Kapitel 5

Hula

Die Arbeit war scheußlich gewesen, aber sie hatte beschlossen Ginny nichts davon zu erzählen. Wahrscheinlich waren Ginny die Ungerechtigkeiten der Welt im Moment sowieso nicht ganz so wichtig. Viel wichtiger war die Tatsache, dass sie alle eine Lungenentzündung bekommen würden!

„Hermine, das war eine super Idee!" Lavender sah aus, als würde sie nie etwas anderes tragen, als einen rosanen Bikini – von den Kokosnüssen war abgesehen worden – und einen Schilfrock.

„Bitte, können wir das nicht laut sagen? Es war nicht meine Idee!", zischte sie. Nachher würde das noch jemand rumerzählen.

„Ich finde es auch klasse!" Luna war die einzige, die einen lilanen Rock trug. Er biss sich herrlich mit dem orangenen Bikini und ihren hellen Haaren.

Hermines Bikini war rot, und es fehlte nur noch, dass sie eine Tabelle mit Preisen für die Nacht mit sich tragen würden. Sie sahen so aus, wie die Mädchen, denen sie in Hogwarts immer Punkte für Freizügigkeit abgezogen hatte. Meistens Slytherinmädchen.

„Es ist entwürdigend", sagte sie leise. Sie wusste, keines der Mädchen teilte diese Ansicht. Keines der Mädchen war aber Leiterin einer Kommission. Dass Ginny als Aurorin tatsächlich so etwas Albernes toll fand, sagte einiges, fand Hermine. Und großes Gequietsche brach los, als Harry und Ron ins Wohnzimmer kamen.

Hermine wollte vor Scham sterben. Grinsend kam Ron auf sie zu, so natürlich wie möglich.

„Und? Wie war die Arbeit?", fragte er, sein Grinsen wurde breiter. Hermine verschränkte die Arme vor ihrem relativ unbekleideten Oberkörper.

„Super", erwiderte sie und dachte wieder an Malfoy. Das Arschloch, was Mord genauso gelassen zur Kenntnis nahm, wie eine arrangierte Hochzeit. Arschloch! Es war so ungerecht. Wäre sie Ministerin, was sie hoffentlich bald sein würde, dann würde sie alle diejenigen bestrafen, die es verdient hatten. Sie würde ein komplett neues Rechtssystem entwickeln!

„Ja? Und gleich... geht's nach Hawaii?"

Hermine verdrehte die Augen zum hundertsten Mal.

„Ja. Wir müssen uns beeilen. Sonst kriegen wir keinen bunten Blütenkranz mehr", erwiderte sie.

„Mir gefällt das Outfit", erklärte er grinsend.

„Ja. Du bist ja auch ein Mann."

„Hermine!" Ginny hatte sich seufzend von Harry gelöst. „Auf geht's! Bis du sicher, dass du nichts trinken möchtest?"

„An irgendwem müsst ihr euch doch später festhalten, um zu apparieren", erwiderte sie bitter. Und nein, sie würde nichts trinken. Es war schließlich unter der Woche. Ginny lachte. Und Hermine wusste, Ginny wusste, wie sehr sie es hasste. Fast so sehr, wie mit ihrer Mutter in der Kantine des Ministeriums zu sitzen und zu versuchen, zu erklären, weshalb keiner der Malfoys im Gefängnis saß.

Das war ein hübscher Nachmittag, wirklich. Ausgesprochen bemerkenswert.

Vor allem hatte sie gar keine besonders guten Argumente, außer, dass die Malfoys zu den reichsten der reichen gehörten, und ihre Mutter absolut richtig lag, wenn sie verlangte, dass solche Leute trotz ihres immensen Vermögens bestraft werden sollten.

Ginny drückte sie kurz an sich, als sie sich ihren Mantel übergezogen hatte.

„Danke", flüsterte sie, und Hermine hatte das Gefühl, einen Anflug der alten Ginny wieder zu finden. Sie wusste, sobald die Aufregung um die Hochzeit und alles vorbei war, würde Ginny wieder zu ihrer Ginny werden. Vernünftig, erwachsen – keine Jungfrau mehr.

Und Hermine erwartete diesen Tag mit großer Sehnsucht. Nicht, dass sie Luna und Lavender nicht ständig um sich haben könnte, aber… manchmal… hatte sie das Bedürfnis, sich selber mit dem Muffliato zu belegen, um die sinnlosen Gespräche nicht ständig hören zu müssen.

„Und wisst ihr, wo wir hingehen?" Lavender hatte bestimmt wieder eine unpassende Idee.

„Wohin?", verlangte Ginny lächelnd zu wissen, und nun sahen sie alle gleichermaßen seltsam aus, mit Mänteln und hervor blitzenden Hula-Fransen.

„Black Crown's Club!", rief Lavender aus. Hermine hoffte zumindest, Ginny würde nein sagen. Oder zumindest überlegen. Aber sie leerte ihr Glas Sekt zu schnell – und nickte schließlich.

„Die haben einen Dresscode", merkte Hermine ungehört an. „Wir kommen da nicht mal rein", fuhr sie fort, als die Mädchen lachend zur Tür gingen. „Das ist ein Männer-Club", versuchte sie ihren letzten Trumpf, aber ziemlich erfolglos, denn die Mädchen apparierten bereits.

„Macht Fotos", rief ihr Harry grinsend zu. „Und pass auf, dass Ginny sich keinen reichen Schnösel mitnimmt!", ergänzte er, leicht besorgt.

„Wir könnten mitkommen und die Fotos machen", bot Ron eilig an. „Cool, oder? Von Horkruxe zerstören zu bunten Hula-Röcken. Klarer Fortschritt, würde ich meinen?" Sie würde die beiden später verfluchen. Jetzt musste sie aufpassen, dass Ginny sich nicht um ihre Schamgrenze trank.

Die Schwarze Krone war nicht mal ein Ort, an dem Ron und Harry sein wollten. Es war ein Reinblüter-Club, zumindest inoffiziell war das bekannt. Und Hermine hasste so etwas, wie Geschlechterausgrenzung. An so einem Ort wollte sie nicht mal wirklich freiwillig sein. Aber ihr war klar, dass Lavender immer hoffte, ihren Prinzen zu finden. Sei es auch an einem so unlogischen Ort, wie einem Männer-Club.

„Ok. Ich schlage vor, wir ziehen jetzt unsere Mäntel aus."

„Warum? Damit wir den Punkt machen, dumme, stereotypische Mädchen zu sein, die Sexualität nutzen wollen, um in einen Club zu kommen?" Die Antwort wäre: Ja. Sie sah es Lavender an.

„Sei doch keine Spaßbremse, Hermine. Das ist lustig!" Nein. Es war nicht lustig. Die Mädchen hatten eine Flasche Sekt mitgenommen und teilten ihn gerade auf. Hermine sah sich auf dem Platz um. Er lag etwas außerhalb von Hogsmeade. Er war gesäumt von sehr hohen Bäumen, und der Boden war fein gepflastert. Schwarze Tore grenzten den Club ab, und Hermine wusste, es war eine ganz schlechte Idee. Eine schwarze Krone thronte oben auf der höchsten gusseisernen Stange. Sie wirkte merklich düster und bedrohlich.

„Und jetzt…", begann Luna und zog vier kleine Flaschen aus ihrer Tasche, „lockern wir die Stimmung!" Hermine begutachtete die bunten Flaschen.

„Drogen?"

„Nein! Natürlich nicht. Hermine dies sind Stimmungsheber."

„Also Drogen?", versuchte sie es erneut.

„Nein, sie nehmen Hemmungen, machen gute Laune und nichts – absolut nichts – stört dich wirklich!"

„Drogen", bestätigte sie noch einmal.

„Nein, nein. Pflanzliche Basis. Kein Alkohol, kein Suchtmittel. Sie unterdrücken die natürlich Angst, die man empfindet." Hermine wollte eigentlich nichts unterdrücken, was sie empfand.

„Wie lange wirkt das?", wollte Ginny wissen.

„Ein, zwei Stunden. Es ist aus Georges Laden", erklärte sie aufgeregt. Dann würde es Hermine bestimmt nicht nehmen. „Und völlig ungefährlich", fügte Luna mit einem ernsten Blick auf sie hinzu.

„Sicher, es ist immer ungefährlich, bestimmte Zonen im Gehirn zu manipulieren, um Schamgrenzen auszuschalten", erklärte sie vor Sarkasmus strotzend.

„Ausgezeichnet!", rief Lavender, öffnete eine gelbe Flasche und leerte sie mit einem Schluck. Hermine schloss verzweifelt die Augen.

„Hermine, es ist meine Brautjungfernparty. Also könntest versuchen, ein bisschen Spaß zu haben?"

„In Hula-Röcken? Mit Stimmungshebern, um sich nicht zu schämen, in einen Männer-Club gehen zu wollen?", vergewisserte sie sich steif, und Ginny nickte lächelnd.

„Luna sagt, in zwei Stunden ist die Wirkung vorbei. Nur ein bisschen Spaß. Einmal, Hermine, komm schon! Ich sag es auch niemanden weiter, wenn es dir gefällt. Und Harry sagen wir, es war furchtbar." Hermine seufzte auf. Ihr wurde langsam kalt. Der Rock wärmte nicht. Und dass sie überhaupt so etwas anhatte, war… eigentlich gar nicht möglich!

Aber Ginny hatte sie dazu überredet, und noch lebte sie auch noch. Vielleicht war es nicht ganz so tragisch, wie sie es sich ausmalte.

„Bitte", fügte Ginny hinzu. Hermine hasste es, wenn Ginny sie so ansah. „Du bist doch meine beste, einzige, super tolle Brautjungfer. Und du siehst von uns allen am besten aus, weil du die größten Brüste hast!", fügte sie hinzu. Hermine schloss peinlich berührt die Augen.

„Cheers!", rief Luna dazu und trank aus einer orangenen Flasche.

„Fein. Keine Komplimente mehr!", befahl Hermine, und sie nahm die rote, Ginny die blaue Flasche. „Auf dich. Und deinen Abend, Ginevra", betonte sie bitter.

Und sie spürte, wie die Flüssigkeit in ihrem Mund wärmer wurde und tatsächlich brannte, als sie sie runterschluckte. Sie hustete heftig und Tränen traten in ihre Augen. Sie schüttelte benommen den Kopf. Sie hatte auf einmal das Gefühl, die schwarzen Tore wirkten gar nicht so bedrohlich.

„Ok. Und jetzt? Wollen wir da rein?", fragte Lavender vorsichtig. Hermine zog sich den Mantel aus. Die Kälte hielt sich in Grenzen.

„Es ist sowieso verboten, nach dem Geschlecht zu diskriminieren. Natürlich gehen wir da rein. Ginny und ich sind außerdem auch berühmt, und Ginny ist sogar Reinblüterin. Also… es steht nichts in unserem Wege." Sie spürte, dass sie eigentlich wie immer war. Nur… auf eine andere Weise. Sie hatte das Gefühl, das Falsche zu unterstützen, nur konnte sie eben nicht mehr genau sagen, was das richtige war.

„Ok!", riefen die Mädchen im Chor, legten die Mäntel ab und folgten Hermine, die mit dem Zauberstab das Tor öffnete. Der Weg war nicht lang, die Wiese fein gestutzt und das prunkvolle Anwesen hell erleuchtet. Hundert Männer würden sich gleich ordentlich wundern!

Als ob sich Männer alles erlauben konnten!

Nicht mit ihr. Nicht mit Hermine Granger!

„Hast du sie gesehen?"

„Draco, du machst mich wahnsinnig. Wie oft soll ich es sagen?", fragte Blaise amüsiert. „Es interessiert mich nicht, ob sie rote Haare hat, blonde oder grüne. Es interessiert mich nicht, wie sie heißt, woher sie kommt oder ob sie vorhat eine Revolution zu starten. Sie soll mit mir schlafen, einen Erben gebären und vielleicht für die Vereinigung arbeiten, wie unsere Mütter es tun."

„Aber-"

„Draco, für den Spaß und den Rest haben wir die Mätressen." Er schwieg. Ja. Richtig. Die Mätressen. Es wollte nicht in seinen Kopf. Es wollte einfach nicht. Er hatte versucht, seine zukünftige Frau zu sehen, aber sie hatte so viel zu tun, und anscheinend war es nicht mal üblich, dass der Bräutigam die Frau vor der Hochzeit zu Gesicht bekam.

„Whiskey, Sir?", erkundigte sich ein Zauberer ganz in schwarz, den Zauberstab bereit. Draco hielt ihm wortlos sein Glas hin. Er füllte es stumm und verschwand.

„Kommt Lucius heute nicht?" Draco war ganz froh, seinen Vater mal nicht ertragen zu müssen.

„Nein, Zuhause herrscht Krieg. Er und Narzissa werden genug zu tun haben, sich anzuschreien."

„Meine Mutter sagt, es ist ein Glück, dass sie Witwe ist."

„Das wünscht sich Narzissa bestimmt auch", fuhr er bitter fort.

„Pansy heiratet", bemerkte Blaise schließlich.

„Ja. Den alten Demetrius Irgendwas-Potter."

„Hat Potter eigentlich Kontakt mit ihm?"

„Woher soll ich das wissen? Ich lese nicht religiös die Potter-Tagesgazette, so wie du", erklärte er knapp. Blaise lachte auf.

„Ich meine nur. Damit müsste Potter nicht vom nicht-existenten Vermögen seiner Zukünftigen leben."

„Du bist verflucht gut informiert, wenn man bedenkt, dass du dich einen Scheiß interessierst", entfuhr es Draco, während er die anderen Männer beobachtete, die hier nur waren, um von ihren Frauen wegzukommen. Er und Blaise gehörten bald auch dazu, ging ihm auf.

„Malfoy, was soll das?" Blaise hatte sich vorgelehnt, das schöne Gesicht in entgeisterten Falten. „Ich interessiere mich nicht für diesen Hochzeitsscheiß, weil es unwichtig ist. Seit wann bist du jemand, der sich für die Frau interessiert, die seinen Schwanz im Mund hat? Sie sind gesund. Sie sind willig. Denkst du, eine von diesen Mädchen wünscht sich nichts sehnlicher, als uns zu heiraten, verdammt?" Blaise trank genüsslich seinen Scotch.

Und ja. Draco wusste mit ziemlicher Sicherheit, dass diese Mädchen wahrscheinlich lieber etwas anderes tun wollten, als zu heiraten.

„Diese Frauen sind schlau, Blaise."

„Im Vergleich zu uns?", entgegnete Blaise prüfend.

„Nein. Im Vergleich zu dummen Frauen, Salazar noch mal. Das bedeutet, sie denken. Sie hassen uns. Und sie überlegen, wie sie uns loswerden können, um an unser Vermögen zu kommen", fuhr er fort.

„Oh bitte, Draco. Nicht jede Ehe ist wie die deiner Eltern." Draco konnte es nicht leiden, wenn sich ein Außenstehender anmaßte über seine Familie zu urteilen. Und war es auch Blaise.

„Nein, wenn man Glück hat, stirbt der Ehepartner einfach", gab Draco zurück. Blaise verzog den Mund.

„Schön. Dann ist es eben ein Verhältnis, was nicht immer das Beste ist. Aber es geht um den Erfolg, Draco. Nicht um emotionale Scheiße." Blaise hatte genug getrunken, um ausfällig zu werden. Draco hatte nicht mal halb so viel getrunken, um heute ruhig schlafen zu können. „Können wir das Thema wechseln? Du verdirbst mir meine Laune", knurrte Blaise zornig.

„Du könntest auch gehen", schlug Draco vor, der sich bestimmt keine Ausfälle von Blaise anhören musste.

„Ich…" Blaise unterbrach sich und sah zur großen Tür. „Nein. Ich glaube, ich möchte bleiben", erklärte er völlig verblüfft. Draco folgte seinem Blick. Es war möglich, dass er doch schon zu viel getrunken hatte. Viel zu, viel zu, viel zu viel…!

„Siehst du, was ich sehe?", fragte Blaise und lehnte sich weiter in seinem Sessel vor.

„Ich bin mir nicht völlig sicher", gab Draco ehrlich zurück und wusste, er musste mittlerweile starren.

„Wir kennen alle, richtig?", fragte Blaise wieder, und Draco sah, wie sein Mund offen stand.

„Ja. Alle", bestätigte er.

„Den besten Champagner!", rief Ginny Weasley so laut, dass auch der letzte alte Mann im Club, die Aufmerksamkeit zu den Flügeltüren wandte. „Und hängen Sie unsere Mäntel auf!", fügte sie hinzu.

„Wie heißt die Blonde?", erkundigte sich Blaise eilig.

„Brown. Lavender", erklärte Draco tonlos.

„Sind die früher schon so rumgelaufen?" Draco schüttelte daraufhin den Kopf.

„Nein", gab er zurück. „Nein, definitiv nicht." Er fuhr sich durch die hellen Haare, rieb sich die Augen, aber der Anblick blieb. Ginny Weasley, Lavender Brown und Luna Lovegood, in Schilfröcken und BHs.

„Merlin…!", rief Blaise aus, als das vierte Mädchen den Männer-Club betrat.

„- und deswegen finde ich, Sie sollten sich schämen, überhaupt eine Unterhaltungsstätte bereit zu stellen, in denen so scharf diskriminiert wird. Sie werden von mir hören. So oder so. Und ich hoffe, Sie bedienen uns in den nächsten Minuten, denn auch das wäre eine Diskriminierung, wenn Sie es nicht tun würden! Wie ist überhaupt Ihr Name?"

Der arme junge, Zauberer wusste gar nicht, wie ihm geschah. Und Draco konnte ihm nicht verdenken, dass er Granger überall hinstarrte, nur nicht in ihr Gesicht.

„Verdammter Salazar! Das ist das Schlammblut. Potters Schlammblut. Kein Wunder, dass er sie mit auf seine Reise genommen hat. Muss ihn in dunklen Stunden, von der Langeweile und der Verzweiflung abgehalten haben", murmelte Blaise. Noch immer glaubte Draco, Potter sei schwul, denn welcher Mann würde die Chance ziehen lassen, mit dieser Figur zu schlafen?! Aber er war sich ziemlich sicher, dass Potter nicht derjenige gewesen war, der Granger auf der Flucht gevögelt hatte.

„Was haben die hier zu suchen?", fragte er schließlich, aber Blaise schien diese Frage weitaus weniger zu interessieren.

„Was? Das willst du wissen? Hölle, ich hoffe, sie ziehen sich noch komplett aus. Es ist lange her, dass Prostituierte in den Club gekommen sind." Er warf Blaise einen Blick zu.

„Weasley ist Auror. Lovegod unterrichtet Verwandlung in Hogwarts. Granger leitet die Kommission für schwarz-magische Verstöße, und Brown… keine Ahnung, was sie macht, aber wahrscheinlich könnte auch sie deine Eier über magischen Flammen rösten."

„Seit wann machst du dich für Frauen und Schlammblüter stark?"

„Blaise, ich komme heute vom Ministerium und habe bereits fünf Millionen Galleonen Strafe gezahlt. Ich habe nicht vor, das gleiche heute noch einmal zu tun. Aber bitte – tu, was du willst!" Draco würde auf gar keinen Fall in einen Streit mit auch nur einer dieser Personen geraten. Nachher standen nämlich noch Potter und Weasley vor seiner Tür, um die Schulzeit aufleben zu lassen.

„Bleib ruhig hier. Aber ich…" Und Blaise erhob sich tatsächlich, „werde auf unsere Schulzeit trinken gehen." Draco sah ihm nach. Nein, er war nicht wie Blaise. Ganz und gar nicht. Blaise schien es nicht zu interessieren, in welchen Skandal er geriet. Draco hatte lieber alle seine Skandale unter einem Dach. Er hatte alle seine Bälle in der Luft, und keiner geriet jemals in irgendwelche anderen Umlaufbahnen. Dass Blaise überhaupt in Erwägung zog, in unteren Schichten wildern zu gehen – das widerte ihn noch vielmehr an.

Und keine zehn Sekunden später hatte Blaise ein Gespräch mit Lavender Brown begonnen. Alle anderen Männer waren gleichermaßen schockiert, aber keiner würde wagen, knapp zwanzigjährigen den Zutritt zu dem Club zu verbieten, wo sie die einzige reizvolle Abwechslung boten. Er gab zu, er wandte seinen Blick auch nicht gerade ab. Er nippte an seinem Getränk und verfluchte sich dafür, Granger anzustarren.

Scheiß Schlammblut. Scheiß Potter-Sympathisantin. Scheiß Ministeriumshexe, die an sein Gold wollte.

Zur Strafe bestellte er noch einen Whiskey. Er musste sich so bestrafen. Mit Glück bekam er morgen Kopfschmerzen und hätte sich selber eine Lehre erteilt. Zu lange Schlammblüter anzusehen resultierte nämlich somit in Kopfschmerzen.

Granger trank eine klare Flüssigkeit, soweit er sehen konnte. Dass sie so hier aufgetaucht war, in diesem Aufzug, ohne Skrupel, hatte ihn eigentlich annehmen lassen, sie wäre betrunken. Aber anscheinend trank sie Wasser. Dass es Martini war, nahm er ganz entschieden nicht an.

Aber er lehnte sich zurück, denn jetzt bekam Granger tatsächlich Gesellschaft. Und vielleicht war das ausgleichende Gerechtigkeit. Er hatte von der Entropie gehört. Der Drang, dass sich alles ausgeleichen musste. Das Gute existierte nicht ohne das Schlechte. Der Tag nicht ohne Nacht. Ebbe nicht ohne Flut. Und dass sie seinen Tag zur Hölle gemacht hatte, bedeutete schlicht und ergreifend, dass sie nun an der Reihe war.

Phineas Black II hatte den Weg zu ihr gefunden. Die Ironie wollte es so, dass Phineas Black, der Erste, von der Familie enterbt worden war, weil er ein Unterstützer der Muggelrechte gewesen war. Phineas Black II war Vorsitzender der Reinblüter-Vereinigung, und war es deshalb, weil er das genaue Gegenteil seines Vaters war. Das sollte spannend werden. Und anscheinend hatte er keine große Vorstellung davon, wer das Mädchen mit dem roten Bikini war. Und Granger schien ihn auch nicht zu erkennen.

Er nippte an seinem Getränk und sah, wie Granger den alten Black schon dafür verurteilte, ihr auf den Ausschnitt zu starren. Er hätte nicht erwartet, dass sie unter ihrem Buckel, den sie vom Bücherschleppen bekommen hatte, so eine Figur verbergen würde. Vorurteile waren immer schön und gut, aber unter oberflächlichen Gesichtspunkten schwer aufrecht zu erhalten. Ihm gefielen seine Vorurteile und seine Ansichten, denn solange er sie glaubhaft und aufrichtig vertrat, war sein Leben simpel und machte Sinn.

Sollte er jetzt aber anfangen, Dinge anzuzweifeln – dann sähe es anders aus. Hastig bestellte er noch einen Drink, ließ sein Glas füllen, damit ihm solche komplexen Gedankengänge nicht mehr möglich waren.

Er nahm einen sehr großzügigen Schluck und riss seinen Blick von den vier Mädchen los. Wäre der junge Mr Gamp nicht so leicht zu beeinflussen, dann wären diese Mädchen hier nicht rein gekommen. Er glaubte, dass er sich nicht entsinnen könnte, Lavenders Blutstatus auf einer der Listen gesehen zu haben. Halbblut, nahm er an. Und Lovegood war zwar Reinblüterin, aber erst in zweiter Generation. Das zählte ungefähr so viel, als würde er einen teuren Anzug tragen, aber dennoch arm sein. Es zählte gar nichts.

„Was? Das ist doch wohl nicht Ihre Ansicht, Sie Widerling!"

Dracos Blick verfing sich wieder im Geschehen, ohne dass er es kontrollieren konnte.

„Wie nennen Sie mich?", wollte Black jetzt wissen und baute sich vor Granger auf.

„Ich nenne Sie so, wie es mir passt. Wissen Sie eigentlich, dass Sie in große Schwierigkeiten geraten können, wenn Sie solche Aussagen treffen? Ich arbeite im Ministerium für die Kommission von-"

„Sie bekommen Ärger, weil Prostitution in diesem Club nicht erlaubt ist, Miss!", schrie Black zurück, der sich wohl erhofft hatte, bei Granger Eindruck zu schinden und sie mit nach Hause zu nehmen. Und es ritt ihn Salazar persönlich, als er seinen gemütlichen Stammplatz verließ und tatsächlich zu den beiden schlenderte.

Geh zurück! Geh zurück, du verfluchter Idiot, schalt er sich, aber dann war es zu spät.