Sie rannten den Gang hinunter in Richtung Treppenhaus, als sie vor sich bereits einiges Stimmengewirr vernehmen konnten. Der Doktor lief voran, bremste dann jedoch abrupt ab, die Flucht nach oben ins Erdgeschoss war versperrt.

"Hier entlang!" Er wollte in den anderen Gang ausweichen, doch Johnny hielt ihn kurz am Arm zurück, nervös schaute er in den Gang hinein.

"Dort gibt es kein Weiterkommen, ich weiß noch nicht einmal, ob es dort einen Ausgang gibt!"

Rose als letzte der Drei scheuchte sie weiter. "Ich bin da vorhin bereits ein kleines Stück langgelaufen, und der Doktor kennt den Weg ja auch!"

Der Genannte schaute sie irritiert an. "Wieso denken Sie das, Rose?" Dabei entwand er sich Johnnys Griff und lief weiter.

"Sie haben doch vorhin dort geparkt..." Weiter kam sie nicht, denn sie war wie betäubt auf Höhe des Treppenabsatzes stehen geblieben. Sie hatte Fußgetrappel gehört und sich dorthin umgedreht. Jemand war die Treppe heruntergekommen und zeigte anklagend mit dem Finger auf sie. Es war Eileen, und mit ihr etliche uniformierte Beamte.

"Sie! Die Frau gehört auch dazu!" Ein bitterböser Blick funkelte aus ihren Augen.

In letzter Sekunde realisierte Rose, dass sie weiterlaufen musste, den anderen beiden hinterher, die bereits hinter der nächsten Biegung verschwunden waren. Sie hatte erst ein paar Schritte getan, als sie hinter sich laute Ausrufe hörte; eine Hand packte sie an der Schulter und riss sie zu Boden. Und dann war nichts mehr.


Ein Polizist beugte sich besorgt über sie und patschte ihr an die Wange. "Hallo? Aufwachen!" Als er sah, dass sie bei Bewusstsein war, griff er ihr unter die Arme und half ihr beim Aufstehen. Benommen schüttelte sie sich, dann wurden ihr die Hände gebunden, sie am Arm gepackt und nicht gerade sanft abgeführt.

"Aber das ist bestimmt ein großes Missverständnis!" rief sie verdrossen aus, während sie schnell noch einen letzten Blick in den Gang hinein warf, aus dem sie entfernt Stimmen vernahm. Hoffentlich waren die Beiden entkommen! Neben einem Aufgebot an Einsatzfahrzeugen der Polizei wartete auch ein dunkler großer Van vor der Tür des Instituts, zu diesem wurde sie geführt und allein eingeschlossen.

Eine Weile später beobachtete Rose, wie mehrere Polizisten das Gebäude verließen. Sie sah mit Entsetzen, wie sie in ihrer Mitte eine Person in Handschellen und in gebeugter Haltung mit sich schleiften - Johnny! Er hatte es also nicht geschafft! Sie verbog ihren Hals, um zu sehen, ob auch der Doktor unter ihnen war, doch wenigstens der Timelord schien entkommen zu sein. Auch Johnny wurde zu ihr in den Van gesperrt. Er plumpste schwerfällig neben sie auf den Rücksitz und schaute sie besorgt an.

"Alles okay?" raunte er ihr ins Ohr. Sie nickte und schob sich eng an ihn heran, soweit es ihre Handfesseln zuließen. Fürsorglich umfasste er ihre Hände mit den seinen.

"Oh Johnny! Haben sie dich doch erwischt! - Und was ist... ist mit IHM?" Sie mochte den Satz nicht deutlicher formulieren, wer wusste schon, ob nicht eine Wanze irgendwo angebracht war.

"Ihm gehts gut", hauchte er nur, dann räusperte er sich verhalten. Sie schaute wieder nach draußen, wo die Polizisten nach und nach in ihre Fahrzeuge stiegen und wegfuhren. Nur eine kleine Gruppe in zivil gekleidete Personen blieb noch vor dem Van stehen und sprach miteinander, einer telefonierte.

"Das ist doch keine normale Festnahme! Wir hätten doch gar nicht gemeinsam in einen Wagen gesperrt werden dürfen, normalerweise wird doch jeder einzeln in einem Polizeiwagen weggebracht. Ob dieser Ma-", sie biss sich auf die Lippen, als Johnny sie bestürzt ansah und ihr stumm signalisierte, nicht weiterzusprechen, "...äh jedenfalls kommt mir das spanisch vor!" Ihr Kopf schwamm ihr noch immer von ihrem Sturz und da sie nun zur Ruhe kam, wurde ihr das laute Dröhnen stark bewusst.

"Lass uns abwarten, wo sie uns hinbringen. Aber mach dir keine Sorgen Rose, alles wird gut!" Ein Spruch, den genauso gut der Doktor hätte machen können. Seufzend schmiegte sie sich an ihn, und so gut er konnte, nahm er sie in den Arm; schweigend warteten sie alles weitere ab.

Rose fragte sich plötzlich, ob es Johnny überhaupt recht war, dass sie ihm so nahe kam, nach allem, was gewesen war. Schließlich hatte er in den letzten paar Tagen eine unheilvolle Gefühlsachterbahn hinter sich gebracht, und das auch noch mit schlechtem Ausgang für ihn. Sie fühlte mit ihm, letztendlich hatte auch sie diese Achterbahnfahrt mitgemacht, nur von der anderen Seite aus.

Sie spürte einen dicken Kloß im Hals - denn sie wusste genau, dass es der Doktor war, der andere Mann, den sie liebte, und doch fühlte sie sich so sehr zu diesem Körper hingezogen, der hier dicht an ihrem war, so dicht, dass sie seinen Geruch in der Nase hatte, ihn an sich spürte.

Ihr Kopf legte sich an seine Halsbeuge, dann drehte sie ihr Gesicht zu ihm hin. Wie in Trance öffneten sich seine Lippen zu einem sanften Kuss, und so selbstverständlich erwiderte sie ihn. Dann schaute er sie zärtlich mit den Augen des Doktors an, voller Liebe, dass es ihr Herz in Stücke zerriss. Doch was war das? Er lächelte sie an, fast frohlockend - anders konnte sie es sich nicht beschreiben - und flüsterte ihr zu:

"Ich weiß es doch. Du liebst ihn, das braucht nicht gesagt werden. Doch ich werde immer in Erinnerung behalten, was wir miteinander geteilt haben. Für immer werde ich es mir im Herzen aufbewahren, Rose."

Was er da sagte, berührte Rose zutiefst, erfüllte sie selbst mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl. Noch einmal küsste er sie, diesmal leidenschaftlich, dann legte sie ihren Kopf wieder in seine Beuge und blieb dort so lange, bis die anderen kamen, um sie an ihren Bestimmungsort zu bringen.


Der Van fuhr in eine Tiefgarage hinein, dann wurden sie genötigt, nacheinander auszusteigen. Es ging durch diverse Flure und Treppenaufgänge bis in eine Art Werkshalle hinein. Die Männer, die sie herbrachten, waren allesamt bewaffnet und sahen eher aus wie Soldaten. Rose sah bereits von weitem, warum sie genau hierher geführt wurden, und ihr Herz klopfte um einiges schneller. Die Tardis stand in der Mitte der Halle, wie ein ehrwürdiges Ausstellungsstück in einem Museum.

Einer der Anwesenden stach aus dem militärisch wirkenden Umfeld heraus - ein adrett gekleideter Mann in den Dreißigern, mittlere Größe, kurze braune Haare, sympathisches Gesicht. Wer auch immer er war, er wusste um seine Macht, das spürte Rose. Der Mann winkte das ankommende Grüppchen zu sich heran.

"Ah da haben wir ihn ja. Wie nennst du dich momentan? Doktor Johnny Smith? Ach wie passend!" Der Mann griente richtiggehend. "Und du hast auch deine kleine menschliche Freundin mitgebracht, was?" Er konnte kaum an sich halten. "Ja für die menschlichen Weibchen hattest du ja schon immer eine Schwäche."

Sie waren mittlerweile dicht an ihn herangekommen. Johnny runzelte die Stirn und blickte etwas verwirrt auf das Szenario um ihn herum und auf den leicht manisch angehauchten Menschen im Anzug, der vor ihm auf und ab getanzt hatte, während er seine Worte von sich gab.

"Und mit wem hab ich es bitteschön zu tun?" fragte Johnny nun fast schon neugierig. Trotzdem hielt er dabei Rose dicht bei sich, schob sie halbwegs hinter sich; er wollte, dass sie sicher blieb, was auch immer geschah.

"Aber ich bin's doch! Tataaaa!" Der Typ stellte sich in Pose. "Nein? Nicht erkannt? Och, das ist aber schade!" Er klang enttäuscht, dass sein Gefangener das Spiel scheinbar nicht mitspielte. "Nun, dann muss ich wohl hinnehmen, dass du doch das Dummerchen bist. Also ich bin zurzeit Harold Saxon, Großbritanniens Verteidigungsminister!" Er schien Applaus zu erwarten, der nicht kam. Er räusperte sich.

"Und was wollen Sie von mir, Herr Minister?" Johnny versuchte sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, jedoch fiel es ihm schwer, gelassen zu bleiben.

"Zuerst einmal hab ich hier etwas, das ich dir zeigen muss", Mr. Saxon schmunzelte jetzt, "ein Kleinod, das ich fast wie zufällig auf dem Nachttisch in einer bestimmten Wohnung gefunden habe."

Sein Grinsen wurde immer breiter, während er genüsslich eine Uhr an einer Kette aus seiner Jackentasche zog und sie in die Höhe hielt, dabei ließ er sie leicht hin und her schwingen.

"Meine Uhr! - Aber... warum haben Sie sie mir genommen?" Johnny reagierte nun doch verärgert und schaute sich hektisch um. "Und was soll das Ganze hier? Ich versteh's nicht!"

"Aber aber, mein Lieber! Mit der Uhr wollte ich nur sichergehen, dass ich bekomme, was ich will. Als Pfand sozusagen." Süffisant steckte er sich die Uhr wieder in die Tasche. "Und außerdem halte ich dich damit in Schach. Nicht dass du dich noch meiner Kontrolle entziehst..."

Die Einlassungen machten Johnny nur noch verwirrter denn je, er schüttelte den Kopf. "Was wollen Sie? Und wie kontrollieren Sie mich mit der Uhr?"

Auf einen Schlag war der Tonfall todernst. "Öffne mir die Tardis!"

"Die was? Die Ta-", Johnny drehte sich unwillkürlich zu Rose um, dann sofort wieder zurück, "Tardis? Sie meinen die blaue Notrufzelle hier? Wie in aller Welt soll ich die bloß öffnen können, wenn sie nicht eh offen ist? Rose, fass doch mal an den Griff und probiers aus!"

Er nickte ihr ermunternd zu, als sie ihn überrascht ansah, und trat mit zur Tür.

Noch hatte sie den Griff nicht erreicht, als beide Flügel von selbst aufgingen, und der Doktor in der Tür stand.

"Haben Sie mich vermisst?" Der Doktor lächelte Rose verschmitzt an, während Johnny sich dem fassungslosen Minister zuwandte und dann gleichmütig sagte: "Die Uhr kannst du gerne behalten, als Andenken - Master!"

Rose und Johnny sprangen zum Timelord in die Tardis, schlossen die Türen in Windeseile hinter sich, als die blaue Kiste sich auch schon mit ein paar lauten Seufzern in Luft auflöste und einen wutschnaubenden Master hinter sich ließ.