wenn du diese Dinge erzählst, fällt es mir leichter…, sie mir vorzustellen", entfuhr es ihr schließlich, und Draco sah, es bereitete ihr nicht gerade Vergnügen, diese Tatsache zu gestehen.

Es fiel ihr leichter, wenn er es sagte? Wirklich?

Sie sahen sich an, bis sie schließlich beschämt und wütend den Blick von ihm abwandte.

„Der Brief", sagte Dumbledore plötzlich, kramte in einer seiner hundert Schubladen und zog ihn hervor. Draco hatte ihn Dumbledore überlassen, um dort Spuren oder Beweise zu finden. Er reichte ihn ihr. „Diesen Brief haben Sie verfasst", erklärte er ihr.

Grangers Blick senkte sich schockiert auf die Zeilen. „Das… das ist meine Handschrift!", flüsterte sie ungläubig. Ihre Lippen formten schließlich die Worte ‚Dein Schlammblut' am Ende des Briefs. Und blinzelnd hob sich ihr Blick zu seinem Gesicht. Kurz war es, als legte sich ein Schatten über ihre Augen, als würde dieses Wort etwas in ihr hervorrufen, und ihm fiel auf, er hatte es lange nicht mehr gesagt, es nicht mal mehr unbewusst gedacht.

„Das Denkarium", schien sie aus dem Brief zu schließen. „Er wollte das Denkarium haben."

„Ja", bestätigte Dumbledore nickend. „Aber es ist nun zerstört", schloss er resignierend.

Sie rieb sich die Schläfen, als hätte sie Kopfschmerzen. Er sah sie immer noch an.

„Wie wäre es, wenn…", begann Dumbledore langsam, „wenn Sie beide einen kleinen Spaziergang machen würden? Ich bin mir sicher, Professor Snape hätte nichts dagegen", entschied. Beide, er und Granger, wirkten nicht begeistert. „Und über Ihre Strafe sprechen wir anschließend", ergänzte Dumbledore mit Blick auf ihn. Dracos Mund öffnete sich protestierend, aber Dumbledore unterbrach ihn harsch.

„Ich weiß, Mr Malfoy, es ist nicht einfach, aber es gibt Ihnen nicht das Recht, unschuldige Schüler zu schlagen", schloss er streng. Dracos Mund schloss sich wütend. Unschuldig. Das war wohl fraglich! Und Granger hatte ihn verraten. Tatsächlich verraten! Er hätte es nie für möglich gehalten, und sie besaß die Dreistigkeit, nicht mal schuldbewusst auszusehen.

„Sir-", begann Granger, aber Dumbledore ließ sich hinter seinen Schreibtisch sinken.

„-Miss Granger, ich halte es für eine gute Therapie", unterbrach er sie mit einem eindeutigen Blick, und Granger schien nicht zu wagen zu widersprechen. Dracos Herz schlug schneller. Er sollte mit ihr spazieren gehen? Ernsthaft? Was sollten sie bitteschön bereden? Hatte sie nicht gestern schon alles gesagt?!

Aber Granger verließ das Büro und wartete ernsthaft in der Tür auf ihn. Er folgte zerknirscht. Er kannte Dumbledores Strafen. Es würde irgendetwas entwürdigendes sein. Er folgte ihr schließlich. Schweigend verließen sie das Schloss und traten hinaus in den warmen Morgen. Sie schwiegen seit Minuten. Es wurde unangenehmer und unangenehmer von Sekunde zu Sekunde.

Sie sah ihn ab und an von der Seite an. Endlich erwiderte er ihren Blick, denn sie machte ihn nervös. Und das geschah selten genug.

„Stimmt das?", fragte er schließlich, und sie zuckte zusammen neben ihm.

„Was?", fragte sie defensiv und sah ihn nicht mehr an. Er hielt unwillig inne. Sie blieb ebenfalls stehen. Die Vögel sangen so lächerlich sorglos, dass es wie purer Hohn in seinen Ohren klang.

„Dass du dich besser erinnern kannst", wiederholte er ihre Worte. Sie schwieg unglücklich. „Granger-", begann er resignierend, aber sie schüttelte den Kopf.

„-ich weiß wirklich nicht, warum es so ist", flüsterte sie kopfschüttelnd, fuhr sich durch die dunklen Locken, und er atmete aus. „Ich will es nicht. Ich…" Dann seufzte sie schließlich und sah ihn wieder an. „Ich finde dich widerlich", brachte sie schließlich über die Lippen.

Seine Augen weiteten sich, ehe sich seine Mundwinkel tatsächlich hoben. Was? Fast war es witzig. Er war so absolut lächerlich. Er war schon froh, dass sie überhaupt mit ihm sprach, dass sie überhaupt in seiner Nähe war. Dass sie irgendetwas sagte. Und war es auch nur, dass sie ihn beleidigte, denn… in seiner Nähe erinnerte sie sich, und er glaubte nicht, schon mal ein besseres Kompliment bekommen zu haben.

„Du findest das komisch?", wollte sie fast beleidigt von ihm wissen, und er grinste breiter, ehe er den Blick senken musste.

„Ja", bestätigte er lächelnd, dem Boden zugewandt.

„Es ändert nichts! Dass wir diesen Spaziergang machen, oder was auch immer! Was da gewesen ist, ist nicht mehr da", beharrte sie, er sah sie immer noch nicht an, lächelte immer noch wie ein Idiot dem Boden entgegen. „Malfoy?", kam ihre entnervte Stimme über ihre Lippen, und es war das erste Mal, dass sie seinen Namen sagte.

Er hob langsam den Blick. „Hast du mich verstanden?", vergewisserte sie sich peinlich berührt.

„Ja, Granger", entgegnete er. „Glaub mir, von mir ging diese Sache nicht aus", log er abwehrend. Ihr Mund öffnete sich verblüfft. Dann stieg Röte in ihre Wangen.

„Was?", entfuhr es ihr keuchend. „Du lügst!", flüsterte sie panisch. „Ich würde niemals-"

„-kommst du?", erkundigte er sich, als er weiter gegangen war, und sie fluchend und böse zu ihm aufschloss. „Also?", wechselte er das Thema, das Lächeln zerrte wieder an seinen Mundwinkeln. „An was erinnerst du dich?", begann er fast unverfänglich das Gespräch.

„An nichts Gutes", brummte sie praktisch neben ihm.

„Nein?"

„Fledermäuse", murmelte sie unschlüssig.

„Ja, es sind Animagi gewesen. Deine Entführer. Elias Garrick war die Fledermaus. Ves-"

„-Vesperugo!", entfuhr es ihr fast triumphierend. Er hob den Blick zu ihrem Gesicht. Ihre Augen schienen bei dieser Erkenntnis zu leuchten. Er vergrub die Hände in den Taschen seiner Hose, während sie nachdenklich neben ihm lief und die Nähe zwischen ihnen nicht mal zu bemerken schien. „Ja, ich… weiß!", flüsterte sie überrascht.

Es vergingen ein paar Meter in Stille. „Malfoy?", fragte sie fast vorsichtig. Er sah sie wieder an. Er konnte gar nicht anders.

„Ja?" Sie schien nicht sicher zu sein, was sie sagen sollte.

„Als… als dein Vater gestorben ist… - war ich da?", vergewisserte sie sich, und er wandte den Blick nach vorne. Er nickte nur. „Und… was ist passiert?" Er atmete aus. Er wollte nicht. Er wusste es nicht mal mehr.

„Ich…", begann er, denn… er hatte nicht mal Lust, wütend zu werden. „Ich war sehr betrunken", sagte er also wahrheitsgemäß. Dann schüttelte er den Kopf. „Und du warst da. Ich denke, wir haben uns gestritten – und dann… bin ich genauso ahnungslos wie du", gestand er.

„Oh", flüsterte sie schließlich. „Wir… haben uns viel gestritten?", fragte sie plötzlich. Draco begriff, dass das wohl etwas war, an das sie sich erinnerte.

„Na ja… mir ging es nicht… unbedingt gut", beschrieb er in wenigen Worten den größten Absturz seines Lebens in den letzten Monaten. „Und du… hast mich gerettet", ergänzte er ohne jede Scheu, aber sie senkte mit roten Wangen den Blick.

„Nein, das denke ich nicht", widersprach sie fast sofort. Es zu leugnen war einfach, stellte er fest, aber es zuzugeben, war ungleich schwerer. Aber… es fühlte sich besser an.

„Doch, Granger. Als nichts in meinem Leben einen Sinn ergeben hat, warst du da. Jeden Abend", ergänzte er knapp. Sie hatte inne gehalten.

„Hör auf so zu reden!", fuhr sie ihn plötzlich an. Er erwiderte ihren Blick. „Es war so nicht!", fuhr sie kopfschüttelnd fort. „Stell es nicht so hin, als wäre es der größte Spaß gewesen!" Sie würde weinen. Er sah es. „Denn… denn ich erinnere mich an Schmerz, an… eine furchtbare Zeit! Und gar nichts war gut!", flüsterte sie jetzt.

„Granger-"

„-nein! Du hast mich Schlammblut genannt, oder nicht, Draco Malfoy? Denn etwas anderes kann ich mir aus deinem Mund nicht vorstellen!", wisperte sie. „Du wolltest mich vergewaltigen, wir haben geschrien und gestritten, bis du mir wehgetan hast! Denn das ist alles, was ich weiß! Es tat verdammt noch mal weh, Malfoy!", schrie sie jetzt unter Tränen.

„Es war niemals… gut!"

„Ich…" Er war überfordert. Es war so schwer. „Es tut mir-"

„-wag es ja nicht, dich bei mir zu entschuldigen!", fuhr sie ihn zitternd an. „Es ändert nichts! Du… und ich – wir haben nichts gemein! Du warst ein Arschloch!" Er sagte nichts dazu. Was sollte er dazu sagen? Dass es nicht stimmte? Denn es stimmte ja.

„Und jetzt… - jetzt brauchst du überhaupt nicht so zu tun, als… wärst du… nett!", spuckte sie ihm entgegen. „Als würdest du mir damit einen Gefallen tun, weil du dich schlecht fühlst!", fuhr sie ihn zornig an.

Jetzt erwachte er aus der Starre, die ihn befallen hatte. „Was soll das?", knurrte er jetzt. „Ich tue dir keine Gefallen, verdammt noch mal! Weiß du, dass es für mich auch schwer ist, verflucht noch mal?", schrie er jetzt, denn er verlor die Fassung. Ihre Lippe bebte gefährlich.

„Oh ja?", flüsterte sie hasserfüllt. „Wieso sollte es, Malfoy? Sag mir, wieso es ausgerechnet für dich schwer sein sollte?" Sie starrte ihn böse an, Tränen schimmerten in ihren Augen. „Du wurdest nicht entführt! Niemand hat dich eine Klippe hinab gestoßen und deine Erinnerung gelöscht!"

„Nein", brachte er gepresst hervor. „Und es tut mir leid, Hermine, ok?", rief er verzweifelt, und nur am Rande nahm sein Unterbewusstsein wahr, dass er sie zum ersten Mal beim Vornamen genannt hatte. „Aber mein Vater wurde von dem Mann umgebracht, der mein gesamtes Vermögen gestohlen hat! Der daran schuld ist, dass jede einzelne Erinnerung, die mir geblieben ist, nun an den Schlossmauern zerschellt ist! Derselbe Mann ist hier im Körper meines toten Vaters aufgekreuzt, entführt die einzige Person, die mir überhaupt noch irgendetwas auf dieser scheiß Welt bedeutet – und jetzt weißt du es nicht mal mehr!", donnerte seine Stimme, und sein Bewusstsein wollte ihn schon seit einigen Sekunden längst erschlagen haben für seinen losen Mund.

Oh Gott. Nein.

Ihr Blick – nein. Er wollte es zurücknehmen, noch in derselben Sekunde wollte er alles zurücknehmen!

Die Vögel schwiegen in den Bäumen in der nächsten Nähe, und sie weinte nicht mehr. Sie starrte ihn nur noch an. Mit großen ungläubigen Augen.

Wie konnte er das zurücknehmen? Es war so falsch, was er gesagt hatte, denn sie wusste nichts mehr! Es war nicht mehr richtig, was er sagte. Und er atmete heftig aus, schüttelte knapp den Kopf und verbannte jedes bisschen Mitgefühl und alles, was sonst noch irgendwelche Emotionen in ihm auslösen konnte.

„Vergiss es", rang er sich beherrschter ab. „Vergiss, was ich gesagt habe", schloss er ergeben, kleinlaut, resignierend – er klang in seinen Ohren so erbärmlich, dass er es nicht mehr ertragen konnte.

„Das… sollte für mich nicht besonders schwer sein, da ich sowieso nichts mehr weiß", entkam es tonlos ihren Lippen.

„Gut", erwiderte er steif.

„Ja", sagte sie, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Ja", wiederholte er, denn er konnte sie nicht das letzte Wort haben lassen.

„Und nenn mich nicht Hermine, Malfoy. Nie wieder", fügte sie zitternd hinzu.

Und es brannte. Irgendwo hinter seinen Augen brannte es. Er musste weg hier.

Er musste. Er hatte es versaut. Er hatte zu viel gesagt. Und es war vorbei.

Jetzt und hier.