Kapitel 39

Es war eine Weile her, seitdem er sich die Mühe gemacht hatte, jemanden abzufangen. Eigentlich hatte er das noch nie nötig gehabt, ging ihm auf. Vor Zaubertränke erwischte er sie. Sie hatte Verwandlung gehabt und bog um die Kurve, die hinter dem Gemeinschaftsraum der Slytherins lag. Sie ging allein, und es war ein Geschenk des Himmels, dass sie alleine war. Er hatte ihren Oberarm anfangen, und erschrocken zuckte sie zusammen, als sie ihn erkannte.

„Was tust du?", zischte sie überfordert, als er sie von den übrigen Schülern wegzog, in Richtung Gemeinschaftsraum.

„Reden", erklärte er ungeduldig. Sie machte ihn wütend. Es machte ihn wütend, dass einige verirrte Strähnen aus ihrem Zopf in ihre Stirn fielen, in ihren Nacken, und dass er sich wünschte, eine dieser Strähnen zu sein, die sie immer abwesend mit ihren Fingern zurücksteckte. Denn dann wäre er ihr so nah, wie er es ständig nur sein wollte. Es machte ihn wütend, dass sie ihn verständnislos ansah, dass sie nicht mal den Anstand besaß, sich schuldig zu fühlen, weil sie ihn geschubst hatte. Es machte ihn wütend, dass sie ihn hatte stehen lassen. Dass sie das letzte Wort gehabt hatte, dass sie ihn vor vollendete Tatsachen stellte, die in ihrem verrückten Kopf vielleicht ansatzweise Sinn ergaben.

Es machte ihn wütend, dass er ihr ausgeliefert war und immer ausgeliefert sein würde.

Es machte ihn so wütend, dass er den Abstand schloss.

„Du bist ein scheiß Miststück", informierte er sie rau, aber bevor sie protestieren konnte, hatte er in ihre Hüfte gegriffen, sie an sich gezogen und küsste sie verlangend, fordernd, zornig, hungrig, nur um sie zu bestrafen, um ihr zu zeigen, was er ihr vorenthielt, und dass sie ihn verdammt noch mal-bitte-verdammt-noch mal ebenso vermissen sollte, wie er es ständig tat!

Sie hatte die Hände gegen seine Brust gestemmt, aber seine Zunge glitt mühelos zwischen ihre Lippen. Er umfing ihren Kopf mit seinen Händen, küsste sie inniger, und spürte, wie sie sich ergab, wie sie die Arme um seinen Nacken, legte, ihm erlaubte, sie enger an sich zu bringen, und er lehnte sie gegen die harte Wand, presste seinen Körper gegen ihren, drückte sein Becken gegen ihre Mitte und entschied, dass es zu lange her war, dass er sie nackt gesehen hatte. Er löste sich von ihren Lippen, und sie machte die unglaublichsten Geräusche, als er ihren Hals sanft küsste. Verlangend hob sich sein Blick.

„Lass uns gehen", schlug er ihr rau vor, und ein Blick in ihre Augen sagte ihm, dass sie das mindestens so dringend wollte wie er, aber Vernunft überschattete ihr Verlangen, stellte er entnervt fest.

„Wir streiten gerade", protestierte sie halbherzig, und er küsste ihre Lippen daraufhin nur noch einmal, biss in ihre Unterlippe, schob seine Zunge wieder in ihren Mund, und seine Hände glitten unter ihre Bluse auf ihre nackte Haut. Sie zuckte zusammen, lehnte sich zurück, und sah ihn schwer atmend wieder an.

„Na und?", konterte er gepresst auf ihre Worte hin, und sie sah sich panisch um.

„Wir haben Zaubertränke", ermahnte sie ihn erneut.

„Weißt du, wie scheiß egal das meinem Schwanz ist?", erwiderte er tatsächlich vollkommen verständnislos, und Röte kroch in ihre Wangen.

„Draco, wir müssen reden", sagte sie und versuchte, sich aus seinem Griff zu wenden.

„Wieso?", wollte er ungeduldig wissen. „Du lässt mich doch schon bereits vollkommen entmündigt Potters Drecksbude renovieren und quartierst mich bei ihm ein", entgegnete er achselzuckend.

„Hör zu, ich-" Er schüttelte verständnislos den Kopf und verschloss ihre Lippen einfach wieder. Mit Genugtuung registrierte er, wie sie gegen seine Lippen seufzte, wie ihre Hände den Weg in seine Haare fanden, wie ihr Körper mit seinem zu verschmelzen drohte, ehe sie sich anscheinend wieder fing. „Warte!", maßregelte sie ihn erneut, nachdem sie sich unter viel Kraftaufwand von seinen Lippen gelöst hatte.

„Was?", wollte er ernsthaft am Rande seiner Geduld von ihr wissen.

„Ginny ist schwanger", entfuhr es ihr nun heiser. Und tatsächlich reichte diese Information, dass er seinen besitzergreifenden Griff um sie lockerte.

„Was?", fragte er verständnislos. Dann begriff er, dass Potter ein alter Schwerenöter war, und wohl den Vogel abgeschossen hatte. „Oh", ergänzte er, wenig intelligent. Was sollte ihm das jetzt sagen.

„Deswegen… kam ich gestern zu spät. Ginny hat es mir erzählt. Und sie… hat es jetzt Harry erzählt. Und sie wird ihn überzeugen, dass wir… zusammen wohnen sollen." Er sah sie stirnrunzelnd an.

„Hermine, wenn du mit mir leben möchtest, habe ich genug Gold, um uns einen Palast bauen zu lassen", erwiderte er gepresst, denn er wollte sie jetzt eigentlich ziemlich dringend nackt in seinem Bett.

„Draco-"

„-ist das jetzt lebenswichtig?", unterbrach er sie gereizt, aber ihr verletzter Blick sprach Bände. Er ließ seufzend von ihr ab, und sie richtete ihre Bluse.

„Ich finde die Idee nicht schlecht", sagte sie stur.

„So viel habe ich schon verstanden. Aber ich habe es nicht nötig, mir ein Haus mit den ‚Potters' zu teilen", betitelte er ihre Freunde abwertend. Ihre Augen verengten sich böse. „Ernsthaft", ergänzte er mit mehr Nachsicht.

„Ich denke, es würde dir gut tun", erwiderte sie mit Nachdruck. Er zog die Stirn in krause Falten.

„Ja? Wieso? Weil ich meine Aggressionen dann direkt zu Hause abreagieren könnte?", vermutete er spöttisch.

„Draco-"

„-Hermine", unterbrach er sie kopfschüttelnd, „das ist vollkommen verrückt und absolut unnötig!" Aber ihr Blick war unerträglich. „Und hättest du mir deine Idee vorher erzählt, hätte ich dir das auch schon gestern sagen können", ergänzte er und wollte sie wieder küssen und dieses Thema abschließen.

„Keinen Sex, bis du es dir nicht wenigstens überlegt hast", sagte sie ernst, und sein Mund öffnete sich schockiert, während er langsam ausatmete. Kurz tat er so, als dachte er nach.

„Ok, habe drüber nachgedacht, es macht immer noch keinen Sinn. Komm her", knurrte er, aber so schnell ließ sie sich nicht austricksen. Sie verweigerte ihm ihre Lippen, das Biest. „Du bestrafst dich genauso wie mich", erinnerte er sie, und ließ seine Finger provozierend langsam, über die Knöpfe ihrer Bluse streichen. Er merkte, wie sich ihre Atmung beschleunigte.

„Ihr… ihr könntet euch vertragen", murmelte sie, die Stimme tief vor Erregung, und es machte ihn an, dass sie versuchte, es zu verbergen.

„Ich bitte dich", sagte er kopfschüttelnd.

„Ich…-"

„-lass uns gehen!", knurrte er, tief in den Farben der Ungeduld.

„Überleg es-!"

„-ich überlege es mir, verdammt", gab er ihr endlich gepresst das waghalsige Versprechen.

„Und Snape-", flüsterte sie mit geschlossenen Augen, als er seine Lippen auf ihren Hals presste.

„-Hermine, ich will dich jetzt, verdammt!", wisperte er gegen ihre Haut, und sie stöhnte unterdrückt, bevor sie sein Gesicht in ihre Hände nahm, um ihn zu küssen. Wieder und wieder fand sie seine Lippen, und er zog sie mit sich, sprach das Passwort des Portraits zwischen zwei Küssen und missbilligend öffnete der Blutige Baron. Es war mitten am Tag, kein Schüler war im Gemeinschaftsraum, und er zog sie mit sich, riss sich beim Gehen grollend sein Hemd vom Körper, und sie stolperten fast die Stufen empor, so wenig, schenkten sie ihrer Umwelt Beachtung.

Er schlug die Schlafsaaltür ungeduldig ins Schloss, war sofort wieder bei ihr, half ihr, die Bluse zu öffnen, und knurrte unwillig, als sie ihren Rock ausziehen wollte.

„Lass ihn an", befahl er dunkel, und ihre Wangen waren mittlerweile tiefrot. Er öffnete seine Hose, schob sie seine Beine hinab, zog seinen Zauberstab, legte den Schutzzauber auf seine steinharte Erektion, und sah, wie sie sich verlangend auf die Unterlippe biss.

Er zog sie ungeduldig zu seinem gemachten Bett, sie fiel nach hinten, und keine Sekunde später war er über ihr. Er zerrte ihr Höschen ihre Beine hinab, und seine Hand fuhr grob über den Stoff ihres BHs, als sie rau in sein Ohr stöhnte.

Verflucht noch mal zu viel Zeit war vergangen seit dem letzten Mal! Seine Hände schoben hastig ihren Rock über ihre Hüfte nach oben, und er platzierte sich ungeduldig zwischen ihren Schenkel, aber er sah wie feucht sie schon war, wie bereit für seinen Schwanz, und der Gedanke machte ihn wahnsinnig.

Er drang unbeherrscht nach vorne, in ihre unglaubliche Enge. Sie keuchte vor Überraschung auf, und er wusste, er hätte sich mehr Zeit lassen müssen, aber er hatte nicht gekonnt! Erlösend sank sein Kopf auf ihre Schulter. Sie trug noch ihre Strümpfe, und es turnte ihn noch mehr an. Seine Hand strich fest über ihren Oberschenkel, griff nach ihrem Po, rammte sich erneut in sie, und sie stöhnte auf. Ihre Schenkel legten sich um seine Hüfte, und wieder zog er sich zurück, um mit einem mächtigen Stoß in sie einzudringen.

„Draco!", keuchte sie, am Rande ihres Orgasmus', und er wurde schneller, liebte ihre Enge und grollend ergoss er sich in ihrer Hitze. Zitternd kam sie unter ihm, bog sich ihm entgegen, und er brauchte ein paar Sekunden, ehe die schwarzen Punkte vor seinen Augen verschwanden.

„Verdammt", fluchte er unbeherrscht. Sie wehrte sich bereits unter ihm.

„Wir… schaffen es noch", murmelte sie ein wenig desorientiert, richtete sich bereits neben ihm auf, als er sich von ihr gerollt hatte, und er sah ihr bewegungslos zu, lag auf seiner Seite, und begriff nicht, wie sie bereits wieder stehen konnte. „Draco?", sagte sie auffordernd in seine Richtung.

„Ist das… ist das dein Ernst?", fragte er unbeeindruckt. Sie verdrehte die Augen.

„Schulsprecher? Wir sind Schulsprecher?", schien sie ihn ausgerechnet jetzt erinnern zu müssen, und stöhnend richtete er sich mikroskopisch langsam auf. Sie stürmte zum Spiegel an der Wand, zupfte ihre Haare zurecht, knöpfte ihre Bluse zu, und er verschloss seine Hose, beseitigte alle möglichen, fragwürdigen Spuren und stand oben ohne vor ihr.

„Dein… Hemd?", fragte sie unschlüssig.

„Unten", murrte er erschöpft, und sie schüttelte den Kopf.

„Komm jetzt", befahl sie. Sie kommandierte viel, fiel ihm schließlich auf, aber er war zu befriedigt, um zu streiten. Er folgte einfach nur, sammelte unten sein Hemd auf, knöpfte es lose zu, fuhr sich mit einem Griff durch seine Haare, ließ sie strubbelig auf seinem Kopf liegen und folgte ihr weiter gähnend nach draußen auf den Flur.

„Wieso rennst du nicht vor?", erkundigte er sich knapp, den müden Spott auf den Lippen.

„Mein Gott, beweg dich endlich!", herrschte sie ihn an, und vor Snapes Klassenzimmer blieb sie stehen. Er kam kopfschüttelnd neben ihr zum Stehen. Sie klopfte, und gerne hätte er ihr noch gesagt, dass er es liebte, wenn ihre Wangen vom Orgasmus noch gerötet waren, aber er verkniff es sich.

„Herein", hörte er Snapes angespannte Stimme. Granger öffnete zitternd die Tür. „Ah, die Schulsprecher beehren uns auch mit einem Besuch. Wie nett", schloss er. „Zehn Punkte Abzug für Gryffindor und Slytherin, fangen Sie an", knurrte er unbeeindruckt, und Hermine war nur einen Moment lang überrascht, als er ihr folgte. Er war zu müde, um zu streiten, und zu müde, um sich einzureden, dass er ihre Seite verlassen wollte.

Und so stellte er sich neben sie an ihren Tisch. Potter blickte starr auf die Tischplatte vor sich. Draco nahm an, er wusste mittlerweile, dass die kleine Weasley schwanger war, überlegte er dumpf. Weasley schien nicht zu wissen, was vor sich ging und bedachte ihn, Draco, mit einem ungläubigen Blick. An Hermines Mundwinkel zerrte ein anbetungswürdiges Lächeln, was er am liebsten geküsst hätte, aber er beherrschte sich.

„Alles ok?", fragte sie Potter im Flüsterton. Dieser hob verwirrt den Blick, antwortete aber gar nicht. Er schien nicht mal zu bemerken, dass Draco neben ihr stand. Potter wandte den Blick zurück auf sein leeres Schneidebrett, während er und Hermine zum Vorratsschrank gingen, um die Zutaten zu besorgen. Sie trafen auf Pansy, die neue Drachenwurzeln brauchte.

„Und?", erkundigte sie sich gereizt. „Bequem unter Grangers Pantoffel?", wollte sie mit eindeutig erhobener Augenbraue von ihm wissen, und betrunken vor Glück musste er grinsen.

„Ja, der bequemste Ort, den ich kenne", bekannte er sich offen zu seiner Sucht, und Pansy schüttelte enttäuscht den Kopf.

„Du bist so erbärmlich", informierte ihn Pansy, aber selbst Hermine lächelte verstohlen. „Ihr seid beide erbärmlich", korrigierte sich Pansy und verschwand zurück zum Slytherintisch.

Und tatsächlich verbrachte er seinen Abend mit Goyle. Sie gingen spazieren, draußen im lauen Abendwind. Er war mit Goyle bereits bei Nessie gewesen, denn Goyle hatte ein seltsames Herz für Tiere entwickelt. Für große, unhandliche Tiere noch dazu.

Der Riese hätte seine Freude mit ihm, überlegte Draco dumpf.

„Schon komisch, wie alles anders ist", bemerkte Goyle zufrieden neben ihm.

„Alles anders?" Draco sah ihn an.

„Na ja, für dich, für mich", erläuterte er unsicher.

„Jaah", bestätigte er langsam. Es war vieles anders, aber nicht alles. Er war noch immer reich. Er war noch immer Draco Malfoy, und er konnte noch immer Gryffindors nicht leiden. Außer einer. Hermine hatte angekündigt, mit der kleinen Weasley eine Art Freundinnen-Gespräch zu führen. Ihn interessierte es nicht. Es interessierte ihn kaum, dass Potter Vater wurde. Potters Kind würde ein elendes Vorzeige-Musterkind sein, nahm er bitter an.

Selber schuld, dachte er sich gleichmütig. Wer seine Zauber nicht kennt, muss mit den Konsequenzen leben. So einfach war es eben.

Aber es war wie das Muggelsprichtwort vom Teufel. Wenn man von ihm sprach…-

„Guck mal", sagte Goyle neben ihm und deutete auf den Himmel übe dem Quidditchfeld. „Das ist bestimmt Potter", ergänzte er mit einem sicheren Nicken, unverhohlene Ehrfurcht in der Stimme.

„Wie kommst du darauf?", wollte Draco knapp wissen, obwohl er schon gesehen hatte, dass es Potter war. Diese Haare würde jeder überall erkennen.

„Na ja, wer hat schon den Schneid so hoch zu fliegen?", murmelte Goyle kleinlaut.

„Eine Menge Leute", sagte Draco nur und sah gerade noch, wie Potter sich tollkühn gegen den Wind gen Boden warf, den Besen fest in den Händen. Er konnte nicht anders, als zuzusehen, wie Potter dieses Manöver souverän meisterte.

Merlin! Kurz bevor er zwangsläufig hätte aufschlagen müssen – die Regeln der Muggel-Physik ließen keinen anderen Schluss zu – hatte er den Besen herumgerissen, so dass der Staub in Massen aufwirbelte.

„Wow", hauchte Goyle neben ihm. Draco atmete die angehaltene Luft gereizt aus.

„Waghalsige Manöver sind dumm", sagte er, und fand, er klang wie ein altes Waschweib. Merlin, Potter war ein Angeber, das war alles.

„Ich würde gerne so fliegen können", bemerkte Goyle, gänzlich unbeeindruckt von Dracos Worten.

„Wärst du beim Auswahlspiel da gewesen, dann könntest du's", knurrte Draco zur Antwort, und Goyle senkte schuldbewusst den Kopf.

„Du weißt doch-"

„-ja, ich weiß", unterbrach ihn Draco, und sie gingen näher zum Quidditchfeld, von dem sich Potter bereits wieder abgestoßen hatte und in luftige Höhen verschwunden war. Aber Draco konnte nur annehmen, weshalb Potter alleine hier draußen halsbrecherische Manöver flog.

Und er wusste nicht, was ihn trieb. Wahrscheinlich Grangers schlechter Einfluss.

„Hör mal, ich würde gerne mit ihm reden", sagte Draco schließlich.

„Mit…?" Goyle sah ihn an. „Ernsthaft?", vergewisserte er sich mehr als verwirrt. Draco verzog knapp den Mund.

„Ich denke schon", bestätigte er entnervt. Oh, sie würde weinen vor Freude, wenn er es ihr erzählte. Nein, vielleicht wäre sie dann sogar besonders nett zu ihm. Nackt….

„Soll ich… soll ich gehen?", entfuhr es Goyle verblüfft, und Draco ruckte mit dem Kopf.

„Nein, eigentlich will ich das nicht, aber wahrscheinlich… wäre es besser", erwiderte Draco nachdenklich. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Potter überhaupt mit ihm reden, geschweige denn Goyle dabei haben wollte.

„Oh, ok", räumte Goyle eine Spur beleidigt ein.

„Wir führen unser Gespräch morgen fort, ok?", schlug ihm Draco vor, und wartete, bis Potter aus der Wolkendecke brach.

„Ok", sagte Goyle achselzuckend. Er war nicht nachtragend. Das war ein großer Vorteil – und ungewöhnlich für einen Slytherin, stellte er mit einem Hauch Selbstironie fest.

Potter wirbelte massig Staub vom Boden auf.

„Hey", begrüßte Draco ihn unschlüssig. Mit einer waghalsigen Bremsung kam er zum Stehen, gerade als Goyle hinter der nächsten Biegung verschwunden war.

„Was?", erwiderte Potter unwirsch und übersprang jede unaufrichtige Begrüßung.

„Ich…" Draco hatte keine Ahnung, was er sagen wollte und ärgerte sich, dass er Goyle weggeschickt hatte. Aber Potters Blick klärte sich.

„Hermine hat es dir gesagt", entfuhr es ihm bitter, während er nickte. „Schon klar", ergänzte er knapp. „Ich werde weiter fliegen, Malfoy", sagte Potter schließlich ungerührt.

„Weißt du, es ist nicht so schlimm", sagte er Worte, von denen er nicht wusste, woher sie kamen, Salazar noch mal!

„Ich habe deinen Trost nicht nötig, Malfoy", erklärte Potter stirnrunzelnd und wollte sich vom Boden abstoßen.

„Ihr könntet es loswerden", schlug ihm Draco plötzlich vor, und Potter hielt noch einmal inne.

„Loswerden? Macht man das bei euch so, mit Dingen, die euch Angst machen? Ach ja, Todesser machen das so", beantwortete er glatt seine eigene Frage, und Draco atmete aus, während Potter mit einem Senkrechtstart im Himmel verschwand.

Er wartete geduldig, bis Potter sein nächstes Absturzmanöver vollendet hatte.

Wieder bremste Potter keuchend im Staub, und dieses Mal stieg er vom Besen.

„Wenn Hermine dich geschickt hat, Malfoy, dann Glückwunsch zu ihren Fähigkeiten, dich zu überzeugen, aber ich-"

„-nein", sagte er vehement, denn das wäre ja noch schöner. Nein, er war ein Idiot und war freiwillig hier, ging ihm dumpf auf. „Sie hat mich nicht geschickt", schloss er dennoch. Potter musterte ihn.

„Was soll das hier sein? Falsche Loyalität? Deine Meinung interessiert mich nicht", informierte er ihn ungnädig und zog sich die Lederhandschuhe von den Händen, um sie in den Staub zu werfen. Seine Haare standen vor Drecke, aber Potter war es egal.

„Was willst du noch?", entfuhr es Potter ungeduldig.

„Wenn ich will, dass Granger weiterhin für mich ihre Klamotten auszieht, dachte ich, ich tue so als wäre ich nett", erklärte er, und Potters Mundwinkel sanken böse.

„Du hast das gerade nicht wirklich zu mir gesagt, oder, du widerlicher-"

„-es war ein Scherz, Merlin noch mal", sagte er abwehrend, aber Potters Blick war düster geworden. „Immerhin schwängere ich meine Freundin nicht", ergänzte Draco mit einem sardonischen Lächeln.

„Nein, ich bin sicher bei deinem ekelhaften Lebensstil, kannst du alle Verhütungszauber von A bis Z aus deinem Ärmel schütteln, oder Malfoy? Schnell noch ein paar Geschlechtskrankheiten beseitigen…", fuhr Potter kalt fort, und Draco lächelte schließlich.

„Wenn du das sagst", bemerkte Draco jetzt, ohne sich provozieren zu lassen.

„Was willst du?", fragte Potter wieder.

„Ich nehme an, mit Weasley kannst du darüber nicht reden", schloss Draco achselzuckend, nicht ohne eine gewisse Genugtuung.

„Ach und du denkst, du wärst ein geeigneter Kandidat?", entkam es belustigt Potters Lippen, und Draco wunderte sich über sich selbst.

„Es sieht so aus, als wäre ich das Beste, was du kriegen kannst, ja." Potter lachte freudlos auf.

„Da rede ich lieber mit meinem Nachtisch über meine Zukunft als mit dir", konterte er barsch.

„Ok", sagte Draco nur, setzte sich ins Gras vor den Tribünen und legte den Kopf in den Nacken, damit die Sonne sein Gesicht bescheinen konnte. „Es gibt schlimmeres als das", sagte er mit geschlossenen Augen, eine seltsame Ruhe befiel ihn. Schließlich öffnete er die Augen blinzelnd wieder.

„Ja? Niemals im Quidditch zu gewinnen muss ziemlich furchtbar sein. Oder das Mal auf seinem Arm zu tragen, richtig?", bekam er Potters nächsten Seitenhieb zu spüren, und kurz spürte Draco die Bitterkeit in seinen Mundwinkeln.

„Mhm, oder nur für seine Narbe berühmt zu sein", entgegnete Draco knapp.

„Ich bin für weit mehr berühmt als das", erwiderte Potter arrogant.

„Oh ja, du schießt mit super fruchtbarem Sperma. Ladies, aufgepasst", bemerkte Draco und tat so, als ginge er vor ihm in Deckung. Potter musterte ihn knapp.

„Habe ich dich jemals geschlagen?", schien Potter sich über ihm zu wundern, und es klang eher rhetorisch.

„Ich denke, du würdest dich erinnern", erwiderte Draco.

„Ja, der ganze Krieg und all der Scheiß, der ständig in den Weg gerät und mich davon abhält, dir deine Maul zu stopfen", bemerkte Potter kopfschüttelnd, kratzte sich am Kopf und blickte ins Gras hinab, Draco fast schon ignorierend. „Ich hatte befürchtete, irgendwann mit dir reden zu müssen. Mehr als die üblichen Beleidigungen auszutauschen, meine ich", informierte ihn Potter schließlich bitter. „Seit der Entführung habe ich damit gerechnet. Schon eher als dann", schien er sich zu besinnen. „Eigentlich seit…- seit sie jede Woche deinen Gemeinschaftsraum aufgeräumt hat", schloss er kopfschüttelnd und seufzte schwer.

Potter sah ihn wieder angewidert an. „Aber heute ist bestimmt nicht der Tag gekommen, an dem wir beide eine Unterhaltung führen werden", murmelte er ausdruckslos. Es war schwer, sich auf dieselbe Ebene mit Potter zu begeben.

„Hermine würde es begrüßen", erinnerte er Potter ungern. Dieser verzog den Mund.

„Ja? Seit wann tust du, was sie sagt?", wollte er ungläubig wissen. Dann schüttelte er den Kopf. „Was findet sie bloß an dir?"

„Ich sehe gut aus und bin charmant", erklärte er achselzuckend.

„Und wieder einmal wäre mein Nachtisch charmanter als du", korrigierte ihn Potter kühl. Er hob wieder den Blick, als würde er in Dracos Gesicht nach einer verborgenen Eigenschaft suchen.

„Ich bin verdammt gut im Bett", ergänzte Draco mit kalter Überzeugung.

„Wieso redest du immer noch mit mir?", wollte Potter verzweifelt von ihm wissen.

„Weil es unvermeidbar ist, Potter, ok? Nach Hogwarts verliert sie leider nicht wieder ihr Gedächtnis und blendet dieses Mal vielleicht dich aus ihrem Leben aus!", knurrte er, bereute aber bereits, die Worte gesagt zu haben. Er wollte nicht, dass sie jemals wieder verletzt werden würde. Und deshalb war er hier. Mehr oder weniger freiwillig.

„Wow, du machst dir so viel Aufwand!", bemerkte Potter mit sarkastischer Ehrfurcht. „Redest mit ihren besten Freunden, ohne sie mit dem Tod zu bedrohen, das muss verdammt schwer sein!", zischte er sardonisch, und Draco biss die Zähne fest zusammen. Dann setzte er ein böses Lächeln auf.

„Du wirst also bald Vater, ja?", erkundigte er sich spöttisch und erhob sich wieder aus dem Gras.

Potters Ausdruck wich wieder einem gequälten.

„Fick dich, Malfoy", spuckte er ihm entgegen.

„Was Weasley wohl sagen wird?", vermutete Draco lächelnd. „Bestimmt schlägt er dir seine Faust ins Gesicht, dafür, dass du seine kleine Schwester entjungfert hast. Und beim ersten Versuch auch noch ins Schwarze getroffen hast!" Sein Grinsen verblasste eine Spur, als Potter sich mit beiden Händen durch die Haare fuhr. „Jungfrauen-Sex kann gefährlich nach hinten losgehen", bemerkte er mit weisem Spott.

„Halt dein Maul!", erwiderte Potter angriffslustig, was Draco annehmen ließ, Potter war tatsächlich noch Jungfrau gewesen. Aber wann sollte er auch die Zeit dafür gehabt haben, überlegte Draco dumpf. Neben Welt retten und Dumbledores verflucht selbstloser Sklave sein.

„Potter, reg dich ab", knurrte Draco, der sich weitaus schlimmeres vorstellen könnte. „Die magische Welt wird sich nicht mehr einkriegen, dass der Junge, der überlebt hat, verflucht fruchtbare Eier in seiner Hose hat", spottete er grinsend.

„Gott, kannst du nicht einfach gehen?", knirschte ihm Potter durch zusammen gebissene Zähne entgegen, und Draco atmete aus.

„Merlin, du wirst Vater, du verlierst nicht den Bein!", entgegnete Draco gereizt.

„Aber ich bin kein Vater, verdammt!", entfuhr es Potter so zornig, dass er selber überrascht wirkte. „Ich kann kein Vater sein. Nicht, dass es dich irgendetwas anginge, Merlin, noch mal", schien er sich über sich selbst zu ärgern. Und Dracos Mund öffnete sich. Meinte er das ernst?

Und Draco betrachtete den Helden vor sich, der sich noch nicht ganz entscheiden konnte, ob er bleiben sollte, um sich zu streiten oder endlich verschwand. Den Jungen, der überlebt hatte. Den Jungen, der Voldemort vernichtet hatte. Und das mit siebzehn Jahren. Den verdammten Waisenjungen vor sich, von dem er nicht sagen konnte, woher er diese verdammte Courage überhaupt genommen hatte. Er selber war vielleicht kein Vater, denn er, Draco, war kein Vorbild – hatte noch nie ein Vorbild gehabt! – und er würde nicht wissen, was er seinem Kind sagen könnte, von sich erzählen könnte, was das Kind nicht für immer schädigen würde.

Potter? Potter könnte jeden Tag aus seinem scheiß verfluchten Leben als weise Erziehungslektion verkaufen. Seine Eltern haben sich im Kampf gegen Voldemort geopfert. Dann hatte Potter sich auch noch opfern wollen – und hat den Krieg nebenbei gewonnen.

„Ja", entfuhr es Draco bitter. „Du bist ein Arschloch", informierte er Potter. Er hasste Potter. „Weißt du", begann er bitter, „ich denke, ich hätte einiges dafür gegeben, einen Vater gehabt zu haben, der auch nur im Ansatz so gewesen wäre, wie du." Potter hob langsam verstört den Blick zu seinem Gesicht. „Oder einen besten Freund. Oder… einen Bruder", ergänzte er nachdenklich. „Oder irgendjemanden, der auch nur im Entferntesten eine Ahnung davon gehabt hatte, was es bedeutet, kein scheiß Feigling zu sein. Wahrscheinlich wäre ich dann kein Arschloch geworden", schloss er achselzuckend. „Also, mach deine scheiß Augen auf. Warum denkst du, kleben Granger und Weasley an deiner Seite, gehorchen dir aufs Wort und zweifeln keines deiner verdammten Worte an?"

Potters Mund öffnete sich perplex.

„Ich denke", fuhr Draco fort, als er einen weiteren Schritt zurückmachte, denn seine Gedanken jagten ihm mächtige Schrecken ein, „kein Kind hätte einen besseren Start ins Leben als deins. Der Sohn von dem Zauberer zu sein, der den bösesten Endgegner aller Zeiten vernichtet hat – das klingt besser, als auf der falschen Seite zu stehen, und das vor allen und jedem rechtfertigen zu müssen."

„Ich kann wirklich nicht glauben, dass du das gerade gesagt hast", bemerkte Potter ausdruckslos.

„Was? Tatsachen, die auf der Hand liegen? Merlin, Potter, ich würde so denken, egal, ob ich es dir sagen würde oder nicht. Und wenn ich es nicht sage, sagt es Hermine dir, oder irgendjemand, den du auf der Straße fragst. Du bist blind. Aber was bringt es mir? Was bringt es mir, dich zu hassen, für alles, was du bist und ich nicht, wenn es sie verletzt?", wollte Draco resignierend von ihm wissen. „Es macht mehr Spaß, dich zu beleidigen, sicher, denn du bist ein dämlicher Kriegsheld, aber letztendlich bezahle ich dafür", schloss er grimmig.

„Sie liebt mich", fuhr er böse fort, „aber… dich liebt sie auch. Und… deshalb denke ich, es hängt alles zusammen." Er hasste es, diese Tatsache zuzugeben. „Ich habe mich geschämt, dein Freund sein zu wollen, in unserem ersten Jahr. Als du mir erklärt hast, du wüsstest, welche Seite die richtige wäre?", erinnerte er sich knapp. Potters Mund öffnete sich.

„Du warst ein guter Feind. Hast dich an den Kodex gehalten. Hat man ehrenhafte Feinde, kann man besser schlafen", sagte Draco ernst. „Die Todesser sind ein feiges Pack. Immer mit dem Rücken zur Wand. Kennen weder Ehre, noch… Regeln." Merlin, er hörte wohl gar nicht mehr auf zu reden, stellte er am Rande seiner Blamage fest.

„Du opferst deine Würde für eine Muggel, ist dir das bewusst?", fragte Potter ihn plötzlich aus dem Zusammenhang heraus.

„Du meinst, die verdammte Ironie dahinter? So ironisch ist es nicht, wenn ich länger darüber nachdenke", erwiderte er achselzuckend, aber Potter schüttelte nur wieder den Kopf. „Sie war die einzige, die sich gekümmert hat."

„Oh bitte, es haben sich Dutzende Mädchen um dich gekümmert", widersprach Potter kopfschüttelnd.

„Nein", sagte er lediglich kopfschüttelnd. Er hatte keine Lust, darüber zu reden. Hatte keine Lust, zu überlegen, ob die Mädchen sich geschert hatten, ob er betrunken oder nüchtern gewesen war, zornig oder depressiv. Ob es ihnen um Sex gegangen war, oder, wusste Salazar, um was sonst! Er fuhr sich durch die Haare, unsicher, und wusste nicht mal, warum Hermine anders war. Was sie in ihm sah, was keiner sonst bemerkte. „Der Unterschied war, ich… habe sie gehasst. So wie dich", schloss er. „Ich… weiß noch, wie es sich angefühlt hat. Wie ich… gewesen bin", entfuhr es ihm trostlos. „Ich habe ihr wehgetan und… dieses Wort…- irgendwann war es nur noch ein scheiß Wort, ohne jede Bedeutung. Und dann… dann war es gar nichts mehr."

„Schlammblut?", vermutete Potter bitter, und Draco sah ihn an.

„Und es ist so kompliziert!", entfuhr es ihm fast zornig. „Sie ist so… anders. Sie hasst alle Konflikte, jeder Art. Wer ein Freund von Harry Potter ist, ist automatisch gut, und alle anderen müssen sich auf dem Zahnfleisch jedes bisschen Anerkennung von ihr abkämpfen", knurrte er zornig. Eigentlich hatte er nicht beginnen wollen, von Potters Problem auf seine eigenen zu lenken, aber scheinbar war es unumgänglich.

„Auf deinem Zahnfleisch habe ich dich noch nie kämpfen sehen. Ich denke, bei Hermine hat dein Aussehen gereicht, deine hilflose Masche. Sie hat ein Helfer-Syndrom, also…"

„-ich bin kein Projekt!", sagte er kalt. Und er war nicht hilflos.

„Langsam aber sicher nimmt sie dich ein. Ich kenne Hermine. Ich war jahrelang verliebt in Hermine, Malfoy. Sie hat diese… Art. Sie ist so gut im Innern, dass man ausrasten könnte. Und sie verändert dich so schnell, dass du es gar nicht merkst. Und das Schlimme ist, dass sie es überhaupt nicht merkt. Man kann scheinbar Harry Potter sein, und sie entscheidet sich für Draco Malfoy. Du kannst dir nicht vorstellen, wie frustrierend und absurd es für uns normale Menschen ist, dabei zuzusehen!", sagte er kopfschüttelnd. Draco wunderte selbst, wie wenig er von diesen Worten hörte. Denn nur ein Satz blieb in seinem Kopf.

„Du… warst in sie verliebt?", wiederholte Draco gefährlich langsam.

„Reg dich ab, Malfoy. Wie du siehst, war das vollkommen egal. Du bist derjenige, der blind ist, wirklich. Sie riskiert ihre Freunde – für dich", schloss er finster. „Und ich will nicht mit dir befreundet sein. Ich will es wirklich nicht. Und ich will von dir bestimmt nicht meine guten Eigenschaften aufgezeigt bekommen", ergänzte Potter gereizt.

„Ich weiß", bestätigte Draco lediglich. Er fühlte genauso. Er wollte das auch nicht. Er wollte es dem Wunderknaben nicht buchstabieren müssen, nur damit Hermine ihn nicht anschrie.

„Ich hasse dich mit so viel Überzeugung, dass es einfach unmöglich ist, mit dir befreundet zu sein", räumte Potter mit absoluter Sicherheit ein.

Draco sagte nichts, denn… er verstand.

„Ich hasse dich dafür, dass du all diese Sachen gesagt hast", schloss Potter stiller. „Und… ich möchte nicht denken, dass jemand wie du tatsächlich jemanden wie mich als Vorbild empfindet." Draco biss die Zähne zusammen. Vorbild? So fasste es Potter auf? Hatte er es so formuliert? Und es war fast traurig, denn wahrscheinlich stimmte es. „Denn es kann gar nicht möglich sein. Wäre ich dein Vorbild, dann würde ich dich nicht so sehr verabscheuen", entfuhr es Potter resignierend. „Dann wärst du kein scheiß Mistkerl, Malfoy, der alles nur bekommt, weil er in seinem Schloss mit den Fingern schnippt!"

Draco hätte gerne ein, zwei Sachen korrigiert, aber er sagte nichts. Wieso noch mal, hatte er angenommen, mit Potter zu reden, wäre eine gute Idee?! Und Potter sprach weiter.

„Und ich denke, du hattest Glück. Das ist alles, Malfoy", sagte er leichthin. „Hermine hat sich für dich entschieden, weil du im richtigen Moment, vielleicht ein einziges Mal etwas ansatzweise Korrektes getan hast. Aber frag mich nicht, wann oder was. Ich weiß es nicht. Und ich glaube, sie hat es wenn sowieso missverstanden, denn es war bestimmt niemals deine Absicht, über deinen Schatten zu springen, und einer Muggel irgendetwas zu beweisen", fuhr er fort. Draco hörte nur zu, denn es war anstrengend. Wahrscheinlich war er selber schuld, er hatte Potter zum Reden gezwungen, und nun bekam er seine gerechte Strafe für so eine Dummheit. Potter fuhr sich über die Stirn, schüttelte den Kopf, schloss die Augen. „Du bist ein dummer Opportunist, und ich denke, du hast von Liebe so viel Ahnung wie dein Vater gehabt hat, denn woher hättest du es lernen sollen?"

Und Draco sprach. „Richtig. Woher willst du es gelernt haben, Potter? Kann mich nicht entsinnen, dass deine Mum oder dein Dad sich besonders viel Mühe bei deiner Erziehung gegeben haben." Potter verzog daraufhin knapp den Mund, als hätte er Draco einen mäßig amüsanten Witz gemacht. „Oder hast du das Konzept Zuneigung von deinen Muggel-Verwandten übernommen?", erkundigte sich Draco trocken, denn nach allem, was er wusste, hatte Potter überhaupt keine Liebe erfahren.

„Ich denke, wir müssen nicht so tun, als hätten wir irgendeinen gemeinsamen Nenner, Malfoy. Ich muss nicht von meiner Kindheit schwärmen, du nicht von deiner", entgegnete Potter ironisch.

„Wir haben Hermine", widersprach Draco knurrend. „Und wenn das auch die einzige Gemeinsamkeit ist, die wir haben, dann-"

„-Gemeinsamkeit?", wiederholte Potter belustigt und schüttelte den Kopf. „Die Hermine, die ich kenne, hätte niemals-"

„-niemals was?", unterbrach Draco ihn sofort. Potter musterte ihn. Ja, es war, wie es war. Draco hatte das Gefühl, er war so weit gegangen, wie es eben für ihn möglich war, zu gehen. Und Potter kam ihm nicht entgegen.

„Hermine", begann Potter nachdenklich, „ist klug. Und wenn sie dich mag, dann kannst du nicht nur ein Arschloch sein", endete er. Draco blinzelte überrascht. „Aber vielleicht stimmt es nicht", fuhr Potter fort. „Vielleicht ist Hermine nicht mehr nur klug, sondern mittlerweile ein hormongesteuertes Mädchen, was auf dich anspringt wie alle anderen Mädchen im Schloss, bist du auch widerlich und abstoßend." Draco atmete aus. Es fiel ihm schwer, ruhig zu bleiben. Wirklich schwer. Potter schüttelte schließlich den Kopf.

„Ich weiß", sagte Potter schließlich und sah ihn an. „Ich weiß, dass das hier ein schwerer Gang für dich war, ok? Und ich… versuche, mehr dahinter zu sehen, als eine Unbequemlichkeit für dich, die du in Kauf nimmst, um Hermine leichter überzeugen zu können, dir ihren Körper darzubieten", schloss Potter angewidert. „Und wahrscheinlich… ist es unmöglich, dich für immer zu ignorieren, dir alle schlechten Eigenschaften zu unterstellen, die wahrscheinlich immer noch zutreffend sind."

Draco öffnete protestieren den Mund, aber Potter unterbrach ihn.

„- aber ich bin nicht so. Ich bin nicht nett und sozial und immer nur selbstlos, Malfoy. Es gibt ein paar Dinge, die ich hasse, und du gehörst dazu. Und deshalb bin ich kein Held. Und ich bin kein Vorbild. Und einem Todesser werde ich nicht meine Freundschaft anbieten."

„Potter-"

„-und selbst, wenn es nicht stimmt, selbst, wenn du das nicht mehr bist, oder niemals warst – oder was auch immer, Malfoy", unterbrach ihn Potter zornig, „selbst dann, will ich niemals mehr mit dir zu tun haben, als jetzt gerade. Das ist das Äußerste! Es ist anstrengend mit dir zu reden, es ist nicht richtig, mit dir zu reden! Ich kann es nicht. Ich vertraue dir nicht, und ich will es auch nicht versuchen. Wenn Hermine es kann – schön für sie. Aber du wirst sie irgendwann verletzten – wieder mal – und du wirst es nicht schaffen, gut genug zu sein. Gut genug für sie. Sie ist besser als du. Millionenmal besser!"

„Ok", sagte Draco nur. Es gäbe tausend Dinge, die er erwidern könnte, tausend Beleidigungen, die er auf Lager hatte. Aber er verzichtete darauf. Potter schien mehr erwartet zu haben, als dieses eine Wort aus Dracos Mund, aber Potter fand mehr Worte.

„Und ich werde niemals die Türen meines Hauses für dich öffnen", ergänzte Potter. Dracos Mundwinkel hoben sich freudlos.

„Bitter. Ich hatte gehofft, wir suchen in zwei Wochen Gardinen aus", schloss er mit ironischer Enttäuschung.

Dann wurde er ernst.

Denn er musste.

Für sie.

„Hör zu, ich… ich weiß, ich habe keine Ahnung von Liebe oder was auch immer du alles gesagt hast, was ich meinetwegen bestätige, aber ich liebe sie, Potter", sagte er eindringlich. „Und ich würde nicht zu dir kommen, ich würde mir nicht die Mühe machen, etwas zu ändern, etwas zu bewegen, in eine Richtung, die nichts weiter als kompliziert und anstrengend ist, wenn es nicht ernst wäre. Es ist mir ernst. Sehr ernst", ergänzte er mit einem eindeutigen Blick. „Ich werde sie nicht mehr gehen lassen. Ich werde mit ihr zusammen sein, Potter. Und ich werde sie heiraten, sobald sie Ja sagt, und ich könnte sehr leicht gehen. Ich könnte das hier sehr leicht zu unserem letzten Gespräch werden lassen, aber es geht nicht. So egoistisch kann ich nicht sein. Ich bin egoistisch, sicher, denn ich werde sie nicht aufgeben, und wenn sie Millionen Mal besser ist als ich – solange sie bei mir bleiben will, werde ich nicht von ihrer Seite weichen. Und es liegt an dir. Denn wer ihr letztendlich wehtut, bin nicht mehr ich."

Potter schüttelte wieder den Kopf, das Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse verzogen, als wären Dracos Worte pures Gift gewesen. Potter wandte den Blick ab, weit über das Quidditchfeld.

„Du wirst Vater", sagte Draco still. „Und ob du es willst, oder nicht, Potter, ich denke, das läutet das Erwachsensein jetzt endgültig ein." Potter wandte ihm den Blick wieder zu.

„Ja?", erwiderte Potter knapp. „Und wann zur Hölle bist du erwachsen geworden?", beschwerte er sich ungläubig. Draco zuckte nur die Achseln.

„Vielleicht als mein Vater starb. Oder als Hermine entführt worden ist, als all mein Gold gestohlen war. Oder als meine Mutter mir eröffnet hat, sie habe mein Haus verkauft und lebe jetzt mit ihrem Lover-Arschloch in Frankreich. Vielleicht auch erst, als Hermine gesagt hat, dass sie mich liebt. Irgendwann in diesem Zeitraum, Potter", antwortete Draco unwillig. Aber Potter sah ihn an.

„Du willst sie heiraten?", wiederholte er Dracos Worte fast tonlos. Und es war fast absurd, wie einfach die Antwort darauf war.

„Sicher. Es gibt niemand anderen für mich", entschied er zu sagen. „Niemals." Potter verdrehte die Augen.

„Das glaube ich, wenn ich es sehe", bemerkte er spöttisch, aber Draco bemerkte Potters Blick. Er war anders geworden. Potter schien nicht zu verstehen, weshalb Draco sich so sicher war. Mit ihr.

„Das heißt, du möchtest eine Einladung bekommen, wenn es soweit ist?", schloss Draco aus seinen Worten. Potter runzelte die Stirn, schien aber zu verstehen.

„Ich schätze schon."

Und das war alles an Zugeständnissen, was Draco von Potter brauchte. Mehr würde er auch nicht ertragen können, denn dann würde er sich vielleicht doch dazu hinreißen lassen, Potter aufs Maul zu hauen. Er nickte und wandte sich ab. Es würde immerhin bedeuten, dass sich Potter nicht in seinen Weg stellen würde. Dass er wusste, dass Draco es ernst meinte. Dass er – wenn er es auch nicht wahrhaben wollte – vielleicht versuchen würde, zu verstehen.

„Malfoy?", hielt ihn Potter schließlich auf, und Draco wandte sich unschlüssig wieder um. „Sag es Ron nicht", bat ihn der Held aus Gryffindor tatsächlich mit einem durchdringenden Blick aus tiefgrünen Augen, die Draco noch nie aus nächster Nähe gesehen hatte. Kurz herrschte ein stiller Moment. Richtig. Deswegen war Draco ja hier. Der Held bekam ein Kind. Und jetzt hatten sie ein Geheimnis. Und Draco ruckte mit dem Kopf.

„Ok", erwiderte er nur. Und es war erheblich. Draco merkte es, als er sich abwandte. Denn… Potters Worte bedeuteten, dass er annahm, er, Draco, würde auch in Kontakt mit Weasley stehen. Dass es langsam verwischte. Alle säuberlichen Grenzen, die sie über Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt hatten. Gryffindor und Slytherin. Schwarz und weiß. Braune Augen und graue Augen. Dass Potter annehmen könnte, er hätte auch nur im Entferntesten mit Weasley zu tun, war – faszinierend. Draco gab es zu.

Denn… ob er nun wollte oder nicht, scheinbar gehörte er dazu. Und Potter wusste es.

Und Draco wusste es auch.