"Allons-y meine Lieben!" Gewohnt quirlig turnte der Doktor um die Konsole herum, drückte nebenbei diverse Knöpfe und legte in einer Art Ballett etliche Schalter um, so dass Rose in heiteres Gelächter ausbrach. Die Erleichterung über die zügige Rettung war ihr anzusehen.

Johnny war währenddessen dicht bei Rose stehengeblieben, und während die Tardis durch den Vortex schlingerte, hielt er sie fest in seinen Armen. Rose ließ es zu, linste jedoch nervös zum Doktor hinüber, doch dieser war mit sich selbst beschäftigt und schien die beiden kurzerhand zu übersehen, und so entspannte sie sich nach kurzer Zeit. Und dann erklang das Signal der Landung und alles war still. Der Augenblick war gekommen.

"Leb wohl, Rose! Ich werde unsere Zeit miteinander für immer in Erinnerung behalten!" murmelte er etwas atemlos in ihr Haar, irgendwie musste er das noch einmal ausgesprochen haben. Während sie ihn etwas verwirrt anschaute, beugte er sich vor und nahm mit einem stillen Kuss Abschied, dann nickte er dem Doktor noch einmal zu und verschwand im hinteren Bereich der Tardis.

"Äh wo geht Johnny hin? - Ich meine: Wo geht er da hinten hin? Der Ausgang ist in der anderen Richtung!" Rose drehte sich irritiert um ihre eigene Achse. Bevor der Doktor antwortete, schaute er auf seinen Monitor, wartete ein paar Sekunden und legte erneut etliche Hebel um. Dann blickte er auf und räusperte sich laut.

"Er ist in seine Tardis gestiegen und wird jetzt sicherlich in seiner Wohnung die Uhr wieder an ihren Platz legen, damit der Master auch eine zum wegnehmen hat", ein Ansatz eines Lächelns angesichts dieses Lausbubenstreichs erschien auf seinem Gesicht.

"SEINE Tardis?!" Rose verstand die Welt nicht mehr. "Doktor! Erklären Sie mir auf der Stelle, was hier los ist! Wer ist Johnny? Wieso besitzt er eine eigene Tardis?" Sie schnappte fast über - Johnnys Kuss brannte noch immer heiß auf ihren Lippen und sie wollte jetzt einfach nicht mehr im Ungewissen bleiben.

Der Doktor kam um die Mittelkonsole herum und blieb dicht vor ihr stehen.

"Johnny ist... er ist ich, in meiner Zukunft. Ich habe mich zum Menschen gemacht, mit dem Chamäleonbogen, um mich vor dem Master zu verstecken und etwas vorzubereiten, was ich später brauchen werde, um ihn erfolgreich bekämpfen zu können. Dabei bin ich komplett verwandelt worden und ich habe keine Ahnung mehr von meiner Existenz als Timelord gehabt. Ich hatte sogar auch eine erfundene Vergangenheit, an die ich geglaubt habe. Alles war in jener Uhr eingeschlossen."

Er zog seine Stirn kraus, "nur scheinbar hab ich wohl nicht damit gerechnet, in dieser menschlichen Form ausgerechnet Ihnen zu begegnen, Rose", dieser Umstand war ihm selbst ein Rätsel.

Auch Rose war erschüttert - Johnny war der Doktor! Was dies alles implizierte, warf sie völlig um.

"Und... und eben gerade, da war er bereits wieder der Doktor? Das heißt, er konnte sich an alles gewesene erinnern?" als er nickte, schaute sie dem Doktor in die Augen und setzte leise hinzu: "...und empfand er als Mensch das gleiche wie als Timelord?"

"Ja, das tat er, das weiß ich sicher." Er schluckte ein paar Male, dann ergriff er mutig ihre Hand mit beiden Händen und legte sie sich auf seine wild auf- und abwärtsfahrende Brust und schaute sie mit großen Augen an. Es sollte ausgesprochen werden.

"Rose Tyler, ich liebe dich. Mit all meinen Herzen."


Der Herbstkongress der Geowissenschaftlichen Vereinigung war wie jedes Jahr gut besucht und aus allen Richtungen der Welt strömte die Exzellenz herbei, um die neuesten Errungenschaften aus den Forschungslaboren in sich aufzusaugen und neue Kontakte zu knüpfen. Der Doktor hatte Steve instruiert, ihn zu seinem Vortrag dort anzumelden und alle nötigen Formalitäten im Vorfeld zu erledigen, wennmöglich heimlich, an der geschätzten Kollegin Eileen vorbei.

Und so saß der Timelord nun etwas gelangweilt in seiner Nachmittagsveranstaltung im Publikum und hörte nur unter Schwierigkeiten den Vorträgen zu. Seine Gedanken schweiften ein um's andere Mal ab, immer wieder sah er Rose vor sich, und wie er sie zum letzten Mal geküsst hatte.

Sein jüngeres Ich würde Rose die Erinnerungen an den Vorfall nehmen und sich selbst dann auch nicht mehr erinnern können. - Zumindest konnte ER sich an nichts dergleichen entsinnen und er wusste aus der Vergangenheit, dass dies ein genereller Schutzmechanismus bei den Timelords war. Bei einem Aufeinandertreffen mit sich selbst würde die jeweils jüngere Version später nicht mehr wirklich wissen, was geschehen war, bis auf ein paar intuitive, unbewusste Aspekte, die erhalten blieben.

So hatte er selbst zum Beispiel vor einiger Zeit ungefähr geahnt, wie der Chamäleonbogen zu benutzen war, obwohl er Martha gesagt hatte, dass er damit keinerlei Erfahrung hatte. Nun ja, stimmte ja auch, nur dass er es bei seinem älteren Selbst mit angesehen hatte, welche Effekte der Vorgang hatte, sich eben nur nicht erinnerte.

Abrupt wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als sich der Chairman der Veranstaltung über sein Mikrofon beugte und den nächsten Vortragenden ansagte.

"Wir werden nun die Ergebnisse der neuesten Untersuchungen zu den keramischen Filtern zu hören bekommen, meine Damen und Herren! Hören Sie John Smith aus London zu-", es gab eine Pause von ein paar Sekunden, in denen der Chair den korrekten Arbeitstitel des Vortrags in seinen Unterlagen suchte, während der Doktor angespannt durch die Stuhlreihen nach vorne schritt und vom Assistenten einen Laserpointer in die Hand bekam sowie ein Kragenmikrofon an ihm festgeklemmt wurde.

"...'Verschiedene Gitterabstände in keramischen Werkstoffen als Instrument für die Filterung und Verstärkung unterschiedlicher Frequenzen im Bereich von Hirnströmen'. Interessantes Thema, muss ich sagen - bitte John, Ihr Publikum!" Der Chairman nickte dem Vortragenden zu, welcher sich seinerseits vernehmlich räusperte und ins Publikum schaute. In der zweiten Reihe entdeckte er Steve, der ihm ermunternd zulächelte.

"Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe mich mit der Herstellung von Keramik mit folgenden chemischen Zusammensetzungen auf den Oktaederplätzen der Zwischenschichten befasst...", mit dem Laserpointer zeigte er auf eine hinter ihm eingeblendete Graphik. Es folgte ein Überblick über Johnnys Forschungsergebnisse der vergangenen drei Jahre, die von einigen wenigen der anwesenden Wissenschaftler mit Staunen und Enthusiasmus aufgenommen wurden, nämlich von denen, die sich der Tragweite der Entwicklung bewusst waren.

Weit hinten im Publikum beteiligte sich eine Person beim Abschlussapplaus nicht, stattdessen blickte Harold Saxon missmutig auf den auf der Bühne stehenden Timelord und rätselte weiterhin, was dieser mit den Forschungen eigentlich bezweckte. Er hatte es nicht geschafft, ihm seine Tardis zu entreißen, nun konnte er auch die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse nicht verhindern.

Er würde sich bis zu seiner nächsten Chance gedulden müssen, den Doktor in die Finger zu kriegen, und das würde noch ein kleines Weilchen dauern. Doch er konnte warten, dann würde der andere für all die erlittene Schmach büßen müssen.


Rose erwachte in ihrem gewohnten Bett in der Tardis und starrte auf das Fenster, das in den Tardiseigenen Garten hinausführte. Irgendwas hatte sie geträumt... oder an irgendwas gedacht, das sie und den Doktor betraf... sie bekam es nicht mehr so ganz auf die Reihe, so schnell entschwanden die Traumbilder aus ihrem Bewusstsein.

Sie hörte eine leise Bewegung hinter sich und schlagartig wurde ihr klar, dass sie nicht allein im Bett lag. Mit Schwung drehte sie sich um und spürte dabei, wie die Decke ihre Haut direkt umschmeichelte - sie bemerkte ihre eigene Nacktheit und den Doktor neben sich gleichzeitig und schrak unwillkürlich hoch.

Ihre wilden Bewegungen weckten nun auch den Timelord, der die Augen aufschlug und für eine Sekunde starr auf ihren bloßen Oberkörper dicht vor sich blickte. Plötzlich stutzte er und fasste ihr dann an die Krawatte, die locker um ihren Hals baumelte. Es war natürlich seine. Als Rose das sah, riss sie schnell den Rand der Decke an sich und zog sie sich hoch bis zum Hals. Der Doktor blickte verwirrt hoch.

"Wieso- ...was mache ich hier, bei Ihnen im Bett?" Er fuhr sich verschlafen mit den Händen durchs Gesicht, dann schaute er Rose erneut an. Etwas schüchtern fragte er: "Haben wir...?"

"Ich hab keine Ahnung, Doktor!" Sie schüttelte mit dem Kopf und merkte, wie ihr an Stirn und Ohren heiß wurde. "Hätten Sie es denn gerne...?"

Sein Kopf wurde knallrot, damit beantwortete sich ihre Frage von selbst. Sie beugte sich spontan zu ihm herab und küsste ihn. Alles war an diesem Morgen möglich.

E N D E