Kapitel 36
Erschöpft lag er in seinem Bett, die Decke halb über seinen Körper gezogen, während sie in seinem Badezimmer verschwunden war.
Sein Puls beruhigte sich allmählich. Ab und an pumpte sein entspannter Kreislauf noch Blut durch seinen schlaffen Schwanz, und es war ein angenehmes Gefühl. Jungfrauen hatten ihre Vorzüge, ganz klar. Er hoffte nur, dass sie eventuell keine Scheu mehr davor haben würde, ihn anzufassen, denn er glaubte nicht, dass er sich jemals besser gefühlt hatte, als unter ihren sanften Berührungen. Wie vorsichtig sie ihn angefasst hatte. Als würde er zerbrechen, wenn sie nicht behutsam war. Wie neu es für sie gewesen war.
Aber er konnte nicht behaupten, jedes Mädchen wäre gleich. Waren sie nicht. Und dieses hier war anders.
Sie war das erste Mädchen, wegen dem er sich tatsächlich geschämt hatte, das Mal zu tragen. Sie war das erste Mädchen, bei dem ihm diese Tatsache tatsächlich schmerzlich bewusst geworden war. Und er hatte sich sofort schlecht gefühlt deswegen, hatte sich fast entschuldigen wollen, dass er es trug. Dass er es wagte, sie mit den Händen eines Todessers überhaupt anzufassen.
Das hatte er noch nie gefühlt. Sie war… so viel reiner als er, hatte er in einem klaren Moment gedacht. Wenn einer von ihnen schmutziges Blut hatte, war es bestimmt nicht Hermine Granger. Sie war so ehrlich und so unglaublich unschuldig. Sie war so perfekt, auf all den Ebenen auf denen er kläglich versagte, auf denen er ein unvollständiger Mensch war.
Sie kam aus seinem Badezimmer. Etwas scheu, aber immer noch nackt. Und sie sah nackt noch besser aus als angezogen. Sie besaß keinen Gramm Fett. Zumindest keins an den falschen Stellen. Ihre Hüften wiegten sich sanft, wenn sie ging. Ihre Taille war straff und schlank, und ihre Brüste fühlten sich wie reife Früchte an, waren nicht zu klein, nicht zu groß, passten in seine Hand, und er musste zugeben, sie versteckte eine mehr als ansehnliche Figur unter ihrer Schuluniform.
Ihre dunklen Locken verpassten dem perfekten Bild die Krönung, und es war ihm nicht aufgefallen, dass er einen Typ besaß. Aber jetzt musste er zugeben – das hier war sein Typ. Granger war sein Typ. Dunkle Haare besaßen viel mehr Schönheit als Blonde. Ihre Augen verrieten ihm immer, wenn ein Sturm in ihrem Innern tobte. Sie wirkten immer verboten gefährlich, wenn er sie nur zu lange ansah.
Er konnte vor ihr nichts verbergen. Kein Gefühl, keine Regung in seinem Innern, denn sie sah es sofort. Ihre warmen Augen durchleuchteten ihn innerhalb einer Sekunde.
Und es war sein letzter Abend in seinem alten Zuhause. Und es war der beste Abend, den er jemals hier gehabt hatte.
„Hey", begrüßte sie ihn unschlüssig. Er schlug die Decke zurück und bedeutete ihr mit einem Kopfrucken, zu ihm zu kommen. Sie folgte dieser Geste und schlüpfte unter die Decke zu ihm. Nicht mehr ganz so schüchtern, dass sie beide nackt waren.
„Hey", erwiderte er den Gruß sanft, küsste ihre Stirn, und zog sie in seine Umarmung. „Deine Beine sind kalt", ergänzte er, und deckte sie wärmer zu.
Und so lagen sie zusammen. „Es fühlt sich komisch an", sagte sie plötzlich, bewegte sich etwas in seiner Umarmung, und er senkte den Blick.
„Tut es weh?", fragte er knapp, aber sie ruckte mit dem Kopf.
„Nein, es ist nur-"
„-wund?", vermutete er, denn das war normal. So war es eben. Er hatte sie gehabt. In seinem Bett. Diese Erkenntnis ließ seine Brust vor Stolz anschwellen, stellte er fest.
„Ja", bestätigte sie beschämt.
„Und?", fragte er und streckte sich gemütlich. „Wie war's?" Verblüfft sah sie ihn an.
„Wie es war?", wiederholte sie unsicher.
„Ja. Ich bin sicher, du wirst mit Ginny Weasley dieses Gespräch noch führen", erklärte er jovial. Sie wurde wieder herrlich rot.
„Gott, nein", flüsterte sie lächelnd. „Das könnte ich nicht. Was willst du machen? Mich mit den richtigen Antworten vorbereiten?", ergänzte sie lächelnd. Er zuckte die Achseln und grinste.
„Die Worte fantastisch und unglaublich würden mir in den Sinn kommen", zählte er auf. Sie boxte ihn leicht in die Seite.
„Überschätz dich nicht", wagte sie spöttisch zu erwidern, aber schon zwickte er sie in die Seite, kitzelte sie, bis sie laut lachen musste. Er musste breiter grinsen.
„Ok! Hör auf, ich ergebe mich!", quiekte sie unter seiner Kitzelattacke. Er spürte, wie er wieder hart wurde, denn sie rieb ihren nackten Körper an seinem. Sie spürte es auch. Ihre Augen wurden groß.
„Willst du… noch mal?", entfuhr es ihr überrascht. Er wusste nicht, was die richtige Antwort auf diese Frage war. Würde er ehrlich antworten, und sagen, dass er sie immer wollte, würde sie dann Angst bekommen? Er beschloss, es herumzudrehen.
„Willst du?", fragte er rau. Seine Augen flogen über ihr Gesicht, analysierten ihre Reaktion. Wieder erkannte er die Röte in ihren Wangen. Sie presste ihre Lippen aufeinander, schien nachzudenken.
„Hier?", fragte sie tatsächlich und deutete auf das Bett. Sein Mundwinkel hob sich interessiert.
„Miss Granger, haben Sie einen Ort in Aussicht?", erwiderte er gespannt, und sie musste lächeln.
„Du hast… einen Pool in deinem Badezimmer", erklärte sie eindeutig. Er musste wieder grinsen.
„Habe ich?", erkundigte er sich verwirrt.
„Ja?", erwiderte sie ungläubig.
„Das ist eine Badewanne", erklärte er nachsichtig.
„Nein, im Badezimmer der Vertrauensschüler steht eine Badewanne. Das da, in deinem Badezimmer, ist ein Pool", korrigierte sie ihn, ein Hauch Erregung in der Stimme.
Er schlug die Decke zurück.
„Morgen ziehe ich aus, also… warum nicht", täuschte er Ruhe vor, aber innerlich war er so erregt, dass er es kaum aushielt, zu warten. Am liebsten würde er sie noch mal in seinem Bett nehmen, dafür, dass sie so etwas Versautes vorschlug, es in seiner Wanne zu treiben.
–Und dann in seiner Wanne…. „Was würden Potter und Weasley sagen", fuhr er scheinheilig fort, als er das warme Bett verlassen hatte. Er sah das Kissen kommen und wich geschickt aus.
„Du bist ein Schwein!", rief sie unter hochroten Wangen.
„Ja", bestätigte er lächelnd, als sie neben ihm stand. Er ergriff ihre Hand und zog sie mit sich nach nebenan, nachdem er seinen Zauberstab ergriffen hatte.
Er entfachte alle Lampen im Bad. Er würde es vermissen. Allerdings nur, weil er die Erinnerung haben würde, dass er und Granger hier drin gewesen waren. Mit einem Schlenker aktivierte er die Hähne. Es dauerte einen Moment, ehe wieder das Wasser durch die unbenutzten Rohre floss. Sie kaute auf ihrer Unterlippe, während sie neben ihm stand.
„Verrückt, oder?", fragte sie ihn plötzlich. Er sah sie an.
„Was?"
„Dass wir jetzt hier sind. Zusammen."
„Gut, dass du hier bist", sagte er schließlich. „Danke, dass du gekommen bist", ergänzte er, bis er lächeln musste. „Mehrfach", schloss er. Wieder wurde sie rot, und vergrub ihr Gesicht tatsächlich an seiner nackten Schulter. Er lachte auf. Die Wanne war halb gefüllt. Es ging verdammt schnell, und er war dankbar, denn viel länger konnte er seine Erektion nicht ignorieren. Sie wirkte neben ihm allerdings zu unsicher, also ergriff er ihre Hand, zog sie näher an sich und senkte übergangslos den Kopf, küsste ihre vollen Lippen und könnte das für den Rest seines Lebens tun – sie küssen.
Seine Hand grub sich in ihre lockigen, dichten Haare, griff zu, küsste sie drängender, und sie seufzte gegen seine Lippen, ließ ihre Zunge gegen seine kämpfen, bis die Erregung sie erfasste. Ihre Mitte presste sich unbewusster gegen seine Erektion, und er könnte sie die ganze nachtlang verführen….
Seine Hände glitten über ihren glatten, weichen Körper, spielten mit ihren Nippeln, bis sie gereizt stöhnte. Ihre Fingernägel kratzten über seinen Brustkorb, und seine Hand kam auf ihrem wohlgeformten Po zum Liegen, während seine andere wie von selbst den Weg zwischen ihre Beine fand. Sie war noch feucht von der letzten Runde, und er liebte es.
Die Wanne war voll, lief beinahe über, und geistesgegenwärtig griff er den Zauberstab vom Rand und unterbrach den Wasserschwall.
Er zog sie mit sich, zur eingelassenen Steintreppe, und sie folgte ihm ins warme Wasser.
Es umspielte ihre Brüste, ihren gesamten Körper, und sie stand glänzend und wunderschön vor ihm. Er hob die nassen Hände zu ihrem Kopf, strich über ihre Locken, machte sie feucht, so dass sie glatter an ihrem Kopf lagen. Er grinste auf sie hinab.
Auch sie hob ihre nasse Hand zu seinem Gesicht, fuhr über seine Wange, und er merkte, sie fasste ihn gerne an. Ihre Hand wanderte weiter, tiefer, und er schnappte nach Luft, als ihre schmale Hand seinen Schaft umfasste. Rückwärts führte er sie zu der eingelassenen Bank am Rand, setzte sich, und sie setzte sich neben ihn, während sie unter Wasser weiter seinen Schwanz liebkoste.
Es war verdammt erregend. Er lehnte sich vor, umfasste ihre Brust und sog ihren Nippel in seinen Mund. Sie rückte enger an ihn, und er wusste, sie wäre bald bereit. Er glaubte nicht, dass sie sich freiwillig schon rittlings auf seinen Schoß setzen würde, aber erst mal würde er sie ein wenig mehr erregen. Sie pumpte härter an seinem Schaft auf und ab, und seine Hand fand wieder zwischen ihre Beine. Unter Wasser kam ihm alles noch viel wärmer und heißer vor, als er einen Finger in sie gleiten ließ. Ihr Kopf fiel zurück, und sie machte ein unglaublich erotisches Geräusch. Er erschauderte.
Er erhob sich übergangslos, und sie ließ von ihm ab. Er stellte sich zwischen ihre Beine. Dampf füllte das Badezimmer, und im Kerzenlicht, glänzend nass, war sie so schön, wie niemand sonst, den er kannte. Er hob ihre Beine in den Kniekehlen an, und die Bank schien genau für diese Zwecke auf der richtigen Höhe im Wasser gebaut worden zu sein, dachte er dumpf. Wahrscheinlich nicht, aber es passte so verflucht perfekt.
Er beherrschte sich noch ein wenig länger, sah hinab in ihr Gesicht, aber ihre nassen Hände hoben sich aus dem Wasser, Tropfen regneten auf seine Schultern, als sie nach seinem Gesicht griff, ihn näher zog und ihn verlangend küsste.
Mit diesem Kuss drang er nach vorne, hielt ihren Po fest in seinen Händen und vergrub sich zum zweiten Mal in ihrer erlösenden, engen Hitze. Es war alles, was er brauchte. Er wusste nicht, was sich besser anfühlte, in ihre Enge einzudringen, oder sich langsam wieder zu entfernen. Es stimulierte seinen Schwanz auf eine solch unglaubliche Weise, dass er es wieder und wieder tun musste. Er merkte nicht, wie er bereits stöhnte, wie seine tiefe Stimme von den Wänden widerhallte, und wie sie auf ihn reagierte.
Sie legte den Kopf zurück, ihre Haare wurden immer nasser, und er legte ihre Beine enger um seinen Körper, so dass sie ihn mit ihren Schenkeln umklammern konnte. So drang er noch tiefer ein, während das Wasser sanft gegen ihre Körper stieß. Ihr Körper rieb sich an seinem, und er fühlte sich so leicht in seinem Kopf, wollte gar nicht mehr aufhören. Die Arme hatte sie bereits wieder um seinen Nacken gelegt, küsste ihn hungrig und reagierte mit derselben Intensität auf seine Stöße, während er nicht genug bekommen konnte.
Er entzog sich, um härter in sie zu dringen, und er hatte so lange gewartet. Und es war, wie er es sich vorgestellt hatte. Für eine wilde Sekunde wünschte er sich fast, dass ihre verdammten Freunde sie sehen könnte. Er wollte, dass sie stöhnte. Er musste es hören. Seinen Namen. Automatisch griff seine Hand zwischen sie, kniff in ihren sensiblen Punkt, rieb hart mit seinem Daumen über ihre Perle, und hörte sie keuchen. Es war ihm egal, ob er zu schnell war, er reizte ihre Nerven, bis er spürte, wie ihre Atmung schneller wurde, wie sie ihm härter begegnete, wie ihre Muskeln plötzlich reagierten, seinen Schwanz einengten, und er glaubte nicht, noch länger warten zu können. Er presste seine flach Hand gegen ihre Klitoris, und sie stöhnte ungehalten.
„Draco", entrang es sich ihrer Kehle, ihrem süßen Mund, und knurrend folgte er ihr, rammte sich ein letztes Mal tief in sie, klammerte sich an sie, wie ein Ertrinkender und ließ die Wellen seines Orgasmus' ihren Körper erschüttern. Er lehnte sich mit ihr gegen die Rücklehne der Bank, ließ seinen Kopf einen Moment lang auf ihrer Schulter ruhen, und gedankenverloren strichen ihre Finger durch seine Haare.
Als er die Augen endlich öffnen konnte, fand er, sie hatte noch nie schöner ausgesehen als jetzt. Ihre langen Haare schwebten wie ein dunkler Fächer um ihre Schultern im Wasser, ihre Wangen nach dem Orgasmus noch herrlich rot und ihre süßen Lippen, geschwollen von seinen Küssen. Er griff mit seiner Hand nach ihrem Kinn und küsste sie. Seine Zunge glitt in ihren Mund, und es war unglaublich, wie schnell er in ihr wieder langsam aber sicher härter wurde.
Und er spürte sie gegen seinen Mund lächeln, als sie es zu merken schien.
Er liebte sie. Er liebte sie über alle Maßen, wurde ihm klar, und knurrend stieß er seine Zunge zwischen ihre Zähne , kämpfte mit ihrer, bis sie sich wieder unter ihm bewegte, bis er von selbst den Rhythmus von Neuem begann, und er wusste, er könnte das hier tun, bis er sterben würde. Für immer mit ihr.
Als sie aufwachte hatte sie den Muskelkater ihres Lebens.
Oh Merlin…
Sein Arm lag warm und schwer um ihre Taille. Das Feuer in seinem Kamin war längst aus, aber die Sommerhitze kroch durch die dicken Mauern des Anwesens. Ihre Beine waren schwer wie Blei. Sie wusste nicht mehr, wie oft sie gestern Nacht noch gekommen war. Oder er. Aber sie wusste, sie hatten bis weit nach Mittag geschlafen, als ihr Blick auf seine Wanduhr fiel.
Sanft stupste sie ihn an.
„Draco?", flüsterte sie rau. „Aufwachen", ergänzte sie flüsternd, wandte sich in seinem Arm, küsste seine glatte Wange, und seine Lider zuckten, als er aufwachte.
„Mmh", machte er dumpf.
„Guten Morgen", flüsterte sie sanft, küsste seine Wange erneut. Blinzelnd öffnete er die Augen. Seine Pupillen waren winzig klein, als er ihr entgegen blinzelte.
„Wie spät?", krächzte er rau.
„Gleich halb eins", antwortete sie, mit einem Blick auf die Uhr an seiner Wand.
„Mmh", wiederholte er, zog sie enger an seinen Körper, und sie lächelte. „Wir müssen deine Sachen packen!", wehrte sie sich gegen seinen warmen Griff.
„Scheiß drauf", murmelte er gegen ihre wilden Locken, die sie nach dem Bad gestern nicht mehr gestriegelt hatte. Jetzt lagen sie in einem wilden Wust auf ihrem Kopf.
„Draco!", ermahnte sie ihn, und endlich gab er sie frei. Er drehte sich auf den Rücken, rieb sich mit beiden Händen die Augen, streckte sich, und setzte sich langsam auf.
„Ok", gab er sich geschlagen. Sein Blick wanderte langsam über ihren Körper.
„Was?", fragte sie ruhig.
„Nichts", gab er zurück. „Ich dachte schon, ich hätte es nur geträumt", gestand er schließlich ein. Dann schlug er die Decke zurück und erhob sich träge. Er schnappte sich eine der Kisten. Sein Weg führte ins Bad, und sie hörte ihn duschen. Sie zog sich ihre Sachen an. Sie hatte genug von Wasser. Sie glaubte nicht, dass sie sauberer sein könnte als jetzt. Eilig zog sie sich frische Unterwäsche aus ihrer Kulturtasche und schämte sich ein wenig, so unverschämt nackt zu sein.
Sie zog ihre Uniform wieder an, und war fertig, als er mit einem Handtuch um die Hüften das Bad wieder verlassen hatte, die Kiste in seiner Hand. Er stellte sie in eine andere der offenen Kisten, und sie schien zu schrumpfen, so dass sie nur noch eine kleine Kiste in einer großen war. Hermine liebte die Zauber für Umzugskartons. Man durfte sie nur nicht fallen lassen, oder aufheben, wenn noch mehrere Kisten in einer standen. Dann gab es ein unglaubliches Chaos.
„Das Bad ist fertig", erklärte er knapp, ging zu seinem Kleiderschrank, wählte sich wahllos eine Jeans und einen hellen Pullover, warf das Handtuch aufs Bett, zog sich eine frische Shorts und Socken an, ehe er in seine Sachen stieg.
Sie liebte seinen Körper, ging ihr auf, sie konnte gar nicht wegsehen.
„Pack, was du findest, in die Kisten", sagte er, ehe er mit seinem Zauberstab die Sachen aus seinem Kleiderschrank in nur einer Kiste verschwinden ließ, ehe er auch diese zu der kleinen Kiste in die große stellte, und auch die Kiste mit seiner Kleidung klein wurde. Unschlüssig räumte sie seinen Schreibtisch in eine Kiste, leerte seine Schubladen voller Dokumente und Pergament, Quidditchzeitschriften und Erinnerungen in die Kiste, und die Sachen schrumpften auf eine freundliche Größe zusammen.
„Was ist mit den Möbeln?", fragte sie schließlich, als er das Bett abzog.
„Sind verhext. Man kann sie nicht entfernen", erklärte er müde, während er die Bettwäsche in die nächste Kiste warf, das nasse Handtuch trocken hexte und auch dieses verschwinden ließ. In diesem Tempo war sein Zimmer in zwanzig Minuten leergeräumt.
Er sah sich um.
„Das war's", verkündete er emotionslos, griff sich die Kiste voller kleiner Kisten unter den Arm, und sie hatte keine Ahnung, wie schwer sie sein musste. Magische Umzugskisten funktionierten nach dem Prinzip ihrer magischen Handtasche. „Lass uns was essen gehen", schlug er vor. Sie verharrte in seinem Zimmer.
„Willst du dich nicht ordentlich verabschieden?", fragte sie verwirrt. „Du wirst dein Zimmer nie mehr wiedersehen." Er blieb im Türrahmen stehen. Er warf den Blick zurück, sah sich noch einmal um und schenkte ihr dann ein feines Lächeln.
„Ich werde mich erinnern. Gut erinnern, Granger", sagte er eindeutig, und sie folgte ihm aus dem Zimmer.
Sie auch. Ja, sie auch.
Im Hellen wirkte das Herrenhaus noch um einiges einschüchternder, und ohne Draco hätte sie den Weg nach unten bestimmt nicht gefunden. Mit ihm hatte sie überhaupt keine Angst in diesem riesigen Haus gehabt.
„Mit Frühstück sieht es schlecht aus, aber wir können gleich direkt nach Hogsmeade apparieren", schlug er ihr vor. Er kam ihr sehr unbeteiligt vor, was sein Haus anging. Aber es wirkte auch bereits so leer und unbewohnt, dass sie es vielleicht verstehen konnte.
„Ok", sagte sie nur, denn sie wusste nicht recht, was sie sagen sollte.
„Komm mit", sagte er knapp, stellte den Umzugskarton auf den Küchentresen und sie folgte ihm auf den langen Gang. Er hielt vor einer Tür inne. Es schien ihn Überwindung zu kosten, sie zu öffnen.
Es war das Zimmer seines Vaters, erkannte sie. Leere Bücherregale an der Wand, ein leerer breiter Schreibtisch am anderen Ende, lange Sprossenfenster zum Garten hin, und alle restlichen Möbel bereits mit weißen Tüchern abgedeckt.
Dracos Blick ruhte auf dem Sessel hinter dem Schreibtisch.
„Ich hatte früher solche Angst vor diesem Zimmer. Eine scheiß Angst", sagte er plötzlich tonlos. Schweigend stand sie neben ihm. Er griff sich ein weißes Tuch, was wohl über den blanken Mahagonischreibtisch gehörte, breitete es aus und deckte den Schreibtisch ab. „Er war kein guter Vater, aber… er war mein Vater", sagte er schließlich, rieb sich die Schläfe und deckte anschließend mit einem weiteren Tuch den Sessel ab.
Lucius Malfoy war in diesem Zimmer gestorben, das wusste sie. Sie schluckte schwer.
„Draco, das ist ok, ich-"
„-in dieser Nacht", begann er und hob den Blick, „wo ich es erfahren habe?" Er sah sie kurz abwartend an, ob sie sich noch erinnerte. Als würde sie diese Nacht vergessen! Er hatte den Gemeinschaftsraum der Slytherins praktisch in seine Einzelteile zerlegt, in dieser Nacht. Sie nickte nur. „Ich… ich war froh, dass jemand da gewesen ist. Dass… es jemand ebenfalls gehört hat", gestand er tonlos. „Denn ich… glaube, ich wäre wahnsinnig geworden und hätte es niemals wahrhaftig geglaubt." Er stützte sich mit beiden Händen auf der abgedeckten Schreibtischplatte ab und seufzte. „Es tut mir leid, dass ich dir damit so eine Last aufgebürgt habe", entfuhr es ihm tatsächlich.
Mit großen Augen starrte sie ihn an. Nein.
Nach alle den Monaten! Nach all den Monaten entschuldigte er sich tatsächlich dafür? Sie konnte es kaum fassen. „Und ich wusste, er hatte es nicht getan. Sich umgebracht", ergänzte er und sah sie bei diesen Worten wieder an. Seine Stimme sprach mit einer traurigen Gewissheit. „Denn er hätte niemals eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hatte. Dass es tatsächlich etwas Böses und Schlechtes war, wofür er gestanden hatte. Er hätte ewig so weiter gemacht, und mich und Narzissa immer tiefer gezogen. Und deshalb wusste ich es", schloss er bitter. „Er hätte sich niemals umgebracht. Und niemals deshalb. Er hat sich nie für sein Mal so sehr geschämt, wie ich es getan habe."
Ihr Mund öffnete sich voller Mitgefühl. „Aber dennoch", fuhr Draco langsam fort, „hat er es nicht verdient, umgebracht zu werden."
„Niemand hat das verdient", sprach sie endlich.
„Nein", bestätigte er. „Dumbledore sagt, sie haben Garrick in Askaban alles genommen, bis auf diese Erinnerung", flüsterte er jetzt. „Das machen sie bei allen Mördern. Sie lassen ihnen nur die Erinnerungen des Mordes zurück. Das ist die letzte Strafe, nachdem sie ihre Seele entzogen bekommen. Es muss die schlimmste Strafe dieser Welt sein", ergänzte er kopfschüttelnd. „Dumbledore hat ihn danach gefragt, weißt du? Nach dem Mord", fuhr es leiser fort. „Aber ich wollte es nicht wissen. Ich – es hat mich nicht mehr interessiert. Es reicht, dass ich es weiß."
Tränenschwer stand Hermine hinter ihm. Er tat ihr so unendlich leid. Und nun war seine Mutter auch noch fort, und alles, was er besaß, passte in eine magische Umzugskiste.
Und dieses Haus war dunkel, Hermine spürte es. Es besaß eine dunkle Kraft, und vielleicht sah er es nicht, aber sie sah es. Es wurde Zeit, dass er es hinter sich ließ. Wie den Tod seines Vaters. Wie alles, was ihn traurig machte.
„Lass uns gehen", sagte sie ruhig und streckte ihm ihre Hand entgegen. „Lass uns nach Hause gehen, Draco", flüsterte sie.
Er sah sie an. Den Blick weit und eine Spur unsicher.
Und dann glitt seine Hand von der Schreibtischplatte.
„Ja", sagte er nur, ergriff ihre Hand, und ließ das Zimmer seines Vaters zurück, ohne sich umzudrehen.
