Die Stimme sprach in das Telefon. "Die Zielperson hat das Material doch herstellen können, die Gegenaktion ist gescheitert. Die öffentliche Vorstellung des Produkts scheint noch immer beim Kongress geplant. Erwarte weitere Instruktionen. Ende."


"Oh, woher hast du die denn?" Rose hatte auf seinem Nachttisch ein altes Schmuckstück entdeckt und griff danach.

"Bitte?" Johnny steckte seinen Kopf aus der Badezimmertür und schaute nach, was sie meinte. "Das ist ein altes Erbstück, noch von meinem Vater!" Er kam frisch geduscht ins Schlafzimmer zurück, ein Handtuch um seine Hüften geschlungen und mit einem weiteren rubbelte er sich seine Haare trocken. "Sie funktioniert aber nicht, ich hab sie einfach nur immer hier liegen. Meine Mutter hat sie mir gegeben, als ich klein war."

Rose betrachtete die Taschenuhr interessiert, sie war mit hübschen Ornamenten verziert, die ihr entfernt bekannt vorkamen. Mit einem Ruck setzte sie sich auf, ihr verschlug es den Atem. Ihr war eingefallen, warum ihr die verschlungenen kreisartigen Segmente so vertraut waren: Es mussten Schriftzeichen von Gallifrey sein! Ihre Gedanken kreisten. Er sagte, ein Erbstück seines Vaters! Krampfhaft versuchte sie ihre Aufregung zu unterdrücken.

"Ist dein Vater denn früh verstorben? Und was war mit deiner Mutter?" Er runzelte die Stirn, als wenn er sich nicht richtig erinnern konnte, und setzte sich zu Rose an die Bettkante.

"Naja, ich habe meinen Vater leider nie kennengelernt. Meine Mutter hatte damals erzählt, er sei ein Sternenwanderer gewesen", Johnny sah sie verlegen an, "klingt irgendwie sehr romantisch verklärt, ich hab aber eigentlich nie weiter nachgefragt, wie sie es gemeint haben könnte, und sie lebt mittlerweile auch schon etliche Jahre nicht mehr."

Smutty schaute zu Rose herüber, dann verharrte sein Blick auf ihrem Gesicht. Zärtlich strich er mit den Fingern über ihre Schläfen und meinte dann: "Du siehst meiner Mutter übrigens ein bisschen ähnlich, zumindest hab ich sie so in Erinnerung!"

Er räusperte sich und nahm die Uhr selbst in die Hand. Versonnen betrachtete er das Schmuckstück für einen Moment, dann legte er es wieder auf den Nachttisch. Sein Blick wanderte zurück zu ihr ins Bett.

Aus einem Impuls heraus flüsterte Rose: "Ich liebe dich!"

Statt einer Antwort beugte er sich beglückt zu ihr herunter.

"Iiiihhh du bist ja noch ganz nass!" Rose zappelte unter seinem feuchten Kuss.


Für den Rest des Vormittags dachte sie ununterbrochen über diese Uhr nach und versuchte eine Erklärung zu finden. Wenn es wirklich ein Erbstück seines Vaters war, und seine Mutter ihn als Sternenwanderer beschrieben hatte, dann konnte es gut sein, dass... sie hielt unwillkürlich inne.

Smuttys Vater war ein Timelord! Das musste es sein, nur so konnte es sein! Das musste sie dem Doktor erzählen! Es war ihr egal, dass der Doktor dann endgültig von Smutty erfahren würde - dies wäre eh früher oder später herausgekommen - aber es war wichtig, dass der Doktor erfuhr, dass es noch andere Timelords gab, wenn auch nur halbmenschliche... oder wer war dann Smuttys Mutter? War sie denn ein Mensch? Oder Timelady?

Es dauerte einen kleinen Moment, dann lief es ihr heiß und kalt den Rücken hinunter. Warum hatte die Tardis so reagiert und den Regenerationsprozess so gesteuert, dass der Doktor ausgerechnet sein Gesicht bekam? War der Doktor etwa selbst der Vater? Wollte die Tardis ihn auf seinen eigenen Sohn hinweisen? Und was, wenn die Mutter...

Rose fiel ein, was Smutty morgens zu ihr gesagt hatte: Du siehst ihr ähnlich...

NEIN! Sie war bestimmt nicht seine Mutter!

Sie wehrte sich mit Händen und Füßen gegen diese Erklärung, die doch so einleuchtend war. Ihr war plötzlich übel und sie musste sich setzen. Sie hatte die Nacht mit ihm verbracht.

Ein paar Male atmete sie tief ein und aus, dann beschloss sie, zur Tardis herunter zu gehen und dem Doktor alles zu beichten. Und sie hoffte, er konnte etwas tun, dass es diese Zukunft für sie alle nicht geben würde. Wie in Trance trat sie aus der Wohnung und nahm das Treppenhaus, bis sie vor ihrem Wohnblock stand, wie ein Gang zum Schafott.

Doch die Tardis stand nicht mehr an ihrem Platz.


Steve räumte gerade die Proben zur Seite, als sich die Tür zum Labor öffnete. Herein trat sein Kollege in ungewohntem Outfit, blieb zögernd stehen und blickte sich im Raum um.

"Hey Smutty, wie hast du dich denn zurechtgemacht! Willst du auf ne Konferenz mit deinem Anzug und Krawatte?" Plötzlich schien ihm ein Licht aufzugehen. "Oder ist es diese Frau? Die junge Blondine muss ja mächtig bei dir eingeschlagen haben! Also, wenn du meine Meinung hören willst: ich finde sie nett. Rose passt irgendwie zu dir, wie Arsch auf Eimer, wie wir bei uns auf dem Lande immer sagen. - Warst sogar beim Friseur! Schicke Aufmachung, allein der Mantel! Und diese Koteletten erst!"

Sein Gegenüber hatte zu der Redeflut nichts zu sagen, war nur wechselweise am Haaransatz leicht rot angelaufen und hatte sich hinterm Ohr gekratzt.

"Aber jetzt mal ehrlich. Wenn ich Rose so zum Beispiel mit Eileen vergleiche, die dir hier im Labor ständig am Rockzipfel hängt und dir schöne Augen macht-", Steve hatte sich in Rage geredet, "und jetzt guck nicht so! Jedenfalls wäre meine Wahl eindeutig. Und zwar zugunsten der Blondine."

Die Tür öffnete sich ein zweites Mal und es strömte eine ganze Gruppe Studenten herein, alle im weißen Laborkittel und jeder mit einer Schreibmappe und Kugelschreiber bewaffnet. Angeführt wurden sie von Eileen, die sie im Kommandoton aufforderte, ihre Stifte zu zücken und mitzuschreiben.

"Wenn man vom Teufel spricht..." raunte Steve ihm zu, drehte sich seufzend um und wandte sich wieder seinem Probenmaterial zu.

"Johnny! Ich hätte dich beinahe nicht erkannt!" Eileen stürmte auf ihn zu und betrachtete ihn von oben bis unten. "Liebe Leute, hier haben wir den Richtigen zur Hand, uns ein wenig zum Thema Mineralanalyse und speziell über das Gerät hier im Raum zu erzählen!" Sie lächelte ihn süßlich an und präsentierte ihn der Meute. "Dr. Smith, wenn ich bitten darf!"

Der Angesprochene räusperte sich mehrfach und blickte in diverse erwartungsvolle Augenpaare. "Nun ja. Sie wissen sicherlich alle, wie man die chemische Zusammensetzung eines Stoffes untersucht..."

Seine Kollegin hielt ihm zu Demonstrationszwecken ein etwa faustgroßes Gesteinsstück hin. Er griff es sich, schaute es kurz an und fuhr dann ausgiebig mit der Zunge darüber und ließ sie im Mund mehrfach vor und zurückgleiten.

"Ja, eindeutig ein Alumosilikat, mit einem Hauch von Fluor!" Er erntete ziemliches Gelächter seitens der Studenten, jedoch Steve bemerkte empört von seinem Platz aus:

"Hey, das ist nicht lustig! Ich kenne niemanden, der so gut die Chemie herausschmecken kann wie unser guter alter Smutty hier!"

Dr. Smith ergriff wieder das Wort. "Okay, wer es nicht so mit der Zunge mag, kann natürlich ein normales Massenspektrometer benutzen. Aber die Kristallstruktur haben wir damit noch lange nicht herausgefunden!"

Er blickte jeden der Studenten nacheinander wichtig an. Dann zog er seine Brille aus seinem Jackett, schob sie sich auf die Nase und wandte sich dem riesigen Apparat zu, der tags zuvor bereits Rose vorgestellt wurde.

"Was haben wir denn hier... Das ist eine SHRIMP Zwei!" rief er aus, mit Betonung auf der Zahl Zwei. "Molto bene, Brillant! Hach ich liebe sie!"

Steve war irritiert. "Wie schön, dass du dein Sugarbaby so bewundern kannst, nach all den Flüchen, mit denen du sie bereits belegt hast", der Mundwinkel zuckte und er machte keinen Hehl aus seinem Sarkasmus. "Sie war wohl in den letzten Tagen mal ausnahmsweise nicht zickig oder wie?"

"Hast nicht wieder den Reparaturdienst aus Frankreich anfordern müssen?" fragte Eileen ihn kopfschüttelnd. "Wie gut, dass Torchwood das Projekt sponsort, die sind wenigstens nicht geizig bei den Fördergeldern!"

In jenem Augenblick ging die Tür erneut auf. Rose betrat das Labor und starrte wie betäubt auf den Doktor inmitten einer Traube von Studenten.


Eigentlich hatte sie ja unbedingt den Doktor sprechen wollen. Dass er scheinbar mit der Tardis verschwunden war, machte sie bereits wütend genug. Immerhin hatte Rose nicht wirklich Angst davor, dass er nie wiederkommen würde, denn bislang hatte er sie niemals im Stich gelassen.

Irgendwie zog es sie zu Smutty hin, und spontan beschloss sie, ihn auf dem Unicampus zu besuchen, vielleicht würden sie gemeinsam zu Mittag essen können. Den Weg kannte sie bereits und eine knappe halbe Stunde später erreichte sie das altehrwürdige Gebäude des Instituts für Geochemie.

Als sie die Kellertreppen hinter sich ließ, bog sie ab und bemerkte nach ein paar Metern, dass sie hier nicht richtig war. Unsicher ging sie noch ein Stück weiter und bog um eine weitere Ecke. Und da stand sie. Hinter diversen alten Schrankteilen und anderem Sperrmüll lugte die Tardis hervor.

Rose war sauer. So richtig wütend war sie auf den Doktor. Hatte er es dann doch gewagt, ihr und Smutty hinterherzuspionieren! Sie mochte sich gar nicht ausmalen, wenn die beiden aufeinandertreffen würden. Was würde Johnny sagen? Rose atmete plötzlich schwer. Sie trat wutschnaubend den Rückweg an und nahm sich vor, dem Timelord so richtig die Meinung zu geigen, sobald er ihr das nächste Mal übern Weg lief!