Kapitel 28

Zwar hatte sie nicht angenommen, dass er wirklich so dreist wäre, nicht aufzutauchen, aber sie hatte es befürchtet. Sie hatte naiv darauf gehofft, dass er nur einen Witz gemacht hatte.

Sie wunderte sich über gar nichts mehr.

Pansy war auch nicht aufgetaucht, und Ron starb in der ersten Reihe tausend Tode, nachdem sich bereits drei Vertrauensschülerinnen über die Farben der Deko stritten.

Hermine kam überhaupt nicht mehr dazwischen, und sie selber hatte auch Besseres zu tun, als sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen.

„Wieso nicht pink?", rief Claire Kensington jetzt unnachgiebig, während Jessica Danes wütend den Kopf schüttelte.

„Dann komme ich nicht. Wieso nicht Rot oder Gold?", beschwerte sich Jessica.

„Weil nicht alles auf der Welt Gryffindor ist, Jessica!", schnauzte Claire unbeeindruckt.

„Merlin, ich will nur noch weg", jammerte Ron mit kieksiger Stimme.

„Leute, die Farbwahl sollte nicht so lange dauern", erinnerte Hermine die Vertrauensschüler mit Nachdruck.

„Ach nein? Darauf baut sich alles auf, oder nicht?", meckerte Cassandra Tandy jetzt drauf los, während sie nervös am silbernen V an ihrer Brust spielte. Hufflepuufs waren immer schrecklich nervös, wenn es zu internen Streitigkeiten kam.

Hermine hatte das Gefühl, dass Kingston bereits auf dem Tisch eingeschlafen war.

Die Tür flog auf, und die Jungen zuckten alle aus ihrem Dämmerschlaf. Pansy stand außer Atem in der Tür. „Granger, du musst kommen!", rief sie aus. Hermine hatte geglaubt, Pansy würde kein Wort mehr mit ihr wechseln, nachdem sich Hermine vor einigen Tagen auf sie geworfen hatte, aber scheinbar hatte sie sich geirrt.

„Wieso?", erkundigte sich Hermine, die vielleicht auch eine Falle hinter Pansys Worten vermuten konnte.

„Du musst kommen. Ich glaube… der Gemeinschaftsraum brennt, Granger", sagte sie, fast widerwillig. Hermines Augen wurden groß.

„Was?", entfuhr es ihr, während Panik unter den Schülern ausbrach.

„Du solltest kommen. Ich… kenne keinen guten Spruch und-"

Hermine war sofort zu Pansy gekommen. „Wir müssen den Lehrern Bescheid sagen! Hat Snape-"

„-keine Zeit. Komm einfach", drängte Pansy sie. Hermine wandte sich hilfesuchend an Ron, welcher sich schwerfällig erhob und seine Knöchel knacken ließ.

„So. Die Farbe ist Orange, und wer ein Problem damit hat, kann sich gerne jetzt und hier mit mir anlegen!" Er ging probehalber in die Knie, um einen Angriff abzuwehren. Einige Mädchen schienen das Feuer vergessen zu haben, und stießen Schreie der Bestürzung aus, während Hermine hinter Pansy herlief.

Sie dachte über die Worte nach. „Sag mal, du kennst den Aguamenti Zauber nicht?", wollte Hermine ungläubig wissen.

„Merlin, Granger, komme einfach mit", knurrte Pansy mittlerweile wütend.

„Du bist zu spät, weil du versucht hast, das Feuer zu löschen?", vermutete Hermine jetzt, die sich keinen Reim auf Pansys Worte machen konnte.

„Ich werde ihn einfach umbringen", murmelte Pansy, aber Hermine verstand die Worte nicht.

„Was?", fragte sie also, aber Pansy lief schneller.

„Komm endlich!", rief Pansy gereizt, und nach einer Weile der Hast kamen sie endlich im unteren Korridor an. Pansy wirkte allerdings weniger ängstlich, als man sein müsste, wenn der eigene Gemeinschaftsraum in Flammen stand, wurde Hermine allmählich klar.

„Pansy-"

„-ich hole jetzt Snape", erklärte Pansy lustlos, und ließ Hermine vor dem Portraitloch zurück. Stirnrunzelnd sah Hermine Pansy nach, wie sie in Seelenruhe durch den Korridor zurück verschwand. Hermine sprach das Passwort und wappnete sich auf Ruß oder Flammen oder Rauch, aber der Gemeinschaftsraum nahezu lag verlassen vor ihr. Einige Erstklässler tauschten gelangweilt Schokofroschkarten.

„Ist hier Feuer?", fragte sie unsicher und erntete verständnislose Blicke der Erstklässler.

„Hier oben!", hörte sie plötzlich eine Stimme. Sie beeilte sich durch das Treppenhaus zu den Schlafsälen zu kommen. Alle Türen waren verschlossen, außer die zum Schlafsaal der Siebtklässler.

Im Türrahmen blieb sie abrupt stehen.

„Malfoy", entfuhr es ihr außer Atem. Er blies das Streichholz aus, nachdem er die letzte, lange weiße Kerze entzündet hatte. Ihre Augen weiteten sich. Auf einem breiten Tisch lag ein weißes Tischtuch, darauf Blütenblätter, Kerzenständer, zwei Teller, zwei Weingläser, ein Strauß roter Rosen, während auf einem Beistelltisch köstlich duftendes Essen in Wärmebehältern dampfte.

„Was… was ist das?", brachte sie endlich über die Lippen.

„Frühlingsputz", erwiderte er tatsächlich trocken, als er sie ansah. „Wonach sieht es aus?", erkundigte er sich lakonisch.

„Nicht… nach Feuer", fasste sie ihre primäre Sorge zusammen. Dann wurde ihr Ausdruck finster. „Das hätte ich wissen müssen", murmelte sie verärgert.

„Granger-", begann er gereizt, aber sie schüttelte den Kopf.

„Ich war mitten beim Treffen, Malfoy!", entgegnete sie zornig.

„Wow, und es war bestimmt unglaublich spannend!", bemerkte er, die Stimme vor Sarkasmus dunkel.

„Darum geht es nicht", widersprach sie gepresst.

„Vielleicht könntest du das gut sein lassen und wertschätzen, was ich hier getan habe?", sagte er schließlich beleidigt, und sie fasste das Zimmer näher ins Auge.

„Wo sind die Betten?", fragte sie verwirrt, und er legte gereizt die Streichholzschachtel beiseite.

„Wirklich? Das ist es, was dir als erstes in den Sinn kommt? Fein, ok. Ich beantworte deine lebenswichtigen Fragen. Die Betten sind verkleinert. Zufrieden?", wollte er beleidigt wissen, und ihr Mund schloss sich.

„Und warum tust du das hier?" Sie spürte, wie ihr Zorn leider viel zu schnell abklang, bei seinem Anblick. Aber trotzdem war es nicht ok, fand sie.

„Hm, keine Ahnung. Wahrscheinlich um mich anschreien zu lassen", erwiderte er achselzuckend.

„Und du denkst nicht, dass ‚Feuer im Gemeinschaftsraum' etwas zu drastisch war? Hätte es nicht warten können, bis das Treffen vorbei ist?"

„Es sollte eine Überraschung sein, aber bitte – wenn dir dabei einer abgeht, kannst du gerne zurück zu deinem langweiligen Treffen gehen!", schlug er ihr bitter vor. Sie lachte freudlos auf.

„Es sind unsere Treffen, du unverbesserlicher, unmöglich Idiot!"

Sie schwiegen verbissen und sahen sich an. Gott, wie sie hasste, dass er nicht nachgeben würde. Ums Verrecken nicht! Er war so stur! So absolut – ahrg!

„Ich zwinge dich bestimmt nicht", sagte er schließlich achselzuckend und blies die Kerze wieder aus, die er gerade angezündet hatte.

„Es wäre anders möglich gewesen, als mit dämlichen Lügengeschichten", erklärte sie erneut.

„Dämliche Lügengeschichten?", wiederholte er eine Spur verletzt. „Ich dachte mir, dir gefällt vielleicht ein vertrautes Gefühl, wenn du zu meinem Gemeinschaftsraum kommst", giftete er. Sein Gemeinschaftsraum! Alles musste stets nach seiner Facon ablaufen. Gott, wie sie es hasste!

„Und du hättest heute nicht gemein zu Harry sein müssen!", fiel ihr das Szenario vor Zaubertränke ein. Und sein Ausdruck wurde finster.

„Oh, nicht das schon wieder!", rief er aus. „Merlin, was hätte ich tun sollen? Hätte ich bei ihm um deine Hand anhalten müssen, verflucht? Mit Potter Blutsbrüderschaft schließen sollen, oder was hat dir vorgeschwebt?" Er starrte sie genauso böse an, wie sie ihn.

„Das ist… alles nicht richtig", sagte sie schließlich. „Das ist viel zu kompliziert, dafür dass-"

„-dafür dass was?", unterbrach er sie. „Dafür dass alles vorher so verdammt einfach war? Ja, du hast recht, Granger", konterte er trocken. Sie schoss ihm einen bösen Blick.

„Wieso hältst du dich nicht einfach nur einmal an die Regeln?", wollte sie verzweifelt von ihm wissen. Er sah sie verständnislos an, als hätte er das Wort Regeln noch nie näher ergründet.

„Was möchtest du von mir? Ich bin nicht betrunken, Granger!", rechtfertigte er sich. Sie deutete auf die entkorkte Weinflasche vor sich auf dem Tisch.

„Scheinbar noch nicht!", bemerkte sie spitz. „Und ich denke, es ist nicht zu viel verlangt", schloss sie kleinlaut.

„Hey, ich habe das hier geplant. Solltest du nicht vielleicht etwas mehr Dankbarkeit oder Wertschätzung zeigen, nachdem du mich wie Scheiße behandelt hast?" Ihr Mund öffnete sich entrüstet.

„Oh Verzeihung! Ich habe wohl alle deine guten Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Wahrheitsliebe, Manieren und verdammt höfliche Umgangsformen vergessen gehabt, Malfoy!", rief sie mit einem freudlosen Lachen aus. „Und du bekommst keine Bonuspunkte dafür, dass du mal nicht betrunken bist!", setzte sie böse hinzu.

Er atmete angestrengt aus, fuhr sich über die Augen, und sie verschränkte die Arme vor der Brust. Gestern war alles gut gewesen. Gestern hatte sie sich auf Wolke zehntausend befunden. Heute – heute hatte er alles wieder zerstört.

„Und jetzt? Hast du Hunger?", wollte er eisig von ihr wissen, und wieder lachte sie auf.

„Hunger?", wiederholte sie ungläubig. „Malfoy, wir streiten uns gerade!", fuhr sie ihn an.

„Wir streiten ständig, und ich kriege Hunger davon", erwiderte er trotzig.

„Du denkst, ich setze mich jetzt zu dir an diesen Tisch und… esse?", wollte sie ernsthaft entgeistert von ihm wissen, und er verzog den Mund. „Nachdem du mich unter falschen Tatsachen hierher gelockt hast, nachdem du mich nicht einmal gefragt hast, ob ich mit dir zu diesem dämlichen Ball gehe, sondern es einfach angenommen hast?"

Er lockerte müde seine Krawatte und kam um den Tisch herum.

„Du willst die Wahrheit? Du wärst doch nie hier aufgetaucht!", fauchte er. „Du hättest doch nie dein heiliges Treffen verlassen!"

„Es sind unsere Treffen! Und darum geht es nicht!"

„Und ich soll dich fragen? Ob du mit mir zu diesem scheiß Event gehst, was vollkommener Schwachsinn ist?", fuhr er unbeeindruckt fort.

„Nein! Das wollte ich nicht! Und wenn es Schwachsinn ist, musst du nicht hingehen!", fuhr sie ihn an. „Du planst es ja nicht mal! Du musst absolut gar nichts tun! Vielleicht ist es nicht zu spät, und ich kann Dana Wades für dich auftreiben! Ich bin sicher, sie wäre restlos begeistert von deinen Bemühungen, Malfoy!"

Und er verdrehte tatsächlich die Augen! Dieser Bastard verdrehte die Augen! Sie war durch die Hölle gegangen, war entführt worden, hatte alles vergessen – und er benahm sich wie ein komplettes Arschloch! Gott – sie könnte ihn erwürgen!

Und sie brauchte ein Ventil. Sie schritt entschlossen zum Tisch und kippte die Weinflasche einfach um. Er betrachtete sie mit verschränkten Armen. Er regte sich nicht mal auf, während der Wein das Tischtuch tränkte und sie ihr Handeln schon wieder bereute.

Sie hatte keine Ahnung, warum sie wütend war. Wahrscheinlich weil sie gehofft hatte, nach der Nacht im Krankenflügel wäre alles irgendwie… anders. Sie wusste nicht, ob er sich wirklich Mühe gab. Oder ob er einfach nur… Malfoy war.

„Bist du jetzt fertig?", erkundigte er sich ruhig, und sie konnte nicht leiden, wie ruhig er sprach.

„Ich will, dass es einfach ist! Es soll jetzt einfach mal einfacher sein!", befahl sie verzweifelt.

Er atmete aus.

Er atmete aus.

„Was du willst, gibt es überhaupt nicht", sagte er schließlich entnervt.

Sie schien diese Worte nicht gerne zu hören. Er konnte nicht fassen, dass sie den teuren Elfenwein umgekippt hatte. Er konnte nicht fassen, dass sie ihm nicht zu Füßen fiel, für den Aufwand, den er betrieben hatte. Er und die Elfen….

Die braunen Augen, die normalerweise immer voller Wärme waren, blickten kalt zu ihm auf. „Wenn es nicht geht, dann… dann…"

Die Drohung hing leer im Raum.

„Dann was?", gab er gereizt zurück, konnte den Spott aber nicht völlig aus seiner Stimme verbannen. Er war näher gekommen und sie wich instinktiv vor ihm zurück.

„Was?" Sie verengte die Augen noch zorniger als vorher.

„Du bist doch sonst nicht so bescheiden mit deinen Drohungen, Granger!" Ihr Mund öffnete sich überrascht.

„Dann-"

„Ja?" Er war völlig bereit, sein Schicksal herauszufordern. Seine Brust hob und senkte sich schneller. Adrenalin zuckte durch seinen Körper und am liebsten hätte er auch gerne etwas kaputt gemacht. Aber er beherrschte sich.

„Dann werde ich deinen Gemeinschaftsraum wirklich in Brand setzen und dazu noch dein Gedächtnis löschen, damit du nur dir selber die Schuld geben kannst!", sagte sie bitter.

„Das muss ich nicht", gab er genauso bitter zurück. „Dafür habe ich doch dich!", fügte er knapp hinzu, und ihr Mund verzog sich zu einer wütenden Grimasse. Sie sog hart die Luft durch die Nase, dass ihre Nasenflügel nur so bebten.

„Du bist ein Arschloch, Malfoy." Ihr hasserfüllter Blick brannte sich in seinen eigenen.

Es war völlig unvermeidbar.

Er schüttelte nur noch den Kopf, griff grob um ihre Taille und knallte mit ihr gegen die nächste Wand des Schlafsaals. Sein Mund presste sich auf ihren und sie keuchte hart auf, als seine Lippen sich öffneten und sich seine Zunge hart in ihren Mund schob.

Es war so verflucht nötig, dass er das endlich tat. Er konnte schon gar nicht mehr klar denken!

Sie hatte sich in seine Haare gekrallt, dass seine Kopfhaut schmerzte, und es putschte sein Adrenalin noch höher in seinem Körper.

Sie presste seinen Kopf enger an ihren, zog ihn an sich, als wolle sie eins mit ihm werden. Hitze brannte zwischen ihren Körpern und ungehalten stöhnte er, als seine Hand unwirsch in ihre dichten Locken griff.

Er war augenblicklich steinhart geworden. Sein Körper war hart gegen ihren gepresst und er ließ ihr keine Chance ihm auszuweichen. Nicht, dass sie das gewollt hätte. Ihre Finger griffen jetzt in sein Hemd, fuhren über seine Brust und zogen ihn noch näher an sich.

Er spürte, wie ihre Lippen, geschwollen unter seinen eigenen, nicht genug von dem Kuss bekommen konnten. Immer wieder kämpfte ihre Zunge mit seiner, bis der Kampf träger wurde. Bis der Kuss nicht mehr verzehrend und ein Kampf um Dominanz war. Bis ihr Griff nicht mehr hart und unerbittlich war.

Bis sich seine Hand verlangend um ihren schlanken Hals legte und der Kuss ruhig und intensiv wurde. Er musste sich kurz von ihr lösen, um sie anzusehen. Er musste einfach. Er musste sie ansehen.

Ihre Wangen waren immer noch gerötet, aber jetzt nicht mehr vor Wut. Ihre Augen trugen einen feinen Schleier der Lust, den er nur zu gut kannte und ihre geschwollenen Lippen öffneten sich, wahrscheinlich um etwas Vernünftiges zu sagen, nahm er an.

Er sog schnell ihre Unterlippe in seinen Mund, küsste ihren Hals und presste ihre Arme auseinander, so dass er ihre Hände neben ihrem Kopf an der Wand gefangen halten konnte.

Ihre Augen schlossen sich beinahe automatisch und er liebte dieses Spiel.

„Draco", entfuhr es ihr rau und er schüttelte unwillig den Kopf gegen ihre Haut.

„Was?", murmelte er außer Atem. „Nicht einfach genug?", wollte er verzweifelt wissen.

Und er atmete aus, als er sie endlich wieder ansah. Er wollte nicht, dass sie –

Sie weinte! Sein Mund öffnete sich überfordert.

Er wollte Dinge gerne richtig machen, aber er wusste nicht, wie. Er verstand nicht, was sie wollte. Er war überzeugt gewesen, er wäre heute Lägen gegangen, die er noch nie gegangen war! Fast beschämt wischte sie sich die Tränen von der Wange. Er war noch nicht vor ihr zurückgewichen.

„Ich weiß, dass du das kannst!", sagte sie, und nicht besonders überzeugend stieß sie ihm vor die Brust. Es ging also um die Dinge, die er scheinbar nicht konnte, schloss er messerscharf. Schneller, als er es von sich nach solch einem Kuss erwartet hatte.

„Warum bist du wütend auf mich?", fragte er also eine Spur ahnungslos. Er stad immer noch vor ihr, und er merkte, wie die Nähe ihr eine herrliche Röte in die Wangen trieb. Sie mied seinen intensiven Blick jetzt entschieden. Er atmete langsam aus.

„Weil ich nicht Potters bester Freund bin?", vermutete er bitter, hielt sie immer noch an der Wand, und sie schüttelte nur den Kopf.

„Das ist es nicht", sagte sie tonlos.

„Weil ich nicht zu den Treffen komme?", vermutete er weiter.

„Oh, Draco!", sagte sie, als wäre es lächerlich von ihm, überhaupt solche Dinge aufzuzählen.

„Weil ich in Slytherin bin?", vermutete er überfordert weiter. Und sie sah ihn wieder an. „Weil ich dich nicht förmlich gebeten habe, mit mir auf den Ball zu gehen? Was ist es, Granger?"

Sie schüttelte wieder den Kopf. Es war zum Verrücktwerden. Sie würde ihm keine Antwort geben! Er hasste das.

„Was hast du sonst noch vorbereitet?", wollte sie plötzlich von ihm wissen. „Verführen wolltest du mich ja scheinbar nicht", stellte sie mit einem Blick auf den Raum fest. Seine Gedanken schlugen eine andere Richtung ein. War das Thema damit erledigt, fragte er sich unwillkürlich. Aber bei ihr war nie ein Thema erledigt, das sie nicht bis zum Erbrechen ausdiskutiert hatte, überlegte er dumpf.

„Man kann Sex auch auf dem Tisch haben", beantwortete er nonchalant ihre Frage. Ihre Augen weiteten sich überrascht. Er ruderte zurück. „Aber… eigentlich hatte ich das nicht vorgehabt, nein", räumte er ein. Sie presste die geschwollenen Lippen aufeinander und schien nachzudenken.

„Weißt du, wenn wir nicht reden und nur… das hier machen", sie deutete dabei auf sich und ihn, „dann scheint es gut zu funktionieren", schloss sie achselzuckend. Zum ersten Mal zog wieder ein Lächeln an seinen Mundwinkeln.

„Was für eine Schande", murmelte er, während er langsam wieder die Lippen zu ihrem Hals senkte und sanfte Schauer sie erfassten. Er konnte die leichte Gänsehaut auf ihrer cremig weichen Haut erahnen und schmunzelte. „Dabei bin ich wahrscheinlich der intelligenteste Typ, der hier so rumläuft", endete er, von sich selbst überzeugt und spürte, wie sie lächelte.

„Mhm", bestätigte sie mit geschlossenen Augen, als er die Linie ihres Kiefers küsste. „Und der Netteste, der Vernünftigste, der Rechtschaffenste", zählte sie atemlos auf, und sanft biss er in die weiche Haut ihres Nackens.

„Oh, halt den Mund", knurrte er, ehe er ihre Lippen wieder für einen Kuss verschlang. Er hatte kein Problem, an dieser Wand bis morgen Früh zu stehen, und ihr diese unglaublich aufreizenden Geräusche zu entlocken, wann immer seine Lippen die ihren fanden.

Überhaupt kein Problem!