Kapitel 34
Er hatte das Ganze nicht gut durchdacht, fiel ihm ärgerlicherweise auf.
Er stand in Socken in der leeren Küche und spähte in die leeren Schränke. Nicht mal ein Eulenkeks war übrig. Er wippte auf seinen Socken vor und ab, der Steinboden kalt unter seinen Füßen.
Nicht mal unter dem losen Dielenbrett im Studierzimmer seines Vaters war noch Alkohol übrig gewesen. Aber er hielt sich über Wasser mit Bertie Botts Bohnen und der letzten Kanne Tee. Er musste nur eventuell noch anfangen, tatsächlich seine Sachen zu packen, denn das hatte er bis jetzt hinaus geschoben, während er sich im Studierzimmer verbarrikadiert hatte.
Dorthin führte sein Weg jetzt auch zurück.
Der magisch verstärkte Ton des Türklopfers drang durch den Flur. Er hielt inne.
Wer klopfte jetzt noch an diese Tür? Kein Feind, nahm er an. Wäre der Alarm noch losgegangen, wo das Haus verkauft war? Waren alle Sprüche vom Haus gelöst? Er war sich nicht mal sicher. Unschlüssig schritt er auf Socken weiter zur Tür. Ihm war nie aufgefallen, wie kalt der Boden eigentlich war.
Draußen war die Dämmerung angebrochen, erkannte er durch die langen Fenster. Vielleicht war seine Mutter zurückgekommen? Aber er bezweifelte es irgendwie. Noch einmal dröhnte der Türklopfer durch das gesamte Haus, und Draco verzog den Mund.
„Merlin, ja", knurrte er und zog die schwere Tür nach innen auf. Er blickte nach draußen und erstarrte im Türrahmen. „Granger", sagte er mehr als überrascht. Unschlüssig schien sie vor der Tür zu stehen, immer noch bereit, wegzulaufen.
„Hey", begrüßte sie ihn lediglich. „Schwer zu finden", sagte sie knapp, vielleicht ein wenig außer Atem. Er runzelte die Stirn. „Bist du ok?", fragte sie ihn tatsächlich, und er verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein.
„Du bist hergekommen, um mich das zu fragen?", entfuhr es ihm ungläubig. Sie atmete aus.
„Ja?", erwiderte sie nur.
„Ich bin ok", antwortete er also auf ihre Frage hin. „War das alles?" Zwar konnte er bei dem Anblick auf ihre volle Umhängetasche darauf schließen, dass sie wohl reinkommen wollte, aber er hatte keine Ahnung, wie er das bewerten sollte. Ihm stand gerade nicht der Sinn nach Gesellschaft. Und bestimmt nicht nach ihrer. Sie hatte ziemlich klar gemacht, was sie von ihm hielt.
„Ja, eigentlich… war das alles", bestätigte sie nickend.
„Gut", sagte er. Er kam sich vor wie ein Idiot.
„Ja, dann…" Sie wandte sich ab. Und er gab nach. Scheiße.
„Weißt du, ich würde dich ja reinbitten, denn die zwei Sekunden Apparieren waren bestimmt unglaublich anstrengend, aber… ich denke mal, dann werfen dich Potter und die Weasley-Bande aus ihrem erlauchten Club", sagte er bitter.
Sie war stehen geblieben, ihm den Rücken zugewandt, und er nahm an, dieser Streit mit ihr würde endlos sein. „Schon möglich", sagte sie aber nach einer Weile. „Und das Apparieren war nicht anstrengend. Anstrengend war der zwei meilenweite Fußmarsch bis hierhin", erwiderte sie kühl, als sie sich ihm wieder zugewandt hatte.
„Tut mir leid", erwiderte er mitleidslos. „Aber ich habe dich nicht gebeten aufzutauchen. Ich schätze mal, du hast es aus Pansy raus geprügelt?" Er wusste nicht, warum er sie anstacheln musste. Er musste einfach.
„Ist auch egal. Hier. Ich dachte, du hast Hunger." Sie hielt ihm ihre Tasche entgegen. Er betrachtete diese Geste misstrauisch. „Weißt du was, ich will die Tasche wieder mitnehmen, also…" Sie räumte umstandslos viele Lebensmitteln aus der Tasche, legte sie auf die Stufe und ging tatsächlich die wenigen Stufen wieder hinab.
„Zurück zu Potter?", rief er ihr nach, in dem bemitleidenswerten Versuch, sie aufzuhalten, stellte er böse mit sich selber fest. Sie wandte sich im Gehen um, so dass sie rückwärts ging.
„Weißt du, Malfoy, eigentlich wollte ich bei dir bleiben, aber… du machst es mir wirklich einfach, zu gehen."
Er legte fluchend den Kopf in den Nacken. Merlin, verflucht!
Auf den Zehen sprang er aus der Tür, die Stufen hinunter, bis er sie auf dem Kiesweg eingeholt hatte. „Ok, dann bleib", sagte er wenig elegant, absolut uncool und erbärmlich, nur auf Socken. Sie hob den Blick.
„Malfoy-"
„-bleib", bat er sie still.
„Hör auf, Harry und Ron fertigzumachen", sagte sie müde, aber er war unendlich froh, sie zu sehen. Er war eben einfach nur ein Arschloch.
„Niemals", sagte er kopfschüttelnd. Sie atmete aus und blickte zur Seite. „Komm", sagte er wieder. Und dann folgte sie ihm wieder zurück zum Haus. Die Türe stand noch immer offen, und er bedeutete ihr, ihm zu folgen, nachdem sie die Lebensmittel wieder eingesammelt hatte.
„Du bist ein Arsch", sagte sie nur, als er die Tür hinter ihr geschlossen hatte. Ja, das wusste er selber. „Wow", entfuhr es ihr tonlos, als sie sich umsah. „Das nenne ich mal riesig", flüsterte sie. „Und es ist alles… leer", ergänzte sie kopfschüttelnd.
„Ja", erwiderte er. „Du hast was von Essen gesagt?", sprach er direkt weiter, als sein Magen laut knurrte, und sie schenkte ihm ein Lächeln.
„Wo ist die Küche?", fragte sie also, und sofort führte er sie durch die leeren Flure und Hallen von Malfoy Manor in die leere, riesige Küche.
„Ich hoffe, du brauchst kein Kochgeschirr, denn… meine Mutter war so nett, alles mitzunehmen. Auch die Elfen."
„Auf Elfen bin ich sowieso nicht angewiesen", informierte sie ihn kühl. „Und ich habe mir bereits gedacht, dass du nichts hast." Er war tatsächlich beeindruckt. Damit hatte er nicht gerechnet.
„Granger?", sagte er schließlich, nachdem sie die Sachen auf den Küchentresen gestellt hatte.
„Ja?", wandte sie sich an ihn, steckte sich eine Locke hinter ihr Ohr, und er schüttelte plözlich den Kopf.
„Nichts", sagte er, und sie sah ihn an. Er sah, wie sich ihre Atmung unter seinem Blick änderte. Aber sein Magen knurrte so laut, dass er jede Stimmung damit zerstörte. Sie musste lächeln.
„Und jetzt raus. Ich mache das eben fertig." Und er gehorchte. Er war überrascht über sich selbst. Und er war zu hungrig, um zu diskutieren. Er verließ die Küche.
„Es… es ist widerlich", stellte er mit kauender Bestätigung fest. Er saß zum ersten Mal in der Küche am schmalen Tisch, an dem früher die Elfen gesessen hatten. Niemals er oder seine Eltern. Aber hier hatte Granger für sich und ihn gedeckt. In der Küche hing noch die Hitze vom Herd und die Düfte der verschiedenen Gewürze, die Granger benutzt hatte.
„Es ist ein Fertig-Auflauf und besser als nichts", hielt sie ihm eine Spur beleidigt vor. Seine Mundwinkel zuckten. Es verlief alles zivilisiert, aber… war es nicht immer so, wenn sie alleine waren? Und er konnte nicht anders. Er musste fragen.
„Was hast du Dumbledore gesagt, wohin du gehst?", fragte er jetzt. Sie hob den Blick und zuckte die Achseln.
„Gar nichts", erwiderte sie bloß. Er runzelte die Stirn.
„Gar nichts?", wiederholte er spöttisch.
„Ja. Ich habe Ginny gesagt, sie soll die Nachricht weiterleiten." Sie sah ihn kurz herausfordernd an. Er tat sich noch einen Bissen auf die Gabel und aß. Nicht weil es schmeckte oder weil er noch großartigen Hunger hatte. Nein. Eigentlich aß er es nur, weil sie es für ihn gemacht hatte. Vielleicht war es nicht ganz so widerlich.
„Und wir waren alle in Hogsmeade. Nur für den Fall, dass du denkst, es wäre ein Geheimnis", sprach sie ungerührt weiter. „Ist es nicht", schloss sie knapp.
„Und Pansy, Blaise und Gregory wissen es auch", ergänzte sie, als sie kurz nachgedacht hatte. Wieder zuckten seine Mundwinkel.
„Hast du einen Aushang in der Schule gemacht?", fragte er spöttisch, aber sie verzog knapp den Mund.
„Das hätte ich machen können", erklärte sie kurzerhand, nachdem sie darüber nachgedacht hatte. „Aber… wen geht es wirklich etwas an?", ergänzte sie anschließend.
Er nickte in Richtung Tresen. „Herzförmiges Met?", erkundigte er sich entsprechend, und Granger bekam die herrliche Röte in ihren Wangen, die er so schätzte.
„Ginnys Idee", sagte sie.
„Mhm", machte er grinsend.
„Wirklich!", beteuerte sie ein wenig genervt.
„Du hast dir also vorgestellt, wir packen Umzugskisten, trinken Met und…?"
„Und was?", fragte sie ruhiger.
„Keine Ahnung, was hast du dir gedacht?"
„Ich… habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Ich dachte nur, du… wärst vielleicht einsam hier. Allein. In diesem riesigen Haus."
„Mhm", sagte er wieder, denn es machte ihm viel zu viel Spaß sie zu beobachten. „Ich würde dir ja eine Führung anbieten, aber… das ist recht sinnlos, nicht wahr?"
Plötzlich wurde sie sehr ernst. Er erkannte es sofort. Es war ihr Zaubertränke-Gesicht.
„Und was passiert morgen?", wollte sie umstandslos wissen.
„Morgen?"
„Deine Umzugskisten. Wo müssen sie hin?"
„Wendel's und Brook", erwiderte er. Kurz zog sich ihre Stirn in Falten, dann schien sie zu begreifen.
„In das Lagerhaus? Wo wirst du wohnen?", fragte sie jetzt, und er tupfte sich den Mund mit der mitgebrachten Papierserviette ab, und legte sie auf seinen Teller.
„Keine Ahnung, Granger. Vielleicht fallen dir noch ein paar triste Themen ein, die wir abhandeln könnten?", schlug er grimmig vor.
„Ich meine das ernst", widersprach sie entgeistert.
„Wirklich?", entfuhr es ihm, und seine Stimme troff vor Sarkasmus. „Ist mir gar nicht aufgefallen. Aber weißt du, ich weiß es auch erst seit ein paar Tagen. Und ich hatte noch nicht die Zeit, mich nach einer… Wohnung? Einem Haus umzusehen", schloss er müde.
„Du willst alleine in ein Haus ziehen?", fragte sie ungläubig, und er erhob sich.
„Nein, Granger. Ich weiß nicht, was ich will, ok? Aber irgendwohin muss ich, Merlin noch mal."
Sie hatte sich ebenfalls erhoben und räumte die Teller in die Spüle. „Du musst mich nicht angreifen, ok?", sagte sie gepresst. „Es sind wichtige Fragen, die ich stelle", ergänzte sie. Zornig nahm er ihr das übrige Geschirr aus der Hand, und stellte es grob ab.
„Ja? Ok, wie wäre es dann mit einer meiner Fragen", begann er gefährlich ruhig. „Wo wirst du nach Hogwarts sein? Sehe ich dann wieder und planst du eine Weasley-Weltreise? Denn dann kann ich mir ein Haus auf Cancun kaufen, und es wäre egal. Oder planst du, in England zu bleiben, und ich plane das mit ein?"
„Was willst du damit sagen?", flüsterte sie fast und ließ ihn nicht aus den Augen. Er hatte das Gefühl mit einer Hauselfe zu sprechen, so frustrierend war es.
„Was ich sagen will?", wiederholte er ungläubig. „Rate, Granger. Rate, was ich damit sagen möchte, verflucht noch mal!", knurrte er.
„Hör auf, mich anzuschreien!", fuhr sie ihn an, aber er war näher gekommen.
„Sind wir zusammen oder sind wir das nicht?", fragte er sie jetzt direkt, denn er war es leid. „Denn dann plane ich das mit ein. Aber ich kann deine Gedanken nicht lesen, verdammt. Kommst du hierhin aus Mitleid oder weil du… weil du…"
„Ich weiß nicht, ob wir zusammen sind!", sagte sie schließlich, um Haltung bewahrt. „Hast du das Gefühl, wir wären zusammen?"
„Gegenfragen. Granger, wenn du nicht bald aufhörst mit deinen verdammten Gegenfragen, dann werde ich noch wahnsinnig", informierte er sie angestrengt.
„Ok, dann nein", rief sie zornig aus. Er sah sie an. Nein? Was meinte sie mit Nein?! „Nein, ich habe nicht das Gefühl, als wären wir zusammen. Zufrieden?"
„Du… willst das also nicht", fasste er ihre Worte zornig zusammen und wandte sich ab. Er konnte nicht fassen, dass das gerade passierte.
„Das habe ich nicht gesagt, du blöder Idiot!", schrie sie ihn jetzt an, während sie ihm folgte. Er war stehen geblieben. Langsam wandte er sich um.
„Ich glaube, du solltest bei Potter lernen gehen, wie man jemanden wirklich aufbaut und tröstet, Granger, denn ich habe das Gefühl, du willst mich nur verarschen!"
„Ernsthaft?", zischte sie zornig und fixierte ihn böse. „Du sagst mir kein Wort darüber, dass du kein Zuhause mehr haben wirst, fragst mich aber dreisterweise, ob wir uns nach Hogwarts sehen? Damit du besser planen kannst? Du sagst mir nichts, und ich komme trotzdem hierher, koche für dich, und du beschwerst dich darüber! Du fragst mich, ob wir zusammen sind, obwohl du drauf und dran bist, alles kaputt zu machen?"
„Ich?!", rief er aus und sah sich um, ob womöglich Publikum anwesend war, welches das genauso amüsant fand, wie er es gerade tat. „Wer hat sich denn dazu entschlossen, günstigerweise eine Amnesie zu bekommen und alles zu vergessen?", schrie er sie nun an, so dass es im Flur mehrfach wiederhallte.
„Ich habe mich nicht dazu entschlossen, du Mistkerl!", erwiderte sie empört. „Und ich erinnere mich, Malfoy! Ich erinnere mich, warum ich niemals – niemals – hierher hätte kommen sollen!"
„Gut!", knurrte er. Und sie war im Begriff zu gehen. Er wusste das. Es hingen nur noch Sekunden davon ab. Aber er konnte nicht. Er konnte es nicht ändern, denn er wusste nicht wie. „Zurück zu Pot-"
„-sag es nicht!", wisperte sie mit tödlichem Ernst. „Ich bin hier bei dir und nicht bei Harry", flüsterte sie. „Dreh es nicht herum, Malfoy, und hör auf, dich hinter Harry zu verstecken!"
Er musste freudlos auflachen. „Wenn es so schrecklich bei mir ist, weiß ich nicht, warum du zu mir kommst."
„Weil ich.." Sie unterbrach sich selbst. Er hasste es, wenn sie das tat. Aber er wartete. Mit geballten Fäusten wartete er. Und sie spielte nicht fair, denn sie würde weinen. „Weil Ginny gesagt hat, dass… du mich magst", sagte sie tonlos, fuhr sich durch die dichten Locken und schüttelte mit einem traurigen Lächeln den Kopf. „Aber… das ist nicht wirklich so, oder?", flüsterte sie und ließ ihn einfach stehen, ehe er überhaupt verstanden hatte, was sie meinte.
Sie glaubte, er würde sie nicht mögen?
Sie war so dumm. So unsagbar dumm! Salazar, war sie dumm!
Und zornig folgte er ihr. Denn er war zornig mit ihr. Und er war zornig mit sich selbst. Und er hasste es, zu streiten. Mit ihr. Er holte sie ein. Sie musste es spüren, denn sie wurde schneller, aber er gewann dieses Rennen.
Er griff grob nach ihrem Oberarm, zog sie herum. Sie öffnete den Mund, wollte protestieren, aber er schüttelte den Kopf. „Halt deine Klappe!", befahl er rau. „Halt deine Klappe, Hermine, und komm mir nicht auf diese Tour!", knurrte er. „Dass du unfair spielst, um zu bekommen, was du willst, weiß ich bereits, aber das ist selbst für ein wenig zu tief, findest du nicht?", erkundigte er sich zornig, und ihre Augen weiteten sich entrüstet. „Ob ich dich mag?", wiederholte er böse. „Nein. Dich zu mögen ist nicht, was ich fühle, wenn ich dich sehe, wenn du mich anschreist, wenn du alles falsch verstehst!"
Ihr Mund klappte zu. Tiefe Verletztheit zeichnete ihren müden Blick. „Dich zu mögen ist nichts, was überhaupt noch ausreichen würde, du dumme Gryffindor!", presste er unbeherrscht zwischen den Zähnen hervor. „Was brauchst du noch? Dass ich dich über meine Freunde stelle reicht nicht aus? Dass ich sage, du bist mein bester Freund auch nicht? Muss ich es in Stein meißeln? Muss ich es wirklich jeden Tag für dich buchstabieren?", fuhr er sie haltlos an, dass sie zusammen zuckte.
„Ich liebe dich. Ist es das, was du hören willst? Dass, was du hören musst, um es zu glauben, Merlin noch mal? Ich liebe dich, ok? Zwar ist es so verdammt offensichtlich, dass sogar deine Freunde es begriffen haben, aber ich sag es dir gerne noch mal! Ich liebe dich, Hermine!", entfuhr es ihm, mehr als nur zornig.
Und die erste Träne fiel auf ihre Wange.
„Und wenn du jetzt anfängst zu weinen-", begann er, aber sie entzog ihren Arm seinem Griff und schlang ihre Arme um seinen Nacken, ehe sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um ihn zu küssen. Und Stille fiel über das Haus.
Seine Augen schlossen sich automatisch, während sich seine Hände um ihre Taille legten, um sie fester an sich zu ziehen. Und gerade noch hatte er befürchtet, dass sie gehen würde, dass er sie nicht halten konnte – und jetzt?
Jetzt küsste sie ihn wirklich! Er genoss diesen Moment. Es war so ein unschuldiger Kuss, und er wollte den Moment nicht zerstören. Ruhig lagen seine Lippen auf den ihren, und er wusste, das konnte sie nicht zurücknehmen.
Und er auch nicht. Er hatte es gesagt. Hatte er es das erste Mal gesagt? In seinem Kopf war es bereits eine Selbstverständlichkeit, dass er nicht wusste, ob er es nicht bereits laut in ihr Gesicht gesagt hatte.
Und sie löste ihre Lippen von den seinen und stand wieder auf ihren Füßen, die Arme noch immer um seinen Nacken gelegt.
Sanft schüttelte er den Kopf. Ihre Augen glänzten in den herrlichsten Brauntönen, so unglaublich warm, und er lief Gefahr, darin zu ertrinken. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, hielt sie fest, wollte sie nicht mehr gehen lassen. „So kompliziert", murmelte er und küsste ihre Lippen, ehe sie wieder einmal protestieren konnte. Sie seufzte gegen seinen Mund.
Sie war das erste Mädchen, das er in Malfoy Manor küsste, ging ihm auf.
Er grinste plötzlich gegen ihre Lippen. Sie war das erste Mädchen, das er mit nach Hause brachte.
„Was?", fragte sie gegen seine Lippen, und er löste sich einen Zentimeter von ihr.
„Willst du mein Zimmer sehen?", fragte er und konnte nicht mal verhindern, dabei anzüglich zu klingen. Sie blinzelte kurz. Zuerst dachte er schon, sie würde ablehnen.
„Ist der Weg weit?", fragte sie mit roten Wangen. Er runzelte die Stirn. „Dann nehme ich meine Tasche mit", erklärte sie.
„Ich hatte nicht vor, zu schlafen", erwiderte er offen. „Ich habe deinen Pyjama bereits gesehen, Gryffindor", erklärte er mit hochgezogener Augenbraue, und stellte fest, dass ihre Wangen noch röter wurden. „Du hast Wildes mit mir vor, hm?" Und tatsächlich schlug sie ihn leicht in die Seite.
„Eigentlich dachte ich, nehme ich den Met für uns mit. Aber du bist einfach nur blöd!", informierte sie ihn unter knallroten Wangen. Und er lachte tatsächlich auf, und er lachte immer noch, als sie mit ihrer Tasche wiederkam.
„Hör auf zu lachen", knirschte sie beleidigt, aber er legte lachend den Arm um ihre Schulter.
„Ich hoffe, du hast so einen Pyjama auch für mich dabei", merkte er spöttisch an.
Sie sagte nichts dazu, aber immerhin lief sie nicht mehr weg.
Er grinste immer noch.
