Kapitel 3

Bridesmaiden's Tale

„Gruselig, oder?" Ron betrachtete die Mitte des Tagespropheten. „Als wären sie Roboter, die alles zur selben Zeit machen müssten." Harry lehnte sich näher, um die Annoncen zu lesen.

„Kennt ihr die Mädchen?", fragte er stirnrunzelnd und las sich die Namen durch. „Also, ich kenne Blaise Zabini, Gregory Goyle, Draco Malfoy, Malcolm Baddock, Miles Bletchley – der dämliche Sucher der Slytherins, bevor Malfoy den Platz übernommen hat. Der war echt gut gewesen", merkte Harry an. „Lucian Bole, auch aus der Mannschaft", fuhr Harry fort, während er mit dem Finger über die Namen fuhr, die er kannte. „Und natürlich Marcus Flint. Die anderen Namen sagen mir eher weniger etwas."

„Wen heiraten Malfoy und Zabini?", wollte Ron kauend wissen, und Harry verengte die Augen.

„Zabini heiratet Georgiana Godelot, zweite Tochter von Hereward Godelot, dem Dritten", las er langsam, und sie sprach zum ersten Mal.

„Godelot? Wie… der erste Besitzer des Elderstabs?", erkundigte sie sich, und Harry hob langsam die Schultern.

„Ja? Kann sein, weiß ich nicht." Er senkte den Blick erneut. „Und Malfoy heiratet… äh… Antoinette-Honora de Elnyogne, vierte Tochter des Fürsten… äh… Kenneth Theodor Gerard de Arini-ni-y-o- ach was weiß ich!", las er stotternd. „Meine Fresse, die scheint ja aus dem Katalog ausgesucht worden zu sein."

„Natürlich. Das sind ja auch Reinblüterhochzeiten", erklärte sie konsterniert. „Ein erstgeborener Sohn heiratet auf höherem Stand." Ron sah sie verwirrt an.

„Weshalb?" Sie betrachtete sich die vielen Anzeigen.

„Keine Ahnung. Du bist der Reinblüter unter uns", erwiderte sie ratlos. Es war eine ziemlich alte Tradition, die langsam mal überholt werden musste, fand sie.

„Oh." Anscheinend war ihm das erst gerade bewusst geworden. „Dann… könnte ich auch eine Prinzessin Bla-di-blou von Irgendwas-von-und-zu heiraten?", vermutete er grinsend und sah wieder hinab auf die Anzeigen.

„Na ja, du bräuchtest eine Menge Gold." Sein Ausdruck verlor an Heiterkeit.

„Oh", sagte er wieder und schob die Zeitung weg. „Na ja, mir reicht schon eine Hochzeit hier im Hause", fügte er hinzu und schenkte Harry ein Grinsen.

„Glaub mir, ich tue das, weil Ginny mich zwingt", sagte er nur. Hermine betrachtete lächelnd ihren Teller. Und es stimmte auch. Ginny hatte ziemlich klare Vorstellungen. Sie wusste, sie wollte niemanden sonst außer Harry, und sie wollte wohl anscheinend ziemlich dringend mit ihm schlafen. Hermine hatte mit ihr schon darüber gesprochen. Ginny hatte sich selber nicht erklären können, weshalb es für sie so wichtig war, Jungfrau bis zur Ehe zu bleiben. Harry schien es nicht so besonders eilig zu haben, was sie auch seltsam fand.

„Und ich glaube, dann werden wir ziemlich bald auch noch Nachwuchs bekommen", fügte Harry etwas nervöser hinzu. Hermine hielt den Blick gesenkt. Sie war nicht wie Harry oder Ginny. Sie hatte bereits das verloren, was Ginny so angestrengt zu behalten versuchte. Und sie hatte es schon vor drei Jahren verloren. Aber natürlich hatte sie darüber mit Ginny nicht gesprochen. Sie wusste auch nicht, warum. Wahrscheinlich hatte sie Sorge, dass Ginny sie verurteilen würde oder so etwas. Auch wenn ihr so was sonst nichts ausmachte.

Vor allem auch, weil sie mit Ginnys Bruder geschlafen hatte. Der jetzt gerade ziemlich angestrengt auf seinen Teller starrte. Er hatte es unbedingt gewollt. Und sie hatte es unbedingt gewollt. Sie war verliebt gewesen. Aber es hatte nicht geklappt. Ron war… mehr ein Bruder für sie geworden als wirklich ein fester Freund.

Sie hatte auch mit Cormac geschlafen. Das bereute sie allerdings. Nicht, dass Cormac schlecht gewesen wäre, nein. Aber er hatte sich einiges darauf eingebildet. Und es war ihm auch nur um das eine Mal gegangen. Und sie hatte sich selten für etwas so sehr geschämt, wie für diese eine Nacht.

Aber sie zwang sich, nicht mehr daran zu denken. Wenn sie nur lang genug verdrängen würde, dass sie sich zu einer lieblose Nacht hatte überreden lassen, dann wäre es vielleicht irgendwann aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Irgendwann.

Jetzt war also erst mal die Hochzeit von Harry und Ginny an der Reihe. Und die war bei weitem nicht so abschreckend, wie diese Reihe an Reinblüterhochzeiten, um die der Tagesprophet einen solchen Wirbel veranstaltete, als wäre es das Erlebnis des Jahres. Sie wusste, der Prophet tat es aus einschlägigen Gründen. Die Reinblüter saßen überall, verteilten großzügige Spenden und regierten aus dem Hintergrund heraus die Wirtschaft in London.

Die neue Generation heiratete jetzt und vermehrte somit das Gold noch einmal um mehr als das Doppelte. Der Tagesprophet wurde unter der Hand sowieso immer noch vom Ministerium kontrolliert. Und dort saßen einige Reinblüter in besonders hohen Positionen. Positionen, von denen Hermine nicht begreifen konnte, wie sie überhaupt von einem Reinblüter besetzt werden konnten.

All diese Menschen, mit denen sie zur Schule gegangen war, heirateten jetzt. Mit zwanzig. Vielleicht manche ein, zwei Jahre älter. Sie schlief sogar noch Zuhause, im Haus ihrer Eltern, in ihrem Kinderzimmer. Sie hatte noch keine Lust gehabt, eine Wohnung zu suchen, und all ihre Sachen von dem einen Ort zum anderen zu bringen.

Dabei wurde es vielleicht langsam Zeit. Sie arbeitete schließlich seit einer Weile und verdiente ihr eigenes Geld. Im Gegensatz zu Ron, der sich immer noch nicht entscheiden konnte und von einem Job zum nächsten wanderte. Harry hatte seine Aurorenprüfung bestanden, und Ginny hatte auch nur noch ein Jahr Ausbildung zum Auror vor sich.

Dass sich die beiden noch nicht über waren, war etwas, was Hermine nicht begreifen konnte.

Sie löste den Blick von den gruseligen Anzeigen und beschloss, ihr Samstagsfrühstück zu genießen, bevor Ginny sie wieder mit dem strengen Zeitplan einer Brautjungfer nerven würde. Hermine hatte noch nie so viele Kleider anprobiert, Torten probegekostet und Farben für Tischdecken gesehen. Alle waren ihrem Anschein nach Beige. Aber Ginny hatte tausend verschiedene Namen für jede Sorte Beige….

Und dann gab es noch die aufwendige Brautjungfernparty zu planen, von der Hermine weder eine Ahnung hatte, noch wusste, wen sie auf die Gästeliste setzen sollte. Ihr Budget gab sie eigentlich ungern für diesen Unsinn aus, aber Ginny hatte darauf bestanden, all das Gold, was Harry für den Sturz an Voldemort bekommen hatte, für die Hochzeit zu verwenden. Deswegen würde sich die Potter-Weasley Hochzeit wohl kaum von den teuren schickie-mickie Reinblüterhochzeiten unterschieden.

Hermine trank eilig ihren Tee, bevor ihr Ginny den auch noch wegnehmen würde. Sie arbeitete fünf Tage unter der Woche und am Wochenende schien sie in ihre geheime Identität einer Full-Time-Brautjungfer zu wechseln. Dass Ginny auch noch ein Jahr jünger war als sie und schon den Mann fürs Leben gefunden hatte, ignorierte Hermine jedes Mal geflissentlich.

Sie war froh, noch keine übertriebene Hochzeit planen zu müssen. Und sie wusste, für sie käme nur etwas schlichtes, kleines, unter zehn Leuten in Frage. Keine Presse, kein Kleid aus Tüll und rosa Seide, kein Schleier, der von Tauben getragen wurde, keine monströse Torte, keine Brautjungfernparty, kein Priester – und definitiv keine Brautjungfern, die himmelblaue Kleider tragen mussten!

Aber Ginny war anders. Ginny nannte sich „traditionell". Hermine nannte es „anders".

Es war ein Samstag, wie jede Woche, seit vier Wochen. Und obwohl sie nur ein Jahr älter war, kam sie sich vor, als wäre sie hundert Jahre älter.

„Ist sie hier?" Ginny steckte den hübschen, rothaarigen Kopf zur Tür herein. „Hermine, Luna ist da!", rief sie aus, und Hermine tauschte einen kurzen Blick mit Harry und Ron.

„Großartig", sagte sie nur und erhob sich, als ginge es um ihren letzten Weg zum Galgen. Ron unterdrückte sein Grinsen, und Hermine schlug ihm unauffällig die Hand gegen den Hinterkopf als sie um ihn herum ging.

„Au!", protestierte er schmerzvoll und rieb sich die Stelle mit der Hand. Ginny kam eilig zu Harry, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu hauchen.

„Bis später, Harry", flüsterte sie, und Hermine betrachtete kopfschüttelnd, wie verliebt Ginny Harry anstarrte. Harry umfasste Ginnys Kinn und küsste sie noch ein weiteres Mal. Luna stand seufzend im Türrahmen, die Hände voll mit Tüll und weiteren Anweisungen auf Pergament. Hermine schickte ein stummes Gebt Richtung Himmel und betete dafür, dass dieser Samstag sich nicht bis in die ewige Unendlichkeit ziehen würde, wie die letzten.

Natürlich ließ sie sich ihren leichten Unmut nicht anmerken. Dafür mochte sie Ginny zu gern.

„Also, was steht heute an?", fragte sie munter und täuschte so gut sie konnte, die Begeisterung einer ersten Brautjungfer vor.

„Heute? Die Kostüme für die Brautjungfernparty!" Hermine spürte, wie ihr Mundwinkel zuckte.

„Kos…kostüme?", wiederholte sie langsam, und Ginny nickte.

„Natürlich. Ohne macht es kaum Spaß. Ich dachte an… ähm… vielleicht etwas gewagtes. Luna?", wandte sie sich an ihre Freundin, und Luna grinste bereits.

„Wie wäre es mit… Tänzerinnen!", schlug sie vor.

„Ballett?", erkundigte sich Hermine hoffnungsvoll und erntete einen entgeisterten Blick.

„Nein, Hermine. Ich dachte da an etwas… Exotischeres." Hermine schüttelt nur leicht den Kopf. Exotisch? Lieber würde sie noch eine Ladung beige Tischdecken beurteilen. „Dir gefällt die Idee, oder nicht? Ich meine, das wäre lustig. Wir würden in den Drei Besen Getränke umsonst bekommen, die Leute hätten Spaß und Mädchen könnten einfach lustige Mädchen sein."

„Und das können sie nur in Hularöcken und Kokosnuss-Bikinis?" Und die Gesichter ihrer beiden Freundinnen hellten sich auf.

„Hermine, ich dachte bloß an irgendwelche kurzen Röcke und Tangoschuhe, aber – das! Das ist absolut grandios!" Ginny eilte sofort los. Hermines Mund klappte zu.

„Kokosnuss-Bikinis?" Ron biss genüsslich in einen Apfel, als er sich in den Türrahmen lehnte. „Ich glaube, das würde ich mir anschauen." Manchmal herrschte ein seltsamer Moment zwischen ihnen. Sie sah ihn etwas verlegen an. Kurz sah sie in seinen Augen so etwas wie… Interesse?! Sie war sich nicht sicher. Hastig senkte sie den Blick.

„Das werden wir noch-"

„Hermine? Kommst du?", schrillte Ginnys Stimme aus dem Flur zu ihr her. „Wir wollen in die Stadt!" Natürlich wollte Ginny das. Sie waren zwar jede Woche in der Stadt, ohne dass Hermine bisher herausgefunden hatte, was so großartig in der Stadt war, aber anscheinend wartete Ginny auf impulsive Eingebung, die ihr in der Stadt noch kommen könnten. Hermine nickte Ron bloß zu und lief ihrer Freundin hinterher.

Zur Strafe sollte sie eigentlich auch heiraten und Ginny all die schlimmen Aufgaben aufdrücken. Aber… wahrscheinlich würden Ginny diese Aufgaben Spaß machen. Niemand würde annehmen, dass sie Leiterin der Kommission für schwarz-magische Verstöße war.

Nein. Jetzt war sie nur ein Mädchen, das überlegen musste, wie sie aus dem Hularock-Fiasko wieder raus kam!

„Lass uns zu Madame Malkins gehen. Bitte." Hermine stand wie angewurzelt neben Luna und Ginny, die die hohen Schaufenster betrachteten, hinter denen spindeldürre Puppen die neueste Mode aus Paris und Madrid vorführten. Ansonsten hätte es Hermine auch abgelehnt zu Madame Malkins zu gehen, aber wenn die Alternative dieser Laden war – dann war alles besser.

„Wieso? Die Kleider sind traumhaft!", hauchte Ginny ehrfurchtsvoll.

„Ja. Traumhaft teuer", bestätigte Hermine. Ginny warf ihr wieder einmal einen Blick zu, der dem ihrer Mutter alle Ehre machen konnte.

„Hermine, ich heirate einmal. Und einmal möchte ich ein Kleid kaufen, was nicht irgendeine Cousine schon fünf Jahre vor mir getragen hat. Ich habe einmal genug Geld, um mir so einen Traum zu erfüllen. Denkst du, ich habe noch Gelegenheit es ein weiteres Mal zu tun? Nein. Das ist alles Hermine! Und ich werde das schönste Kleid haben. Und sei es auch, dass ich in diesen Laden muss, um es zu finden!"

Ginny öffnete die Flügeltüren des Ladens. Venderfall war kein Laden, den Normalsterbliche aufsuchten. Ganz bestimmt nicht! Luna hielt sich dicht an Ginny gedrängt.

Und Hermines Mund öffnete sich entrüstet, als sie sah, wie kleine Hauselfen Kleider an ihnen vorüberschweben ließen und die wartende Kundschaft mit Champagner bedienten.

Das war doch eine Höhe! Sie hoffte, die Elfen wurden bezahlt! Immerhin trugen sie ziemlich aufwendige Anzüge aus Seide.

„Sind Sie sicher, dass ich Ihnen helfen kann, Miss…?" Eine Hexe hatte sie entdeckt. Sie war gertenschlank, trug sehr hohe Schuhe und hatte eine seltsam steife Frisur. Hermine wandte sich um. Und immerhin waren nicht mal die Reinblüter so verbohrt, nicht zu sehen, wer sie waren. Der Mund der Hexe öffnete sich. Anscheinend überlegte sie, ob sie immer noch unhöflich sein sollte oder ob sie etwas sagen sollte, um zu erkennen zu geben, dass sie wusste, wer sie waren. Sie entschied für keine dieser Optionen und nahm sie einfach zur Kenntnis. Ohne noch weiter darauf einzugehen, dass sie ihnen eigentlich nicht hatte helfen wollen.

„Wir suchen nach einem Kleid. Einem perfekten Kleid", erklärte Ginny und klang immerhin nicht mehr ganz so begeistert, wie noch draußen.

„Für die Potter-Weasley-Hochzeit", fügte Luna eifrig hinzu. Luna war wieder einmal nicht anzumerken, dass sie gerade feindliches Terrain betreten hatten. Hermine juckten bereits die Fingerspitzen.

„Potter", wiederholte die Hexe heiser. Dann musterte sie Ginny. „Wir dürften einiges in Ihrer Größe haben, Madame", sagte sie kühl. Ginny wandte sich zu Hermine um und formte stumm mit den Lippen das Wort Madame. Hermine verdrehte die Augen. Ginny gewann wieder an Freude und lief der Hexe hinterher. Luna ebenfalls. Hermine blieb etwas unbeholfen in der Mitte des riesigen Ausstellungssalons stehen.

Dass sie hier nicht rausgeworfen worden waren, änderte nämlich nichts an der Tatsache, dass sie hier nicht sein wollte. Sie seufzte.

„Drehen Sie sich ruhig", hörte sie eine weitere kühle Verkäuferinnenstimme.

„Hast du nicht gehört? Dreh dich, damit wir sehen, ob es passt, Darling."

„Ich habe es nur zehn Minuten an."

„Nein, du wirst es länger anhaben als zehn Minuten! Und jetzt sei nicht ungebärdig, sondern dankbar, Pansy", hörte sie, wie die Stimme gepresst hinzufügte. Und langsam lugte sie um die nächste Säule. Dort stand Pansy Parkinson. Erleuchtet von magischem Licht, auf einem Podest, umringt von Elfen, die ihr Nadeln in die Säume steckten.

Es war ein bildschönes Kleid. Und Pansy sah wie eine Prinzessin aus. Eine sehr bittere, wütende Prinzessin.

„Ja, Mutter", gab Pansy eisig zurück, betrachtete sich gelangweilt in dem Spiegel, und ihre Mutter klatschte in die Hände.

„Ich muss noch zu Gringotts, Pansy. Zieh dich wieder an, zerreiß das Kleid nicht und treff mich dort. Danach werden wir die Einladungen abholen." Pansys Mutter ließ ihre Tasche von einem Elfen vortragen und Hermine wich hastig hinter der Säule zurück. Sie kannte Pansys Mutter zwar nicht, aber sie wollte auch nicht in die Verlegenheit kommen, mit jemandem ein Gespräch führen zu müssen, den sie ohnehin nicht mögen würde.

„Lasst mich allein", fuhr Pansy die Elfen an. Auch die Hexe beeilte sich hinter Mrs Parkinson herzulaufen. Hermine wollte auch zurück zu Ginny gehen, aber sie blieb einfach stehen. Sie betrachtete Pansy, die sich nicht mehr bewegte. Sie stand reglos auf dem Podest und schien durch ihr Spiegelbild hindurch zu sehen. Für gewöhnlich war es Hermine egal, was Menschen wie Pansy Parkinson dachten. Aber jetzt, hier, wo sie sehen konnte, dass Pansy Parkinson wie erstarrt in ihrem Hochzeitskleid auf einem Podest stand, konnte sie nicht anders.

Sie trat aus dem Schatten der Säule hervor.

„Das… ist ein schönes Kleid, Pansy", sagte sie mit gewöhnlicher Stimme. Sie konnte sich an kein Gespräch mit Pansy Parkinson erinnern, fiel ihr auf. Und sie hatte nicht erwartet, eine Antwort zu bekommen. Aber Pansy drehte sich langsam um, als sie sie im Spiegel entdeckt hatte.

Und sie schien abzuwägen. Abzuwägen, ob sie sprechen sollte oder nicht. Ob sie reagieren oder sich wieder umdrehen sollte. Und Pansy Parkinson tat das, was Hermine nicht erwartet hätte. Sie sagte ein Wort, von dem Hermine nicht einmal gewusst hatte, dass Pansy es überhaupt beherrschte.

„Danke", erwiderte das schwarzhaarige, dünne, sehr hübsche Mädchen auf dem Podest – was unmöglich Pansy sein konnte! Dann wandte sie sich wieder dem Spiegel zu.

Sie erinnerte sich an zahllose Begegnungen mit Pansy, die ganz bestimmt nicht mit dem Wort Danke geendet waren. Kurz verwirrte es Hermine. Aber sie waren nicht mehr in der Schule. Vielleicht änderten sich Dinge. Auch für Reinblüter. Aber vielleicht auch nicht.

Hermine beschloss, diesen Moment nicht zu zerstören. Wahrscheinlich würde Pansy sich gleich besinnen, und sie doch noch beleidigen oder so etwas. Sie ließ Pansy also wieder zurück und suchte Ginny. Denn sie persönlich war eigentlich nicht dazu bereit, ihre Vorurteile gegenüber Pansy Parkinson aufzugeben. Ginny hatte bereits ein Dutzend Kleider im Arm.

Hermine konnte nur schätzen, dass sie ein kleines Vermögen kosten mussten.

„Wo warst du? Wir haben ohne dich angefangen. Hast du was gefunden?" Hermine seufzte langsam, während sie Ginny ein paar Kleider abnahm und ihr zu den Kabinen folgte, wo Luna bereits ein Glas Champagner gereicht wurde.

Das hier involvierte also Alkohol. Hermine beschloss, das Beste aus der Sache zu machen, und einfach anzustoßen. Sie war froh, nicht selber die Kleider anprobieren zu müssen.

„Nein, nichts. Ich hab… mich nur umgesehen", wich Hermine Ginny Frage aus.

„Ok. Dann mach's dir bequem. Wir gehen nämlich nicht ohne das perfekte Kleid", erklärte Ginny, und sie sagte es tatsächlich, als wäre es etwas sehr, sehr Positives. Hermine zwang sich, zu guten Gedanken. Immerhin würde sie es kein zweites Mal machen müssen. Sie stieß mit Luna an, die bereits gespannt wartete. Sie würde niemals so sein können. Es gab tatsächlich eine Ebene auf der sie nicht Ginnys Sprache sprach.

Sie sank in den Sessel unter sich und betete, dass es nicht Elfenleder war, auf dem sie saß.

Sie musste einfach schneller trinken, beschloss sie.