Kapitel 4.1: Ritter in grüner Tracht

(Katerstimmung)

„Er ist raus!"

„Du kannst mich mal", murmelte Logan stöhnend, sich nicht damit plagend aufzuschauen und zu sehen, worüber Colin redete. Egal was es auch war, es konnte nicht wichtig genug sein, um am frühen, frühen Morgen aufgeweckt zu werden.

Colin dachte offensichtlich anders, denn einen Moment später fühlte Logan, wie die Bettdecke verschwand und widerlich kalte Luft seine Haut traf, was ihn dazu brachte, einen Fluch zu murmeln. Trotz alldem hielt er seine Augen fest geschlossen und vergrub seinen Kopf tiefer im Kissen. Warum zur Hölle war Colin schon so früh auf? Immerhin hatten sie letzte Nacht zusammen gefeiert und er hatte genau so viel getrunken wie Logan. Er sollte auch im Bett sein. Auf der anderen Seite hatte Colin, im Gegensatz zu ihm, es nicht geschafft einen Treffer bei einem Mädchen zu landen und wahrscheinlich nicht die meiste Zeit der Nacht damit verbracht, was ein junger, gesunder Mann alles mit einem nett aussehenden Mädel tun kann. Genau. Und jetzt zahlte es Colin ihm wahrscheinlich heim, indem er ihn störte um… naja, jetzt.

Etwas klatschte gegen seinen Kopf. Logan ignorierte es.

„Logan!" rief Colin verärgert.

„Vergiss es, Kumpel, und erspar dir deinen Atem. Du weißt genauso gut wie ich, dass unser Junge hier nicht aufstehen wird, außer wir verpassen ihm eine ungewollte kalte Dusche." Finns Stimme schaltete sich dazu, sie hörte sich jedoch nicht wie seine Beste an. Wahrscheinlich war auch er nur unfreiwillig wach.

Moment… Finn war wach? Nach einer Party und einer Nacht mit einem Rotschopf? Okay… etwas war hier faul. Oder es war erheblich später als Logan dachte. Versuchsweise öffnete er seine Augen, um einen Blick auf den Alarmwecke auf seinem Nachttisch zu werfen. Knurrend drehte er sich um und setzte sich auf, ein wenig zusammenzuckend als sein Kopf anfing, es ihm für letzte Nacht heim zu zahlen. Er blitze seine zwei ehemaligen Freunde an. „Was zum Teufel ist so verdammt wichtig, hier zu dieser unchristlichen Stunde hereinzuplatzen?!"

„Ich verspüre ein Déjà-vu", kommentierte Finn trocken, kam zu ihm und drückte ein Glas in Logans Hand.

„Huh?" grummelte Logan, dankbar das Glass annehmend und zwang die bräunliche Flüssigkeit in einem Schluck hinunter. Und machte ein Gesicht. Das Zeug schmeckte widerlich, aber er wusste aus Erfahrung, dass Finns patentierter Katertrunk für seinen Kopf Wunder bewirken würde.

Colin rollte seine Augen. „Oh, Finn zum Aufstehen zu bewegen ist genauso schlimm wie dich zum Aufstehen zu bekommen. Hier." Er hielt ihm etwas hin, was aussah wie eine Zeitung.

Logan starrte es an, dann zurück zu Colin, eine Augenbraue hebend, die seinen wütenden Blick begleitete.

Verärgert schüttelte Colin das Papier. „Rorys Artikel. Er ist raus. Er ist hier."

„Das ist alles?" knurrte Logan. „Du hast mich aus meinem reizvollen, großartigen Traum gerissen, um mir zur sagen, dass die Zeitung raus ist? Das war's. Verschwinde. Ich geh wieder schlafen."

„Aber der Artikel! Die eine Sache, die uns zerstören könnte! Uns unsere Mitgliedschaft bei der LDB kosten könnte!" rief Colin mit der Zeitung winkend aus.

Logan seufzte. „Es wird nicht passieren und ich dachte, du wärst über deine Paranoia hinweg."

"Naja, bin ich… trotzdem. Es ist etwas Gewagtes, selbst mit Rory als Reporterin, die den Artikel schreibt", sagte Colin und schob die Zeitung wieder unter Logans Nase.

Logan merkte, dass er nicht mehr aus der Sache raus kommen würde; er nahm endlich die Zeitung mit einem Seufzer und legte sie neben sich.

Colin starrte ihn ungläubig an. „Willst du es denn gar nicht lesen?"

„Später." Logan gähnte.

Finn gluckste. „Muss schon sagen, du hast mehr Zurückhaltung als ich. Sobald meine Augen weit genug offen waren, las ich ihn mir durch. Nicht sehr sorgfältig, aber ich tat es." Er schaute Logan mit einem geneigten Kopf an. „Ich hätte gewettet, dass vor allem du die Zeitung aus Colins Händen reißen würdest, um zu sehen, was Reportermädchen über den Event und unsere bescheidene Brigade zu sagen hat – und über euren Sprung. Würdest du uns mitteilen, warum du nicht der Begierige, Ungeduldige bist, von dem wir erwartet hatten, ihn anzutreffen?"

Logan warf ihm einen Blick zu, dann der Zeitung. Als er wieder seine Freunde anschaute, zuckte er mit den Schultern und präsentierte ihnen ein verlegenes Lächeln. „Naja… ich könnte ihn schon zwei Nächte zuvor gelesen haben", beichtete er schließlich.

Finn hob eine Augenbraue. „Hast du tatsächlich?" fragte er grinsend.

Colin jedoch runzelte die Stirn. „Warum? Ich dachte, du hast Roberts Vorschlag gehasst."

Bei der Erwähnung von Robert machten Logan und Finn finstere Gesichter. Robert hatte von ihnen gewollt, in Doyles Büro einzubrechen bevor die Ausgabe mit dem Artikel gedruckt wurde, um einen Blick auf Rorys Artikel zu werfen und wenn sie etwas Unerfreuliches finden würden, es zu löschen. Natürlich hatte der Idiot nie über die Tatsache nachgedacht, dass Rory wahrscheinlich mehrere Kopien ihrer Arbeit gespeichert hatte und selbst wenn ihr Artikel verloren gegangen oder vom Server gelöscht worden wäre, hätte sie kein Problem gehabt, ihren Artikel neu zu schreiben – einen, der sicherlich eine zuckersüße kleine Vergeltung gegen die LDB sein würde, sollte sie jemals herausfinden, dass sie für das Missgeschick verantwortlich waren. Seine Ace war weder dumm noch so unschuldig wie sie vielleicht auszusehen vermag mit ihren großen blauen Augen und ihrem gelegentlichen schüchternen Verhalten. Er hatte es Robert gesagt und da er, Finn, Steph, Jamie, Seth und selbst Colin strickt gegen Roberts Forderung gewesen waren, war Robert überstimmt worden. Dem Himmel sei Dank!

Den Umstand, dass Logan dann genau das tat, was Robert vorgeschlagen hatte, hatte nichts mit ihm oder der LDB zu tun. Er hatte sich lediglich vorher einen Einblick in ihren Artikel verschafft, weil er nicht in der Lage gewesen war, noch länger zu warten, nicht nachdem er von Doyle erfuhr, dass sie ihn eingereicht hatte. Niemals hatte er die Absicht gehabt, ihren Artikel zu verpfuschen oder sogar ihn zu zerstören. Er wusste, dass es keinen Grund geben würde und er lag richtig. Es war ein sehr guter Artikel, nicht der Beste, den er je gelesen hatte, aber er war gut; gut recherchiert und hatte die Atmosphäre des Events sehr genau beschrieben. Vielleicht sogar ein wenig verromantisiert, etwas, dass Logans Herz unerklärlich schneller schlugen ließ. Es gab für seinen Geschmack ein wenig zu viele Vergleiche, aber ansonsten konnte man wirklich nichts zu kritisieren finden. Eigentlich, dafür, dass sie nur eine schreibende Studentin war, war ihr Artikel fantastisch, viel besser als einiges Zeug, was er von etablierten Journalisten kannte. Er wusste, sein Vater würde den Artikel mögen, sobald er ihn gelesen hätte – wegen des Themas und wegen des Stils des Schreibers. Wahrscheinlich würde er Logan auf sie ansprechen, natürlich mit der folgenden Bemerkung, dass er sich ein Beispiel an dem Gilmore-Mädchen nehmen sollte. Oh ja, er konnte ihn schon hören.

„Erde an Logan? Hallo?"

Colins Stimme riss Logan abrupt aus seinen Gedanken. Oh richtig… Logan zuckte mit den Schultern. „Mir war langweilig und ich hatte das verzweifelnden Verlangen etwas zu lesen", bot er mit einem schiefen Lächeln an.

„Genau. Also bist in das Büro dieses komischen Typens eingebrochen und hast Rorys Artikel gelesen." Colin rollte mit den Augen, dann verengten sie sich. „Du hast ihn nur gelesen, stimmt's?"

Verärgert schüttelte Logan seinen Kopf. „Natürlich hab ich ihn nur gelesen. Was denkst du denn? Sie würde mir den Hals umdrehen, wenn auch nur ein Komma geändert wäre. Außerdem habe ich ihn nicht gestohlen. Der Artikel hat Doyles Büro niemals verlassen."

„Und was hättest du getan, wenn du tatsächlich etwas beunruhigendes über uns gefunden hättest?" fragte Colin interessiert, sich von der vorherigen Angelegenheit abwendend.

Logan seufzte. „Gar nichts. Nicht, dass es überhaupt eine Chance gab, etwas zu finden. Also… wie fandet ihr ihn?" fragte er, um seine Freunde in eine andere Richtung zu lenken, wohin auch immer diese Unterhaltung hinführen würde.

Colin lächelte. „Er ist gut. Wirklich gut. Und ich denke, du hattest Recht. Das könnte zugunsten für die LDB arbeiten."

„Siehst du? All eure Sorgen waren für nichts", nickte Logan und stand auf, um sich zu strecken.

„Ich würd nicht sagen ‚für nichts'. Meine Sorgen waren gerechtfertigt. Es könnte fatale Konsequenzen gehabt haben", protestierte Colin, immer der Anwalt, den er im Blut hatte.

„Wenn ihr mich fragt, ich fand den Artikel fantastisch. Das Beste, was ich je gelesen habe", warf Finn seine Meinung ein, bevor Colin weiterargumentieren konnte.

Logan fuhr schnell fort. „Ich hab keinen Zweifel daran, zumal das letzte was du in deiner freien Zeit gelesen hast wahrscheinlich der 'Playboy' war."

„Es war 'Rolling Stones', also bitte", verteidigte Finn sich verletzt, bevor er erneut seine klaren Augen auf Logan richtete. „Aber was ich am Interessantesten finde ist, dass du dir all die Mühe gemacht hast, den Artikel zu lesen, wenn du doch eigentlich nur zwei Tage warten müsstest und ihn in der Zeitung lesen könntest. Vor allem, weil du Reportermädchen nicht einmal erwähnt hast seit dem wir zurück sind. Eigentlich warst du immer derjenige, der sobald sie in einer unserer Unterhaltung auftauchte, sofort das Thema wechselte. Du hast dich verhalten, als ob sie nie existierte. Und trotzdem konntest du nicht warten, den Artikel in die Hände zu bekommen."

Verdammt, warum musste Finn das ansprechen? „Ich hab keine Ahnung worüber du redest. Das Leben geht weiter, mehr nicht", sagte Logan. Unbehaglich drehte er sich um und ging hinüber zu seinen Fenstern, um die Jalousien zu öffnen und schaute auf den Campus. Es war noch früh, aber viele eifrige Studenten eilten bereits von hier nach da. Da Rorys erste Lesung heute in einer halben Stunde starten würde, war sie wahrscheinlich auch unter diesen Studenten. Vermutlich stand seine Ace gerade bei einem der Kaffeestände, um sich ihren Kaffee zu besorgen. Er hatte herausgefunden, dass sie scheinbar wirklich diese braune Flüssigkeit mochte. Und anscheinend war der Kaffee von dem Stand gegenüber der großen Bücherei ihr Favorit.

Innerlich stöhnend schloss Logan seine Augen. Warum zur Hölle wusste er all das? Okay, richtig, er wusste, warum er es wusste, aber nicht, warum er sich an all diese kleinen Details über ihren Stundenplan und ihr Leben merkte. Oder warum er nicht aufhören konnte, über sie zu denken als seine Ace. In Wahrheit war sie immer noch in seinem Kopf. Weggeschoben, tief unten vergraben, aber sie war immer noch da und es verging keine Sekunde, in der Logan sich dieser Tatsache nicht bewusst war. In den letzten paar Tagen war er Rory nicht ausgewichen – es gab keinen Grund dazu, weil sie in ihr Studium und die Arbeit an dem Artikel vertiefte war. Aber er vermied es, über sie zu reden. Er wollte sie vergessen. Er brauchte nicht die konstanten Erinnerungen an sie. Nicht zu erwähnen, dass er die Andeutungen seine Freunde nicht leiden konnte, die ihn und sie betrafen. Und trotzdem wunderte er sich, worüber Colin und Rory gesprochen hatten. Er konnte nicht umhin zu bemerken, dass sich in Colins Stimme, immer wenn er über sie sprach, eine kaum merkliche Zuneigung schlich.

„Ich denke, du hast wahrlich ein paar sehr interessante Fragen angesprochen", sagte Colin grinsend. „Natürlich sind die Antworten zu all diesen höchst offensichtlich für uns Zuschauer…"

„Aber, da es nicht zu bestreiten ist, dass wir es mit einem blinden Feigling zu tun haben, ist es kein Wunder, dass unser Kumpel hier sie nicht so klar sehen kann wie wir weisen Männer es tun", vollendete Finn Colins Satz.

Logan schüttelte seinen Kopf und seufzte. Wann würden diese beiden endlich aufhören zu versuchen, ihn zu etwas zu drängen, was er zurzeit nicht wollte? Nicht brauchte. „Wenn ihr nichts Sinnvolles zu sagen habt, warum geht ihr dann nicht? Da ich bereits auf bin, kann ich genauso gut auch zu meiner Politiklesung."

„Ich bin schockiert! Du willst wirklich zu einer deiner Lesungen gehen?" fragte Colin, beide Augenbrauen angehoben. „Sieh an, sieh an, wenn eine gewisse fleißige Studentin nicht einen guten Einfluss auf dich hat."

Sie würden nie aufhören. Trotzdem musste Logan es nicht mögen. "Raus!" verlangte er und zeigte mit seinem Finger nach draußen.

Lachend erhob sich Finn aus seinem Stuhl. „Komm schon, Colin. Ich denke, wir haben unseren Kumpel genug belästigt für diese unchristliche Tageszeit. Außerdem hast du Steuerrecht in vierzig Minuten, oder?"

Colin warf einen Blick auf seine Uhr und nickte. „Wir sehen uns um fünf?" fragte er Logan.

Sie wollten zu einem Konzert in New York gehen, welches um neun Uhr abends beginnen würde. Logan nickte. „Wir sehen uns dann."

Die zwei gingen und hatte endlich Logan etwas Frieden für seinen Tag. Zweifellos würden sie ihm heute Abend und morgen noch mehr in den Ohren liegen. Wenngleich sie erst genug getrunken hätten, würden sie es wahrscheinlich bleiben lassen. Seufzend blickte Logan zu seinem Computer. Dankbarerweise hatten seine Freunde keine Ahnung, dass er einige der Fotos des Events kopiert hatte. Jeden Tag ertappte er sich dabei, wie er sich das Bild von sich und Rory auf seinem Computer anschaute und jedes Mal würde er es anstarren. Aber vielleicht wäre es heute anders. Seine Augen schauten auf die Zeitung. Oder, vielleicht nicht.

Langsam ging er zurück zu seinem Bett, hob die Zeitung auf und entrollte sie. Da war er: ihr Artikel, genau auf der Titelseite. Sie hatte keine Bilder eingefügt, obwohl sie ein paar gehabt hatte, die sie hätte benutzen können. Stattdessen hatte sie sich dazu entschieden, all ihren Platz mit Geschriebenem zu füllen, etwas, was Logan respektierte. Es war schwieriger, die Aufmerksamkeit eines Lesers zu erlangen und sie zu halten ohne interessante Bilder. Aber sie hatte einen guten Titel gefunden; einen, der ins Auge stach.

'Life and Death Brigade' – Kein Mythos.

Dann ihr Untertitel: Geschichten einer Überlebenden – Kaum dem Tod entronnen.

Ja, es fiel auf und interessierte einen den Rest zu lesen. Ace hatte es geschafft, einen gewissen Humor einfließen zu lassen; sie konnte das Interesse des Lesers durchweg in ihrem Artikel halten, selbst durch den eher langweiligen Teil, wo sie die Brigade erklärte. Kurz ihre Geschichte, die Organisation und die generelle Struktur der LDB. Sie sprach von dem ersten Abend und ließ es so viel interessanter klingen, als er sich erinnerte. Der Spaß und die Freude die LDB-Feier mitzuerleben, schimmerte durch die ganzen Aktivitäten des zweiten Tages. Die Spiele, die Party nach dem Sprung. Und der Sprung… nichts konnte das Gefühl des Rausches, des Adrenalins, dem Fallen durch Luft beschreiben, wenn man sieht, dass der Boden näher und näher kommt in einem unvorstellbaren kurzen und zugleich langen Moment, aber sie kam dem verdammt nah.

'So, meine lieben Leser, wenn ihr jemals Glück genug habt, eine Einladung zu einem Event der 'Life and Death Brigade' zu erhalten – zögert nicht. Glaubt mir, es ist es wert.'

So beendete sie ihren Artikel und Logan musste darüber lächeln. Er war sehr froh, dass sie den Event gemocht hatte. Und er konnte sich nicht helfen als zu wundern, ob sie bereits bemerkt hatte, dass auch sie nun ein Mitglied der LDB war. Er war sich nicht sicher, aber er glaubte nicht. Andernfalls hätte sie selbst mit ihrem hektischen Stundenplan, da war er sich ziemlich sicher, etwas Zeit gewunden und zu ihm gekommen, um noch mehr Fragen zu stellen. Er mochte ihre Fragen.

Und er dachte bereits wieder über sie nach. Gott, das musste aufhören! Verärgert drängte er Rory aus seinem Kopf und legte die Zeitung weg, ihr Artikel mit dem Gesicht nach unten. Dann schnappte er sich ein paar Klamotten und ging zur Dusche. Er hatte eine Lesung in zwanzig Minuten. Vielleicht half ihm das politische Chaos im Nahen Osten seine Ace zu vergessen. Zu mindestens für eine Weile.


"Ja Dad, ich hab dich verstanden, aber... Ja, natürlich werde ich kommen... Nein, das ist nicht notwendig. Ich werde mit meinen Freunden raus fahren. Ja, ja, ich weiß… Genau. Tschüss!" Finn klappte sein Handy zu und machte ein Gesicht. „Ratet mal!"

Colin seufzte. „Du hast gerade die Anweisung bekommen, zur Yale Ehemaligenfeier am Freitag zu gehen."

„Und ob. Begleitet mit ein paar alten Drohungen und väterlichen Rats, wie man seine Zeit verbringt und lasst mich euch sagen, es beinhaltete eine Menge langweiliger Dinge und wenig Spaß und natürlich mindestens zwei voreingenommene Kommentare, wie ich mein Leben lebe", erzählte Finn seinen Freunden und ließ einen gequälten Seufzer von sich bevor er Logan anschaute. „Und was ist mit dir? Wurdest du schon ‚eingeladen'?"

Logan machte auch ein Gesicht und nickte. Diesen Morgen hatte ihn seine Mutter mit einem Anruf geweckt, um ihm zu sagen, dass seine Anwesenheit für die Party am Freitag gewünscht wurde. Es war noch nie eine angenehme Art gewesen, durch einen Anruf seiner Mutter aufgeweckt zu werden. Mit der Nachricht verbunden, oder eher Anweisung, machte sie es zu einem perfekten Start für einen beschissenen Tag. Und das gerade nachdem sie von einem zwei-Tages-Trip durch die New Yorker Unterhaltungsszene wiedergekommen waren. Naja, zu mindestens ein paar von ihnen.

„Ich hab mich nur gewundert, was so wichtig an dieser verdammten Feier ist, von welcher unsere Eltern so erpicht auf unser Erscheinen sind. Vor allem weil es so überstützt wirkt. Ich bin mir sicher, dass wir sonst schon längst von unseren Eltern von dieser Ehemaligenfeier gehört hätten", wunderte sich Colin.

Finn zuckte mit den Schultern. „Was auch immer es ist, es wird öde. Und es wird eine Zeitverschwendung… sonst könnte ich meine Zeit mit dem Trinken von gutem Zeug und natürlich wunderschönen Rotschöpfen verbringen."

„Zu mindestens hat Richard Gilmore eine gut gefüllte Bar. Und hey, gibt's da nicht auch noch ein Poolhaus?" fragte Colin, während sich seine Miene etwas aufhellte.

Logan nickte. „Ich denke ja, obwohl es schon was her ist, dass ich bei den Gilmores war", sagte er und versuchte sich an ihr Haus zu erinnern. Natürlich sah er Richard und Emily gelegentlich, entweder im Club oder auf anderen Feiern. Aber das letzte Mal, dass er bei ihnen zuhause war, muss schon einige Jahre zurückliegen.

„Stimmt, sie schmeißen kaum Partys bei denen unsere Eltern unsere Anwesenheit verlangen. Es ist umso interessanter, dass es plötzlich der Fall ist", sagte Colin mit gerunzelter Stirn. Dann schüttelte er seinen Kopf. „Poolhaus oder nicht, das Anwesen in groß genug, dass wir ein Plätzchen finden werden für unsere kleine Sub-Party. Wenn wir Glück haben, sind wir nicht die einzig interessanten, eingeladenen Leute."

„Vielleicht ein paar nette Mädels, die wir noch nicht durch sind", zirpte Finn.

„Das wage ich zu bezweifeln", zerstörte Colin sofort Finns Hoffnung. „Wir kennen sowas von alle Mädels aus unseren Kreisen und entweder lohnen sie sich nicht - oder wir hatten schon unseren Spaß mit ihnen. Und sie ihren", erinnerte er Finn. Da fingen jedoch seine Augen an zu leuchten und nahmen einen unartigen Schimmer an, den seine Freunde fürchteten. „Andererseits, da die Gilmores die Party schmeißen, ist es mehr als möglich, das eine gewisses Fräulein Gilmore auch anwesend sein wird und sie ist auf jeden Fall neu in unseren Kreisen. Hey! Vielleicht geht's darum! Sie wollen Rory in die High Society einführen", sagte Colin mit einem Blick auf Logan.

Logan ignorierte den Blick und runzelte die Stirn. „Für eine Debütantin ist sie etwas alt, oder nicht?"

„Naja, ich red ja auch nicht über weiße Kleider und Hofknickse. Aber sie können Rory immer noch ‚einführen'", protestierte Colin. „Höchste Zeit, dass sie endlich vorgestellt wird."

„Das stimmt. Zu mindestens macht Reportermädchen unser Leben etwas interessanter. Richtig Kumpel?" grinste Finn Logan an.

Logan antwortete nicht. Er hatte entschieden, dass er auf die Sticheleien seiner Freunde nicht mehr reagieren würde. Vielleicht würde sie das stoppen. Sobald sie bemerkten, dass er sich nicht besonders um Rory kümmerte, um überhaupt Interesse zu zeigen, würden Colin und Finn früher oder später von ihren eigenen Kommentaren genug bekommen. Wohl eher später, so ein paar Jahre. Stattdessen dachte er über Colins Aussage nach. Es war wahr, dass Rory höchstwahrscheinlich auch da sein würde; es war immerhin die Party ihrer Großeltern und dazu noch für Ehemalige von Yale. Demnach würde Rory, als Top Yale Studentin, wahrscheinlich auf der Gästeliste stehen. Aber er bezweifelte, dass es irgendeine Art Debüt für sie war. Sie war nicht der Typ dafür. Er sah sie nicht langweilige Champagner und Kaviar Partys besuchen, an denen er und seine Freunde ihr Leben lang teilnehmen mussten, um dabei über Klatsch und Aktien oder das letzte DAR Projekt zu reden oder worüber die Damen auch immer quatschten. Genau genommen konnte er sich Rory nicht einmal auf dieser Party vorstellen und er war sich nicht hundert prozentig sicher, dass sie da sein würde. Schließlich hatte sie nie zuvor eine Party ihrer Großeltern besucht, warum jetzt damit anfangen?

Wenn man darüber nachdachte, war es schon merkwürdig. Ein paar Monate zuvor hatte er noch nie von einer Rory gehört und jetzt schien sie in allen Aspekten seines Lebens aufzutauchen. Erst der Campus von Yale, dann die Zeitung, dann hatte sie ihn für ihren Artikel erpresst und sich in jede Ecke seiner Gedanken geschlichen, sie war beim LDB-Event, war jetzt sogar Mitglied und würde vielleicht sogar auf dieser Party auftauchen. Und wenn Colin richtig lag, dann würde sie auch auf kommenden Partys erscheinen, wodurch sie auch Teil dieser Gesellschaft würde. Nein… das war lächerlich. Sie mochte das Blut und die notwendigen Namen und Nachfahren dafür haben, um ein Mitglied dieses ‚Clubs' zu sein, aber sie hatte absolut nicht die Einstellung. Sie hasste die High Society. Und sie war viel zu direkt und offen einerseits und viel zu schüchtern und naive andererseits, um mit ihrem Völkchen zu verkehren.

„Ich denke, dass es das ist, was sie uns gesagt haben… eine Ehemaligenfeier, perfekt für die Patriarchen, um die neue Elite zu beäugen, für die Mütter, um Ausschau auf mögliche Bräutigame und Bräute zu werfen und für uns Junge, um neue Kontakte zu knüpfen", sagte Logan etwas zu energisch. Natürlich vergessen sie, dass wir uns eigentlich schon alle kennen und sich unsere Eltern und Großeltern gegenseitig auf dem Laufenden halten, welche Missetaten und Erfolge ihr Nachwuchs zu verbuchen hat. Nicht zu vergessen, dass es wieder mal eine Möglichkeit ist, um in den guten, alten Unizeiten zu schwelgen."

Finn zuckte mit den Schultern. „Könnte oder könnte nicht. Letztendlich ist es scheißegal oder? Wir müssen die Party immer noch besuchen und uns zu Tode langweilen. Warum wenden wir uns nicht viel interessanteren Dinge zu wie zum Beispiel, dass ich meine Traumfrau getroffen habe?"

Logan und Colin stöhnten. Wie oft hatten sie Finn genau das gleiche sagen hören? „Wie heißt sie dieses Mal?" seufzte Colin.

"Rosemary ist der wunderschöne Namen dieser noch schöneren Kreatur", sagte Finn verträumt.

„Ein Rotschopf?" erkundigte sich Logan, nur um sicher zu gehen.

„Natürlich! Wer sonst könnte so wunderschön sein wie meine Rosemary?" fragte Finn mit der Hand auf seinem Herzen. „Sie ist die verkörperte Perfektion mit ihren grünen, sternenhaften Augen, der roten Schönheit ihrer wallenden Bronze, ihrer Haut, die so hell und geschmeidig und weich ist, dass du weinen könntest."

Finn fuhr mit der Vergötterung dieser Rosemary fort, aber Logan hörte ihm nicht mehr zu. Okay, es hatte ihn scheinbar schwer erwischt. Jedoch bezweifelte Logan, dass sie irgendwie anders war, als Finns sonstige Traumfrauen. Nicht zu erwähnen, dass ihm nichts Ungewöhnliches an Finn auffiel. Logan wusste zwar nicht, wie sowas aussah, wenn es Finn einmal wirklich hart treffen sollte, aber Logan wusste instinktiv, dass er sich anders verhalten würde. Vielleicht wäre der Unterschied, dass er kaum über sie sprechen würde. Oder vielleicht wäre er noch schlimmer. Vielleicht, heute oder später, würde Logan es herausfinden, aber er war sich ziemlich sicher, dass es noch etwas Zeit benötigte. Vor allem gingen Finns Eltern lockerer mit seiner Zukunft um als seine oder Colins. Sie schien es wirklich zu interessieren, was Finn wollte, also waren die Chancen groß, dass er seine Liebe heiraten könnte. Finn bekam nichtsdestotrotz genau die gleichen Standpauken wie Logan und Colin. Aber im Vergleich zu ihm wussten beide, dass sie kein Mitspracherecht in ihrer Berufswahl haben würden - oder welche Frau sie in ein paar Jahren zu heiraten hatten.

Und Rory war bei weitem viel zu unterschiedlich von diesem Typ Frau, wobei Logan sich noch nicht sicher war, wie er sich deshalb fühlen sollte. Sollte er darüber froh sein, weil er sich absolut nicht vorstellen konnte, sein Leben mit einem Bimbo zu verbringen, die nur als Armdeko und zur Produktion des nächsten Erbens zu gebrauchen war? Oder sollte er enttäuscht sein, dass sie nicht die Art Mädchen war, die er eines Tages heiraten sollte?

Als Logan plötzlich bemerkte, wo seine Gedanken hingewandert waren, wurde er blass. Warte, warte, WARTE! Wer hatte über Heirat gesprochen? Verdammt, seit wann gab es die Möglichkeit, dass er und Rory überhaupt eine Beziehung führen würden, vor allem, wenn es irgendwas anderes als Freundschaft sein wollte?!

Gott, was lief derzeit nur falsch beim ihm?!


„Wir sind spät dran", sagte Colin, während er aus der Limo stieg. Sie hatten sich entschieden, dass es das Beste sein würde, den Limo Service auszunutzen. Zu Colins Bestürzen war er an der Reihe, den Service bereitzustellen und zu bezahlen. Sie würden sich wahrscheinlich gegenseitig unter den Tisch saufen, um den Abend zu überstehen und sie vermochten jung und unbestreitbar manchmal ziemlich bescheuert sein - aber keiner von ihnen war je dumm genug, sich betrunken hinters Steuer zu setzen.

„Es ist sieben, Colin. Die Party sollte um halb sieben anfangen, ergo: die meisten Gäste erscheinen erst gegen sieben. Ich würde das nicht als ‚spät' bezeichnen", sagte Logan mit den Augen rollend.

„Es ist spät", beharrte Colin stur und justierte seine Krawatte. „Sitzt meine Krawatte richtig?" fragte er seine Freunde.

„Abgesehen davon, dass es ein weiterer Beweis für deinen schlechten Kleidungsstil ist, ist die Krawatte ok", versicherte Finn Colin mit einem Augenrollen und einem zweiten Blick auf Colins grau/schwarz gepunktete Krawatte.

„Sagt der Kerl, der eine rote Krawatte mit einem lockeren Knoten trägt", feuerte Colin zurück und schaute demonstrativ auf die Krawatte, die Finns Ensemble eines schwarzen Anzugs und eines weißen Hemdes vervollständigte.

„Korrektur, mein Freund, ich bin gestylt und exotisch. Du bist einfach nur langweilig", antwortete Finn unbeeindruckt.

„Naja, wenn ihr zwei intelligent genug gewesen wärt, dann hätte ihr wie ich die Krawatte einfach weggelassen", sagte Logan selbstzufrieden und grinste seine Freunde an.

„Nicht alle von uns haben das Glück, einen Rollkragen so gut und modisch zu präsentieren wie du mein lieber, glücklicher Freund. Und ich denke, dass wir uns einigen können, dass unsere Mütter einen sofortigen Herzinfarkt erlitten, wenn sie uns ohne Krawatte erblicken würden", sagte Finn, während er Logan auf den Rücken schlug und sich zum Gilmore Anwesen drehte. Ein tiefer Pfiff entfuhr ihm. „Nicht so groß wie möglich, aber nett. Es sieht wesentlich wärmer und viel bewohnter aus als die meisten Häuser hier in Hartford."

„Du warst hier noch nicht zuvor?" fragte Colin überrascht.

„Nö, hatte noch nicht die Ehre", verneinte Finn.

„Aber du kennst Emily und Richard?" fragte Logan.

Finn nickte. „Ich hab sie auf anderen Partys getroffen, jup."

"Na los, lasst es uns hinter uns bringen", sagte Logan mit einem Seufzen. Zusammen gingen sie zur Eingangstür und drückten die Klingel.

Das Hausmädchen öffnete die Tür und scheuchte sie tiefer ins Haus, welches zurückhaltend mit viel blau dekoriert war, wie man es auf einer Yale Ehemaligenfeier erwarten würde. Köstlich aussehendes Essen füllte einige Tische und Kellner trugen noch mehr Appetizer und Getränke herum - und es gab eine offene Bar und ein Willkommens-Cocktail-Tisch. Was Logan etwas verwunderte, war die große Anzahl an Gästen, die sich bereits angesammelt hatten und das nur in den Räumen, die Logan von seinem Platz aus sehen konnte.

„Seht ihr? Hab euch gesagt wir sind spät dran! Mein Vater wird mir die Haut abziehen!" zischte Colin und fuchtelte mit den Händen.

„Wir sagen einfach, es gab starken Verkehr, Colin", beruhigte Logan ihn und schaute sich nach den Gastgebern und seinen Eltern um. Er wollte die Begegnung hinter sich bringen, Richard und Emily begrüßen, sich bedanken und seine Runden drehen, um dann mit Colin und Finn und wem auch immer sie als interessant genug für ihre Sub-Party empfunden zu flüchten.

„Uh, Jungs? Ist euch auch schon etwas Merkwürdiges aufgefallen?" fragte Finn als er sich umsah.

„Hmm?" murmelte Colin, während er sich unruhig nach seinem Vater und seiner derzeitigen Gattin umschaute.

„Vergesst eure Eltern und schaut euch die eingeladenen Gäste mal genauer an!" zischte Finn ungeduldig.

Neugierig schaute sich Logan die Gäste an. Er konnte Finns Problem nicht erkennen. Viele Ehemalige mit ihren Gemahlinnen und natürlich ihren stolzen Nachkommen, genau wie er es sich gedacht hatte. Die meisten kannte er, viele von den Kindern besuchten auch Yale, sogar ein paar Brigadier waren hier. Er war froh bereits eine Handvoll von Typen ausgemacht zu haben, die ziemlich okay waren, was eine gute Sub-Party versprach. Obwohl er diese Partys hasste, konnten Sub-Partys manchmal ein großer Kracher werden. Das einzige, was fehlte, waren noch ein paar Mädels und dann…

Oh…

Logan schaute sich noch einmal um. Viele Eltern. Viele Söhne. Nicht eine Frau unter vierzig. Oh nein…

„Oh Gott nein… sagt mir nicht, was ich denke was es ist!" stöhnte Colin neben ihm, offensichtlich hatte er auch den Mangel an Mädels bemerkt.

„Wenn ihr denkt, dass diese Ehemaligenfeier in Wirklichkeit eine Fleischbeschau ist, eine Bräutigambesichtigung für eine angehende Braut, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass ihr richtig liegt, meine Freunde", murmelte Finn düster und schaute sich finster um.

„Ich bring meine Mutter um", flüsterte Logan. „Sie weiß genau, wie ich diese grässlichen Kandidatenversammlungen für die zukünftige Braut hasse."

„Genau der Grund, weshalb sie uns angelogen und verarscht haben; damit wir erscheinen", seufzte Colin.

„Nein, nein… diese Partys sind schlimm genug! Aber ohne weibliche Gesellschaft zur Ablenkung? NEIN! Vergesst es! Ich bin hier weg, sobald ich mit meinen Eltern gesprochen habe", verkündigte Finn verärgert.

„Da stimme ich dir zu", sagte Logan.

„Nicht dass ich gänzlich gegen deinen Plan bin…" sagte Colin langsam. „Aber ihr vergesst eine Sache: Ein Mädchen ist hier. Die baldige Braut. Und da die Gilmores die Gastgeber und Urheber dieser Fleischbeschau sind, geschickt getarnt als Ehemaligenfeier, komm ich nicht umhin zu glauben, dass wir die zukünftige Braut ganz gut kennen. Das überrascht mich so, dass ich nicht umhin kann, wissen zu wollen, wie diese ‚Party' ausgehen wird."

Logan hielt inne. Colin hatte Recht. Es war logisch, dass Rory das Mädchen war, das beschaut und eventuell verkauft werden sollte. Und natürlich würde sie sich nach einem feinen Kerl umschauen, der perfekt für sie wäre. Eigentlich könnte die Party nur für Rory sein. Aber das machte überhaupt keinen Sinn. Rory war niemand, der an diesen Gesellschaftspartys teilnahm - und jetzt stimmte sie dieser Art von Party zu? Nein, das war nicht seine Ace. Wahrscheinlich war sie wie er und seine Freunde hereingelegt worden. Oh ja, das musste es sein. Das musste es einfach sein. Alles andere würde bedeuten, dass er Rory extrem falsch eingeschätzt hätte und er konnte bei ihr einfach nicht so falsch gelegen haben.

In diesem Moment erregte Emilys Stimme seine Aufmerksamkeit. „Liebe Gäste, hier ist Rory!"

Ok, diese Einleitung fegte all seine Zweifel über diese Party hinweg. Emily hätte Rory niemals so präsentiert, wenn es eine Ehemaligenfeier gewesen wäre. Langsam drehten Logan und seine Freunde sich zur großen Treppen um, welche Emily und Rory gerade herunterschritten. Emily strahlte voller Stolz und Rory…

Wow.

Wie während des Events verschlug ihm ihr Anblick für einen Moment den Atem; er konnte nicht einen vernünftigen Gedanken fassen. Sie war einfach wunderschön. Das blaue Ballkleid hatte ihr besser gestanden, nach seiner Ansicht, aber das elegante Cocktailkleid stand ich auch verdammt gut. Und, nicht wie das Ballkleid, gab dieses einen schönen Blick auf ihre Beine preis. Eigentlich sein aller erste Blick auf diese. Bis jetzt hatte er sie nur in Jeans bekleidet zu Gesicht bekommen und das war nicht das Gleiche, wie sie in schwarze Seide gekleidet zu sehen. Aber so anziehend wie ihre Beine auch waren, Logan war fasziniert von den glitzernden Diamanten, die ihren Hals dekorierten, von ihren Ohrläppchen hingen und ihr Haupt krönten. Wenn ihn jemand gefragt hätte, so hätte er gesagt, dass Diamanten nicht Rorys Stil waren und nicht zu ihr passen würden. Und das die Tiara einfach nur lächerlich aussah, genauso wie bei jedem Mädchen unter fünf Jahren.

Falsch. Sie sah damit atemberaubend aus, selbst mit der Tiara. Sie unterstrichen ihre Schönheit und machten ihre Erscheinung noch eindrucksvoller.

Wenn sie jetzt noch lächeln würde, dann sähe sie perfekt aus. Aber sie lächelte nicht. Das Lächeln, welches sie ihrer Großmutter schenkte, war nicht ihr richtiges Lächeln. Stattdessen schien ihr Gesicht wie gelähmt als sie ihre Großmutter die Treppe herunter folgte. Nein, sie hatte eindeutig keine Ahnung, worum es bei dieser Party ging.

Er beobachtet, wie ihre Großeltern sie direkt zu den nächstliegenden Eltern mit Sohn zehrten, Min und Argus Heads mit ihrem Sohn Andrew. Arme Rory. Andrew war so ein langweiliger Idiot. Aber sie hielt sich tapfer; freundlich lächelnd und nickend und schon wurde sie zum nächsten Kandidaten entführt, der mit seinen Eltern sprach. Donnan Anderson. Seine Eltern, Deanna und Chase, waren gar nicht so übel, aber Donnie war, in einem Wort, schrecklich. Gierig, langweilig, grob und allem in allem ein Scheißkerl. Er bezweifelte, dass Rorys Großeltern wirklich wollten, dass sie mit Typen wie Andy und Donnie endete, aber man musste zu solchen Partys reichlich Kandidaten einladen. Das war zu mindestens die höfliche Art. In der Zwischenzeit schien Rory zu begreifen, was hier vor sich ging, und sah sie sich um. Ein Runzeln bildete sich auf ihrer Stirn. Währenddessen wurde Rory zum nächsten Kandidaten getrieben und Logan zuckte in Sympathie. Wenn die Eltern schon Bunny und Napoleon genannt wurden, dann war es nicht verblüffend, dass sie die Unverfrorenheit besessen hatten, ihr armes Kind Kip zu nennen. Und trauriger Weise war er eine Schlaftablette. Sein einziges Thema war Polo, Polo und oh, sehr überraschend, Polo. Wenn er sich mal nicht über seinen Lieblingssport ausließ, was schon eine Seltenheit war, dann würde er einen schmutzigen Witz nach dem anderen raushauen - schlechte Witze.

„Armes, armes Mädchen", murmelte Finn und erschauderte.

„Yup, aber denk positiv, nach diesen drei Flaschen kann es nur besser werden. Diese drei Idioten sind die schlimmsten unter uns, denke ich", erwähnte Colin.

„Nö, ich denk, da gibt's ein paar mehr", widersprach Logan. Innerlich musste er Colin jedoch widerwillig zustimmten… früher oder später würden sie Rory jemanden vorstellen, der interessanter war und Logan wusste nicht, was er davon halten sollte.

In diesem Moment beobachteten sie, wie Rory je einen Arm ihrer Großeltern packte, sich lächelnd bei den Barnes entschuldigte und Richard und Emily außer Sichtweite führte. Logan wettete darauf, dass sie nach der recht einseitigen Gästeliste fragen würde.

"Sieht so aus als hätte Reportermädchen auch nicht alle Infos über die Party erhalten", kommentierte Finn.

Colin schüttelte seinen Kopf. „Nö. Aber dann hätte es mich doch sehr gewundert, wenn sie dem bereitwillig zugestimmt hätte. Ich versteh es sowieso nicht. Wenn es ein Mädchen gibt, das man nicht hervortun muss, dann ist das Rory. Es ist lächerlich, ihr so Kerle aufzudrängen. Sie könnte jede haben, den sie will."

Logan warf ihm einen genervten Blick zu. „Vielleicht schaut sie sich nicht dort um, wo sie sich umschauen sollte. Oder sie will zurzeit keinen Freund und sie dachten, warum nicht einfach ein paar Möglichkeiten aufzeigen. Ihr wisst genauso gut wie ich, dass unseren Alten manchmal ziemlich schräge Ideen ausbrühten."

„Ich seh meine Eltern. Was jetzt? Verschwinden wir so schnell wie möglich oder bleiben wir und versuchen, unser Mädel vor ihrem schrecklichen Schicksal der Langeweile zu retten?" fragte Finn.

Gute Frage. Und so sehr sich Logan auch danach sehnte, einfach zu verschwinden, konnte er es nicht über sich bringen, Rory alleine ohne Rückendeckung zurück zu lassen. Sie mochte es noch nicht wissen, aber Freunde dabei zu haben, um die Tortur zu teilen, half um diese kleinen High Society Gesellschaften zu überleben.

„Ich bleibe. Wir können sie nicht alleine lassen", verkündete Colin.

Warum überraschte das Logan nicht? Colin konnte erzählen was er wollte… es sah verdammt danach aus, dass Colin es nicht stören würde, heute Abend als möglicher Kandidat von den Gilmores in Betracht gezogen zu werden.

„Da stimm ich doch zu und werde diese Zeit für meine gute Tat des Tages opfern", nickte Finn. „Zu mindestens werden wir ein Mädchen auf unserer Sub-Party haben. Ruft mich, wenn es Zeit ist." Er machte sich auf die Beine zu seinen Eltern.

„Meinetwegen", sagte Logan, er wunderte sich jedoch was genau zwischen seinem besten Freund und seiner Ace abging.

„Ist was?" fragte Colin mit hochgezogenen Augenbrauen.

Logan zuckte mit der Schulter. „Überhaupt nichts."

„Logan!"

Stöhnend drehte Logan sich um. „Hi Mom."

Colin wandte sich ebenfalls um. „Shira, Mitchum", grüßte er Logans Eltern und erblickte den Mann, der hinter ihnen erschien. „Dad."

„Du bist spät, Colin", war alles was Andrew McCrae seinem Sohn zur Begrüßung erwiderte.

„Wir waren im Stau, Sir", erklärte Logan ruhig. Er war kein Fan von Colins Vater. Ein fantastischer Anwalt - aber in Person war er ein gewaltiges Arschloch. Eigentlich war er seinem eigenen Vater ziemlich ähnlich, aber zu mindestens hatte sein Vater einen Sinn für Humor. Oder eher einen Sinn für trockenen Sarkasmus.

„Dann hättet ihr das in eurem Zeitplan berücksichtigen sollen", antwortete Andres mit einem Stirnrunzeln.

Logan lächelte ihn an. „Aber Sir, dann hätten wir es riskiert, zu früh zu kommen und wäre das nicht sogar noch unhöflicher gewesen?"

Andrews Stirnrunzeln vertiefte sich und Logans Mutter seufzte. „Logan…"

„Da sie immer noch in der akzeptablen halben Stunde erschienen sind, denke ich nicht, dass wir uns weiter daran aufhängen müssen, vor allem, nicht auf einer Party unseres Freundes, richtig Andrew?" fragte Mitchum.

Nach einem kurzen Augenblick nickte Andrew. „Kann sein. Wenn ihr mich entschuldigt, ich muss mich mit meinem Sohn unterhalten." Gesagt, getan, nickte er zu Colin und wendete sich ab zum Gehen. Colin warf Logan einen gequälten Blick zu und folgte seinem Vater wortlos.

„Also… ich habe die neuste Ausgabe der Yale Daily News gelesen", erwähnte Mitchum beiläufig.

‚Hier kommt es', dachte Logan mit einem Seufzen.

„Da waren diesmal ein paar gute Artikel dabei. Aber natürlich trug keiner deinen Namen", sagte Mitchum mit leicht zusammengekniffenen Augen.

„Ich befürchtet, es war nichts mehr für mich zum Schreiben übrig", wich Logan aus.

„Natürlich nicht. Du kümmerst dich lieber darum, dass nächstes Mal etwas für dich übrig bleibt", sagte Mitchum gelassen, aber Logan wusste es besser. Er hörte die Drohung laut und deutlich heraus. „Nimm nur den Artikel über die LDB als Beispiel. Ich habe selten etwas so gutes von einem Studenten gelesen - doch wusste ich genau, dass du ihn besser geschrieben hättest. Vor allem da du auch Mitglied bist, im Gegensatz zu diesem Mädchen."

Okay, auch wenn er es hasste, sich mit seinem Vater zu streiten, so konnte er es so einfach nicht im Raum stehen lassen. „Nein Dad, hätte ich nicht. Dieses Mädchen, wie du sie nennst, hat diesen Artikel so gut hinbekommen, weil sie die Brigade mit den Augen eines Außenstehenden beschrieben hat. Für sie war alles neu, unbekannt. Ich hätte es nie so schreiben können."

Für einen Moment schaute Mitchum Logan genauer an. „Wow, ich bin beeindruckt, Logan. Das war der erste vernünftige Satz, der nach zwei Jahren deinen Mund verlassen hat. Vielleicht liegst du richtig. Aber um deinen Standpunkt zu festigen, müsstest du erst einmal selber einen Artikel über die LDB schreiben. Aber natürlich liegt das nicht im Bereich des Möglichen oder?"

Das war Mitchum. Sogar wenn er versuchte, ein Kompliment zu machen, war jedes Mal ein Dorn darin versteckt. „Ich denke nicht", murmelte Logan. Gott, er brauchte einen Drink.

„Wirklich Mitchum, das ist nicht der richtige Ort, um sowas zu besprechen", nahm seine Mutter endlich an der Unterhaltung teil und drehte sich zu Logan. Sie seufzte. „Ich bestreite nicht, dass dir dieses Outfit steht, aber ist es dir so schwer gefallen, dir auch einen Anzug und Krawatte anzuziehen wie jeder andere hier?"

„Das ist ein Anzug", erklärte Logan entnervt. „Nur nicht so langweilig wie jedermanns."

„Trotzdem", Shira schüttelte ihren Kopf. „Zu mindestens hättest du dich für ein Hemd entscheiden sollen. Wie soll ich Emily erklären, dass mein Sohn zu zwanglos war, sich ein Hemd und Krawatte anzuziehen?"

„Sag ihr, dass es mich herausstechen lässt. Ich bin mir sicher, dass sie damit kein Problem haben wird, vor allem heute Abend, richtig Mom? Wenigstens ist es bequem", antwortete Logan. Seine Nerven würden das nicht länger aushalten.

„Typisch Logan. Denkst immer nur an deine Bequemlichkeit, an deinen Spaß. Wann wirst du damit aufhören und endlich ein wenig Verantwortung übernehmen? Denk daran, was du unserer Family schuldest?" zischte Mitchum scharf dazwischen.

„Wie wäre es mit einer Minute, in der ich endlich frei atmen kann?" warf Logan zurück mit gesenkter Stimme, während sein Ärger wuchs.

„Logan, Mitchum, wirklich! So benimmt man sich nicht auf einer Party seiner Freunde", schritt Shira müde ein. „Emily hat etwas umdekoriert, habt ihr das bemerkt? Schaut euch diese Vorhänge an! Sie sind einfach umwerfend! Wo findet sie nur all diese schönen Sachen? Sind diese Vorhänge nicht einfach herausragend, Mitchum?" fuhr sie auf die Stoffe zeigend fort.

Logan rollte mit seinen Augen. Genau wie Mitchum. „Natürlich, Shira. Sehr nett. Warum fragst du Emily nicht? Wer weiß, vielleicht gibt sie dir die Nummer ihres Lieferanten."

„Wohl eher nicht", seufzte Logans Mutter. „Sie behütet ihre Kontakte wie ihren Augapfel. Außerdem ist sie gerade sehr damit beschäftigt, mit ihrer Enkelin zu prahlen. Ich muss schon sagen, mit der Vorgeschichte ihrer Mutter finde ich es etwas riskant, sie einem Jungen aufzuzwängen, denkst du nicht auch?"

Logan knirschte mit seinen Zähnen als er das hörte. Wie konnte sie solche Vermutungen über seine Ace anstellen?! Zunächst war Ace bereits zwanzig und keine sechszehn mehr. Und zweitens war Rory nicht diese Art Mädchen. Er war sich nicht mal sicher, ob sie keine Jungfrau mehr war. Gott, seine Mutter war so lächerlich.

Gedankenverloren nickte Mitchum, obwohl er nicht mal seine Frau ansah. „Ich sehe Lars. Wenn ihr zwei mich entschuldigt, ich muss etwas Geschäftliches mit ihm besprechen. Logan, ich freue mich auf deinen Artikel in der nächsten Daily News." Er verschwand und hinterließ einen kochenden Logan und eine seufzende Shira.

„Es ist immer das gleiche mit deinem Vater. Aber du weißt, du solltest ihm den Gefallen tun und etwas schreiben. Es muss nicht groß sein. Und ich weiß, dass du es kannst, du kannst schöne Sachen schreiben. Erinnerst du dich an den Aufsatz, den du in der dritten Klasse über deinen Hund schreiben musstest? Es war so ein süßer, kleiner Aufsatz", erzählte Shira ihrem Sohn.

Logan schüttelte seinen Kopf. Damals waren die Dinge noch anders. Zum einen hatte seine Familie ihm damals noch nicht die Freude am Schreiben genommen mit ihrem ständigen Druck. Zum anderen hatte er da noch daran geglaubt, dass das Schreiben seinen Vater stolz machen würde und er deshalb etwas Zeit mit Logan verbrächte. Ihn vielleicht sogar lieben würde. Aber schnell genug fand er heraus, dass das nur ein paar dumme Träume eines kleinen, leichtgläubigen Jungen waren. „Ich werde mich an den Redakteur wenden, ob er etwas für mich hat", versprach er mit einem Seufzen, was die einfachste Art war, seine Mutter abzuschütteln. Und wenn die nächste Ausgabe raus war, wieder ohne einen Artikel von ihm, würde er eine andere Ausrede finden.

Auf der anderen Seite des Raums sah er Finn die Bar ansteuern, wo ihm Colin Gesellschaft leistete. Einen Drink. Oh ja, was für eine fabelhafte Idee. „Ich geh rüber zu meinen Freunden", sagte Logan seiner Mutter und nickte Finn und Colin zu.

Shira nickte. „Natürlich. Aber vergiss nicht Richard und Emily zu begrüßen. Und du solltest auch dieses Mädchen grüßen. Es ist immerhin ihre Party."

Anscheinend hatte seine Mutter keine Idee, dass er Rory schon recht gut kannte. Und Logan hatte auch keine Absicht, das richtig zu stellen. Eigentlich schuldete sie es ihm noch dafür, dass sie ihn belogen hatte, dass er überhaupt auf dieser Party erschien. „Ich werde mich bei den Gilmores vorstellen, aber erwarte nicht, dass ich mit dem Mädchen quatsche. Ich hab gesagt, dass ich absolut kein Interesse an diesen Partys habe. Du hast mir versprochen, mich mit solchen Sachen zu verschonen bis zu meinem Abschlussjahr. Nichtsdestotrotz bin ich hier auf einer Fleischbeschau."

„Oh Logan, wirklich, ich hatte keine Ahnung. Emily sagte, dass es nur eine Ehemaligenfeier sei und sie wollten, dass ihre alten Yale Freunde ihre Enkelin kennen lernen. Ihr zufolge soll dieses Mädchen die beste ihres Jahrgangs sein", versicherte Shira ihm. „Also bitte, versuch uns nicht in Verlegenheit zu bringen indem du unhöflich bist."

„Sicher", versprach Logan sarkastisch mit einem Kopfschütteln und ging hinüber zu seinen Freunden. Seine Eltern waren einfach unglaublich. Aber zu mindestens war er mit ihnen für diesen Abend fertig. Sie hatten ihn gesehen, ihm mit ihren üblichen Mahnungen bedacht und jetzt würden sich ihre Wege für den Rest der Nacht trennen.

„Ich wette, du brauchst das", sagte Finn, während er Logan eine Glas mit Whiskey pur in die Hand drückte.

Logan nahm es, trank es ohne abzusetzen aus und hielt es Finn wieder zum Auffüllen hin. „Danke. Du hattest Recht, das hab ich gebraucht."

Finn nickte und füllte das Glas wieder auf, nun jedoch gemischt mit Soda.

„Wie immer?" fragte Colin düster.

„Genau wie jedes Mal", bestätigte Logan.

„Wie eine kaputte Schallplatte", seufzte auch Finn. „Aber jetzt ist es vorbei und wir können uns ins Vergnügen stürzen." Er hielt inne, um sich umzuschauen und seufzte erneut. „Oder so viel Spaß, wie man hier haben kann."

„Sieh es positiv, Finn. Es könnte schlimmer sein. Als ich herüberkam, bin ich an Rory vorbeigelaufen. Sie war in mitten einer Gruppe voller Autofreaks, angeführt von Byron Campbell. Die Arme sah so aus, als würde sie auf der Stelle einschlafen", sagte Colin.

Finn und Logan machten ein Gesicht. Die Autofanaten redeten hauptsächlich über ihren neusten, überteuerten Karren und diskutierten dann hitzig darüber, welcher Motor besser sei. Byron war dabei noch der Allerschlimmste.

„Und du hast sie nicht gerettet? Was für ein Held in glänzender Rüstung bist du denn, das Mädchen in deren undankbaren Händen zurückzulassen?" fragte Finn unglaubwürdig.

„Ich konnte in dem Moment nicht eingreifen, da mein Vater mir immer noch ne Standpauke hielt, bevor er verschwand, um Nenita zu belästigen."

„Nenita?" fragte Finn mit einem Stirnrunzeln.

„Meine neuste Stiefmutter. Du warst bei der Hochzeit", seufzte Colin. „Was auch immer. Und als ich zurückkam, hatte sie sich entschuldigt und war in irgendeine Ecke des Hauses verschwunden. Ich glaube, sie braucht eine Pause."

„Wem sagst du das", sagte Finn. „Naja, das heißt wohl, dass die Sub-Party noch etwas verschoben wird. Wir können jawohl schlecht ohne den Ehrengast anfangen oder?"

Logan nickte. "Es wäre sowieso zu früh. Außerdem bin ich hungrig. Und man kann viel über diese Party sagen, aber das Essen ist exzellent."

„Wie immer bei Emily", nickte Colin. „Aber warum sehen wir uns nicht erst im Haus um? Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal hier war. Wir sollten ohnehin an die Aufgabe der LDB denken."

„Na dann steht doch unser Schlachtplan bis wir mit unserer Sub-Party starten können. Den richtigen Ort müssen wir eh noch ausmachen", stimmte Finn zu.

„Lasst uns was zu Futtern beschaffen und mit unserer Erkundungstour starten!" fasste Logan zusammen, wobei sich seine Laune schon deutlich verbessert hatte.


„Die Bücherei!" rief Colin und drehte sich zu seinen Freunden um. „Ha! Ich hatte Recht! Her mit der Kohle!"

Stöhnend händigten ihm Finn und Logan ihre Fünfziger aus. Sie machten sich ein kleines Spiel daraus zu erraten, was sich hinter der nächsten Tür verbarg. Bis jetzt führte Logan mit sechs Richtigen, Colin mit fünf und Finn lag niemals richtig.

„Jetzt reicht's, ich bin pleite. Das ist das letzte Zimmer", legte Finn fest und schaute traurig in sein leeres Portemonnaie.

„Oh, keine Sorge, weil du es bist akzeptieren wir sogar Checks", versicherte Logan seinem Freund und ging herum, um sich die Bücher anzuschauen.

„Wie großzügig von euch", sagte Finn sarkastisch und auch er schaute sich um.

„Finn hat aber recht, ich glaub wir sollten nach diesem Zimmer zurück", sagte Colin. „Wir müssen immer noch die Jungs und Rory zusammentrommeln."

Logan nickte und griff nach einer Erstausgabe von P. D. James. ‚Was gut und böse ist'. Es war eins seiner Lieblingsbücher und war etwas verwundert, es hier zu sehen. Richard hatte einen guten Geschmack in Sachen Literatur, aber es war bisher der erste Krimi. Zu mindestens von dieser Art. Neugierig öffnete er es und ein kleines Stück Papier fiel in seine Hände. Er entfaltete es.

Opa,

ich weiß, nicht gerade dein Geschmack, aber probier's aus.

Ich wage zu behaupten, du wirst es mögen.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Rory

Lächelnd faltete Logan es wieder und legte es ins Buch zurück. Das erklärte diesen Fremden und all den Klassikern. Die Notiz war kurz gehalten, aber warm und herzlich. Sah so aus, als würde Rory ihren Großvater wirklich lieben. Er wunderte sich, wie sich das anfühlte. Um die Beziehung zwischen ihm und seinem lebenden Großvater zu beschreiben, war ‚kalt' eine Untertreibung. Aber Logan mochte Richard. Er war ein anständiger Kerl. Nicht wie sein Großvater.

Finn gab einen kleinen Pfiff von sich. „Kommt mal her und guckt euch das an, Jungs", sagte er aus einer kleinen gemütlichen Leseecke neben dem Kamin.

Logan legte das Buch zurück und ging zu ihm hinüber, neugierig zu sehen, was Finns Interesse geweckt hatte. Colin kam ebenfalls.

Finn stand grinsend vor einem Portrait. "Kommt euch dieses Mädchen auch bekannt vor?" fragte er auf das Gemälde zeigend.

Colin gesellte sich zu ihm und lächelte. „Ich glaube schon", sagte er grinsend und schaute sich das Bild näher an.

Es war eine jüngere Version von Rory, aber so viel hatte er schon herausgefunden. Plus, die Reichen fanden es meist notwendig, mindestens ein Ölgemälde ihrer Kinder in Auftrag zu geben. In einigen Familien war es eine Tradition, jedes Mal ein Gemälde in Auftrag zu geben, wenn es Familienzuwachs gab. Dankbarerweise existierte nur ein Bild von ihm und Honor. Das war genug. Nicht, dass er etwas gegen die Idee hatte, aber er erinnerte sich an die langweiligen und schmerzhaften Stunden des Ruhigsitzens. In diesem Gemälde schien es Rory aber bequem zu haben. Es war üblich, dass die Modelle in einer ungewöhnlichen Art zu sitzen oder stehen hatten, wodurch die Sitzungen zur Tortur wurden. Aber hier zeigte es Rory, wie sie ein Buch auf der Terrasse las, tief in der Welt der Bücher versunken.

„Es ist ziemlich gut. Sonst zeigen diese Bilder nicht die wirkliche Person", kommentierte Finn und betrachtete das Gemälde kritisch. „Die Technik könnte etwas besser sein, aber die Farbauswahl ist gut und die Töne harmonieren, was es unglaublich warm wirken lässt. Und es hat Rory selbst wirklich gut getroffen. Was eher eine Seltenheit bei diesen Dingern ist. Hmm, ich frag mich, wär der Maler war." Er beugte sich vor, um den Namen lesen zu können. „Hopes. Noch nie von ihm gehört." Er schaute sich das Portrait einen Moment länger an. „Er wäre es wert, ihn ausfindig zu machen."

Logan studierte nicht Kunst wie Finn, aber er stimmte zu, dass es gut war. Nur nicht perfekt. Irgendetwas brachte ihn in dieser Szene aus der Ruhe, aber er konnte es nicht greifen. „Rory sieht nicht so aus, als würde sie sich wirklich wohl fühlen, nicht so, wie sie beim Lesen ihres Lieblingsbuches aussehen sollte", sagte er langsam und wendete seinen Blick nicht ab. „Die Kulisse ist falsch", fuhr er fort und kam dem Problem endlich näher. Er runzelte die Stirn. „Es sollte sie zeigen, wie sie genau hier in der Bücherei neben einem brennenden Feuer im Kamin sitzt, umgeben von unzähligen Büchern. Versunken in einem dieser großen Ledersessel, ihre Füße unter ihr, ihr Kopf über das Buch gebeugt, so dass ihr Haar auf einer Seite ins Gesicht fällt und man noch ein Auge mit Vergnügen und Glück leuchten sehen kann, nur weil sie hier sitzt und ein Buch liest. Ja, so wäre es perfekt."

Er konnte die Szene vor sich sehen, als säße er gerade mitten drin und lächelte. Ja, das war seine Ace. Wenn er ein Gemälde von ihr in Auftrag geben würde, dann sollte es so aussehen.

Stille. Als er zurück in den Moment kam, sah er seine Freunde, die ihn sprachlos anschauten. „Was?" fragte er misstrauisch, während er realisierte, dass er das alles laut gesagt hatte. Oder zu mindestens das meiste. Die Wahrheit war, dass er für einen Augenblick vergessen hatte, dass er nicht alleine war.

Finn und Colin tauschten einen Blick aus und Logan machte sich auf einen weiteren ‚geistreichen' Witz bereit. Zu seiner Überraschung legte Finn nur kurz eine Hand auf seine Schulter. „Das hast Recht. Das wäre passender gewesen", sagte er sanft. „Los jetzt, wir müssen eine Sub-Party organisieren."

Colin nickte nur und auch er machte keinen dummen Kommentar. „Ja, los Kumpel. Lasst uns die holde Maid aus den Fängen der High Society entreißen und ihr zeigen, wie man wirklich eine Party feiert."

Die zwei gingen zur Tür, während Logan ihnen wie festgewachsen nachstarte. Das war… merkwürdig. Selbst er musste sich eingestehen, dass er ein paar wirklich kitschige Sachen von sich gegeben hatte und nur wegen eines blöden Gemäldes. Er schaute sich noch einmal den Stein des Anstoßes an und schüttelte verwirrt seinen Kopf. Warum bedeutete es ihm so viel? Gemälde waren absolut nicht seine Kragenweite. Und noch seltsamer, warum hatten Finn und Colin nicht ungewollte Kommentare von sich gelassen über ihn und Rory, nach allem was er von sich gegeben hatte? Er wusste es nicht, aber etwas sagte ihm, dass er ihre Gründe nicht leiden könnte. Dass er es bevorzugt hätte, wenn sie ihre Routine beibehalten hätten, als plötzlich… so zu sein, wie sie waren.


Nach gut zwei Jahren melde ich mich doch tatsächlich mal wieder. Hier ist die erste Hälfte vom vierten Kapitel. Teil zwei sollte in den nächsten Tagen folgen. (Ich habe ganz vergessen, wie "anstregend", aber gleichzeitig auch befriedigend dieses Übersetzen ist ^^)
Ich hoffe, einige wird es freuen, dass die Geschichte endlich weitergeht...

Nur so am Rande: bittet entschuldigt jegliche Rechtschreib- und Grammatikfehler. Die deutsche Sprache ist total zum Kotzen! D: