Kapitel 25

Dumbledore war nicht zurück. Niemand gab ihm irgendwelche Informationen bezüglich seines verlorenen Goldes, und langsam aber sicher ging es ihm auf die Nerven. Nicht nur, dass Granger sich nicht entscheiden konnte, was sie von ihm wollte – oder ob überhaupt! Nein, auch Dumbledore und Snape hielten ihn mit vagen Informationen über den Verbleib seines Goldes an der Stange.

Und er hasste es. Er zog sich grob den Lederhandschuh über den Handrücken.

„Na, weißt du überhaupt noch wie man Quidditch spielt?", erkundigte sich Dana Wades, als sie arrogant ins Kapitänszelt stob. Draco zwang sich zur tiefsten Ruhe. „Bei all deinen außersportlichen Aktivitäten?", setzte sie noch ein paar gesalzene Worte hinterher. Slytherinmädchen waren nicht nach seinem Geschmack. Nicht mehr, wie es schien stellte er gereizt fest.

„Was willst du, Wades?", fragte er also schlecht gelaunt. „Sei froh, dass du im Team bist", ergänzte er bitter. Sie schlug sich vor gespielter Ehrfurcht die Hand vor den Mund. Draco verdrehte schon jetzt die Augen.

„Oh ja, Malfoy! Du hast so recht! Danke für deine Gnade, wirklich. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen, als deine schlechte Laune ertragen zu müssen und von deinen Vollidioten im Team begafft zu werden!", rief sie aus.

Draco wusste nicht, was sie wollte. Vielleicht wollte sie einfach nur ihre schlechte Laune an ihm rauslassen.

„Bist du fertig?", kürzte er dieses Gespräch ab. „Und könntest du jetzt gehen?", fügte er kalt hinzu. Sie verzog böse den Mund.

„Sicher, Malfoy. Du wirst deinem Ruf nicht gerecht, weiß du das?"

„Aha", bemerkte er nur bitter, während er sie schon nicht mehr beachtete.

„Seitdem du es dir zur Aufgabe gemacht hast, das Schlammblut haben zu wollen bist du langweilig, schlecht gelaunt und vollkommen reizlos geworden", klärte sie ihn auf, als hätte er darum gebeten. Sein Blick hob sich langsam zu ihrem Gesicht.

„Was jetzt? Willst du mich anschreien, mir verbieten, sie so zu nennen? Das wäre mal eine Abwechslung, großer Prinz von Slytherin."

„Ver-"

„-verpiss dich?", schlug sie ihm das Ende zu seinem Satz vor, und er verstummte über so viel Dreistigkeit direkt vor seiner Nase. „Schlagfertig, wirklich. Wir hätten viel Spaß haben können, du und ich. Wenn Granger dein Typ ist, bin ich wohl nicht allzu weit davon entfernt, oder Malfoy?", sagte sie direkt, deutete auf ihren Körper, ihr Gesicht und Haare, aber er sagte gar nichts.

„Aber du bist jetzt auf der guten Seite", fuhr sie fort, und er atmete langsam aus, versuchte, zu zählen, versuchte, sich zu beruhigen, und knackte mit den Fingerknöcheln. „Komisch, dass Potter dich immer noch scheiße findet, hm?", stellte sie die nächste Frage, und verletzte Mädchen waren nicht nur gefährlich, sondern wirklich bitterböse. Er hatte schon genug davon, von Pansy ständig die eiskalte Schulter gezeigt zu bekommen.

Er schloss den Abstand zu ihr und deutete auf den Eingang des Zelts. „Raus", wiederholte er gepresst.

„Früher wäre das Vorspiel gewesen, Draco", benutzte sie jetzt seinen Vornamen und klimperte aufreizend mit ihren Wimpern. „Und sie erinnert sich nicht mal an dich", ergänzte sie mit Bedacht, und seine Mundwinkel sanken tiefer. Er betrachtete ihr Gesicht, und sie bettelte förmlich darum. Er konnte es sehen, und er hatte es schon vor einigen Wochen bemerkt. Sie war hübsch. Lange, braune Haare, dunkle Augen, verdammt gute Figur – aber sie war nicht Granger.

So simpel war es. Und er hasste es fast.

„Sie wird sich erinnern!", sprach sein Mund, ohne dass er nachgedacht hatte. Dana schenkte ihm ein mitleidiges Lächeln und hob die Hand zu seiner Wange. Er fing sie zornig ab, hielt ihr Handgelenk so schmerzhaft fest, dass sie überrascht den Mund verzog. Sein Herz klopfte zornig in seiner Brust.

„Vielleicht sprechen wir verschiedene Sprachen, Wades, aber ich will, dass du verschwindest, verstanden?", knurrte er wütend. „Zwanzig Punkte Abzug für Slytherin für das Wort, und wag es nicht, mir noch einmal zu nahe zu kommen!", spuckte er ihr entgegen.

Als sie ihm ihr Handgelenk entriss und ihre flachen Hände zornig vor seine Brust stieß, betrat der kleine Fudge das Zelt. Er blieb überrascht im Eingang stehen, während Dana an ihm vorbei aus dem Eingang stapfte.

„Gute Taktik, kurz vor Beginn das Team gegen sich aufzuhetzen, wirklich", murmelte der Junge, anscheinend wütend über ihn. Draco schoss ihm einen so zornigen Blick zu, dass der kleine Fudge große Augen bekam und hastig nickend das Zelt verließ, als hätte Draco gesprochen. Er fuhr sich über die Augen als er wieder alleine im Zelt stand.

Großartig. Wirklich verflucht noch mal großartig.

Er hörte den Pfiff von draußen. Er hatte nicht mal mehr gewusst, dass er gegen Ravenclaw spielen würde, heute. Es hatte keine Taktikbesprechung gegeben. Aber er hielt ohnehin nicht viel von seinem Team und er hatte weitaus schlimmere Sorgen als Quidditch.

Die Ränge waren vollbesetzt als er nach draußen marschierte. Aber Dumbledore fehlte auf der Lehrertribüne. Kurz sah er sich um. Keine Fledermäuse in der Luft. Es war ein langweiliges Quidditchspiel.

Ohne große Lust bestieg er seinen Besen in der Mitte des Feldes.

Ohne große Lust stieg er weit empor. Sein Team startete schon mit schlechter Laune, schaffte es aber tatsächlich das erste Tor zu machen.

Weiter oben blickte er über die Tribünen. Er erkannte die rothaarigen Weasleys, in der Mitte Granger, die Weasley irgendetwas in Ohr zu sagen schien.

Sie war da. Er hätte fast nicht damit gerechnet.

Er drehte gelangweilt die Runden, konnte den Schnatz nicht entdecken, und es war ihm wirklich egal. Unter ihm fiel ein weiteres Tor, und er segelte gelangweilt durch die Luft.

Auf der Slytherintribüne saß Pansys regelrecht auf Blaises Schoß, und er konnte nur den Kopf darüber schütteln.

Er stieg ein wenig höher.

Die Wolkenschicht wurde dicker. Der Schnatz war magisch so konzipiert, dass er nicht über hundert Meter stieg, aber selbst auf dieser Höhe war er schwer zu finden, wenn es nur gering bewölkt war. Er war so hoch, dass er gleichauf war, mit der höchsten Turmspitze von Hogwarts. Sein Blick wanderte nach rechts, über das Gelände, den See, in dem sich das Ungeheuer vergnügt zu tummeln schien, und etwas fing seinen Blick.

Ein funkeln zwischen den dichten Blättern. Er riss den Besen höher, weitere zehn Meter in die Luft. Eine Lichtung zeigte sich deutlich zwischen dem Blätterdickicht, und er kniff die Augen zusammen.

Gold.

Es schimmerte hell im spiegelnden Sonnenlicht. Ein kleiner Berg heller Münzen. Es dauerte noch eine knappe Sekunde, ehe sich sein Mund in stummer Erkenntnis öffnete.

Dann schoss er zurück gen Erdboden, ignorierte die Wolkenschicht, die Spieler, die schrien, weil sie dachten, er würde den Schnatz bereits jagen. Der Ravenclawsucher schloss eilig zu ihm auf, denn auch er hatte bisher planlos gesucht.

Aber Draco flog zur Lehrertribüne, flog direkt zu Snape. Es war verboten, es war gegen die Regeln, Kontakt zum Publikum zu haben, aber es war ihm scheiß egal.

„Das Gold!", rief er auf Höhe der Tribüne. Snape starrte ihn an, denn wohl noch nie war ein Schüler mitten im Spiel zur Tribüne gekommen. Snape erhob sich, kam näher an den Rand der Brüstung und presste die Lippen verärgert aufeinander. „Mr Malfoy, das Spiel ist noch nicht-"

„-ich habe es gesehen. Im Verbotenen Wald!", unterbrach er Snape, ohne zuzuhören. Snapes verstummte abrupt.

„Was?", fragte er jetzt mit wachem Blick.

„Einen Schimmer! Ich… ich habe habe einen Berg Münzen im Wald entdeckt. Und… und…" Er unterbrach sich selbst. War es nicht offensichtlich. Snape schien kurz nachzudenken, ehe er nickte.

„Wir brechen das Spiel ab", sagte er laut vernehmlich, während der überforderte Sucher von Ravenclaw neben ihm verständnislos die Stirn Falten legte. Snape hob gerade den Zauberstab, da hörte Draco hinter sich ein scharfes Sausen.

„Oh scheiße!", rief der Ravenclawsucher aus, und Draco wandte den Kopf. Daniels war dem Klatscher sehr knapp ausgewichen, aber Draco hatte nicht so viel Glück. Die Lehrer riefen etwas, einige zogen ebenfalls die Zauberstäbe, aber Draco konnte nicht mehr ausweichen.

Er zog den Kopf instinktiv ein, aber der Klatscher streifte ihn an der Schläfe und sauste davon.

Dracos Blickfeld wurde rapide kleiner, und er verlor die Orientierung über oben und unten. Er wollte fester um den Besenstiel greifen, griff aber nur ins Leere. Er glitt direkt über den Stiel und fiel.

Es waren einige Meter. Er drehte sich einmal komplett in der Luft, hörte Schreie von oben, ehe er mit einem heftigen Geräusch aufschlug. Er war auf den Rücken gefallen. Alle Luft wurde aus seinen Lungen gepresst, und er empfand Schmerzen, als wäre er gelähmt. Er konnte nicht atmen, und blinzelte durch das Blut, was sein rechtes Blickfeld vernebelte.

Fuck, tat das weh! Tränen schossen in seine Augen, teils um sie zu reinigen, teils, weil nicht mal er so tun konnte, als würde es nicht verflucht wehtun.

Reglos blieb er im Sand liegen, denn es war unmöglich, dass er sich bewegte. Er bekam nicht mal Luft!

Sie hatte die Aufmerksamkeit erst widerwillig dem Spiel zugewandt, nachdem Malfoy aus heiterem Himmel nach unten geschossen kam und direkt zur Lehrertribüne geflogen war.

„Was tut er?", fragte sie Harry, über Ginnys Kopf hinweg. Harrys Stirn lag in verwirrten Falten.

„Nichts, was er dürfte", sagte Harry kopfschüttelnd. „Er riskiert damit das Spiel!", ergänzte Harry nachdenklich. Hermine folgte aus verengten Augen das Gespräch, was Malofy mit Snape zu führen schien. Dann hob Snape den Zauberstab schoss rote Funken in die Luft, während Harry neben ihr die Luft einsog.

„Der Klatscher kommt direkt!", rief er aufgeregt. Hermine, wie auch die anderen Gryffindors auf den Rängen erhoben sich unbewusst gleichzeitig. „Er weicht nicht aus!", fasste Harry zusammen, was in der nächsten Sekunde passierte.

„Oh scheiße!", rief Ron und drehte angewidert den Kopf zur Seite, als Malfoy mit voller Wucht den Klatscher ins Gesicht bekam.

„Oh Gott!", rief Hermine ängstlich aus, als sie sah, wie Malfoy von der Wucht des Schlages mit seinem Besen kopfüber tiefer sank, ehe er mit der rechten Hand ins Leere griff. Sie schlug sich die Hand vor den Mund als er nach vorne über den Besen fiel, dem Erdboden entgegen.

Er überschlug sich einmal, und es geschah so schnell, dass niemand den Zauberstab hätte ziehen können, um seinen Sturz zu verlangsamen.

Er krachte schließlich auf den harten Sand und blieb bewegungslos liegen.

Kurz herrschte eine unglaublich gruselige angespannte Stille, ehe die Schüler anfingen panisch nach ihm zu rufen. Tränen hatten sich unbemerkt in ihren Augenwinkeln gesammelt.

„Nein!", flüsterte sie angespannt, kletterte zitternd über die Reihen, folgte den anderen Schülern, die nach unten strömten, ehe sie endlich die Treppen nach unten gelangt war. Sie lief über den Sand, folgte einigen anderen, die von Madame Hooch bereits weggescheucht wurden, während Hermines Augen angstvoll weit aufgerissen auf Draco gerichtet waren.

Sie war noch fünf Meter von ihm entfernt, aber sie erkannte das Blut auf seinem Gesicht. Er war verletzt!

„Alle zurückbleiben!", rief Madame Hooch außer sich. Hermine erkannte wie Madame Pomfrey von der Lehrertribüne über den Sand gelaufen kam, den Zauberstab bereits in der Hand, während eine magische Liege neben ihr schwebte.

Hermine erinnerte sich mit einem schlechten Gefühl an die Liege von ihrem Ort der Gefangenschaft. Es schauderte sie unwillkürlich.

Wie Dunham meinte, sie wäre die erste lebendige Muggel, die auf ihr gelegen hätte.

Madame Pomfrey hatte sich über Draco gebeugt.

„Ich werde Ihre Lunge entlasten", informierte sie Draco, aber Hermine wusste nicht, ob er es überhaupt verstehen konnte. Madame Pomfrey drückte den Zauberstab direkt auf Dracos Oberkörper, während ein weißer schmaler Nebelstreifen direkt in seinen Körper zu sinken schien.

Er hustete plötzlich heftig, wälzte sich zur anderen Seite, und erleichtert entwich ihr die angehaltene Luft. Er war bei Bewusstsein.

„Madame Pomfrey führte einige weitere Zauber aus. „Keine Brüche, die Lunge ist nicht kollabiert. Rippenkäfig dürfte geprellt sein. Das ist schmerzhaft, Mr Malfoy, aber nicht gefährlich." Mit einem nächsten Schlenker stoppte sie seine Blutung auf seiner Schläfe. Er wurde magisch auf die Trage gehoben. Dana Wades hatte sich durch die Menge geschoben, trotz Madame Pomfreys Verbot. Sie hatte sich ängstlich über ihn gebeugt und folgte Madame Pomfrey und Snape zum Schloss hoch, während ihre Hand auf der Trage liegen blieb.

„Das Spiel ist vorbei!", rief Madame Hooch überflüssigerweise über das Feld, wo die Schüler schockiert verharrte waren.

Hermine starrte blind der schwebenden Trage hinterher.

Harry war neben ihr erschienen. „Was ist passiert? Muss er ins Mungo?", fragte er sofort, aber Hermine ruckte mit dem Kopf.

„Nein, er… hat eine Rippenprellung", flüsterte sie unter erstickten Tränen. Harry wirkte sehr kurz überrascht.

„Alles… ok?", wagte er sie schließlich zu fragen, als Ron und Ginny auch außer Atem neben ihnen angelangt waren. Noch immer starrte Hermine ins Leere. Eine Träne fiel stumm auf ihre Wange.

Es war wie ein dumpfer Paukenschlag.

Alle Türen in ihrem Kopf standen auf Durchzug, sperrangelweit offen.

Die Synapsen in ihrem Gehirn fügten alles mit immenser Geschwindigkeit zusammen, ihre Hände legten sich über ihre Augen, denn ihr Kopf schmerzte mit aller Macht.

Der Gemeinschaftsraum der Slytherins, Lucius Malfoys Tod, der Abend in Hogsmeade, das Badezimmer der Vertrauensschüler, die versuchte Vergewaltigung, der Kuss, Lucius Malfoys Doppelgänger im Badezimmer der Gryffindors, die Entführung, die Klippen in Schottland, der Sturz ins Wasser und der nächste Tag im Krankenflügel – alles war da! Ein wenig zusammenhanglos schwirrte es durch ihren Kopf – aber es war da!

Lose schien ihr Gehirn den Schulstoff in die richtige Ordnung zu bringen, träge kamen ihr Tränke in den Sinn, Rezepte zum Brauen, irgendwelche chemischen Kombinationen für Kräuterkunde, Zauberstabbewegungen für Verwandlung und Zauberkunst.

Plötzlich erinnerte sie sich an alle Kombinationen der Vertrauensschüler Rotation für die wöchentlichen Patrouillen durch die Gänge. Ihre Knie zitterten.

Sie erinnerte sich an das Wetter am elften Dezember, lächerlicherweise, denn an diesem Tag hatte sie sich in Hogsmeade ihre neuen Stiefel ruiniert, weil Ginny behauptet hatte, es würde bestimmt nicht schneien.

Vereinzelt zuckten Erinnerungen wie Blitze durch ihr Bewusstsein, gemischt mit bösen Gefühlen, mit Angst und Schmerz.

Sie erinnerte sich. Wie sie aufgewacht war, auf der Totenbare des Ministeriums, in diesem Haus! Diesem verdammten Haus, wo sie gefangen gehalten worden war. Wo sie gedacht hatte, an der Angst und am Hunger zu sterben!

Wie er gedroht hatte, Malfoy umzubringen, wenn sie nicht kooperierte.

Wie er im Badezimmer erschienen war!

Wie die Fledermaus zu Lucius Malfoy wurde. Wie er sie geküsst hatte! Wie er sie gezwungen hatte in den Wald zu gehen! Er hatte zuvor als Fledermäuse McGonagall belauscht als sie die Losung für die Tore gesprochen hatte und war dann mit ihr verschwunden.

Ihr Gehirn sprang wahllos zu einer anderen Stelle, die sich ihr mit klopfendem Herzen herauskristallisierte. Sie hatte mit dem Zauberstab das Licht im Badezimmer der Vertrauensschüler gelöscht, sie hatten sich um die Wanne gejagt, Flüche geschossen, bis er sie erreicht hatte, bis er sie gegen das Portrait gedrückt hatte, bis er sie verletzt hatte.

Und… er hatte sie geküsst. Er hatte…-

Sie hatte ihm gesagt, sie würde kein Mitleid mehr mit ihm haben!

Und sie war in den Krankenflügel gegangen, nachdem er bei Dumbledore gewesen war. Als… die Zeitungen voll davon gewesen waren, dass… Lucius Malfoy durch die Stadt lief!

Sie war da gewesen.

Ich möchte nicht mehr von dir beachtet werden!

Das hatte sie ihm gesagt… - das war das letzte, was sie ihm tatsächlich gesagt hatte….

„Hermine!", wiederholte Harry lauter, und endlich fiel das letzte lose Ende in Hermines Kopf an seinen letzten richtigen Platz.

Die Sorge um Draco ließ sie fast wahnsinnig werden. In ihrem Innern pochte es laut und schwer gegen ihr Herz, was nicht begreifen konnte, wie sie noch hier stehen konnte! Warum sie ihm nicht hinterher gelaufen war! Und – wieso kam Dana Wades mit ihm zum Krankenflügel?!

Sie blinzelte mehrfach. War er… mit ihr zusammen oder so etwas? Nachdem sie… sich wie ein unmöglicher Mensch ihm gegenüber verhalten hatte? Ihr Herz machte einen gefährlichen Satz. War das möglich? Ging es ihm gut?

„Her-", begann Harry erneut, aber Hermine zuckte schließlich aus ihrer Lethargie.

„-ich muss in die Bibliothek", unterbrach sie Harry tonlos, zusammenhanglos, und rannte praktisch den Weg zum Schloss zurück. Sie hatte keine Lust zu erklären, hatte keine Lust, noch mehr nachzudenken, denn ihr Kopf quoll über vor Gedanken und Erinnerungen. Sie musste ihn sehen, um besser zu verstehen! Und eine bessere Ausrede für ihre Freunde war ihr – ironischerweise – nicht eingefallen….

„Sie muss was?", entfuhr es Ron ungläubig, und Harry runzelte die Stirn. Er zuckte schließlich die Achseln, als Hermines Silhouette kurz vor dem Schloss verschwunden war.

„Keine Ahnung", erwiderte er ernsthaft überfordert. „Keine Ahnung, Ron", wiederholte er.

Ginny neben ihm hatte ein vages Lächeln auf den Lippen, aber Harry befürchtete schon fast, dass Hermine nun vollständig den Verstand verloren hatte.

„Lasst uns gehen", seufzte er schließlich.

„Was für ein blödes Spiel", murrte Ron neben ihm, während Ginny fast zufrieden neben ihnen hermarschierte.