Will drängte sich zwischen Hannibals Beine.
Er spürte die Erregung, noch sträflich eingesperrt unter zu vielen Stoffschichten. Die Hüfte schob sich vor, suchte automatisch Kontakt, umkreiste, rieb, drängte sich gegen den anderen Unterleib, einem uralten Rhythmus folgend, der keinen Dirigenten brauchte.
Will zerrte an Knöpfen und Reißverschlüssen, zog an Hannibals Hosenbund, gerade genug, dass sich seine Erektion befreien konnte und als er danach griff, war sie heiß und lag schwer in seiner Hand, füllte sie komplett aus.
Es war ein gutes Gefühl zu wissen und zu sehen, wie Hannibals Körper auf ihn reagierte, wie das Fleisch zwischen seinen Fingern härter wurde, wie es sich anfühlte, pulsierend, zuckend, voller Leben.
Es genügte fast, wie Hannibal sich unter ihm wand, sich der Hand entgegen drängte, die Finger in Wills Schultern krallte, die Lider geschlossen, die Lippen geteilt, der Kopf weit in den Nacken gelegt, einen rosigen Schimmer auf den Wangen tragend.
Aber Will wollte mehr.
So viele Bilder in seinem Kopf, die sich abwechselten, so unendlich viele, köstliche Möglichkeiten, die seine Vorstellungskraft zuverlässig ausschmückte – und viel zu wenig Zeit auch nur ansatzweise all die Dinge zu tun, die er tun wollte.
Während er den Griff verstärkte, mit dem Daumen über die klebrige Spitze rieb, die Tropfen verteilte, hin und her, rauf und runter und wieder zurück – so wie er es selbst gern hatte, nachts, wenn alle Lichter aus waren und seine Gedanken auf Wanderschaft gingen – löste er mit der anderen Hand Hannibals Krawatte.
Er wollte mehr.
Hannibals Augen waren schwarz wie Ebenholz, blickten durchdringend, sprachen von Gier und Verlangen und Wills Herz stolperte. Er konnte nichts anderes tun, als den Blick zu erwidern in dem Wissen, dass er Hannibals Ausdruck spiegelte, als das Fleisch zwischen seinen Fingern zuckte.
Kribbelnde Schockwellen rasten durch Wills Körper, setzten seine Nervenenden in Brand. Sie tauschten kurze, hungrige Küsse, einer fiebriger als der nächste, während Wills Hand weiterhin den Schaft zwischen seinen Fingern bearbeitete.
„Will."
Da war es wieder, sein Name, nur sein Name aus diesem Mund.
„Schlafzimmer", murmelte Hannibal in einen Kuss, aber Will grollte.
„Nein."
Ein kleiner Laut, ein Seufzen, während Will an dem Hals saugte und biss, in der Absicht, eine sichtbare Markierung zu hinterlassen. Er wusste nicht genau, wieso der Gedanke an Hannibals Schlafzimmer ihn so erzürnte
(Alana
Alana
Alana)
und statt darüber nachzudenken, wandelte er seine Wut in sexuelle Energie um.
„Ich will dich hier haben."
Hannibals Augen flackerten amüsiert und hingerissen.
„Wie du möchtest", sagte er und Will registrierte zufrieden den belegten Ton in seiner Stimme. Hannibal streichelte ihm eine braune Locke aus der Stirn. „Dann das Öl."
Hannibal nickte wage nach rechts und Will tastete blind danach, stieß dabei einen Topf um, der polternd zu Boden fiel. Er grinste in Hannibals offenen Mund, unterdrückte einen grummelnden Protestlaut mit seinen Lippen.
Seine Finger bekamen die Flasche zu fassen und erst dann trat Will zurück, um Hannibal gänzlich von der Hose zu befreien. Er half ihm, indem er sich die Schuhe abstreifte, die Hüfte anhob und Will zog ihm mit einem Ruck den Stoff von den Beinen.
Er nahm sich die Zeit, Hannibal zu betrachten, der vor ihm auf der Anrichte lag, wie ein Geschenk, das er sich nehmen durfte.
Ein Dessert der ganz besonderen Art.
Auf dem Rücken, den Kopf zur Seite geneigt, nackt von der Hüfte abwärts, das Hemd und die Weste geöffnet, silbergraues Brusthaar preisgebend.
Der Penis hob sich rot und feucht glänzend von seinem Bauch ab.
Sein Körper bebte erwartungsvoll.
So entblößt und zur Schau gestellt sollte er eigentlich schwach aussehen, stattdessen war er einfach nur betörend, stark und begehrenswerter als je zuvor.
Das war besser, bei weitem jetzt schon besser, als Will es sich vorgestellt hatte und etwas davon musste er laut gesagt haben.
„Dir gefällt die Idee, Kontrolle über mich auszuüben", resümierte Hannibal.
Will schnaufte mit einem halben Lächeln, amüsiert und frustriert zu Gleichen Teilen, während er einhändig den Knopf und den Reißverschluss seiner eigenen Hose öffnete, die daraufhin ohne fremde Hilfe von seinen Hüften auf den Boden glitt.
„Und doch bleibt es nur eine Idee, eine Illusion, die du mir schenken willst", sagte Will und beobachtete eine Veränderung in Hannibals Gesicht. „Ich könnte dir ein Halsband anlegen und dich an der Leine führen, aber du wärst derjenige, der mit mir Gassi geht."
Hannibal lächelte mit den Augen mehr als mit dem Mund. „Mein lieber Will, ich fürchte, du unterschätzt deinen exorbitanten Einfluss auf mich außerordentlich."
Hannibal öffnete die Beine, die von den Knien abwärts von der Anrichte baumelten, als Will zwischen sie trat. Will goss sich etwas von dem Öl in seine Handfläche, konzentrierte sich darauf, jeden Finger sorgfältig einzuschmieren.
Seinen limitierten Kenntnissen zum Trotz, hatte er bereits eine genaue Vorstellung davon, was er als nächstes tun wollte.
Wills Hand glitt zwischen Hannibals Beine, vorbei an den geschwollenen Hoden, die er liebevoll zwickte, ein Zucken und Zischen erntend. Schließlich fand er den Muskelring, den er zunächst massierte, dabei jede Regung in Hannibals Gesicht beobachtete, bevor er den ersten Finger einführte.
Hannibal biss sich auf die Unterlippe, ein Grollen unterdrückend, doch er nickte, schob seine Hüfte vor und spreizte die Beine, um Will den Zugang zu erleichtern.
Will ließ seine Zunge aufblitzen, um seine Lippen zu benetzen, während er an seine eigene Erektion dachte, die immer noch unberührt unter seiner Boxershorts schmerzhafte Ausmaße erreichte, doch er widerstand dem Drang, sich selbst anzufassen.
„Gut so, Will."
Eine Hand auf seiner Wange, die über seine Stirn durch seine Haare wanderte, einer unsichtbaren Spur folgend, Augen, die seinen Blick suchten und Will entschlüpfte ein Seufzen, ein kurzer Ton, der höher geriet, als erwartet.
Er musste wegsehen, weil es zu intim wurde, unerwünschte Gefühle in ihm auslöste.
Will führte mit einem Knurren den zweiten Finger ein und nun warf Hannibal den Kopf herum und stöhnte. Jetzt fühlte Hannibal es, die Präsenz, die Dehnung, als Will mit seinen Fingern arbeitete, langsam immer noch, bis er sie spreizte und Hannibal rang um Atem.
Die Hand auf seinem Kopf packte ihn an den Haaren und zog ihn runter, bis sich ihre Nasenspitzen trafen und ihr Atem vermischte.
Als Hannibal sprach, konnte Will ihn kaum verstehen, da sein Akzent die Worte stark übertünchte, sodass sie wie dunkle Pfützen von seinen Lippen tropften.
„Etwas tiefer nach vorne, Will."
Und Will gehorchte, tastete sich voran, bis Hannibal sich unter ihm aufbäumte, die Finger in seine Schultern krallte und seinen Namen rief. Eine unfassbar menschliche Reaktion, die Will beflügelte und es war leicht, die nächste auszulösen, nachdem er den süßen Punkt gefunden hatte, der Hannibal soviel Genuss bereitete.
So ließ Will ihm keine Zeit, sich von der Erschütterung zu erholen und fügte einen dritten Finger hinzu, spreizte, krümmte und reizte das innere Fleisch, ignorierte Hannibals warnenden Blick, der ihn eh nur noch durch einen Schleier erreichte.
Will lächelte, bevor er einen Kuss auf Hannibals Lippen brannte.
„Will..." Ein Keuchen, ein Schlucken. „Jetzt."
„Wo sind Ihre Manieren geblieben, Dr. Lecter?"
Hannibal schnaufte, drängte sich Will und seinen Fingern entgegen.
„Bitte", fügte Hannibal hinzu und eine attraktive Röte zierte seine Wangen.
Will entfernte seine Finger und trat zurück, befreite sich selbst endlich von der Boxershorts und seinem Hemd. Ihm war bewusst, dass Hannibal seinen Anblick aufsaugte, zwischen Wills Beinen hängen blieb.
Will nahm noch etwas von dem Öl in seine Hand, streichelte sich selbst und hinderte sich daran, in die eigene Faust zu stoßen.
Danach sank er zwischen Hannibals Schenkel, biss in die empfindliche Haut auf der Innenseite und löste ein Grollen aus Hannibals Kehle.
Will könnte stundenlang so weiter machen, ohne dass es langweilig wurde, aber so langsam befand er sich selbst an der äußersten Grenze seiner Selbstbeherrschung. Will ließ Hannibal nicht aus den Augen, während er sich in seinen Körper drängte, langsam, Zentimeter um Zentimeter und dabei zusah, wie sich der Gesichtsausdruck des älteren Mannes in pure Wonne verwandelte.
Er war auf halbem Wege drin und Hannibal keuchte.
„Weiter."
Eine Pause, in der Will sich nicht bewegte.
„Bitte."
Will lehnte sich über ihn mit offenem Mund, versuchte sich daran zu erinnern, wie man atmet. Hannibal war eng, presste ihn ein, pulsierend und heiß. Es war fast zu viel – es war alles, was er wollte und es war echt.
Einen Augenblick lang drehte sich alles in seinem Kopf.
Will war vorsichtig, wenn er sich zurückzog, langsam als er wieder eindrang, setzte ein Tempo vor, das eine Qual für ihn war, aber Hannibal dabei half, sich der größeren Dehnung anzupassen, bis er sich unter Will wand, die Beine um seine Hüften wickelte und ihn mit überraschender Kraft an sich presste.
„Hab keine Angst, dir zu nehmen, was du willst", flüsterte Hannibal hob das Becken an und zwängte ihn tiefer in die Hitze seines Körpers, soweit das überhaupt noch möglich war. Will stöhnte auf, überrascht und gekränkt, während ein Beben die Grundfeste seines Seins erschütterte.
„Du kannst mich nicht verletzen." Nägel, die sich in Wills Schulterblätter krallten, Lippen an seinem Ohr. „Ich will dich spüren – noch viele Tage später."
Will knurrte, schob seinen Arm unter Hannibals Oberschenkel, drückte ihn nach vorne und stieß zu. Hart, tief, er verdoppelte das Tempo und bekam, was er wollte – Hannibal keuchend, seufzend, nach Luft schnappend und sich Halt suchend an ihn klammernd.
Mehr.
Mehr, mehr.
Es war berauschend immer wieder in diesen Körper einzutauchen, in diese Hitze, in diese delikate Enge.
Schneller.
Tiefer.
Er veränderte den Winkel, um den empfindlichen Punkt zu finden, der Hannibal seinen Namen in Ekstase schreien lies und lächelte, als er diesen Erfolg nach wenigen Proben verbuchen konnte.
Sein Name wurde zu einem atemlosen Gebet, ein endloses Mantra.
Will, Will, Will, Will
Mehr.
Will spürte, wie sich sein Orgasmus aufbaute, elektrische Schübe entlang seiner Wirbelsäule, Knoten, die sich in seinem Magen zusammenzogen, doch was immer sie hier auch für ein Machtspielchen austrugen, er würde nicht eher kommen, bevor Hannibal es tat.
Also griff er nach Hannibals Erektion, die heiß zwischen seinen Fingern pulsierte und drückte zu, provozierte gefährlich Schmerzgrenzen und wurde mit einem gutturalen Laut belohnt.
Will war still für einen Moment, ein Atemzug oder zwei, beugte sich weit vor und flüsterte:
„Hannibal."
Er sah die Erschütterung in Hannibals Augen.
Seine Lider klappten weit auf und – Oh!
Da war es.
Ein köstlicher Augenblick.
Hannibals wahres Gesicht.
Ohne Maske, Fassaden, Mauern.
Nur Lust und losgelöste Befriedigung.
Verletzlichkeit.
Heißer Samenerguss auf Hannibals Bauch und zwischen Wills Fingern.
Und dann konnte Will nichts mehr sehen oder hören, konnte nur noch fühlen fühlen fühlen, als die Welt vor seinen Augen weiß wurde und sein eigener Orgasmus durch seinen Körper peitschte.
Wie zu erwarten war, erholte Hannibal sich zuerst von ihrer leidenschaftlichen Begegnung.
Seine Atmung wurde schnell wieder langsamer und gleichmäßig, so schnell, dass Will sich fragte, ob es einen Trick gab, den er noch nicht kannte.
Will war erschöpft, er hätte sofort einschlafen können, mit dem Kopf auf Hannibals Brust, während Finger in seinen Haaren spielten und er den Geruch von Sex in der Nase hatte. Aber es wurde langsam kalt, als der Schweiß auf seiner Haut anfing zu trocknen.
Er zog sich aus Hannibals Körper zurück – ein leises Ächzen auslösend, das ein Prickeln in Wills Magen verursachte. In zehn Minuten wäre er bereit für eine zweite Runde, wie er schätzte, während er Hannibal betrachtete, der von ihren Körpersäften gezeichnet, immer noch eine magische Anziehungskraft auf ihn ausübte.
Aber alles tat ihm weh, der Rücken, die Knie, die Wunde an seinem Kopf, die wie verrückt pochte.
Zwanzig Minuten. In zwanzig Minuten wäre er bereit für eine zweite Runde.
Er sammelte ihre Kleidung ein, die auf dem Fußboden verteilt lag und reichte Hannibal seine Hose.
„Vielen Dank, Will", sagte Hannibal mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen.
Und da wusste er, dass er Wolf Trap nie wieder sehen würde. Sein altes Leben war in dem Moment vorbei gewesen, als der erste Bissen von Frank Underwoods Herz zwischen seine Lippen gelangte.
Als sich seine Hände wie Schraubstöcke um Underwoods Hals geschlungen und er ihm das Leben aus den Lungen gepresst hatte.
Als der furchtbare Knall ertönte und Winston von Underwoods Auto in die Luft katapultiert wurde.
Will erschauerte.
Als er damals in Jack Crawfords Büro saß und Hannibal Lecter zum ersten Mal begegnete.
Da war es bereits vorbei. Um ihn geschehen. Der Anfang vom unausweichlichen Ende.
Hannibal berührte ihn an der Schulter. „Wir müssen uns bald auf den Weg machen. Ich habe alles vorbereitet."
Will nickte. Alles andere hätte ihn verwundert.
„Aber noch haben wir ein paar Stunden Zeit. Vielleicht möchtest du mir die Freude erweisen und mich unter die Dusche begleiten?"
Allein der Gedanke transportierte wieder genug Blut in seinen Schoß, dass er unwillkürlich zuckte. Unter Hannibals Blick erwachte seine Libido zu neuem Leben. Will war sich gewisser denn je, dass dieser Mann sein Untergang sein würde.
„Wie wäre es mit der Badewanne?"
Mehr.
Er fühlte sich wie eine Heuschrecke – immer hungrig, niemals satt.
