"Wer... wer sind Sie? Sie ähch-" seine Stimme war plötzlich weg. Rose ließ von seinem Ebenbild ab und trat ihm ein paar Schritte entgegen, bevor sie unschlüssig stehen blieb. Der Fremde im braunen Mantel antwortete in ruhigem Tonfall. Es war seine eigene Stimme, was es ihm eiskalt den Rücken hinunterlaufen ließ.

"Ich bin der Doktor. Aber das ist im Moment zweitrangig. Wir haben da ein Problem, und zwar kein geringfügiges, würde ich sagen!"

Aufgeregt mischte Rose sich ein. "Johnny... es ist nicht so wie du denkst!" Warum nur wusste sie, dass dieser Satz sowieso niemals funktionierte? Johnnys brennender Blick hinderte sie am weiterreden.

"So, das ist also der Mann, mit dem du herumreist, nehme ich an? ...dem du 'assistierst'?" Das letzte Wort betonte er in beißender Ironie, während sich rote Flecke auf seinem Gesicht bildeten. "Jetzt wird mir einiges klar. Es war in Wirklichkeit sein Gesicht, das du gesehen hast, als du mich letzte Nacht gewollt hast, ist es nicht so?" Er war untröstlich, fühlte sich um seine Liebe betrogen.

"Es tut mir Leid, so Leid!" Sie brach vor Scham errötend ab, hier in Anwesenheit des Doktors konnte sie nicht offen darüber sprechen, zumal Johnny gerade schon viel zu viel preisgegeben hatte. Und erst recht konnte sie nicht zugeben, wen sie tatsächlich liebte. Sie würde damit einen der Männer zutiefst verletzen und den anderen brüskieren, egal wie sie es auch sagte.

Der Doktor unterband jedoch jeden weiteren emotionalen Ausbruch, indem er laut zischte und sich den Zeigefinger auf den Mund legte. Er wandte sich an Jackie, die im Türrahmen erschienen war.

"So Jackie, und nun erzählen Sie doch mal, was genau los war. Ich habe das Gefühl, wir haben nicht mehr viel Zeit zur Verfügung!" Jackie schaute den Timelord unsicher an und zögerte kleinlaut so ganz gegen ihre Art, denn sie spürte, dass mehr in der Luft lag als der übliche Ärger.

"Also als ich eben bei den Nachbarn von Gegenüber vorbeikam - Rose, du kennst doch die Hendersons, nicht wahr? - ja also erzählten die, sie hätten vorhin mit angesehen, wie so ein Trupp unter großem Polizeiaufgebot mit einem LKW hier war und sie die blaue Box weggeholt haben! Das muss heute Vormittag irgendwann gewesen sein."

"Diese Notrufzelle? Was hat die blaue Kiste mit allem zu tun?" Johnnys Blick wanderte zwischen allen Anwesenden verständnislos hin und her.

"Das hat etwas damit zu tun...", der Doktor zog mehrere Blatt Papier aus seiner Tasche und glättete die zerknickten Seiten.

"Aber... das sind ja meine Notizen!" rief Johnny empört aus. Der Doktor tippte mit dem Finger auf eine bestimmte Stelle, an der Johnny herumgekritzelt und gemalt hatte, so konnte man meinen. Rose bekam große Augen.

"Das sind doch Timelord-Symbole, gallifreyische Schriftzeichen!" an Johnny gewandt setzte sie hinzu: "wie die Ornamente auf der Uhr!"

"Die Uhr!" Ihm fiel siedend heiß wieder ein, warum er überhaupt hierher gekommen war, und sah Rose vorwurfsvoll an. "Sie ist weg! Und du hast sie genommen! Gib's zu, Rose, das musst du gewesen sein..."

"Wie bitte? Weg, sagst du? Aber..." Sie starrte ihn mit offenem Mund an.

Angesichts ihres arglosen Gesichts wurde er unsicher. Er hatte schon immer die Gabe besessen, genau zu erkennen, wenn ihn jemand anlog, und hier konnte er nur echte Überraschung spüren.

"Nur wer sollte sie sonst genommen haben, wenn du es nicht warst?" Die Situation wurde mehr und mehr zu einem surrealen Alptraum für ihn. Er schaute wieder zum Doktor herüber, der seinen Ausbruch komplett ignoriert hatte und noch immer auf die Notizen starrte. Ungehalten warf er einen näheren Blick auf seine eigenen Zeichnungen.

"Ich hab doch nur ein wenig herumgekritzelt. Wahrscheinlich hab ich unbewusst die Muster der Uhr frei nachgezeichnet...", er fragte sich mittlerweile selbst, was mit ihm bloß los war.

"Was steht denn da, Doktor? Ergeben die Symbole denn einen Sinn? Und wie kann Johnny einfach in gallifreyisch schreiben?" hakte Rose bestürzt nach. Das konnte doch nicht sein, Johnny war doch ein Mensch! Der Timelord las ihnen stirnrunzelnd vor.

"Da steht: 'Wenn der Master auf Erden weilt, in dem Jahr das nie war' und noch 'Der Geist muss fließen können, um ihn zu stoppen' und hier, weiter unten, noch eine Zahl, die eine Frequenz darstellen soll sowie der Begriff 'Verstärkung', auch noch stark herausgehoben", er schaute dem Anderen konzentriert ins Gesicht, "Können Sie damit irgendwas anfangen, Johnny? Sagt Ihnen das etwas?"

Der Angesprochene wollte zuerst mit dem Kopf schütteln, dann zögerte er jedoch. "Der Geist muss fließen können... hört sich sehr poetisch an. Erinnert mich aber eher an das, was ich mit meiner Arbeit anstrebe", er schaute den Doktor verstört an, "aber verraten Sie mir zuerst, warum ich ausgerechnet Ihnen vertrauen soll? Zumal ich keinen Schimmer habe, was hier eigentlich gespielt wird! Und warum Sie aussehen wie ich!"

Seine Frustration war offensichtlich und ließ die Stimme des Doktors weich klingen, während er ihn mitleidig ansah. "Bitte, Johnny - vorerst sollten Sie nur so viel erfahren: Ich bin auf Ihrer Seite! Außerdem bin ich derjenige, der Ihnen verraten kann, wer Sie sind, wo Sie herkommen. Aber davon später, zuerst muss ich wissen, was es hiermit auf sich hat."

Rose hielt den Atem an und griff ihm an den Arm. "Kennen Sie Mutter und Vater?" flüsterte sie erregt. Er nickte ihr stumm zu und wartete auf Johnnys weitere Erklärung.

"Ich hab es bislang niemandem gesagt: Ich versuche einen Verstärker zu entwickeln, der die Schwingungen von Hirnströmen verstärkt. Hierzu müssen andere Frequenzen allerdings ausgeblendet werden. Quasi eine Art telepathischer Verstärker..."

"Warum, was hat dich dazu getrieben?" fragte Rose irritiert.

Er zögerte nachdenklich. "...ich weiß es gar nicht. Es war schon immer in meinem Kopf und ließ nicht mehr los."

Der Doktor nickte vor sich hin. "So ergibt es einen Sinn. Los, kommen Sie mit, wir müssen zur Universität und die Proben sichern. Dort sehen wir weiter." Er forderte die anderen auf, mitzukommen und schob Rose vor sich her.

Stur blieb Johnny im Wohnzimmer stehen und ballte die Fäuste. "Ich gehe nirgendwo hin, und außerdem: Was ist denn jetzt mit der verschwundenen Uhr? Wer hat sie und wie bekomme ich sie wieder?"

"Das wird sich bald finden. Vertrauen Sie mir, alles wird gut!" beschwichtigte der Timelord sein menschliches Ebenbild. "Kommen Sie einfach nur mit."

Als er an Jackie vorbeikam, die die ganze Zeit über verwirrt in der Tür gestanden hatte, tätschelte er sie kurz an der Schulter und meinte: "Machen Sie sich keine Sorgen, Jackie, Sie wissen doch, ich passe stets gut auf Rose auf."


Während sie auf dem Weg zur Universität waren, bemühte Rose sich möglichst von beiden fernzuhalten. Immer wieder warf sie Johnny einen heimlichen Seitenblick zu, um zu erkennen, wie es ihm ging - er tat ihr so Leid, der Liebeskummer zerdrückte ihn und gleichzeitig war etwas unweltlich grimmiges, erzürntes an ihm, wie sie es nur noch beim Doktor, wenn auch selten, hatte beobachten können. Nun, es lag sicherlich daran, dass er dem Timelord ja auch ansonsten so sehr glich.

Und dann der Doktor! Er wusste also um die Herkunft seines menschlichen Doppelgängers und ließ sie trotzdem im Ungewissen, obwohl er doch wusste, wie sehr sie sich in der Zwickmühle befand! Ob er sich auf diese Art an ihr rächen wollte? Brodelte noch immer die Eifersucht in ihm, so wie sie es zuvor bereits meinte gespürt zu haben?

Doch der Timelord sah eher nachdenklich und angespannt aus, die Erkenntnisse der letzten Stunden schienen ihn ernsthaft beunruhigt zu haben. Rose konnte sich irgendwann nicht mehr zurückhalten.

"Doktor was hat das denn nun alles zu bedeuten? Und wer ist bitteschön der Master?"

Alarmiert schaute er sich um, bevor er leise antwortete. "Ein anderer Timelord!"

Johnny fragte laut dazwischen. "Timelords? Was sind das denn jetzt wieder für Typen?"

"Ich bin ein Timelord. Aber bitte nicht so laut und auch nicht hier! Lasst uns warten, bis wir im Institut sind", nervös schaute er sich erneut um. Rose blieb unwillkürlich stehen.

"Aber Sie sind doch der letzte! Wie kann es dann noch einen anderen geben?"

"Kommen Sie weiter, Rose!" Der Doktor hatte es wirklich eilig.

Im Institut angekommen marschierte der Doktor vorweg und zielstrebig in Johnnys Arbeitszimmer, die anderen beiden folgten auf dem Fuße. Bis auf Eileen war niemand anwesend, jedoch ließ sich jetzt nicht mehr vermeiden, dass zumindest sie die beiden Doppelgänger gleichzeitig zu Gesicht bekam. Sie starrte zuerst den Doktor an, dann sah sie rüber zu Johnny, und ihr Mund öffnete und schloss sich wieder.

Der Timelord ignorierte die Frau völlig und ging geradewegs zu Johnnys Schrank und fing an, seine Probenflaschen zu untersuchen.

"Welche sind Ihre neuesten Proben, Johnny? Wir müssen sie in Sicherheit bringen und Ihre aktuellsten Unterlagen gleich mit."

Nachdem Eileen aus ihrer Starre erwachte, floh sie aus dem Raum. Rose musste trotz der ernsten Lage grinsen, denn ihr war bewusst, dass Eileen dem Doktor vorhin total auf den Leim gegangen war.

"Für die Proben der letzten Woche müssen wir aber nach unten ins Labor."

Nachdem Johnny und der Doktor noch ein paar Einzelheiten durchgesprochen hatten, setzten sie sich nach unten in Bewegung.


"Dringend! Die Zielperson hat Verdacht geschöpft. Ist am Arbeitsplatz anzutreffen. Ende."

Er schaltete sein Handy ab und lehnte sich nachdenklich in seinem Stuhl zurück. Das waren interessante Neuigkeiten. So langsam schien sich sein Doktorchen doch zu einer ernsten Bedrohung zu entwickeln, die er auszuschalten hatte. Was auch immer der andere Timelord vorgehabt hatte, um seine Pläne zu durchkreuzen, nun war es genug.

Bislang hatte er ihn an der langen Leine laufen lassen, hatte seinem niedlichen menschlichen Treiben nebenbei und nur aus der Ferne zugeschaut. Selbstverständlich ließ er ihn überwachen; er spielte ein wenig mit ihm und hatte seinen irren Spaß daran, dem Doktor seine Bauklötzchen kaputtzumachen, wann immer dieser etwas erreicht hatte.

Außerdem hatte er bei der Gelegenheit auch herausfinden wollen, wo er seine Tardis versteckte. Was sich ja nun endlich - wenn auch nach viel zu langer Zeit - gelohnt hatte. Er rieb sich die Hände. Jetzt musste er sich nur noch Zutritt verschaffen, dann hatte er alle Freiheiten, die er sich wünschen konnte. Denn jene Tardis würde nicht auf nur einen Start- beziehungsweise Zielort arrettiert sein. Und sollte er es nicht schaffen, konnte er ihn sich immer noch vorführen lassen und ihn dazu zwingen - aber nur im absoluten Notfall, denn das machte weniger Spaß als es selbst zu schaffen. Zu wissen, dass er ihn jederzeit unter Kontrolle hatte, wenn er es nur wollte, war ihm bislang genug.

Süffisant drückte er auf einen Knopf auf seinem Schreibtisch. "Miss Flanders, bitte sagen Sie all meine Termine für diesen Nachmittag ab und lassen mir meinen Wagen in zehn Minuten bereitstellen, danke sehr."

Dann zückte der Verteidigungsminister erneut sein Handy und verständigte die Polizei.


"Doktor, nun erklären Sie doch mal Näheres! Was soll das mit dem Master sein, diesem anderen Timelord?" Rose wollte es jetzt endlich alles wissen.

"Wie ich bereits sagte: Der Master ist ein Timelord, so wie ich. Normalerweise sollte er tot sein, so wie alle anderen meiner Art", der Doktor musste automatisch schlucken, "doch wenn Johnny schreibt, dass er hier unter uns weilt, dann muss er irgendwie überlebt haben."

Plötzlich fasste er sich entsetzt an den Kopf. "Wenn der Master meine Tardis hat, dann weiß ich nicht, was daraus noch entstehen kann!"

"Sie meinen, der Master hat die Tardis abschleppen lassen? Hätte der denn so viel Macht, ganz einfach die Polizei für so etwas in Anspruch zu nehmen?"

In dem Moment betrat Steve gehetzt das Labor und blieb ruckartig in der Tür stehen. Nach einer Schrecksekunde drehte er sich um, warf noch einen schnellen Blick in den Gang und schloss dann die Tür mit Bedacht. Er blickte in die Runde und sah dann den Doktor ernst an.

"Falls Ihr es noch nicht wisst: Man fahndet nach euch! Ich an eurer Stelle würde mich ganz schnell verdrücken! Am besten durch den Keller, denn noch suchen sie oben im Arbeitszimmer nach euch. Okay, beziehungsweise suchen sie nach einem Dr. John Smith", sein Blick wanderte zu Johnny rüber und grinste ihn verschmitzt an. "Sie und Rose scheinen sie zum Glück nicht auf dem Schirm zu haben, aber bei Ihrem Gesicht, Doktor, würde ich denen nicht in die Finger geraten wollen..."

Bestürzt starrte Johnny seinen Kollegen an. "Du weißt Bescheid? Ich meine... über den Doktor und alles andere?" Der andere zuckte dazu nur mit den Schultern, blinzelte ihm dann aber ermunternd zu.

"Ich weiß genug, dass ich dich zumindest warnen konnte. Los, haut ab, bevor sie kommen!" Und als die drei überstürzt das Labor verließen, rief er ihnen hinterher: "Viel Glück Smutty! Ich zähl auf dich!"