Kapitel 24

Harry hatte es bemerkt.

Schon vor dem Frühstück. Aber zuordnen können hätte er es nicht gekonnt. Jetzt aber wusste er es. Und er konnte nur behaupten, Pansy hatte es nicht besser verdient. Das waren seine ersten Gedanken, aber schon sehr schnell hatte er andere Sorgen.

Denn er würde dazwischen gehen müssen, während Ron vollkommen perplex neben ihm stand und gaffte.

„Äh – Hermine?", wagte Harry beflissen einzuwerfen, während sich Pansy und Hermine umkreisten wie zwei Raubtiere kurz vor dem Angriff.

„Was, Harry?", schnappte seine beste Freundin durch zusammen gebissene Zähne, ohne Pansy aus den Augen zu lassen.

„Wir befinden uns auf dem Korridor? Vielleicht ist es nicht gerade die beste Idee, Pansy zu verfluchen? Am helllichten Tag? Kurz vor der Großen Halle?", schlug er gedehnter vor, während Ron gebannt das Geschehen beobachtete. „Hermine?", wiederholte er ungeduldiger. Kurz schnappte ihr Blick zu seinem Gesicht. Und sie war mächtig wütend.

„Gleich, Harry", knurrte sie unwirsch. „Nimm es zurück!", befahl sie Pansy zum wiederholten Mal.

„Was? Nein! Du bist vollkommen verrückt geworden, du dummes Miststück!", rief Pansy entsetzt, und Harry nahm an, Pansy hielt ihren Zauberstab lediglich zur Schau auf Hermine gerichtet, denn Harry war bereit, mehr als zehn Galleonen auf den Tisch zu legen, dass Pansy gerade bestimmt keinen Fluch auf Lager hatte. Wenn er darüber nachdachte, hatte er Pansy noch nie zaubern sehen, überlegte er dumpf.

„Nimm. Es. Zurück!", wiederholte Hermine tonlos und machte einen Schritt auf Pansy zu.

Ron schluckte laut neben ihm. „Was hat Pansy gesagt?", wisperte er ihm begierig ins Ohr, und unwillkürlich verdrehte Harry die Augen. Ron war exakt zwei Minuten zu spät aus der Großen Halle gekommen. Sonst hätte er den unspektakulären Moment miterlebt, der dieses seltsame im-Kreis-Geschleiche überhaupt erst katalysiert hatte.

„Nichts, Ron", löste Harry das Problem diplomatischer als es Hermine gerade tat. Harry hätte sie gerne daran erinnert, dass sie Schulsprecherin war, aber er beherrschte sich, denn sonst dürfte er wahrscheinlich gleich mit Hermine im Kreis rennen, während sie ihm ans Leben wollte.

„Pack den Zauberstab weg, verdammt noch mal!", rief Pansy panischer aus.

„Nimm es zurück!", sagte Hermine nur.

„Oh Gott! Hör auf mit dem Scheiß!", rief Pansy aus, während sie praktisch vor Hermine davon lief. „Ich habe überhaupt nichts getan, du Wahnsinnige!", kreischte Pansy, als Hermine näher kam. „Außerdem", fuhr Pansy verzweifelt fort, „heißt es nur, dass ich Recht habe!", setzte sie noch einen drauf.

„Oh, du musst mir sagen, was Pansy gesagt hat!", zischte Ron begeistert. „So viel Spannung hatten wir noch nie!"

Harry atmete aus.

„Hermine", ermahnte Harry sie erneut, aber Hermine schüttelte unbewegt den Kopf.

„Nein, Harry. Die Schüler haben Respekt vor mir zu haben!", erwiderte Hermine, während ihr Blick immer noch auf Pansy ruhte.

„Sie klingt wie Malfoy", murmelte Ron kopfschüttelnd.

„Halt die Klappe, Ron!", kam die sofortige Retour von Hermine, ohne ihn anzusehen.

„Meine Güte", murmelte Ron mit abwehrend erhobenen Händen. „Jemand hat besonders schlecht geschlafen", ergänzte er leiser.

„Ich habe hervorragend geschlafen", entgegnete Hermine, ohne ihn anzusehen, während Pansy gereizt den Zauberstab senken ließ.

„Ja", sagte Pansy, „ein Wunder, dass du nicht direkt in unserem Gemeinschaftsraum geschlafen hast, oder?"

Und Hermines Zauberstab sank augenblicklich. „Und ich habe Recht", fuhr Pansy triumphierend fort, „dafür, dass du nichts mehr weißt, machst du alles genauso, wie du es immer getan hast! Wahrscheinlich hast du auch noch den Teppich gereinigt, als du gestern – ahrg!", keuchte Pansy plötzlich auf, als Hermine sich kurzerhand auf sie gestürzt hatte.

Und das war der Moment.

Harry sprang nach vorne. „Hermine!", entkam es ihm völlig erschüttert, als er versuchte, Hermine von Pansy zu ziehen, die wild mit den Armen und Beinen ruderte, als Hermine sich quer auf sie geworfen hatte.

„Nimm das zurück!", rief Hermine außer sich, pinnte Pansys Handgelenke auf den Boden und saß rittlings über ihr, nachdem sie Harry abgeschüttelt hatte.

„Geh runter!", kreischte Pansy kopfschüttelnd.

„Nimm es-"

„-Draco!", rief Pansy panisch, als sie ihn wohl vom Boden aus erkannte, wie er die Treppen von den Kellern nach oben kam. Harry sah, wie auch Malfoy für eine Sekunde verdattert das Geschehen verdauen musste. Seine Stirn legte sich in viele Falten, ehe sich sein Blick eine Spur verwirrt zu seinem Gesicht hob.

Harry zog es vor, diese Szene nicht zu erklären – er wusste nicht mal wie.

„Draco, hilf mir!", jammerte Pansy mit brüchiger Stimme.

„Du nimmst das zurück, du elende-!"

„-Miss Granger!" McGonogall hatte die Halle nach dem Frühstück verlassen und betrachtete die Szene vor sich bestürzt über die eckigen Brillengläser hinweg. „Gehen Sie sofort von Miss Parkinson runter! Sofort!", befahl die Hauslehrerin vollkommen erschüttert.

Widerwillig, und nicht ohne einen letzten hasserfüllten Blick, kletterte Hermine von Pansy runter, klopfte sich den Staub von der Uniform und stellte sich trotzig neben Harry zurück. Ihre Locken hingen ihr wild aus dem unordentlichen Zopf.

„Was in aller Welt geht hier vor? Es wird sich nicht auf den Gängen geprügelt! Und vor allem tut das die Schulsprecherin nicht!", entfuhr es McGonagall so tief verletzt als hätte Hermine soeben erklärt, sie wolle ins Slytherin-Haus wechseln. „Miss Parkinson, richten Sie Ihre Bluse!", wandte sich McGonagall ungeduldig an Pansy, die reichlich mitgenommen aussah.

Snape hatte ebenfalls die Halle verlassen, musterte sie alle ein wenig verwirrt, ehe er sich langsam Malfoy zuwandte.

„Zeit für Ihre Strafe", verkündete er, nicht ohne den Hauch von Genugtuung in der Stimme. Malfoy schien davon bereits zu wissen, denn er widersprach nicht einmal. Harry wusste, Malfoy musste noch eine Strafe absitzen, dafür, dass er den Idiot Kingston geschlagen hatte.

„Oh, Sie können diese beiden direkt mitnehmen, Severus!", erklärte McGonagall entrüstet. Snape bedachte Hermine und Pansy mit prüfenden Blicken. Aber er schien keine nähere Erklärung zu brauchen. Snape brauchte nie Erklärungen, um großzügig zu bestrafen. Harry wusste das nur zu gut.

„Mit dem größten Vergnügen", erwiderte er lediglich. „Die anderen können verschwinden, sonst gibt es Quidditch-Verbot", schloss er lediglich, und die wenigen Schüler, die bei der Szene dabei gewesen waren, verflüchtigten sich besonders schnell.

„Bis später", rief Ron Hermine verdattert nach, aber Hermine folgte Snape verbissen und stumm. „Was hat Pansy gesagt?", wollte Ron nun wieder begierig von ihm wissen. Harry atmete ergeben aus.

„Dass Hermine gestern im Gemeinschaftsraum der Slytherins aufgeräumt hätte", erwiderte Harry ausdruckslos. Ron schien mehr erwartet zu haben, und genauso verschwand sein erwartungsvoller Ausdruck und wich einem ungläubigen.

„Hä?", sagte er, wenig eloquent. „Das war alles?", wollte e verwirrt wissen, und Harry ruckte mit dem Kopf.

„Jap", sagte er nur, während Ron und er auf die geschlossene Eichentür des Schlosses starrten, durch die Pansy, Hermine und Malfoy soeben verschwunden waren.

„Und? War sie da gewesen und hat aufgeräumt?", erkundigte sich Ron verwirrt, hoffte vielleicht auf irgendeine spannende Wendung in dieser langweiligen Geschichte, und Harry nickte erneut.

„Jap, hat sie", wiederholte er nickend, und Ron verzog neben ihm den Mund.

„Versteh ich nicht", gab Ron schließlich offen zu, was Harry ebenfalls dachte. Ja, er verstand es auch nicht. Überhaupt nicht. Hermine hatte sich noch niemals auf irgendwen gestürzt.

Und bestimmt nicht wegen so etwas!

Sie hasste Pansy! Pansy marschierte ängstlich zwei Schritte weiter vorne. Direkt neben Malfoy. Hermine schoss Pansys Rücken ein paar weitere hitzige Blicke.

„So, dann bekommt Mr Malfoy heute doch noch Hilfe", schloss Snape eine Spur zu vergnügt, für Hermines Geschmack. „Ihnen wird eine besondere Aufgabe zuteilwerden, und ich schlage vor, sie streiten sich nicht. Hagrid hat sonst die Absolution Ihnen allen Punkten abzuziehen."

Kurz wurde Snape langsamer. Dann wandte er den Blick zurück und betrachtete Malfoy und sie. „Miss Granger, das ist Ihre erste Strafe. Mr Malfoy scheint auf sie abzufärben", bemerkte er belustigt.

„Tut er nicht", knurrte sie, ohne sich halten zu können. Malfoys Blick traf sie über seine Schulter hinweg. Er war eindeutig. Und Hermine hasste es, dass es eindeutig war. Er sah sie an, als würde er ihre trotzigen Reaktionen durchschauen und als äußerst kindisch verurteilen. Aber Hermine benahm sich nicht kindisch. Sie hatte gute Gründe. Verdammt gute Gründe, sich auf Pansy Parkinson zu werfen. Zwar hatte es Pansy vielleicht nicht verdient, Hermines Wut zu ertragen, aber Pansy war gerade passend da gewesen.

Und sie hatte es gewagt, den Mund aufzumachen!

Hagrid kam in ihr Sichtfeld, und Snape stoppte vor dem riesigen Wildhüter, der Hermine überrascht begutachtete.

„Mine, was tust du denn hier?", wollte er verdattert wissen.

„Miss Granger leistete ihre Strafarbeit ab", antwortete Snape statt ihrer. Hagrid wirkte verwirrter als zuvor.

„Oh", sagte er nur, fixierte Hermine eindringlicher, und Hermine wusste, sie würde es ihm später erklären müssen. „Na, dann wollen wir sie mal nicht warten lassen", schloss Hagrid, wieder aufgeregter, als ginge es nicht um eine Strafe, sondern um einen Ausflug in den Honigtopf.

„Wer sie?", wollte Pansy unschlüssig wissen.

„Ihr werdet sehen", versprach Hagrid zwinkernd.

„Wir sehen uns zum Quidditchspiel", verabschiedete sich Snape. „Es sei denn natürlich, Sie werden bis dahin nicht fertig, dann wird es ausfallen", würzte er seine Worte mit einer netten Drohung, und Hermine atmete gereizt aus. Ihr war Quidditch herzlich egal.

„Kommt, kommt!", rief Hagrid auffordernd, und sie hatten Mühe bei seinen mächtigen Schritten mitzuhalten. Hermine begriff, er führte sie zum See. Und von weitem sah sie die Riesenschlang im Wasser planschen.

„Nessie!", kam es ihr wieder in den Sinn. Sie hatte schon fast den schrecklichen Tag verdrängt, als Dumbledore sie gerettet hatte.

„Jaah! Sie fühl sich wirklich wohl hier!", beteuerte Hagrid.

„Was sollen wir tun?", wollte Malfoy fast ängstlich wissen, und Hagrid grinste, so dass sich sein Bart ein ganzes Stück sein Gesicht empor hob.

„Ihr werdet sie putzen!", rief er glücklich aus. Pansys Mund verzog sich voller Abscheu bei seinen Worten. „Das hat sie mal verdient und wird sich unheimlich freuen. Aber keine Zauberstäbe!", ergänzte Hagrid zwinkernd. „Das macht ihr Angst."

„Hm. Natürlich tut es das", entgegnete Malfoy zerknirscht.

„Ich hasse dich!", zischte ihr Pansy über die Schulter zu, und Hermine verdrehte die Augen. „Das ist allein deine Schuld!", ergänzte sie verzweifelt, als sie das Ufer erreicht hatten, und Hagrid mit einem spitzen Pfiff durch die Finger, die Seeschlange zu sich rief. Sie schlängte sich lautlos und schnell über die Oberfläche zum Ufer. Sie beschnupperte Hagrid, und dieser bedeutete ihnen, Nessie ihre Hand hinzuhalten.

„Auf gar keinen Fall!", entrüstete sich Pansy schockiert.

„Nun mach schon", sagte Malfoy nur neben ihr, und widerwillig tat sie, was er forderte.

Mit geschlossenen Augen schien Pansy angeekelt zu warten, dass die Seeschlange es erlaubte, von ihr berührt zu werden.

„Sie ist sehr scheu", erklärte Hagrid liebevoll. „Komme her, Hermine. Dich kennt sie bestimmt noch!" Hermine trat unschlüssig neben Hagrid, und Nessie beugte den Kopf zu ihr hinab, schnupperte kurz in die Luft und stupste Hermine dann sanft mit dem grünlilanen Kopf in den Bauch.

„Hey, schön dich zu sehen", murmelte Hermine ihr zu und legte ihre Hände über die großen Nüstern des Tieres. Nessie schloss sehr kurz die Augen und schien die Nähe zu genießen.

„Dann macht euch an die Arbeit. Jede Schuppe einzeln schrubben!", erklärte Hagrid, warf ihnen Handschuhe und Lappen zu und schien diese Arbeit wohl nur zu gerne selber zu machen.

„Einzeln schrubben?", wiederholte Pansy schockiert.

„Ja!", rief Hagrid aus, als wäre ein besonderer Spaß. Malfoy beschwerte sich überraschend wenig, denn er ergriff stoisch den Lappen, tauchte ihn ins Uferwasser und begann die erste Schuppe auf Nessies Bauchhöhe zu polieren. Hermine tat es ihm schließlich gleich, nur blieb sie auf Halshöhe des Tiers.

„Igitt", murmelte Pansy, während sie mit spitzen Fingern einen Lappen ergriff und sich neben Malfoy stellte.

„Sagt Bescheid, wenn ihr fertig seid!", befahl Hagrid, schulterte einen Sack, der am Ufer gelegen hatte und machte sich pfeifend auf den Weg zu seiner Hütte.

Hermine putzte sanft die Schuppe, und Nessie dümpelte mittlerweile mit geschlossenen Augen am Ufer, während die Sonne ihre Haut in den schönsten Farben schillern ließ.

„Was die Haut wohl wert ist?", murmelte Pansy abwesend, und Hermine zuckte zusammen vor Ekel.

„Deswegen ist sie überhaupt hier! Und so scheu, du dumme Gans!", fuhr sie Pansy beherrscht an. „Alle wollten ihre Haut haben, sagt Dumbledore. Guck dir doch ihren zerschundenen Körper an!"

„Schon gut! Ich habe nur laut gedacht!", rief Pansy beleidigt. „Verrückte Kuh!", brummte sie kopfschüttelnd, und Hermine starrte wieder stur nach vorne. Malfoy sprach nicht mit ihr, nicht mit Pansy, und Hermine war es nur recht, wenn sie daran dachte, wie schamlos sie ihn gestern geküsst hatte.

Sie putzten in Stille weiter, und Hermine hatte sich schon fast gewöhnt. Ins Wasser tauchen, erst die linke Seite der Schuppe, dann die rechte und schließlich noch mal über die Mitte wischen. Nessie hatte bestimmt zehntausend Schuppen, überlegte sie dumpf. Sie fühlten sich weich und geschmeidig an. Aber sie sah auch, dass bereits einige fehlten. Entweder durch vernarbten Wunden, oder weil sie einfach rausgeschnitten worden waren.

Es war schwer mitanzusehen. Denn Nessies Körper – ihre Narben – verriet nur zu genau, was ihr wohl in vergangenen Zeiten widerfahren war. Hermine schluckte als sie zu einer besonders schlecht vernarbten Stelle gelangt war. Hier hatte wohl ein giftiger Sperr gesteckt. Sanft strich sie über die alte Wunde und spürte Nessies Körper leicht zusammen fahren.

„Schon gut. Ich tue dir nichts", versprach sie dem endlose langen Tier sanft.

„Wie hast du geschlafen, Granger?", fragte sie Malfoy plötzlich unvermittelt, als er eine Seite des Tieres umrundet hatte und zu ihr stieß. Pansys spitzte die Ohren, weiter rechts neben ihr. Hermines Puls schlug laut in ihren Ohren. Sie spürte seinen Blick auf sich.

„Großartig", antwortete sie verbittert, und starrte stur geradeaus.

„Hm, ich auch", erwiderte er, als würden sie ständig miteinander plaudern. „Hatte einen seltsamen Traum", begann er nun nachdenklich, als müsse er sich erst entsinnen.

„Ach ja?", fuhr Hermine ihn zornig an. „Ich glaube nicht, dass es jemanden interessiert, Malfoy", knurrte sie. Sie spürte die Röte in ihren Wangen. Sie hatte angenommen, er wäre vielleicht zu betrunken gewesen, um sich z erinnern, aber sie hatte sich wohl geirrt. Es war schon ungerecht genug, dass sie überhaupt eine Strafe absitzen musste. Und das dann auch noch mit ihm zu tun.

„Du hast was übersehen", unterbrach er scharf ihre Gedanken, griff tatsächlich in ihre Privatsphäre ein und deutete auf einen Fleck direkt vor ihren Augen, den sie tatsächlich übersehen hatte. Die plötzliche Nähe versetzte ihr einen Schreck und sie fuhr unbewusst zur Seite.

Sie hob den Blick und wünschte, sie hätte es nicht getan.

Er stand keinen halben Meter mehr von ihr entfernt. Sein Blick war wissend, prüfend fast, und Hermine wusste nicht, warum sie sein Blick so einschüchterte.

Badezimmer…, dachte sie unwillkürlich, verengte kurz die Augen, als ihr Gehirn ihr Bilder vorspielte, die sie noch nie gesehen hatte. Sie erinnerte sich, dass sie mit Malfoy im Badezimmer der Vertrauensschüler gewesen war. Sie blinzelte einige Male.

„Stör ich?", fuhr Pansy dazwischen, während Hermine Malfoy wohl nur angestarrt hatte. Sie zuckte aus der Starre, wurde noch röter in den Wangen, und senkte den Blick wieder auf Nessies Schuppen vor sich.

„Von Zeit zu Zeit tust du das", erwiderte Malfoy tatsächlich achselzuckend.

„Ha, ha. Wie witzig, Draco!", knurrte sie. „Blaise ist da anderer Ansicht", murrte sie sehnsüchtig.

„Dafür sind wir alle dankbar", kam seine trockene Antwort.

„Wieso bist du gemein zu mir, aber nicht zu ihr?", entrüstete sich Pansy so schrill, dass Nessie zusammen zuckte.

„Willst du, dass das Vieh abtaucht und wir noch mal von vorne anfangen müssen, Pansy? Dann warne ich dich hier und jetzt – das kannst du dann alleine machen!", knurrte er böse.

„Früher konntest du mich besser leiden!", zischte Pansy, während sie wütend eine Schuppe heftiger polierte, und Nessie tatsächlich anfing zu schnurren, während Hermine rot bis zu den Ohren geworden war. „Und du streitest es nicht mal mehr ab", schloss Pansy boshaft und bearbeitete die nächste Schuppe mit genauso viel zornigem Tatendrang.

„Du tust ihr noch weh", fuhr Hermine kleinlaut dazwischen und erntete Pansys säuerlichem Blick. Ihr Lappen sank in ihrer Hand.

„Möchtest du mir zeigen, wie es besser geht, Granger?", knurrte sie. „Oder möchtest du dich lieber gleich auf mich stürzen?", fuhr sie Hermine bösartig an. „Das Ganze ein bisschen abkürzen, nur weil ich tatsächlich Recht hatte?" Wieder begann Pansy zu putzen, was das Zeug hielt, während Nessie praktisch schon vor Genuss zitterte. „Du kannst nur froh sein, dass Potter und Weasley nicht alles gehört haben!", knurrte Pansy zornig, tauchte den Lappen mit großem Gespritze ins Wasser, um weiter zu polieren.

„Halt deinen Mund!", schnappte Hermine, immer noch knallrot im Gesicht.

„Oh, ich bitte dich!", meckerte Pansy wütend. „Du bist so erbärmlich!"

„Halt deine Klappe!", erwiderte Hermine lauter.

„Wenn ihr nicht beide aufhört, werf ich euch ins Wasser", drohte Malfoy gereizt neben ihr, und Pansy lachte auf.

„Oh ja? Und wen wirst du dann wohl retten, frage ich mich?", fuhr sie ihn an. Malfoy hob jetzt den Blick zu Pansys Gesicht. „Ihr seid so verkorkst, dass es schon fast langweilig wird! Du hast vielleicht alles vergessen, aber du stehst trotzdem auf ihn! Ein blinder Troll mit Krückstock kann das sehen!"

Hermine hatte ihren Lappen direkt in Pansys Gesicht geworfen, aus voller Wut heraus.

„Iiiiiehhh!", kreischte Pansy auf, dass Nessie gereizt mit dem Kopf schüttelte.

„Hey!", fuhr Malfoy ungerührt dazwischen. „Entweder ihr kriegt euch ein, oder ihr macht es allein. Pansy, halt einfach deine Klappe, ginge das?"

„Oh, stell dich doch noch vor sie, Draco! Trommel mit deinen Fäusten auf die Brust! Zieh den Zauberstab, verteidige dein Schlammblut!", rief Pansy, eine Seite ihres Kopfes klatschnass, von Hermines Lappenwurf. Und Malfoys Blick nahm etwas Gefährliches an, was sogar Pansy nicht entging.

„Hau ab", entfuhr ihm rau. „Verpiss dich, Pansy und geh zurück zu Blaise. Du gehst mir auf die Nerven!", knurrte er tonlos. Pansy warf ihren Lappen ins seichte Wasser.

„Nur zu gerne! Nur zu gerne, ihr verdammten Heuchler!", rief sie und stapfte davon.

Hermine starrte blind, mit klopfendem Herzen nach vorne. Sie polierte schon nicht mehr. Aber ihr Lappen drohte auch im seichten Wasser davonzutreiben.

„Ich kann meine Schlachten alleine kämpfen", brachte sie wütend hervor, ohne ihn anzusehen.

„Ja", bemerkte er bitter und polierte neben ihr heftiger. „Das sehe ich. Beim letzten Mal hast du es geschafft, dir eine Strafe aufdrücken zu lassen", erinnerte er sie spöttisch.

„Das hat überhaupt nichts damit zu tun, du Arsch!", fuhr sie ihn jetzt an. Sie erntete seine argwöhnisch erhobene Augenbraue.

„Nein, wie ich sehe, hast du dich hervorragend im Griff, Granger", entgegnete er abschätzend. Kurzerhand bückte sie sich nach Pansys Lappen und marschierte zum Ende der Seeschlange, damit sie mit ihm nicht mehr reden musste.

Zornig putzte sie die Schuppen und fragte sich dumpf, was Nessie wohl von ihnen allen halten musste. Glücklicherweise verstand das Tier immerhin kein Wort. Es wäre einfach nur peinlich.

Sie sprachen immerhin nicht mehr. Sie wusste auch, Malfoy wollte fertig werden, denn er spielte schließlich heute. Und sie hoffte, Slytherin würde haushoch verlieren.

Sie hoffte, sie würden alle von ihren Besen fallen! Nach einer Stunde war ihr Arm müde vom polieren. Die Schlange hatte ihnen den Gefallen getan, sich im Wasser zu wenden, so dass sie nun die andere Seite putzen konnten. Es war eine herrlich demütigend Aufgabe, an der wirklich nur Hagrid Spaß finden konnte. Und Pansy war auch nicht mehr da. Hermine würde das McGonagall sagen. Vielleicht. Wenn sie noch Lust dazu haben würde.

Eigentlich war es ihr egal, ob Pansy nun half oder nicht. Ohne Pansy, rastete sie immerhin nicht sofort aus.

Hermine polierte gerade die Seite, nahe am Kopf des Tiers, das scheinbar auf der Sandbank eingeschlafen war. Malfoy putzte mittlerweile neben ihr.

„Das hier ist meine Seite", erklärte Hermine bockig.

„Ich bin schneller als du. Merlin, ich hätte es ohne euch doppelt so schnell geschafft", murmelte er, mehr zu sich selbst.

„Gott, könntest du noch arroganter sein?", fuhr sie ihn kopfschüttelnd an, ohne den Blick zu wenden.

„Es hat nichts mit Arroganz zu tun", erwiderte er überheblich. „Ich habe mehr Kraft und Ausdauer", erläuterte er lapidar.

„Du hast einfach nur ein viel zu großes Ego, was einfach nur zum-" Alle ihre restlichen Worte, wurden mit einem überraschten Laut aus ihren Lungen hinaus gepresst, als Nessie ihr vollkommen unkollegial mit dem großen Kopf einen Stups in den Rücken verpasst hatte, und Malfoy sie gerade noch so auffing, ehe Hermine unschön ins Wasser geplumpst wäre.

Sie blickte hoch in seine grauen Augen, als sie sich an seine Schultern geklammert hatte.

Er hielt sie fest in seinen Armen, und Hermines Herz schlug wieder einmal lächerlich schnell.

„Alles ok?", entfuhr es ihm rau, während sein Blick über ihr Gesicht glitt. Locker lag sein Arm um ihre Taille, und Hermine verfluchte sich dafür, dass sie schon wieder einmal so nahe vor ihm war.

„Lass… lass mich los. Ich… ich kann alleine stehen", flüsterte ihre Stimme hilflos. „Du brauchst überhaupt nicht so nett zu tun!", fuhr sie ihn nun hysterischer an und machte sich hastig von ihm los, während sie ignorierte, dass sie sich an seine Schultern geklammert hatte. Seine Stirn legte sich langsam in tausend Falten. Dann trat ein kalter Ausdruck in seine grauen Augen und eine Art Herausforderung auf seine Züge. Sein Arm schlang sich erneut um ihre Taille, presste sie zurück an den kühlen Körper des Tieres hinter ihr und sie blinzelte erschrocken hoch in sein Gesicht.

Er verharrte nur Millimeter vor ihren Lippen, während Hermine schlucken musste, so trocken war ihr Mund geworden. Sie war zwischen ihm und Nessie gefangen, und dem Tier schien es überhaupt nicht auszumachen.

„Weil ich so nett bin, tue ich so, als wärst du gestern nicht diejenige gewesen, die mich als erstes geküsst hat. Und weil ich so nett bin, werde ich dich nicht darauf hinweisen, dass du mich auch jetzt gewähren lassen würdest", informierte er sie gepresst, die Stimme dunkel und voller unterdrückter Anspannung. Ihr Mund öffnete sich schockiert, aber sie sagte keinen Ton. „Und weil ich so nett bin…", schloss er mit zusammen gebissenen Zähnen, „werde ich warten, bis du über deinen verdammten Schatten springst. Bis du zu mir kommst und praktisch darum bettelst." Er führte nicht aus, um was sie betteln würde, aber ihr Bauch explodierte förmlich vor Gefühlen.

„D-da kannst du la-lange warten", wollte sie ihm entgegen spucken, aber ihre Stimme war gerade nicht dazu zu gebrauchen, hartherzige Drohungen und böse Worte auszusprechen. Nein, sie klang so hilflos und kleinlaut wie sie nur konnte, und es war erbärmlich, denn fast hatte irgendein dummer, kleiner Funken in ihr gehofft, dass er es tatsächlich tun würde. Dass er sie tatsächlich küssen würde.

So dumm es auch war. Er sagte nichts auf ihre halbherzigen Worte hin, und bevor es noch prekärer werden würde, stieß sie ihn von sich und lief über die Wiese davon, ließ ihn zurück, und wandte sich nicht um Dann konnte er beweisen, wie gut er alleine putzen konnte!

Ihr Herz schlug zu schnell.

Sie erinnerte sich an einen Moment. Im Badezimmer der Vertrauensschüler. Sie hatte sich ebenfalls in seinen Armen befunden. Und es war kein schlechtes Gefühl gewesen.

Alles war vermischt. Alles war so furchtbar durcheinander in ihrem Innern.

Sie wusste nicht, was stimmte und was nicht.

Die Sonne versank langsam. Sie wollte nicht zum Quidditchspiel gehen müssen. Aber Harry, Ginny und Ron gingen, also… würde sie schlecht alleine bleiben können.

Sie hatte genug von ihm gesehen. Sie wollte ihn nicht schon wieder sehen müssen.

Alle Gedanken stürzten zu schnell auf sie ein, ohne dass sie die Chance hatte, sie zu sortieren….

Sie glaubte nicht, dass ihr Herzschlag sich noch beruhigen würde, dachte sie traurig. Wieso verriet ihr Körper sie so schamlos? Es war einfach nicht fair.