Kapitel 10

No means Yes

„Kannst du das glauben?"

Nein, konnte sie eigentlich nicht. Aber es klang nicht wirklich so, als ob es Ginny so sehr ablehnen würde. Eigentlich klang es so, als ob Ginny es gar nicht so schlimm finden würde.

Eigentlich gar nicht! Das schockierte Hermine.

„Du… willst das doch nicht, oder?", fragte sie eher vorsichtig. Ginny zog sich den zerfetzen Umhang aus. Hermine fragte sich manchmal, ob das Aurorentraining für Harry und Ginny bloß Vorspiel bedeutete.

„Ich… weiß nicht. Wenn Harry geht, kann ich wohl schlecht Nein sagen, oder?"

„Das sind Reinblüter!", erwiderte Hermine entrüstet.

„Na und? Ich bin auch Reinblüter. Das heißt nicht immer etwas Schlechtes, Hermine", bemerkte Ginny knapp.

„Nein, aber… doch. In diesem Club schon!", beharrte sie.

„Ich hab ja auch nicht gesagt, dass wir es tun. Wir haben aber die Einladung. Es wäre… ziemlich witzig."

„Es wäre Selbstmord. Malfoy hat gesagt, Muggel können nicht teilnehmen. Also… müsstest ihr eure Hochzeit dann ohne mich feiern."

„Es wäre nur die Zeremonie und… wieso sprichst du mit Malfoy darüber?" Hermine wollte eigentlich gar nicht darüber sprechen.

„Ach, er war im Ministerium. Er wohnt jetzt anscheinend im Ministerium. Ich habe ihn am Montag gesehen, am Mittwoch, und heute auch noch!"

„Vielleicht schafft er ein paar Milliarden beiseite… für schlechte Zeiten."

„Er hat keine schlechten Zeiten. Nicht mal in den schlechten Zeiten waren es schlechte Zeiten für ihn, Ginny", gab Hermine bitter zurück.

„Schön, dann weiß ich es nicht. Ist es wichtig?"

„Nein! Es ist völlig unwichtig. Er ist ein Arschloch, und damit ist es vergessen, ok?"

„O-k…?", erwiderte Ginny langsam. Hermine hatte niemandem von dem Nachmittag erzählt, an dem sich Malfoy für 55.000 Galleonen das Rechte erkauft hatte, sie einhundert Mal als Schlammblut zu beschimpfen. Was natürlich so auch nicht stimmte. Aber er würde es tun, und sie konnte dagegen gar nichts machen. Und es war keine schöne Geschichte. Aber im Zusammenhang mit Draco Malfoy gab es keine schönen Geschichten, nahm sie an.

„Also, lass uns über etwas anderes reden." Eigentlich hatte Hermine schon keine große Lust gehabt, überhaupt zu Ginny und Harry zu kommen. Denn Ginny sprach nur noch über die Hochzeit. Und Hermine erinnerte es nur daran, dass sie Hochzeiten nicht leiden konnte, wenn sie groß und unpassend waren, wie Ginny es plante. Und jetzt kam hinzu, dass Ginny auch noch unter Reinblütern feiern wollte! Hermine konnte gar nicht sagen, wie sehr es sie aufregte.

Und ihretwegen konnte Ginny ruhig erzählen, es ging ihr nur darum, Traditionen zu brechen, aber Hermine wusste, es ging Ginny bestimmt nur um die Erscheinung. Sie würde im Tagespropheten stehen, und ganz London würde sich den Mund zerreißen darüber, dass Ginny Weasley und Harry Potter im Reinblüter-Club, dem reichsten Club der Welt, aufgenommen waren. Es war einfach Blödsinn! Es war so… unwichtig. Es ging nur um Status. Und sie hatte immer gedacht, weder Ginny, noch Harry, legten darauf besonderen Wert. Denn das war es doch nicht, was zählte?

Sie hatten doch nicht gegen genau diese Menschen gekämpft, um dann doch ihrem Club beizutreten, nur weil sie eine tolle Inneneinrichtung hatten! Das war doch einfach nicht richtig!

„Lavender hat sich allem Anschein nach in Zabini verliebt", bemerkte Ginny. Hermine seufzte auf. Auch darüber wollte sie nicht reden.

„Dann sollte sie sich schleunigst entlieben und wieder normal werden!"

„Du bist anscheinend auf gar nichts gut zu sprechen", merkte Ginny an.

„Nein, nur nicht auf Reinblüter, Ginny."

Sie wollte nur noch nach Hause. Was war auf einmal los mit all den Leuten?

„Ok, dann lass uns doch einfach darüber reden, dass du nicht heiratest, in niemanden verliebt bist und nur arbeitest. Und selbst das findest du zum Kotzen!" Anscheinend liefen auch irgendwelche Fässer bei Ginny gerade über. Und es endete wohl damit, dass sie dann Menschen beleidigte. Hermine erhob sich langsam, nachdem beide Frauen kurz geschwiegen hatten. „Oh, Hermine, ich habe es nicht so gemeint", sagte Ginny schließlich. „Setz dich. Lass und noch einen Kaffee trinken und darüber diskutieren, ob Lavender ihr Leben ruiniert hat. Bitte?"

Aber Hermine hatte sich bereits in Bewegung gesetzt.

„Nein, ich muss wirklich-"

„Sei nicht böse! Bitte, es tut mir leid. Ich hab nicht nachgedacht! Wirklich, Hermine!"

„Schon gut. Ich… muss wirklich los", sagte sie schließlich, und hob die Hand zum Abschied. „Grüß Harry. Wir sehen uns ja… morgen auf der Arbeit." Und Ginny sah ihr unglücklich nach. Hermine hatte keine Lust mehr, zu reden, oder Ginny zu umarmen, oder überhaupt noch irgendwas zu tun.

Ginny hatte Unrecht! Das war alles, was Hermine denken konnte.

Sie war nicht unglücklich mit ihrem Leben! Sie war nicht unzufrieden. Und sie liebte ihre Arbeit. Zwar lief es im Moment nicht super, aber wann lief es schon immer super? Nie, oder?

Hastig ließ sie die Stufen hinter sich, trat auf die Straße und apparierte, ehe sie noch in Harry stolpern würde, der jeden Moment von der Arbeit kommen musste. Wieso sagte sie überhaupt ihre Meinung? Ihr war es doch egal! Sollte Ginny doch in der Reinblüter-Hütte heiraten! Sollte sie doch das teuerste Kleid kaufen, was sie nur einen Tag lang tragen würde! Sollte sie doch ohne sie feiern, obwohl sie die erste Brautjungfer war!

Sollte sie nur!

Und sie kam stolpernd zum Stehen.

… und sie war nicht nach Hause appariert. Selbst in ihren Gedanken war sie so abgelenkt, dass sie anscheinend lieber ins Ministerium apparierte, als auch nur mit einem Gedanken zu überlegen, nach Hause zu gehen! Ginny hatte Unrecht! So einfach war es.

Jetzt stand sie recht nutzlos in der Seitenstraße zum Ministerium und war wütend. Auf Ginny und auf sich selbst. Was mischte sie sich überhaupt ein? Anscheinend war es doch sowieso vollkommen egal, was sie dachte! Ginny gab doch sowieso nichts auf ihre Meinung!

Und was tat sie hier? Sie sollte einfach nach Hause gehen, eine Flasche Wein aufmachen, Krummbein ihre Sorgen erzählen und ins Bett gehen.

Aber sie wusste, warum sie nicht nach Hause apparierte. Denn ihr Zuhause war das Zuhause ihrer Eltern. Zuhause bedeutete, dass ihre Eltern merken würden, wie wütend sie war, und dass sie dann auch noch erklären musste, weshalb!

Sie atmete zornig aus, ballte die Hände zu Fäusten und stand immer noch unentschlossen auf der Straße in der Dämmerung. In der Wand öffnete sich ein Spalt. Sie nahm an, es hatte mit Karma zu tun. Oder einfach mit gottlosem Pech.

Malfoy schlug seinen Kragen eilig hoch und blieb dann verdutzt stehen, als er sie sah. Ihn wollte sie nicht sehen! Er war heute schon in ihrem Archiv gewesen und hatte sie nur mit seiner bloßen Anwesenheit verscheucht! Sie hasste ihn. Und alle Reinblüter! Alle!

„Ms Granger", sagte er knapp. Unter seinem Arm einen Stapel Papiere geklemmt.

„Ms Granger?", wiederholte sie böse. „Was ist, keine Schlammblüter mehr übrig, Malfoy?" Sie wusste, die erste Regel sollte lauten, nicht mit ihm zu sprechen. Ihn nicht fertig zu machen, oder etwas zu sagen, womit sie riskieren könnte, ihre Stellung zu verlieren. Die zweite Regel wäre, ihn auf gar keinen Fall zu duzen!

Er hob eine Braue. Sie erkannte es auch in der Dämmerung. Seinen abschätzenden Blick erkannte sie überall. Arschloch.

Ditte Regel: Sich die Wut nicht anerkennen lassen!

„Gut, dass ich Sie treffe. Ich habe einige Fragen", fuhr er fort.

„Nein", sagte sie nur. Gut, ihre Regeln würde sie bei Gelegenheit einhalten, sagte sie sich in Gedanken.

Nein?", wiederholte er jetzt, umfasste die Dokumente fester, und sie wollte gehen. „Du bist wütend?" Er duzte sie. Sie gaben das Spiel auf. Sie merkte es in dieser Sekunde. Sie war müde. Sie konnte nicht mehr. Regeln hin, Regeln her….

„Wieso bist du ständig hier?", fuhr sie ihn an. „Was soll das? Hast du kein Zuhause mehr?"

Er betrachtete sie ruhig.

„Vielleicht schicke ich dir ein Memo, und dann klären wir das wann anders."

„Wir haben gar nichts zu klären." Sie machte Anstalten an ihm vorbei zu gehen. Jetzt könnte sie auch einfach etwas arbeiten gehen. Es gab genug Arschlöcher wie ihn, die von ihr verlangten schwarzmagische Gegenstände wegzuschaffen, Flüche rückgängig zu machen, und einfach ihren reinblütigen Arsch zu retten. Und sie hasste sie alle!

„Nein? Willst du deinen Zauberstab wieder auf mich richten?", erkundigte er sich gelassen.

„Geh einfach", sagte sie nur.

„Bin dabei. Du anscheinend nicht. Selber kein Zuhause, Schlammblut?", erkundigte er sich, und vor ihm blieb sie stehen. Sie wusste, sie sollte weitergehen und nicht mit ihm reden. Er war nicht das Ventil ihrer Probleme. Er war es nicht! Sie sollte mit Ginny sprechen. Mit Harry. Mit irgendwem. Aber nicht mit ihm!

„Doch, Malfoy. Fick dich einfach." Er hob eine Augenbraue.

„Große Worte. Keine Angst vor mir?" Er schien amüsiert zu sein. Sie tat etwas, was man mit fünf Jahren vielleicht noch tat. Nicht mal dann, vermutete sie, als sie die Hand hob, und die Dokumente aus seinen Armen fegte. Er konnte sie nicht alle halten, und die meisten landeten auf dem Asphalt. Er grinste tatsächlich.

„Ich habe keine Angst vor Menschen, die keine eigene Meinung haben, sich in Ehen zwingen lassen, und bei Daddy unterm Dach wohnen, bis sie sterben." Und er grinste immer noch.

„Mit Glück stirbt Lucius schon nächstes Jahr." Das war ein Satz, den sie nicht einordnen konnte. „Schlammblut", fügte er hastig hinzu. Sie verdrehte die Augen und ging weiter. „Hey, willst du…" Er sprach nicht weiter. Aber sie hielt inne. Sie wandte den Kopf um.

„Was?"

„Nichts", sagte er schnell, bückte sich nach seinen Unterlagen – und sie fragte sich nur, was zur Hölle er eigentlich tat.

„Was ist das? Unterschlägst du Vermögen? Lässt du reiche Wichser laufen, weil du genug Gold verdienst, um es zu tun?" Sie sollte den Mund halten. Es war als hätte sie wieder Georges Trank getrunken. Er sagte nichts mehr. Sie bückte sich ebenfalls nach einem Dokument. Und sie starrte es an. Sekundenlang.

„Fertig?", knurrte er und schnappte es aus ihrer Hand.

„Du…" Sie starrte ihn jetzt an. „Du willst den Weasleys Gold geben?", flüsterte sie schockiert.

„Nein. Natürlich nicht, Schlammblut", erklärte er gereizt. Das Wort prallte dieses Mal an ihr ab.

„Doch! Da steht es doch! Zweihunderttausend Galleonen!", flüsterte sie.

„Was ich will und was ich nicht will, sind sehr verschiedene Dinge. Ich will ihnen gar nichts geben. Ein Ticket, damit sie zu den Blutsverrätern nach Muggelhausen ziehen, ja. Ich will aber nicht hier arbeiten unter Voraussetzungen, die Bullshit sind!" Anscheinend ärgerte er sich, denn er hatte ihr wohl mehr gesagt, als er vorgehabt hatte. Fluchend wandte er sich ab.

„Warte!", rief sie mehr als verwirrt.

„Nein. Geh einfach arbeiten, Schlammblut", sagte er jetzt.

„Wieso gibst du ihnen Geld?"

„Ich gebe ihnen gar nichts, verflucht!", schrie er förmlich.

„Aber es steht doch…-"

„Nur weil ich es geschrieben habe, bedeutete es nicht, dass es passiert, Salazar noch mal!", unterbrach er sie gereizt.

„Wieso schreibst du sowas?"

„Was willst du von mir? Denkst du, ich erzähle dir jetzt alles? Denkst du das wirklich? Schlammblüter vor? Vergiss es. Schlammblut!", fügte er kalt hinzu.

„Malfoy, du-"

„Was?"

„Warum bist du überhaupt hier?", fragte sie jetzt. Sie wusste, was die Reinblüter in der Abteilung taten. Sie bogen jedes Gesetz, damit es passte.

„Bestimmt nicht, um mit einem schmutzigen Schlamm-"

„Draco!", sagte sie wütend. Sein Vorname brachte ihn dazu, sie verwirrt anzusehen.

„Ich glaube nicht, dass du meinen Vornamen sagen darfst", erwiderte er fast behutsam, und seine Augen durchleuchteten sie förmlich.

„Ich glaube nicht, dass du so genannten Blutsverrätern zweihunderttausend Galleonen geben darfst", konterte sie hastig.

„Du-"

„Tust du etwas Nettes, Malfoy?", unterbrach sie ihn gereizt, denn das letzte, was sie wollte, war, dass Draco Malfoy doch fähig war, etwas Nettes zu tun!

„Nein", gab er zurück.

„Du… tust etwas Nettes, oder?", flüsterte sie.

„Ist Geld abzugeben etwas Nettes? Nein. Ich glaube, es ist was Erbärmliches."

„So erbärmlich, wie jemanden zu heiraten, den man nicht kennt, nicht liebt und nur zum Erben zeugen manipulieren will?", erwiderte sie und konnte nicht verhindern, ihn immer noch prüfend anzusehen. War das Draco Malfoy?

„So in etwa, ja", bestätigte er tatsächlich. Nein, es war nicht Draco Malfoy. Definitiv nicht!

„Also… tust du etwas Nettes?", wiederholte sie fassungslos.

„Oh, Salazar noch mal – verfluchte Scheiße, ja, Granger. Ja, allem Anschein nach ist das etwas Nettes, verdammt", knurrte er wütend. Sie schüttelte langsam den Kopf. Die Welt war doch verrückt geworden. Ginny und Harry wollten wie Reinblüter heiraten, und Draco Malfoy wollte den Weasleys Geld schenken!

„Wo wir dabei sind, wie viel Gold schätzt du, bekommt das Opfer für Folter, Drohung und Entführung?", fuhr er böse fort. „Bisher komme ich aus sehr, sehr alten Fällen auf eine Million. Aber das macht keinen Sinn. Nicht in anderen Rechnungen. Leider gibt es diese Fälle nicht wirklich, denn… kein Reinblüter sieht darin ein Problem", erklärte er und zog ein Dokument hervor.

„Was soll das? Begleichst du deine Schulden?", wollte sie leise wissen. Er lachte freudlos auf.

„Nein, bestimmt nicht. Ich weiß nur, was richtig ist und was verflucht noch mal falsch ist."

„Was ist das?", fragte sie, obwohl sie es nicht wirklich wissen wollte. „Und woher solltest ausgerechnet du das wissen?!" Es kam ihr alles suspekt vor.

„Nichts weiter. Vergiss es einfach", sagte er knapp.

„Folter, Drohung, Entführung? Normalerweise Haftstrafe", sagte sie schließlich und beschloss, heute nicht weiter zu streiten. Nicht mal mit dem Arschloch.

„Was, wenn die Person tot ist?", fuhr er fort.

„Was? Wieso bearbeitest du dann… - du musst Gold abgeben!", entfuhr es ihr überrascht. „Es ist dein Gold!", wurde ihr klar. Und dann wurde ihr klar, um was es ging. „Lestrange-Weasley?", ergänzte sie ungläubig und schüttelte den Kopf.

„Was denkst du? Denkst du, ich schenke Blutverrätern gerne Geld in meiner Freizeit? Oder Schlammblütern?", fuhr er sie an. Sie sah ihn fassungslos an.

„Malfoy, du musst das nicht. Du musst nicht mal hier sein für deinen dämlichen Job. Für gewöhnlich gebt ihr sowas euren Assistenten, die biegen das Recht, Bellatrix Lestrange wird freigesprochen, und du bist raus", erklärte sie böse. So funktionierte ihr scheiß System und hundert Klagen hatten es bisher nicht ändern können.

„Ach ja? Nicht bei mir."

Das war alles, was er sagte.

„Eine Millionen?", sagte sie plötzlich. „Du schätzt mich auf eine Millionen Galleonen?"

„Nein. Ich schätze dich auf ungefähr so viel, wie Dreck unter meinem Schuh wert sein müsste, Granger. Aber dummerweise war ich dabei, habe gesehen, wie sie dich gefoltert und gefangen genommen haben, also… bewerte ich die Situation."

„Deine Schuhe steckten dann metertief in Schlamm, Malfoy, so oft, wie du nicht mit mir Zeit verbringst", sagte sie, und ihr Stimme zitterte wieder leicht. „Und… du schätzt mich auf eine Millionen", wiederholte sie schließlich verblüfft.

„Fick dich", entgegnete er nur.

„Eine Millionen für ein Schlammblut. Das muss bestimmt bitter sein. Wieso tust du das?"

„Wieso gehst du nicht rein? Ich bekomme das Gefühl, dir gefällt das hier", knurrte er.

„Nein. Ach und übrigens, es gibt keinen Ort namens Muggelhausen", informierte sie ihn, als sie sich endgültig abwandte. Sie musste über diesen Abend nachdenken. Sehr viel. Und… hatte sie gerade tatsächlich einen Versuch gewagt, einen Scherz in seiner Gegenwart zu machen?!

„Du musst es wissen!", rief er ihr nach. „Sag mal, hast du vielleicht…" Und wieder unterbrach er sich fluchend. Dieses Mal ging sie darauf ein.

„Was, Malfoy? Ich bin bereit, dir diese Frage zu beantworten", sagte sie schließlich. Sie hatte sich mit Ginny gestritten und war als schlechte Person gegangen. Jetzt traf sie Malfoy, der anscheinend den ganzen Abend darüber nachgedacht hatte, den Weasleys Gold zu schenken, und fühlte sich wieder wie eine schlechte Person.

„Nein. Vergiss es", sagte er schließlich.

„Dir ist klar, dass du mich gefragt hast. Dass du mich aufhältst, richtig?", sagte sie und konnte noch nicht glauben, dass sie schon seit über fünf Minuten mit ihm sprechen musste, ohne dass sie sich bisher umgebracht hatten. Sie war heute nicht gut in Form.

„Fein, verdammt", gab er sich geschlagen. „Was hältst du von Alkohol?", erkundigte er sich und wirkte auf einmal anders. Sehr, sehr anders. Gefährlich anders.

„Alkohol? Was soll die Frage? Im Allgemeinen? Ich lehne ihn ab. Warum?"

Seine Mundwinkel zuckten ungerührt. „Nicht im Allgemeinen, Granger. Heute Abend", korrigierte er sie. Ihr Mund öffnete sich. Und schloss sich wieder.

„Was?", flüsterte sie verwirrt, denn sie glaubte nicht, richtig verstanden zu haben. Er verdrehte die Augen.

„Du. Ich. Alkohol?"

Und sie sah ihn an. Was passierte gerade? War das Draco Malfoys Art, sie um ein Date zu bitten? Das konnte irgendwie nicht sein. Sie hatte irgendwas verpasst! Und vor allem… was ritt ihn denn da? Er durfte überhaupt nicht mit ihr sprechen, geschweige denn, ihr anzubieten mit ihm zu trinken. Und die Antwort war: Nein. Nebenbei bemerkt.

„Bist du verrückt geworden?", sagte sie jetzt leiser, denn sie hatte plötzlich Angst, jemand könnte sie hören.

„Das sollte offensichtlich sein, oder? Hast du Lust?", fügte er ungeduldiger hinzu und sah sie tatsächlich immer noch an.

„Lust? Auf was?", wagte sie zu flüstern. Und er schenkte ihr ein Lächeln, was wahrscheinlich von der Hexenwoche zum Lächeln des Monats gekürt worden wäre.

„Auf mich, Granger."