Kapitel 41
„Hermine?"
Ginny war vorsichtig. Hermine während der Prüfungsphase anzusprechen, war gefährlich. Nur Malfoy wagte das. Und Hermine ließ es ihm durchgehen. Wegen offensichtlicher Gründe. Natürlich.
„Hm?" Hermine hob ihren Blick kaum aus dem Buch, was sie hielt.
„Was lernst du jetzt?", wagte Ginny zu fragen. Sie wusste, Harry, Ron und Hermine hatten nur noch Verteidigung vor sich, und das war eher praxislastig, denn sie mussten die Zauber vorführen. Sie kniff die Augen zusammen, um den Buchtitel erkennen zu können.
‚Französisch für Anfänger'. Ihre Stirn kräuselte sich.
„Ich lenke mich ab", informierte Hermine sie abwesend und zog das Buch näher zu sich.
„Ok. Alles klar?" Ginny fragte, weil Hermine seit zwei Tagen mehr als nur seltsam war. Sie war in Gedanken versunken, sprach kaum noch, nur wenn man sie ansprach und wirkte so abwesend wie lange nicht mehr.
„Ja", erwiderte Hermine ausdruckslos, während ihre Lippen stumm Vokabeln formten. Dann riss sie sich los. Ob sie sie erst jetzt erkannt hatte, wusste Ginny nicht. „Entschuldige", sagte Hermine und schenkte ihr endlich ihre Aufmerksamkeit, „ich war abgelenkt. Alles in Ordnung bei dir?", fragte sie sofort, und kurz glitt ihr Blick über ihren Bauch, aber Ginny winkte lächelnd ab.
„Sicher, ich merke nichts davon." Hermine wirkte nicht überzeugt, aber Ginny sprach weiter. „Ich hoffe, eure Prüfungen laufen gut. Es war ein aufregendes Jahr, nicht?", sagte sie jetzt. Hermines Gedanken schienen wieder abzudriften.
„Mhm", erwiderte sie, und Ginny hatte das Gefühl, als ruhe die Last der Welt auf Hermines Schultern. Und Ginny wollte mit Hermine eigentlich darüber reden, dass sie es heute Ron sagen wollte. Aber sie glaubte nicht, dass Hermine der Sinn danach stand. Sie hatte mit Harry gesprochen. Er hatte zuerst gesagt, dass sie warten solle, bis die Prüfungen vorbei waren, aber er hatte seine Meinung schnell geändert, nachdem Ron ihn gestern wahnsinnig gemacht hatte, mit der Verteidigung-Prüfung. Er war so nervös wie vor einem Quidditchauswahlspiel, und Harry vermutete, es würde Ron ablenken, und er würde die Prüfung besser meistern, wenn seine Gedanken ganz woanders waren.
Ginny wusste, Harry hatte keine Lust mehr, dass Ron ihm selber Panik machte, aber es kam ihr recht. Dann würde es morgen auf der Party keinen Tiefpunkt für Ron geben. Das hoffte sie zumindest.
„Ich werde rausgehen", erklärte Ginny schließlich, als Hermine wieder in französische Vokabeln versunken war.
„Hm", war Hermines einsilbige Antwort, ohne den Kopf zu heben.
„Gut, mit dir gesprochen zu haben", murmelte Ginny, ein wenig traurig, aber sie verließ den Gemeinschafstraum. Harry und Ron waren unten auf dem Quidditchfeld, um verschiedene Zauber zu üben. Und Ginny hatte überlegt, dass es eine kluge Idee wäre, Ron draußen anzusprechen.
Es war ein schwerer Gang. Und Ron wäre so etwas wie die Generalprobe, denn Ron war ähnlich schwierig wie ihre Mutter.
Und sie merkte noch nichts. Sie war noch nicht dicker geworden, sie spürte nur die Vorfreude in sich wachsen. Sie war sich so sicher mit Harry. Sie konnte nur annehmen, dass Hermine dasselbe Gefühl in Bezug auf Malfoy hatte. Auch wenn Ginny es sich nicht vorstellen konnte.
Überhaupt nicht. Denn… es war Malfoy. Sie wusste, Hermine hatte es Malfoy gesagt. Hermine hatte sie vorher gefragt, ob es in Ordnung war, dass sie das tat, und Ginny wusste, es würde so oder so ans Tageslicht kommen.
Ihr Herz schlug schneller.
Und scheinbar war Malfoy auf dem Weg zu ihrem Gemeinschaftsraum. Selten traf sie alleine auf ihn. Das letzte Mal hatte sie gedroht, ihn umzubringen, fiel ihr ein.
„Hey", sagte er, unschlüssig, genauso wie sie. Letztendlich blieb sie gezwungenermaßen stehen. Es war wohl die höflichste Entscheidung. Er verharrte ebenfalls. Er trug die Uniform, als hätten sie noch Unterricht. Manchmal würde sie ihn gerne fragen, weshalb er es vorzog, die Uniform zu tragen, als Freizeitklamotten. Er wirkte immer so ernsthaft, viel zu seriös. Als nähme er sich selber viel zu wichtig. Seine Haare schimmerten golden im Licht, und sie hatte nicht die geringste Ahnung, was sie zu ihm sagen könnte. Sie bewunderte Hermine, denn scheinbar wusste Hermine, wie man die Nachmittage mit Draco Malfoy füllen konnte.
Ginny wusste schon nicht, ob sie nicht doch lieber weitergehen sollte. Aber er wirkte angespannter. Sonst wirkte er schon immer angespannt, aber heute spürte sie es sogar.
„Hey", erwiderte sie also seinen Gruß. Sie beschloss, offensichtliche Konversation zu betreiben. „Wolltest du zu unserem Gemeinschaftsraum?" Das war unverfänglich, und die Antwort darauf wäre –
„Ja."
„Gut", erwiderte sie, und damit war es mit dem Gesprächsstoff auch zu einem raschen Ende gekommen. Er nickte langsam, denn scheinbar wusste er auch nichts zu sagen. „Ich muss dann…", verabschiedete sie sich wortkarg, und beide setzten sich wieder in Bewegung.
„Warte", hielt sie seine Stimme schließlich auf, als sie aneinander vorbei geschritten waren. Überrascht hielt sie inne, und sie sah, wie er wohl mit sich ringen musste, um zu sprechen.
„Ja?", fragte sie verblüfft, gespannt, was er noch zu sagen haben würde.
„Wegen Potters Haus…", begann er sichtlich unbehaglich, aber Ginnys Augen weiteten sich verblüfft. War Malfoy nicht vollkommen gegen diese Idee gewesen? Hatte Hermine das nicht bereits gesagt?
„Ja?", wiederholte sie gespannt, und er atmete langsam aus. Es war interessant zu sehen, wie unangenehm es ihm war. Wie abgeneigt er dieser Idee gegenüber stand. Sie sah es auch so.
„Wie… wie groß ist das Haus?", würgte er schließlich hervor. Und belustigt hoben sich ihre Mundwinkel.
„Groß", erwiderte sie nur. Er kämmte sich abwesend mit den Fingern durch die Haare, mied ihren Blick, und sie verschränke die Arme vor der Brust. „Ich dachte, es käme nicht in Frage?", ergänzte sie verwundert.
„Ich… nein. Also… nur – theoretisch", entgegnete er knapp.
„Theoretisch? Theoretisch ist es groß genug für uns vier. Oder fünf, letztendlich", ergänzte sie nachdenklich. Sie wusste, Harry hatte schon gesagt, er würde nicht mit Malfoy wohnen wollen. Niemals, hatte er gesagt. Aber Ginny musste dennoch schmunzeln. „Du… du würdest das wirklich tun, oder? Für sie?", vergewisserte sich Ginny, und war sich gerade nicht sicher, ob Malfoy nicht vielleicht doch gar nicht so ein Mistkerl war, wie sie dachte. Und er ruckte unverbindlich mit dem Kopf.
Dann atmete er aus. Er sah wohl ein, dass mit Ja und Nein und Achselzucken nicht weiterkam. Es war so seltsam mit ihm zu reden. Es war ihr so unangenehm. Sie wusste nicht, wie Hermine dieses Gefühl überwunden hatte. Wie es möglich war, vor Draco Malfoy keine Angst zu haben, nicht ständig den Blick zu senken, denn seine hellen Augen durchleuchteten einen auf das Unangenehmste.
„Keine Ahnung", erwiderte er unzufrieden. Dann musste sie nur noch Harry überreden, überlegte sie lächelnd. Wahrscheinlich war heute der Tag für tiefschürfende Gespräche, nahm sie an.
„Hör zu", begann sie also, „ich fände die Idee großartig", eröffnete sie ihm. „Ich weiß, wir haben keinen Kontakt, und wir kennen uns nicht wirklich, und Slytherins und Gryffindors passen nicht zusammen, aber… wenn wir das mal kurz außer Acht lassen", fuhr sie lapidar fort, während sich seine Augenbraue bereits spöttisch gehoben hatte, „dann fällt mir kein guter Grund ein, warum es nicht klappen sollte. Du liebst Hermine. Wir lieben Hermine. Du bist derjenige, den sie liebt, also…" Sie zuckte die Achseln. „Also bist du ein würdiger Kandidat", sagte sie überzeugt. Malfoy sah sie ungläubig an. „Wahrscheinlich bist du nett", schloss Ginny lächelnd, und Malfoys Gesichtszüge entgleisten ihm schließlich.
Wahrscheinlich gab das ihm gegenüber niemand wirklich zu, vermutete sie. Aber sie konnte jetzt nicht mehr egoistisch sein.
„Ist das so?", erwiderte er spöttisch. „Ich glaube, das bin ich nicht wirklich", schloss er, und sie lächelte schließlich. Manchmal musste man dem Griesgram mit Freundlichkeit begegnen.
„Versteck dich ruhig hinter der bösen Fassade, Malfoy. Aber, ja. Ich denke, du bist nett."
Er schwieg kurz, schien über ihre Worte nachzudenken, ehe sich einer seiner Mundwinkel in die Höhe hob. Na gut. Gut sah er aus. Die Uniform verlieh ihm… einen Glanz von Autorität, die sie ihren Rücken durchstrecken ließ, fiel ihr auf.
„Und so einfach soll es sein?", entfuhr es ihm ungläubig, während er die Arme vor der Brust verschränkte. Und es war ein seltsames Gespräch unter zwei Fremden. Aber sie war es leid, sich ständig zu streiten, sich mit jedem anzulegen, denn… es könnte alles sehr einfach sein. Und diese Schiene würde sie weiter fahren. Denn entweder sprangen die Leute drauf an, oder sie taten es nicht. Bei Malfoy nahm sie an, die Chance stand 50:50.
„Ja, Malfoy. So einfach kann es manchmal sein."
Er kaute vergessen auf seiner Unterlippe und schien nachzudenken, ehe er einen entscheidungsschweren Seufzer tat. Er verzog kurz nachdenklich den Mund, und nickte einmal.
„Ok", willigte er ein. Kurz blinzelte sie.
Das war das Ok? Das erhebliche Ok, was bedeutete, er wollte das versuchen? Sie war überrascht, denn es war schneller gegangen, als sie es ihm zu getraut hatte.
„Ok", wiederholte sie langsam und nickte. „Damit können wir doch schon mal arbeiten", bemerkte sie, nicht völlig zufrieden, aber zufrieden genug.
Auf ihrer Liste befanden sich dann nur noch Harry und Ron. Sie hatte das Gefühl, es würde ein langer Tag werden.
„Dann…?", schloss sie ratlos. „Ich muss… los", endete sie, und amüsiert über ihre peinlich berührten Worte musterte er sie. Ja, sie fühlte sich von ihm ständig verarscht und bewertet. Wie Hermine damit zurecht kam, wusste sie nicht. Vielleicht hatte ihm Hermine seine Arroganz auch schon ausgetrieben. Er wandte sich mit einem leichten Kopfschütteln von ihr ab, als wäre sie besonders lächerlich. Oder es kam ihr nur so vor. Sie wusste nicht, woran sie mit ihm war, aber er hatte nachgegeben. Er würde es in Erwägung ziehen. Wow. Ein Gespräch mit Draco Malfoy. Sie würde es sich merken, beschloss sie, während sie den Gang nach draußen wagte.
„Können wir es noch mal probieren?", fragte Ron unsicher, als Harry mittlerweile schweißgebadet zum zehnten Mal den Verwirrungszauber in Rons Richtung schleuderte, und Ron mittlerweile ohne Probleme rechts von links und oben von unten unterscheiden und parieren konnte.
„Muss das sein?", keuchte Harry und schenkte Ginny nur einen eindeutigen Blick, der ihr wohl bedeuten sollte, dass es jetzt ruhig an der Zeit war, Ron einzuweihen. Sie musste lächeln, und dann erhob sie sich aus dem Gras, um sich zu strecken.
„Ron, wieso übst du nicht den Kugelzauber von dort hinten, und Harry erwidert?", schlug sie schließlich vor, ignorierte Harrys bestürzten Blick, aber Ron beeilte sich ans andere Ende des Quidditchfelds zu kommen.
„Was wird das?", fragte Harry, am Rande seiner ewigen Geduld. Er zog sich schon seine Sportjacke aus und trug nur noch sein Quidditchshirt.
„Harry, wir müssen reden!", eröffnete sie ihm gut gelaunt. Er sah sie an, während er sich bereit machte, Rons Kugelzauber abzuwehren.
„Wir? Wieso wir? Ich weiß doch schon alles", bemerkte er trocken.
Ron schrie quer über das Feld, dass er anfangen würde, und eine silberne Kugel schoss aus der Spitze seines Zauberstabs. Sie war nicht so schnell wie eine Kugel der Muggel, aber es war ein ähnlicher Zauber. Sie war auch nicht aus Blei, aber sie ahmte die Konsistenz nach.
„Malfoy und Hermine werden in das Haus ziehen", eröffnete sie ihm. Harry verriss vor Schreck den Zauberstab, aber schaffte es noch, Rons Kugel abzuwehren.
„Was?", entfuhr es ihm schockiert. „Nein! Ich habe mit ihm gesprochen, das wird nicht passieren!", sagte er schlicht. Jetzt schoss er selber eine Kugel auf Ron ab und wandte sich ihr gänzlich zu. „Verstehst du?", ergänzte er mit Nachdruck.
„Er hat mich angesprochen. Und weißt du was, wenn Hermine und Malfoy gerne wollen, dann wird es wohl nicht anders gehen, als dass ich und die beiden woanders hinziehen. Dann kannst du alleine in deinem tollen Haus wohnen, Harry", gab sie schnippisch zurück.
Harrys Mund stand offen vor Empörung.
„Harry!", brüllte Ron vom anderen Ende des Feldes herüber. Gerade noch rechtzeitig wandte sich Harry um, um die Kugel zu blocken, die fast sein Ohr gestreift hatte.
„Das ist nicht dein Ernst", sagte er außer Atem, als er sie wieder ansah.
„Selbst Malfoy springt über seinen Schatten und-"
„-selbst Malfoy?", wiederholte Harry entrüstet. „Seit wann bist du auf seiner Seite? Was soll das überhaupt? Wieso muss du-"
„-es ist ganz einfach, Harry. Wir sind erwachsen, und du verhältst dich, wie ein kleines Kind."
Harry schoss die nächste Kugel mit voller Wucht in Rons Richtung und kam wieder auf sie zu.
„Ach wirklich?", wollte er böse wissen. „Und wenn es nicht funktioniert?", schrie er sie an. „Wenn wir uns gegenseitig die Köpfe abreißen wollen? Was dann? Wenn es so unmöglich ist, dass wir uns im Haus verfluchen?" Ginny verdrehte die Augen. Harry war so dramatisch.
„Wir haben drei Stockwerke, um uns aus dem Weg zu gehen. Wir können zwei Wohnungen daraus machen", schlug sie vor. „Und wenn es immer noch nicht funktioniert, dann geht es eben nicht. Das lösen wir dann. Wieso sträubst du dich so sehr gegen diese gute Idee?"
„Gute Idee", wiederholte er kopfschüttelnd, wandte sich um, um Rons Kugel abzuwehren, und sah sie wieder an. „Wieso tust du mir das an, Ginny?", verlangte er trostlos zu wissen.
„Weil ich dich liebe und weil ich denke, dass es nicht schaden kann. Was ist so schlimm daran? Find ich einfach damit ab, dass Draco Malfoy kein Arschloch mehr ist, Harry", sagte sie entnervt.
„Aber er ist ein Arschloch", murrte Harry trotzig, trat zornig in den Sand, und atmete schließlich aus. „Wie hoch stehen die Chancen, dass wir nie wieder darüber reden?"
„Schlecht bis ganz schlecht", erwiderte sie.
„Und wie hoch, dass du tatsächlich alleine mit Hermine und Malfoy zusammen ziehst?", ergänzte er.
„Ganz gut, wenn sich mein Freund weiter verhält wie ein kleines Kind. Denn davon werde ich bald schon eines haben, und zwei kann ich nicht gebrauchen", ermahnte sie ihn. Er wehrte lustlos Rons nächste Kugel ab.
„Ich bin ein Kriegsheld!", fuhr er sie verzweifelt an, als wäre das seine Freikarte für alles.
„Das darfst du auch gerne bleiben, Schatz", sagte sie lächelnd. Harry schüttelte den Kopf.
„Ich werde Recht behalten", sagte er nur kopfschüttelnd. „Du wirst es bereuen, und ich werde dir sagen, dass ich es vorher wusste", murrte er.
„Ok, Schatz", wiederholte sie lächelnd.
„Und du bist unmöglich. Du kannst nicht alles durchsetzen, nur weil du mich immer in der Hand haben wirst, Ginevra Weasley!", sagte er jetzt.
„Ich liebe dich, Harry", erwiderte sie still, und er schoss die nächste Kugel und schloss den Abstand zu ihr, um sie kurz zu küssen.
„Ich mache das nur mit, wenn du deinem Bruder endlich von der Schwangerschaft erzählst und ihn mir vom Halse schaffst", knurrte er, als Ron direkt drei Kugeln in seine Richtung schoss. Ginny nickte zufrieden. Harry blockte den Angriff und schrie Ron zu, wiederzukommen.
Dieser trabte gehorsam zurück. Harry hob die Hand zum Abschied.
„Viel Spaß dabei, und ich nehme dir diese Entscheidung trotzdem übel, Ginny", warnte er sie mahnend. Aber sie sah, dass er ziemliche Angst vor Ron haben musste, wo dieser seinen Kugelzauber gerade perfektioniert hatte.
„Du wirst dich schon fügen. Und nebenbei kannst du dann ja endlich zugeben, dass du Draco Malfoy vielleicht doch nicht so scheiße findest, wie du gerade tust?", schlug sie ihm vor.
„Oh bitte!", fuhr er sie im Gehen an. „Er ist scheiße. Und meine Meinung werde ich nicht ändern!", schwor er ihr.
Aber Ginny schüttelte über so viel Bockigkeit nur den Kopf. Ron kam außer Atem wieder zu ihr.
„Wo ist Harry? Ich will mit ihm noch die Wasserwand üben!", erklärte Ron unglücklich, und Ginny beschloss das Ganze abzukürzen, ehe Ron noch weiterdachte, und auf die Idee kam, mit ihr als Partner zu üben, denn in seinem Blick formte sich bereits die Idee.
„Du bist gut genug vorbereitet, Ron", versprach Ginny zuversichtlich.
„Nein! Woher willst du das wissen? Du weißt doch gar nicht, was drankommen wird! Ich muss unbedingt üben. Du kannst mir helfen!", kam er schließlich zu dem lästigen Schluss. „Ok, stell dich da drüben hin, dann beschwöre ich die Wand und du-"
„-ich bin schwanger, Ron", unterbrach sie ihn deutlich.
„Und… du versuchst das… das Wasser zu…?" Er sah sie völlig entgeistert an. „Was?", entkam es kläglich seinen Lippen. „Wie…? Was meinst du damit?", schloss er vollkommen überfordert. Ginny sah ihn ernst an. Und langsam schien die Information durchzudringen.
„Was?", fragte er jetzt verstört. „Du kannst nicht schwanger sein", sagte er kopfschüttelnd. „Du… du bist meine kleine Schwester", entschied er zu sagen.
Sie wartete noch eine Weile. Sie wusste, es war bestimmt noch nicht alles, was Ron dazu zu sagen hatte. Er fuhr sich durch die roten Haare und schien immerhin seine Prüfungsangst vergessen zu haben.
„Was meinst du damit?", wiederholte er ungläubig. „Bist du dir ganz sicher? Manchmal irrt man sich, weißt du. Und außerdem, Ginny, man wird nur schwanger, wenn man… - du weißt schon. Wenn man… einen…"
„-einen Mann hat?", schlug sie ihm nachsichtig vor. „Ron, ich bin mir sicher."
„Nein, du verstehst nicht", wiegelte er lachend, fast hysterisch ab. „Man muss… na ja… Sex haben, Ginny." Er flüsterte das Wort nur, und Ginny senkte den Blick.
„Ron, das weiß ich bereits", erwiderte sie.
„Was?", erwiderte er wieder, runzelte die Stirn, und schüttelte wieder den Kopf. Sie dachte schon, gleich würde er sich die Hände vor die Ohren schlagen.
„Aber du… aber… - mit wem solltest du-?" Und seine Augen wurden groß. Mehrere Galleonen schienen in Rons Kopf gefallen zu sein und Röte kroch ungehindert in seinen gesamten Kopf. „Oh, Merlin. Nein", sagte er nur.
„Ron", begann sie, nun dass er ihr zuhörte, „es ist-"
„-meine kleine Schwester!", entfuhr es ihm abwesend.
„Ron!", ermahnte sie ihn. „Es ist ok. Wir haben darüber gesprochen. Er-"
„-er weiß es?", mischte sich Ron sofort ein, Zorn in den blauen Augen. Ginny schwieg.
Uh-oh.
„Er weiß es, und er sagt es mir nicht? Er besitzt die Dreistigkeit, nicht mit mir zu sprechen?", entrüstete Ron sich. „Was bin ich? Der letzte Idiot, der es erfährt?" Und Ginny öffnete ratlos den Mund, denn so gesehen…-
„Weiß es Hermine?", wollte Ron böse wissen, und Ginny schluckte schwer.
„Na ja, ich musste ja mit wem-"
„-also ja!", knurrte Ron. „Wieso erzählst du es mir nicht? Wieso erfahre ich es als letzter? Ich bin dein Bruder!", informierte er sie böse.
„Das weiß ich!", gab sie zurück. „Und genau deshalb konnte ich es dir nicht sagen. Ich weiß doch genau, wie schnell du ausrastest!" Seine Augen weiteten sich empört.
„Ausrasten? Ja, natürlich raste ich aus! Was denkst du, was Mum und Dad sagen werden?", fuhr er sie an. „Du bist noch nicht mal mit der Schule fertig! Oh Merlin, das wird ein Donnerwetter geben! Und dieser feige Verräter von einem besten Freund! Wie kann er nur?! Wie kann er mir noch in die Augen sehen, nachdem-"
„-aber Ron, wir sind doch zusammen! Wir werden zusammen ziehen! Und… Gold ist kein Problem, wir-"
„-darum geht es überhaupt nicht!", schrie Ron außer sich. „Wie konntest du mir das verheimlichen? Was denkst du, was Mum mir für Vorhaltungen machen wird?! So etwas Schlimmes ist nicht einmal passiert, als Fred und George noch zur Schule gegangen sind!", jammerte er jetzt. Ja, wollte sie sagen, denn weder Fred noch George hätten schwanger werden können.
„Ich rede mit Mum", versprach sie ihm, aber Ron vergrub den Kopf in seinen Händen und schüttelte den Kopf.
„Es ist doch trotzdem meine Schuld!", fuhr er sie an.
„Ron, es ist nicht schlimm", sagte sie wieder.
„Natürlich ist es schlimm! Man wird so jung nicht schwanger!", rief er verzweifelt. Sie atmete aus.
„Keine Angst, ok? Du hast ja mehr Angst vor Mum als ich", beschwerte sie sich entnervt.
„Habe ich nicht", gab er bockig zurück. Dann sah er sie an. „Wie konnte er das nur tun?", flüsterte er. „Meine kleine Schwester…"
„Ron, ich wollte, dass er das tut", informierte sie ihn, aber tatsächlich schlug er sich jetzt die Hände vor die Ohren. „Oh du bist so ein Kind!", ergänzte sie und verdrehte die Augen, als Ron wild den Kopf schüttelte. „Ron!", rief sie lauter, und endlich nahm er die Hände von den Ohren runter.
„Was?", wollte er beleidigt wissen.
„Hat mein Kind einen Onkel, oder brichst du jetzt den Kontakt zu uns ab?", wollte sie prüfend wissen, und bei dem Wort Onkel hatten sich seine Augen geweitet.
„Oh… Ginny, du… - natürlich hat es einen Onkel", gab er schließlich nach. „Du bist einfach nur… blöd", sagte er. „Kann ich dich… umarmen, oder…?"
„Oder platze ich dann?", beendete sie spöttisch seinen Satz, aber sie breitete die Arme aus. „Ja, du kannst mich umarmen, du großer Tölpel", schloss sie ein wenig erleichtert.
„Mum wird dich umbringen", flüsterte er kopfschüttelnd gegen ihre Haare, und sie nickte stumm, während er sie so festhielt, dass sie kaum noch Luft bekam.
Ja. Sie hatte es verdrängt, aber ja. Ihre Mutter würde sie wahrscheinlich wirklich umbringen. Und danach Harry. Sie hoffte nur, dass ihre Mutter ähnlich wie Ron war. Einfach nur ein Vulkan, der einmal explodierte, und dann kehrte Ruhe ein.
Aber diese eine Explosion… - oh sie hatte Angst davor. Sie klammerte sich ein wenig fester an Ron.
