Kapitel 8

Schlammblut

Sie atmete aus. Und wieder ein.

Und wieder aus.

„Harry, was soll das bedeuten? Was möchtest du mir damit sagen?" Harry sah recht mitgenommen aus. An einer Stelle rauchte sein Trainingsumhang noch, während tiefe Kratzer seinen Overall zerfetzt hatten. Aurorentraining war immer wie Nahkampf im Krieg. Jedenfalls bevorzugte Harry diese Art von Training. Er sagte immer, das weiche Training würde überhaupt niemandem auch nur den geringsten Vorteil im echten Kampf verschaffen.

„Ich habe die Einladung vor einer Weile bekommen. Ron sagt-"

„Ron kann unmöglich dafür sein!", unterbrach sie ihn aufgebracht. „Und Ginny bestimmt auch nicht!", fügte sie hinzu.

„Es geht nicht darum, Hermine. Es geht darum, dass Ron meinte, man könne so mit der alten Tradition aufhören. Es müssen nicht immer nur Reinblüter sein, denen es erlaubt wird, so etwas zu veranstalten."

„Harry, es geht hier nicht um einen Debütantinnenball", gab sie zurück. „Das hat nichts mit Gesellschaftsschichten in dem Sinne zu tun", erklärte sie weiter. „Wenn du dich entscheidest an einer Tradition teilzunehmen, die nur – und ausschließlich nur – Reinblütern zu ehren abgehalten wird, dann beendest du keine Tradition. Du wirst nur ein weiteres Mal Feind auf einer Todesserveranstaltung."

Harry wirkte nicht zufrieden. „Wieso wurde ich dann eingeladen?"

„Weil du berühmt bist! Sie denken – nein, sie hoffen -, dass du eine Menge Gold stiften wirst."

„Und wenn schon? Ich wurde eingeladen. Ginny wurde eingeladen. Ich finde, die magische Idee und die Verbundenheit dahinter ist gut."

„Magische Verbundenheit von wem? Harry, das wurde nicht für Menschen wie dich und mich ins Leben gerufen. Denkst du, die Vereinigung der Reinblüter zur Weißen Rose lädt dich ein, weil sie sich nicht vorstellen können, ohne Harry Potter auszukommen? Das glaubst du doch nicht wirklich! Und du bist nicht mal ein Reinblüter. Dich einzuladen dient lediglich kommerziellen Zwecken!" Sie konnte nicht fassen, dass Harry tatsächlich darüber nachdachte.

„Du warst auch im Black Crown, ohne dort etwas zu suchen zu haben", fuhr er sie an.

„Das… war etwas anderes" gab sie bitter zurück. „Ginny hat mich gezwungen. Und wir standen unter bewusstseinsverändernden Drogen", fügte sie mit einem bösen Gedanken an George hinzu.

„Na und? Du kannst mir nicht sagen, dass es dir nicht Befriedigung verschafft hat, dort zu sein, und allen Reinblütern zu sagen, dass du genauso ein Recht hast, dort zu sein." Hermine seufzte wieder.

„Das heißt, du willst unbedingt bei dieser reichen Veranstaltung teilnehmen, weil du schon immer zu der reichen Oberschicht gehören wolltest?"

„Es geht nicht um das Gold!"

„Es geht immer um das Gold, Harry! Denkst du, denen ging es jemals um irgendwas anderes? Die Maxime der Reinblüter ist Erfolg, Harry. Sie werden ausgebildet, mehr und mehr Vermögen anzuhäufen! Sie heiraten nicht aus Liebe, wie du und Ginny! Die Ehepartner kennen sich nicht einmal! Und die Tradition mag von außen betrachtet glamourös und erstrebenswert aussehen, aber sie ist es nicht!"

„Ich wurde eingeladen. Das ist ein Schritt in eine Richtung, weg von der Tradition. Das siehst du ähnlich, oder nicht? Ich meine, ja, ich weiß. Die Leute da sind reich und waren wahrscheinlich alle irgendwann mal Anhänger von Voldemort. Aber das ist Geschichte! Wieso sollte man nicht vergeben und vergessen, nachdem alles vorbei ist?"

„Weil du Harry Potter bist, verflucht noch mal!", schrie sie jetzt.

„Du willst also nicht, dass ich die Einladung bestätige?", wollte er wütend wissen.

„Nein! Natürlich nicht. Denkst du wirklich, ich würde irgendwas dieser Menschen für gut heißen? Menschen, die mich Schlammblut nennen, Harry?!" Jetzt schwieg er. Das schien er verdrängt zu haben.

„Wann ist das das letzte Mal passiert?", wollte er jetzt kleinlaut wissen. Sie verdrehte die Augen.

„Sie sagen es nicht, nein. Es steht Strafe auf dem Wort, Harry. Das würde gegen ihr Erfolgsprinzip verstoßen, Gold für ein Wort auszugeben. Untereinander werden sie es jeden Tag hundertmal gebrauchen, um zu beweisen, dass sie sich durch ein dämliches Schimpfwort distanzieren können!"

Chrm.

Durch das Räuspern an der Tür wandten beide den Kopf. Sie atmete gereizt aus.

„Wir reden später weiter", bemerkte Harry jetzt recht steif.

„Wir müssen nicht darüber reden. Du kannst machen, was du willst, Harry", erwiderte sie und setzte ihr Arbeitslächeln auf. „Mr Malfoy, ich nehme an, Sie bringen den Scheck? Mr Potter kennen Sie ja", erklärte sie knapp. Sie würde bei Merlin zugegen, ihn an dem Hula-Abend geduzt zu haben! Bei Merlin nicht! Oh nein!

„Potter", sagte er kurzangebunden. Harry sah ihn nicht mal an, als er mit einem ausdruckslosen Nicken und wehendem Umhang ihr Büro verließ.

„Malfoy." Dann war Harry verschwunden. Es war ein unangenehmer Moment gewesen. Und sie fragte sich, wie lange er wohl schon dagewesen war. Sein Umhang war schwarz. Teuer. Sein Anzug war genauso schwarz. Genauso teuer, nahm sie an. Die Schuhe glänzten, seine Hände steckten in mattgrauen Handschuhen. Ein Ring über dem rechten Zeigefinger.

Seine Haare schimmerten so hellblond, dass sie im magischen Licht fast weiß hätten sein können. Seine Mundwinkel zuckten, aber es könnte sein, dass es nichts zu bedeuten hatte.

„Ich hätte Sie nicht persönlich erwartet", sagte sie, um überhaupt etwas zu sagen. Er lächelte, ohne ein Wort. Dann öffnete er seine Aktentasche und zog aus einem Seitenfach den Scheck. Die Gringotts Schecks waren größer als die der Muggel. Und sie waren grün. Giftgrün. Oben ein Stempel der Koboldvereinigung. Sie erkannte die Unterschrift von Lucius Malfoy, die magischerweise durch alle Abteilungen gewandert war. Müsste sie schätzen, dann würde sie sagen, Lucius Malfoy hatte seine Finger in knapp achtzig der zweihundert Abteilungen des Ministeriums.

Sie zog eilig den Zauberstab, um zu überprüfen, ob alles korrekt war. Aber sie bezweifelte es nicht. Der Scheck betrug auch 5, 5 Millionen Galleonen. Das war einiges zu viel. Er sagte dazu nichts. Sie räusperte sich verlegen.

„Das ist zu viel. Die Strafe beträgt 5 Millionen und vierhundertfünfundvierzigtausend. Es sind 55.000 Galleonen zu viel", erklärte sie indigniert.

„Ich nehme an, mein Vater spendet den Rest", erklärte er, ohne sie anzusehen.

„Ich wüsste nicht, wie ich das verrechnen sollte", erwiderte sie und betrachtete den Scheck. Fünfundfünfzigtausend. So viel betrug nicht mal ihr Jahresgehalt! Und Lucius Malfoy gab es praktisch… als Dreingabe mit dazu.

„Das ist nicht mein Problem, nicht wahr?" Er klappte seinen Koffer zu.

„Mr Malfoy!", sagte sie heftig. „Ich kann nicht einfach-"

„Oh, ich bitte Sie! Machen Sie keine große Sache daraus. Alle hier werden wissen, dass es keine Summe ist, die Lucius Malfoy sich nicht leisten kann. Er hat es wahrscheinlich nicht mal bemerkt!", knurrte er böse.

„Und das macht es jetzt besser?", konterte sie wütend. Ja, Lucius merkte es wahrscheinlich nicht mal. Das machte sie nur noch wütender.

„Sie wollen doch wohl nicht von mir verlangen, nach Gringotts zu gehen, einen neuen Scheck ausstellen zu lassen, damit Sie sich nicht peinlich berührt und demütig zeigen müssen, weil Sie nicht zugeben wollen, dass Ihre Abteilung eine Spende genauso nötig hat, wie alle anderen hier?", fuhr er sie zornig an, und sie hatte sich erhoben.

„Wir brauchen keine Spende Ihres Vaters! Es geht um die Buchhaltung!", erklärte sie laut.

„Buchhaltung? Ist das nicht eine Muggelangelegenheit?", vergewisserte er sich.

„Nein, Mr Malfoy. Es gibt überall eine Buchhaltung. Auch hier. Auch in Ihrer privilegierten magischen Welt!" Wieso stritt sie sich mit ihm? Wieso machte sie so ein Problem? Würde sie unten sagen, Lucius Malfoy spendete 55.000 Galleonen, dann wäre es ein Grund, seinen Namen wohlwollend in den nächsten Newsletter des Ministeriums zu setzen. Es war keine große Sache, Malfoy hatte recht. Aber für sie war es nicht akzeptabel. Gerade weil es so aussah wie ein Bestechungsgeld. Als ob Lucius Malfoy so etwas nötig hätte! Die Strafe, die er bezahlt hatte, sicherte ihm das Schweigen über die Angelegenheit rechtlich zu.

Aber sie fand es dreist und unpassend, dass Lucius Malfoy jetzt auch noch Gold dafür bezahlte, eine Angelegenheit wie Mord wie eine schleimige Goldtransaktion zu behandeln!

„Das wüsste ich natürlich nicht, meinen Sie das, Ms Granger?" Sie hatte schon immer Probleme mit der Autorität gehabt. Aber nur mit der Reinblüter-Idioten-Autorität, die hier im Ministerium regierte!

„Ich meine nur, dass es kein Aufwand gewesen wäre, die korrekte Summe eintragen zu lassen", bemühte sie sich um Höflichkeit.

„Oh, machen Sie sich bitte keine Gedanken. Es war auch kein Aufwand, diese paar Galleonen mehr auszugeben. Sie verstehen uns falsch. Lucius hätte ihnen auch noch mal fünf Millionen aufschreiben können, und es würde ihn nicht im Geringsten stören. Ich weiß, es ist schwer für die untere Schicht, wie Sie sie nennen. Aber wir, die obere Schicht, müssen uns keine Gedanken um Gold machen. Und ja, das ist ein verdammtes Privileg. Sie sollten Ihre Eifersucht besser unter Kontrolle halten. Sie haben jetzt genug meiner Zeit in Anspruch genommen. Wenn Sie mich entschuldigen würden?" Damit hatte er den Koffer vom Tisch gegriffen und schritt Richtung Tür. Er hatte also gelauscht! Er hatte sie und Harry belauscht! Er hielt allerdings noch mal inne. Ihr Mund stand vor Entrüstung so weit offen, dass sie nur starren konnte.

„Ach und übrigens – wir sagen das Wort nicht hundertmal am Tag. So wichtig ist es uns nicht, Ms Granger." Er lächelte wieder.

„Sie… Sie…!" Ja? Sie wusste nicht weiter. Wieso stritt sie sich mit ihm? Sie sah ihn jetzt zum dritten Mal, und zum dritten Mal stritt sie sich!

„Wo wir gerade dabei sind, wie hoch ist die Strafe?", wollte er wissen, schloss die Tür und kam wieder.

„Was?" Sie starrte auf die Tür, die er geschlossen hatte. Was tat er jetzt? War er wahnsinnig? Hatte er gerade nicht gesagt, er hätte keine Zeit? Wieso ließ sie zu, dass er weiter sprach?

„Ich glaube die Strafe beläuft sich im Moment auf… 500 Galleonen, richtig? Das heißt, würde ich das Wort Schlammblut hundertmal sagen, dann wäre es keine Spende mehr, sondern ein Bußgeld?" Er lächelte. Und sie spürte, wie sich ihre Züge härteten. Das Wort war immer noch ein schlimmes, furchtbares Wort. Und dass er es aussprach, ließ ihre Kehle unangenehm trocken werden. Sie war lange nicht mehr so genannt worden! Lange nicht mehr.

„Sie wollen hundertmal das Wort Schlammblut zu mir sagen?", wollte sie tonlos wissen, und er verdrehte die Augen.

„Nein, das wäre Zeitverschwendung. Mein Tag ist um einiges voller und wichtiger als der Ihre."

„Sind Sie wahnsinnig?", fragte sie ehrlich, und war sich nicht sicher, ob sie den Draco Malfoy noch erkannte, den sie einst so sehr gehasst hatte – immer noch hasste. Er war in seinen Körper gewachsen. Er war nicht mehr unattraktiv groß. Er war jetzt groß und Muskeln hatten alle Schlachsigkeiten ausgefüllt. Sein Gesicht passte gut zu seinen Formen, und je mehr sie versuchte, sich daran zu erinnern, wie er vor einigen Jahren ausgesehen hatte, umso schwerer fiel es ihr. Er sah aus wie Lucius. Sie sah ihn nicht oft. Lucius kam genauso selten ins Ministerium, wie der Minister.

Es war seltsam, dass die Leute mit dem meisten Geld, am wenigstens da waren, um es zu verdienen.

„Ich denke, würden alle Schlammblüter diese Frage stellen, gäbe es eine Revolte. Das wäre die Nummer zwei, nicht wahr?", warf er ein.

„Sie können nicht-"

„Ich allerdings mache mir eher weniger aus Schlammblütern. Ein Schlammblut kann einem heutzutage immer noch den Tage verderben. So wie früher auch. Nur darf man es jetzt nicht mehr laut äußern. Es sei denn natürlich, eine Strafe für ein Wort wie Schlammblut, trifft einen persönlich eher weniger. Sie sehen, es ist fast lächerlich, eine solche Strafe für Reinblüter zu entwerfen, denn wir haben alle genug Gold, um es uns leisten zu können, das Wort Schlammblut vierundzwanzig Stunden am Tag zu benutzen. Schlammblut", fügte er lapidar hinzu.

Sein Lächeln wirkte grausam. Und kalt. Und sie wusste, was anders war. Ganz abgesehen, von seinen Zügen, in die er hineingewachsen war. Seinem Aussehen und seiner Ähnlichkeit zu seinem Vater. Draco Malfoy hatte keine Angst mehr. Er fürchtete sich anscheinend vor keiner rechtlichen Konsequenz. Sie musste annehmen, er fühlte sich überlegen und so, als ob er sich alles erlauben konnte. Und sie verabscheute es.

„So, das waren erst siebenmal und ich habe schon keine Lust mehr. Etwas nicht zu dürfen, steigert tatsächlich nicht den Wert oder den Wunsch der Sache selbst, finden Sie nicht?" Sie wünschte sich, Harry wäre noch hier. Sie wusste, würde sie sich gegen Draco Malfoy wehren, würde sie schneller ihre Position verlieren.

„Hören Sie auf, das Wort zu benutzen", sagte sie also.

„Es stört sie?" Er lächelte immer noch. „Interessant. Ich dachte, Sie ständen über solchen Belanglosigkeiten wie Worten. Denn mehr ist es doch nicht, nicht wahr?"

„Sie sind ein Arschloch, Mr Malfoy. Wir akzeptieren Ihren Scheck. Und jetzt gehen Sie endlich!" Es war eine Mischung aus Höflichkeit und Wut – und innerer Verletzung. Sie fühlte sich tatsächlich verletzt. Wirklich!

„Gern", bestätigte er. „Und wenn Mr Potter zu der Zeremonie erscheinen will, dann sollte er sich darüber im Klaren sein, dass Muggel nicht gestattet sind."

„Muggel und magische begabte Muggel sind nicht dasselbe!", gab sie zornig zurück. Sie war keine Muggel! Sie war nur muggelgebürtig! Sie hasste diese magischen Unterschiede! Diese dämlichen, haltlosen Vorurteile!

„Nicht bei uns, Ms Granger. En Schlammblut ist auch ein Schlammblut, selbst wenn es zaubern kann."

„Sie machen das mit Absicht!", stellte sie tonlos fest.

„Natürlich. Sie haben mich praktisch dazu gezwungen. Wenn Sie Gold nicht ohne Weiteres annehmen, selbst wenn es eine nette Geste ist, dann-"

„Es geht um Mord, Merlin noch mal! Und meine Abteilung hat eine Bestechung nicht nötig! Nicht einmal Schweigegeld! Denken Sie wirklich, Gold vergibt Ihnen Ihre Sünden, Mr Malfoy?"

„Es sind die Sünden meines Vaters, und im Gegensatz zu Ihnen habe ich nicht das Bedürfnis, um Vergebung zu bitten. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen." Sein Lächeln machte sie wahnsinnig. Und ihr Zauberstab lag so nahe.

„Gehen Sie oder ich-"

„Oder sie was?", wollte er grinsend wissen. „Es ist beruhigend zu wissen, dass Sie in unserer Welt leider immer noch so weit unten stehen."

„Es ist mir dann ein noch viel größeres Rätsel, weshalb ein verdammter Todesser dann seinen Tag damit zubringt, bei einem Schlammblut im Büro zu stehen, um es zu beleidigen!", schrie sie zornig. Und sein Grinsen brach. Ein Stück weit, zumindest. Ihr Atem ging schnell. „Es macht Ihnen Spaß andere zu beleidigen?"

„Nein", sagte er. „Es ist nur ein Zeitvertreib. Ich glaube, eine Beleidigung bedeutet-"

„Sein Sie still!", fuhr sie ihn an. „Gehen Sie einfach!"

„Es war mir ein besonders großes Vergnügen. Und wenn ich mich nicht irre, habe ich das Wort noch…", er schien kurz zu überlegen, „ungefähr neunzig Mal bei Ihnen gut. Vielleicht sieht man sich bei unserem nächsten Event, wo Sie sich entscheiden, wieder als Prostituierte aufzutauchen und-"

Er schwieg. Sie wusste nicht, wie der Zauberstab in ihre Hand geraten war, aber jetzt richtete sie ihn mit eiserner Konsequenz auf seine Brust. Ihr Atem ging sehr, sehr schnell und sie wusste, sie würde eher gefeuert werden, als er das Wort Schlammblut noch einmal würde sagen können.

„Raus!", knurrte sie. Sie würde sich eher feuern lassen, als auch nur noch eine einzige Sekunde lang so tun zu müssen, als wäre es ihr egal, dass er sie beleidigte! Es war ihr nämlich nicht egal! Ihre Würde war schon immer um einiges wertvoller gewesen als irgendwelche Ministeriumspolitiken, denen sie sich unterwerfen musste.

Und langsam hoben sich seine Mundwinkel wieder. Er neigte den Kopf mikroskopisch, wie um seinen Abschied anzudeuten. Dann griff er nach dem Türknauf und verließ ihr Büro.
Es war wieder still. Aber sie hielt den Zauberstab immer noch auf Brusthöhe von sich gestreckt. So wütend… war sie seit einer ganzen Ewigkeit nicht mehr gewesen.

So hilflos hatte sie sich, seit dem sie auf der Flucht gewesen waren, nicht mehr gefühlt!

Und sie hatte nicht erwartet, sich jemals wieder so fühlen zu müssen!

Das Gefühl war so bitter! So gemein. Und sie hatte Angst, dass sie wirklich in den nächsten Stunden entlassen werden würde. Und das nur, weil sie sich hatte verteidigen wollen!

Auf die Art und Weise, die sie bei den Jungen immer kritisierte. Mit ihrem Zauberstab. Mit magischer Gewalt. Dabei hatte sie geglaubt, Worte wären ihre Stärke.

Vielleicht irrte sie sich. Sie wollte ihn nie, nie mehr wieder sehen!